Auktionen und Versteigerungen unter besonderer Berücksichtigung moderner Kommunikationsmittel


Seminararbeit, 2002

15 Seiten, Note: unbenotet


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Inhaltsverzeichnis II

1. Einleitung

2. Geschichtliche Entwicklung

3. Adaptierung des Konzepts auf das Internet
3.1. Determinanten von traditionellen Auktionen
3.1.1. Veranstalter
3.1.2. Anbieter und Verkäufer
3.1.3. Bieter und Käufer
3.2. Neue Möglichkeiten und Hemmnisse
3.2.1. Gründe der Nutzung aus Sicht der Beteiligten
3.2.1.1. Auktionsanbieter
3.2.1.2. Verkäufer
3.1.2.3. Käufer
3.2.2. Expansionshemmende Umgebungsvariablen
3.2.2.1. Software-technische Aspekte
3.2.2.2. Rechtliche Aspekte

4. Organisation von Online-Auktionen
4.1. Registrierung
4.2. Aufsetzen
4.2.1. Anbieterwahl
4.2.2. Auktionsform
4.2.3. Übermittlungsstrategie des Auktionsstatus
4.2.4. Auktionsdauer
4.2.5. Konditionen
4.2.6. Upload der Auktionsinformationen
4.3. Versteigerungs-Prozeß
4.4. Bewertung der Gebote
4.5. Geschäftsabschluß

5. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit jeher gelten Auktionen und Versteigerungen als probates Mittel einer dynamischen Preisfindung, beispielsweise auf dem Kunstmarkt. Nun erfreuen sich seit einiger Zeit Online- Auktionen einer wachsender Beliebtheit. Dabei scheinen dem Konzept gegenüber herkömmlich, stationär durchgeführten Veranstaltungen, einige Vorteile immanent zu sein, die sie für große Teile des Wirtschaftslebens erst so richtig interessant erscheinen lassen.

Ziel dieser Arbeit ist es, etwaige Vorteile aber auch Verbesserungsbedarf bestehender internetbasierter Auktionen aufzuzeigen, sowie deren Ablauf darzustellen.

Hierzu verlangt es nach einem kurzen geschichtlichen Abriß, die Gründe einer erfolgreichen Adaptierung des Auktionsprozesses im Internet zu erläutern. Dabei soll aber auch auf Faktoren mit weiterer expansionshemmender Wirkung eingegangen werden. Zum Ende wird auf den Aufbau und Organisation einer Auktion eingegangen.

2. Geschichtliche Entwicklung

Auktionen wurden schon vor Jahrtausenden als ideale Möglichkeit angesehen, den besten Preis für Waren zu erzielen, oder überhaupt etwas abzusetzen. Der Auktionssaal ist geradezu ein Modellbeispiel vom Angebots- und Nachfragetheorem, bei dem der Marktmechanismus ideal greifen kann. Das Wort Auktion lässt sich vom lateinischen „auctio“ ableiten, was so viel wie Vermehrung bedeutet. Die ersten offiziell organisierten Auktionen sind uns von den Römern bekannt und datieren aus dem 3 Jahrhundert vor Christi. Im Grunde liefen jene römische Auktionen nach den gleichen Regeln ab, wie wir sie heute noch kennen. Es gab schriftliche Verlautbarungen, quasi die ersten Vorläufer unserer heutigen Kataloge. Es wurden Aufschläge verrechnet, vergleichbar unseren Käufer- und Ersteherprovisionen, es wurden Steuern eingehoben, Rechnungen ausgestellt, und es gab sogar schon Ausfuhrverbote für wichtige Kunstwerke. Nach Feldzügen wurden regelmäßig Auktionen abgehalten, die Kriegsbeute gleich „sub hasta“, also unter der Lanze, an Ort und Stelle versteigert und dann im Triumphzug durch die Straßen Roms getragen.1 Dieses traditionelle Handelskonzept hat sich im wesentlichen nicht verändert und ist erstmals 1979 in einem Teil des Internets (Usenet) umgesetzt worden. Damals wurden die Verkaufsangebote ähnlich wie heute die Kleinanzeigen in Tageszeitungen, auf schwarzen Brettern, sog. Boards publiziert. Den Bietern wurde die Möglichkeit eingeräumt, per Mail, unsichtbar für andere, oder öffentlich in den Groups, ihre Gebote abzugeben. Diese Versteigerungen waren einige Zeit nur privat organisiert. Doch schon bald nach der Erfindung des World Wide Webs2 durch Steve Berner-Lee traten die ersten kommerziellen Auktionsanbieter auf den Plan.

3. Adaptierung des Konzepts auf das Internet

Traditionelle Auktionsveranstaltungen weisen im Gegensatz zur Internetauktionen einige Nachteile aber auch bestimmte Vorteile auf. Die Umsetzung des akquisitorischen Teils von Auktionen und Versteigerungen bietet sich mittlerweile für vielerlei Produkte an. Durch Auktionen im Internet werden bestehende Rechtsprobleme verstärkt, bzw. treten jetzt erst akut in Erscheinung, die eine schnellere Expansion des Internet Marktes verhindern. Desweiteren ist die technische Seite auch von besonderer Bedeutung für die Entwicklung von Internet Auktionen.

3.1. Determinanten von traditionellen Auktionen

Traditionelle Anbieter haben im Vergleich mit Internet gestützten Auktionen mit mancherlei Problemen zu kämpfen, wobei es aber auch noch, zumindest einige, Vorteile gibt. Eine von einem Auktionshaus durchgeführte Versteigerung tangiert mindestens 3 Personengruppen, die durch eine Versteigerung angesprochen werden.

3.1.1. Veranstalter

Der Auktionator wird auch Intermediär genannt, da er zwischen Käufer und Verkäufer vermittelt, die jeweils seine Kunden sind. Seine spezifischen Probleme sind im allgemeinen folgender Natur:

1. Bereitstellung eines Auktionssaales oder einer anderen geeigneten Lokalität. Dies bedingt Raumkosten, die nicht unerheblich sind.

2. Eine regionale Begrenztheit liegt bei vielen Auktionshäusern vor, die nicht gerade mit erstklassiger Kunst oder anderen einmaligen Gegenständen oder Rechten handeln. Sie sprechen oft nur Verkäufer- und Käufergruppen an, für die der Weg zum Auktionshaus noch interessant genug ist.

3. Zur Werbung und Ankündigung von Auktionen müssen zumeist aufwendige und teure Kataloge in Papierform erstellt werden.

3.1.2. Anbieter und Verkäufer

Der Verkäufer gibt den Auktionator eine Order, seine Ware der Öffentlichkeit zu präsentieren und die Versteigerung durchführen zu lassen. Gründe, diese Dienstleistung nicht in Anspruch zu nehmen, sind meist folgende:

1. Die verlangten Provisionsgebühren sind zu hoch, so dass sich nur wenige, hochwertige Waren zur Versteigerung lohnen.

2. Durch die regionale Gebundenheit eines normalen Auktionshauses vermag es oft nicht, genug interessierte Bieter anzulocken, so dass die Ware erst gar nicht versteigert werden kann.

3.1.3. Bieter und Käufer

Die Bieter geben ihr Gebote ab und erhalten eventuell vom Auktionator den Zuschlag. Folgende Probleme und Erschwernisse ergeben sich für sie:

1. Der Käufer muss unter Umständen weite Wege in Kauf nehmen, um an der Auktion teilzunehmen, was bei ihm Mobilitätskosten verursacht.

2. Die angeboten Waren sind thematisch so begrenzt, dass er sich gar nicht erst für eine Auktion interessiert.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass der Markt von traditionellen Auktionen auf einige, wenige Gütergruppen wie Antiquitäten, Immobilien und anderen einzigartigen sowie wertvollen Gegenständen beschränkt ist, sieht man mal von Konkursmassenversteigerungen ab, die ja auch nur ein regionales Publikum ansprechen. Nennenswerte Vorteile von Auktionen dieser Art ist die Begutachtung vor Ort und die Möglichkeit, die Transaktion sofort abzuschließen.

3.2. Neue Möglichkeiten und Hemmnisse

Aus den erst vor kurzer Zeit ins Leben gerufenen online gestützten Auktionen ergeben sich auch mancherlei neue Möglichkeiten aber auch Hemmnisse gegenüber Versteigerungen traditioneller Art.

3.2.1. Gründe der Nutzung aus Sicht der Beteiligten

Den Beteiligten erwachsen aus der Nutzung des Internets Vorteile, die sich teilweise sogar positiv interdependent zueinander verhalten. Es erscheint sinnvoll, die Gründe für eine Internet-

Nutzung aus der jeweiligen Perspektive der beteiligten Gruppen differenziert zu betrachten, da die Argumente hierfür sehr unterschiedlich sein können.

3.2.1.1. Auktionsanbieter

Es gibt drei große Gruppen von Anbietern, welche aus unterschiedlichen Motiven das Internet als Auktionsplattform nutzen.3

1. traditionelle Auktionshäuser

Zum einen wären da die traditionellen Auktionshäuser, die einfach die Notwendigkeit oder die Chance sehen, ihre Anteile durch einen Internetauftritt zu sichern oder auszuweiten. Sie sind durch den Konkurrenzdruck gezwungen, ein Online Angebot zu offerieren. Hierdurch werden sie aber zugleich in die Lage versetzt, Kosten, etwa für die Katalogerstellung, einzusparen. Ein weiterer Vorteil ist für sie, dass es nun möglich ist, überregional tätig zu werden und so neue Kunden für sich zu gewinnen. Hilfreich ist dabei, der schon erworbene Ruf, der das wichtige Kriterium Kundenvertrauen unterstützt. Sie beschäftigen sich vornehmlich mit dem B2C Bereich und verändern ihr Angebot kaum und weiten es eigentlich nur aufs Internet aus.

2. spezialisierte Online Veranstalter

Zum anderen wären da die Unternehmen, die ihre Aufgabe und Kernkompetenz nur im Online Geschäft sehen. Manchen ist es gelungen, die sog. „First Mover“ Vorteile für sich zu nutzen (Ebay, Ricardo), und dadurch eine marktbeherrschende Position einzunehmen. Der Markteintritt wird ihnen durch die relativ niedrigen Kosten erleichtert. Sie weiten ihr Online-Angebot zur Zeit auch auf andere Geschäftsmodelle wie dem „Powershopping“ aus und sind in den Bereichen B2C und B2B zu finden.

3. Hersteller und Handelshäuser

Hinzu kommt noch die Gruppe der Hersteller und Handelshäuser, die sich einen neuen Absatzkanal, insbesondere für ihre Restposten, erschließen möchten. Für sie zählt die Chance, ihre Überschussbestände noch zu einem höheren Deckungsbeitrag absetzen zu können. Zudem nutzen viele Anbieter die Handelsplattformen als Testmarkt zur Preisfindung neuer Produkte4.

Aber auch im B2B Bereich ergeben sich große Potentiale, wenn man das Auctioning5 in seine E-Commerce Strategie mit integriert.

3.2.1.2. Verkäufer

Sie können nun auch geringwertige Produkte anbieten, da die hohen Provisionsgebühren, von manchmal 30 Prozent und mehr, deutlich geringer wurden und nun nicht mehr so ins Gewicht fallen. So ist es nun auch für Privatpersonen interessant, ihre gebrauchten Güter versteigern zu lassen, was oft einen besseren Erfolg verspricht, als traditionelle Anzeigen in Tageszeitungen. Zudem ist das schalten von Auktionslosen im Internet für die User bequemer als der traditionelle Weg. Gewerbliche Anbieter nutzen die Auktionen im B2C Bereich neben der Erweiterung ihrer Absatzkanäle, auch als Kommunikationsmittel im Marketingmix. 6 Ihr Absatz im B2B Segment kann durch die Inanspruchnahme von Plattformen, die Auktionen als einen Baustein sehen, enorm optimiert und gesteigert werden. Die erhöhten Umsatzchancen resultieren aus der Attraktivität der Einkaufsplattformen und Portale für die nachgelagerten Wertschöpfungsstufen.

3.1.2.3. Käufer

Den privaten Käufern bieten sich durch die Online-Auktionen viele Vorteile. Sie können zu jeder Tages- und Nachtzeit für Produkte Gebote abgeben, sind vom Veranstaltungsort unabhängig und finden sehr schnell durch Suchfunktionen ihre nachgefragten Güter. Dies erhöht für sie die Markttransparenz, da sie schnell Zugriff auf Auktionen diverser Anbieter erhalten.7 Dieser Mechanismus wird noch durch den Einsatz von Software-Agenten8 verstärkt, die das Internet, ähnlich wie eine Meta-Suchmaschine, nach wählbaren Auktionen verschiedener Anbieter durchforsten und dem User eine Auflistung frei nach Anbieter zeigen. Die Vorteile für beschaffende Unternehmen können durch Auktionen, die sie auf den Einkaufsplattformen selber anstoßen, sog. Ausschreibungen, von strategischer Bedeutung sein. Durch diese Form des internetbasierten E-Procurements verbessern sich folgende Kostenstrukturen und lassen sich Einspareffekte9 erzielen:

1. Senkung der Prozesskosten

Durch die Vereinfachung des Ausschreibungsvorganges, hier anzuwenden auf A- Güter, ( v.a. Kommunikation, Personal und externe Dienstleistungen) lassen sich bis zu 90 % der Prozesskosten einsparen. Dies kann allerdings nur erreicht werden, wenn die Bereitschaft seitens der Unternehmensführung vorhanden ist, alle an der Beschaffung beteiligten Abläufe neu zu formulieren und den Gegebenheiten anzupassen.

2. Senkung der Produktkosten

Dadurch, dass die Unternehmen nun in die Lage versetzt werden, mit einer Ausschreibung eine Vielzahl von Lieferanten zu erreichen, erhöht sich für sie die Markttransparenz. So lassen sie nun mehr Lieferanten in Konkurrenz zueinander treten, was den Preis zu drücken hilft.

3. Senkung der Bestandskosten

Da die nachfragenden Unternehmen mit ihren Auktionen nun mehr potentielle Lieferanten erreichen und die Auktionsphase verkürzt wird, ist es möglich, kürzere Lieferzeiten zu vereinbaren und somit Bestände zu verringern.

Die Höhe der hier beschriebenen Einsparpotentiale liegen je nach Branche zwischen 5 und 15 Prozent vom Bestellwert.10

3.2.2. Expansionshemmende Umgebungsvariablen

Neben den wirklich eklatanten Vorteilen, die sich durch eine Nutzung des Webs als Auktionsplattform ergeben, gilt es noch bestehende Behinderungen abzubauen, die einer schnelleren Expansion des Auktionskonzeptes entgegenstehen. Folgende Aspekte müssen zukünftig noch verbessert werden, damit die Akzeptanz von Online-Versteigerungen steigt.

3.2.2.1. software-technische Aspekte

Früher galt die Hardware eigentlich immer als knappe Resource und somit als schwächstes Glied in der Kette. Heute geht es vielmehr um die Bewältigung softwareseitiger Probleme, für die es einiges an Know-how bedarf. Hierzu zählen vor allem folgende Bereiche:

1. Implementierung von XML

Die ausstehende vollständige Implementierung der Dokumentenbeschreibungssprache XML verhindert bisher, dass Daten für den Computer „sinnvoll“ lesbar werden. XML ermöglicht durch die vollständige Trennung von Daten und Formatierungen, im Gegensatz zu HTML, eine Art Datenbankrecherche im Internet, was für die Anwendung von Softwareagenten (vgl. Seite: ) sehr wichtig ist. Sie kann man dann mit Informationen versorgen, so dass sie für den Benutzer relevante Ergebnisse liefern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Tabelle

Wenn ein auf XML basierender Agent mit obigen, kursiven Daten versorgt wird, liefert er eine Linkliste zu den passenden Auktionen11. Diese Funktionalität ist natürlich für den B2B Bereich sehr wichtig, damit Lieferanten überhaupt die Auktionen finden!

Ein weiterer Vorteil der Trennung von Inhalt und Layout ist die problemlose Konvertierung in andere Seitenbeschreibungssprachen wie WAP und WML, etwa für Handys. Ist dieser Schritt erst mal vollständig vollzogen, bieten sich wiederum neue Möglichkeiten des Mobile Commerce via Handy.

2. Sichere Datenübertragung

Die vom Auktionsanbieter angebotene Verschlüsselungsstärke ist für manche User und besonders für Firmen sehr wichtig. Bricht hier ein Hacker in das System ein, kann er großen Schaden anrichten. Deshalb werden sensible Daten wie Kennungen und Passwörter, um in den jeweiligen Account zu gelangen, mittels asymmetrischer Verfahren besonders gut geschützt.

Diese Verfahren sind auch für Kreditkartenzahlungen von besonderer Bedeutung, die sie für alle anderen Internet-User unleserlich machen sollen.

3.2.2.2. Rechtliche Aspekte

Auf diese Art der Problemstellung haben die Beteiligten in der Regel nur indirekten Einfluss.

Mittlerweile hat sich nach einigen Urteilen die Praxismeinung durchgesetzt, dass Kaufverträge bei Online-Auktionen, sofern sie nicht gegen bestehende Vorschriften verstoßen, rechtmäßig zustande kommen. Dieser Sachverhalt ergibt sich aus einem Präzidenzurteil12 des BGH zum Zustande kommen von Kaufverträgen bei Internet-Auktionen. Es gibt aber noch weitere rechtliche Fragestellungen, die sich aus Online-Auktionen ergeben, auch wenn sie nicht ihr spezifisches Problem darstellen.

1. Mit wem schließe ich überhaupt einen Vertrag?

Diese Frage spricht die Thematik der sicheren Identifikation der Vertragspartner an. Ein Vertrag kommt normalerweise zwischen zwei oder mehreren Vertragsparteien zustande, doch um seine vertraglich festgesetzten Pflichten und Forderungen durchsetzen zu können, benötigt man zuerst die Personalien der Vertragspartner. Diesen Part wickelt man bei der Registrierung beim Auktions-Veranstalter ab, der die Richtigkeit der Daten mit automatischen Prozessen verifiziert. Er prüft in der Regel die E-mail Adresse, postalische Adressen oder Kreditkartennummern13. Diese Vorgehensweise ist nicht unumstritten, da er sich z.B. beim Check von E- mail-Adressen auf die Überprüfung Dritter verlässt. Er verschickt dann automatisch eine Responder-Mail an den Empfänger, welcher dann den Account mit einem Bestätigungslink freischalten kann und so die Richtigkeit seiner Eingaben bestätigt. Als das sicherste Mittel zur Identifikation erscheint die Bankverbindung, da hier die Verfügungsberechtigten eindeutig feststehen und sicher überprüft wurden. Doch ein Zugriff auf diese Daten im Streitfall ist sehr beschwerlich und meist mit nicht unerheblichen Kosten und Mühen verbunden.

2. Wie hoch ist der Beweiswert der digitalen Dokumente?

Kommt es nun zu einem Vertrag zwischen Einsteller und Bieter, wobei einer der Beiden Vertragsreue zeigt, wird es schwer für den auf die Vertragserfüllung bestehenden Partner auf das Zustande kommen jenes zu beweisen. Hier soll die digitale Signatur14 die Echtheit der geäußerten Willenserklärungen mittels kryptographischen Verfahren sicherstellen. Doch gerade die Zertifizierung der digitalen Unterschriften erweist sich aus Kundensicht als zu unkomfortabel, da dieser Vorgang Kosten verursacht, Zeit in Anspruch nimmt und nur von ganz bestimmten Stellen15 ausgeführt werden kann. So hat sich auch dieses Verfahren zur Zeit noch nicht durchgesetzt.

Um den Usern einer Auktion einen besseren Schutz zu geben, schließen manche Auktionsanbieter Versicherungen gegen Ausfallrisiken für ihre Kunden ab. Desweiteren bieten gute Anbieter die Vermittlung eines Trust Centers an, dass den weiteren Prozess treuhänderisch begleitet, und so weitere Transaktionssicherheit gewährleistet.

4. Organisation von Online-Auktionen

Im Folgenden sei ein allgemeinverbindlicher Prozess zur Durchführung einer Internet Auktion, der sowohl im B2B als auch im B2C und C2C Bereich denkbar ist, erläutert. Er kann in folgende Phasen zergliedert werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.1. Registrierung

Die eigentliche Registrierung ist einmalig pro Benutzer. Er gibt dem Auktionator seine persönlichen Daten und lässt sich so seinen Account freischalten. Dieser Prozess sollte, wie bereits geschildert, so sicher wie möglich vorgenommen werden, so dass nur der Berechtigte sich einloggen kann. Ist ein Account erst einmal freigeschaltet, darf der User in der Regel an Auktionen teilnehmen und selber welche einstellen. Dazu muss er sich zu Beginn jeder Sitzung einloggen, um dem System seine Identität zu beweisen, was normalerweise durch Eingabe von Kennung und Passwort geschieht.

4.2. Aufsetzen

Das Aufsetzen oder Einstellen der Auktion ist der akquisitorische Kernprozess des Verkäufers. Er muss sich hier um folgende Gesichtspunkte Gedanken machen:

4.2.1. Anbieterwahl

Im ersten Schritt prüft der Anbieter die abzusetzenden oder zu beschaffenden Produkte auf die Handelsfähigkeit via Internet.

Nachdem die Entscheidung für ein Auktionssortiment gefallen ist, schaut er sich nach passenden Auktionsanbietern um. Dies sind typischerweise Marktplätze mit Mehrwertdiensten (B2B) oder reine Auktionsplattformen (B2C oder C2C). Diese Entscheidung hängt also von der jeweiligen Zielgruppe ab.

4.2.2. Auktionsform

Hat der Verkäufer sich für einen oder mehrere Auktionsanbieter entschieden, sollte man sich über die zu verwendende Auktionsform im Klaren werden. Meistens bieten die Auktionsveranstalter sinnvollerweise nur ein begrenztes Repertoire an Aktionsformen an, für die sich die Bietobjekte eignen. Die Wichtigsten16 seien im Folgenden genannt, welche sich nach verkäufer- und käufergelenkten Auktionen unterscheiden lassen.

1. Englische Auktion - verkäufergelenkt

Die Englische Auktion, auch offene Höchstpreisauktion, ist wohl die am häufigsten angewandte Auktion im B2C und C2C Segment. Der Verkäufer legt ein Mindestpreis fest, den die verschiedenen Bieter schrittweise überbieten können. Der Bieter, der am Ende das höchste Gebot abgibt, wird zum Käufer. Hierdurch entsteht eine gewisse Spannung in der Endphase, die gerade diese Auktionsform für Privatkunden interessant macht.

Es ist eigentlich ohne großes Risiko für den Verkäufer bei etablierten Auktionsanbietern möglich, mit einem sehr geringen Einstiegspreis zu beginnen, da die große Nachfragermenge den Preis schnell in die Höhe schnellen lässt. Um sich vor zu geringen Gebotshöhen abzusichern, kann man einen höheren Mindestpreis ansetzen.

2. Holländische Auktion - verkäufergelenkt

Bei der holländischen Auktion geht man genau andersherum vor. Der Verkäufer gibt einen Preis vor, der in aller Regel über dem erzielbaren Marktpreis liegt. Innerhalb vorgegebener, kurzer Zeitintervalle wird der Angebotspreis sukzessiv verringert, bis ein Bieter den Zugriff vornimmt. Dann ist die Auktion beendet. Diese Form findet man vor allem im B2B Bereich, bei der der Verkäufer seine Produkte aktiv absetzten möchte.

Um sich hier ebenfalls vor dem Verschenken von Ware abzusichern, lässt sich auch die untere Grenze definieren. Ist sie erreicht, wird die Auktion ohne Abschluß beendet.

3. Niedrigpreisauktion - käufergelenkt

Die Niedrigpreisauktion ist eigentlich eine Ausschreibung. Der Käufer gibt dem System seine Wünsche an, welche sich potentielle Lieferanten anschauen und Gebote abgeben können, wobei das niedrigste Gebot den Zuschlag erhält, da es für den Käufer das günstigste ist. Hier kommt es auf eine genaue Beschreibung der nachgefragten Ware oder Dienstleistung an. Eine Kategorisierung mittels XML ist für die Bieter sehr wichtig, damit sie überhaupt passende Bietobjekte finden. Dieses Auktionsprinzip kommt vorzugsweise bei Einkaufsplattformen im B2B Bereich oder aber auch bei Submissionsausschreibungen des Staates zum Einsatz.

Neben diesen Formen gibt es auch andere Modelle, die aber in der Praxis nicht so häufig eingesetzt werden.

4.2.3. Übermittlungsstrategie des Auktionsstatus

Neben der Auktionsform kann eine zeitnahe Übermittlung des Auktionsstatus eine große Rolle spielen. Hier unterscheidet man zwischen der Push und Pull Technik. Die Push Technik zeigt dem User immer den aktuellen Stand der Auktion per CGI- oder diverser Java/Active-X- Techniken an. Push getriebene Auktionen eignen sich meist für kurze Live-Auktionen. Bei der Pull Technik muss sich der User die neuesten Informationen über das erneute Laden der jeweiligen Auktionsseite besorgen, was ziemlich unkomfortabel in der Endphase einer Auktion sein kann. Diese Technik ist aber auf Anbieterseite einfacher zu realisieren und zudem absturzsicherer sowie zu den meisten Browser-Applikationen kompatibel.

4.2.4. Auktionsdauer

Die Auktionsdauer ist ebenfalls ein sich wichtiger Bestandteil des Auktionsdesigns.

Üblicherweise entscheidet man sich für einen Zeitrahmen zwischen 1 Stunde und 14 Tagen.

4.2.5. Konditionen

Neben der zu wählenden Auktionsform sind auch die Konditionen wie Versand- und Auktionsgebühren sowie etwaige Kosten für ein Trust Center, welches die sichere Abwicklung des Geschäftes überwacht, zu definieren. Zu den Konditionen gehört ebenfalls die gewährte, bzw. geforderte Zahlungsart und Liefergeschwindigkeit.

4.2.6. Upload der Auktionsinformationen

Am Ende dieses Prozesses steht das eigentliche Aufsetzen der Auktion, also das Einstellen.

Neben dem oben genannten Punkten teilt man dem Auktionssystem die Produktkategorie, den Beschreibungstext, der möglichst genau sein sollte, Links zu Herstellern und weiteren Informationen, usw. mit. Es ist auch an Bilder zu denken, da sie dem Bieter eine bessere Vorstellung von den Produkteigenschaften verschaffen.

4.3 Versteigerungsprozeß

Die Bieter können nun ihre Gebote abgeben und versuchen, für das Versteigerungsobjekt den Zuschlag zu erhalten. Hierbei wird manchmal den Verkäufern und Bietern unter besonderen Umständen das Recht eingeräumt, die Auktion zu beenden, bzw. ihr Gebot zurückzuziehen.

4.4. Bewertung der Gebote

Die Bewertung der Gebote übernimmt das Auktionssystem automatisch nach oder schon während des Bietvorganges. Am Schluß der Auktion werden die Bieter und Versteigerer über den Ausgang der Auktion informiert und persönliche Daten wie Adresse und echter Name zwischen Gewinner und Objektanbieter durch das Auktionssystem ausgetauscht.

4.5. Geschäftsabschluß

Ist die Auktion erfolgreich beendet worden, ist es bereits zu einem Verpflichtungsgeschäft gekommen. Nun müssen sich die beiden Vertragspartner um die Erfüllung des Vertrages zu den vereinbarten Konditionen bemühen.

5. Fazit und Ausblick

Internetgestützte Auktionen bieten wirklich sehr viel Potential, für Anbieter als auch für Bieter. Es überwiegen die Vorteile. Zur Zeit sind die C2C und B2C sehr in der Mode und scheinen sich auch schon etabliert zu haben. Die erfolgreich positionierten Anbieter solcher Auktionen müssen jedoch den verstärkten Einsatz der Softwareagenten fürchten, die bereits geschaffene Präferenzen gefährden können.

Von B2B Auktionen, im Rahmen des E-Procurements, verspricht sich die Wirtschaft ein großes Einsparpotential, auch wenn es wohl nicht zu einer vollständigen Verdrängung von Handelsstufen kommen wird.

Die rechtliche und technische Seite wird durch den generierten Entwicklungsdruck sicherlich schnell perfektioniert, so dass einer weiteren Expansion von diesen Seiten bald keine Hindernisse mehr im Wege stehen sollten.

Mobilen internetfähigen Geräten der nächsten oder übernächsten Generation kann ebenfalls ein großer Markt vorhergesagt werden, da sie den User noch unabhängiger machen, was insbesondere bei zeitnahen Auktionen von Vorteil ist.

Literaturverzeichnis

Ahlert, D/Becker, J. (2000): Internet & Co. im Handel, Springer Verlag, Berlin Amor, D. (2000): Dynamic Commerce, Galileo Press, Bonn Ressler, O. H. (2001): Der Markt der Kunst, Böhlau Vlg., Wien Schneider, D./Schnetkamp, G. (2000): E-markets, Gabler, Wiesbaden

URL´s vom 8 bis zum 15.04.2002:

http://www.w3.org/History/1991-WWW-NeXT/Implementation/Features.html; http://www.w3.org/People/Berners-Lee/

http://www.trade2b.de/de/1produkte/11auktionen/114auktionen/114teaser.html http://www.regtp.de/tech_reg_tele/in_06-02-02-00-00_m/06/index.html

http://www.bundesgerichtshof.de/PressemitteilungenBGH/PM2001/PM_079_20 01.htm

[...]


1 Vgl: Otto Hans Ressler: Der Markt der Kunst, Seite 12 ff

2 http://www.w3.org/History/1991-WWW-NeXT/Implementation/Features.html; http://www.w3.org/People/Berners-Lee/

3 Vgl: Daniel Amor (2000): S. 34

4 Vgl: Carsten Schneider bei Ahlert, Becker (2000) S. 118

5 Vgl: Carsten Schneider bei Ahlert, Becker (2000) S. 119

6 Vgl: Daniel Armor (2000) S. 39

7 Vgl: Schneider, Schnetkamp (2000) S. 50

8 Vgl: Daniel Armor (2000) S. 194

9 Vgl: Schneider, Schnetkamp (2000) S. 72 ff.

10 http://www.trade2b.de/de/1produkte/11auktionen/114auktionen/114teaser.html

11 Vgl: Daniel Armor (2000) S. 191

12 Vgl: BGH, Urteil vom 7. November 2001 - VIII ZR 13/01 einzusehen unter: http://www.bundesgerichtshof.de/PressemitteilungenBGH/PM2001/PM_079_2001.htm

13 Vgl: Daniel Armor (2000) S. 146

14 Vgl: Daniel Armor (2000) S. 137

15 Vgl: http://www.regtp.de/tech_reg_tele/in_06-02-02-00-00_m/06/index.html

16 Vgl: Daniel Armor (2000) S. 47 ff

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Details

Titel
Auktionen und Versteigerungen unter besonderer Berücksichtigung moderner Kommunikationsmittel
Hochschule
Fachhochschule Münster
Veranstaltung
Marketing Seminar
Note
unbenotet
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V106883
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auktionen, Versteigerungen, Berücksichtigung, Kommunikationsmittel, Marketing, Seminar
Arbeit zitieren
Markus Bratke (Autor), 2002, Auktionen und Versteigerungen unter besonderer Berücksichtigung moderner Kommunikationsmittel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106883

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