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Die Minimierung von Anwesenheit nackter Körper innerhalb der Interaktionsordnung der Sauna

Title: Die Minimierung von Anwesenheit nackter Körper innerhalb der Interaktionsordnung der Sauna

Term Paper , 2019 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Melissa Müller (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
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Die soziale Situation in der Sauna unterscheidet sich von alltäglichen Situationen in einem Punkt elementar: die Menschen in der Sauna sind nackt. Während meiner Beobachtungen in der Sauna gelangte ich daraufhin zu der Frage, wie die Interaktionsordnung in der Sauna trotz nackter Körper zur Minimierung von Anwesenheit beiträgt.

Angelehnt an Erving Goffmans Interaktionssoziologie wird dieser Frage in der vorliegenden Arbeit nachgegangen. Dabei wird insbesondere Bezug auf Goffmans Konzept der „Territorien des Selbst“ sowie auf die empirische Arbeit zur Minimierung von Anwesenheit in einem Fahrstuhl von Stefan Hirschauer genommen. An die einleitenden Erläuterungen zu den theoretischen Grundlagen und der Forschungsmethode schließt sich die Interpretation des Datenmaterials an. Dabei richte ich mich in der Argumentation derjenigen Reihenfolge, in der eine Saunapraktik vollzogen wird: vom Betreten und der Platzwahl in der Sauna über das Ordnen der Blicke während des Saunabads bis zum Verlassen der Saunakabine. Im Fokus stehen hierbei die „Territorien des Selbst“, die auf ihre Funktion zur Minimierung von Anwesenheit hin analysiert werden.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen

2.1 „Die Territorien des Selbst“

2.2 „Die Praxis der Fremdheit und die Minimierung von Anwesenheit“

3. Methode

4. Interpretation

4.1 Die Rolle des Handtuchs bei der Platzwahl

4.2 In der Sauna: Blicke kontrollieren und Anwesenheit minimieren

4.3 Die Sauna verlassen

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht mikrosoziologisch, wie in einer Sauna trotz der Nacktheit der Akteure eine Interaktionsordnung aufrechterhalten wird, die darauf abzielt, die gegenseitige Anwesenheit zu minimieren. Dabei wird analysiert, welche spezifischen Praktiken, wie etwa der kontrollierte Einsatz von Blickführung und körperlichen Abgrenzungen, genutzt werden, um soziale Distanz zu wahren und Privatsphäre zu schützen.

  • Anwendung von Erving Goffmans Konzept der „Territorien des Selbst“ auf das Setting Sauna.
  • Analyse der Rolle des Handtuchs als Schutzschild und Territoriumsmarkierung.
  • Untersuchung der „visuellen Ordnung“ und Blickvermeidungstechniken.
  • Rekonstruktion der Interaktionspraktiken beim Betreten, Sitzen und Verlassen der Sauna.
  • Vergleich mit der Interaktionsordnung in engen öffentlichen Räumen wie Fahrstühlen.

Auszug aus dem Buch

4.2 In der Sauna: Blicke kontrollieren und Anwesenheit minimieren

Nachdem erfolgreich ein Platz gefunden wurde, geht die Aufrechterhaltung der saunaspezifischen Interaktionsordnung beim Sitzen auf den Saunabänken weiter. Auch hier gilt es, die Territorien des anderen nicht zu verletzen und das eigene Territorium zu beschützen, um dadurch die Anwesenheit in der Sauna zu minimieren. Die Charakteristik der sozialen Situation in einer Sauna erschwert die Minimierung von Anwesenheit zum einen dadurch, dass die Begegnung fremder Menschen in der Sauna länger dauert als beispielsweise bei flüchtigen Kontakten auf der Straße. Dort funktioniert die „höfliche Gleichgültigkeit“ (Goffman, 1971, S.85) zur Aufrechterhaltung der Fremdheit und dadurch Unsichtbarkeit sehr gut, wenn man die fremde Person aus der Entfernung kurz anblickt und beim Näherkommen den Blick wieder senkt (vgl. ebd.). Bei der langen Begegnung in der Sauna, wie beispielsweise während eines Aufgusses (vgl. Beobachtungsprotokoll II, Z.3ff) muss aktiv etwas dafür getan werden, um die Territorien nicht zu verletzen und um die Fremdheit zwischen den Saunagästen aufrechtzuerhalten. Hier wird die „höfliche Gleichgültigkeit“ (Goffman, 1971, S.85) in eine „krisenhafte Dehnung“ (Hirschauer, 1999, S.239) versetzt.

Die bloße gemeinsame Anwesenheit in der Sauna stellt eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme dar, die durch Wegblicken abgewendet wird, um dadurch Anwesenheit zu minimieren (vgl. Hirschauer, 1999, S.240). Erschwert wird die „Kontaktvermeidung“ (ebd., S.239) zusätzlich durch die „körperliche Nähe“ (ebd.), in der sich die Saunagäste beim Sitzen auf den Bänken befinden (vgl. Beobachtungsprotokoll II, Z.76ff). Auch hier wird der „abgewandte Blick“ (Hirschauer, 1999, S.239) als Praktik verwendet, um sich Kontaktchancen zu entziehen und Anwesenheit zu minimieren (vgl. ebd.). Der kontrollierte Blick spielt bei der Minimierung von Anwesenheit in der Sauna eine erhebliche Rolle. „Das Anblicken, Anschauen, Durchbohren mit den Augen“ (Goffman, 1974, S.71) wird als Verletzung der Territorien angesehen. Eine Verletzung der Territorien bedeutet gleichzeitig Kontakt zwischen den Individuen, der für die Minimierung von Anwesenheit aber tunlichst vermieden werden soll. Um also Anwesenheit zu minimieren, ist eine „Disziplinierung der Blicke“ (ebd.) notwendig.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Bedeutung der Sauna als Ort des Rückzugs und formuliert die Forschungsfrage zur Minimierung von Anwesenheit nackter Körper durch Interaktionsordnungen.

2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel verortet die Arbeit in der Interaktionssoziologie, primär basierend auf Goffmans „Territorien des Selbst“ sowie Hirschauers Studie zur Praxis der Fremdheit.

3. Methode: Hier wird der methodische Zugang durch teilnehmende Beobachtung in zwei Thermen beschrieben, inklusive der Reflexion der eigenen Rolle als Forscherin und der Protokollierung der Daten.

4. Interpretation: Das Hauptkapitel analysiert empirisch die Saunapraktiken – von der Platzwahl mit Handtuch über die Blickkontrolle bis hin zum Verlassen der Kabine – zur Wahrung der Interaktionsordnung.

5. Schluss: Der Schlussteil fasst die zentralen Forschungsergebnisse zusammen und betont die notwendige aktive Aufrechterhaltung der Interaktionsordnung, um trotz räumlicher Nähe Entspannung und Anonymität zu ermöglichen.

Schlüsselwörter

Interaktionsordnung, Sauna, Minimierung von Anwesenheit, Territorien des Selbst, Goffman, Teilnehmende Beobachtung, Blickkontakt, Handtuch, Fremdheit, Körperlichkeit, Soziale Distanz, Kontamination, Mikrosoziologie, Privatheit, Raumsoziologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Menschen in einer Sauna – einem Ort, an dem soziale Normen durch die Nacktheit der Beteiligten herausgefordert werden – soziale Interaktionen gestalten und Anwesenheit minimieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Themenfelder umfassen die Soziologie der Interaktion im öffentlichen Raum, spezifische Praktiken der Territorialverteidigung, das Management von Blicken sowie die Bedeutung von Objekten wie Handtüchern zur Wahrung der Distanz.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, wie die Interaktionsordnung in der Sauna aktiv durch die Akteure gestaltet wird, um trotz der Situation nackter Körper die Anwesenheit anderer auszublenden oder zu minimieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet die qualitative Methode der teilnehmenden Beobachtung. Sie begibt sich als Kundin in öffentliche Saunen und protokolliert die Beobachtungen anschließend, um die alltägliche Lebenspraxis im Feld zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert schrittweise die Saunapraktiken: das Betreten und die Platzwahl, das Verhalten während des Saunierens (insbesondere Blickführung und Augen schließen) sowie das regelkonforme Verlassen der Kabine.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Interaktionsordnung, Territorien des Selbst, Kontamination, Blickkorridore, höfliche Gleichgültigkeit und die Praxis der Fremdheit.

Warum spielt das Handtuch eine so entscheidende Rolle?

Das Handtuch fungiert sowohl als „Territoriumsmarkierung“, um den persönlichen Raum zu beanspruchen, als auch als Schutzschild („Hülle“) gegen Kontamination durch Schweiß und als Mittel zur Sichtschutz-Bedeckung beim Gehen.

Wie gehen Saunierende mit dem Problem des Blickkontakts um?

Die Akteure nutzen „Blickkorridore“, richten ihre Blicke auf neutrale Gegenstände wie den Saunaofen oder die Tür, schließen die Augen oder gehen in Liegeposition, um Blickkollisionen zu vermeiden und Desinteresse zu signalisieren.

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Details

Title
Die Minimierung von Anwesenheit nackter Körper innerhalb der Interaktionsordnung der Sauna
College
University of Tubingen
Grade
1,0
Author
Melissa Müller (Author)
Publication Year
2019
Pages
29
Catalog Number
V1068982
ISBN (eBook)
9783346478290
ISBN (Book)
9783346478306
Language
German
Tags
Erving Goffman Interaktionssoziologie Interaktionsordnung Territorien des Selbst Blicke Sauna
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Melissa Müller (Author), 2019, Die Minimierung von Anwesenheit nackter Körper innerhalb der Interaktionsordnung der Sauna, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1068982
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