Die Kommunikationstheorie im interaktionistischen Konstruktivismus


Hausarbeit, 2003

20 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Welt der Kommunikation
2.1 Inhalt- und Beziehungsaspekt
2.2 Die vier Seiten einer Nachricht

3 Die Kommunikationstheorie im interaktionistischen Konstruktivismus
3.1 Das Symbolische
3.2 Das Imaginäre
3.3 Das Reale

4 Schlußbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„ Die Sprache ist das Haus des Seins“[1]

schrieb Martin Heidegger und formulierte einen wundervollen Satz, der schon die ganze Thematik meiner Hausarbeit umreißt.

Sprache als Instrument und Bewußtsein der eigenen Identität, als Mittel um in Beziehung treten zu können und als höchstes Gut der Menschen.

Doch sobald wir in Beziehung zu anderen treten, wird aus der Sprache ein höchst brisantes Werkzeug. Die Kommunikation zwischen zwei Menschen ist wohl das Schwierigste was im zwischenmenschlichen Bereich existiert. Aber auch das Interessanteste und Aufregendste.

Der Mensch muß kommunizieren, erst die Sprache macht den Menschen zum Menschen.

Doch immer wieder stellt man fest, dass der Gegenüber wohl eine andere Sprache zu sprechen scheint, es kommt zu Mißverständnissen und Sprachlosigkeit.

Es gibt viele Theorien und Gedanken zu diesem Thema, je nachdem welchen Blickwinkel man sich wünscht oder bevorzugt.

Ich habe mich für die interaktionistisch- konstruktivistische Sicht entschieden, da ich denke, dass der Konstruktivismus dem „Suchenden“ die bestmögliche Freiheit ermöglicht sein Wissen aus vielen Richtungen zu beziehen und dekonstruktivistisch seine eigene Wahrheit für eine gewisse Zeit zu finden und sie dann neu zu konstruieren.

Die Grundlage dieser Hausarbeit bildet das Buch von Kersten Reich: „Systemisch- konstruktivistische Pädagogik- Einführung in Grundlagen einer interaktionistisch- konstruktivistischen Pädagogik“ sowie als ergänzende Literatur das Buch von Peter Widmer: „Subversion des Begehrens- Eine Einführung in Jacques Lacans Werk.“

Im ersten Teil der Hausarbeit werde ich auf die systemischen Betrachtungsmöglichkeiten von Kommunikation eingehen.

Im weiteren Teil der Hausarbeit werde ich die interaktionistisch- konstruktivistische Theorie von Kommunikation vorstellen und so gliedern, dass mir die Sicht von Kersten Reich als Schwerpunkt dient und die Sicht von Jacques Lacan als Ergänzung.

Den letzten Teil der Hausarbeit werde ich dazu nutzen, meine eigene Sicht darzustellen und zu erläutern.

2 Die Welt der Kommunikation

Die Welt der Kommunikation ist ein weites Feld und um einzusteigen habe ich mir ein Beispiel gesucht, in welchem ein sehr karikiertes Bild einer Kommunikation wiedergegeben wird, wodurch aber ein wesentliches Problem von Kommunikation aufgezeigt wird.

Es handelt sich um einen Auszug aus dem Sketch „Garderobe“[2] von Loriot

Personen:
Ein Ehepaar: Mann (M) und Frau (F)

F: "Wie findest du mein Kleid?"
M: "Welches?"
F: "Das ich an habe."
M: "Besonders hübsch."
F: "Oder findest du das Grüne schöner?"
M: "Das grüne?"
F: "Das Halblange mit dem spitzen Ausschnitt."
M: "Nein."
F: "Was 'nein'?"
M: "Ich finde es nicht schöner als das, was du anhast."
F: "Du hast gesagt, es stünde mir so gut."
M: "Ja. Es steht dir gut."
F: "Warum findest du es dann nicht schöner?"
M: "Ich finde das, was du an hast, sehr schön, und das andere steht dir auch gut."
F: "Ach. Dies hier steht mir also nicht so gut?"
M: "Doch. Auch."
F: "Dann zieh ich das lange blaue mit den Schößchen noch mal über"
M: "Ahja."
F: "Oder gefällt dir das nicht?"
M: "Doch." [...]

Wenn man sich mit der systemischen Betrachtungsweise von Kommunikation beschäftigt ist ein zentraler Aspekt die Wahrnehmung.

Jede Wahrnehmung setzt einen Beobachter voraus, der die Situation wahrnimmt und für sich interpretiert. Wenn man davon ausgeht, dass die Wirklichkeit ein Konstrukt ist, das sich jeder selbst konstruiert, dann ist es folgerichtig zu fragen, inwieweit sich zwei Personen über ihre Wirklichkeiten einig werden können.

Im oben angeführten Beispiel sind zwei Personen, die sich in der gleichen Situation befinden, aber die Situation und den Inhalt ihres Gespräches unterschiedlich wahrnehmen.

Das Beispiel zeigt auf belustigende Art und Weise, dass die Wahrnehmung und die Gewichtung der Wahrnehmung bei Beiden unterschiedlich ist. Sie reden aneinander vorbei und letztendlich weiß keiner von beiden, was der Andere eigentlich (vom anderen) will.

Die Wahrnehmung und die eigene Wirklichkeit ist abhängig von drei Faktoren:

Erfahrungen, individuelles Befinden und soziale Wahrnehmung.

Jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens Erfahrungen die seine Wahrnehmung prägen, anregen oder verändern.

Dies hängt immer mit der jeweiligen Biographie, mit der kulturellen Prägung, mit der Familiensituation und mit grundlegend individuellen Erlebnissen eines Menschen zusammen.

Doch nicht nur Erfahrungen beeinflussen unsere Kommunikation, sondern auch unser individuelles Befinden zu dem Zeitpunkt der Kommunikation.

Es könnte sein, dass wir uns körperlich nicht sehr wohl fühlen und in der jeweiligen Situation anders reagieren, weil wir in dem Moment empfindlicher sind als sonst.

Aber auch unsere persönliche Motivation, unser Wünsche und unsere Erwartungen werden mit in eine Situation genommen und beeinflussen uns (un)bewußt.

Soziale Wahrnehmung entsteht durch Personen die uns umgeben, sie erwarten gewisse Rollenkonzepte, haben Erwartungen an uns, sind uns vielleicht auch Vorbilder und stellen Richtlinien für uns auf. Kersten Reich nennt die Personen aus unserer Umgebung „Verständigungsgemeinschaft“[3]

In dem oben angeführten Beispiel bilden beide Personen eine Verständigungsgemeinschaft. Sie sind durch ihre Beziehung verbunden und leben miteinander. Trotzdem sind beide nicht fähig den Anderen zu verstehen und es wird zum Streit kommen. Der Mann erkennt nicht die Wünsche seiner Frau und die Frau versteht nicht, dass der Mann vielleicht mit seinen Gedanken woanders ist.

Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht nur man selbst seine Erfahrungen, sein individuelles Befinden und eine soziale Wahrnehmung besitzt, sondern der Andere auch, und das somit bei einer Kommunikation zwei verschiedene oder ähnliche Systeme aufeinander treffen, die sich nicht immer von vornherein verständigen können.

2.1 Inhalt- und Beziehungsaspekt

Paul Watzlawick(*1921) ist einer der meist bekannten Therapeuten, die sich in ihrer therapeutischen Arbeit mit der Kommunikation beschäftigten. Paul Watzlawick entwickelte seine Kommunikationstheorie durch die praktische Erfahrungen mit schizophrenen Patientengruppen.

Die zentralen Punkte seiner Arbeit stellt er in 5 Axiome[4] dar, wobei hier nur die ersten beiden Axiome behandelt werden sollen[5]:

(a) Man kann nicht nicht kommunizieren
(b) Inhalts- und Beziehungsaspekt der Kommunikation

Watzlawick geht davon aus, dass es nicht möglich ist nicht zu kommunizieren, denn es gibt nicht nur die verbale Sprache als Kommunikationsinstrument, sondern jeder Mensch kommuniziert auch non- verbal.

Wenn in einer Unterredung auf meine Wünsche nicht eingegangen wird und ich beleidigt bin so übergangen worden zu sein, so spricht mein Gesicht Bände.

Selbst in Situationen die einen sprachlos machen, zeigen wir unserem Gegenüber oftmals unbewußt, was wir eigentlich sagen wollen, nämlich dann, wenn unsere non- verbale Sprache mit der verbalen Sprache nicht kongruent ist.

Watzlawick unterscheidet in jeder Kommunikation zwischen einer Inhalts- und einer Beziehungsebene: „Die Inhaltsebene zeichnet sich durch Informationen aus, d.h. hier geht es um sachlich- inhaltliche Probleme. Die Beziehungsebene bezieht sich auf Verhalten, Einstellungen, Erwartungen zwischen Menschen, sie reicht bis in die emotionalen Tiefen, wo Empfindungen, Gefühle und Stimmungen vermittelt werden.“[6]

Inhalt- und Beziehungsebene werden oft in ein Bild eingekleidet, um zu verdeutlichen in welcher Relation sie zueinander stehen. Das Bild bezeichnet man als Eisbergmodell

Wenn man sich einen Eisberg vorstellt, bei dem nur Einfünftel bis Einachtel der Gesamtmasse aus dem Wasser ragt, so bezeichnet man die kleine Masse, die aus dem Wasser ragt, als Inhaltsebene und den Rest der Eisbergmasse als Beziehungsebene.

In dem Loriot- Beispiel ist die Inhaltsebene das Gespräch zwischen dem Ehepaar, es werden Fragen gestellt und ein „Inhalt“ steht zur Debatte.

Was sich auf der Beziehungsebene abspielt läßt sich nur vermuten, aber es könnte beispielsweise sein, dass die Frau sich von dem Mann nicht begehrt fühlt und ihn deshalb fragt, wie er ihr Kleid findet. Der Mann könnte genervt sein, weil seine Frau immer Bestätigung von ihm verlangt und nur an sich denkt, und er doch eigentlich Probleme auf der Arbeit hat und sich selbst nicht genug von ihr geliebt fühlt.

[...]


[1] Heidegger Martin; aus: Zitate und Aussprüche, Mannheim (Dudenverlag) 1998

[2] http://www.familie-ahlers.de/witze/loriot.hmtl/garderobe

[3] Reich, Kersten: Systemisch- konstruktivistische Pädagogik; Neuwied (Luchterhand) 2002;S.22

[4] Axiom: [gr.-lat.] das; -s, -e: als absolut richtig anerkannter Grundsatz, gültige Wahrheit, die keines Beweises bedarf

[5] http://www.tu-bs.de/institute/allg-paedagogik/Kommunikation/Die%20Kommunikationstheorie%20von%20Paul%20Watzlawick.html

[6] Reich, Kersten: Systemisch- konstruktivistische Pädagogik; Neuwied (Luchterhand) 2002; Seite33

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Kommunikationstheorie im interaktionistischen Konstruktivismus
Hochschule
Universität zu Köln  (Erziehungswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Kultur und Kommunikation
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V10691
ISBN (eBook)
9783638170499
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikationstheorie, Konstruktivismus, Kultur, Kommunikation
Arbeit zitieren
Anna Jungbluth (Autor), 2003, Die Kommunikationstheorie im interaktionistischen Konstruktivismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10691

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