Erziehung und Vernichtung im Nationalsozialismus


Hausarbeit, 2001

21 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Erziehung
2.1. Erziehungsziele

3 Die Hitlerjugend

4 Bund Deutscher Mädel
4.1 Entstehung des BDM
4.2 Gliederung des BDM
4.3 Aufgaben bzw. Aktivitäten der Mädchen im BDM
4.4 Ziele des BDM

5 Aus dem Interview mit Frau B.

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Anlagen

1. Einleitung

Nach Hitlers Machtergreifung erfolgte eine gravierende Reformierung des Erziehungswesens durch die Nationalsozialisten, die erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Kinder und Jugendlichen hatten. Diese sollten insbesondere zur Beeinflussung der Kinder und Jugendlichen dienen. Deshalb veränderten sie das Leben der Kinder und Jugendlichen in der Schule, Familie und in ihrer Freizeit.

Der Grund für diese Reformen war, dass Hitler eine Jugend nach seinen Vorstellungen ,,heranziehen“ wollte, die sich bedingungslos in sein System einfügen und somit seine Macht absichern würde. Diese oft verkannten Absichten werden besonders in seiner folgenden Aussage deutlich: ,,Das Wesentliche einer Revolution ist nicht das Erringen der Macht, sondern die Erziehung des Menschen"12. Im Rahmen seiner Propaganda gab er jedoch auch das angebliche Versagen der intellektuellen Regierenden der Weimarer Republik an9.

Die vorliegende Arbeit möchte einen Eindruck vermitteln, was es bedeutete unter der Herrschaft der Nationalsozialisten aufzuwachsen.

Mit der Einführung des Gesetzes der Hitlerjugend kam 1926 eine weitere Erziehungsinstanz - die Hitlerjugend - hinzu, die insbesondere die Freizeitgestaltung der Jugendlichen beeinflusste. In den nachfolgenden Kapiteln werden deshalb Hintergründe zu Aktivitäten, Eintrittsgründen, und Zielsetzungen der männlichen Hitlerjugend und dem Bund deutscher Mädel erläutert werden.

2. Die Erziehung

Hitler wollte durch seine Erziehung alle Generationen von klein auf in ihrem Verhalten zu beeinflussen und unter Kontrolle zu halten, um seine Macht abzusichern. Somit führte er auch Nachschulungen für Erwachsene ein, um auf alle Altersbereiche Einfluss ausüben zu können. Des weiteren sollten alle öffentlichen Einrichtungen Aufgaben zur ,,Volkserziehung“ übernehmen3. Die Unterschiede von Erziehung, Propaganda und Indoktrination verwischten. Aufgrund dieser Aspekte wurde das deutsche Reich auch häufig als ,,Erziehungsstaat“ bezeichnet12.

Eine der gravierendsten Erziehungsreform war die besondere Förderung der körperlichen Leistungsfähigkeit und bestimmter charakterlicher Eigenschaften, wie z.B. die der Willens- und Entschlusskraft. Intellektuelle Fähigkeiten, wie kritisches oder eigenständiges Denken wurden jedoch nicht gefördert, da die Menschen sich anstandslos in die Rolle einfügen sollten, die ihnen vom Staat zugedacht wurde.

2.1 Erziehungsziele

Das Ziel der nationalsozialistischen Erziehung war es, Schichten bzw. klassenspezifische Unterschiede abzubauen, um eine ,,Volksgemeinschaft“ entstehen zu lassen. Außerdem sollte durch die Erziehung gewisse Eigenschaften bei den Kindern und Jugendlichen hervorgebracht werden, die ohnehin schon im ,,deutschen Menschen“ angelegt seien9. Jedoch wurde die Bedeutung bestimmter Eigenschaften in einem anderen Sinne definiert als heute. So war z.B. mit ,,Verantwortungsbewusstsein“ nicht gemeint, eine Entscheidung zu treffen, nachdem alle Umstände erörtert und die Konsequenzen für andere Menschen bedacht wurden. Der verantwortungsbewusste Mensch sollte nicht ruhig analysierend handeln, sondern das fast Aussichtslose wagen.

Für viele der auf der folgenden Seite dargestellten Eigenschaften ist allerdings auch ein starkes Selbstbewusstsein nötig.

Hitler meinte

Hitlers Erziehungsziele

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten15

Des weiteren sollte die gesamte Erziehungs- und Bildungsarbeit ihre Krönung darin finden, den Rassensinn und das Rassegefühl instinktiv- und verstandesgemäß in der Jugend zu verankern.

Weitere Erziehungsziele, die das Äußere sowie die persönliche Einstellungen der Menschen betrafen, werden in folgender Graphik dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Die Hitlerjugend

Die Hitlerjugend wurde am 2. Reichsparteitag der NSDAP am 3./4. Juli 1926 in Weimar gegründet. Sie blieb während der Weimarer Republik eine eher unbedeutende Jugendorganisation13.

Als Brüning alle uniformierten Verbände der NSDAP verbot, nannte sich die HJ zwischenzeitlich Nationalsozialistischer Jugendbund, um einem allgemeinen Verbot der NSDAP zu entgehen. Mit dieser Namensänderung bekam die Hitlerjugend zusätzlich noch Anziehungskraft durch ihre Illegalität. Zugleich wurde sie so unabhängig von der SA.

Mit der Machtübernahme Papens wurde 1932 das Uniformverbot aufgehoben, da Papen sich dadurch Stimmen der NSDAP im Reichstag und somit eine Absicherung seiner Macht erhofft habe9. Tatsächlich wurde die Macht der HJ jedoch mit einem Anstieg der Mitglieder gestärkt

Eine wichtige Aufgabe der ,,Hitlerjungen“ war es zunächst, Propagandamaterial zu verteilen. Vor den ersten erfolgreichen Wahlen 1932 waren dies 20 Millionen Broschüren und Zeitschriften9. Des Weiteren störten sie häufig Filmvorführungen wie z.B.: ,,Im Westen nichts neues" und lieferten sich blutige Straßenschlachten mit anderen Jugendorganisationen. Zwischen 1932 und 1933 starben bei diesen Straßenschlachten 23 Jungen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren9. Mit welchem Willen die Hitlerjungen damals in diese Schlachten zogen wird besonders im folgenden Liedtext deutlich, den die Hitlerjungen auf ihren Märschen und Paraden sangen: ,,Wir marschieren für Hitler durch Nacht und durch Not unsere Fahne ist mehr als der Tod. Mit der Fahne der Jugend für Freiheit und Brot..."

Durch das Gesetz der Hitlerjugend 1936 wurde der Einfluss der NSDAP auf die Jugend weiter vergrößert3. In diesem Jahr wurden die Aufgaben der Erziehung der gesamten deutschen Jugend dem Reichsjugendführer Baldur Schirach übertragen. Dadurch konnte die NSDAP ihren Einfluss auf die Jugend vergrößern.

Viele Stadtkinder und Kinder aus ärmlichen Bevölkerungsschichten wurden sicherlich auch von den zahlreichen Aktivitäten im Freien und den Ferien- und Freizeitfahrten mit geselligen Lagerleben angezogen11. Mit diesen Fahrten wollten die HJ sowohl eine Mobilisierung, Militarisierung und Disziplinierung der Jugend erreichen, als auch das Gruppenbewusstsein und den Gemeinschaftssinn stärken. In der HJ galten schließlich keine sozialen oder Klassenunterschiede unter den Mitgliedern. Viele Hitlerjungen hatten das Gefühl eine gewisse Stärke und Bedeutung zu haben2. Dieses Gefühl wurde durch Reden Schirachs bestärkt in denen er versicherte, wer in der HJ marschiere, sei keine Nummer unter Millionen, sondern Soldat einer Idee9. Um möglichst alle Jugendliche begeisterte Anhänger der Hitlerjugend werden zu lassen, versuchte die Hitlerjugend, so viele Aufgaben in der Jugendarbeit zu übernehmen, wie möglich. Deshalb wurden auch kulturelle Betätigungen in Chören, Musikzügen und Spielscharen angeboten und an Kundgebungen, Feiern und Festen teilgenommen11.

Ein weiterer Eintrittsgrund für viele Jugendliche war wohl außerdem die Möglichkeit in Sonderabteilungen, wie Flieger HJ, Marine HJ oder Motor HJ tätig zu werden. Dies waren Hobbys, die viele sonst nicht hätten ausüben können. Auch das Schlagwort ,,Jugend wird von Jugend geführt" gab den Jugendlichen das Gefühl, etwas Wichtiges zu sein.3 Durch diese Verantwortungsübertragung wurde die frühe Selbständigkeit der Jugend gefördert. Die Nationalsozialisten propagierten letzteres Schlagwort als "Innovation". Außerdem sollte die scheinbare Selbstführung dem Volk vortäuschen, dass es sich nicht um eine ,,Staatsjugend“ in einem ,,totalitärem Staat“ handele. Tatsächlich aber hatte der Staat die volle Macht über die Jugend und wollte die Hitlerjugend zu Soldaten rekrutieren, indem sie das soldatische Denken und Handeln auf nationalistischer Grundlage stärken wollten.

So kam es auch zur Zusammenarbeit von Hitlerjugend und Reichswehr.9 Bei den Turnabenden wurden die Jugendlichen neuerdings im Boxen unterrichtet und mussten an Wochenenden lange Märsche durchs Gelände unternehmen. Außerdem wurden die Jugendlichen in Kartenlesen und Kleinkaliberschießen trainiert. Den Zweck, den diese Kriegsspiele erfüllen sollten, erkannten viele erst zu spät, da solche Spiele nicht gerade als unüblich galten. Die Übungen im Kleinkaliberschießen wurden außerdem als ,,Dienst am Volk“ verharmlost.

Der wichtigste Inhalt der wöchentlichen Heimabende war die ,,weltanschauliche Schulung“. Die Jugendlichen sollten politisch beeinflusst und ihr National- und Rassengefühl gestärkt werden. Dies sollte so intensiv betrieben werden, dass sie bereit sein würden, für die Ideale des Nationalsozialismus in den Tod zu gehen.

Ab 1938 wurde die militärische Ausbildung verstärkt betrieben. In speziell eingerichteten Wehertüchtigungslager sollten die Jugendlichen auf den Wehrdienst in der Wehrmacht von frontbewährten Soldaten vorbereitet werden. Das Ziel dieser Erziehung war es, die Jugendlichen vor Erfüllung ihrer Wehrpflicht mit 16 Jahren in bestimmten Lehrgängen der Wehertüchtigung auszubilden5, so dass die Jugendlichen im Falle eines Krieges kampfbereit sein würden.

Ein weiterer Hinweis auf die Bedeutung der HJ als Nachwuchsorganisation der NSDAP kam mit der Verbindung von speziellen Sportarten mit wehrsportlicher Ausbildung in den Sondereinheiten zum Ausdruck.

Um die Jugend zu Höchstleistungen anzutreiben und auch um Mängel des Schulungssystems aufzudecken wurden Wettkämpfe, wie z.B. der ,,Reichsberufswettkampf“ oder ,,Reichssportwettkampf“ einberufen, bei dem die Jugendlichen in ihren verschiedenen Fächern, bzw. Sportarten beurteilt und mit Leistungsabzeichen belohnt wurden. 1939 nahmen an dem ,,Reichsberufswettkampf“ 3 500 000 Jungen und Mädchen teil.9 Die Sieger wurden von Hitler persönlich empfangen.

Die Jugendorganisationen im 3. Reich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Jahr 1939 stieg die Zahl der Mitglieder in der Hitlerjugend auf 8,7 Millionen13 was sicherlich auch auf die Einführung der Jugenddienstpflicht zurückzuführen ist, die es vorschrieb, Mitglied in der Hitlerjugend in der entsprechenden Organisation zu werden. Ab sofort drohten Strafen bis 150 Reichsmark oder Haftstrafen, wenn man seine Kinder nicht rechtzeitig bis zum 15.03. eines Jahres bei der Hitlerjugend anmeldete. Mit einem Eintritt betrachtete Schirach die Erziehung in den richtigen Händen. Andere Jugendorganisationen und - verbände wurden angeglichen oder verboten.10 Durch diese Maßnahme innerhalb der Gleichschaltung wurde die Parteijugend zur Staatsjugend.

Die in der HJ organisierten Jugendlichen hatten außerdem zu festen Dienstzeiten zu erscheinen, die einen großen Teil ihrer Freizeit beanspruchten. In der Regel war dies mittwochs, sonnabends und an jedem zweiten Sonntagmorgen.

Jedoch verstärkte der Zwangscharakter der Hitlerjugend auch die Jugendopposition. Deshalb wurde schon bald ein HJ Streifdienst eingesetzt, der illegale Widerstände niederschlug und gegen Widerständler polizeiähnliche Aktivitäten ausübte, die denen der SA und SS ähnelten.

Die Aufgaben der Hitlerjungen hatten sich mit Beginn des 2. Weltkrieg auf Aufräumaktionen, Luftschutzdienste und Sammelaktionen für Kleider und Altmetall fürs Winterhilfswerk ausgeweitet. Bei Kriegsdiensten (z.B. als Flakhelfer) kamen jedoch weitaus mehr Hitlerjungen ums Leben als angegeben13.

4. Bund deutscher Mädel

Der BDM ist ein Teil der Hitlerjugend, speziell für Mädchen.

4.1 Entstehung des BDM

Im Jahre 1923 gründete Elsbeth Zander den ersten "Deutschen Frauenverband" nationalsozialistisch gesinnter Frauen. Daraufhin bildeten sich weitere Zusammenschlüsse von Frauen und Mädchen, sie wurden aber alle im Sommer 1931 aufgelöst und es entstanden die NS-Frauenschaft und der BDM. Der Beitritt zum BDM war anfangs freiwillig. Die Mädchen sahen darin eine Möglichkeit sich von ihrem kindlichen und engem Leben zu lösen und sich an etwas Großes und wesentliches zu binden. Er war eine Art Pfadfinderlager für Mädchen.

Am 1.12.1936 wurde die Hitlerjugend durch ein Gesetz zur einzigen Staats- Jugendorganisation erklärt. Von da an war es ein ungeschriebenes Gesetz zum BDM zu gehen und für Versäumnisse wurde man sogar bestraft. Die Mädchen der Organisation warben mit Plakaten um weitere Mitglieder. Ende 1936 hatte die Hitlerjugend 5,4 Mio. Mitlieder.

(Jugenddienstverordnung siehe Anlage)

Eltern, die ihre Kinder davon abhielten dem BDM beizutreten, wurden bestraft. Manche Mädchen wandten sich auf Grund der NS-Weltanschauung von ihren nicht so denkenden Eltern ab und lieferten sie sogar an die Gestapo (Geheime Staatspolizei) aus.

4.2 Gliederung des BDM

Anzahl: Bezeichnung:

10-15 Mädelschaft

30-50 Mädelschar

120-180 Mädelgruppe 500-600 Mädelring

3000-4000 Untergau7

Die jüngste Einrichtung der Hitlerjugend waren die "Kücken" (von 6-10 Jahren).

Bevor man vom BDM aufgenommen wurde, hatten sich die Mädchen einer ärztlichen Untersuchung auf Tauglichkeit zu unterziehen.

Rangstufen im BDM:

Mädel

Mädelschaftsführerin

Mädelscharführerin

Mädelgruppenführerin

Mädelringführerin

Hauptmädelführerin

Gebietsmädelführerin

BDM-Reichsreferentin7

Durch besondere Leistungen (z.B. Fleiß, Sorgfältigkeit, Gehorsam) konnte man befördert werden. Die Beförderung erfolgte von Oben, durch die höheren Führungskräfte.

4.3 Aufgaben bzw. Aktivitäten der Mädchen im BDM

Die Mädchen trafen sich zwei mal in der Woche, Mittwochs und Samstags nachmittags. Zu Beginn des BDM bestand die Tätigkeit der Mädchen darin zu singen, zu basteln, zu tanzen, zu nähen, zu wandern und Sport zu treiben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusätzlich wurden mehrere Freizeiten veranstaltet. Auf diesen Freizeiten gab es einen bestimmten Tagesablauf:

6.30 Uhr Wecken

6.35-7.00 Uhr Frühsport (Waldlauf, Körperschule, Leichtathletik)

7.00-8.00 Uhr Waschen, Anziehen, Aufräumen

8.00 Uhr Fahne hissen

8.10-8.30 Uhr Frühstück

9.30 Uhr Zeitungsbericht

12.15 Uhr Mittagessen

12.45-14.30 Uhr Freizeit

16.00 Uhr Stehkaffee

19.15 Uhr Abendbrot

19.45-20.45 Uhr Heimabend

20.45 Uhr Fahne einholen

21.30 Uhr Bettruhe

In diesen Freizeiten mussten die Mädchen ihre Unterkünfte selbst aufbauen und den Lagerplatz herrichten. In ihrer Freizeit trieben sie sehr viel Sport getrieben, Waldspiele gemacht und gesungen. Zusätzlich wurden sie politisch geschult. Am vorletzten Tag wurden in der Regel Leistungsabzeichen gemacht. Auch die Aufnahmeprüfungen der Jungmädel in den BDM fanden hier statt. Bei diesen Prüfungen wurden sie in sportlichen, hauswirtschaftlichen und politischen Gebieten getestet.

Als der 2. Weltkrieg begann, änderten sich die Aufgaben der Mädchen. Von nun an mussten sie Kriegshilfe in der Heimat leisten. Sie kümmerten sich um verwundete Soldaten in Lazaretten und betreuten verwaiste Kinder. Außerdem halfen sie in sogenannten Feldküchen, dies sind Notlager für Menschen, deren Häuser während dem Krieg zerstört wurden. Doch auch auf dem Land wurde die Hilfe des BDM gebraucht, denn hier war es an der Zeit bei der Ernte zu helfen.

Weitere Aufgaben der Mädchen bestanden darin die Uniformen der Soldaten zu reparieren und sie moralisch zu unterstützen (z.B. Briefe schreiben). Das war ihr Kampf an der Heimatfront.

Zusätzlich kümmerten sich die BDM-Mitglieder um die nicht schulische Betreuung der Kinder in der Kinderlandverschickung.

4.4 Ziele des BDM

„ Wir wollen keine Mädel erziehen, die sich romantischen Träumereien hingeben, die nur etwas malen, singen und tanzen können oder das Leben einseitig verzerrt sehen - sondern Mädel, die fest in der Wirklichkeit stehen und bereit sind, sich für ihr Ideal praktisch bis zum letzten einzusetzen und Opfer dafür zu bringen. “

Quelle: J. Rüdiger 1939, S.400; Jutta Rüdiger war von 1937 bis 1945 BDM-Reichsreferentin.

Vor dem Krieg diente der BDM den Mädchen dazu, neue Freundschaften zu schließen und ihre Freizeit aufregender zu gestalten. Hier wurde ihnen die Möglichkeit gegeben sich den Verboten der Eltern zu entziehen. Das wichtigste aber war Kameradschaft und Zusammengehörigkeit unter den Mädchen aufzubauen.

Doch als der Krieg begann wurde der BDM als Erziehungsbund angesehen und 1939 wurde allgemein bekannt, dass die BDM-Tätigkeiten von Anfang an dem Einsatz im Krieg galten. Die 17-jährigen Mädchen wurden schon seit 1938 als Luftschutzhelferinnen und im Sanitätsdienst auf den Ernstfall vorbereitet. Die Mädchen sollten gläubige Anhänger des Nationalsozialismus werden und auf die Ehe und Mutterschaft "erbgesunder" Kinder (Kanonenfutter) vorbereitet werden.

Baldur von Schirach ( Reichsjugendführer seit Oktober 1931): " Unsere Mädel sollen Körper und Seele kräftigen und stählen, dass sie fähig sind, Deutschland ein gesundes, starkes Geschlecht zu schenken."

Außerdem sollten sie dem Führer treu und selbstlos dienen und ihre Pflichten kritiklos und mit Freude auszuführen. Disziplin, Gehorsam, Pflichterfüllung, Opferbereitschaft und Körperbeherrschung galten als die Tugenden, zu denen die Mädels erzogen wurden.

Die geistige und weltanschauliche Ausbildung stand dagegen nur an zweiter Stelle. Um dieses Ziel zu erreichen verordnete Baldur von Schirach, dass 2/3 der Zeit der Leibeserziehung und 1/3 der weltanschaulichen Schulung gewidmet werden sollte. Ein weiteres Ziel war es die Jugend durch eine verstärkte weltanschauliche Schulung von der Kirche zu entfremden.

Das Ziel des BDM war, dass die Jugend die Jugend führt, aber nicht zu selbstständig wird. Das Ziel schlug aber fehl, denn die Mädchen mussten schon früh verantwortungsvolle Stellen übernehmen und wurden nicht, wie vorgesehen, zu den geplanten "Gebärmaschinen" und Hausfrauen.

Uniform der Mädchen

Die Uniform musste aus eigener Tasche bezahlt werde. Die Ärmeren Menschen wurden vom Staat finanziell unterstützt.

Die BDM-Kleidung bestand aus einer weißen Bluse, einem dunkel blauen Rock, einer braunen Kletterweste und einem Halstuch mit Lederknoten.

Außer der allgemeinen Uniform gab es ein "Mädeltanzkleid" und ein reichseinheitliches "BDM-Festkleid".

An besonderen Feiertagen, z.B. den Geburtstag des Führers, trugen die Mädchen ihre BDM-Uniformen auch in der Schule. Nicht-Mitglieder fielen dann besonders auf.

Weitere Ausbildungsmöglichkeiten der BDM-Mädchen

Die Mädchen konnten an Arbeitsgemeinschaften für Auslandskunde teilnehmen. Nach zwei Jahren war es ihnen erlaubt, eine Auslandsfahrt zu machen.

Bevor sie eine Berufsausbildung machten, sollten sie freiwillig ein "hauswirtschaftliches Jahr" absolvieren. Ab 1938 wurde dies zur Pflicht. Die jungen Frauen wurden in kinderreiche, bäuerliche Familien geschickt, um dort in den Haushalten zu arbeiten.

Mit 17 Jahren bestand die Möglichkeit für sechs Monate einberufen zu werden.

Ebenfalls konnten BDM-Mädel über 16 ab 1940 einen "Osteinsatz" (in Wartheland, Danzig-Westpreußen, Ostoberschlesien) von mindestens sechs Wochen bis zu einem halben Jahr leisten. Dort sollten sie die Angehörigen der deutschen Minderheit für den Nationalsozialismus gewinnen.

5. Aus dem Interview mit Frau B.

Frau B. ist eine 75-jährige Rentnerin, die bereit war, mir ein paar Fragen über ihre Kindheit zu beantworten. Ich konfrontierte sie also mit einigen Aussagen, die ich mir angelesen hatte und wollte daraufhin ihre Sicht der Dinge erfahren. Auf die Frage hin, wie sie diese Zeit empfunden hatte, antwortete sie mir mit einem Lächeln. Sie meinte, es wäre die schönste Zeit in ihrem Leben gewesen. So absurd es auch klingen mag, aber sie würde immer wieder gern dort eintreten, wenn sie es noch einmal könnte. Damals war es nur sehr schwer möglich, als junges Mädchen etwas von der Welt zu sehen und dem reglementierenden und autoritären Elternhaus zu entfliehen. Durch den Bund Deutscher Mädel und danach den Arbeitsdienst (siehe Anlage, Seite 22) hat sie sehr viel erlebt.

„ Mit zehn Jahren kam man zu den Jungmädeln. Man hatte zweimal in der Woche Treffen. Dort wurden dann Heimabende gemacht. Es wurde z.B. ein bisschenüber Adolf Hitler geredet, wo er geboren war usw., das wurde uns eingeimpft, so dass man es im Schlaf aufsagen konnte. Später wurden dann Lieder gesungen, Spiele gespielt, und bei schönem Wetter ging man auf den Sportplatz oder auf den Schulhof, wo man rumtoben konnte. Ausflüge wurden mehr aus Eigeninitiative gemacht. Wir konnten uns mit einemmal gegen Erwachsene durchsetzen. Das war damals unüblich. Das tat man nicht. Plötzlich hatten wir da andere Möglichkeiten, und die haben wir auch genutzt, z.B. die Möglichkeit, dass man uns nicht verwehren konnte, auch als Mädchen auf Fahrt zu gehen, zuübernachten und sonst was. Man musste dann auch antreten wie die Soldaten. In einer Schaft waren ungefähr 14-15 Mädel. Vier Schaften waren wieder eine Gruppe, und eine Gruppe war dann zu einem Ring zusammengefasst. [...] DieÄlteren ab zehn Jahren hatten schon die schicke Uniform an, so dass ich richtig neidisch danebenstand und sie bewunderte. Zu der Uniform gehörte eine hübsche weiße Bluse, ein dunkelblauer Rock, das war dann der Unterschied zwischen Jungmädelschaft und BDM. [...] Wenn man ein halbes Jahr bei den Jungmädeln war, hatte man noch nicht den bewussten "Schlips und Knoten", sondern man musste eine Prüfung ablegen, die einem von der Kommission abgenommen wurde. Dazu machte man eine Mutprobe, die aus Laufen, Werfen und Seilspringen bestand, hierbei musste man eine bestimmte Punktzahl erreichen. Aber es gab auch einige Verweigerer, die Angst davor hatten. Wenn sie die Prüfung nicht bestanden hatten, haben sie keinen Schlips und Knoten erhalten, aber die wollte jeder, deshalbüberwanden sie ihre Angst. [...]Wir hatten nie Langeweile, so was kannten wir gar nicht. “

Bei den sogenannten Kinderlandverschickungen wurden insgesamt 2 Millionen Stadtkinder aufs Land in etwa 9000 Lagern untergebracht. Auch sie kam somit in die verschiedensten Regionen.

Kinderlandverschickungen

Ursprünglich war das KLV Projekt als Ferienaufenthalt für gesundheitsgefährdete Kinder aus Stadtgebieten geplant worden. Mit Beginn des Krieges umfasste das Projekt allerdings auch die Kinder, die in der Nähe der Reichsgrenzen und in Gebieten ohne Luftschutzkeller lebten. Die KLV hatte für die Nationalsozialisten allerdings auch den Vorteil, dass die Kinder in den Lagern (Schullandheime, Zeltlager; Pensionen, Jugendherbergen) häufig über Monate oder Jahre hinweg leichter zu beeinflussen waren, da sie von Familien- und Bekanntenkreis isoliert wurden. Mit Beginn der Bombenoffensive 1943 wurden sogar ganze Schulen aus den Städten in die KLV-Lager verlegt, was die Verschmelzung von Schulunterricht und HJ-Dienst vervollständigte. (Hintergrundbild17 )

Frau B. erzählte mir stolz von ihrer Uniform, die aus einem dunkelblauen Rock, einer weißen Bluse und einem schwarzen Tuch, das am Kragenrand wie eine Krawatte zusammengebunden war, bestand (Anlage, Seite 21). Diese Uniform mussten sie aus eigener Tasche bezahlen, deshalb war sie ihr auch so wichtig. Beim Bund Deutscher Mädel wurde sehr großen Wert auf körperliche Betätigung gelegt. Lediglich 1/3 der Arbeit im BDM galt der geistigen Schulung. Frau B. nahm also regelmäßig bei Sportveranstaltungen teil (Anlage, Seite 23 ). Es gab die Möglichkeit, für sie sonst schwer erreichbare Sportarten, wie Tennis oder Skilaufen, auszuüben. Zum Skifahren erzählte mir sie noch eine andere Geschichte. Sie musste ihre Skier den Soldaten abgeben, die im Einsatz an der Ostfront waren (Anlage, Seite 23 ). Das empfand sie natürlich als nicht so gut. Frau B. erzählte mir, dass sie, als der Krieg begann, Maulbeerblätter sammeln mussten, damit in der Schule Seidenraupen gezüchtet werden konnten. Aus den Kokons dieser Raupen wurde Seide gemacht, die dann wiederum zu Fallschirmen verarbeitet wurden, die in Afrika ihren Einsatz fanden. Mit der gesamten Klasse mussten sie teilweise mehrere Wochen in verschiedenen Haushalten Schrott sammeln gehen, der zu Waffen und anderen Kriegsmaterialien wiederverwertet wurde. Beim BDM erhielt sie auch eine sehr gute Ausbildung in hauswirtschaftlichen Angelegenheiten. Ihr wurde beigebracht, wie sie ressourcensparend einen Haushalt zu führen hat. Nebenbei wurde sie aber auch auf ihre Rolle als Mutter vorbereitet. Sie fügt hinzu, dass sie wirklich sehr viel fürs Leben dort gelernt hatte. Im Großen und Ganzen hat sie diese Zeit überaus genossen und denkt auch sehr gern daran zurück.

6. Fazit

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es traurig ist, dass die Frauen sich bis jetzt noch nicht eingestehen können, was der eigentliche Zweck des BDM war oder es zumindest verdrängen. Hitler hat mit seinem Erziehungswesen bewiesen, dass es tatsächlich möglich ist, Menschen in gewisse Bahnen zu lenken und sie zu beeinflussen. Am Begriff -Emanzipation- gemessen kann die BDM- „Ausrichtung“ nicht anders als brutale Unterdrückung der Entfaltungs- und Entwicklungspotentiale der Mädchen bezeichnet werden. Diese Tatsache sollte einem zum Nachdenken bringen, wie weit eine Regierung in die Erziehung eingreifen darf, sodass eine eigenständige individuelle Entwicklung der Kinder und Jugendlichen trotzdem gewährleistet ist. Viele der Frauen, die im BDM waren, bezeichnen es trotz allem als eine schöne Zeit in ihrem Leben.

[...]


1 BOBERACH, H. (1990): Jugend unter Hitler. Sonderausgabe. Bindlach: Gondrom- Verlag.

2 GEISS, I. (1998): Geschichte des Rassismus. Frankfurt am Main: Suhrkamp-Verlag.

3 GIESECKE, H. (1999): Hitlers Pädagogen: Theorie und Praxis nationalsozialistischer Erziehung. 2. Auflage. Weinheim München: Juventa-Verlag.

4 HITLER, A. (1937): Mein Kampf. Ungekürzte Ausgabe. 218./219. Auflage.

München: Zentralverlag der NSDAP.

5 HOLZTRÄGER, H. (1991): Die Wehrtüchtigungslager der HJ: 1942-1945 ein Dokumentarbericht. Ippesheim: Verlag des Arbeitskreises für Geschichte und Kultur der deutschen Siedlungsgebiete im Südosten Europas.

6 KEIM, W. (1997): Erziehung unter der Nazidiktatur. Kriegsvorbereitung, Krieg und Holocaust. 2. Band. Darmstadt. Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

7 KLAUS, M. (1998): Mädchen im 3. Reich: Der Bund deutscher Mädel. 3.Auflage. Köln: PapyRossa-Verlag.

8 KNOPP, G. (2000): Hitlers Kinder. 1. Auflage. München: Bertelsmann-Verlag.

9 KOCH, H.-W. (1979): Geschichte der Hitlerjugend - ihre Ursprünge und Entwicklung 1922-1945. 2. Auflage. Percha am Starnberger See: Schulz-Verlag.

10 KOCK, L. (1994): „Man war bestätigt und man konnte was!“: Der Bund deutscher Mädel im Spiegel der Erinnerung ehemaliger Mädelführerinnen. Münster: Waxmann-Verlag,

11 SCHMIDT, H. (1992): Kindheit und Jugend unter Hitler. 2.Auflage. Berlin: Siedler- Verlag

12 SCHNEIDER, M. (1999): Geschichte der Arbeiter und Arbeiterbewegung in Deutschland seit Ende des 18. Jahrhunderts: Unterm Hakenkreuz. Band 12. Bonn: Dietz-Verlag.

13 http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/organisationen/jugend

14 http://www.dhm.de/lemo/html./documente/hjdienst/index.html

15 www.infolinks.de

16 www.puk.de

17 http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/alltagsleben/klv/index.html

20 von 21 Seiten

Details

Titel
Erziehung und Vernichtung im Nationalsozialismus
Autor
Jahr
2001
Seiten
21
Katalognummer
V106798
Dateigröße
671 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehung, Vernichtung, Nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Claudia Reck (Autor), 2001, Erziehung und Vernichtung im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106798

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