Diese Arbeit soll einen Überblick geben über rechtsradikale und rechtspopulistische Parteien und Organisationen in den Niederlanden nach dem zweiten Weltkrieg. Sie soll Aufschluss geben über deren historische Entwicklung und über die aktuelle Situation. Die Niederlande gelten häufig als eines der demokratischsten Länder in Europa und werden gelobt für ihre zukunftsgerichtete Politik des Multikulturalismus und der Toleranz. Wird über Rechtspopulismus diskutiert, zieht man die Niederlande höchstens als Vorbild heran. Auch in der Fachliteratur findet man selten Informationen über Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus in den Niederlanden, in einigen komparativen, europäischen Studien wird das Land gar ausgelassen . Die Recherche stellte sich daher als schwierig heraus, zudem ist entsprechende Literatur meist nur auf Holländisch erhältlich und das Thema wird vor allem innerhalb des Landes diskutiert.
Trotzdem - oder gerade deswegen - ist es aufschlussreich, sich auch mit den rechten Bewegungen in den Niederlanden zu befassen, einem Land, welches in dieser Beziehung bis zum Auftauchen des Rechtspopulisten Pim Fortuyn in diesem Jahr kaum internationale Schlagzeilen gemacht hat. Denn auch in den Niederlanden gab es mehrere gewalttätige Attacken auf ausländische Einrichtungen und Geschäfte. Auch in den Niederlanden sind in den Fussballstadions antisemitische Gesänge zu hören. Und auch in den Niederlanden existieren seit längerem mehrere Parteien, die rechtsextreme Züge aufweisen.
Inhaltsverzeichnis
1.Einführung
2. Die rechtsradikalen und rechtspopulistischen Parteien und Organisationen nach 1945 – Ein Überblick
3. Die rechtsradikalen und rechtspopulistischen Parteien und Organisationen nach 1945 - Die einzelnen Phasen der Entwicklung
3.1. Von 1945 bis zur Gründung der ‚Boerenpartij’ 1958 - Erste Versuche.
3.2. Die 60er - Der neue Extremismus und die Ära der ‚Boerenpartij’ (BP)
3.3. Die 70er - Die Ära der ‚Nederlandse Volksunie’ (NVU)
3.4. Ab 1980 - Die ‚Centrumpartij’ und die ‚Centrumdemocraten’ (CP/CD)
3.5. Die 90er - neue Splitterparteien und gemässigter Erfolg
4. Die aktuelle Situation – ‚Leefbar Nederland’ und Pim Fortuyn
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung sowie die aktuelle Situation rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien in den Niederlanden nach 1945. Sie untersucht, wie sich diese politischen Gruppierungen trotz einer demokratisch geprägten und auf Multikulturalismus ausgerichteten Gesellschaft etablieren konnten und welche Rolle neue Phänomene wie Pim Fortuyn dabei spielen.
- Historische Entwicklung von Rechtsbewegungen seit 1945
- Strukturelle Analyse der wichtigsten rechtspopulistischen und rechtsradikalen Parteien
- Einfluss des Wahlsystems und gesellschaftlicher Krisen auf politische Ränder
- Vergleichende Einordnung der niederländischen Rechtsbewegungen in den europäischen Kontext
- Analyse des Aufstiegs von Pim Fortuyn und der aktuellen politischen Wende
Auszug aus dem Buch
3.2. Die 60er - Der neue Extremismus und die Ära der ‚Boerenpartij’ (BP)
Erst 1958, mit der Gründung der ‚Boerenpartij’ durch Henrik Koekoek, erschien eine neue Partei in den Niederlanden, die rechtsextreme Züge aufwies. 1963 gewann sie in den Parlamentswahlen 2,1% der Stimmen, 1966 bei den Kommunalwahlen sogar 6,7%. Der Erfolg zwischen 1963 und 1967 kam für alle überraschend, auch für die Partei selber. So mangelte es der BP an geeigneten Personen, welche die gewonnenen Sitze besetzen konnten. Als Folge dieses Zustands kamen einige Individuen zu einem Sitz, die eine unrühmliche Kriegsvergangenheit hatten und teilweise immer noch im neo-nazistischen Umfeld aktiv waren. Unter anderem als Resultat dieser durch die Medien aufgedeckten Aktivitäten wurde der Stimmenanteil schon in den Wahlen 1967 wieder kleiner (4,7%).
Obschon die Partei rechtsextreme Mitglieder hatte, ist die Bezeichnung als rechtsextreme Partei umstritten. Die Partei selber distanzierte sich davon. Unbestreitbar hingegen ist der oppositionelle Charakter des Parteiprogramms. Ein Grund für die erstaunlichen Erfolge sieht der Historiker Christopher T. Husbands daher auch in der Restrukturierung des niederländischen Politiksystems, von welcher die neue Partei profitieren konnte. Als sich die politische Landschaft Ende der sechziger Jahren wieder gefestigt hatte, konnte die BP keine nennenswerte Erfolge mehr erzielen. Ein weiterer Grund liegt in der starken Zunahme von Arbeitsimmigranten, hervorgerufen durch einen Arbeitskräftemangel in verschiedenen Industrien. Die mehrheitlich aus der Türkei und Marokko stammenden Menschen weckten vor allem in den Grossstädten rassistische Gefühle, da dort der Anteil ausländischer Bevölkerung überproportional zunahm.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einführung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Untersuchung ab und definiert die wissenschaftliche Annäherung an die Begriffe Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus und Rechtspopulismus.
2. Die rechtsradikalen und rechtspopulistischen Parteien und Organisationen nach 1945 – Ein Überblick: Dieses Kapitel gibt einen allgemeinen Abriss über die strukturelle Schwäche und Zersplitterung der extremen Rechten in den Niederlanden über Jahrzehnte hinweg.
3. Die rechtsradikalen und rechtspopulistischen Parteien und Organisationen nach 1945 - Die einzelnen Phasen der Entwicklung: Das Hauptkapitel gliedert die historische Entwicklung in fünf detaillierte Phasen, von den Anfängen nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die neunziger Jahre.
4. Die aktuelle Situation – ‚Leefbar Nederland’ und Pim Fortuyn: Der Autor schließt mit einer Analyse des Aufstiegs von Pim Fortuyn und bewertet die Auswirkungen dieses neuen rechtspopulistischen Phänomens auf das politische System der Niederlande.
Schlüsselwörter
Rechtspopulismus, Rechtsextremismus, Niederlande, Pim Fortuyn, Boerenpartij, Centrumpartij, Leefbaar Nederland, Ausländerfeindlichkeit, Rassismus, politische Entwicklung, Parteienlandschaft, Multikulturalismus, politische Wende, 1945 bis heute, Wahlverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Geschichte, Entwicklung und aktuelle Bedeutung von rechtsextremen und rechtspopulistischen Parteien und Gruppierungen in den Niederlanden von 1945 bis zum Jahr 2002.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die historische Entwicklung des rechten Spektrums, den Einfluss von Immigrationsfragen, die Rolle politischer Skandale und den Wandel des Parteiengefüges in den Niederlanden.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den historischen Kontext und den scheinbar plötzlichen Aufstieg rechtspopulistischer Kräfte in einem Land zu beleuchten, das traditionell für Toleranz und ein multikulturelles Selbstverständnis bekannt ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer zeithistorischen Analyse, die sich auf fachwissenschaftliche Literatur, Wahlergebnisse und aktuelle Medienberichte stützt, um die Phasen der rechten Parteienentwicklung nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Untersuchung der Parteienentwicklung in fünf Phasen und eine spezifische Analyse der aktuellen politischen Situation unter Pim Fortuyn.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rechtspopulismus, Rechtsextremismus, politische Radikalisierung, Immigrationspolitik und die spezifische niederländische Parteienstruktur charakterisiert.
Warum war es für die Parteien nach 1945 so schwierig, in den Niederlanden Fuß zu fassen?
Die Arbeit führt dies auf eine starke anti-faschistische Bewegung, die zersplitterte Struktur der Rechten sowie die historische Wahrnehmung der Nationalsozialisten als Besatzungsmacht während des Zweiten Weltkriegs zurück.
Inwiefern unterscheidet sich Pim Fortuyn von bisherigen rechtsgerichteten Politikern?
Fortuyn wird als charismatische Führerfigur beschrieben, die mit einem nonkonformistischen Stil, akademischem Hintergrund und provokanter Rhetorik weit über das klassische rechtsextreme Milieu hinaus breite Protestwählerschichten mobilisieren konnte.
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- Jonas Morgenthaler (Author), 2002, Rechtspopulistische und rechtsextreme Bewegungen in den Niederlanden von 1945 bis heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10668