Multikuliti oder deutsche Leitidee - die Zuwanderung in Deutschland und ihre Zukuft


Hausarbeit, 2002
14 Seiten, Note: 2,0

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Inhaltsverzeichnis

1) Deutschland, ein Einwanderungsland?

2) Chronik: Vom Anwerbeabkommen zum Zuwanderungsgesetz

3) Ausländer in Deutschland - eine Übersicht

4) Mulikulturelle Gesellschaft oder deutsche Leitidee?

5) Zuwanderungskonzept von Innenminister Schilly

6) Notwendigkeit weiterer Zuwanderungen in Deutschland - Bevölkerungsentwicklung

7) Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis:

1) Deutschland, ein Einwanderungsland?

Es gibt geteilte Meinungen darüber, ob Deutschland ein Einwanderungsland ist oder nicht. In dieser politischen Auseinandersetzung müssen klare Regelungen für die Einreise neuer Zuwanderer, bzw. die Behandlung der hier lebenden Menschen herrschen.

Die Zuwanderungspolitik bezog sich in der Vergangenheit in erster Linie auf die Gruppe die Arbeitsmigranten aus den Mittelmeerländern.Die Unternehmen vermittelten den ausländischen Arbeitnehmern den Arbeitsplatz und eine Wohnung durch die Auslandsdienststelle der Bundesanstalt für Arbeit. Es durften nur Ausländer genommen werden, wenn sich kein deutscher Bewerber fand. Die Asylpolitik beschäftigte sich mit der Regelung der Aufnahme von Flüchtlingen. Die dritte Zuwanderungsgruppe, die häufig vergessen wird, sind Aussiedler aus den ehemaligen deutschen Ortsgebieten, die noch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Bis zur Vereinigung Deutschlands kam auch noch die Übersiedlungszuwanderung aus der DDR hinzu.

Die Trennung dieser vier Gruppen hatte u.a. die Funktion zwischen erwünschten und unerwünschten Zuwanderern zu unterscheiden. Außerdem können Parteien das Einwanderungsproblem nutzen, um in einer Wahlphase die Wähler zu beeinflussen, da hier die verschiedenen Meinungen der Parteien sichtbarer werden, und es auch noch ein emotional besetztes Thema ist.

Deutschland ist sicherlich nicht mit den „klassischen Einwanderungsländern“ wie die USA, Kanada oder Australien zu vergleichen, denn dort bilden die Einwanderergruppen die Mehrheit der Gesellschaft und sind am gesamten politischen System beteiligt. Der Prozeß der Einwanderung von Arbeitsmigranten aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland nahm aber einen anderen Verlauf als die Bewegungen der klassischen Einwanderungsländer. Es ist ein Beispiel dafür, dass sich die soziale Gesellschaft nicht immer so entwickelt wie es zunächst beabsichtigt war. Vor allem lässt sich zeigen, dass die getroffenen politischen Entscheidungen nicht in der Lage waren, in die gewünschte Richtung zu steuern. Die Einwanderer selbst und die Regierung gingen zu Beginn der 50er und 60er Jahre von einem zeitlich kurzen Aufenthalt aus. Ökonomische Aspekte waren auf beiden Seiten die entscheidenden Motive, und eine dauerhafte Einwanderung war nicht beabsichtigt. Durch das Hinausschieben der Rückkehr in die Heimat und durch das Nachkommen von Familienangehörigen verlagerte sich nach und nach der Lebensmittelpunkt der Arbeitsmigranten in die deutsche Gesellschaft.Verstärkt wurde dieser Prozeß durch politische Entscheidungen, wie z. B.das Verbot, nach einer Ausreise wieder als Arbeitsmigrant einreisen zu dürfen. Aus dem geplanten kurzfristigen Aufenthalt ist ein Daueraufenthalt geworden.

Folgende Tatsachen beweisen, dass Einwanderung gegeben ist:

- Die Aufenthaltsdauer der Arbeitsmigranten und ihrer Familienangehörigen hat sich entscheident erhöht. 1990 lebten 70 % der Ausländer aus den ehemaligen Anwerbeländern länger als zehn Jahre und 52 % schon länger als 15 Jahre im Bundesgebiet.
- Mit dem Nachkommen der Familienangehörigen haben sich auch die Gewohnheiten der Einwanderer geändert. Das Einkommen wird nicht mehr ausschließlich gespart, um eine Existenz im Heimatland aufbauen zu können; es werden Konsumgüter gekauft und der Lebensstandard der Arbeitsmigranten gleicht sich dem von Deutschen an.1
- Bereits 1987 waren von den ca. 1,03 Mio ausländischen Kindern unter 16 Jahren 69 % in der Bundesrepublik Deutschland geboren. Während die zweite Generation noch relativ häufig sowohl in der Heimat als auch in Deutschland Schulen besuchte und daher im Vergleich zu Einheimischen schlechtere Schulabschlüsse hatte, durchläuft die dritte Generation das deutsche Schulsystem von Beginn an. Trotz der Benachteiligungen deutet sich an, daß das Bildungsniveau dieser Kinder deutlich ansteigt und bereits heute ein größerer Anteil auf höheren Schulen zu verzeichnen ist.
- In zahlreichen Städten sind Gemeinschaften entstanden, die den Einwanderern bei der Bewältigung ihrer Probleme wertvolle Hilfe geben können. Diese Gemeinschaften erfüllen kulturelle und ökonomische Bedürfnisse der Einwanderer und sind Bestandteil von Einwanderungsgesellschaften, wie die der klassischen Einwanderungsländer.
- Je länger der Aufenthalt in Deutschland, desto mehr verlagert sich die Lebensplanung der ganzen Familie nach Deutschland, und so verringern sich auch die Absichten in die Heimat zurückzukehren. Bei der zweiten und dritten Generation nimmt der Wille, wieder in das Land ihrer Eltern zurückzukehren weiter ab, und es erfolgt eine Orientierung zur deutschen Gesellschaft.

Diese Tatsachen beweisen, dass die Zuwanderer aus den Anwerbeländern ihr gesamtes Leben nach Deutschland verlagert haben. Diese Entwicklungen sind Folgen einer falschen Ausländerpolitik, die die Einwanderer jahrelang gefördert haben und nicht rechtzeitig auf die veränderten Perspektiven der Familien reagierte.

2) Chronik: Vom Anwerbeabkommen zum Zuwanderungsgesetz

22. Dezember 1955:

Abschluss des ersten Anwerbeabkommens mit Italien für zunächst 100.000 Arbeitskräfte.

Ab 1960:

Anwerbeverträge mit Griechenland, Spanien, der Türkei, Portugal und Jugoslawien.

10. September 1964:

Der millionste Gastarbeiter, der Portugiese Armando Sa Rodrigues, wird begrüßt und erhält ein Moped.

23. November 1973:

Die sozialliberale Regierung Schmidt beschließt einen Anwerbestopp für Arbeitskräfte aus Nicht-EG-Staaten.

1973 bis 1980:

Die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer sinkt von 2,6 auf 1,8 Millionen. Durch Familiennachzug nimmt die ausländische Wohnbevölkerung zur gleichen Zeit von 3,9 auf 4,4 Millionen Menschen zu.

1.Dezember 1983:

Unter der Regierung Kohl (CDU/FDP) tritt das Gesetz zur Rückkehrförderung in Kraft.

September 1989:

Innenminister Schäuble (CDU) legt einen neuen Entwurf für ein Ausländergesetz vor.

1.Januar 1991:

Ein neues Ausländerrecht bringt Verbesserung des Aufenthaltsrechts für in Deutschland lebende Ausländer, aber keine Erleichterung der Einbürgerung.

6. Dezember 1992:

Asylkompromiss zwischen Union, SPD und FDP: Drittstaatenregelung, keine Asylverfahren für Bürgerkriegsflüchtlinge, Einschränkung der Aufnahme von Aussiedlern. Die SPD besteht nicht auf einer Zusage für ein Einwanderungsgesetz.

1993:

Die Ausländerbeauftragte Schmalz-Jacobsen (FDP), SPD und Grüne legen Gesetzentwürfe für ein neues Staatsangehörigkeitsrecht vor.

26. Mai 1993:

Der Bundestag beschließt Grundgesetzänderung zum Asylrecht.

1.Juli 1993:

Das neue Asylrecht tritt in Kraft. Die Zahl der Asylbewerber sinkt deutlich.

1994:

CDU und FDP vereinbaren Reform des Staatsangehörigkeitsrechts, bleiben aber untätig.

Oktober 1998:

Die rot-grünen Koalitionsvereinbarungen planen eine Reform des Staatsbürgerrechts. In Deutschland leben inzwischen rund 7,3 Millionen Ausländer.

1.Januar 2000:

Neues Staatsangehörigkeitsrecht: In Deutschland geborene Kinder erhalten die deutsche Staatsbürgerschaft, Doppelpass bis 23 Jahre, erleichterte und schnellere Einbürgerung.

Februar 2000:

Bundeskanzler Schröder (SPD) kündigt eine Green Card für ausländische Fachkräfte an und löst neue Einwanderungsdebatte aus.

Mai 2000:

Das Kabinett beschließt die Green Card für zunächst 10.000 Computerfachleute.

12. Juli 2000:

Bundesinnenminister Schily (SPD) setzt die Zuwanderungskommission der Bundesregierung ein. Vorsitz: Rita Süssmuth (CDU), Stellvertreter: Hans-Jochen Vogel (SPD).

4. Juli 2001:

Die Süssmuth-Kommission legt ihren Abschlussbericht vor. Einwanderung soll gesetzlich geregelt werden.

3. August 2001:

Schily stellt sein Zuwanderungskonzept vor.

September 2001:

Unter dem Eindruck der Terroranschläge wird die Entscheidung des Kabinetts über das neue Zuwanderungsrecht verschoben.

5. November 2001:

Innenminister Schily legt einen überarbeiteten Entwurf zum Zuwanderungsgesetz vor. Die Kernpunkte bleiben unverändert, der Rechtslage für Opfer „geschlechtsspezifischer und nichtstaatlicher Verfolgung“ wird auf Drängen der Grünen verbessert. Kinder von Einwanderern sollen bis zum Alter von 14 Jahre nachziehen können.

7. November 2001:

Kabinett beschließt Regierungsentwurf zum Zuwanderungsrecht. Kernpunkte sind die Vereinfachung des Ausländerrechts, die Erleichterung der Zuwanderung aus Erwerbsgründen, die Straffung der Asylverfahren und die bessere Integration von Ausländern.

13. Dezember 2001:

Erste Beratung des Gesetzentwurfs im Bundestag.

3) Ausländer in Deutschland - eine Übersicht

Ende 1999 lebten insgesamt 7,34 Millionen Ausländer in Deutschland. Das ist ein Anteil an der Bevölkerung von rund 9 Prozent. Fast die Hälfte lebt seit mehr als 10 Jahren in Deutschland, rund 30 Prozent länger als 20 Jahre.

Die drei am stärksten vertretenen Volksgruppen sind Türken (28 Prozent), gefolgt von Jugoslawen (10 Prozent) und Italienern (8,4 Prozent).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 2

Fast drei Viertel aller Ausländer sind zwischen 18 und 65 Jahren alt (73,4 Prozent), unter 18 Jahre sind 22,3 Prozent. Die deutsche Bevölkerung ist demgegenüber älter, die entsprechenden Prozentsätze liegen bei 64,2 und 18,7 Prozent. Seit Anfang der 70er Jahre machen Kinder ausländischer Eltern durchschnittlich zwischen 10 und 13 Prozent aller in Deutschland geborenen Kinder aus.

In Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern leben in absoluten Zahlen die meisten Ausländer. Der Ausländeranteil gemessen an der Gesamtbevölkerung ist jedoch in Hamburg (15,2 Prozent), Bremen (15 Prozent) und Berlin (12,7 Prozent) am höchsten. In Ostdeutschland sind die Anteile von Ausländern an der Gesamtbevölkerung gering.

In Baden Württemberg leben 1.303.828 Mio Ausländer, das entspricht 12,5 % der Gesamtbevölkerung. Die Staatsangehörigkeit der hier lebenden Menschen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 3

Die folgende Tabelle zeigt uns noch einmal die Entwicklung der Zuwanderung bzw. Auswanderung der letzten Jahre:

Einwanderungsland Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 4

Daraus lässt sich erkennen, dass die Bevölkerung in Deutschland durch die Zuwanderung stetig zunimmt. Im folgenden zeigen dies die Zahlen vom Jahr 1999 noch einmal deutlicher:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 5

4) Multikulturelle Gesellschaft oder deutsche Leitidee?

Es ist klar, dass Deutschland hinsichtlich auf die Zuwanderung und den daraus entstehenden Anforderungen eine Leitkultur möchte. Doch was versteht man eigentlich unter diesem Begriff? Unter Leitkultur wird verstanden, dass es im öffentlichen Zusammenleben Regeln gibt, die für alle gelten und so das Zusammeleben und die Identität des Landes sichern. Die Multikulturelle Gesellschaft, d.h. das Leben “Nebeneinander“ verschiedener Rassen, Kulturen und Religionen, wird aber auch bestehen, wenn diese Idee von den Zuwanderen angenommen wird, denn die Identifizierung zum eigenen Land ist trotz einer Anpassung meist größer. Vielmehr sollten alle aus dieser kulturellen Vielfalt lernen.

Wenn verschiedene kulturelle Gruppen in einem Land zusammenleben, sind Regeln nötig, die für alle gelten und die im Konfliktfall bestimmen, was zu tun ist und was nicht. Solche Regeln des Zusammenlebens sind in Deutschland z.B rechtlich festgelegt, wie Gleichberechtigung von Mann und Frau, oder Meinungsfreiheit. Diese Regeln müssen im Alltag ausgeübt und respektiert werden. Auch sollte man sich, vor allem in einem Zuwanderungsland, an bestimmte Werte des Landes orientieren, damit diese nicht verlorengehen. Doch die Ausübung dieser Werte ist nicht immer mit den eigenen Wertevorstellungen der hier lebenden Menschen vereinbar.

Anerkennung dieser Regeln und somit der “Leitkultur“ bedeutet im weiteren auch das Bemühen um Integration.

Integration bedeutet:

- Integration ist ein langer Prozess, der über 100 Jahre, also über fünf Generationen dauern kann. Integration umfasst alle Lebensbereiche, nicht nur die Sprache.
- Wer in ein Land einwandert und dort erfolgreich sein will, muss die Landessprache beherrschen, die Gesetze respektieren, in der Schule erfolgreich sein, und Zugang zum Arbeitsmarkt haben. (Dieses Idealbild eines Bürgers werden nicht alle erreichen, auch nicht alle Deutschen).
- Wie Menschen sich kleiden, zu wem sie beten, welche Muttersprache sie sprechen, das entscheiden sie selbst; darüber kann keine andere Gruppe verfügen, auch nicht die Gruppe der Mehrheit.
- Wer in eine fremde Kultur einwandert, lebt lange Zeit aus dem “mitgebrachten“ kulturellen Gewohnheiten. Viele Lebensfelder, z.B. Religion und soziale Beziehungen, erschließen sich den Kindern allein über die Eltern. So können Spannungen, wenn Lebensweisen aus der früheren Heimat in der neuen Gesellschaft auf Ablehnung stoßen.
- Die Anpassung an die neuen Umstände können nicht vermieden werden; sie gelingt besser, wenn die Zuwanderer sich mit ihrem eigenen kulturellen Hintergrund angenommen fühlen. So entsteht Vertrauen in die neue Gesellschaft, und die Integration gelingt besser.
- Wer Zuwanderung zulässt, muss Zuwanderung und Zuwanderer bejahen und ihnen gleichberechtigte Chancen in der Gesellschaft einräumen.

Nur wenn eine solche Ordnung von allen, die in Deutschland leben wollen, anerkannt wird, kann die Integration der Ausländer gelingen, die bereits hier leben oder in Zukunft kommen.

Die Integration der Einwanderer drückt sich auch sehr damit aus, dass sich viele die deutsche Einbürgerung wünschen.

Fragt man nach dem Interesse an der deutschen Staatsbürgerschaft, so antworten mehr als die Hälfte der Einwanderer positiv.

Das Beispiel von 1993 verdeutlicht dies:

Sehr oder etwas interessiert am Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 6

Zwischen den Altersgruppen zeigen sich hier Unterschiede. Die jungen Ausländerinnen und Ausländer wollen sich zu zwei Dritteln einbürgern lassen, bei den Älteren - der „ersten Generation" - ist es nur eine Minderheit. In den letzten Jahren gab es eine Veränderung die zeigt, dass der Wunsch nach der deutschen Staatsangehörigkeit noch gestiegen ist.

Doch von den Interessierten, sind es nur 1,1%, die tatsächlich eine Einbürgerung beantragt haben. Die Gründe, die die Befragten mit “sehr viel“ oder “etwas“ Interesse nannten, und welche einer Beantragung entgegenstehen, sind folgende:

- Die meist genannte Begründung (37,4%) war die, dass das Verfahren zu kompliziert sei. Hindernis waren hier die hohe Zahl der benötigten Unterlagen und Dokumente und die langjährige Dauer.
- An zweiter Stelle stand die Begründung, das Verfahren sei zu teuer. Das ist aber nicht immer richtig, da die Kosten inzwischen auf 250€ bzw. 50€ reduziert worden sind. Wenig informiert ist auch das Viertel der Befragten, das über die Einbürgerung noch nicht nachgedacht hat oder nicht wußte, daß sie möglich ist. Somit ist der Mangel an Informationen ein Hauptgrund für die geringe Antragstellung von seiten der „Ausländer".
- Bei der Gruppe der an der deutschen Staatsbürgerschaft Interessierten kommt die Begründung, man wolle die eigene Staatsangehörigkeit nicht verlieren, bei jedem siebten Befragten (15,4%).

Anders ist dies bei der zweiten Gruppe von Befragten, die nach eigener Aussage kein Interesse an einer Einbürgerung hat.

In dieser Gruppe begründen 55,1% ihre Ablehnung, indem sie sagen ihre bisherige Staatsangehörigkeit beibehalten zu wollen. 27,6% erklären, kein Deutscher werden zu wollen. Ein Viertel der Befragten meinte, die Einbürgerung bringe ihnen nichts. 5,5% befürchteten wirtschaftliche Nachteile. Die bei der vorigen Gruppe genannten Erklärungen über ein kompliziertes Verfahren und zu hohe Kosten werden bei der Kontra-Gruppe nur von 5,7% der Befragten angeführt.

Fragt man aber noch einmal die Gruppe der “nicht Interessierten“ so ist jeder zweite (18,2%), für die doppelte Staatsbürgerschaft. Auch drei/viertel der Pro-Gruppe bevorzugen diese Möglichkeit.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Befragung, daß die doppelte Staatsangehörigkeit die große Mehrheit der Befragten interessiert.

5) Zuwanderungskonzept von Innenminister Schilly:

August 2001:

Aufenthaltsrecht: Es gibt nur noch eine befristete Aufenthaltserlaubnis und eine unbefristete Niederlassungserlaubnis.

Asylverfahren: Sowohl Asylberechtigte als auch Flüchtlinge sollen zunächst für drei Jahre bleiben können, in dieser Zeit dürfen sie arbeiten. Vor der Erteilung eines unbefristeten Aufenthaltsrechts wird geprüft, ob sich die Verhältnisse im Herkunftsland gebessert haben.

Zuwanderung von Berufstätigen: Hochqualifizierte sollen ein Daueraufenthaltsrecht erhalten, sie dürfen auch Kinder bis zum Alter von 18 Jahren mitbringen. Eine Einwanderungsquote ist nicht vorgesehen.

Integration: Ausländer, die sich dauerhaft in Deutschland aufhalten, sollen einen Anspruch auf Integrationskurse bekommen. Bei fehlenden Deutschkenntnissen und einem Aufenthalt von weniger als sechs Jahren besteht Teilnahmepflicht.

Humanitäre Aufnahme: Der Entwurf unterscheidet zwischen Flüchtlingen, die nicht ausreisen können und solchen, die nicht ausreisen wollen. Ein befristetes Aufenthaltsrecht gibt es für diejenigen, die nicht ausreisen können.

Ausreisepflicht: Hier werden die Bestimmungen verschärft, Ausreisepflicht soll strikt durchgesetzt werden. Es sind Ausreiseeinrichtungen und eine Beschränkung der Bewegungsfreiheit geplant. Um die Identität festzustellen, sollen in manchen Ländern schon bei der Beantragung Fotos und Fingerabdrücke hergestellt werden.

Familiennachzug: Kinder sollen nur noch bis zum Alter von zwölf Jahren nachziehen dürfen, wenn sie nicht zusammen mit ihrer Familie kommen. Bei Einreisen in der ganzen Famile soll eine Grenze von 18 Jahren gelten. Bisher durften Kinder bis zu 16 Jahren nachkommen.

Studenten sollen nach Abschluss ihres Studiums eine Arbeit aufnehmen dürfen, bisher mussten sie ausreisen.

6) Notwendigkeit weiterer Zuwanderungen in der Zukunft - Bevölkerungsentwicklung

In der jetzigen Situation überwiegt meist die Meinung, dass die Einwanderer eine Belastung für diese Gesellschaft seien. Sicherlich gibt es hier einige Probleme, doch es wird auch häufig übersehen, wieviel Positives die Zuwanderung sowohl in der Vergangenheit hatte als auch in der Zukunft haben wird.

Einige dieser Vorteile waren folgende:

- Ohne die Anwerbung ausländischer Arbeitnehmer wäre das Wirtschaftswachstum der 60er und 70er Jahre nicht möglich gewesen. Das "deutsche Wirtschaftswunder" ist durch die Arbeit ausländischer Arbeitskräfte gefestigt worden. Außerdem hatten auch deutsche Arbeitnehmer einen Vorteil davon, weil ihnen dadurch berufliche Aufstiege in höheren Positionen möglich waren, wie in mehreren Studien nachgewiesen worden ist.
- Die sozialen Sicherungssysteme, wie Renten- und Krankenversicherung, haben von den Beiträgen ausländischer Arbeitnehmer einen Nutzen gezogen. Dabei liegen z.B. die Einzahlungen weit über den ausgezahlten Renten. Im Jahre 1989 entfällt z.B. ein Anteil von 12,8 Mrd.DM (7,8 %) der Rentenversicherung von insgesamt 164 Mrd. DM auf die Ausländer, aber nur 3,43 Mrd. DM (1,9 %) von insgesamt 193 Mrd.DM wird an Ausländer bezahlt.
- Nach einer Untersuchung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen erhöhte die Zuwanderung von 1988 bis 1991 das Sozialprodukt von 1991 um 3,5 %(90 mrd.DM).

Daraus wird deutlich, daß auch heute Zuwanderer einen Beitrag zur Vergrößerung des Wohlstandes leisten. Außerdem ist Deutschland in Zukunft noch stärker als bisher auf neue Zuwanderer angewiesen, um den Lebensstandard und das Produktionsniveau halten und ausbauen zu können. Ein Grund für diesen Bedarf ist unter anderem die Bevölkerungsentwicklung. Die Zahl der unter 15jährigen wird von 13,7 Mio. 1990 auf ca. 10 Mio. im Jahre 2010 sinken.

Auch die Zahl der deutschen Arbeitnehmer wird um ca. 4 Mio. Menschen abnehmen. Sogar bei steigender Arbeitsproduktivität und höherer Berufstätigkeit von Frauen können die Lücken im Arbeitskräfteangebot nicht ausgeglichen werden. Ändert sich die Geburtenrate nicht und findet keine Zuwanderung statt, werden im Jahre 2030 fast 20 Mio. Menschen weniger in Deutschland leben als heute.

In einer Studie wurden vier Wanderungsvarianten entworfen und untersucht, die sich unterschiedlich auf die Erwerbstätigkeit auswirken werden:

Variante 1: Keine Zuwanderung

In Deutschland werden die Grenzen abgeschottet. Das Arbeitskräfteangebot wird bis zum Jahre 2020 um 2,5 Mio zurückgehen, das Arbeitskräfteniveau wird bei 32,5 Mio liegen, 8 Mio niedriger als 1990.

Variante 2: Zuwanderung von 300.000 Personen jährlich

Eine langfristige Zuwanderungszahl von etwa 300.000 Personen pro Jahr reicht aus, um das heutige Arbeitskräfteniveau bei gleichem Erwerbsverhalten zu stabilisieren, erst ab dem Jahr 2007 wären mehr Zuwanderer nötig, um dieses Ziel weiter zu erreichen.

Variante 3: Zuwanderung von 400.000 Personen

Würde es bis 2017 eine Zuwanderung von 400.000 Personen geben, dann würde das Angebot an Arbeitskräften bis 2010 auf 41,8 Mio ansteigen.

Variante 4: Zuwanderung von 500.000 Personen

Würde es aber eine Zuwanderung von 500.000 Personen pro Jahr geben, dann läge das Angebot an Arbeitskräften 2010 bei 43,0 Mio, im Jahr 2020 hingegen wäre das Niveau von 1990 wieder erreicht.7

Bei einem Überschuss von bis zu 200.000 Zuwanderern pro Jahr, würde sich die Bevölkerung bis zum Jahr 2050 in etwa so entwickeln:

Bevölkerungsentwicklung in Deutschland bis 2050 in Millionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 8

Sicherlich gehen in solchen Berechnungen Entwicklungen mit ein, die schwer voraussagbar sind. Andererseits haben sich aber gerade Prognosen über Bevölkerungsentwicklungen als sicher erwiesen, weil z.B. Geburtenraten und Sterbeziffern relativ konstant bleiben.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, daß auch aus Sicht der Arbeitsmarktsituation weitere Zuwanderungen nützlich und sinnvoll sind.

7) Quellenverzeichnis:

Hof, Bernd, 1993, Europa im Zeichen der Migration. Szenarien zur Bevölkerungsund Arbeitsmarktentwicklung in der Europäischen Gemeinschaft bis 2020

Barabas, Heilemann, Ulrich, von Loeffelholz, Hans Dietrich, 1992: Gesamtwirtschaftliche Effekte der Zuwanderung

König, Schultze, Wessel, 1986 Felderer, Bernhard (Hrsg.), 1990, Bevölkerung und Wirtschaft

Tabellen-Daten: AFP Infographik Bezug von AFP-Graphiken: www.afp.com

Tabellen-Daten: Globus-Graphik, Bezug von Globus-Graphiken: www.www.de/globus

Barabas, Heilemann, Ulrich, von Loeffelholz, Hans Dietrich, 1992: Gesamtwirtschaftliche Effekte der Zuwanderung

Hof, Bernd, 1993, Europa im Zeichen der Migration. Szenarien zur Bevölkerungsund Arbeitsmarktentwicklung in der Europäischen Gemeinschaft bis 2020.

Bade, Klaus J: 1994, Das Manifest der 60

Hof, Bernd, 1994 c, Möglichkeiten und Grenzen der Eingliederung von Zuwanderern in den deutschen Arbeitsmarkt

Weidenfeld, Werner (Hrsg.), 1994, Das europäische Einwanderungskonzept. Strategien und Optionen für Europa

Internet

[...]


1: König, Schultze, Wessel, 1986

2,3: Felderer, Bernhard (Hrsg.), 1990, Bevölkerung und Wirtschaft

4 Tabellen-Daten: AFP Infographik Bezug von AFP-Graphiken: www.afp.com

5 Tabellen-Daten: Globus-Graphik, Bezug von Globus-Graphiken: www.www.de/globus

6 Barabas, Heilemann, Ulrich, von Loeffelholz, Hans Dietrich, 1992: Gesamtwirtschaftliche Effekte der Zuwanderung

7 Hof, Bernd, 1993, Europa im Zeichen der Migration. Szenarien zur Bevölkerungs- und Arbeitsmarktentwicklung in der Europäischen Gemeinschaft bis 2020.

8 Tabellen-Daten: AFP-Infographik

14 von 14 Seiten

Details

Titel
Multikuliti oder deutsche Leitidee - die Zuwanderung in Deutschland und ihre Zukuft
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V106677
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Multikuliti, Leitidee, Zuwanderung, Deutschland, Zukuft
Arbeit zitieren
Theodora Moutsaki (Autor), 2002, Multikuliti oder deutsche Leitidee - die Zuwanderung in Deutschland und ihre Zukuft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106677

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