MacLaverty, Bernard - Cal - Der Nordirlandkonflikt an Hand von Bernard Mac Lavertys Roman


Facharbeit (Schule), 2002

43 Seiten, Note: 15 Punkte


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Einleitung:

Wir befinden uns im Jahre 2002 n. Chr. Ganz Europa ist vom Wunsch nach Frieden und Versöhnung beseelt... Ganz Europa? Nein! Ein von unverbesserlichen Konfessionsgruppen besiedelter Landstrich hört nicht auf, Unfrieden zu stiften.

Dieser Landstrich ist Nordirland, die Konfessionsgruppen sind Katholiken und Protestanten und die Situation dort ist natürlich alles andere als lustig. Der Jahrhunderte alte Hass kostete und kostet bis heute unzähligen Menschen das Leben und verhindert ein friedliches Zusammenleben. Obwohl das Thema Nordirland v.a. in den 70er und 80er Jahren in den Medien sehr präsent war, wissen heute die wenigsten, was in der Unruheprovinz vor sich geht und wie und warum die Gewalt so eskalieren konnte. Einen tiefen Einblick in den Nordirlandkonflikt bieten die Werke einiger zeitgenössischer nordirischer Schriftsteller, die helfen, die Gründe und Hintergründe der Gewalt in der Unruheprovinz zu verstehen. Ein Autor, dem die Darstellung der nordirischen Tragödie besonders gut gelingt, ist Bernard Mac Laverty. In seinem 1983 erschienenen Roman „Cal“ beschreibt er am Schicksal des gleichnamigen Titelhelden eindringlich die alltägliche Gewalt und ihre Auswirkungen auf die Menschen und gewährt so dem Leser schlaglichtartig Einblick in die Problematik des Konflikts. Den Nordirlandkonflikt an Hand von „Cal“ herauszuarbeiten, ist das Thema dieser Arbeit.

Biographie des Autors:

Wer ist der Mann, der in seinen Werken den Alltag in den zerrissenen Six Counties so klar und prägnant darstellt? Und was hat ihn dazu bewegt, sich in dem Roman der Thematik des Nordirlandkonflikts anzunehmen? Aufschluss bietet der Lebenslauf des Autors.

Bernard Mac Laverty wurde am 14.09.1942 in Belfast geboren, wo er auch zur Schule ging. 1960 machte er seine A-Levels in Englisch und Chemie. Die beiden Interessengebiete Naturwissenschaft und englische Literatur sollten seinen beruflichen Werdegang bestimmen. Der junge Mann wurde medizinischer Labortechniker in seiner Heimatstadt, doch widmete er sich auch seinem Steckenpferd, der englischen Sprache und Literatur. Seit seinem neunzehnten Lebensjahr schrieb er, meist nachts, „´wenn der kleine Punkt auf dem Fernsehbildschirm verschwand`“1.

Doch das reichte Mac Laverty dann nicht mehr. Nach zehn Jahren orientierte er sich um und begann 1970 an der Belfaster Queen`s University englische Literatur zu studieren. 1973 schloss er sein Studium erfolgreich ab und 1975 erhielt er seine Lehrbefähigung. Allerdings hatte der frisch gebackene Englischlehrer Probleme, in seiner Heimatstadt Arbeit zu finden. Zudem wurde es Anfang der siebziger Jahre „in Belfast sehr ungemütlich“2 - wie der Autor es selbst in einem Interview mit der taz 1991 salopp formulierte. Die um sich greifende Gewalt ebenso wie seine Arbeitslosigkeit veranlassten Mac Laverty Belfast mit seiner Familie - bestehend aus seiner Frau Madeline, seinen drei Töchtern und einem Sohn - im Jahre 1973 gen Schottland zu verlassen. Dort arbeitete er u.a. in Edinburgh und auf der Isle of Islay als Englischlehrer.

Noch während seiner Zeit in der schottischen Hauptstadt veröffentlichte er 1977 seine erste Sammlung von Kurzgeschichten „Secrets and Other Stories“, die von Kritikern begeistert aufgenommen wurde und im selben Jahr noch den Scottish Arts Council Fiction Award gewann. Ermutigt durch diesen Erfolg hängte Mac Laverty 1981 seine Arbeit als Lehrer an den Nagel, um sich nur noch der Schriftstellerei zu widmen. Das Risiko zahlte sich aus. Der junge Autor erarbeitete sich einen über die Grenzen des Vereinigten Königreichs hinaus reichenden Ruf. Seine Werke gewannen zahlreiche Preise, wie z.B. 1978 zum zweiten Mal den Scottish Arts Council Fiction Award für seine zweite Kurzgeschichtensammlung „A Time to Dance“. Seine Romane „Lamb“ und „Cal“ wurden erfolgreich verfilmt. Die in- und ausländische Presse lobte den jungen Autor in den höchsten Tönen, wie die folgenden begeisterten Kritiken zeigen. So beurteilte die SZ 1985 „... Mac Laverty als behutsamen Beobachter und sensibel verhaltenen Autor...“3. Die Jerusalem Post zählt Mac Laverty „zu den besten irischen Autoren der jüngeren Generation.“4 und The New York Times Book Review stellt ihn sogar in eine Reihe mit „Tschechov, Joyce und Mansfield“5.

Mac Lavertys Werke beschäftigen sich v.a. mit der Gewalt in Nordirland, die er vor seiner „Flucht“ aus Belfast hautnah miterleben musste: „... Bernard and Madeline were so shocked by the intensity of the violence that broke out in the working class ghettoes of the Shankill Road and Andersonstown that they were unable to come to terms with it.“6 Folglich liegt es nahe, dass Mac Laverty diese Erfahrung der Gewalt in seinen Werken verarbeitete.

Eine andere prägende Erfahrung, die Mac Lavertys Schreiben stark beeinflusst haben dürfte, ist der frühe Tod des Vaters. Mit 12 Jahren wurde der Autor Halbwaise. So spielt die Vater-Sohn-Beziehung nicht nur in „Cal“ eine beherrschende Rolle. Auch in anderen Werken, wie z.B. der Kurzgeschichte „Father and Son“, ist sie zentrales Thema.

Einführung in die irische Geschichte:

Neben der oben erwähnten schwierigen Vater-Sohn-Beziehung hat der wohl bekannteste Roman des Autors „Cal“ den Alltag der Menschen und die Gewalt in der Unruheprovinz zum Thema. Obwohl die Handlung im Nordirland der 70er Jahre zur Zeit der sog. Troubles angelegt ist, sollte der Leser die irische Geschichte in ihren Grundzügen kennen, um Zusammenhänge leichter zu erfassen und Anspielungen im Roman zu verstehen.

Der Nordirlandkonflikt wird in den Medien oft als Religionskonflikt dargestellt. Dies ist aber nur oberflächlich richtig, da er vielmehr den Kampf zweier Gesellschaftsgruppen „um politische Macht und wirtschaftliche Vorteile“7 bedeutet. Folglich trifft die Bezeichnung der Konfliktparteien als „katholisch“ bzw. „protestantisch“ nicht den Kern des Problems und wird deshalb im Folgenden weitgehend vermieden. Um die politische Ausrichtung des Konflikts zu verdeutlichen, werden die Begriffe loyalistisch bzw. unionistisch und nationalistisch bzw. republikanisch gebraucht, um die Konfliktparteien zu unterscheiden. Als Loyalisten/Unionisten bezeichnet man die Gruppe, die gegen eine Vereinigung Irlands ist und den Bund mit Großbritannien erhalten will. Die meisten Loyalisten sind Protestanten. Ihr Gegenpart sind die sog. Republikaner/Nationalisten. Diese sind meist katholisch und fordern den Anschluss Ulsters an die Republik Irland und ein Ende des Bündnisses mit England.

Die Wurzeln des heutigen Konflikts liegen tief im Mittelalter. Er wurde v.a. von zwei Aspekten geprägt. Eine Ursache ist in der rigorosen Expansionspolitik der Engländer zu sehen, die aus machtpolitischen Gründen den kleineren Nachbarn Jahrhunderte lang besetzten und das irische Volk entrechteten. Bereits 1169 eroberte der englische König Henry II einen kleinen Teil der keltisch besiedelten Nachbarinsel. In den folgenden Jahrhunderten versuchte England, seinen Einflussbereich auf die ganze irische Insel auszuweiten, was zu einer Reihe von blutigen Kriegen und Aufständen gegen die Eindringlinge führte.

Im 15. Jh verschärfte sich die Situation, als Henry VII begann den Einfluss des irischen Adels massiv zu beschneiden. Seine Nachfolger auf dem Thron setzten seine Irlandpolitik konsequent fort. So unterwarf sein Sohn Henry VIII die irischen Lords der Krone, als er sich 1534 zum König von Irland ernennen ließ.

Dessen Nachfolgerin Elizabeth I begann eine verhängnisvolle Umsiedlungspolitik, die den Kern der heutigen Auseinandersetzung birgt. Im Zuge der sog. Plantation of Ulster wurden Königstreue aus dem inzwischen protestantischen England angesiedelt, denen das Land enteigneter oder geflohener Iren überlassen wurde. Diese Politik hatte die Entmachtung der irischen Elite und die totale Unterwerfung des kleineren Nachbarn zur Folge. Da die protestantischen Neuankömmlinge „das Land, das Geld und die politische Macht“8 an sich rissen, fühlten sich die Iren im eigenen Land „enteignet, entmündigt und gedemütigt“9. Die Enteignungen und die Behandlung, die sie von den neuen Herren erfuhren, schürten den Hass der Einheimischen. Die protestantische Elite fühlte sich durch die sie umgebende feindselige Mehrheit in ihrer Vormachtstellung bedroht. So entstanden in Jahrhunderten gegenseitiges Misstrauen und Hass gegen die jeweils anderen. Diese Spannung entlud sich immer wieder in blutigen Kriegen und Aufständen, auf deren chronologische Auflistung hier aber verzichtet sei, um eine gewisse Übersicht zu wahren.

Erst im 16. Jahrhundert kam der religiöse Aspekt des Konflikts hinzu. Um sich von seiner Frau Katharina von Aragonien scheiden lassen zu können, kehrte Henry VIII dem Katholizismus den Rücken und schuf in England seine eigene Kirche, die anglikanische Staatskirche. Er scheiterte jedoch bei dem Versuch, diese im katholischen Irland durchzusetzen. Somit trennte Herrscher und Beherrschte nicht mehr nur Kultur, Abstammung und sozialer Status, sondern auch die Konfessionszugehörigkeit.

Zum offenen Religionskrieg wurde der Konflikt erst 1689. Der Stuart Jakob II, der von den Iren unterstützt wurde, hatte versucht in England den Katholizismus und Absolutismus wiedereinzuführen, war abgesetzt worden und vor den Truppen des Protestanten William of Orange nach Irland geflohen. Von dort aus versuchte er seinen Thron zurückzuerobern, wurde aber von seinem Kontrahenten am 12.07.1690 in der Schlacht am Boyne vernichtend geschlagen. Diesen Tag feiert auch heute noch der Oranier-Orden mit seinen berüchtigten Paraden, die alljährlich wieder Auslöser für Unruhen sind.

Die Niederlage hatte für die verbündeten Iren weitreichende Folgen. Gegen sie wurden 1695 Strafgesetze, die penal laws, erlassen, die ihre Rechte stark beschnitten. So durften Katholiken weder Soldaten werden noch Waffen besitzen, weder wählen noch gewählt werden. Ihr Land mussten sie unter all ihren Söhnen aufteilen und konvertierte von ihnen einer zum Protestantismus, erhielt er die Erbanteile seiner katholischen Brüder. Auch von höherer Bildung waren Katholiken ausgeschlossen.10 Diese Gesetze, wenn sie auch im Laufe der Jahre gelockert wurden, ermöglichten es der protestantischen Minderheit, ihre Vorherrschaft zu zementieren und sie über Jahrhunderte zu erhalten.

Auch die zahlreichen Versuche der Iren, die britische Vorherrschaft mit Waffengewalt abzuschütteln, scheiterten regelmäßig, wie das Beispiel des größten Aufstands jener Zeit im Jahre 1798 zeigt. Nach der Rebellion der United Irishmen, die bezeichnender Weise von dem Protestanten Wolfe Tone geführt worden war, wurde Irland 1800 im Act of Union mit Großbritannien zwangsvereinigt.

Tief ins Gedächtnis der Iren eingebrannt haben sich die Hungerjahre 1845-1848, die eine Million Iren dahinrafften und zwei Millionen zur Auswanderung, meist in die USA, zwangen. Die Kartoffelernte, die Existenzgrundlage der irischen Kleinbauern, war durch die Kartoffelpest vernichtet worden. Wie gleichgültig die britischen Großgrundbesitzer dem Hungern und Sterben des irischen Volkes gegenüberstanden, verdeutlicht ein Brief eines Zeitzeugen: „... The corn crops were sufficient to feed the island. But the landlords would have their rents in spite of the famine...They took the whole harvest and left hunger to those who raised it. Had the people of Ireland been the landlords of Ireland, not a single human creature would have died of hunger.“11 Der Zorn der Iren über das gnadenlose Verhalten der Engländer entlud sich 1848 in einem wiederum erfolglosen Aufstand.

Da Irland trotz Repressionen der Briten über die Jahrhunderte Schauplatz permanenter Erhebungen war, kam die Regierung in London endlich zu der Einsicht, dass es so nicht weitergehen könne. Unter dem liberalen Premierminister William Gladstone setzte sich die Auffassung durch, dass man der Situation nur durch politische Reformen, die auf eine Autonomie Irlands abzielten, Herr werden könne. So wurde insgesamt dreimal - 1886, 1893, 1912 - versucht Home Rule, d.h. eine irische Teilautonomie, einzuführen. Dies scheiterte aber 1886 und 1893 am geballten Widerstand der Protestanten, die um ihre Vormachtstellung in Irland fürchteten und die im englischen Parlament von der Conservative Party unterstützt wurden. 1910 schien im dritten Anlauf die Zeit dann endlich reif für Home Rule. Die Liberalen, denen nach einer Wahlschlappe die Mehrheit im House of Commons fehlte, mussten mit den irischen Nationalisten kooperieren, um an der Macht zu bleiben. Der Preis für diese Zusammenarbeit war 1912 die Vorstellung des dritten Home Rule Bill, dessen Durchsetzung aber auf Grund des Ersten Weltkriegs verschoben wurde.

Einige Iren, die die Hoffnung auf eine politische Lösung aufgegeben hatten, befanden 1916 die Lage für günstig, einen Aufstand gegen das durch den Krieg geschwächte Großbritannien zu führen. Die Rebellen, die von Waffenlieferungen aus Deutschland unterstützt wurden, schlugen am Ostermontag, dem 24.04.1916, los, besetzten das Postamt in Dublin und riefen die Republik Irland aus. Doch da sie sowohl zahlenmäßig als auch bewaffnungstechnisch der britischen Armee hoffnungslos unterlegen waren, wurde der Aufstand in einer knappen Woche niedergeschlagen. Die Regierung in London reagierte mit aller Härte: Die Rädelsführer des sog. Osteraufstands - Padraic Pearse, Thomas J. Clarke, James Connolly u.v.a. - wurden „in geradezu ritueller Weise hingerichtet“12, über Irland wurde Kriegsrecht verhängt. Außerdem kam es zu zahlreichen Verhaftungen überzeugter Republikaner, wie des Gründers der nationalistischen Partei Sinn Fein, Arthur Griffith. Das gnadenlose Vorgehen der Briten ließdie Stimmung in der Bevölkerung kippen. Waren die meisten Iren dem bewaffneten Kampf und den Rebellen zunächst mit Ablehnung gegenübergestanden - die Aufständischen waren nach ihrer Verhaftung von einer wütenden Menschenmenge sogar wüst beschimpft worden13 - so änderte sich die Stimmung zu Gunsten der Freiheitskämpfer. Dieser Wandel brachte den republikanischen Parteien, v.a. Sinn Fein, starken Zulauf, was sich in den Wahlenergebnissen niederschlug.

Nach einem grandiosen Wahlerfolg beriefen am 21.01.1919 die Abgeordneten von Sinn Fein, die sich weigerten ins englische Parlament einzuziehen, ein eigenes irisches Parlament, den Dail Eireann, und riefen die Republik Irland aus. Die Engländer erklärten dieses Vorgehen für illegal und reagierten mit weiteren Repressionen.

Als Antwort darauf begann die IRA, eine republikanische Untergrundarmee, ihren War of Independence, d.h., sie verübte in Guerillamanier Terroranschläge auf das britische Militär und die Polizei. So begann der anglo-irische Krieg, in dessen Verlauf die Gewalt einen neuen Höhepunkt erreichte. Trauriges Beispiel hierfür ist der erste Bloody Sunday am 21. 11. 1920. Bei einem Gaelic-Football-Spiel starben 14 Menschen im Kugelhagel der Auxiliaries, einer Aushilfspolizei, die sich v.a. aus ehemaligen Mitgliedern der unionistischen Terrororganisation Ulster Volunteer Force zusammensetzte, und der sog. Black and Tans - einer Spezialeinheit der britischen Armee, die für ihre besondere Aggressivität berüchtigt war. So „revanchierten“ sie sich für die Ermordung 12 britischer Offiziere durch die IRA am selben Morgen. Die Gewalt schaukelte sich hoch.

Diese Entwicklung konnte auch die Politik nicht aufhalten. Bereits im Frühjahr desselben Jahres hatte die britische Regierung den Government of Ireland Act initiiert. Dieser Lösungsversuch sah getrennte Regierungen und Parlamente für Norden und Süden vor. Die Abgeordneten beider Parlamente sollten Sitze in Westminster erhalten. Dieses Modell scheiterte aber am Widerstand beider Seiten. Weder wollten die Republikaner einer Teilung zustimmen, noch die Unionisten ihre Vormachtstellung in ganz Irland aufgeben.

Knapp ein Jahr später einigte man sich schließlich doch im Anglo-Irish Treaty, der den anglo-irischen Krieg beendete. Dieser Vertrag bedeutete die Teilung Irlands in den Irish Freestate im Süden und das mehrheitlich protestantische Ulster im Norden, das sich nach einer Volksabstimmung für den Verbleib im United Kingdom ausgesprochen hatte. Irland war also seit Dezember 1921 nach jahrhundertelangem, ergebnislosen Kampf endlich ein unabhängiger, souveräner Staat.

Doch der Preis für die Unabhängigkeit war einem kleinen Teil der Bevölkerung zu hoch. Der Verlust der Six Counties im Norden und die damit einhergehende Teilung Irlands teilte den Dail Eireann in zwei Lager: die Vertragsgegner um Eamon de Valera, den späteren Premierminister Irlands, und die Vertragsbefürworter um Michael Collins, den Führer der IRA-Truppen im anglo-irischen Krieg. Der Streit eskalierte im Juni 1922 und weitete sich zu einem Bürgerkrieg aus, aus dem im Mai 1923 die Vertragsbefürworter siegreich hervorgingen. Der folgende Friede sollte in Südirland von Bestand sein. Die Lage beruhigte sich. Heute ist die Republik Irland EU-Mitglied und verfügt über das größte Wirtschaftswachstum in Europa.

Der Ausbruch der Troubles

In Nordirland währte der Friede 50 Jahre. In den 60ern wurde er durch den Ausbruch der sog. Troubles jäh beendet. Ulster versank in einer Welle der Gewalt, politische Morde und Anschläge durch loyalistische oder republikanische Terrorgruppen waren an der Tagesordnung. Wie kam es aber zu diesem Ausbruch der Gewalt, nachdem jahrzehntelang im Norden alles ruhig geblieben war?

Ruhe herrschte nur scheinbar. Unter der Oberfläche gärte es. Das lag an der katastrophalen Situation der katholischen Minderheit in Nordirland, die sich seit dem Beginn des 20. Jh. nur unwesentlich gebessert hatte. Immer noch wurden die Katholiken in nahezu allen Bereichen - politisch, sozial und wirtschaftlich - benachteiligt.

Politisch befanden sich die katholischen Nordiren in einer hoffnungslosen Situation. Mit 40% des Bevölkerungsanteils stellten sie in Nordirland die Minderheit. Das britische Wahlsystem, das auch in Nordirland gilt, erschwert die Vertretung der Minderheit im Parlament in hohem Maße. „Das gesamte Land ist in so viele Wahlkreise aufgeteilt, wie Abgeordnete zu wählen sind. Im Wahlkreis ist gewählt, wer die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt. Die anderen Stimmen fallen unter den Tisch. Dabei hat der Sieger im Wahlkreis häufig nicht die absolute Mehrheit der Stimmen erreicht. [...] Das Wahlsystem führt aufgrund der Verzerrung von Stimmen- und Mandatsanteil zu einem gewünschten Verstärkereffekt für die größte Partei.“14 Auf Grund des Wahlsystems waren politische Änderungen also kaum zu erwarten.

Zudem begrenzten ein ungerechter Wahlmodus und Manipulationen an den Wahlkreisgrenzen den Einfluss der Katholiken auf ein Minimum und sicherten die protestantische Vorherrschaft. Zum Beispiel war die Stimmabgabe bei der Wahl an Grund- und Hausbesitz geknüpft. Mit dieser Regelung waren viele Katholiken von den Wahlen ausgeschlossen, da sie (siehe wirtschaftliche Benachteiligung) den ärmeren Teil der Bevölkerung und den größeren Anteil an Arbeitslosen stellten. Das sog. Gerrymandering, die Manipulation der Wahlkreisgrenzen, verhalf unionistischen Parteien in Orten mit protestantischer Minderheit zu einer Mehrheit, wie das Beispiel Derrys zeigt. Hier wurden möglichst viele Katholiken in einen Wahlkreis zusammengefasst, so dass trotz höheren Stimmenanteils weniger Katholiken als Protestanten gewählt wurden. Durch solch ungerechte Maßnahmen war also eine Verbesserung der Lage auf politischem Wege ausgeschlossen. So verwundert es nicht, dass das Misstrauen katholischer Nordiren in politische Lösungen relativ hoch war, wie auch im Roman deutlich wird (siehe Ausführungen zu Skeffington). Doch nicht nur politisch wurden die Katholiken benachteiligt. V.a. im Berufsleben kamen sie zu kurz. So stellten sie, wie bereits oben erwähnt, den größten Teil der Arbeitslosen. Unionistische Stadträte bevorzugten ihre Glaubensbrüder, wenn es um die Vergabe von Arbeitsstellen ging, wie auch protestantische Arbeitgeber zumeist lieber Protestanten einstellten. Dies verdeutlicht ein Artikel aus der Sunday Times 1961: „In Fermanagh (where more than half of the population is Catholic) the Country Council employed 370 people - 332 of the posts, including all of the top ones, were filled by Protestants.“15 Da der Wert der Stimmen wegen des Zensuswahlrechts abhängig war vom sozialen Status des Wählers, zog so eine Benachteiligung die andere nach sich. Die Benachteiligung der Katholiken auf dem Arbeitsmarkt wird auch im Roman angedeutet (siehe Cal).

Zu all diesen Ungerechtigkeiten im Nordirland der 60er Jahre kam noch die Diskriminierung im Alltag, die den einzelnen verbitterte, die aber in kaum einem Geschichtsbuch erwähnt wird. Auf diese Situation wird an späterer Stelle genauer eingegangen, da Mac Laverty gerade diese Tatsache in „Cal “ verdeutlicht.

Betrachtet man also die damalige Lage der Katholiken, so ist es nicht verwunderlich, dass es in den 60ern zur Gründung der ersten Bürgerrechtsbewegung in Nordirland kam. 1967 wurde die Northern Ireland Civil Rights Association (NICRA) ins Leben gerufen. Deren Hauptforderungen waren gerechtere Wahlen („One man, one vote“16 ), eine Wohnraumverteilung, die sich an der sozialen Lage der Bedürftigen und nicht an ihrer Konfession orientieren sollte, Gesetze gegen Diskriminierung und die Auflösung der B-Specials, einer besonders brutalen, antikatholischen Spezialeinheit.

Diese Forderungen sorgten bei der protestantischen Mehrheit für Unruhe. Im ganzen Land, v.a. in Belfast und Londonderry, kam es zu Zusammenstößen zwischen den Konfessionsgruppen, als die NICRA im August 1968 mit Demonstrationszügen begann. Die Marschierenden wurden von radikalen Protestanten brutal angegriffen - unter den Augen bzw. sogar unter Mithilfe der Polizei. Am 05.10.1968 wurde z.B. eine Demonstration der Bürgerrechtler unter heftigem Schlagstockeinsatz der nordirischen Polizei aufgelöst, am 04.01.1969 überfielen wütende Unionisten Demonstranten auf einem Protestmarsch von Belfast nach Derry. Die Augenzeugin Bernadette Devlin, Gründerin der überkonfessionellen Bürgerrechts- und Studentenbewegung People´s Democracy und spätere Abgeordnete, berichtet: „Then the marchers came to Burntollet Bridge [eine Brücke in Burntollet, einem Vorort von Derry; Anmerkung der Verfasserin]. From the lanes at each side of the road burst hordes of screaming people wielding bottles, iron bars, cudgles studded with nails. They waded into the march beating hell out of everybody. I saw a young fellow getting a trashing from four or five of Ian Paisley`s supporters with a policeman looking on.“17

Die negativen Erfahrungen der demonstrierenden Katholiken mit der Polizei hatten eine verhängnisvolle Entwicklung zur Folge. „They now felt that they could expect no protection from the police.“18. Und so versuchten sie sich selbst vor Übergriffen zu schützen. Bewaffnete Katholiken errichteten vor republikanischen Wohnvierteln Barrikaden und kontrollierten die Passanten. Geradezu legendär ist der 03.08.1969. Beim traditionellen Marsch der Apprentice Boys, die so alljährlich der Befreiung Derrys 1689 aus katholischer Belagerung gedenken, kam es im katholischen Bogside-Viertel zu Ausschreitungen, nachdem die Marschierer katholische Anwohner beleidigt hatten. Die Polizei stellte sich auf die Seite der Protestanten. In blutigen Straßenschlachten, die als Battle of the Bogside in die Annalen des Konflikts eingingen, gelang es den Katholiken die Protestanten und die Sicherheitskräfte aus Bogside zu vertreiben und die Kontrolle zu übernehmen. Das Viertel wurde besetzt, Straßensperren wurden errichtet. Polizei und Sicherheitskräfte hatten keinen Zugang mehr zu diesen Gegenden. Die „befreiten“ Viertel erhielten von Republikanern den Namen „Free Derry“.

Die Unruhen dauerten an und so erbat der damalige Premierminister Nordirlands Chichester-Clark von der britischen Regierung militärische Hilfe um Ordnung und Ruhe wiederherzustellen und um den Schutz der katholischen Minderheit sicherzustellen, die in vielen Gegenden den Protestanten mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert waren. Die britischen Truppen, die halfen Katholiken und Protestanten voneinander fernzuhalten, wurden anfänglich von katholischer Seite als Retter begrüßt. Dies änderte sich aber recht bald. Die britischen Soldaten unterschieden sich von ihrem Verhalten her oft nicht von den unionistischen Polizisten und zogen so den Unmut der Katholiken auf sich: „Man glaubte naiverweise, dass sie [die brit. Soldaten] uns [die Katholiken] schützen sollten... Im Oktober 1969 wurden katholische Häuser direkt neben einer Kaserne ohne irgendeine Intervention der britischen Armee niedergebrannt.“19

Zu dieser Zeit, Ende 1969, spaltete sich die republikanische Bewegung: Sowohl Sinn Fein als auch die IRA zerfielen in einen gemäßigten und einen radikalen Flügel. Der radikale Teil der IRA erklärte 1971 der britischen Armee den Krieg. In Guerillamanier verübte sie eine Serie von Bombenanschlägen, der neben zahlreichen anderen Menschen im Februar 1971 der erste britische Soldat zum Opfer fielen. Da sich die Lage trotz der Präsenz der Truppen nicht beruhigte, führte Brian Faulkner, der Nachfolger des zurückgetretenen Chichester-Clark, im August 1971 Internierungen ohne Gerichtsverhandlungen ein.

Diese Maßnahme brachte nicht den erhofften Erfolg, im Gegenteil. Die IRA „stepped up its activities.“20 Zudem waren die meisten der Internierten Katholiken und ihre Behandlung ließzu wünschen übrig; Foltervorwürfe wurden laut und später von unabhängigen Kommissionen teilweise bestätigt: „Hooding - internees were kept fully hooded except when interrogated or in rooms by themselves. Noise - when internees were held together they were subjected to a continuous hissing noise. Sleep - it was general policy to deprive men of sleep during early days of the operation.“21 So ist es verständlich, dass die Internierungen bei den Katholiken einen Proteststurm auslösten. Demonstrationen wurden organisiert, darunter eine am 30.01.1972 in Derry. Dieser Tag ging als Bloody Sunday in die irische Geschichte ein und markierte einen traurigen Höhepunkt. Als der Demonstrationszug Free Derry Corner erreichte, sollten Soldaten des Fallschirmjägerbataillons, einer besonders aggressiven und gefürchteten Einheit, die Straße räumen. Aus bis heute umstrittenen Gründen eröffneten sie das Feuer auf die Versammlung, wobei 13 Menschen erschossen wurden. Auch im Roman wird der Bloody Sunday erwähnt (siehe Skeffington). Die Nachricht von dem Massaker löste bürgerkriegsähnliche Szenen aus.

Angesichts dieser Lage griff die britische Regierung ein. Das nordirische Regionalparlament Stormont wurde aufgelöst und am 24.03.1971 wurde Direct Rule eingeführt, d.h. Nordirland wurde von London aus direkt regiert. Zuständig war von nun an der Nordirlandminister des britischen Kabinetts. Doch auch diese Änderung verpuffte wirkungslos.

Die IRA trug in den 70ern den Terror sogar auf die britischen Inseln. Einer ihrer größten „Coups“ gelang ihr wohl 1979, als der Onkel Elizabeths II., Lord Mountbatten, zusammen mit 15 britischen Soldaten von einer IRA-Bombe zerfetzt wurde. Auch der Bombenanschlag auf eine Versammlung der Konservativen im Grand Hotel in Brighton 1984, der der damaligen Premierministerin Margarete Thatcher galt und bei dem 7 Menschen umkamen, erlangte traurige Berühmtheit. Auch protestantische Terrorgruppen ermordeten zahlreiche Menschen, wie z.B. 1988 drei Trauergäste bei einer Beerdigung. Ende der 80er Jahre flauten die terroristischen Aktivitäten auf Grund der politischen Annäherung langsam ab. Da der Friedensprozess für den Roman noch ohne Bedeutung ist, soll an dieser Stelle nicht näher auf ihn eingegangen werden.

Inhalt:

Da der Leser nun mit der Geschichte (Nord-) Irlands vertraut ist und die Zusammenhänge in „Cal“ besser verstehen kann, wende ich mich dem Roman zu. Im Zentrum der Handlung steht ein katholischer Junge, der gegen seinen Willen in den Strudel der Gewalt in Nordirland hineingezogen wird und untergeht. Der 19-jährige, arbeitslose Cal Mc Cluskey und sein Vater Shamie leben als letzte verbliebene Katholiken in einem typisch protestantischen, ziemlich trostlosen Viertel. Einziger größerer Arbeitgeber ist ein Schlachthof, bei dem fast alle Männer - so auch Shamie - arbeiten. Cal hat den Job nach wenigen Tagen zur großen Enttäuschung seines Vaters aufgegeben, weil er den Gestank und die Gewalt im Schlachthaus nicht ertragen konnte. Nun schlägt er alleine seine Zeit tot, da er als Katholik in einem protestantischen Umfeld weder Aussichten auf eine andere Anstellung noch Freunde hat. Der einzige Gleichaltrige, zu dem Cal Kontakt hat, ist sein ehemaliger Schulfreund Crilly, der Mitglied in einer republikanischen paramilitärischen Organisation ist. Kopf dieser Terrorgruppe ist Skeffington, ein fanatischer Nationalist , der für seine Ziele über Leichen geht. Wahrscheinlich auf sein Geheißhin wurde von Crilly Robert Morton, ein Mitglied der Royal Ulster Constabulary (RUC), der nordirischen (antikatholischen) Polizei, ermordet. Auch Cal war als Fahrer des Fluchtautos in den Mord verwickelt. Der Gedanke an die Bluttat und seine Schuld quält und verfolgt ihn bis in seine Träume.

Als in der Bücherei, die Cal aus Langeweile öfter besucht, eine neue Bibliothekarin arbeitet und sich herausstellt, dass diese die Witwe des erschossenen Polizisten ist, fühlt Cal sich zu der um Jahre älteren Frau, ihr Name ist Marcella, hingezogen; zunächst nur von Schuldgefühlen getrieben, beginnt er, sie zu beobachten, sucht ihre Nähe. So entsteht ein loser Kontakt zwischen den beiden, der sich vertieft, als Cal auf dem Bauernhof ihrer Schwiegereltern, wo auch Marcella lebt, Arbeit findet.

Als radikale Protestanten das Haus der Mc Cluskeys niederbrennen, zieht Cal heimlich in die verfallene Hütte auf dem Morton-Gelände. Nicht einmal seinem Vater Shamie vertraut er seinen Aufenthaltsort an und lässt den durch den Verlust des Hauses gebrochenen Mann allein zurück. Cal hofft, durch sein spurloses Verschwinden vor den Nachstellungen Crillys und Skeffingtons sicher zu sein, die ihn zu einem Verbleib in der Terrorgruppe und zu weiteren „Aktionen“ zwingen wollen.

Als Cals Versteck von den Mortons entdeckt wird, hat er Glück, denn Marcella hat Mitleid mit dem ausgebrannten jungen Mann und überredet ihre Schwiegermutter, ihn in der Hütte wohnen zu lassen. Die beiden sehen sich oft und werden immer vertrauter, da die Witwe Cal beim Einrichten seiner neuen Bleibe behilflich ist.

Allerdings entsteht damit auch ein Problem für Cal. Denn je näher sich Cal und die Witwe kommen, je stärker seine Gefühle für die ahnungslose Frau werden, desto schlimmer quält ihn seine Schuld. Als Mrs Morton ihren Mann, der bei dem Überfall damals schwer verletzt wurde, für einige Tage ins Krankenhaus begleitet und Cal und Marcella so allein auf dem Hof zurück bleiben, werden die beiden nach anfänglichem Zögern Marcellas ein heimliches Liebespaar.

Doch das Glück währt nicht lange. Als Cal am Morgen nach der Liebesnacht in die Stadt fährt, um Weihnachtsgeschenke für Marcella und deren Tochter Lucy zu besorgen, wird er von Crilly entdeckt, der gerade eine Bombe in der Bücherei versteckt hat. Die Lage ist für Cal bedrohlich, da Crilly und vor allem der schnell herbei geeilte Skeffington Cal als einen Verräter an der „Sache“ und Deserteur betrachten und ihn auch dem entsprechend bestrafen wollen. Aber dazu kommt es nicht mehr. Bei einer Razzia werden Crilly und Skeffington verhaftet, Cal gelingt die Flucht. Ihm ist aber klar, dass seine Tage in Freiheit gezählt sind, weil seine „Kameraden“ ihn verraten werden. Cal findet endlich den Mut, endgültig mit der Terrororganisation zu brechen. Über eine sog. „confidential line“ warnt er vor der Brandbombe in der Bücherei und verabschiedet sich von Marcella. Am nächsten Morgen wird Cal Mc Cluskey verhaftet.

Die Romanfiguren und der Nordirlandkonflikt:

Die zerstörerische Wirkung des Konflikts verdeutlicht der Autor v.a. an Hand seiner Hauptpersonen.

Die Auswirkungen des Konflikts auf den Protagonisten:

Besonders der Titelheld Cal Mc Cluskey wird von den nordirischen Verhältnissen geprägt. Dabei hat der junge Mann es auch ohne die vertrackte politische Lage schon schwer genug. Seine Mutter starb an einer Gehirnblutung, als der Junge acht Jahre alt war. Auch sein Bruder Brendan, von dessen Existenz der Leser nur in einem Nebensatz erfährt, ist tot. Seine Mutter fehlt Cal sehr. Auch als fast erwachsener Mann kommen ihm beim Gedanken an sie die Tränen.

Cal lebt allein mit seinem spröden Vater Shamie, der ihm die Mutter nicht voll ersetzen kann. Obwohl er seinen Vater liebt, fehlt das Vertrauen mit ihm über seine Verstrickung in den Mord an Morton zu reden. Man kann also sagen, dass Cal der Rückhalt aus einer intakten Familie fehlt und sein Vater keine wirkliche Vertrauensperson ist.

Aber wie gesagt hat vor allem der Nordirlandkonflikt verheerende Auswirkungen auf den Jungen. Auf der einen Seite ist Cal ein Opfer der fest gefahrenen Lage in Nordirland, da er und sein Vater die letzten verbliebenen Katholiken in einem protestantischen Arbeiterviertel sind. Ihre Konfession macht sie zu Außenseitern und grenzt sie vom sozialen Leben weitgehend aus.

Als Katholik ist Cal quasi zur Arbeitslosigkeit verurteilt und hat kaum Chancen auf eine Stelle; es bereitete Shamie schon genug Probleme seinen Sohn einen Job im Schlachthof zu verschaffen, in dem laut Shamie „few enough Catholics“22 arbeiten. Nach Cals Kündigung stehen seine beruflichen Chancen so schlecht, dass er sogar überlegt wegzuziehen. Seine Arbeitslosigkeit spiegelt haargenau die Situation vieler nordirischer Katholiken wider und bestätigt die bereits im geschichtlichen Teil angesprochene Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt.

Die politische Lage in Nordirland macht Cal nicht nur zu einem Arbeitslosen ohne Perspektive, sondern macht ihn und seinen Vater auch zum Ziel von Anfeindungen. Schon früh muss der junge Mann erfahren, was Vorurteile und offene Feindseligkeit bedeuten: „As he turned into his street he felt the eyes on him. [...] He could not bear to look up and see the flutter of the Union Jacks, and now the red and white cross of the Ulster flag with ist red hand...Cal felt it was aimed at them, the Mc Cluskeys, because his father andhe were the only Catholic family left in the whole estate... Cal detested the condescension of some of the Protesant men he met about the town.

`You`re Shamie Mc Cluskey`s boy? A good man, Shamie.`And implied in everything they were saying was `for a Catholic `.There was faint affectionate amazement on their faces that there should be a Catholic who was a good man, someone to equal them.“23 In dieser bis auf einige Ausnahmen offen feindseligen Umgebung ist Cal isoliert, wie er später Marcella erzählt. Als sie ihn fragt, ob er viele Freunde habe, antwortet er „´No, not many.`“24 Der Hass zwischen den Angehörigen der Konfessionen nimmt ihm die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen, was für jeden jungen Menschen enorm wichtig ist.

Doch einigen Protestanten sind Anfeindungen und Ausgrenzung noch zu wenig. Ihr Hass beschränkt sich nicht auf mehr oder weniger offene Diskriminierungen. Cal und sein Vater sind auch Drohungen und Gewalt ausgesetzt. Sie erhalten Drohbriefe der loyalistischen Terrorgruppe Ulster Volunteer Force. Cal wird von jungen Unionisten brutal zusammengeschlagen und entkommt nur mit knapper Not. Als trauriger Höhepunkt werden die Mc Cluskeys auch noch Opfer eines Brandanschlags, ihr Haus wird ein Raub der Flammen. Der Verlust seines Rückzugsortes wirft Cals Vater völlig aus der Bahn, so dass er schließlich als gebrochener Mann in eine Nervenklinik eingeliefert werden muss. Mit dem Haus verliert Cal also auch seinen Vater. Er ist eindeutig ein Opfer der Verhältnisse in Nordirland.

Seine Opferrolle macht Cal tragischer Weise auch zum Täter. Als die Mc Cluskeys zum ersten Mal bedroht werden und Shamie seinen Kollegen davon erzählt, bietet ihm prompt Crilly zum Selbstschutz einen Revolver an, welchen Cals Vater dankbar annimmt. Dieser Crilly, ein ehemaliger Schulfreund Cals, gehört einer republikanischen paramilitärischen Organisation an und hilft nicht aus purer Nächstenliebe. Quasi als Gegenleistung werden im Haus der Mc Cluskeys „cardboard boxes full of stuff [...] wrapped in sacking and black polythene [...]“25 versteckt, also Operationsmittel der Terrorgruppe. Außerdem muss Cal als Fahrer fungieren, wenn diese Päckchen weitergeleitet werden. Doch bei solch eher harmlosen Aktionen bleibt es nicht. Cal lässt sich tief in die mörderischen Machenschaften der Organisation hineinziehen und wird somit zum Täter. Er sitzt am Steuer des Fluchtwagens, als Crilly den protestantischen Polizisten Robert Morton erschießt.

Seine Beteiligung an dem Mord hat schwerwiegende Folgen für Cal.

Die Erinnerung daran verfolgt und quält den jungen Mann; er wird mit seiner Schuld nicht fertig. Unaufhörlich zermartert er sich den Kopf „[...] to eat again the ashes of what he had done.“26. Die Schuld ist sein ständiger Begleiter, er fühlt sich durch die Tat gezeichnet: „He felt that he had a brand stamped in blood in the middle of his forehead which would take him the rest of his life to purge.“27

Seine permanenten Schuldgefühle haben eine verhängnisvolle psychische Wirkung auf den jungen Mann. Er steigert sich in einen regelrechten Selbsthass hinein. Cal ist, wie es im Roman drastisch formuliert wird, „sick of himself“28. Dies wird an einigen Stellen des Romans überdeutlich. Eine seiner „Freizeitbeschäftigungen“ ist z.B., sich selbst aufs Übelste zu beleidigen. Um passende Schimpfnamen für sich selbst zu finden, bietet Cal all seine Kompetenz in Fremdsprachen auf: „Dirty vache. You big crotte de chien.“29 Sogar einen Großteil seiner Kirchenbesuche verbringt er auf diese Weise: „The rest of his prayers consisted of telling himself how vile he was. If he was sick of himself, how would God react to him? ´Merde. Dog-shit. Crotte de vache`“30

Besonders schlimm quält ihn seine Schuld immer dann, wenn er mit Marcella zusammen ist. In ihrer Gegenwart sieht er noch klarer, wie schwer seine Tat wiegt: „Sometimes in her presence he felt like Quasimodo - as if the ugliness of what he had done showed in his face. The brand in the middle of his forehead would never disappear and seemed to throb when she was near. Alone [...] he relaxed into his ugliness.“31 Seine Vergangenheit treibt Cal in einen ständigen Zwiespalt, der ihn zu zerreißen droht. In Marcella hat er endlich die Frau gefunden, mit der er über wirklich alles reden möchte, auch über das, was er getan hat. Zu gerne würde er ihr sein Herz ausschütten und sich alles von der Seele reden: „He wanted to confess to her, to weep and to be forgiven. He saw the scene in his mind of her holding him, comforting him; he saw the scene as he knew it would be in reality and it horrified him.“32 Doch gleichzeitig weißder junge Mann, dass ein Geständnis unmöglich ist und ihre Beziehung zerstören würde. Die Liebe zu der arglosen Witwe bringt Cal in eine Art Teufelskreis. Je schlimmer ihn die Erinnerung an den Mord quält, desto größer ist wiederum das Bedürfnis ihr zu beichten. Dieser Zustand belastet Cal so sehr, dass er am Ende sogar erleichtert wirkt, als er verhaftet wird. Er ist „grateful that at last someone was going to beat him within an inch of his life.“33

Der Mord an Morton hat noch andere Konsequenzen. Cal versucht endlich aus der Terrorgruppe auszusteigen. Deshalb wird er von Crilly und Skeffington, dem Kopf der Bande, unter Druck gesetzt: „`I still want out.` [Cal said] Skeffington put his hand on Cal`s sleeve.` That creates a big problem, Cahal. It would be out of my hands. I wouldn`t like to see you hurt.`“34. Trotzdem ist Cal lange Zeit nicht hartnäckig und entschlossen genug, sich gegen Crilly und Skeffington durchzusetzen und gibt den Argumenten und Drohungen des raffinierten Rhetoriktalents Skeffington immer wieder nach. So lebt er bis zum Schluss in ständiger Angst, zu neuen Verbrechen gezwungen zu werden.

Wie viele Nordiren ist Cal also gefangen in der festgefahrenen und verhärteten Situation seiner zerrissenen Heimat. Die dortigen Verhältnisse lassen ihm keine große Entscheidungsfreiheit, gegen seinen Willen und sein Gewissen wird er in den blutigen Konflikt hineingezogen, der das Leben und die Zukunft der Menschen zerstört. Ein Sich-Heraushalten scheint unmöglich, geschweige denn ein ruhiges Dasein an der Seite der Frau, die er liebt. Cals Schicksal steht damit symbolisch für die Hoffnungslosigkeit einer ganzen Region und die brutalen nordirischen Verhältnisse, die auch Friedfertigen keinen Ausweg lassen.

Shamie und der Nordirlandkonflikt:

Mit ähnlichen Problemen wie sein Sohn hat Shamie, Cals Vater, zu kämpfen. Er hat seine Frau und seinen Sohn Brendan verloren. Seit dem Tod seiner Frau muss er als allein erziehender Vater den Alltag bewältigen und versuchen, dem Sohn die Mutter zu ersetzen, was nicht immer leicht für ihn ist. Da es ihm schwer fällt über Gefühle offen zu reden, zeigt er im Umgang mit seinem Sohn selten, wie wichtig Cal für ihn ist. Trotzdem ist ihr Verhältnis von verhaltener, spröder Zuneigung geprägt, die ohne viele Worte auskommt. Dies kann man aus Begegnungen zwischen Vater und Sohn erkennen, z.B. als beide, nachdem sie den zweiten Drohbrief radikaler Protestanten erhalten haben, nicht schlafen können und mitten in der Nacht in Shamies Zimmer sitzen und Tee trinken: „´Thanks, Cal,` he [Shamie] said when he got his tea. He said it quietly and Cal, for some reason, was moved. The bedside light shone downwards, accentuating the shadows of Shamie´s face, making him look older than he was.[...] Shamie looked at him and said. `Put my jacket on or you`ll freeze.`“35 Diese leisen Gesten zeigen, mit wieviel gegenseitiger Achtung, Rücksichtnahme und Zuneigung sich die beiden gegenüber stehen.

Auch auf Shamie wirft der Nordirlandkonflikt seinen Schatten, obwohl sein Verhältnis zu Protestanten auf den ersten Blick recht entspannt wirkt. Mit den Nachbarn kommt er gut aus, sogar mit dem eingefleischten Oranier Cyril Dunlop plauscht er freundlich.

Für einen Katholiken ist Cals Vater bei den Protestanten angesehen. „He is popular with both Catholics and Protestants...“36 steht im Anhang der Penguin-Ausgabe von „Cal“ über ihn zu lesen.

Doch im Laufe der Handlung zeigt sich, dass das Verhältnis nur oberflächlich so gut ist, wie es zunächst den Anschein hat. Alltäglich, besonders an seinem Arbeitsplatz bekommt Shamie die Herablassung seiner protestantischen Kollegen zu spüren. Diese bezeichnen ihn zwar als ´good man`37, doch unterschwellig schwingt immer mit: ´for a Catholic`38. In diesem „Lob“ steckt eine nur schlecht versteckte Diskriminierung. Dazu kommen Ungerechtigkeiten und Drohungen, denen er und sein Sohn beinahe schutzlos ausgeliefert sind, wie z.B. die Drohbriefe durch die UVF. So hat Shamie eine beinahe hilflos wirkende antibritische Haltung angenommen. England sei „´rotten to the core`“`39, wird er nicht müde zu sagen. Den Überfall auf Cal, der wohl mangels Aussichten auf Ermittlungserfolge nicht einmal angezeigt wird, kommentiert Shamie ohnmächtig und verbittert mit den Worten: „´And they say it´s a free bloody country.`“40. Der Autor zeigt an Shamies Beispiel die in den siebziger Jahren alltägliche Diskriminierung der Katholiken, die zu Bitterkeit und Misstrauen gegenüber dem Staat, der Polizei und somit den Protestanten führten.

Obwohl Cals Vater wohl die alltägliche „Dosis“ Verachtung verletzt und verbittert, würde er nie auf den Gedanken kommen, deswegen zur Waffe zu greifen. Dies zeigt sich daran, wie er mit der Pistole verfährt, die Crilly ihm und Cal nach dem ersten Drohbrief zukommen lässt. Er benutzt sie ausschließlich zur Verteidigung, d.h., er kramt sie nur hervor, wenn er sich - z.B. durch eine erneute Drohung der UVF - akut gefährdet fühlt.

An der Reaktion auf die Drohungen der Ulster Volunteer Force, einer loyalistischen Terrororganisation, die die Mac Cluskeys aus dem Viertel jagen will, zeigt sich ein Charakterzug Shamies, der sich als verhängnisvoll erweist. Er ist extrem stur und nicht gewillt, sich dem Druck zu beugen. Er besteht darauf, in dem Haus zu bleiben, an dem er mit jeder Faser seines Herzens hängt und mit dem zahlreiche Erinnerungen, wohl v.a. an seine Frau, verbunden sind: „Fear had driven the others out but his father would not move. He was stubborn at the best of times but if he thougt pressure was being applied to him he was ten times worse. `No Loyalist bastard is going to drive me out of my home. They can kill me first.`“41 Für diese Unbeugsamkeit muss Shamie mit dem Verlust seines Hauses bezahlen. Der Verlust seines Rückzugsorts und der damit verbundenen Erinnerungen nimmt ihm nicht nur die Existenz, sondern wirft den alten Mann völlig aus der Bahn. Shamie verfällt zusehends, wird gleichgültig und depressiv: „The minute Cal saw his father he knew there had been a terrible change in him. The man had aged twenty years in a couple of weeks. He sat in Dermot Ryan`s chair, his arms lying limply on the arm-rests. The flesh of his face had almost disappeared and what was left seemed to have slipped and sagged.“42 Shamies Verfall schreitet schließlich so weit fort, dass er in eine psychatrische Anstalt eingeliefert werden muss. Shamie ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein völlig Unschuldiger, der sich aus dem Konflikt heraushalten will, an dem unmenschlichen Hass in der nordirischen Gesellschaft zerbricht. Durch Shamie führt Mac Laverty dem Leser vor Augen, dass der Nordirlandkonflikt nicht unbedingt Bomben braucht, um Menschen zu zerstören.

Marcella - die Witwe:

Eine Figur, die den Nordirlandkonflikt aus einem anderen Blickwinkel erlebt, ist Marcella, die Witwe des erschossenen Polizisten.

Die Situation ist für die Mutter einer kleinen Tochter nicht leicht. Trotz der politischen Lage hat sie als Katholikin einen Protestanten geheiratet und damit bewiesen, dass sie über den Vorurteilen und eingefahrenen Denkweisen steht. Sich so über die gesellschaftliche Situation hinwegzusetzen erforderte mit Sicherheit Mut. Allerdings muss sie erfahren, dass ein echtes Miteinander von Katholiken und Protestanten schwierig ist. Denn die Familie und die Freunde ihres Mannes akzeptierten zwar Roberts Entscheidung, eine Katholikin zu heiraten, doch wirkliche Freundschaft hat Marcella mit niemandem aus dem Umfeld ihres verstorbenen Mannes geschlossen. „`Sometimes I feel very isolated out here. After Robert was killed I suddenly found I had no friends. Oh yes, they called and did everything they could for me a couple of months. But they were all his friends. Then they just faded...`“43, berichtet sie Cal in einem Gespräch. Sie ist genauso isoliert wie die Mc Cluskeys.

Auch nachdem sie der Norirlandkonflikt zur Witwe gemacht hat, lebt Marcella weiterhin bei ihren Schwiegereltern. Dort fühlt sie sich eingeengt und bevormundet:„`Mrs Morton treats me like a schoolgirl, I suppose. I fight back but she always has the last word. `“44 Marcella möchte zwar ausziehen, doch sie kann sich nicht befreien: Zum einen kann sie sich nicht gegen ihre Schwiegermutter durchsetzen, die sie immer wieder zum Bleiben überredet. So sagt Marcella, als Cal sie zum Weggehen bewegen möchte: „`Yes, that sounds so easy. I`ve told her that many times. I wish I wasn`t so weak. I wish I could fight with her and insult her. But if it comes to a crisis she always wins... It`s been a year now, and every time I tell her I`m moving something comes up and she persuades me to stay. For Lucy`s sake. For Grandad`s sake. After Easter.`“45. Zum anderen fühlt sie sich ihren Schwiegereltern, die beide krank sind - Mrs Morton leidet an Parkinson, ihr Mann laboriert an den Folgen seiner Schussverletzungen -, verpflichtet.

Vom Durchschnitt der im Roman dargestellten Personen unterscheidet sich Marcella auch durch ihre Interessen. Sie ist gebildet, sie liebt Bücher und interessiert sich für Kunst. So versucht sie z.B. Cal zum Lesen zu ermuntern und diskutiert mit ihm über Grünewalds Gemälde von der Kreuzigung Jesu. Mit ihrem Sinn für Literatur und Kunst bildet Marcella einen Gegensatz zum tristen Arbeitermilieu, in dem Cal zu Hause ist und in dem man ein Buch nur deshalb zur Hand nimmt, um eine Bombe darin zu verstecken.

Vor allem durch ihre Einstellung zum Nordirlandkonflikt hebt sich Marcella von Cals gewohnter Umgebung ab. Durch ihre Heirat mit einem Protestanten lernte sie beide Konfliktparteien kennen, hat quasi direkten Umgang mit dem „Feind“. Marcella kennt also beide Seiten und kann sich mit keiner der beiden Parteien identifizieren, da sie sieht, dass Katholiken wie Protestanten Gewalt- und Gräueltaten begehen. Diese Gewalt erschreckt sie und stößt sie ab: „´That people want physically to hurt one another. I suppose at school it`s the thing to do -young men of the species showing off to become the leader of the herd- but you would think people would grow up.`“46 Marcella sieht den Konflikt also mit völlig anderen Augen als die meisten Nordiren, da sie sich keiner der beiden Seiten zugehörig fühlt. Sie schämt sich vielmehr für ihr Land, wie aus einem Tagebucheintrag ersichtlich wird, in dem sie einen Anschlag republikanischer Extremisten auf eine Kneipe in Birmingham kommentiert: „Last night 19 people died and 200 were injured in Birmingham. A slaying of total innocents - not even the callous excuse of a pub frequented by soldiers. I thougt we should never reach the day of atrocious equivalent to the Arab/Israeli unpleasantness. I am deeply ashamed of my country. From now on I think I will say I am an Italian.“47

Mit Marcella stellt Mac Laverty ein anderes Stück Nordirland vor, einen Menschen, der die Gewalt verabscheut, die in den Six Counties allgegenwärtig war/ist, und für den die unschuldigen Opfer im Vorgergrund stehen und nicht irgendwelche politischen Ziele. Marcella ist eine Frau, der die hassverzerrte Situation so fremd ist, dass sie am liebsten weg möchte: „´I`d like to go and live in Italy`“48, erklärt sie Cal in einem Gespräch. Damit entspricht sie in gewisser Weise dem Autor selbst, der 1973 vor der Gewalt in Belfast floh und mit seiner Familie nach Schottland umzog. In einem Interview mit der taz äußerte er 1991: „Immer noch sterben Menschen, nur weil sie zu einer bestimmten Gruppe gehöre, zur blauen oder roten Seite, zu den Protestanten oder Katholiken. Jeden Tag stirbt in Belfast ein Mensch. [...] Ich jedenfalls werde nicht hinnehmen, dass Leid und Tod Grundvoraussetzungen für eine Wiedervereinigung Irlands sein sollen. Niemals würde ich eins meiner Kinder dafür hingeben, nur damit Irland wieder eins ist. Das ist eine nationalistische Idee des Hasses, mehr nicht.“49.

Cyril Dunlop - der Oranier:

Ein Charakter, der dem Leser wiederum eine völlig andere Sichtweise auf die Situation in Nordirland bietet ist der Vorarbeiter auf der Morton-Farm und eingefleischte Oranier Cyril Dunlop, der exemplarisch steht für die Gruppe der vorurteilsbeladenen, festgefahrenen Protestanten. In direkten Gesprächen mit Cal entlarvt er sich selbst. Sein Rezept gegen den Terror ist so einfach wie brutal: „´This whole bloody business [der Terror; Anmerkung der Verfasserin] would be cleared up overnight if they brought back hanging. If only they would give the Army a bit of freedom. [...]. Beat the shite out of the bastards.` [...]´And even if they do tramp on a few innocent toes, isn`it better that way than giving the IRA the freedom of the country? Root them out, that`s what I say.` [...] ´Long Kesh is full of known IRA prisoners, isn´t it?`[...] ´Well, every time a policeman or soldier is shot I would put two of those bastards up against the wall and blow their brains out [...]`“50 Als Cal fragt, ob Cyril das selbe Rezept auch auf Protestanten anwenden würde, entgegnet er: „`Maybe. But it´s not the same thing. That´s the lunatic fringe. They get mad seeing good men shot down day after day. So would you. When you`re fed up shadow-boxing you sometimes turn and hit the referee.`“51. Cyril zeigt, wes Geistes Kind er ist. Er macht deutliche Unterschiede zwischen den Konfessionen. Er ist nicht so offen und unvoreingenommen, wie er sich Cal gegenüber gerne gibt, z.B. als er Cals Vater lobt. Für loyalistische Terroristen bringt er, ohne mit der Wimper zu zucken, Verständnis auf, ihre republikanischen Gegenüber möchte er am liebsten als Geiseln nehmen und im Falle des Falles erschießen.

Als echter Oranier ist Cyril mit jeder Faser seines Herzens gegen ein vereinigtes Irland. Seine Argumente gewähren Einblick in die Denkweise vieler Orangemen. „´And be ruled from Rome? A state told what to do by priests and nuns. Sheer voodoo, Cal. Mumbo-jumbo. Ulstermen would die rather than live under the yoke of Roman Catholicism. Not an inch. It´s a good saying.` [...] ´I`m serious, Cal. I would die rather than let that happen.`“.52 Diese Argumentation wirkt auf den ersten Blick für den Leser geradezu lächerlich, da sie der Realität in grotesker Weise widerspricht. Die Kirche und der Vatikan haben seit der Mitte des 20. Jahrhunderts stark an Einfluss verloren, so dass niemand ernsthaft behaupten kann, dass irgendwo auf der Welt ein Staat existiert, der eine Marionette des Vatikan ist. Diese Sichtweise ist ein Überbleibsel der irischen Geschichte und zeigt die uralten Ängste der protestantischen Bevölkerungsgruppe. Die sog. Belagerungsmentalität der Protestanten, die sie als Minderheit seit der Ansiedelung ihrer Vorfahren in Irland entwickelt haben, lässt sie auch heute nicht los. So ist Cyrils Einstellung, so überkommen sie auch scheinen mag, ein bitterer Bestandteil der Gegenwart, der einer Lösung der blutigen Auseinandersetzung im Wege steht.

Dennoch ist der Vorarbeiter nicht so radikal, wie es den Anschein hat. Er fährt zwar verbal schweres Geschütz auf, doch in seinem Verhalten ist er eher gemäßigt. Zum Beispiel hat Cyril immerhin bei seiner Chefin für Cal ein gutes Wort eingelegt und selbst wenn seine zweifellos bestehenden Ressentiments kaum verschleiern kann. Er hätte es ja auch nicht zu tun brauchen. Außerdem überfällt er Cal nicht sofort mit Diskussionen über die politische Situation in Nordirland, sondern vermeidet zunächst Gespräche über Politik, die den Katholiken vor den Kopf stoßen könnten: „[...]Cal was aware that the other man [Dunlop] was choosing things to talk about which had no connection with religion or politics. They were politely wary of each other.“53. Außerdem ist Dunlop immerhin bereit, nach dem Brandanschlag auf das Haus der Mac Cluskeys zuzugeben, dass auch von Protestanten Seite Unrecht verübt wird: „´I`ll have to admit, Cal, there´s bad bastards on both sides.´“54

Was man Cyril außerdem zu Gute halten muss, ist, dass er seinen säbelrasselnden Reden keine Taten folgen lässt. Zwar hätte er keine Probleme damit, IRA-Gefangene an die Wand zu stellen, doch wendet er selbst, soweit man aus dem Roman ersehen kann, keine Gewalt an und ist kein Mitglied einer Terrororganisation. Auch wenn er sich auf Märschen des Oranierordens wie ein stolzer Gockel55 gebärdet, wie Marcella in ihrem Tagebuch festhält. so geht er selbst für seine Überzeugung nicht über Leichen.

Dunlop verkörpert also den ewig gestrigen Oranier, der seine Vorurteile kaum verbergen kann. Doch immerhin ist er oberflächlich freundlich zu Katholiken, was man im mörderischen Nordirland schon als Fortschritt gelten kann.

Die Nachbarn

Doch es gibt auch Protestanten, deren Freundlichkeit nicht so aufgesetzt wirkt, wie die direkten Nachbarn der Mc Cluskeys. Sie verstehen sich gut mit Cal und Shamie und würden zu ihnen halten, sollten diese aus ihrem Haus ausgewiesen werden: „They [the Mc Cluskeys] spoke to their near neighbours affably enough but beyond that everyone else in the estate seemed threatening. The Radcliffs and the Hendersons said they would stand by the Mc Cluskeys if it ever came to an eviction.“56. Auch das Verhalten einer Nachbarsfrau nach dem Brandanschlag auf das Heim der Mc Cluskeys zeigt, dass die Nachbarn wirklich mit Cal und seinem Vater fühlen: „A woman neighbour brought an overcoat and she made Shamie put it on, saying, ´It makes you ashamed to be a Protestant.`She too was crying.“57 Durch die Darstellung der Radcliffs und Hendersons verdeutlicht Mac Laverty, dass es auf beiden Seiten Menschen gibt, die sich dem menschenverachtenden Hass in Nordirland nicht unterwerfen und über die Konfessionsgrenze hinweg Mitgefühl und Wärme zeigen. Es geht also auch anders. Menschen wie die Nachbarn lassen den Leser für die geschundene Region Hoffnung schöpfen.

Die Extremisten

Diese aufkeimende Hoffnung gleich wieder zu zerstören, scheinen sich die Extremisten zur Lebensaufgabe erkoren zu haben. Sowohl auf republikanischer als auch auf unionistischer Seite gibt es Menschen, die den Einsatz von Gewalt zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele für legitim halten.

Skeffington und Crilly:

Bei den Katholiken stechen dabei Cals „Kollegen“ in der paramilitärischen Organisation, Crilly und Skeffington, besonders ins Auge. Die beiden stehen stereotypisch für zwei Typen von Extremisten. Skeffington ist ein Lehrer um die Dreißig. Er war Augenzeuge des zweiten Bloody Sunday 1972 in Derry und musste miterleben, wie ein alter Mann auf offener Straße verblutete. Das Vertrauen in politische Veränderungen hat Skeffington, der damit exemplarisch für viele katholische Nordiren dieser Zeit steht, verloren. Voller Verachtung spricht er von dem gemäßigten nordirischen Politiker John Hume, dem Führer der nordirischen Sozialdemokraten, der 1998 für seine Rolle im Friedensprozess den Friedensnobelpreis erhielt.

Die Konsequenzen, die Skeffington aus seinen Erfahrungen gezogen hat, machen ihn zu einem gefährlichen Terroristen. Der junge Mann ist der Kopf hinter den Aktionen der paramilitärischen Gruppe und von kühlem, berechnendem Fanatismus. Er ist überzeugt von der Notwendigkeit seines Handelns. Deshalb hat er auch keine Probleme damit, Morde oder andere Verbrechen anzuordnen, die er mit perfider Logik rechtfertigt, welcher sich Cal nur schwer entziehen kann: „`The problem with this kind of thing [Terrorakte der Gruppierung; Anmerkung der Verfasserin] is that people get hurt.`Skeffington leaned forward. ´But compared with conventional war the numbers a small. I know that sounds callous but it´s true. In Cyprus the dead hardly ran to three figures. That´s cheap for freedom.`´I have no stomach for it,`said Cal. [...] ´Do you think any of us have?` Skeffington stared at him. ´Anybody who enjoyed this kind of thing would have to be sick.But it has to be done - by somebody. Because we have committed ourselves, Cahal, it is our responsibility. We have to make the sacrifices...`[...] ´You have to steel yourself, Cahal. Think of the issues, not the people. Think of an Ireland free of the Brits. Would we ever achieve it through the politicians ?`“58 Dieses Beispiel zeigt deutlich Skeffingtons „pragmatische Grausamkeit“. Er rechnet die Opferzahlen einfach gegen die Freiheit auf. Ein weiteres Beispiel bringt Skeffingtons Einstellung exakt auf den Punkt. Er vergleicht den Terrorismus in unglaublichem Zynismus mit einem quietschenden Stuhl. Dieses Quietschen wird die Briten irgendwann einmal so ärgern, dass sie sich einen anderen Stuhl als Nordirland suchen werden, d.h. das Land verlassen. Durch Skeffington gewährt sich dem Leser ein Blick in die Denkweise eines völlig fanatisierten Drahtziehers, der Menschenleben einer zweifelhaften Freiheit opfert. Skeffington, der Denker im Hintergrund, ist der skrupellose Drahtzieher,der sich die Hände nicht selber schmutzig macht.

Das ist auch gar nicht nötig, denn dafür hat er ja Crilly. Cals Ex-Klassenkamerad ist der Mann fürs Grobe, der Henker. Menschen zu quälen und zu töten, bereitet ihm keine Bauchschmerzen, sondern eher Freude, wie seine aufgeregte Schilderung der Bestrafung des Jungen, der Skeffingtons alten Herrn überfahren hat, zeigt. Mit dem Bolzenschussgerät des Schlachthofs zertrümmerte Crilly ihm die Kniescheiben - knee- capping wie diese Methode in Nordirland lapidar genannt wird: „´I`ve never done a knee-capping, but, I says,“I`ll have a go.“ [...] Wallop, wallop. Both knees he wanted, and your man on the ground squealing like a stuck pig with Skeffington sitting on his head.`“59 Dass Crilly ein wenig sadistisch ist, zeigt sich, als er und Cal ein off-licence überfallen. Crilly weidet sich an der Angst seiner Opfer und Cal hat Angst, dass er jemanden verletzt. „´What did you do to those women?`[Cal asked.] ´I told them to lie on the floor. [...] They were shaking in their fuckin`high-heel shoes [...]` He [Crilly] was laughing [...]“.60 Für seine Rolle in der Gruppe wird Crilly von Cal gefürchtet und von Skeffington verachtet, der ihn als Werkzeug betrachtet: „´There are not many aspects of our culture which interest Mr Crilly. But he`s a useful man. [...] If you`ve a burst pipe you send for a plumber. If you have a war on your hands you send for the Mr Crillys of this world.`[Skeffington said.]“61

Protestantische Extremisten - die Brandstifter

Protestantische Extremisten lernt man im Roman nur aus der Entfernung kennen. Auf ihre individuelle Haltung kann man deshalb nur spekulieren. Ihre Identität bleibt geheim. Sie haben kein Gesicht, nur die Bedrohung, die von ihnen ausgeht, ist allgegenwärtig. Dies verdeutlicht dem Leser die ständige Gefahr, in der die Mc Cluskeys schweben. Die Folgen solch permanenter Bedrohung werden im Roman in Beispielen klar. Cal schreckt zusammen, wenn er draußen ein Geräusch hört, obwohl es nur der Briefträger ist. Seine Vorsicht geht sogar so weit, dass er es sich zweimal überlegt, ob er das Licht einschalten soll. Durch solche Beispiele kann sich der Leser einfühlen, wieviel Kraft es kosten muss, mit der alltäglichen, zermürbenden Angst in Nordirland fertig zu werden.

Durch die Darstellung der vielen verschiedenen Personen mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Meinungen zum Nordirlandkonflikt vermeidet der Autor einseitige Schilderungen und verdeutlicht die Vielschichtigkeit und Kompexität des Problems. So bietet er dem Leser die Möglichkeit, sich selbst ein Urteil zu bilden.

Der Nordirlandkonflikt im Spiegel der Beziehung Cal - Marcella

Ein Großteil des Romans beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Cal und Marcella. Auch die Schilderung der Liebesbeziehung nutzt der Autor, um die nordirische Problematik zu verdeutlichen, da sie geradezu symbolisch steht für das Dilemma der geschundenen Provinz.

Die Begegnung zwischen Marcella und Cal wird von Anfang an durch eine Tat aus der Vergangenheit überschattet. Die Mittäterschaft des jungen Mannes beim Mord am Ehemann der Geliebten steht immer als unüberwindbares Hindernis zwischen dem Paar.Weder kann Cal die Tat ungeschehen machen, noch kann er die Erinnerung daran abschütteln oder verdrängen. Immerzu muss er an sein Verbrechen denken: „His sin clawed at him, demanding attention. He fought it for as long as he could but there was little to distract him except the cold.“62 So dominiert die Vergangenheit sein Denken. Ebenso bestimmt sie Cals Zukunft, da sie ein Leben an Marcellas Seite, unmöglich macht. Schließlich verliert er sogar seine Freiheit, weil ihn seine Vergangenheit einholt. Die Macht der Vergangenheit über Gegenwart und Zukunft ist auch charakteristisch für den Nordirlandkonflikt, da „It´s [Irland] only concerned with the past and the present. The future has ceased to exist for it.“63 Ein eindeutiger Beleg dafür, welchen Einfluss längst vergangene Ereignisse auch heute noch haben, sind die alljährlich stattfindenden Oraniermärsche. Der Oranierorden feiert so den Sieg des Protestanten Willhelm von Oranien über den Katholiken James II in der Battle of the Boyne 1690. Da die Märsche oft durch katholische Viertel führen, kommt es immer wieder zu blutigen Zusammenstößen, wenn Katholiken versuchen, die Oranier aus ihrer Wohngegend herauszuhalten. Eine längst vergangene und wohl normalerweise längst vergessenen Schlacht sorgt also auch noch heute für erhitzte Gemüter und blutige Köpfe. Die Vergangenheit steht einer hoffnungsvollen Zukunft im Weg - wie auch bei Cal und Marcella.

Die Beziehung zwischen Cal und Marcella versinnbildlicht zudem die Zerrissenheit Nordirlands.In seiner Liebe zu Marcella ist Cal innerlich gespalten. Einerseits fühlt er sich stark zu ihr hingezogen,doch seine Schuld distanziert ihn gleichzeitig von ihr. Er fühlt sich, als läge ein Universum zwischen ihnen. Dennoch versucht er dieses Universum zu überwinden.

Auch ist er hin- und hergerissen, ihr seine Schuld zu beichten. Alles in ihm sehnt sich danach, Verzeihung von Marcella zu erlangen, doch die Angst vor ihrer Reaktion verhindert ein Geständnis. Wie sehr Cal mit dem Zwiespalt in sich kämpft, wird an einem Beispiel besonders deutlich: „The more he loved her, the more friendly he became with her, the more afraid he was that he would telll her what he had done. It was the one thing he wanted to talk to her about, to have her console him. He wanted to share his guilt with the person he had wronged. Tocommune with her and be forgiven. He opened his mouth to speak and she waited, listening with raised eyebrows. Cal paused. ´I would like - another drink,` he said.“64 Cal möchte ihr alles sagen und doch wieder nicht. Er ist innerlich gespalten - wie Nordirland, das in zwei sich bekriegende Hälften zerrissen ist.

Ein weiterer Aspekt, der sowohl im Nordirlandkonflikt als auch in der Liebesgeschichte von großer Bedeutung ist, ist die Ausweglosigkeit, die den Nordiren die Hoffnung auf Frieden und Cal die Hoffnung auf ein Leben mit Marcella nimmt. Für das Paar gibt es keine Lösung. Cal steht in einer Sackgasse. Würde Cal die Wahrheit sagen, wäre mit Sicherheit alles zerstört, denn Marcella würde mit dem Komplizen des Mörders ihres Mannes nie zusammenleben wollen. Doch es ihr zu verheimlichen, quält Cal entsetzlich. Es gibt also werder auf die eine noch auf die andere Weise eine Zukunft für die Liebe. Wie man es auch dreht und wendet,die Situation ist ausweg- und hoffnungslos.

Wie auch in Nordirland, wo sich trotz enormer politischer Anstrengungen Katholiken und Protestanten noch immer in unversöhnlichem Hass gegenüber stehen. Jüngstes Opfer des scheinbar niemals enden wollenden Hasses ist ein Belfaster Briefträger, der von loyalistischen Extremisten im Januar dieses Jahres erschossen wurde. Solche Anschläge scheinen denpolitischen Friedensprozess ad absurdum zu führen und machen auf grausame Art und Weise deutlich, dass es auch heute noch keine Lösung gibt.

Mittel der Gestaltung:

Den desillusionierenden Eindruck, den der Roman beim Leser hinterlässt, verstärkt Mac Laverty geschickt durch einige Gestaltungsmittel.

Motive:

Durch Bilder und Motive gelingt es Mac Laverty, die im Roman vorherrschende düstere Atmosphäre zu verdichten.

Fernsehnachrichten, die der Autor in die Alltagsbeschreibung mit einbaut, verdeutlichen das Grauen des Konflikts. Sie zeigen, wie ernst die Lage im ganzen Land ist. Mit ihren unbewegten täglichen Berichten von Mord und Totschlag fungieren sie als „Stimmungsbarometer“ der Unruhen im Restland und zeigen, wie sehr die Gewalt schon zum täglichen Leben gehört: „Thenews came on...Two hooded bodies had been found at the outskirts of Belfast; bombs had gone off in Strabane and Derry and Newry but no one had been hurt; there was another rise in coal prices;and finally there was the elephant in Belle Vue Zoo that had to have his teeth filed.“65

Bereits im ersten Kapitel verbreitet der Autor eine düstere Stimmung. Cal besucht seinen Vater ausgerechnet im Schlachthof. Es stinkt ekelerregend, man hört das Krachen der Bolzenschussgeräte und sieht die Tiere auf ihrem Weg zur Schlachtbank. „The humane killer cracked again and Cal saw the killing pen tip over and tumble a beast to the floor, its leg stiff up to the ceiling. It was immedeatly winched up by one of the hind shanks and its throat cut.“66 Mit der unbewegten Schilderung solch blutiger Szenen löst der Autor im Leser eine tiefe Beklemmung aus und stimmt ihn quasi von der ersten Seite an auf die folgenden Grausamkeiten ein.

Der obskure Prediger, der mit seinem klapprigen Fahrrad durch die Gegend fährt „nailing tracts made from tin lids to trees and telegraph-poles."67 tritt auch im Schlachthof das erste Mal auf. Schon durch sein Aussehen löst er Unbehagen aus. Er ist bleich, hat „the Adam´s apple of a vulture“68. Dieses Unbehagen wandelt sich in Verstörung um, als der Leser erfährt, dass der Mann als Arznei gegen seine Blutarmut das Blut der frisch geschlachteten Tiere trinkt. Auf diese Weise wird von Beginn an eine Verbindung zwischen Religion und Blut und Tod hergestellt. Dadurch wird die nordirische Problematik indirekt bewusst gemacht.

Auch das weitere Auftreten des Predigers im Verlaufe der Handlung wirkt unheimlich. Die Plakate, die er überall in der Gegend an Bäume nagelt, erscheinen entweder höhnisch oder als düstere Vorausdeutungen. Das Bibelzitat „´The Wages of Sin is Death.`“69 muss auf den schweren Sünder Cal wie eine Drohung wirken.

In einem Moment, in dem Cal die grausame Realität des Nordirlandkonflikts besonders bewusst wird - er findet die blutigen Überreste einer Kuh, die von einer Landmine zerfetzt wurde, verkündet das Plakat salbungsvoll: „The Kingdom of God is within You.“70 - was in dieser Situation einfach zynisch wirkt.

Auch kurz vor seiner Verhaftung trifft Cal den Prediger wieder, der sich diesmal wie ein Untergangsapostel gebärdet. Er predigt von den Passanten unbeachtet auf der Straße. „Repent ye; for the kingdom of Heaven is at hand“71, steht auf seiner Schürze, er krakeelt, „Without the shedding of blood there can be no forgiveness.“72 Diesen letzten Satz kann man nur als bösartigen Hohn empfinden. In Nordirland, wie auch im Roman selbst, beweist es sich schließlich, dass Blutvergießen keine Lösung ist, geschweige denn zu Vergebung führt.

Mit der Figur des vermutlich verrückten Predigers verdeutlicht der Autor also sehr gut den absurden Irrsinn der Situation in Nordirland.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie es dem Autor gelingt, im Leser ein beklemmendes Gefühl wach zu rufen, ist die Schilderung von Grünewalds Gemälde von der Kreuzigung Jesu. Marcella schildert Cal, welch bleibenden Eindruck das Bild auf sie als Kind gemacht hat: „`It was a painting. And it was the first thing like that which had any effect on me. It was by a man called Grünewald [...] I stood there and stared at it for so long the teachers lost me and had to come back for me. The pain in it is terrible. Not like our Walt Disney mural.´“73 Später hat Cal Gelegenheit, sich selbst ein Urteil zu bilden, denn er schenkt Marcella zu Weihnachten ein Taschenbuch über Grünewald, in dem auch die Kreuzigungsszene abgebildet ist: „The weight of the Christ figure bent the cross down like a bow; the hands were cupped to heaven like nailed starfish; the body with ist taut ribcage was pulled to the shape of an egg-timer by the weight of the lower body; the flesh was diseased with sores from the knotted scourges, the mouth open and gasping for breath.“74 Bei dem hier beschriebenen Bild handelt es sich um die Mitteltafel des sog. Isenheimer Altars, des wohl berühmtesten Werks Grünewalds. Im Du Mont Kunstführer ist darüber zu lesen: „In keinem anderen Werk dieser Zeit haben Grausamkeit und Leid, Verzweiflung und Hingabe einen ergreifenderen Ausdruck gefunden als in der Kreuzigung Christi des Isenheimer Altars um 1512-15 von Mathis Nithart Gothart, genannt Grünewald (um 1475 - 1528). Der Leichnam Christi hängt in übermenschlicher Größe vor dem Dunkel einer nicht endenden Nacht, die die Erde als düstere Stätte des Todes erscheinen lässt, der im Opfer des Menschensohnes seinen höchsten Triumph feiert. Mit grauenhafter Deutlichkeit werden die schwärenden Wunden der Geißelhiebe gezeigt und das unsägliche Leid in dem herabgesunkenem Kopf mit der Dornenkrone, in dem in Todeskrampf verzerrten Füßen und Händen. Die Wirklichkeitstreue der Schilderung erreicht einen Grad, wo sie ins Unheimliche umschlägt [...]“75. Das Bild wirkt auf den Betrachter eindeutig verstörend, was Mac Laverty durch die genaue Schilderung auch auf den Leser überträgt. Durch das ungeheure Leid, das dieses Werk ausdrückt, entsteht eine Atmosphäre des Unheils und der Gewalt. Grünewalds Altarbild von der Kreuzigung Christi steht symbolisch für die Situation in der geschundenen Region, in der das Leid, das Grünewald so klar ausdrückt, auch heute noch gegenwärtig ist.

Sprachliche Mittel:

Neben gestalterischen Mitteln verstärken auch sprachliche Mittel die Wirkung des Romans.

Mac Laverty ist ein vielgerühmter Kurzgeschichtenautor, der seine Schriftstellerkarriere mit dem Verfassen von Kurzgeschichten begann. Dies hat seinen Schreibstil sehr geprägt. Auch Cal ähnelt auf Grund von Sprache und Aufbau einer Kurzgeschichte. Dies hat auch der Kritiker Terence de Vere White bemerkt, den der Roman als echte Kurzgeschichte noch mehr beeindruckt hätte: „This novel could have been a short story; its impact would have been even stronger.“76 Neben dem unmittelbaren Beginn, der knappen Darstellung und dem offenen Schluss verfügt der Roman über einen Wendepunkt in der Handlung - alles Elemente einer Kurzgeschichte, die zu der beklemmenden Authentizität des Romans beitragen.

Auch die nüchterne, ungeschminkte Sprache,die an bekannte Kurzgeschichtenautoren erinnert wie z.B. Hemingway, sticht sofort ins Auge: „Die Sprache bleibt einfach, unprätentiös, allen schmückenden oder emotionalisierenden Adjektiven misstrauend [...]“77. Immer sachlich und neutral beschreibt der Autor die Vorgänge. Auch bei der Erzählung grausamer Szenen (wie z.B. der oben erwähnten Schlachthausszene) bleibt eine Distanz und Objektivität erhalten, die nach H.G: Pflaum die Bannkraft des Romans noch verstärkt. In einem Artikel in der SZ 1985 schreibt der Kritiker: „Je nüchterner er [der Autor] davon berichtet, desto intensiver wird die emotionale Qualität seiner Sprache; auch darauf beruht der Reiz dieser Erzählungen“78.

Ein Mittel, durch das der Autor seinen Figuren Leben einhaucht, ist der häufige Einsatz der wörtlichen Rede.Sie bietet die Möglichkeit, die Unterschiede zwischen den Figuren zu unterstreichen und ihnen durch ihre unterschiedliche Ausdrucksweise persönliche Konturen und Züge zu verleihen. Bestes Beispiel hierfür sind Crilly und Marcella: Mac Laverty hat die beiden Charaktere grundverschieden angelegt: Marcella, die intellektuelle, liberale Kunstliebhaberin, und Crilly, der sadistische „bully“79. Dieser charakterliche und intellektuelle Unterschied drückt sich auch in der Sprechweise der beiden aus. Crilly redet in einfachen Sätzen, benutzt umgangssprachliche Ausdrücke und flucht auch öfter derb, z.B. tituliert er Robert Morton als „big fucker“80. Marcella dagegen drückt sich gewählt aus. Sie redet meist nach der Schrift, Schimpfwörter kommen ihr nie über die Lippen. Die Unterschiede zwischen den Charakteren werden bereits durch die Sprachkompetenz deutlich.

Das Benutzen der Umgangssprache hat noch einen Nebeneffekt. Die Arbeiter Cal, Shamie, Crilly und Cyril sprechen alle kein korrektes Englisch, sondern „wie ihnen der Schnabel gewachsen ist“ - wie man in nordirischen Arbeitervierteln eben spricht: einfach, derb, und nicht immer salonfähig. Bester Beweis sind die mannigfaltigen Flüche und Schimpfnamen, die den Figuren im Laufe der Handlung entschlüpfen. Ob „arselicker“81, „fucker“82 oder (schon fast dezent) „crawler“83 - die feine englische Art ist das zwar nicht, doch lässt diese Sprache die Personen wesentlich authentischer und somit glaubwürdiger erscheinen.

Aufbau und Struktur:

Auch die Struktur des Romans nutzt der Autor geschickt, um sein Werk zu gestalten. Die Handlung beginnt ein Jahr nach dem entscheidenden Vorfall, dem Mord an Robert Morton. Durch Rückblenden und Anspielungen wird dem Leser angedeutet, dass in Cals Vergangenheit etwas Schreckliches passiert sein muss, das Cal quält. Durch diesen einfachen Kunstgriff baut der Autor eine starke Spannung auf, die sich erst im dritten Kapitel löst.

Weiterhin auffällig bei dem Aufbau des Romans sind die erstaunlichen Parallelen zum klassischen Drama. „Cal“ gliedert sich nämlich in fünf Kapitel, die sich den einzelnen Strukturelementen des klassischen Dramas - Exposition, steigerndes Moment, Peripetie, retardierendes Moment und Katastrophe - zuordnen lassen:

So erfüllt das erste Kapitel die Funktion der Exposition. Der Leser wird in die Problematik eingeführt. Cals Alltag wird vorgestellt. Man erfährt von Cals Arbeitslosigkeit, von der Bedrohung durch radikale Unionisten ,von Cals widerwilliger Mitgliedschaft in einer Terrororganisation und von einem dunklen Fleck in seiner Vergangenheit, der irgendwie in Zusammenhang mit der neuen Bibliothekarin Marcella steht, zu der er sich hingezogen fühlt. Außerdem werden Cals familiäre Situation und das Verhältnis zu seinem Vater Shamie dargestellt. Somit sind alle Handlungsebenen und Probleme im ersten Kapitel angelegt oder um es mit Fontanes Worten auszudrücken: Das erste Kapitel enthält den „Keim des Romans“.

Im zweiten Abschnitt erfahren alle Handlungsbereiche eine Steigerung. Die Mc Cluskeys werden nicht mehr nur bedroht, sondern zum ersten Mal physisch angegriffen. Cal kommt außerdem Marcella immer näher, was seinen inneren Konflikt verstärkt. In der Auseinandersetzung mit Crilly und Skeffington verhärten sich die Fronten, da Cal äußert, aussteigen zu wollen. Die Spannung erfährt also in fast allen Bereichen eine Steigerung, weshalb man das zweite Kapitel auch als steigerndes Moment ansehen kann.

Nach dem antiken Dramenaufbau folgt nun die sog. Peripetie, ein Wendepunkt in der Handlung. Bei „Cal“ lässt sich ein solcher Wendepunkt im dritten Kapitel ausmachen: Eine erste Änderung ist Cals Arbeit auf der Farm der Mortons. Mit dem neuen Job kann er nicht nur Marcella nahe sein, sondern die Arbeit hat auch einen reinigenden Effekt: „For three days, altough he ended up each day physically filthy, work had a cleansing effect on him. It was as if idleness had allowed dirt to accumulate on his soul, to clog his mind, and work moved him through it untouched.“84 Eine weitere Wende erfährt Cals Leben durch den Brandanschlag, dem sein Elternhaus zum Opfer fällt, woraufhin Cal heimlich in die verfallene Hütte auf dem Gelände der Morton-Farm zieht. Zudem wird das Geheimnis um Cals Schuld gelüftet. Damit ändert der Autor seine „Erzählstrategie“ und nimmt Spannung aus der Geschichte. Zusammenfassend kann man also sagen, dass im dritten Abschnitt sich Wandlungen ergeben, die für die weitere Handlung von großer Wichtigkeit sind.

Im folgenden Kapitel, das dem retardierenden Moment entspricht, kommt es zu einer Entspannung der Handlung und einer Scheinlösung, die den Leser Hoffnung für Cal schöpfen lässt. Nach seiner Entdeckung durch die Mortons, darf er dank des Einsatzes von Marcella - in den leer stehenden, herunter gekommenen Stall einziehen. Zu Marcella baut sich eine wirkliche Vertrauensbasis auf, da er auf Grund seiner neuen „Wohnung“ mehr Zeit mit ihr verbringt. Auch ein anderes Problem scheint sich erledigt zu haben. Cal scheint dem Zugriff Crillys und Skeffingtons entkommen zu sein, die keine Ahnung haben, wo der Deserteur sich aufhält. Betrachtet man diese Entwicklungen, könnte man fast an ein Happy End glauben.

Doch solche Hoffnungen entpuppen sich im fünften Kapitel als trügerisch. Es kommt zur Katastrophe,denn Cal verliert schließlich doch alles: seinen Vater, die Freiheit und die Frau, die er liebt. „The next morning, Christmas Eve, almost as if he exspected it, the police arrived to arrest him and he stood in a dead man`s Y-fronts listening to the charge, grateful that at last someone was going to beat him to within an inch of his life.“85

Schlussbemerkung:

Mit diesem ernüchternden Schlusssatz entlässt Mac Laverty den Leser. Was lässt er zurück? Ratlosigkeit angesichts des erschütternden Schicksals des jungen Cal Mac Cluskey, dessen Pech es war, in einem Land aufzuwachsen, in dem Friede keine Selbstverständlichkeit ist? Fassungslosigkeit angesichts der Gewalt, die die Menschen zerstört? Oder Hoffnung auf eine friedliche Zukunft? Die politischen Entwicklungen der letzten Jahre, wie z.B. das Good Friday Agreement 1998, scheinen Anlass für berechtigten Optimismus zu bieten. Doch kann die Politik nicht die Köpfe der Menschen ändern, in denen sich Hass und Misstrauen anscheinend festgebissen haben. Die Übergriffe zu Beginn diesen Jahres auf katholische Schülerinnen, die eine katholische Schule in einem protestantischen Viertel in Belfast besuchen, und die Ermordung eines katholischen Briefträger im Januar diesen Jahres durch loyalistische Terroristen scheinen den Friedensbemühungen jedenfalls Hohn zu sprechen.

Glossar:

A-Levels höherer britischer Schulabschluss, in etwa vergleichbar mit dem deutschen Abitur

Apprentice Boys loyalistische Gruppierung, die mit ihren traditionellen Märschen der Befreiung der Stadt Derry aus der Belagerung durch Jakob II 1689 gedenkt.

Belagerungsmentalität auch Wagenburgmentalität; Bezeichnung für die Einstellung vieler Protestanten in Nordirland, die sich auf Grund ihrer Minderheitenstellung in ganz Irland quasi dauernd von feindlichen Katholiken umzingelt sahen und diese misstrauisch beäugten; auch heute sind noch Reste dieser Mentalität erhalten.

Bogside überwiegend katholisch-republikanisches Viertel in Derry; Schauplatz der Battle of the Bogside.

confidential line Rufnummer, über welche Mitwisser anonym vor Terroranschlägen warnen können.

Derry (von Protestanten Londonderry genannt); nach Belfast zweitgrößte Stadt in Nordirland an der Grenze zur Republik Irland; Schauplatz blutiger Unruhen zur Zeit der Troubles

Devlin, Bernadette hatte Führungsrolle in der Bürgerrechtsbewegung der 60er inne; Gründerin von People`s Democracy; verbüßte 6-monatige Gefängnisstrafe wegen ihrer Beteiligung an gewalttätigen Demonstrationen; wurde im Alter von 21 Jahren als jüngste Abgeordnete in das Hose of Commons gewählt

Gerrymandering unfaire Manipulation der Grenzen von Wahlkreisen, um für eine Partei oder soziale Schicht unverhältnismäßig großen Einflußbei den Wahlen zu sichern.

Hume, John Vorsitzender der 1970 gegründeten Social Democratic and Labour Party; wegen seiner gemäßigten Haltung wurde er vom radikalen Flügel der Republikaner als Verräter angesehen; seine Wahlkampfzentrale wurde 1984 von einer IRA-Bombe zerstört; für seine Verdienste um den Friedensprozess in Nordirland erhielt Hume 1998 den Friedensnobelpreis.

IRA Irish Republican Army; verbotene, republikanische Untergrundarmee, deren Ziel ein vereinigtes Irland frei von den Briten ist. Terror wird als Mittel zur Erreichung dieses Ziels akzeptiert. Vor allem in den 30er Jahren und den Troubles kosteten die „Bombenkampagnen“ der IRA vielen Menschen das Leben. 1972 spaltete sich die IRA in einen radikalen und in einen gemäßigten Flügel. In den 90ern verlor die IRA an Bedeutung. Heute existieren zahlreiche noch radikalere Splittergruppen, z.B. die Real IRA.

Irish Freestate Loyalisten Republik Irland, auch Eire genannt

Loyalisten auch Unionisten; Begriff, der oft verwendet wird, um die politische, nicht religiöse, Ausrichtung des Konflikts deutlich zu machen. Sie bezeichnen die Bevölkerungsgruppe, die die Union Nordirlands mit Großbritannien unbedingt aufrechterhalten will und ein vereinigtes Irland verhindern will.

Loyalistisch/unionistisch unterstellt, dass die so bezeichneten Personen mit Terrorgruppen sympathisieren.

Nationalisten auch Republikaner; diese Begriffe werden oft verwendet um die politische, nicht religiöse, Ausrichtung des Konflikts heraus zu stellen. Sie bezeichnen die Bevölkerungsgruppe, die ein vereinigtes Irland ohne Briten wünschen.

Natonalistisch/republikanisch unterstellt, dass die so bezeichneten Personen mit Terrorgruppen sympathisieren.

Off-licence Orange Order Spirituosengeschäft

Orange Order Oranier Orden; unionistische Vereinigung, gegründet 1795 zum Gedenken an den Sieg Willhelms von Oranien am 12.07.1689 über den Katholiken Jakob II; Die alljährlichen Paraden am 12. Juli, die oft durch katholische Viertel führen, sind immer wieder Auslöser blutiger Ausschreitungen.

Paisley, Ian loyalistischer Hardliner; Gründer der Democratic Unionist Party, die weitaus radikalere Ansichten als die zweite große unionistische Partei, die Ulster Unionist Party, vertritt. Paisley und seine Partei weigerten sich 1997 an den Friedensverhandlungen teilzunehmen.

RUC Royal Ulster Constabulary; mehrheitlich protestantisch besetzte, nordirische Polizei, die antikatholischer Gewalttaten (v.a. während der Troubles) bezichtigt wird.

Sinn Fein gälisch: Wir selbst; republikanische Partei, 1905 von Arthur Griffith gegründet. Ihr Ziel ist ein vereinigtes Irland. Die Partei gilt als politischer Arm der IRA. Vorsitzender heute ist Gerry Adams.

Tone, Wolfe geboren 1764, Protestant, Rechtsgelehrter, Führer der United Irishmen, beging Selbstmord in britischer Haft

Troubles in Nordirland gebräuchlicher Euphemismus, der die Zeit zwischen 1968 bis heute bezeichnet, in der die Gewalt in Nordirland eskalierte.

Ulster Six Counties; sechs Grafschaften im Nordosten der irischen Insel; Bestandteil des Vereinigten Königreichs; protestantische Mehrheit

UVF Ulster Volunteer Force,; ursprünglich unionistische volksarmee, die als Reaktion auf die Vorstellung der Home Rulr Bill entstanden war. Da sich die UVF aber radikalisierte, wurde sie verboten. Heute ist sie eine der am meisten gefürchteten, Terrorgruppen.

War of Independence irischer Unabhängigkeitskrieg 1919-1921, auch bekannt als anglo-irischer Krieg; die IRA verübte in Guerillamanier Bombenanschläge gegen britische Truppen in Irland; offiziell beendet durch den Anglo-Irish Treaty

Literaturverzeichnis:

Primärliteratur:

Mac Laverty, Bernard; Cal; Penguin Student Edition, London 2000

Sekundärliteratur:

Baumgart, Fritz; DuMont´s Kleine Kunstgeschichte; Verlag M. DuMont Schauberg, Köln 1972

Breuer, Manfred; Nordirland - eine Konfliktanalyse; Heidelberger Studien zur Internationalen Politik 1994

Diercke Weltatlas, Westermann Schulbuchverlag, Braunschweig, 1992

Elvert, Jürgen (Hrsg.); Nordirland in Geschichte und Gegenwart; HMRG-Beihefte Band 9; Franz Steiner Verlag Stuttgart, 1994

Hamacher, Stephan; Moderne politische Lyrik in Nordirland: die Unruhen von Ulster im Spiegel der Literatur, Europäische Hochschulschriften, Peter Lang Verlag 1990,

Handwerger, Manfred; Staatsformen der Gegenwart; Buchner-Verlag Bamberg 2001

Hogan, Robert; Mac Millan Dictionary of Irish Literature, London 1971

Morrison, Danny; Troubles - Eine Einführung in die Geschichte Nordirlands, Unrast Verlag Münster 1997

Morrison, Danny; Aus dem Labyrinth - Schriften auf dem Weg zum Frieden in Nordirland; Unrast Verlag Münster 1999

Rea, Tony; Wright, John (Hrsg.); Ireland - A divided Island, hrsg. von und; Oxford University Press 1998

Zeitschriften-/ Zeitungsartikel:

Aus Informationsmaterial des British Council in Berlin (beigeheftet), bestehend aus

- Comiskey, Ray; ´Cal`hailed by Cannes critics, Irish Times
- Francke, Jürgen; Keine Hoffnung für Nordirland, taz 26.07.1991
- Pflaum, Hans Günther; Belfast - im Alltag, SZ 02.- 04.06. 1983
- de Vere White, Terence; Crime and Punishment, Irish Times 29.01.1983
- Besprechung von Bernard Mac Laverty, Neue Zürcher Zeitung 14.01.1986

Fink, Matthias; Die Geschichte der IRA; in: Schulfunk Schulfernsehen hrsg. vom Bayerischen Rundfunk, Februar 2002

Informationsmaterial der Irischen Botschaft in Deutschland (beigeheftet)

Informationsmaterial der Britischen Botschaft in Deutschland (beigeheftet)

Filmquelle:

„Cal“, Regie: Pat O`Connor, 1986

Internetquellen:

www.diogenes.de/4DACTION/web_.../a_id=7041807&tmpl=AUT_11&ID=115966

http://sinnfein.ie/index2.html

http://cain.ulst.ac.uk/issues/violence/docs/kennedy01.htm

www.sundayherald.com/4594

www.ireland.com/special/peace/troubles/troubleschron.htm

http://members.tripod.co.uk/realbookreview2/maclaver.htm

www.irishwriters-online.com/bernardmaclaverty.html

www.psni.police.uk/stats/punbeat2.shtml

www.psni.police.uk/stats/teroffence.shtml

www.psni.police.uk/stats/deaths2.shtml

www.psni.police.uk/stats/reccrime.shtml

Quellennachweise:

[...]


1 Francke, Jürgen; Keine Hoffnung für Nordirland; erschienen in der taz, 26.07.91, Seite 17

2 Francke, Jürgen; Keine Hoffnung für Nordirland; erschienen in der taz, 26.07.91, Seite 17

3 Pflaum, Hans Günther; Belfast im Alltag; erschienen in der SZ, 02.-04.06.85, Seite 12

4 www.diogenes.de/4DACTION/web_.../a_id=7041807&tmpl=AUT_ 11&ID=115966

5 www.diogenes.de/4DACTION/web_.../a_id=7041807&tmpl=AUT1 1&ID=115966

6 www.sundayherald.com/4594

7 Fink, Matthias; Die Geschichte der IRA; erschienen in Schulfunk Schulfernsehen hrsg vom Bayerischen Rundfunk, Februar 2002, Seite 8

8 Hamacher, Stefan; Moderne politische Lyrik in Nordirland: die Unruhen von Ulster im Spiegel der Literatur; Stuttgart 1990, S.4

9 Hamacher, Stefan; Moderne politische Lyrik in Nordirland: die Unruhen von Ulster im Spiegel der Literatur; Stuttgart 1990; S.4

10 Rea, Tony; Wright, John (Hrsg.); Ireland - a divided Island; Oxford 1998, Seite 8

11 Rea, Tony; Wright, John (Hrsg); Ireland - a divided Island; Oxford 1998, Seite 15

12 Hamacher, Stefan; Moderne politische Lyrik in Nordirland: die Unruhen von Ulster im Spiegel der Literatur; Stuttgart 1990, Seite 7

13 Rea, Tony; Wright, John (Hrsg.); Ireland - a divided Island; Oxford 1998, Seite 21

14 Jesse, Eckart; Wahlsysteme und Wahlrecht, in: Die EU- Staaten im Vergleich; hrsg. von Gabriel, Oscar; Brettschneider, Frank, in: Staatsformen der Gegenwart; hrsg. von Handwerger, Manfred Bamberg 2001, S.140

15 Rea, Tony; Wright, John; Ireland - a divided Island;Oxford 1998, S.

16 Rea, Tony; Wright, John; Ireland - a Divided Island; Oxford 1998; S. 41

17 Rea, Tony; Wright, John; Ireland - a divided Island; Oxford 1998, S. 42

18 Rea, Tony; Wright, John; Ireland - a divided Island; Oxford 1998, S. 44

19 Morrison, Danny; Troubles- Eine Einführung in die Geschichte Nordirlands; Münster 1997, S.38

20 Rea, Tony; Wright, John; Ireland - a divided Island; Oxford 1998, S. 48

21 Auszug aus dem Compton Report; in: Ireland - a divided Island; hrsg. von Rea, Tony; Wright, John; Oxford 1998; S. 49

22 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000, S. 28

23 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000, S. 4-5

24 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 131

25 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 26

26 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 12

27 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 88

28 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 34

29 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 34

30 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 34

31 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 123

32 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 118

33 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 154

34 Mac Laverty; Bernard; Cal; London 2000; S. 37

35 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 27

36 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 191

37 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000, S. 5

38 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 5

39 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 30

40 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 45

41 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 5

42 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 110

43 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 130-131

44 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 114

45 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 152

46 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 119

47 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 125-126

48 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 117

49 Francke, Jürgen; Keine Hoffnung für Nordirland; in: taz, 26.07.1991, S. 17

50 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 109-110

51 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000, S. 110

52 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000: S. 110

53 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 67

54 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 79

55 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 126

56 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 5

57 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 73

58 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 20

59 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 156

60 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 50-51

61 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 37

62 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S.82

63 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 118

64 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 141

65 Mac Laverty, Bernard; Cal, London 2000; S. 55-56

66 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 4

67 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 3

68 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 4

69 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 4

70 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 120

71 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 142

72 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 143

73 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 109

74 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 153

75 Baumgart, Fritz; Du Mont´s Kleine Kunstgeschichte; Köln 1972; S.175-176

76 De Vere White, Terence; Crime and Punishment; in: Irish Times, 29.01.1983, S.12

77 Pflaum, Hans Günther; Belfast - im Alltag; in: SZ, 02.- 04.06.1985

78 Pflaum, Hans Günther; Belfast - im Alltag; in: SZ, 02.- 04.06.1985

79 De Vere White, Terence; Crime and Punishment; in: Irish Times, 29.01.1983

80 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 83

81 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S.61

82 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 83

83 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 16

84 Mac Laverty; Bernard; Cal; London 2000; S. 53

85 Mac Laverty, Bernard; Cal; London 2000; S. 154

43 von 43 Seiten

Details

Titel
MacLaverty, Bernard - Cal - Der Nordirlandkonflikt an Hand von Bernard Mac Lavertys Roman
Note
15 Punkte
Autor
Jahr
2002
Seiten
43
Katalognummer
V106594
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ich hoffe, es hilft jemandem. Die Stoffsammlung bei diesem Thema war echt schwierig.
Schlagworte
MacLaverty, Bernard, Nordirlandkonflikt, Hand, Bernard, Lavertys, Roman
Arbeit zitieren
Hanna Meiller (Autor), 2002, MacLaverty, Bernard - Cal - Der Nordirlandkonflikt an Hand von Bernard Mac Lavertys Roman, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106594

Kommentare

  • Gast am 11.11.2002

    Zu viel.

    Wow, extrem umfangreich!
    Fast zu viel!

  • Gast am 13.11.2002

    Sau geil!!!.

    Ich schreib morgen in der 12 ne Englisch Leistungskurs-Arbeit über das Buch!!
    Auf jeden Fall ist das Referat dazu der Hammer!!
    Das wird mich wohl retten *g*
    Thx,

    david

  • Gast am 30.11.2002

    Vielen Dank!.

    Ich habe in einer Woche die Matur, unter anderem auch über das Buch Cal. Mit diesen Infos bin ich bestens gerüstst und sie haben mir eine Menge Arbeit erspart-echt super, Danke!!

  • Gast am 17.12.2002

    Schülerin.

    Danke,du hast mich und vor allem meine Freundin gerettet!Einfach Super!!

  • Gast am 29.10.2003

    WOW!.

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  • Gast am 4.12.2004

    Große Hilfe.

    Vielen, vielen lieben Dank. ich kann gar nicht sagen, wie froh ich bin, diese seite gefunden zu haben. schreibe demnächst meine lk-klausur über das buch ohne dass wir es jemals zuvor besprochen haben. nun denk ich bin ich bestens gerüstet und werde das pferd schon schaukeln, dank ihrer hilfe. nochmals tausend dank und weiterhin gutes gelingen

  • Gast am 3.2.2005

    meinen Respekt.

    Ich kann auch nur sagen WOW! Meinen Respekt für all die Arbeit, die nötig war die Fakten zu recherchieren und auch für die Interpretation, die einfach super ist. Klasse!

  • Gast am 26.2.2005

    Großes Lob.

    Wirklich toll geschrieben. Besonders wenn man betrachtet, wie wenig quellen (es gibt nicht mal ne lektürenhilfe für Cal) es für dieses Buch gibt. Leider ist es nicht auch Englisch! ;-)

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Titel: MacLaverty, Bernard - Cal - Der Nordirlandkonflikt an Hand von Bernard Mac Lavertys Roman



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