Die wirtschaftliche Entwicklung Frankfurt/ Oders vom 13. bis 16. Jahrhundert


Seminararbeit, 2002

10 Seiten, Note: 2,3


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1. Einleitung

Ein aktuelles Thema der heutigen Zeit ist die Osterweiterung der Europäischen Union. In einigen Jahren wird auch Polen in diesen Staatenbund aufgenommen werden. Deshalb gewinnt schon heute der Handel mit dem Osten Europas zunehmend an Bedeutung. Davon profitieren auch die Städte der Grenzregion, wie zum Beispiel Frankfurt/Oder.

Doch das Thema Ost-West-Handel ist nicht erst seit dem Ende des kalten Krieges aktuell. Bereits im Mittelalter war dieser Wirtschaftsraum von Bedeutung. Frankfurt/Oder war bereits damals ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für den Handel zwischen West und Ost. In der vorliegenden Arbeit wird die politische und wirtschaftliche Entwicklung Frankfurts von der Stadtgründung im Jahr 1253 bis ins 16. Jahrhundert dargestellt. Dabei wird insbesondere auf die wirtschaftliche Entwicklung und Bedeutung eingegangen. Frankfurt/Oder war Mitglied in der Hanse, dem wichtigsten Städtebund Nordeuropas im Mittelalter. Leider wurde dieses Thema in der Forschungsliteratur nur wenig beachtet und auch in den Quellen finden sich nur wenige Informationen dazu. Aus diesem Grund wird die Beziehung Frankfurts zur Hanse nur kurz dargestellt und in der Schlussbetrachtung noch einmal aufgegriffen. Im Laufe der Vorbereitungen trat das Problem auf, dass wenig neue Forschungsliteratur zu Frankfurt/Oder erschienen ist. Die meisten Abhandlungen wurden im 19. und Anfang/Mitte des 20. Jahrhunderts geschrieben.

2. Stadtgründung

2.1. Vorgeschichte

Das 1253 gegründete Frankfurt/Oder gehörte im Mittelalter zum Lande Lebus. Bereits vor der Stadtgründung hatte diese Gegend eine beachtliche Bedeutung.

Lebus war ein wichtiger strategischer Punkt - wer Lebus besaß, hatte die Vorherrschaft an der mittleren Oder und über die wichtigen Straßen nach Pommern und Schlesien.1 Seit dem 11. Jahrhundert bemühten sich deshalb die Deutschen, insbesondere die brandenburgischen Askanier, die Wettiner und die Magdeburger das Land Lebus von den polnischen Piasten zu erwerben.

Im Jahr 1249 bot sich für die Askanier die Chance, die Herrschaft über dieses Gebiet zu erlangen. Die polnischen Herzöge Boleslaw und Heinrich I. waren in einen Erbstreit geraten. Diese Gelegenheit nutzten die Askanier um mit Hilfe des Magdeburger Erzbischofs den Herzog Boleslaw zu unterstützen. Letztendlich konnten die Askanier dadurch das Land Lebus in ihren Besitz bringen. Die Burg Lebus wurde dem Erzbistum Magdeburg zugesprochen.

Eineinhalb Meilen südlich von Lebus bildete sich Anfang des 13. Jahrhunderts eine Siedlung. Zu dieser Zeit kamen viele Deutsche in dieses Gebiet, vor allem Kaufleute, für die diese Region ein guter Ausgangspunkt für den Handel in den europäischen Osten war. Der Ursprung diese Siedlung, aus der sich die Stadt Frankfurt/Oder entwickelte, lag auf einer Talsandinsel2. Man bestimmte diese Stelle, weil hier der günstigste Flussübergang an der mittleren Oder war. Man hatte bisher eher den Übergang bei Lebus gewählt, dieser war aber durch den hohen Wasserstand im Oderbruch im 13. Jahrhundert unpassierbar geworden. So gewann die neue Siedlung schnell an Bedeutung. Bereits vor der Stadtgründung unter Herrschaft des polnischen Piasten Heinrich I. wurde die Siedlung gefördert - sie erhielt von ihm das Markt- sowie Niederlagsrecht3 und hatte damit eine wichtige Einnahmequelle. Ein weiterer Hinweis darauf, dass die Kaufmannssiedlung zu einem wichtigen Handelspunkt geworden war, ist die Tatsache, dass schon vor der Stadtgründung ein Rathaus, ein Markt und eine Nikolaikirche vorhanden waren4. Diese Kirche war dem Heiligen Nikolaus gewidmet, dem Schutzpatron der Fischer, Seefahrer und Kaufleute. Östlich vom Markt befand sich eine Anlegestelle für die Oderschifffahrt und den Fährverkehr.

Die Nikolaisiedlung hatte auch einen eigenen Sultheissen, Gottfried von Herzberg, und damit auch schon eine eigene Gerichtsbarkeit. Der Schulze besaßaußerdem zwei Mühlen, was im Mittelalter ein Privileg war.

2.2. Die Gründung der Stadt Frankfurt/Oder

Wie bereits in Kapitel 2.1. beschrieben, wechselte im Jahr 1249 die territoriale Herrschaft über das Land Lebus. Es kam in den Besitz der brandenburgischen Askanier und hatte damit Anschluss an ein Gebiet, durch welches die wichtigen Handelsstraßen in westliche Richtung verliefen. Seit diesem Zeitpunkt erfolgte eine verstärkte Zuwanderung von Fernhändler aus Nordwestdeutschland und Flandern5. Nun versuchten die Einwanderer die Siedlung zu erweitern und Stadtrecht zu erlangen. Im Sommer 1253 verhandelte deshalb der Schulze Gottfried von Herzberg auf der Burg zu Spandau mit den askanischen Markgrafen. Am 12. Juli 1253 lag das Ergebnis in Form einer Urkunde vor6. Johann I. beauftragte darin den Schulzen Gottfried von Herzberg mit dem Stadtausbau, dieser wurde als Gerichtsvogt eingesetzt und kam damit in den Besitz des Stadtgerichts. Der Markgraf sicherte sich die Einnahmen aus Zöllen, Pacht und Landbesitz.

Am Montag, dem 14. Juli 1253 wurde eine Ergänzungsurkunde7 angefertigt, in der die Siedlung Zliwitz, rechts der Oder an die Siedlung links der Oder angegliedert und auch unter die Gerichtsbarkeit des Schulzen von Herzberg gestellt wurde. Zu den 124 Hufen links der Oder kamen noch 60 Hufen Land rechts der Oder. Die förmliche Erhebung zur Stadt erfolgte durch die Vergabe des Berliner Rechts8 an Frankfurt/Oder9. Außerdem wurde das Niederlagsrecht, welches die Nikolaisiedlung durch Heinrich I. erhalten hatte, bestätigt. Daneben erhielt die Stadt das Jagd- und Fischereirecht, sowie das Mühlrecht. Des weiteren waren die Siedler in den ersten sieben Jahren von der Steuer befreit10.

2.3. Stadtausbau

Nach der offiziellen Erhebung zur Stadt begannen die Frankfurter mit dem Stadtausbau. Ein Graben wurde angelegt, welcher das Quellwasser aus den Höhen auffing und in die Oder ableitete und die Stadt von Westen her vollständig umschloss11. Ein neues Rathaus, eine Marienkirche und eine Stadtmauer wurden errichtet. Außerdem hatte die Stadt bei der Gründung das Privileg erhalten, Brücken zu bauen12 und auch Brückenzoll zu nehmen, so dass man auch eine hölzerne Brücke über die Oder anlegte13.

2.4. Stadtverfassung

Das Patriziat wurde von den Kaufleuten und Gewandschneider gebildet. Diese wählten aus ihren Reihen den Rat - insgesamt 24 Ratsmannen. Aus diesen 24 Männern wurden die sechs Bürgermeister bestimmt. Es regierten jeweils drei Bürgermeister für ein Jahr14.

2.5. Der Stadtname, das Siegel und das Wappen

In der Forschung wurde über zwei Möglichkeiten der Herkunft des Stadtnamen Frankfurt diskutiert. Die ältere Forschung15 leitete den Namen über die Einwanderer, die Franken, her, welche über eine Furt in der Oder nach Polen gekommen sein sollen. Die neuere Forschung widerlegte diese Theorie, so R.-R. Tariegel, der behauptete, es gäbe keine Furt bei Frankfurt und der Name wäre von der älteren Stadt Frankfurt am Main auf die jüngere Stadt übertragen worden16. Diese Theorie verfolgen auch die Autoren der Historischen Stätten Deutschlands17.

Siegel und Wappen der Stadt zeigen ein Stadttor, in dessen Mitte ein Hahn steht. Es handelt sich dabei um ein redendes Stadtzeichen. Dieses „erzählt“ die Geschichte von den ersten Einwanderern der Region, den Franken. Das lateinische Wort „gallus“ ist die Bezeichnung für die Franken und heißt gleichzeitig auch Hahn.

Die Frankfurter Stadtfarben sind rot, grün und weiß18.

2.6. Die politische Entwicklung der Stadt nach deren Gründung

Im Jahr 1319 starb mit Markgraf Waldemar der letzte brandenburgische Askanier. Da er keine Kinder hatte, entbrannte nun ein Nachfolgestreit um die Mark Brandenburg. Im Jahr 1322 wurde der Wittelsbacher Ludwig von seinem Vater, König Ludwig, mit der Mark belehnt. Die Wirren des Nachfolgestreits konnten die Städte für sich nutzen und ihre Autonomie festigen. Mit der Einsetzung des Wittelsbachers war aber noch keine endgültige Klärung der Nachfolge erreicht. Im Jahr 1348 tauchte plötzlich ein Mann auf, der als der „falsche Waldemar“ in die Geschichte einging. Er gab sich als rechtmäßiger Nachfolger der brandenburgischen Askanier aus. Unterstützt wurde er von Kaiser Karl IV., der nach der Mark strebte. Frankfurt hielt zu Ludwig und wurde deshalb von Karl IV. belagert. Doch trotz großer Zerstörungen in der Stadt, konnte diese nicht eingenommen werden.

Zum Dank für die Unterstützung erließLudwig den Frankfurtern im November 1348 die Urbede, eine landesherrliche Steuer. Außerdem überließLudwig ihnen das verpfändete Geleit19. So hatten die Frankfurter große Vorteile aus den Wirren um die Nachfolge ziehen können

Zum Ende des 14. Jahrhunderts erhielt die Stadt weitere Privilegien. Seit 1368 durften in Frankfurt die Münzen selbst geprägt werden und 1379 erhielt die Stadt die freie Oderschifffahrt von König Sigmund zugesprochen.

3. Frankfurt/Oder und der Handel im Mittelalter

3.1. Die wirtschaftliche Entwicklung Frankfurts nach der Gründung

Mit der positiven politischen Entwicklung ging der wirtschaftliche Aufschwung einher. Frankfurt erlebte im 14. Jahrhundert seine Blüte. Dieser Zeit verlor die Burg Lebus ihre Bedeutung als Handelsplatz20 - Frankfurt überflügelte Lebus.

Im 14. Jahrhundert gelangte die Stadt vor allem durch Fernhandel zu Wohlstand und beherrschte bald die Oderschifffahrt bis Stettin21. Frankfurt wurde neben Stettin Hauptniederlagsplatz an der mittleren und unteren Oder22.

Die Kaufleute der jungen Stadt betrieben Handel nach Flandern, Schlesien, Böhmen und in den Ostseeraum.

Für den Handel nach Flandern und Schlesien gibt es folgende Belege:

Im Jahr 1280 erließStralsund eine Verordnung über die Gebühr für die Verladung von Asche, Pech, Wagenschott und Roggen und für den Transport nach Flandern. In dieser Urkunde23 wurden auch Frankfurter Kaufleute als Flandernfahrer erwähnt.

Ein weiterer Beleg für die Handeltätigkeit nach Flandern ist eine Urkunde24 aus dem Jahr 1351. Der Markgraf hatte sich von dem Frankfurter Bürger Hokemann 226 Mark geliehen, die er am Pfingstmontag des Jahres 1351 an ihn persönlich oder an seinen Boten in Brügge zurückzahlen wollte.

Der Handel mit Schlesien ist belegt durch ein Dokument25 von 1350, in dem der Schlesische Herzog den Frankfurter Kaufleuten Zollfreiheit gewährte.

3.2. Die Handelsstraßen

Im folgenden Kapitel werden die wichtigsten Handelsstraßen Frankfurts dargestellt, auf Grundlage der Arbeiten W. Kehns und der Autoren Bruns und Weczerka26. Frankfurt hatte drei Tore27. Das Tor im Norden war das Lebuser Tor. Dieses benutzte man auf der Reise nach Norden und Westen28. Die Fahrt in den Westen und Nordwesten führte immer über Berlin29.

Die Straßen, welche Richtung Mittelmark führten, hatten auch eine Verlängerung in den Osten.

Dabei verließman Frankfurt über das Brücktor30.

Um in den Süden und Südwesten zu gelangen, benutzten die Händler das Gubener Tor im Süden der Stadt. Nach Böhmen gelangten die Kaufleute aus Frankfurt auf drei Wegen31.

Die wichtigste Verbindung in den Südwesten Deutschlands nach Leipzig war die oben bereits erwähnte Meßstrasse. Sie streifte die Städte Beeskow, Lübben, Luckau und Torgau, wo der Elbübergang war.

3.3. Handelsprodukte

Nach Frankfurt wurden Tuche aus Flandern, südländische Gewürze und Weine, das kostbare Baysalz aus der Bay von Biskaya, Fisch und Leinsaat eingeführt. Von Frankfurt aus wurden die Waren weitertransportiert nach Schlesien, Böhmen, Ungarn und Siebenbürgen.

Das wichtigste Handelsgut für die Stadt an der Oder aber war der Salzhering32. Salzhering war die wichtigste Fastensspeise im Mittelalter. Zunächst wurde der Hering mit Schiffen von Stettin geholt, später direkt aus Bergen und von Schonen.

Ausgeführt nach Skandinavien wurden über die Oder Leinwand aus Schlesien, sowie Bauholz, Wein33, Hanf, Honig, Teer und Wachs. Jedoch war das wichtigste Ausfuhrprodukt Getreide aus der Mark und Polen, da hier Überschussproduktion herrschte. Auch dieses wurde nach Skandinavien gebracht, erst über Hamburg, später direkt von Frankfurt in die nördlichen Länder, denn dort war Getreide Mangelware34.

3.4. Erwerb von Grundbesitz

Um sich das Handelsgut Getreide zu sichern, kauften einige Frankfurter Geschäftsleute umliegende Dörfer, um selbst die Produktion kontrollieren zu können35. Dazu gehörten die Gemeinden Malisch36, Reitwein37, Gusow38 und Lebus39.

Aber auch die Stadt selbst kaufte Dörfer40. W. Kehn41 schrieb, dass zur Stadt zwischen 1287 und 1399 16 Dörfer der Umgebung gehörten.

3.5. Niederlage und Straßenzwang

Wie bereits in Kapitel 2.1. erwähnt, war Frankfurt im Besitz des Niederlagsrechtes. Wie W. Stein42 schrieb, bezog sich das Niederlagsrecht auf Schifffahrt und Landverkehr gleichermaßen. Durch Niederlage und Straßenzwang gelang es Frankfurt laut W. Stein43 zeitweilig den Verkehr zwischen Oberdeutschland und Polen von der alten Verbindungsstraße44 nach Frankfurt abzulenken.

Über die Dauer der Niederlage gibt es laut W. Kehn45 keine gesicherte Erkenntnis. Er nimmt aber an, die fremden Kaufleute hätten nicht länger in der Stadt bleiben müssen, als anderswo üblich. Kehn gibt weiterhin an, dass die Märker von der Niederlage befreit gewesen seien, außer sie transportierten Hering und anderen Fisch. Völlig von der Niederlage befreit waren Getreide und Vieh46.

Der Autor sieht in dem Recht, die Niederlage durchzuführen und im Straßenzwang keinen entscheidenden Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg Frankfurts, da man nicht in der Lage war diese Rechte immer durchzusetzen (zur Durchsetzung des Niederlagerechtes später Näheres). Gerade bei der Durchführung des Straßenzwanges war man auf die Hilfe des Landesherren angewiesen47. Kehn sieht den Grund für den Erfolg des Frankfurter Handels „in der Gunst der natürlichen Lage und dem kaufmännischen Weitblick der einwandernden Kaufleute“48.

3.6. Zeichen für den Wohlstand der Stadt

Das Frankfurt erfolgreich Handel betrieb und damit zu Wohlstand gelangte, lässt sich an verschiedenen Punkten beweisen. Zum einen haben die Stadt und einige Kaufleute, wie bereits in Kapitel 3.4. beschrieben gerade in den ersten beiden Jahrhunderten nach der Erhebung zur Stadt eine Reihe von Dörfern gekauft, was ohne das nötige Kapital kaum möglich gewesen wäre.

Ein weiteres Zeichen für den Wohlstand war, dass sich im Jahr 1269 der Bettelorden der Franziskaner in der Gemeinde niederließ. Auch dies wäre ohne die gute Finanzkraft Frankfurts nicht umsetzbar gewesen, da ein Bettelorden auf die Finanzierung durch die Gemeinschaft angewiesen war. Frankfurter Kaufleute stifteten viel für das Kirchenwesen. Die Gewandschneider ließen im Jahr 1368 die Gertraudenkirche bauen. Vier Frankfurter Kaufleute stifteten dem Kartäuserkloster 1396 einen Besitz in den Weinbergen im Süden der Stadt. Außerdem kamen den Spitälern der Stadt Spenden zu. Auch dies ist ein Indiz für die gute finanzielle Stellung der Händler von Frankfurt.

3.7. Hansezugehörigkeit

Das Frankfurt zur Hanse gehörte ist belegt, aber mit Sicherheit erst für das Jahr 1430. In einer Urkunde49 zur Lübecker Tagfahrt vom 1. Januar 1430 ist Frankfurt als teilnehmende Stadt aufgeführt.

Frankfurt ist jedoch schon früher in Zusammenhang mit der Hanse genannt worden. Im Jahr 1368 hatte die Hanse einen Konflikt mit dem König Waldemar von Dänemark. Aus diesem Grund tagte die Hanse am 10. August 1368 in Wismar, um über das weitere Vorgehen zu verhandeln. Von dort aus schickte man an verschieden Städte, egal ob diese Hansemitglied waren oder nicht, ein Schreiben50, welches die Gemeinden aufforderte, den dänischen König nicht zu unterstützen. Auch Frankfurt hat einen solchen Brief erhalten. Dies ist aber kein Beweis für die Hansezugehörigkeit, da, wie bereits beschrieben, auch Städte ohne Hansemitgliedschaft angesprochen worden sind.

3.8. Frankfurts Handel und die Konkurrenz

Wie bereits erwähnt, war Frankfurt ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für den Ost-West-Handel, doch war die Stadt nicht ohne Konkurrenz. Auch andere Oderübergänge wurden viel genutzt, so dass der Handel nach Osten nicht immer über Frankfurt ablief. Zu nennen sind vor allem die Oderübergänge Krossen (oderaufwärts), über den ein Teil des Schlesienhandels lief und Küstrin, sowie Freienwalde (oderabwärts). Die letzt genannten Übergänge wurden vor allem von den märkischen Kaufleuten auf dem Weg nach Preußen benutzt51. Konkurrenz als Umschlagsplatz hatte Frankfurt durch Oderberg und Stettin. Teilweise erfolgte schon dort der Warenumschlag und die damit verbundenen Einnahmen gingen der Stadt verloren. Außerdem konnten die Frankfurter den Warenverkehr der Mittelmärker, vor allem Berlins, mit Stettin nicht für sich nutzen, da diese meistens den Weg über Eberswalde, Küstrin, Freienwalde oder Templin bevorzugten52. Auch der Straßenzwang änderte daran nichts.

4. Schwächung der Stellung Frankfurts

Im 15. Jahrhundert musste Frankfurt eine Schwächung seiner wirtschaftlichen Stellung hinnehmen. Dies hatte wirtschaftliche und politische Ursachen.

4.1. Wirtschaftliche Gründe

Wie im vorangegangenen Kapitel beschrieben, hatte Frankfurt zunehmend Konkurrenz in der Region. Im Jahr 1390 zum Beispiel konnte Stettin den Polenhandel für sich gewinnen. Die fremden Kaufleute vermochten zunehmend die Frankfurter Niederlage zu umgehen53. Seit Ende des 14. Jahrhunderts versuchten die polnischen Kaufleute über die Warthe und Landsberg zu den pommerschen Seehäfen zu gelangen. Damit umgingen sie die Frankfurter Niederlage. Auch den schlesischen Händlern gelang dies. Sie versuchten Frankfurt auf dem Landweg auszuweichen.

Frankfurts Bedeutung als Umschlagplatz „Nummer eins“ ging allmählich verloren.

4.2. Politische Ursachen

Im Jahr 1415 kamen die Hohenzollern in den Besitz der Mark Brandenburg. Ihr Bestreben lag darin, die Autonomie der Städte zu brechen und dem landesherrlichen Willen unterzuordnen54.

Wie die Gemeinden die schwache Landesherrschaft der Wittelsbacher nutzen konnten, um sich Privilegien zu erkaufen und damit ihre Selbständigkeit und den Wachstum ihrer Wirtschaft zu fördern, so hatte auch die neue Politik der Hohenzollern Auswirkungen auf die märkischen Städte.

Diese Politik erschwerte den Fernhandel vor allem derjenigen Städte, die Mitglieder in der Hanse waren, wie zum Beispiel Berlin und Frankfurt/Oder.

Verdeutlicht wird dies durch die Ereignisse in Berlin im Jahr 1448, die als „Berliner Unwillen“ in die Geschichte eingingen. Kurfürst Friedrich II. hatte Berlin ausgewählt, um dort sein Schloss zu bauen. Im Jahr 1442 hatte Berlin seine Gerichtsbarkeit verloren, die jetzt von fürstlichen Schöffen ausgeführt wurde. Außerdem mischte sich Friedrich II. in innerstädtische Konflikte ein, wie 1442 in der Auseinandersetzung zwischen Handwerkern und Kaufleuten. Mit all diesen Maßnahmen verlor Berlin zunehmend seine Selbständigkeit. Ein Aufstand Berliner Bürger gegen die kurfürstlichen Maßnahmen konnte niedergeschlagen werden. Berlin war seitdem Residenzstadt des Kurfürsten und konnte durch die Einschränkungen, die damit verbunden waren auch nicht mehr an Hansetagen teilnehmen55. Aber nicht nur Berlin war durch die Politik Friedrich II in der wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit eingeschränkt, sondern auch Frankfurt.

Tariegel meint dazu, dass die Stadt Frankfurt durch die Ereignisse des Berliner Unwillens so beeinträchtigt gewesen sei, dass auch sie nicht mehr an Hansetagen teilnehmen konnten56. Außerdem büßte auch Frankfurt zunehmend seine Selbständigkeit ein, denn ab 1499 wurden die Ratsmänner vom Kurfürsten eingesetzt und 1504 verlor die Gemeinde das hohe Gericht57. Seit 1447 nahm Frankfurt nicht mehr an Hansetagen teil und wurde 1518 ganz aus der Hanse ausgeschlossen.

5. Abschlussbetrachtung

Es ist anzunehmen, dass das Fernbleiben von den Hansetagen nicht ganz unfreiwillig war und nicht nur auf die politischen Ereignisse zurückzuführen ist. Vielmehr vollzog sich in Frankfurt ein wirtschaftlicher Wandel58. Da die Bedeutung des Fernhandels sank, konzentrierte man sich seit dem 15. Jahrhundert zunehmend auf den Jahrmarktshandel.

Die Jahrmärkte bekamen mehr Gewicht und Frankfurt entwickelte sich zur Messestadt. Das heisst, die Stadt brauchte die Hanse nicht mehr. Deshalb dürfte es für Frankfurt kein Verlust gewesen sein, diesem Städtebund nicht mehr anzugehören.

Dass die Hansemitgliedschaft nie eine große Bedeutung für Frankfurt hatte, ist anzunehmen. Man nutzte zwar die Vorteile, die sich für den Handel daraus ergaben (Zollvergünstigungen usw.). Jedoch war man eher auf das Bündnis der mittelmärkischen Städte angewiesen, um sich vor Raubrittern und landesherrlichen Einschränkungen schützen zu können.

[...]


1 Kehn, W., Handel im Oderraum vom Zeitalter der Stadtgründungen bis zur Aufnahme staatlicher Wirtschaftspolitik durch die Kronen Polen und Böhmen (1200-1400), Kiel, Phil. Diss., 1966, S. 97

2 Tariegel, R.-R., Frankfurt (Oder) - so wie es war, Düsseldorf 1994, S. 4

3 Hat eine Siedlung oder Stadt das Niederlagsrecht, so sind vorbeiziehende Kaufleute verpflichtet, ihre Ware eine gewisse Zeit in der Stadt zum Verkauf anzubieten. War ein Händler dazu nicht bereit, musste er eine Gebühr bezahlen, um ohne Niederlage die Stadt passieren zu können.

4 Tariegel, R., S. 4

5 Tariegel, R.-R., S. 4

6 siehe CDB A XX III, S. 2

7 CDB A XXIII, S. 1

8 Stadtrecht, angelehnt an das Magdeburger Recht

9 Müller-Mertens, E., Untersuchungen zur Geschichte der Brandenburgischen Städte im Mittelalter, Humboldt-Universität zu Berlin, Hab., 1955, S. 76

10 Tariegel, R.-R., S. 5

11 Tariegel, R.-R., S. 5

12 Bisher überquerte man die Oder mit Fähren.

13 Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Bd. 10, Berlin und Brandenburg, hg. Von Heinrich, G., 3. Aufl., Stuttgart 1995

14 siehe Historische Stätten Deutschlands, Bd. 10

15 Vgl. Tariegel, R.-R., S. 5

16 Er bezieht sich dabei auf E. W. Huth; Huth, E. W., Die Entstehung und Entwicklung der Stadt Frankfurt (Oder) und ihr Kulturbild vom 13. bis zum frühen 17. Jahrhundert auf Grund archäologischer Befunde, Berlin 1975

17 Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, Bd. 10

18 Tariegel, R.-R., S. 6, Diese Information entnimmt Tariegel dem Werk des W. Jobst, der schrieb: „zum Wappen bekommen/einen rothen Han mit einem guelden Kopff und gelben Fuessen/auff einem gruenen Berge, in weißem Felde/stehend“ (Jobst, W., Kurtze Beschreibung der alten löblichen Stad Franckfurt an der Oder, 1561)

19 Dies bedeutet, dass die Kaufleute der Stadt landesherrlichen Schutz auf ihren Reisen genossen.

20 Vgl. Kapitel 2.1.; Die Burg Lebus hatte neben militärischer auch wirtschaftliche Bedeutung.

21 Tariegel, R.-R., S. 10

22 Stein, Walter, Beiträge zur Geschichte der deutschen Hanse bis um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts, Giessen, hab., 1900, S. 50

23 HUB I, S. 300 Nr. 868

24 CDB A XXIII, S. 49 Nr. 70

25 CDB A XXIII, S. 43 Nr. 61

26 Bruns/Weczerka, Hansische Handelsstraßen, Weimar 1967

27 Die Stadt hatte kein Tor nach Westen, weshalb ist nicht ganz klar. Wollte ein Kaufmann nach Berlin, verließer die Stadt im Norden und bog ca. 1 km nördlich nach Westen ab, um über Müncheberg nach Berlin zu kommen.

28 Nach Stettin gelangte man meist über die Oder. Aber auch auf dem Landweg reisten die Frankfurter nach Stettin. Es gab eine Straße, die am linken Oderufer über Freienwalde, Eberswalde, Angermünde, Schwedt und Gartz nach Stettin verlief. Entlang des rechten Oderufers führte eine Straße Kyritz, Soldin, Pyritz nach Stettin, wobei man in Kyritz die Oder überquerte, nach Stettin. Diese Strecke hatte eine Verlängerung nach Süden, so dass man über sie auch Schlesien erreichen konnte. Man reiste dabei über Reppen, Krossen, Freistadt, Lüben und Parchwitz nach Breslau.

29 Von Berlin aus gelangten die Kaufleute über Treuenbrietzen und Wittenberg nach Leipzig, über Brandenburg nach Magdeburg. Nach Hamburg und Lübeck reiste der Geschäftsmann von Berlin aus über Fehrbelin und Perleberg, nach Rostock und Wismar über Kremmen und Fürstenberg.

30 Eine Straße verlief über Repen, Drossen, Zielenzig und Meseritz nach Bentchen, von dort aus konnte man entweder nach Posen (Polen) oder Thorn (Preußen) gelangen. Ein anderer Weg nach Bentchen führte über Sternberg, Schwiebus und Bomst. Um von Frankfurt aus Danzig zu erreichen, benutzten die Händler die Verbindung über Landsberg, MärkischFriedland oder über Soldin, Pyritz und Stargard.

31 Der erste führte bis Müllrose oder Beeskow über die Meßstrasse (dazu später), wo man Richtung Cottbus abbog und dann über Spremberg und Bautzen Böhmen erreichte. Man konnte die Straße auch in Spremberg verlassen, so dass man über Hoyerswerda, Dresden und Pirna auch nach Prag kam. Ein anderer Weg führte über Guben und Görlitz nach Böhmen.

32 Noch heute erinnert der goldene Hering, der, an einer Angel befestigt, am Frankfurter Rathaus zu sehen ist.

33 Frankfurt stellte selbst Wein her.

34 Tariegel, R.-R., S. 10

35 Tariegel, R.-R., S. 10

36 1287; siehe CDB A XXIII., S.5

37 1316/36; siehe CDB A XXIII., S. 13/29

38 1353; siehe CDB A XXIII., S. 59

39 1354; siehe CDB A XXIII., S. 67

40 1308 Trettin; siehe CDB A XXIII., S. 7 1317 Booßen; siehe CDB A XXIII., S. 16 1320 Kliestow; siehe CDB A XXIII., S.18

41 Kehn, W., S. 105

42 Stein, W., S. 50

43 Stein, W. S. 51

44 Diese Straße führte über Guben und Krossen nach Polen.

45 Kehn, W., S. 108

46 Kehn, W., S. 108

47 Kehn, W., S. 106

48 Kehn, W. S. 106

49 HR VIII., Nr. 712 § 18

50 HR I, Nr. 475 § 12

51 Kehn, W., S. 111

52 Kehn, W., S. 111

53 Tariegel, R.-R., S. 11 und Stein, W., S. 52/53

54 siehe Tariegel, R.-R., S. 11, sowie Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, Bd. 10

55 Die Hanse war ein Städtebund, der ganz besonders die Macht der Städte symbolisierte. Deshalb waren die Landesherren bemüht, die Städte ihres Einflussbereiches daran zu hindern, an Hansetagungen teilzunehmen. So auch hier in Brandenburg die Hohenzoller.

56 Tariegel, R.-R., S. 11

57 Tariegel, R.-R., S.11

58 Tariegel, R.-R., S. 12

9 von 10 Seiten

Details

Titel
Die wirtschaftliche Entwicklung Frankfurt/ Oders vom 13. bis 16. Jahrhundert
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Veranstaltung
Proseminar - Brandenburgische Städte und Ihre Beziehung zur Hanse im Mittelalter
Note
2,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
10
Katalognummer
V106611
ISBN (eBook)
9783640048908
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Frankfurt/, Oders, Jahrhundert, Proseminar, Brandenburgische, Städte, Ihre, Beziehung, Hanse, Mittelalter
Arbeit zitieren
Antje Balzer (Autor:in), 2002, Die wirtschaftliche Entwicklung Frankfurt/ Oders vom 13. bis 16. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106611

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