Dionysios II, Dion und Timoleon


Seminararbeit, 2002

23 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellen

3. Dionysios I. - Prototyp eines Tyrannen

4. Dionysios II., Dion und Platon

5. Timoleon

6. Resümee

Literatur und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die Geschichte Siziliens im 4. vorchristlichen Jahrhundert wurde wesentlich von zwei Personen geprägt, deren Rezeption in der antiken Geschichtsschreibung unterschiedlicher kaum sein könnte: Dionysios I., Tyrann von Syrakus und Timoleon, der „Befreier Siziliens“. Während erster hier lediglich in dem Maße behandelt wird, wie seine Rolle als Vater Dionysios II. und Schwager und Vorgesetzte Dions es notwendig machen, wird Timoleon hinsichtlich seiner Aktivitäten in Sizilien untersucht.

Wie bedauerlich oft in der Alten Geschichte, sind auch hier die Quellen für den untersuchten Zeitraum recht spärlich. Zwar hat Plutarch Dion und Timoleon als griechische Vertreter in seine „Doppelbiographien“1 aufgenommen, und auch Diodor behandelt diesen Abschnitt der griechischen Geschichte in seiner, leider nicht vollständig überlieferten, „Weltgeschichte“2. Dennoch haben beide für die Forschung nur eingeschränkten Wert. Weder Plutarch (ca. 46- 120/5 n.Chr.) noch Diodor (ca. 90-21 v.Chr.) erlebten die Wirren persönlich mit, noch hatten sie die Möglichkeit noch lebende Zeugen zu befragen. Die Quellen, die sie nutzten, sind nicht überliefert, spiegeln sich dennoch in ihren Schriften wieder. Gerade diese Quellen waren jedoch sehr parteiisch. Timaios von Tauromenium z.B. war allgemein als Tyrannenhasser bekannt, während Philistos, ein führender Militär sowohl unter Dionysios I. wie unter dessen Sohn, wohl wenig schlechtes über seine „Herren“ geäußert haben dürfte. Des weiteren ist zu erwähnen, das Plutarch die Briefe Platons, auf die Frage der Echtheit wird noch eingegangen werden, kannte und auch benutzte. Dies dürfte erheblichen Einfluss auf sein Dionbild gehabt haben. Auf das Werk de viris illustribus von Cornelius Nepos3 wird nicht näher eingegangen, da es zu kurz ist und wenig von Plutarch und Diodor noch nicht erwähntes beinhaltet.

Als Dionysios d. Ältere nach 38jähriger Herrschaft starb, hinterließ er seinem Sohn eine gefestigte Tyrannis. War es ihm trotz etlicher Kriege auch nicht gelungen, die Karthager von Sizilien zu vertreiben, so hatte er sein Einflussgebiet doch bis nach Süditalien ausgedehnt und verfügte über Verbündete bis ins nordwestliche Griechenland. Seinen Sohn, der für die Übernahme der Regierungsgeschäfte ausgewählt worden war, hatte er jedoch nur ungenügend auf das Amt vorbereitet. So ist die Herrschaft des Sohnes im Vergleich zu der des Vaters denn auch erheblich liberaler. Weiterhin fällt auf, dass Dionysios II. zwischen zwei Interessengruppen stand. Auf der einen Seite Dion, der ihn dazu bewegte Platon einzuladen, in der Hoffnung den jungen Tyrannen für die Philosophie seines Freundes zu gewinnen, auf der anderen Seite jene Vertreter der Aristokratie, die kein Interesse an Veränderungen der Machtverhältnisse hatten.

Nach dem öffentlich werden eines Briefes Dions an die Karthager, entfernte Dionysios II. diesen aus seinem Machtbereich. Die Pläne, die der Verbannte verfolgte, als er später mit einem kleinen Söldnerheer auf die Insel zurückkehrte, sind nicht genau bekannt. Nach einigen Kämpfen und Streitigkeiten mit den Syrakusanern, gelang es ihm Dionysios II. zu vertreiben. Wahrscheinlich plante er auch die Umgestaltung der syrakusanischen Verfassung, wozu er Gesandte aus Korinth und anderen griechischen Städten einlud. Ergebnisse sind jedoch nicht bekannt. Es ist dennoch möglich, dass er auf Empfehlung Platons die Einsetzung eines mehrstelligen Königtums und eines regierenden Kollegiums plante. Dass Dion scheiterte und schließlich ermordet wurde erklärt sich jedoch daraus, dass er sich gegen Ende seiner Herrschaft keiner Unterstützung mehr sicher war. Weder das Volk, die Söldner, noch die Aristokratie waren bereit ihm weiter finanziell oder moralisch Beistand zu leisten.

Es ist mühsam die Wirrungen nachzuvollziehen, die sich zwischen der Ermordung Dions und dem Siegeszug des Timoleon auf Sizilien entspannten. Festzuhalten bleibt, dass sich Dionysios II. erneut in Syrakus der Herrschaft bemächtigen konnte, ohne jedoch erneut die Position einnehmen zu können, die ihm nach dem Tode des Vaters zugefallen war. In vielen sizilischen Städten gelangten Männer an die Macht die den Bürgern die Freiheit versprachen, diese aber nach Ergreifung der Macht beherrschten.

Einer dieser Tyrannen, Hiketas aus Leontinoi, unterstützte anfangs das an Korinth gesandte Hilfsersuchen der exilierten syrakusanischen Aristokratie. Später wechselte er die Seite und wandte sich an die Karthager. Dass Korinth schließlich Timoleon und eine 700 Mann starke Söldnerarmee schickte, zeigt eher die halbherzige Unterstützung als, wie Plutarch anführt, den Wunsch der Mutterstadt ihrer Kolonie Hilfe zu leisten. Timoleon war bis dahin nur durch die Verwicklung in den Mord seines Bruders aufgefallen und verfügte über wenig militärische Erfahrung. Erst nachdem sich anfängliche militärische Erfolge einstellten, war man bereit wirklich zu helfen und sandte zur Unterstützung weitere 2.000 Söldner, Reiter und einige Trieren. Der Erfolg, den das Unternehmen Timoleons schließlich hatte, die Befreiung der sizilianischen Städte und der Sieg über eine übermächtige karthagische Armee am Fluss Krimisos, war im Voraus nicht absehbar gewesen. Neben seinen gelungenen militärischen Aktivitäten sorgte Timoleon weiterhin durch die Re- Popularisierung der durch Bürgerkriege entvölkerten Insel und politischen Reformen dafür, dass sein Ruhm den eines erfolgreichen Strategen weit übermaß. Dass auf eine relativ kurze Zeit der wirtschaftlichen Blüte neue Unruhen folgten, hat weniger mit den von ihm getroffenen Maßnahmen, als mit den Veränderungen in der gesamten griechischen Welt zu tun.

2. Quellen

Von den zeitgenössischen Autoren, die sich nachweislich mit dem Leben Dions und/oder Timoleons beschäftigten, sind von den platonischen Briefen4 einmal abgesehen, kaum mehr als einzelne Fragmente überliefert. Zwar wurden die Werke Athanis, Ephoros, Philistos, Theopompus und Timaios offensichtlich von den späteren Autoren benutzt; eine genaue Zuordnung der Quellen scheint allerdings ohne genaue Kenntnisse über deren Inhalt zumindest ungewiss. Inwiefern die Berichte des Timonides an Platons Neffen Speusippos Niederschlag in den Arbeiten späterer Autoren fand, ist zumindest ungeklärt.

Die Briefe Platons sind für den hier behandelten Zeitraum aus mehreren Gründen von zentraler Bedeutung. Zwar herrscht bei der Frage nach der Echtheit der Epistel bis heute Uneinigkeit in der Forschung5, dennoch scheint es mir nötig die Briefe sieben und acht, zumindest ihrem Inhalt nach, als echt zu erachten, ohne die Frage der Autorenschaft Platons näher zu erörtern. Dions enge Beziehung zum Philosophen, seine Beschäftigung mit Platons Lehren und nicht zuletzt die Besuche auf Sizilien sind für die Frage, ob Dion die Einführung einer neue Verfassung oder die Tyrannis anstrebte, essentiell.

In Plutarchs (ca. 46-120/5 n. Chr.) Dion Biografie, die ausführlichste Quelle, die sich mit Dions Wirken auf Sizilien und der Peloponnes beschäftigt, lässt sich der Einfluss von Platons Briefen recht eindeutig nachweisen. Er neigt, im Vergleich zu anderen Autoren, jedoch dazu Dion übertrieben positiv darzustellen und Passagen, die nicht mit denen Platons harmonieren wegzulassen. Die Ursache hierfür mag man einerseits in der Konzeption seiner Arbeit, die Lebensbeschreibungen vorbildhafter Männer, andererseits an der engen Bindung an die Berichte des Philosophen sehen. Zwar gelingt es Helmut Berve6 mit Ephoros, Theopompus und Timaios auch andere mögliche Quellen des Biographen anzuführen, dennoch müssen diese eher als ergänzend angesehen werden.

Diodors de viris illustribus7 , das ebenfalls eine Lebensbeschreibung Dions enthält, erscheint ausgewogener als die Biographie Plutarchs. Dies mag zum einen darauf zurückzuführen sein, dass Diodor die Freundschaft zwischen Dion und Platon nicht erwähnt8, folglich nicht dazu neigt diesen zu verherrlichen, andererseits aber die Taten des Herakleides schildert und dessen Erfolge anerkennt. Da die Schilderungen jedoch nach den militärischen Erfolgen Dions abreißen, bleibt der Bereich der angestrebten Reform und die Frage nach der zukünftigen Verfassung Syrakus unbehandelt.

Die kurze Dion Biographie des Cornelius Nepos fällt vor allem durch ihren Bruch auf. Während dieser im ersten Abschnitt durchweg positiv geschildert wird, neigt Nepos im zweiten Teil dazu, Dion als Despoten darzustellen.

Als Hauptquelle zum Leben des Timoleon dürften sowohl Plutarch als auch Diodor die Schilderungen des Timaios, dem Sohn des Andromachos, Timoleons ersten Verbündeten auf Sizilien, gedient haben. Erneut sind die Angaben Plutarchs ausführlicher, und erneut fallen sie durch ihre verherrlichende Art auf9, während Diodor es an Ausführlichkeit mangeln lässt, dafür aber das wenig heldenhafte Vorgehen Timoleons gegen die gestürzten Tyrannen und deren Familien ausführlicher und kritischer beschreibt.

3. Dionysios I. - Prototyp eines Tyrannen

Vor einer eingehenden Untersuchung der Auseinandersetzungen zwischen Dionysios II. und Dion, scheint mir eine, wenn auch nur kursorische, Betrachtung des Wirkens Dionysios I. in Sizilien unerlässlich. Dionysios I. gelang es, eine solche Machtfülle zu entwickeln, dass er fortan „für alle zeitgenössischen und späteren Schriftsteller, die moralische Betrachtungen über die Tyrannis anstellten, das Modell abgab.“10 Wichtige Elemente seiner 38jährigen Herrschaft, vom Aufschwung zum Tyrannen 405 v. Chr. bis zu seinem Tode 367 v. Chr., waren vor allem seine Reform des Heeres, eine ausgeprägte Familienpolitik , sowie ständige Auseinandersetzungen mit Karthago. Der Anteil an Söldnern im Heer wurde erheblich gesteigert; wichtige Posten wurden mit Verwandten und engen Freunden besetzt.11 Unter anderem Philistos, der von späteren Autoren oft als zeitgenössische Quelle verwendet worden sein dürfte. Hinzu kam, dass sich seine Bautätigkeit vorwiegend in Festungsanlagen wie z.B. der Burg Ortygia beschränkte, während er auf symbolische Prachtbauten wie Tempel, Theater, etc. weitgehend verzichtete. Die unter seiner Regierungszeit entwickelten Belagerungsgeräte „sollen späteren Befehlshabern als Modell gedient haben“.12

399/8 v. Chr. ehelichte er in einer „Doppelhochzeit“ Doris aus Lokroi und die Syrakusanerin Aristomache, die Schwester Dions, dem es allmählich gelang seine Position am Hofe so zu stärken, dass er später dazu auserkoren wurde, als Gesandter des Tyrannen in Karthago zu fungieren und Ende der siebziger Jahre des 4. Jahrhunderts Arete, die verwitwete Tochter Dionysios, zu heiraten. Der erste Sohn aus Dionysios Ehe mit Doris aus Lokroi erhielt seinen Namen, was einerseits seine Nachfolge in der Tyrannis wahrscheinlich machte, andererseits offenbar nicht mit einer staatsmännischen Ausbildung verbunden wurde.13

Ob Platons Besuch in Syrakus 388/7 v. Chr. auf eine autonome Entscheidung Dionysios I. oder den Wunsch nach dessen Einladung durch Dion zurück zu führen ist, lässt sich nicht mehr eindeutig klären.14 Politische Reformen können kaum der Antrieb gewesen sein, der den größten Philosophen seiner Zeit an den Hof des größten Tyrannen führte. Mag dieser Gast für den gebildeten Dionysios mehr eine Zier seiner Herrschaft gewesen sein, so war der Einfluss Platons auf den jungen Dion ungleich stärker. Im Verhalten Dions machte sich die Begeisterung für die philosophischen Lehren jedoch zu Lebzeiten des Despoten nicht bemerkbar. Er scheint nach wie vor ein ergebener Diener am Hof Dionysios des Älteren gewesen zu sein.

So umfassend der Machtanspruch Dionysios II. auch war, eine klare Begrenzung seines Herrschaftsbereiches scheint unmöglich, da von einem dionysischen Reich kaum die Rede sein kann. Mitsamt seiner Verbündeten und Untertanen herrschte er über Sizilien, von den karthagischen Gebieten im äußersten Westen der Insel abgesehen und die Fußspitze Italiens bis zum Golf von Tarent. Während ihn seine kriegerischen Unternehmungen bis nach Mittelitalien und auf etruskisches Gebiet führten, ließ er Nordafrika außen vor.15 Die ständigen Konflikte mit Karthago schienen allein darauf angelegt zu sein, die Herrschaft über ganz Sizilien zu erlangen.

Als Dionysios im Frühjahr 367 sterbenskrankniederlag, soll Dion, glaubt man Plutarch16, noch den Versuch unternommen haben, die Kinder seiner Schwester Aristomache für die Nachfolge zu empfehlen. Jedoch ohne Erfolg.

Sowohl der neue Herrscher Dionysios II. als auch Dion, deren Auseinandersetzung Sizilien die nächsten zehn Jahre erschüttern sollten, waren demnach am Hofe des Tyrannen aufgewachsen und zu Männern gereift. Ihre Charaktere waren indes so different, dass sich eine Linie von Dionysios I. zu seinen Nachfolgern, welche Staatsform sie auch immer anstreben mochten, nicht verfolgen lässt. Präsent blieb der verstorbene Herrscher viel mehr durch seine Vertrauten am Hof, die, wie z.B. Philistos, bestrebt waren jede Veränderung zu verhindern, die ihren Einfluss und ihr finanzielles Auskommen beeinträchtigen würden.

4. Dionysios II., Dion und Platon

Unmittelbar nach dem Tod des älteren Tyrannen, bot Dion dessen Nachfolger Dionysios II. an, nach Karthago zu reisen und einen Frieden mit den Puniern auszuhandeln oder, falls der Thronfolger dies wünsche, auf eigene Kosten „ fünfzig seefertige Dreiruderer zu stellen und auf eigene Kosten zu unterhalten.17 Offenbar hatte Dion sich vorerst das Ziel gesteckt Dionysios, dem Jüngeren ähnlich treu zu dienen wie dessen Vater, mag er bereits auch insgeheim das Ziel verfolgt haben den neuen Herrscher an sich zu binden, um aus einer gefestigten Position auf dessen Regierung einzuwirken. Plutarch weiß zu berichten, dass sich Dion, wie zu erwarten, den Unmut der anderen im Dunstkreis des Tyrannen zu zog, die eine Einschränkung ihrer Macht befürchteten, und nicht müde wurden Dion vorzuwerfen, er strebe die Aufstellung einer Seemacht an, um die Kinder seiner Schwester Aristomache an die Spitze der Tyrannis zu hieven.18

Der 28jährige Dionysios II., der weder eine Ausbildung, die auf eine Herrschaftsübernahme zielte genossen hatte, noch über einen ähnlich strengen und dominanten Charakter wie sein Vater verfügte, war jedoch schon aus eigenem Antrieb bereit eine mildere Herrschaft auszuüben als der verstorbene Despot.19 Zwar gelingt es den Dion feindlichen Kräften am Hof die Rückkehr des in Süditalien weilenden Generals Philistos zu bewirken, der wohl zurecht als einer der engsten Vertrauten des Dionysios I. galt, dennoch erreichte es Dion, den jungen Herrscher zu einer erneuten Einladung Platons zu bewegen. Ein Begleitschreiben Dions wies daraufhin, dass dies die Gelegenheit wäre die Staatsgedanken des Philosophen zu verwirklichen. Weiterhin betonte er, dass der junge Herrscher neugierig und offen für die Philosophie sei, respektive eine einzigartige Gelegenheit wie diese nicht verpasst werden dürfte.20 Es ist bekannt, dass Platon eine Umwandlung der Herrschaft nach seinen Vorstellungen am leichtesten von einer Monarchie aus zu verwirklichen glaubte. Welche Gelegenheit Dion dem Theoretiker suggerierte, lässt sich zumindest erahnen. Eine Umwandlung seiner Lehren in die Praxis muss auf den Philosophen reizvoll gewirkt haben. Er musste jedoch bald einsehen, dass sein Schüler zwar Interesse an den Lehren, weniger aber an einer strengen philosophischen Erziehung zeigte. Hierzu scheinen die Berichte der antiken Autoren zu passen, die ihm, wie z.B. Plutarch, eine Neigung zu „ liederlichen Unterhaltungen mit Trinkgelagen und Weibern21 vorwerfen.

Für Dion verschlechterte sich die Lage indes zunehmend. Bereits vor Platons Ankunft wurde ihm vorgeworfen, er plane mit Theodotes und dessen Neffen Herakleides, dem Befehlshaber der Reiterei und späteren Mitstreiter und Widersacher Dions, den Sturz der Tyrannis.22 Zwar ist der Vorwurf gegen Dion und Herakleides angesichts der späteren Ereignisse keineswegs abwegig, dennoch blieb er vorerst folgenlos.

Als Dionysios II. jedoch ein Brief Dions an die Karthager ausgehändigt wurde, in dem dieser den Feinden empfahl Verhandlungen nur in seiner Gegenwart zu führen um somit das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, entschied sich der Tyrann nach Beratungen mit Philistos dafür, Dion aus Sizilien zu entfernen. Angesichts der Tatsache, dass Dion seiner Besitzungen nicht verlustig ging und sich die Zinsen nachsenden lassen durfte, ein durchaus mildes Urteil, das mit einer Verbannung wenig gemein hatte. H.D. Westlake sieht hierin den Versuch Dionysios Platon nicht zu verärgern, auch wenn sich der Philosoph jetzt de facto als Gefangner des Herrschers betrachten musste, auf dessen Regierung er einzuwirken längst aufgegeben hatte. Allein unter der erneuten Bedrohung durch Karthago, erwirkte Platon seine Abreise.23 Dionysios versprach jedoch Platon und Dion nach Beendigung der Animositäten nach Syrakus zurückzuholen.

Die zehn Jahre seines Exils verbrachte Dion teils in Sparta und Korinth. Die meiste Zeit dürfte er jedoch in Athen im Kreise der Akademie verbracht haben. Hier lernte er auch Kalippos kennen, der ihn auf seinem späteren Unternehmen begleiten sollte. Ob er von Anfang an oder erst später begann Verbündete für einen Sturz der sizilianischen Tyrannis zu gewinnen, lässt sich nicht rekonstruieren. Die wahrscheinlich unter dem älteren Dionysios angesammelten Reichtümer, deren Zinsen er sich regelmäßig zusenden ließ, dürften ihm jedoch ein angenehmes gesellschaftliches Leben ermöglicht haben.

Nach der Beendigung des Krieges 363 v. Chr., lud Dionysios II. Platon erneut nach Syrakus ein und versprach gleichzeitig dessen Freund Dion nachkommen zu lassen. Platon lehnte mit Verweis auf sein Alter ab. Eine Möglichkeit zur Durchsetzung seiner ehemaligen Pläne muss ihm als unmöglich erschienen sein. Als ein Jahr später eine neue Einladung vorlag, und der Druck auf den Philosophen auch von Seiten der Akademie stärker wurde, Dionysios zudem drohte, die Zahlungen an Dion komplett einzustellen, nahm er schließlich an und reiste im Frühling 361 zusammen mit Speusippos und anderen Mitgliedern der Akademie nach Sizilien. Der dritte Besuch erwies sich jedoch bald als verhängnisvolle Fehlentscheidung. Dionysios zeigte kein Interesse daran die philosophischen Staatslehren umzusetzen. Des weiteren schienen ihm die umstürzlerische Absichten Dions zu Ohren gekommen zu sein. Mit Platon als Faustpfand entschied er sich, unter dem Vorwand er habe die Vormundschaft über dessen Sohn, den Besitz Dions einzuziehen.24 Inwiefern der Tyrann ihm den berühmten Freund neidete, bleibt unklar.

Als Dionysios Söldner infolge einer Soldkürzung meuterten, machte der Tyrann hierfür Dions Freund Herakleides, den Oberbefehlshaber der Reiterei verantwortlich, dem nur unter Mühe eine Flucht gelang.25 Plutarch berichtet des weiteren davon, dass Speusippos sich unter die Menschen in Syrakus begab, um die Stimmung in der Bevölkerung bezüglich eines Sturzes des Tyrannen zu ergründen.26 Demnach hatte Dionysios allen Grund dazu sich bedroht zu fühlen und gegen seine Feinde vorzugehen. Dass er Platon dennoch abreisen ließ ist erstaunlich. Nicht jedoch die Reaktion Dions, der sich nun vehement darum bemühte Verbündete zu gewinnen und ein Invasionsheer auszurüsten. Die Tatsache, dass Dionysios dessen Frau Arte gegen ihren Wunsch mit einem seiner Freunde weiterverheiratete27, dürfte seinen Aktionismus zusätzlich angefacht haben.

Wahrscheinlich begannen Dion und Herakleides bereits 360 v. Chr. mit den Vorbereitungen für ihr sizilianisches Unternehmen. Sie brachen jedoch erst im Sommer 357 n. Chr. nach Sizilien auf. Die später offenkundig werdenden Streitigkeiten zwischen den beiden lassen sich kaum auf ihre gemeinsame Zeit in Peloponnes zurückführen28, dass Herakleides der Einfluss aus Kreisen der Akademie missfallen haben muss, wie es H.D. Westlake anführt29, zeigt jedoch, dass sich die beiden Männer nicht nur charakterlich, sondern auch angesichts ihrer Ziele erheblich unterschieden.

Da Dionysios bereits von Dions Vorhaben erfahren haben dürfte, lässt sich sein Aufenthalt zusammen mit Philistos in Süditalien damit erklären, dass er annahm, Dion werde mit seinen Truppen die sichere Reiseroute entlang der Küste wählen. Wohl aus taktischen Gründen entschied er sich jedoch den Weg quer über das Ionische Meer zu wählen und, nach überstandenen schweren Stürmen, im karthagischen Bereich Siziliens zu landen. Da er in Minoa an Land ging, wird er mit der Unterstützung des Statthalters gerechnet oder zumindest hier einen besseren Ausgangspunkt für sein Unternehmen gesehen haben. Die Unterstützung der Karthager lässt sich dadurch erklären, dass sie sich durch den Sturz Dionysios II. ein Zerfallen des griechischen Machtblocks auf Sizilien erhofften.30

Dion trat mit seinem Heer von 800 Söldnern denn auch sogleich den Marsch nach Syrakus an und erhielt regen Zulauf von einigen griechischen Städten, die in ihm den Befreier der Tyrannis sahen. Die Heeresstärke bei seinem Eintreffen in Syrakus lässt sich jedoch nicht genau bestimmen. Diodors Angaben scheinen übertrieben31, während Plutarch von einem Heer von 5000 Mann ausgeht.32 Viel mehr dürften Dion die Gerüchte genutzt haben, er bewege sich auf Leontinoi zu, was einen Großteil der in Syrakus stationierten Söldner dazu bewegte, die Stadt zu verlassen um ihre Häuser zu schützen. Bei seinem Einzug in die Stadt wurde er durch die Bürger jubelnd empfangen und nach einer Rede, in der er seine Absicht bekundete Syrakus zu befreien, zusammen mit seinem Bruder Megakles zum Strategen ernannt.9 Zu jenem Amt, das dem älteren Dionysios die Möglichkeit gegeben hatte sich zum Tyrannen zu erheben und seine Macht so umfassend auszubauen.

Zwar war es Dion gelungen die Stadt unter seine Gewalt zu bringen, nicht jedoch die Burg Ortygia, in der sich immer noch Truppen des Dionysios II. aufhielten. Dieser hatte mit seiner Flotte unlängst Süditalien verlassen und war nach Syrakus geeilt, vorgeblich um mit Dion zu verhandeln, der ihn jedoch an die Volksversammlung verwies. Die Syrakuserlehnten jedoch jede Verhandlung ab. Währenddessen hatte Philistos ebenfalls seinen Stützpunkt in Süditalien verlassen und hatte Herakleides unwissentlich die Küstenroute freigegeben.33 Da militärische Vorgehen erfolglos blieben, versuchte Dionysios mit gefälschten Briefen, die an Dions Verbindung zum Herrscherhaus erinnerten, selbigen beim Volk zu diskreditieren. Des weiteren ließ er Gerüchte verbreiten, Dion plane selbst die Errichtung einer Tyrannis und seine Pläne für eine Befreiung Siziliens, dienten allein dazu dieses Ziel zu erreichen. Und tatsächlich wurden bereits Zweifel an den hehren Zielen des Strategen laut, als Herakleides „mit zwanzig Trieren und 1500 [...] in den großen Hafen von Syrakus einfuhr.“34

Die Bürger der Stadt ernannten ihn spontan zum Admiral der Flotte. Dion erklärte die Wahl Macht seines Amtes für ungültig und nominierte nun selbst seinen Gefährten für den Posten. Dass diese Handlung für ein gewisses Befremden der Syrakuser ihm gegenüber sorgte, ist leicht nachvollziehbar. Hinzu kam, dass Dion zunehmend als arrogant und bürgerfremd wahrgenommen wurde. Dass seine Söldner, angesichts der ausbleibenden Erfolge bezüglich der Erstürmung Ortygias, vorwiegend als finanzielle Belastung angesehen wurden, ist nachvollziehbar.35

Die zwischen der syrakusischen Flotte unter Herakleides und der dionysischen unter Philistos folgende Seeschlacht, bei der Letzterer aus ungeklärten Gründen umkam, endete in einem Fiasko für den Tyrannen. Nach gescheiterten Verhandlungen, ließ Dionysios II. seinen Sohn Apollokrates auf der Inselanlage zurück und floh. Herakleides erntete hingegen den Jubel der Bevölkerung und konnte seine Position gegenüber Dion erheblich stärken. Die Flotte, nicht das Söldnerheer, wurden von den Syrakusanern fortan als wichtigstes Mittel zur kompletten Befreiung der Stadt, respektive zur Erstürmung der Tyrannenburg, gesehen.36

Herakleides setzte sich an die Spitze des Demos und trat in offene Opposition gegenüber Dion. Er unterstützte die Forderung nach Neuverteilung des Bodens, die nicht im Interesse Dions, der sich auf die oligarchischen Kreise stützte, sein konnte. Als im Sommer 356 n. Chr. schließlich ein Kollegium aus 25 Feldherren gewählt wurde, dem zwar Herakleides, aber nicht Dion angehörte, war der ehemalige Berater Dionysios I. und selbsternannter Befreier von Syrakus entmachtet. Auch wurde entschieden, nicht weiter für die Besoldung von Dions Truppen aufzukommen.37 Vorerst musste dieser seine Pläne nach Umsetzung des platonischen Staatsgedankens aufgeben. Er verließ mit seinem Heer, nicht ohne Belästigungen und Schmähungen der Syrakuser ausgesetzt zu sein, die Stadt in Richtung Leontinoi, wo er sich des Wohlwollens der schutzbedürftigen Bevölkerung sicher sein konnte.

Als Herakleides Seeblockade allmählich Wirkung zeigte, die Besatzung der Burg unter Apollokrates bereit war in Kapitulationsverhandlungen zu treten, gelang es Nypsius, einem von Dionysios II. angeheuerten Söldnerführer mit seinen Schiffen und der dringend benötigten Verpflegung Ortygia zu erreichen. Zwar besiegte der syrakusische Flottenkommandeur in der folgenden Seeschlacht die feindlichen Schiffe, dennoch war es ihm nicht gelungen die Entladung der Güter zu verhindern. Eine Kapitulation kam für den Tyrannensohn nicht länger in Frage. Die Bürger der Stadt feierten den Sieg dermaßen ausschweifend, dass sie die Bewachung der Mauer, die Ortygia von der Stadt trennte, vernachlässigten. Nypsius nutzte die Gelegenheit, ließ das Bollwerk einreißen und überfiel die Stadt, deren Bürger so überrascht wurden, dass sie sich nur allmählich zur Wehr setzen konnten.38 Plutarch berichtet des weiteren davon, dass „ Frauen und Kinder unter lautem Wehgeschrei in die Burg geschleppt “ wurden.39 Die Kämpfe scheinen mehrere Tage gedauert zu haben, bevor man sich Dions entsann, der mit seinen Truppen immer noch in Leontinoi weilte. Auf Druck der Oligarchie wurde eine Abordnung zu ihm gesandt, wohl in der Hoffnung, er sei bereit seiner Vaterstadt zur Hilfe zu kommen. Nach eingehenden Beratungen mit seinen Truppen erklärte man sich denn bereit, sobald als möglich loszumarschieren. Neben patriotischen Gefühlen, dürfte die Aussicht auf Rückgewinnung seiner abhanden gekommenen Machtposition das Hauptmotiv zu diesem durchaus riskanten Unternehmen gewesen sein.40 Da sich jedoch Nypsius, während Dions Mannschaften bereits zügig heran marschierten, in die Burg zurückzog, glaubte man in Syrakus, das Schlimmste wäre überstanden und Hilfe nicht mehr von Nöten. Und obwohl eine zweite syrakusische Delegation Dion eröffnete, man bedürfe seiner Unterstützung nicht mehr, verlangsamte dieser seinen Marsch nur, anstatt nach Leontinoi zurückzukehren. In der folgenden Nacht kam es zum zweiten Angriff. Die Stadt wurde noch schwerer beschädigt; weite Teile fielen Brandstiftung zum Opfer. So kam es, dass Dion und seine Söldner von der Bevölkerung jubelnd empfangen wurden. Nach einer erbittert geführten Schlacht gelang es schließlich, den Gegner in die Burg zurück zu treiben. In der Folge wurde die Mauer durch einen Palisadenwall ersetzt, die Feuer gelöscht, die Gefallenen bestattet und die Gefangenen ausgelöst.

Helmut Berve betont zu Recht, dass Dion zu diesem Zeitpunkt die Möglichkeit gehabt hätte sich zum Tyrannen zu erheben oder zumindest seine politischen Gegner auszuschalten.41 Er tat es jedoch nicht. Im Gegenteil! Er ließ Herakleides und Theodotes, den einzigen verbliebenen Strategen, gegenüber Gnade walten und übergab die Stadt der Bürgerschaft. Ob es ihm bewusst darum ging durch Milde sein Ansehen zu verbessern, oder dies nur ein Ausdruck der in ihm aufgegangenen Saat von Platons sittlichen Lehren war, lässt sich nicht mehr feststellen. Es als Fehler oder Schwäche auszulegen würde zumindest bedeuten, dass man ihm ein autoritäres Herrschaftsverständnis unterstellt. Dass Dion, nachdem er Herakleides das Flottenoberkommando zugesagte hatte, erneut zum alleinigen Strategen gewählt wurde, überrascht kaum.42

Das Verhältnis der beiden ehemaligen Mitstreiter zueinander hatte sich dennoch nicht verbessert. Ohne rechtliche Grundlage lehnte Dion erneut eine Neuverteilung des Bodens ab. Das dies den Demos brüskieren musste, scheint er billigend in Kauf genommen zu haben.

In der Folgezeit ist es zu Kontakten zwischen dem Spartaner Pharax, Dionysios II. und Herakleides gekommen. Welche Absicht die Spartaner dabei verfolgten bleibt unklar. Spätestens nachdem Dion von ihnen erfahren hatte, schlug sich Pharax auf die Seite des Tyrannen und unterstützte ihn dabei seinen Herrschaftsbereich zurück zu erlangen. Dass Dion in seiner Exilzeit das spartanische Bürgerrecht erlangte, hatte offenbar keine Bedeutung mehr. Nach einer gemeinsamen Niederlage bei Akragas segelte Herakleides zurück nach Syrakus um Dion die Macht zu entreißen. Diesem gelang es jedoch mit einem erneuten Gewaltmarsch, der seinen Truppen alles abverlangt haben dürfte, vor dem Admiral die Stadt zu erreichen und diese abzuriegeln. Es folgte die Auflösung der Flotte, die Dion mit den enormen Kosten gerechtfertigt haben dürfte. Somit war Herakleides nicht nur indirekt seines Amtes enthoben, auch dem Demos wurde eine wichtige Einflusssphäre genommen. Im Herbst musste Apollokrates die Besetzung der Burg aufgeben. Ihm wurde freie Abfahrt zugesichert. Syrakus war befreit und Dion wieder mit seiner Familie vereint.43 Dennoch herrschte in der Stadt keine Ruhe. Die Spannungen zwischen den Anhängern der Demokratie und den oligarchischen Kreisen um Dion waren offensichtlicher den je.

Während sich Dion anschickte durch ein aus Syrakusern, Korinthern und Bürger anderer Städte, gebildetes Kollegium eine syrakusische Verfassung erarbeiten zu lassen, wurde der Unmut der einzelnen Machtblöcke zusehends stärker. Die Bürger forderten nicht nur eine Beteiligung an der Macht, sie waren auch nicht mehr bereit Dions Söldner zu finanzieren. Ebenso wenig die Oligarchen, die eine Beschneidung ihrer Macht und ihres Wohlstandes kategorisch ablehnten. Auch die Söldner, die immer heftiger auf die Zahlung des ausstehenden Solds und die Belohnung für die erbrachten Siege pochten, waren nicht bereit zuzusehen wie sie klammheimlich übergangen wurden.44 Neben dem Widerstand des Volkes war Dions größtes Problem, dass seine finanziellen Reserven erschöpft waren.

Die Umgestaltung der Verfassung gestaltete sich schwierig. Herakleides lehnte eine Teilnahme am Kollegium(Synedrion) mit dem Verweis auf dessen Illegalität ab und entschied sich stattdessen dafür in Opposition zu Dion zu treten.45 Was nun folgte ist nur ungenau überliefert. Dion erlaubte, wohl auf Druck seiner Anhänger, die weitere Agitation seitens Herakleides fürchteten, dessen Ermordung. „A fatal blunder“, wie H.D.Westlake betont.46 Zumindest zu diesem Zeitpunkt musste diese Entscheidung Dion, in den Augen der syrakusischen Bevölkerung, in das denkbar schlechteste Licht rücken. Zwar berichtet Plutarch, dass Dion, nachdem er Herakleides ein außerordentliches Begräbnis mit anschließender Rede zu Teil werden ließ, verziehen worden sei, aber angesichts der Tatsache, dass der Wortführer der Bürger auf tyrannische Weise ermordet worden war, ist dieser Äußerung kein Glauben zu schenken und lässt sich nur mit dem Verherrlichungswunsch des Biographen erklären.47

Im Sommer 354 n. Chr. wurde Dion schließlich durch Söldner ermordet. Dass mit Callippus erneut ein ehemaliger Weggefährte federführend war, zeigt wie wenig Rückhalt Dion noch besaß. Nicht einmal die Mitglieder der Akademie standen noch hinter ihm. Die Verwirklichung eines platonischen Staatswesens, sollte es einmal Dions Ziel gewesen sein, war gescheitert. In den folgenden Jahren entwickelten sich chaotische Zustände auf der Mittelmeerinsel. Verschiedene Söldnerführer rangen um die Macht; Dionysios II. gelang kurzfristig die Rückeroberung von Syrakus.48 Erst durch Timoleon sollte Sizilien wieder ins Bewusstsein der antiken Welt treten.

Über Dions Absichten und die Gründe für sein Scheitern ist viel spekuliert worden. Dass für eine Bewertung seines Handelns die Frage nach der Authentizität der Briefe Platons von erheblicher Bedeutung ist, wurde bereits erwähnt. Die Forschung scheint darin übereingekommen zu sein, dass die „Epistel“ sieben und acht zumindest inhaltlich der Wahrheit entsprechen. Schwer zu beantworten ist dennoch die Frage, warum sich Dion so viel Zeit mit der Umsetzung des platonischen Staatsgedankens ließ. Dass er deren Umsetzung unter der Tyrannis des älteren Dionysios nicht für möglich hielt scheint schlüssig. Dass er dennoch dem Herrscher weiterhin treu und ergeben 20 Jahre diente ist allerdings auch dadurch nur ungenügend erklärt, dass er bereits auf die Empfänglichkeit des Nachfolgers für eine neue Staatsphilosophie hoffte. War er so geduldig, dass er bereitwillig ausharrte bis sich die Möglichkeit ergab Einfluss in dem Maße auszuüben, wie er es für nötig hielt? Folgt man Plutarchs dionfreundlicher Überlieferung, so kann man den Bürgerkrieg auf eine

Auseinandersetzung zwischen gerechter philosophischer Doktrin und tyrannischem Allmachtsanspruch minimieren. Als Befreier von Syrakus, respektive Sizilien, im demokratischen Sinn, kann der gelehrige Philosophenschüler ohnehin nicht bezeichnet werden. Es wird auch nie seine Absicht gewesen sein.

Schon die antiken Autoren weisen auf Dions schwierigen Charakter hin. Zwar scheint er ein guter Stratege und gewiefter Taktiker gewesen zu sein, auch sein Verhandlungsgeschick scheint dadurch verbürgt, dass er Dionysios II. gute Dienste leistete, eine gewinnende Art, wie man sie bei Herakleides vermuten könnte, war ihm nichtzueigen. Es gelang ihm nicht, die Gunst derjenigen zu gewinnen, auf die er am meisten angewiesen war. Deutlich zeigt sich dies bei der Ermordung des Herakleides. Helmut Berve führt die günstigen Momente für ein solches, aus Dions Sicht vielleicht notwendiges Unterfangen, an. Nach der Befreiung der Stadt von Nypsius und seinen Truppen, nach der Aufdeckung der Verhandlungen mit Dionysios II. und nach Herakleides missglücktem Putschversuch im Anschluss an die verlorene Schlacht bei Akragas49 hätte die syrakusische Bevölkerung zwar sicherlich auch nicht auf die Ermordung ihres Führers mit Jubelfeiern reagiert, besser wäre die Ausgangslage jedoch allemal gewesen. Zu oft leistete er den Verdächtigungen Vorschub, es dürste ihm nach der Übernahme der Tyrannis. Hätte er zur rechten Zeit so gehandelt, wie man es von einem Befreier erwartete, es wäre ihm vielleicht mehr Glück teilhaftig geworden.

5. Timoleon

Es ist kein Zufall, dass Plutarch in seinen Doppelbiographien neben Dion einen weiteren militärischen und politischen Akteur aufgreift, der für die Entwicklung Siziliens im 4. Jahrhundert n.Chr. von entscheidender Bedeutung war. Bereits seinen Zeitgenossen galt Timoleon als Lichtgestalt und Vorbild; seine Aktivitäten auf Sizilien als einzigartige Erfolgsgeschichte eines Mannes, der in seiner Heimatstadt Korinth bereits in der Versenkung zu verschwinden drohte. Doch wie kam es dazu, dass es gerade ihm, der über wenig bis keine militärische Erfahrung verfügte, gelang die Tyrannen Siziliens zu vertreiben und die Karthager so vernichtend zu schlagen?

Nachdem es Dionysios I. 346 n. Chr. gelungen war erneut in Syrakus Fuß zu fassen, standen seine Chancen, die Machtfülle, die sein Vater inne gehabt hatte, zurückzugewinnen denkbar schlecht. Weiteren Tyrannen war es inzwischen gelungen die Herrschaft über einzelne Städte der Insel zu erlangen: Hiketas in Leontinoi, Leptines in Apollonia und Engyon, Mamerkos in Katane, Nikodemos in Kentoripon, Hippon in Messina, Apolloniades in Agyrion und Andromachos in Tauromeion.50

Nach der Rückkehr Dionysios II. wandten sich die Bürger von Syrakus an Hiketas, der über Leontinoi, wohin auch Teile der Oligarchie geflohen waren, herrschte. Man entschied sich gemeinsam dafür die Mutterstadt Korinth um Hilfe anzurufen und entsandte eine Delegation.51 Dass man dort auf offene Ohren traf, war keineswegs so selbstverständlich, wie es Plutarch schildert. Er betont, dass die Korinther „ sich um ihre Tochterstädte und insbesondere die Syrakusier “ kümmerten.52 Dies war keineswegs der Fall. In der Regel waren die Bindungen zwischen Tochter- und Mutterstädten eher locker, und wenn der Biograph hier ein anderes Bild entwirft, so doch hauptsächlich um Timoleon in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Die Entsendung eines militärisch nicht besonders qualifizierten Feldherren mit einem Heer von 700 Söldnern lässt darauf schließen, dass dem Unternehmen keine großen Chancen auf Erfolg eingeräumt wurden.53

Timoleon war bisher nur einmal in der Geschichte Korinths in Erscheinung getreten. Zwanzig Jahre zuvor hatte er seinen Bruder Timophanes, der die Errichtung einer Tyrannis anstrebte, ermorden lassen. Der Brudermord wurde ihm jedoch nicht zu Ehren gereicht, sondern von vielen, unter anderem seiner Mutter, übel genommen Sein Ansehen und seine persönliche Verfassung waren zur Zeit des Eintreffens der syrakusischen Delegation auf dem Tiefpunkt angelangt. Dass man dennoch ihn als Leiter der Expedition wählte, ist eher als ein glücklicher Zufall, denn als Berechnung zu sehen. Deutlich zeigt die Äußerung, die Plutarch einem angesehenen Syrakuser in den Mund legt, wie umstritten Timoleon war. „ Denn wenn du diesen Kampf mit Ehre führst, so werden wir glauben, dass du einen Tyrannen, führst du ihn mit Unehre, dass du einen Bruder getötet hast.“54

Während die Syrakuser noch in Korinth um Unterstützung buhlten, hatte sich Hiketas bereits dafür entschieden, mit Hilfe der Karthager die Macht über die Stadt zu erlangen. Dass er, selbst ein Tyrann, kein Interesse daran hatte Dionysios II. zu stürzen um die Stadt anschließend den Bürgern zu übergeben, ist leicht nachvollziehbar. Hiketas gelang es, die Truppen Dionysios II. zu schlagen und die Herrschaft über Syrakus, mit Ausnahme von Ortygia, zu erlangen.55 Derweil gelang es Timoleon mit seinem kleinen Heer erst in Rhegion und dann in Tauromeion zu landen, wo er von Andromachos, dem Vater des Timaios, aufgenommen wurde. Mit Ortygia fielen Timoleon eine große Anzahl von Waffen und eine beträchtliche Menge Geld in die Hände. Die Übernahme der Burg verbesserten seine Chancen auf einen Sieg gegen die Truppen des Hiketas beträchtlich. Dieser hingegen versuchte, durch die Einladung des karthagischen Generals Mago und dessen Heeres, seine Position in der Stadt zu stärken. Dennoch gelang es Timoleon, Ortygia zu halten. Nachdem sich Hiketas und Mago, wohl auch auf Grund militärischer Fehlschläge, überwarfen, zogen die karthagischen Truppen in Richtung Osten ab. Angesichts der Erfolge ihres Feldherren, entschied sich Korinth dafür, ihm weitere Unterstützung zu Teil werden zu lassen und sandte ihm im Frühling 343 n. Chr. weitere 2.000 Hopliten, 200 Reiter und zehn Schiffe.56 Mit diesen Einheiten und den in der Burg weilenden Söldnern, gelang Timoleon die Eroberung und Befreiung von Syrakus. Hiketas wurde, der Überzahl seiner Truppen zum Trotz, geschlagen. Das Timoleon die Bürger von Syrakus aufforderte die Festung, Häuser und Grabstätten der Tyrannen zu zerstören, dürfte zusätzlich sein Ansehen in der Bevölkerung gestärkt haben. Hatte doch Dion ihnen selbiges noch verwährt und sich dem Vorwurf ausgeliefert, er strebe selbst nach der Tyrannis. Um seine demokratische Gesinnung zusätzlich zu untermauern, ließ Timoleon auf dem Boden der niedergerissenen Stätte ein Gerichtsgebäude errichten. Dennoch war ihm nur die Befreiung von Syrakus gelungen. Gefahr drohte ihm immer noch von Karthago und einzelnen sizilianischen Tyrannen.57

Im Frühling 341 n. Chr. landete ein punisches Heer im östlichen Teil der Insel: Lilybaeum. Dass 80.000 Mann starke Heer wurde zusätzlich durch 2.500 Mitglieder einer Eliteeinheit, der sogenannten Heiligen Schar, ergänzt. Timoleon verfügte lediglich über 12.000 Mann und entschied sich für die Offensive. Nachdem einige Söldner auf dem Marsch desertierten, kam es am Fluss Krimisos zur Schlacht. Als die beiden Heere aufeinander trafen, durchquerten die Karthager gerade den Fluss und wurden von Timoleon, der zusätzlich den Wind im Rücken hatte und so von dem aufziehenden Unwetter profitierte, überrascht. Dem Korinther wurde ein, angesichts der numerischen Unterlegenheit, glänzender Sieg zu Teil. Plutarch, der das Gefecht ausführlich schildert, spricht von 10.000 gefallenen Karthagern, geht jedoch nicht auf die wahrscheinlich beträchtlichen Verluste des timoleonischen Heeres ein. Berichtet aber stattdessen von der reichen Beute58 ; mehrere Tage soll die Errichtung des Siegeszeichens gedauert haben.

In der Folgezeit widmet sich Timoleon der Bekämpfung der verbliebenen Tyrannen, die sich die weitere Unterstützung durch Karthago sicherten. Mit mäßigem Erfolg. Erst nachdem ein Friedensvertrag mit den Puniern abgeschlossen werden konnte, gelang es ihm, die restlichen sizilianischen Städte zu befreien. Hiketas wurde von seinen Söldnern ausgeliefert und zusammen mit seiner Familie in Syrakus hingerichtet. Nikodemos und Apolloniades wurden exilliiert; Mamerkos begann Selbstmord. Hippons Fluchtversuch zur See misslang. Er wurde eingefangen und im Theater öffentlich zu Tode gefoltert.59 Der harsche Umgang mit den Tyrannen und deren Familien, mag Timoleon ihn auch nicht befohlen, sondern nur nicht verhindert haben, bleibt denn auch der einzige Kritikpunkt, dem sich die antiken Autoren nicht verwähren können. Mag Timaios, der erklärte Tyrannenfeind, dies durchaus als legitim angesehen haben, den Gepflogenheiten der Zeit entsprach er sicher nicht.

Bei der Erforschung der folgenden politischen Reformen ist Diodor als maßgebliche Quelle anzusehen. Im Gegensatz zu Plutarch, der den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die militärischen Erfolge setzte, hatte er Interesse an der ökonomischen und politischen Entwicklung.60 So ist denn auch die Befreiung der Insel nur ein Teil der Errungenschaften Timoleons. Als nächstes galt es, eine Verfassungsreform durchzusetzen und die durch jahrzehntelange Kämpfe entvölkerte Insel mit neuen Bewohnern zu besiedeln.

H.D. Westlake weist schlüssig nach, dass Timoleon bis zu seinem Rücktritt 337/6 n. Chr. das Amt des alleinigen Strategen inne hatte61, er für seine Reform folglich nicht auf die Volksversammlung angewiesen war. Dass er diese dennoch beratend hinzugezogen hat steht außer Frage. Welche Form die neue Verfassung hatte bleibt unklar. Plutarch spricht davon, er habe die Demokratie eingeführt62, was von neueren Autoren unterschiedlich betrachtet wird. M.I. Finley folgt Diodor und vermutet, dass die eigentliche Regierungsgewalt von dem sogenannten Rat der 600 ausgeübt wurde, dem ein jährlich neuzuwählender Beamter vorstand.63 Bengtson schließt sich der Meinung an, es sei eine „gemäßigt demokratische Staatsordnung“ errichtet worden, „in der neben demokratischen auch gewisse oligarchische Elemente zu finden waren“.64 H.D. Westlake urteilt ähnlich, verweist jedoch darauf, dass die Volksversammlung auch als Fassade gedient haben könnte. Genaueres lässt sich heute nicht mehr erschließen und verliert auch angesichts der Tatsache an Bedeutung, dass es bald zu neuen Kämpfen kommen sollte.

Nach der Befreiung widmete sich Timoleon so gleich der Wiederbesiedelung der Insel. Sein erster Aufruf richtete sich an die in Korinth verweilenden Sikuloten. Der Erfolg war jedoch so bescheiden, dass das Angebot, auf syrakusische Staatsbürgerschaft und Zuteilung von Land, bald auf alle Griechen ausgeweitet wurde. In den folgenden Jahren sollen 60.000 Menschen nach Sizilien gekommen sein. Man darf davon ausgehen, dass sowohl die auf der Insel verbliebenen Einwohner, als auch die Söldner bei der Landvergabe bevorzugt wurden.65 Es wurden neben der Wiederbelebung entvölkerter Landstriche auch Landwirtschaft und Bautätigkeit wieder angeregt. Archäologische Funde belegen eine hohe Zahl korinthischer Münzen, die auf einen regen Handel schließen lassen. Die Beziehung zwischen Mutter- und Tochterstadt scheinen hingegen wieder auf das Maß vor dem Unternehmen Timoleons zurückgefallen zu sein.66

Auch nach seinem Rücktritt vom Strategen- Amt nahm er an den Volksversammlungen teil und genoss die Ehrungen, die ihm die Bürger der Stadt erwiesen. Nach seinem Tode wurde sein Leichnam feierlich durch die Stadt geleitet und auf öffentliche Kosten begraben. Jährlich fanden Spiele zu seinem Gedenken statt, und fortan sollten nur noch Korinther die syrakusischen Heere führen.67

Dass es Timoleon mit einen schlecht ausgestattetem Heer gelungen ist, sowohl die einzelnen Tyrannen, als auch die Karthager zu besiegen, lässt sich wohl auch darauf zurück führen, dass er genügend Rückhalt in der Bevölkerung besaß. Dennoch darf man ihm ein sowohl wagemutiges, als auch taktisch kluges Vorgehen zusprechen. Dafür, dass bereits kurz nach seinem Tode neue Kämpfe ausbrachen, ist er nicht verantwortlich zu machen. Die Monarchie befand sich bereits in weiten Teilen Griechenlands auf dem Vormarsch. Das sein Bild in der Überlieferung so glänzend gezeichnet wird geht auf seine militärischen und sozio- politischen Erfolge zurück. Im Gegensatz zu Dion, geriet er nicht in den Ruf sich der Tyrannis bemächtigen zu wollen. Er ordnete die Zerstörung der Gebäude an, die an eben diese erinnerten, setzte die Neuverteilung des Bodens durch und erließ eine Verfassung, die wenn auch nicht demokratisch, so doch zumindest nicht rein oligarchisch oder gar despotisch war. Neben der Re- Popularisierung sind hierin seine größten Errungenschaften zu sehen.

Resumee

Der Hauptunterschied zwischen den beiden Bürgerkriegen liegt in der unterschiedlichen Zielsetzung des jeweiligen Akteurs. Besonders ungenau sind die Ziele Dions zu erfassen. Der Grund hierfür liegt, wie bereits erörtert, in der Bewertung der platonischen Epistel bezüglich ihrer Echtheit. Geht man davon aus, dass sowohl der siebte als auch der achte Brief Platons Fälschungen sind, was durchaus möglich scheint, und des weiteren, dass kein realer Bezug zu den Gedanken des Philosophen besteht, so ist es dennoch schwer Dions Unternehmung allein darauf zu reduzieren, dass er die Errichtung einer Tyrannis anstrebte. Es besteht immer noch die Möglichkeit, dass er, von der Staatstheorie und Sittenlehre Platons überzeugt, die Umsetzung einer Verfassung nach dessen Vorstellung anstrebte. Warum er die verbleibende Regierungszeit Dionysios I., von Platons Besuch bis zum Tode des Tyrannen, abwartete und erst auf seinen Nachfolger einzuwirken begann, lässt sich noch mit der Tatsache erklären, dass eine Einflussnahme auf den berühmten Despoten ausgeschlossen schien. Die Vorbereitungen für einen Heereszug begann Dion jedoch erst nachdem Dionysios II. dessen Vermögen eingezogen und seine Frau weiterverheiratet hatte. Sollte doch Zorn der Auslöser gewesen sein und Dion nur gewartet haben bis Dionysios der jüngere Platon freigelassen hatte? Gegen die Errichtung einer Tyrannis spricht freilich Dions Vorgehen nach dem Fall von Ortygia. Es ist kaum zu glauben, dass er das Synedrion einberief um eine despotische Verfassung ausarbeiten zu lassen. Gestürzt wurde er, weil er die Kräfte, die sich gegen ihn richteten falsch einschätzte. Er war ein guter Stratege, ein vertrauenswürdiger Unterhändler, das Durchsetzungsvermögen, dessen er bedurft hätte um die syrakusische Verfassung umzugestalten, besaß er nicht. Aber die Gründe für sein Scheitern sind nicht allein bei ihm zu suchen. Platons Staatslehre war ein theoretisches Konstrukt. Eine Umsetzung noch nicht erprobt, ja diese selbst äußerst fraglich. Dass mit Widerständen zu rechnen war, wusste der Philosoph. Gerade deshalb sah er die bestmögliche Ausgangslage für eine solche in einer starken Tyrannis. Vernachlässigt hat er jedoch, dass hierzu eine gewisse Machtbasis von Nöten war, die Dion nicht besaß. Es mangelte diesem nicht nur an Sympathien, sondern vor allem auch an dem nötigen know how.

Doch unterscheidet gerade die ominöse Rolle Platons in Dions sizilianischem Unternehmen diesen Bürgerkrieg von anderen. Hat sich der größte Philosoph seiner Zeit wirklich darum bemüht, seine Theorie in die Praxis umzusetzen? Wollte er seinen Gegner beweisen, dass seine Staatslehre mehr war als nur Gedankenspiele? Zur Zeit sind diese Fragen nicht zu beantworten. Die Echtheit der Briefe wird sich vielleicht nie prüfen lassen. Die Quellen lassen sich größtenteils auf Platon und Timaios zurückführen. Während der Philosoph zu sehr involviert war um objektiv zu sein, war Timaios schon Zeitgenossen als tyrannenfeindlich bekannt. Abschließend wird die Frage nach den genauen Beweggründen Dions wahrscheinlich niemals zu klären sein.

Bei Timoleon stoßen wir auf ähnliche Probleme bei der Überlieferung. Plutarchs heroisierende Lobeshymnen, die das Wirken Timoleons auf Sizilien gerade zu überhöhen, zeichnen nur ein ungenaues Bild. Zwar wäre es wohlmöglich ungerecht in der antiken Überlieferung nach weniger glorreichen Taten des Korinthers zu suchen, dennoch ist es schwer zu glauben, dass er, abgesehen vom Umgang mit den gestürzten Tyrannen, keine zumindest moralisch bedenklichen Entscheidungen getroffen haben soll. Dass sein Verhalten dennoch vorbildlich war, muss dadurch nicht bestritten werden. Aber gerade in der Neueren Geschichte sind Neubewertungen von historischen Persönlichkeiten, wenn nicht auf der Tagesordnung, so doch zumindest möglich. Was natürlich auch darauf zurückzuführen ist, dass die Quellenlage ungleich besser ist.

Auch Timoleon bekleidete das Amt des bevollmächtigten Strategen, wie es ehedem Dionysios

I. und Dion taten. Den Unterschied machen hier allerdings Herrschaftsverständnis und Herrschaftsausübung. Ruhm und Ansehen hatte auch Dion in der Bevölkerung genossen, nachdem er Syrakus von Nipsius und dessen Söldnern befreit hatte. Auch Dionysios I. wurde in Griechenland respektiert, wenn auch von anderen Gesellschaftsschichten und aus anderen Motiven. Zu Helden avancierten sie dennoch nicht. Der Unterschied liegt zu einem Großteil darin, dass Dion stur seine eigenen, „höheren“ Ziele verfolgte, während es Timoleon von Beginn an gelang, seine Rolle als uneigennütziger Befreier glaubhaft zu vermitteln.

Literaturverzeichnis:

Bengtson, Hermann: Griechische Staatsmänner des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. München 1983.

Berve, Helmut: Dion. In: Abhandlungen der geistes- und sozialwissenschaftlichen Klassen, Jh. 1956.

Finley, M.I:: Das antike Sizilien. Von der Vorgeschichte bis zur Arabischen Eroberung. München 1979.

Westlake, H.D.: Dion and Timoleon. In: Cambridge Ancient History. Bd.VI, 2. Aufl. 1994.

Westlake, H.D.:Greek Historians and Greek History. New York 1969.

von Fritz, Kurt: Platon in Sizilien und das Problem der Philosophenherrschaft. Berlin 1968.

Quellenverzeichnis:

Plutarch: Große Griechen und Römer. Bd.IV.

[...]


1 Plutarch: Grosse Griechen und Römer. Bd. IV. hg. u. übers. V. Konrat Ziegler. Zürich 1957. künftig zitiert: plut. vit. par.

2 Diodorus Siculus: Weltgeschichte

3 Cornelius Nepos: De viris illustribus

4 siehe Platon: Epistel

5 siehe von Fritz, Kurt: Platon in Sizilien und das Problem der Philosophenherrschaft. Berlin 1968

6 siehe Berve, Helmut: Dion. In: Abhandlungen der sozialwissenschaftlichen Klassen, Jhg. 1956. künftig zitiert: Berve

7 vgl. Diodor

8 siehe Westlake, H.D.: Dion and Timoleon. In: Cambridge Ancient History. Bd. IV, 2. Aufl. 1994. S.698 künfitg zitiert: Westlake D. and T.

9 siehe Westlake D and T S.699

10 Finley, M.I.: Das antike Sizilien. Von der Vorgeschichte bis zur Arabischen Eroberung. München 1979. S. 101 künftig zitiert: Finley

11 siehe Finley S.104

12 Finley S. 109

13 siehe Berve S. 762

14 siehe Berve S. 759

15 siehe Finley S. 107

16 siehe Plutarch: Dion 6,3

17 Plut. Dion 6,5

18 siehe Plut. Dion 7,2

19 siehe Westlake D and T S. 695

20 siehe Berve S. 771

21 Plutarch 7,3

22 siehe Berve S. 773

23 siehe Westlake D and T S.696

24 siehe Berve S. 785

25 siehe Westlake D. and T. S. 697f

26 siehe Plut. Dion 22,1-3

27 siehe Plut. Dion 21,6

28 siehe Berve S.808

29 siehe Westlake D. and T. S. 698

30 siehe Berve S. 810

31 siehe Diodor 16,9,6 10,6

32 siehe Plutarch 27,5

33 siehe Berve S. 814

34 Berve S.818

35 siehe Westlake D. and T. S.699

36 siehe Berve 821

37 siehe Westlake D. and T. S.700

38 siehe Berve S.829f

39 Plut. 41,5

40 siehe Westlake D. and T. S.701

41 siehe Berve S. 833

42 siehe Berve S. 835

43 siehe Westlake D.and T. S.702

44 siehe Westlake D. and T. S.703

45 siehe Berve S. 845

46 Westlake S. 704

47 siehe Plut. Dion 53,6

48 siehe Finley S.120f

49 siehe Berve S. 847

50 siehe Finley S. 124

51 siehe Bengtson, Hermann: Griechische Staatsmänner des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. München 1983. S. 265 künftig zitiert: Bengtson

52 Plut. 3,1

53 siehe Westlake, H.D.: Essays on the Greek Historians and Greek History. New York 1969. S. 279 künftig zitiert: Westlake hist.

54 Plut. 7,3

55 siehe Westlake D and T. S.709f

56 siehe Westlake D. and T. S.710f.

57 siehe Bengtson S. 266

58 siehe Plut. 28,9-29,1

59 siehe Westlake D. and T. S.715

60 siehe Westlake hist. S.276

61 siehe Westlake hist. S.284

62 siehe Plut. 37,1

63 siehe Finley S.129

64 Bengtson S.270

65 siehe Westlake hist S.717

66 siehe Finley S.131

67 siehe Bengtson S.269

22 von 23 Seiten

Details

Titel
Dionysios II, Dion und Timoleon
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Autor
Jahr
2002
Seiten
23
Katalognummer
V106799
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dionysios, Dion, Timoleon
Arbeit zitieren
Mirko Jahns (Autor), 2002, Dionysios II, Dion und Timoleon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106799

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