La France dans le monde


Seminararbeit, 2000
22 Seiten

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Inhaltsverzeichnis

Einführung

Teil 1
Historischer Überblick / Kolonialgeschichte

Teil 2
Französische Außenpolitik heute

Teil 3
Zur Rolle der ONG

Die „Exception française“ im internationalen Kontext Wirtschaft und Außenhandel

Mehrsprachige Terminologieliste

Literaturverzeichnis

Schlußwort

Einführung

„La France dans le monde“ ist ein sehr großes und umfassendes, ein enorm vielfältiges Thema, das es in dieser Arbeit ein wenig aufzuschlüsseln gilt. Es ging mir dabei – auch in Anbetracht des Seminarthemas „Frankreich 2000 – Grundwissen und Analysen“ – nicht um eine lückenlose Dokumentation sondern um einen Überblick über geschichtliche Voraussetzungen für die heutige Rolle unseres Nachbarlandes in einer veränderten Welt. Es sollen vor allem Schwerpunkte dargestellt und erläutert werden. Nach einer straffen Übersicht über verschiedenste französische Einflüsse in der Welt – auch in der Geschichte

– folgt eine Besprechung der Leitlinien und Realitäten der gegenwärtigen französischen Außenpolitik.

Dass sich unser Hauptaugenmerk dabei hauptsächlich auf den europäischen Kontext richtet, hat verschiedene Gründe.

Zum einen erscheint das französische Streben nach internationaler Bedeutung angesichts der Vorreiterstellung der USA als wenig erfolgversprechend, Frankreich muss sich auf seine Fähigkeiten und Möglichkeiten besinnen und erkennen, in welchem Rahmen es als aktiver Gestalter agieren kann – es kann primär nur Europa sein. Dies geht einher mit der Einsicht in die Notwendigkeit multilateraler Kooperationen auf den Gebieten Wirtschaft, Politik, Justiz oder Umwelt, in denen sich Aufgaben stellen, die allein nicht bewältigt werden können und dürfen. Frankreich überwindet seine Angst vor der „mondialisation“, bemüht sich um „Eigenart“ (« caractéristique ») statt „Ausnahme“ («exception»).

Zum anderen sollen Frankreichs momentane EU-Ratspräsidentschaft und die deutsch- französische Zusammenarbeit eine Rolle spielen.

Probleme und Schwierigkeiten sollen ebenfalls aufgezeigt werden. Geschehen soll dies unter anderem durch eine Hinterfragung von Anspruch und Wirklichkeit französischen außenpolitischen Arbeitens unter Betrachtung des eigenen Selbstverständnis‘.

All dies wird nun nicht vom rein romanistischen Standpunkt aus erfolgen, sondern soll auch sprachliche Aspekte beinhalten. Das liegt zum einen am Studiengang des Autors als auch an der immensen Bedeutung von Sprachmittlung. Nicht nur spielt sie eine wichtige Rolle für das Zustandekommen internationaler Beziehungen, sie ist auch Basis jeglichen interkulturellen Transfers. Sprache ist darüber hinaus ein elementarer Bestandteil nationaler und kultureller Identität einer Nation, dies gilt ganz besonders für Frankreich und das Selbstverständnis der Franzosen.

Teil 1
Historischer Überblick / Kolonialgeschichte

Bevor wir uns dem aktuellen Stand der französischen Außenpolitik genauer zuwenden, soll zuerst einmal ein kurzer Blick in die Geschichte klären, inwiefern Frankreich international eine Rolle gespielt hat.

Beginnen wollen wir in der Zeit der Aufklärung – zweifelsohne eine wahre Blütezeit französischer Kultur und Philosophie. Unbestritten außerdem die enormen Auswirkungen des Schaffens der zahlreichen großen Denker: Rousseau und die Idee vom Volk als homogenem Souverän, Diderots Enzyklopädie – das damalige Standardwerk, Montesquieu und die Begründung der Gewaltenteilung in Exekutive, Judikative und Legislative und nicht zuletzt Voltaire – brief-freundschaftlich verbunden mit Friedrich dem Großem von Preußen. Theorien zu Volk und Staat, Schlüsselbegriffe wie Demokratie, Gewaltenteilung oder Souveränität, die heute alltäglich sind, wurden im 18. Jahrhundert mit Leben erfüllt.

All diese damals revolutionären Ideen und Theorien wirkten sich nicht nur auf das Leben im eigenen Land aus, sondern fanden den Weg über den Atlantischen Ozean in ein ebenso neuartiges Land, das sich in einem ebenso revolutionären Akt von den Fesseln Großbritanniens befreite: Amerika. Ausdruck der vielen Gemeinsamkeiten, die zwischen dem politischen System der jungen Vereinigten Staaten und den Ideen der Aufklärer und Staatstheoretiker im vorrevolutionären Frankreich bestanden, mag der Unabhängigkeitskrieg der USA sein. Über die Anerkennung der amerikanischen Souveränität im Jahre 1778 hinaus unterstützte Frankreich die Unabhängigkeitskämpfer sowohl militärische als auch finanziell und zahlreiche europäische Freiwillige wie etwa La Fayette und von Steuben nahmen am Krieg teil. Doch gab es durchaus nicht nur politische, staatstheoretische Übereinstimmungen, sondern auch eine gemeinsame Feindschaft zu einem Großbritannien, das krampfhaft versuchte, die amerikanischen Kolonien zu halten. Ihren schriftlichen Ausdruck fand die Kooperation schließlich im Französisch-Amerikanischen Allianzvertrag. Kurz darauf zwingt eine französische Flotte die Briten, die Belagerung Philadelphias aufzugeben. Im Jahre 1779 tritt Spanien in den Krieg ein und trägt dazu bei, dass schließlich 1780 ein französisches Expeditionskorps auf Rhode Island landet und am Hudson River den Schulterschluss mit den Amerikanern vollzieht. Nach dem Sieg über die britische Armee bei Yorktown (1782), folgen weitere französische Militäraktivitäten vor Gibraltar, Indien, Guyana und den Antillen. Schließlich beendet 1783 der Vertrag von Versailles den Krieg mit der Anerkennung der Autonomie. Frankreich erhält von seinem Erzfeind einige Antilleninseln, sowie St.-Pierre-et-Miquelon und den Senegal; Kanada und Gibraltar bleiben britisch.

Wenn man zur Zeit des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts von einem sogenannten Europe Napoléonienne spricht, hat dies absolut seine Berechtigung. Ein großer Teil der Brüder Bonaparte herrschte in europäischen Königreichen: Napoléon nicht nur in Frankreich, sondern auch in Italien, Jérôme in Westfalen, Joseph zuerst in Neapel, später in Spanien und schließlich Louis in Holland. Der Einflussreichste unter ihnen war jedoch zweifelsohne Napoléon Bonaparte. Sein Wirken, dass die französischen Grenzen sprengte, wirkte über die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hinaus nach.

Mit der Schaffung des Rheinbundes im Jahre 1806 beendet er die Existenz des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation von 962. Napoleon wird Protektor und militärischer Oberbefehlshaber von 16, später 36 deutschen Kleinstaaten. Nur ein Jahr später verhängt er die Kontinentalsperre, die allen englischen Schiffen und Produkten den Zugang zu sämtlichen europäischen Häfen unmöglich macht. 1808 begibt sich der französische Kaiser während eines sechsjährigen Kirchenkonflikts in Opposition zu Papst Pius VII. Rom und der Kirchenstaat werden besetzt und trotz seiner Exkommunikation läßt Napoléon Pius verhaften und annulliert das Konkordat. Die von ihm geführten Revolutionskriege sind historische Ereignisse, deren Wirkung sich – zum Nachteil Napoleons – verselbstständigte. Nach den anfänglichen, territorial einträglichen Siegen muss Napoleon mehr und mehr Niederlagen verkraften. Die zunehmenden Spannungen mit Russland, der Bruch der Kontinentalblockade 1810 verleitet den als genial bekannten Feldherrn zum desaströsen Russlandfeldzug 1812. Der für die französischen Truppen viel zu kalte russische Winter und die Taktik der Verbrannten Erde in Moskau zermürben und dezimieren das zurückweichende Heer und führen zur Niederlage. Unter der Knute der französischen Besatzung finden die Völker Europas zu ihrer eigenen Identität, sie besinnen sich auf ihre Geschichte und erheben sich in neugewonnenem nationalem Bewusstsein für ihre Unabhängigkeit und Freiheit. 1813 schließlich gewinnt die Sechste Koalition (England, Österreich, Russland, Preußen und Schweden) die entscheidende Völkerschlacht bei Leipzig. Napoleon ordnet den Rückzug über den Rhein an und kapituliert in Paris, die Grenzen von 1789, die er gesprengt hatte, wurden wiederhergestellt. Die endgültige Niederlage Napoleons in der Schlacht von Waterloo wird zum geflügelten Wort und verhilft ein Jahrhundert später einer schwedischen Band zum großen Durchbruch. Der französische Sieg gegen die Dritte Koalition bei Austerlitz gab einem Pariser Bahnhof seinen Namen, ebenso wie die Schlacht bei Trafalgar einer Londoner Sehenswürdigkeit ihren Namen gab.

Der Wiener Kongress 1815 ist darum bemüht, eine Neuordnung des napoleonischen Europas zu erwirken. Frankreich wird jedoch nur territorial, nicht aber politisch geschwächt, und wird Mitglied in der restaurativen Heiligen Allianz der europäischen Monarchen.

Nach der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die vor allem geprägt war von innenpolitischen Unruhen, republikanischer Opposition, politische motivierten Attentaten und den Revolutionen von 1830 und 1848, verstärkte Frankreich sein europäisches Engagement. Ein wichtiges Ereignis ist hier der Krim-Krieg (1853-55). Zahlreiche französische Interessen im Ausland wurden hier berührt, so etwa der Wunsch nach europäischem Gleichgewicht, der sich in einer Allianz mit England niederschlug, die Verteidigung eigener Interessen im Mittleren Osten und der Kampf gegen den Panslawismus1, den man gemeinsam im Krieg besiegte. Auf dem Pariser Kongress 1856 verschafft der Gastgeber den Staaten Serbien, Moldawien und der Walachei die Unabhängigkeit und dem Schwarzen Meer politisch-militärische Neutralität. Frankreich wird Hegemonialmacht in Europa, spielt beispielsweise später eine entscheidende Rolle beim Zusammenschluss von Moldawien und der Walachei zu Rumänien und löst die Heilige Allianz auf. Der ehemalige Bündnispartner England und auch Russland entfernen sich von der europäischen Bühne und das im Wiener Kongress durch Metternich noch so dominante Österreich wird isoliert.

Erst der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 kann einen Schlusspunkt unter die französische Hegemonie in Europa setzen. Ein vom damaligen deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck geschickt fingiertes Telegramm, die sogenannte Emser Depesche2, macht alle Bemühungen der französischen Diplomatie zunichte, sich mit den süddeutschen Staaten zu verbünden und entzündet den schon lange schwelenden Rivalismus zum Krieg. Deutschland ist siegreich und bemüht sich, dem Unterlegenenseine Niederlage bewusst zu machen. Man besetzt ein Paris, das von den Kämpfen der Commune gebeutelt wird. Im Laufe der Friedensverhandlungen verliert Frankreich das Elsaß und verpflichtet sich zur Zahlung hoher Reparationen. Demonstrativ wird im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Reich gegründet und das Zweite Französische Kaiserreich wird langsam abgelöst durch die Dritte Republik.

Aufgrund ihrer großen Bedeutung wollen wir nun die Kolonialgeschichte Frankreichs zusammenfassen. Bereits im 16. und 17. Jahrhundert beteiligt sich Frankreich an Erschließungen auf dem amerikanischen Kontinent, insbesondere in Kanada und in Louisiana, wo sich noch heute in Architektur, Sprache und Kultur französische Einflüsse erkennen lassen. 1608 gründet Champlain die Provinz Québec. Auch in Westindien, in Guayana, im afrikanischen Senegal, auf der Insel Réunion und bei der Eroberung Indiens engagiert sich Frankreich Der insgesamt eroberte Besitz beträgt schließlich über 4 Mio. Quadratkilometer – es entsteht das „Premier Empire Colonial”. In der Folge des Siebenjährigen Krieges (1756-63) jedoch geriet es in ernsthafte Gefahr. Die Rivalität mit England um den Mittelmeerhandel und die Eroberung von Kolonien führte dazu, dass sich Frankreich im Vertrag von Versailles mit Österreich zusammenschloss. Es folgen harte Kämpfe gegen ein englisch-russisches Bündnis, die schließlich den Verlust Kanadas, der Antillen und der indischen Besitzungen zur Folge haben. Der Friede von Paris belässt Frankreich lediglich Martinique, Guadeloupe und fünf Kontore in Indien. Er ist gleichzeitig des Ende des Premier Empire Colonial Français.

Erst in der Blütezeit von Imperialismus und Nationalismus, dem 19. Jahrhundert, wird Frankreich wieder eine der aktivsten Kolonialmächte. Es erobert Algerien, anschließend Nossi-Bé, Mayotte und Tahiti. Das neu entstandene Deuxième Empire Colonial wächst außerdem um Neu-Kaledonien, Senegal und Dakar. Zwei Jahre später beginnt Frankreich seine Aktivitäten in Indochina und kolonialisiert China, Cochin-China, Annam sowie Kambodscha. Nach dem Italienischen Krieg erhält Frankreich außerdem Nizza und Savoyen.

Machthungrig und realitätsfern will die Kolonialmacht 1860 in Mexiko nach der Niederschlagung von Unruhen ein katholisches Reich errichten, um auf dem Neuen Kontinent eine moralisch und wirtschaftlich starke Gegenposition zu den USA einzunehmen. Dieses Unternehmen ist von vornherein zum Scheitern verurteilt: große Verluste an Soldaten, Zeit und Geld für ein utopisches Ziel schaden dem französischen Ansehen in der Welt und nehmen die Niederlage der demoralisierten Armee in Sedan 1870/71 vorweg.

In Afrika aber sind die Anstrengungen erfolgreicher. Nach 1870 gehören unter anderem die saharischen Teile Tunesiens, das Kongogebiet, der Sudan, Madagaskar, Marokko, die Elfenbeinküste und Guinea zum Empire Colonial. Es kommt jedoch zunehmend zu Konflikten mit anderen Kolonialmächten aufgrund sich überschneidender Interessen. So leben etwa in Tunesien italienische Siedler, im Sudan gibt es Konfrontationen mit englischen, in Marokko mit deutschen Truppen.

Allein mit Russland gelingt eine Verteidigungsallianz, bevor 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht. Im Versailler Friedensvertrag erhält Frankreich die deutschen Mandatsgebiete Togo und Kamerun, kurz darauf von der Türkei Syrien und den Libanon. Das Empire Colonial umfasst jetzt über 12 Mio. km² und mehr als 100 Mio. Einwohner.

Dieser Höhepunkt markiert zugleich die Wende im französischen Kolonialismus: 1925/26 kommt es zu kriegerischen Auseinandersetzungen in Marokko (Rif-Krieg), es entstehen nationalistische Bemühungen im arabischen Raum, Forderungen nach Autonomie und Unabhängigkeit werden laut.

Schließlich folgt 1943/44 der Verlust des Mandats über Syrien und den Libanon. Kommunistische Einflüsse verbreiten sich besonders in Indochina. Eine Neuordnung des 6 / 22 La France dans le monde überseeischen Besitzes wird notwendig, kann jedoch den Zerfall des Empire Colonial nicht mehr aufhalten. Die blutigen Unruhen in Marokko, Tunesien, Algerien und der über neunjährige Indochina-Krieg sind ein trauriger Schlusspunkt. Ein Neuanfang nach dem Vorbild des britischen Commonwealth ist die Gründung der Union Française im Oktober 1946. In lockerer politischer Form schließt sich Frankreich mit einigen Kolonien zusammen.

Nach und nach erkämpfen sich jedoch die meisten Gebiete – leider oft blutig – ihre Autonomie. Die Dekolonisation nimmt ihren Anfang, doch Frankreich beharrt auf seiner „grandeur“ und reagiert auf die Unabhängigkeitsbestrebungen der ehemaligen Kolonien repressiv. Zusehends setzten sich jedoch die Vertreter eines kolonialen Verzichts durch.

In Genfer wird 1954 der langjährige Indochina-Krieg beendet, das geteilte Vietnam, Kambodscha und Laos verlassen die Union Française und erlangen in der Folgezeit ihre Autonomie, ebenso Tunesien und Marokko. Noch im selben Jahr beginnt jedoch in Algerien ein blutiger Krieg um die Unabhängigkeit, verhärtete Standpunkte auf beiden Seiten führten zu blutigen Auseinandersetzungen. Der Kampf um die ehemalige Kolonie, in der über 800000 französische Siedler lebten, und deren Widerstand führten schließlich zum Untergang der IV. Republik, der Rückkehr de Gaulles und der Ausarbeitung einer neuen Verfassung für eine neue, V. Republik. Algerien wurde unabhängig und die Algerienfranzosen kehrten in ihr Mutterland zurück.

Die neue Verfassung sah die Umwandlung der Union Française zur 1. Communauté Française vor, eine staatsrechtliche Vereinung der ehemaligen Kolonialmacht mit den autonomen (später unabhängigen) Gebieten in Äquatorial- und Westafrika und Madagaskar unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten und eines Exekutivrates. Nach der Entlassung vieler Mitgliedsländer in die Selbständigkeit wurde 1960 die zweite Communauté Française ins Leben gerufen. Neben dem heutigen Kongo3, Gabun, Madagaskar, Senegal und dem Tschad schloß Frankreich auf völkerrechtlicher Basis auch Verträge mit der Elfenbeinküste, Mauretanien und Kamerun. Nicht nur am Bedeutungsverlust der beiden Communautés lässt sich der fortschreitende Dekolonisationsprozess erkennen.

Wie sieht angesichts dessen die gegenwärtige französische Afrika-Politik aus? Nach eigener Aussage hat man im Elysée-Palast Afrika zu einer außenpolitischen Priorität erklärt. Im Vordergrund stehen die Förderung der Demokratisierung und die Festigung von Demokratie und Rechtsstaat, jedoch ohne jegliche Einmischung in interne Belange der Nationen. Dies ist keineswegs ein Rückzugs, eher eine Revision. Fragen der afrikanischen Sicherheit werden multilateral in Übereinstimmung mit den bestehenden Verteidigungsabkommen behandelt werden, die militärische Präsenz wird weitgehend aufrecht erhalten und soll auf neue Aufgaben wie Friedenssicherung und humanitäre Einsätze vorbereitet werden. So gab es 1978/79 ein französische Interventionen in Zaire und Zentralafrika, 1983 im Tschad und in der jüngeren Vergangenheit in Ruanda oder Somalia.

Der kritische Betrachter wird bemerken, dass all diese hehren Ziele natürlich nicht ganz uneigennützig sind. Angesichts wachsender gesellschaftlicher Spannungen in Frankreich aufgrund der Migrationsproblematik wird humanitäre, politische, militärische und Entwicklungshilfe quasi zur Notwendigkeit. Die Franzosen definieren ihren Sitz im Sicherheitsrat der UN und ihre Fürsprecherrolle für die Dritte Welt über ihre Sonderstellung auf dem afrikanischen Kontinent. Besonders auf politischer Ebene wird außerdem deutlich, dass es sich zwangsläufig um langfristige Hilfe handeln muss, bis man erste dauerhafte Erfolge bei der Durchsetzung von Demokratie und Menschenrechten erzielen kann. Oft erweisen sich dann Nicht-Regierungsorganisationen oder gar Privatinitiativen als flexibler

Außerdem schafft man sich durch ökonomische Unterstützung einen potenten Handelspartner. Bei Weltbank und Internationalem Währungsfonds macht sich Frankreich für eine Klärung der Schuldenfrage ein, seine G7-Partner konnte es beim Gipfel in Lyon 1996 von einem umfangreichen Schuldenerlass für die ärmsten Entwicklungsländer überzeugen. Damit dies keine Dauerlösung wird, liegt es auf der Hand, dass die Entwicklungs- und Schwellenländer bei der Konsolidierung ihres Finanzwesens kräftig unterstützt werden.

Frankreich ist sich ebenfalls bewusst, dass die frankophonen Länder Afrikas nicht bevorzugt werden dürfen, sondern dass auch die portugiesisch-, spanisch- und englischsprachigen Nationen mit einbezogen werden müssen. Ein nicht unbedeutender Bestandteil der Afrika-Politik sind die französischen Staatsbürger auf dem schwarzen Kontinent. Vor vier Jahren lebten südlich der Sahara 114000 von ihnen – mehrheitlich im frankophonen Schwarz-Afrika. Ihre Zahl ist jedoch rückläufig.

Mit der Schaffung eines Hohen Rates für internationale Zusammenarbeit bemühen sich die Außenpolitiker, alle Aktionen mit den privaten Vertretern (Nichtregierungsorganisationen, Stiftungen, Journalisten, Vertreter kommunaler Körperschaften) zu koordinieren oder salopp gesagt, diese ein wenig „im Zaum zu halten“.

Bereits 1957 sagte François Mitterand – damals als Überseeminister der IV. Republik in seinen Überlegungen zur Überseepolitik – dass es „ohne Afrika im 21. Jahrhundert keine Geschichte Frankreichs geben [wird]“ und 25 Jahre später, dass „die Zukunft Afrikas von vorrangiger Bedeutung für die Sicherheit Frankreichs [ist]“ und hat damit wohl den Nagel auf den Kopf getroffen.

[...]


1 von Westeuropa (vor allem in der Religion) befürchtete Bedrohung durch Russland

2 Der deutsche H. Abeken informierte damit Kanzler Bismarck über eine Unterredung Kaiser Wilhelms mit dem französischen Gesandten Graf Benedetti. Benedettis diplomatische Forderung nach einem Verzicht deutscher Fürsten auf die spanische Erbfolge wurde von Bismarck überspitzend zu einem Ultimatum umformuliert und veröffentlicht. Dieser diplomatische Affront war Anlaß für den Dt.-Frz. Krieg.

3 Kongos Hauptstadt Brazzaville wurde benannt nach ihrem Gründer Pierre Savorgnan de Brazza (1852 – 1905), ein französischer Afrikaforscher und Kolonialpionier italienischer Abstammung 7 / 22 La France dans le monde und effizienter als Ministerien und Behörden, sie können einen direkteren Kontakt mit der Bevölkerung erreichen und Überzeugungsarbeit leisten.

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Details

Titel
La France dans le monde
Hochschule
Universität Leipzig
Veranstaltung
Seminar Frankreich 2000
Autor
Jahr
2000
Seiten
22
Katalognummer
V106977
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
France, Seminar, Frankreich
Arbeit zitieren
Alexander Drechsel (Autor), 2000, La France dans le monde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106977

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