Michel Foucault und die Auswirkungen auf die deutsche Geschichtswissenschaft


Seminararbeit, 2001
17 Seiten, Note: 1,0

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Gliederung:

1. Einleitung

2. Foucaults Thesen

3. Schwierigkeiten der Foucault-Rezeption
3..1 Politischer Hintergrund von „Überwachen und Strafen“
3..2 Methodik Foucaults
3..3 Rezeptionsverzögernde Ansätze
3.3.1 Die Frankfurter Schule
3.3.2 Nietzsches Einflüsse
3.3.3 Andere Machtkonzepte

4. Auswirkungen auf die deutsche Geschichtswissenschaft
4.1 Die Forschung auf dem Feld der historischen Kriminologie
4.2 Die Forschung auf dem Feld der sozialen Disziplinierung

5. Schlussbetrachtungen

6. Siglen

7. Bibliografie

1. Einleitung

Das 1975 in Frankreich erschienene „ Surveiller et punir. La naissance de la prison “ stellt eine „Neuorientierung“1 in Foucaults Denkens dar - es steht zwischen den Stu- dien zur Geburt der Institutionen und dem Thema der Macht2. Vorher hatte er sich mit der Ausgrenzung der Wahnsinnigen und der Entwicklung der Klinik beschäftigt3. Foucault wandte sich in „ Ü berwachen und Strafen “ von den „positiven“ Humanwis- senschaften (Psychoanalyse, Ethnologie und Linguistik) ab und entlarvt diese als das „Disziplinierende“ der modernen Gesellschaft4. Bis zu diesem Zeitpunkt ging es ihm vorrangig um die Grenzziehungen innerhalb der Gesellschaft und des diskursiven Wissens. Das Thema Macht, innerhalb der konstituierenden Diskurse, war schon in vorherigen Schriften Gegenstand seiner Untersuchungen, aber zur Ausformulierung einer „Machttheorie“ kommt es erst in „ Ü berwachen und Strafen “ - für ihn ein „philo- sophisches Thema", dem er sich jedoch „über Geschichte und Soziologie“5 nährt6.

Ob Foucault nun Philosoph, Historiker und/oder Soziologe war, bleibt unklar, da vor allem die strengen Grenzen (innerhalb) der Forschungsbereiche ein wesentliches Hindernis bei seiner Rezeption darstellen7. Insbesondere die historische Kriminologie, ein Teilgebiet der Rechtsgeschichte, beschäftigte sich früh mit Foucaults Thesen, wenn auch kritisch und polemisch8.

Im folgenden soll es vor allem um die Frage gehen, ob und wie Foucaults Ansätze, die in „Überwachen und Strafen“ entwickelt werden, von der Geschichtsschreibung verwertet werden können. Die deutsche Historiografie steht ihm, trotz seiner Nähe zur französischen Schule Annales9, skeptisch gegenüber10 - sein Thema wurde lange „am Rande der »eigentlichen« Historie“11 eingeordnet.

2. Foucaults Thesen

Wie bereits eingangs erwähnt, bildet Foucaults „ Ü berwachen und Strafen “ ein Binde- glied zwischen verschiedenen Themen, die alle in diesem Buch behandelt werden:12

1. Der Anfang einer Ideengeschichte der Macht 2. die Fortsetzung der Geschichte der Randgruppen und 3. der Diskursanalyse. Diese drei Themen hängen alle unmit- telbar mit den Begriffen Institution, Macht und Disziplin zusammen13. Er beschreibt seine Intention wie folgt: „Thema dieses Buches ist eine Korrelations- geschichte der modernen Seele und einer neuen Richtgewalt. Eine Genealogie des heutigen Wissenschaft/Justiz-Komplexes, in welchem die Strafgewalt ihre Stützen, ihre Rechtfertigungen und ihre Regeln findet, ihre Wirkungen ausweitet und ihre un- geheure Einzigartigkeit maskiert.“ (ÜS 33) „Es soll also der Versuch unternommen werden, die Metamorphose der Strafmethoden von einer politischen Technologie des Körpers her zu untersuchen, aus der sich vielleicht eine gemeinsame Geschichte der Machtverhältnisse und der Erkenntnisbeziehungen ablesen lässt. So könnte aus der Analyse der Strafmilde verständlich werden, wie der Mensch, die Seele, das normale oder anormale Individuum zu weiteren Zielen der Strafintervention neben dem Verbrechen geworden sind; und wie eine spezifische Unterwerfungsmethode zur Geburt des Menschen als Wissensgegenstand für einen »wissenschaftlichen« Dis- kurs führen konnte.“ (ÜS 34f.) Schon die ersten Seiten, auf denen die Marter Da- miens’ einer „modernen“ Gefängnisordnung gegenübergestellt werden, welche die „Ökonomie der Zeit“ (Marx)14 abbildet, machen diese „Metamorphose“ deutlich. Er entdeckt durch seine „Genealogie“ einen Machtkomplex, der „nicht als Effekt eines Zentrums, einer gesellschaftlichen Zentralinstanz oder reiner herrschenden Klasse begriffen werden“15 kann. Diese Macht, die für niemanden mehr fassbar ist, vermittelt den Eindruck eines „Kerkersystems“ (ÜS 390), das die gesamte Gesellschaft durch- zieht und das mit seinen Überwachungsmechanismen „Disziplinarindividuen“ (vgl. ÜS 397) produziert; fast alle Bereiche des Lebens (Fabriken, Schulen, Kasernen) werden von diesen Machtmechanismen durchzogen. Es wird also nicht nur die Geburt des Gefängnisses beschrieben, sondern auch die der Disziplinargesellschaft16 und der Humanwissenschaften17. Der Mensch muss in der „Mikrophysik der Macht, die von Apparaten und Institutionen eingesetzt wird“ (ÜS 38), leben. Mit diesem „Kerker-Universum“18 stößt Foucault auf starken Widerstand, da man in Deutschland in weiten Kreisen an einer Fortschrittsgläubigkeit festhält19. Dabei wird aber oft übersehen/-lesen, dass Foucault die Macht nicht nur als negatives Element darstellt: „Man muss aufhören, die Wirkungen der Macht immer negativ zu beschrei- ben, als ob sie nur »ausschließen«, »unterdrücken«, »verdrängen«, »zensieren«, »abstrahieren«, »maskieren«, »verschleiern« würde. In Wirklichkeit ist die Macht produktiv; und sie produziert Wirkliches. Sie produziert Gegenstandsbereiche und Wahrheitsrituale: das Individuum und seine Erkenntnis sind Ergebnisse dieser Pro- duktion.“ (ÜS 250)

Gerade diese Verquickung verschiedener, in Deutschland bislang unbekannter oder kaum wahrgenommener Felder führen zu Schwierigkeiten in der deutschen Geschichtsschreibung20. Zum Einen ist das entwickelte Disziplinarkonzept zu verwerten, zum Anderen das solange brachliegende Feld der Kriminalitätsgeschichte, das nun zum Arbeitsgebiet der Historiker wird.

3 Ursachen f ü r die Schwierigkeiten der Foucault-Rezeption

3.1 Politischer Hintergrund von „Überwachen und Strafen“

Den Hintergrund dieses Werkes bildet die Arbeit Foucaults in der von ihm, Jean- Marie Domenach und Pierre Vidal-Naquet am 921. Februar 1971 gegründeten „Groupe d’information sur les prisons“ (G.I.P.) dessen Kopf er war22. Obwohl ihm das Thema nicht ganz fremd war - schon in den 60er Jahren bekam Foucault von Pierre Nora eine Studie über die embastillés angeboten23, ebenso finden sich Anklänge in „ Die

Ordnung des Diskurses24 - stammen viele gedankliche Anstöße aus den erarbeiteten Broschüren25. „Was Foucault thematisch als »Disziplinargesellschaft« (ÜS 269) und theoretisch als »Mikrophysik der Macht« (ÜS 38) in »Überwachen und Strafen« entwickeln wird, ist ohne die reale Erfahrung konkreter Konflikte im Widerstand gegen lokale Mächte kaum verständlich.“26

Diese Gruppe, die sich als Reaktion auf die Bildung einer Kommission zur Ausarbei- tung einer „Spezialverfassung für Gefängnisse“ (MdM 8) konstituierte, verstand sich in erster Linie als „Sprachorgan“ (MdM 20) der Gefangenen, deren wenige Rechte, die ihnen verblieben waren, missachtet wurden. Die G.I.P. stand den Maoisten sehr nahe27, zu denen Foucault sehr enge und persönliche Beziehungen pflegte und sich auch bei diesen „aktiv-politisch“ einsetzte28. Foucault schreckte nicht vor „militanten Aktionen“29 zurück und lernte aus seiner Arbeit mit und für die G.I.P viel für seine Studie „ Surveiller et punir “: „L’observation de la prison contemporaine, dans son in- temporalité relative, lui a permis de mieux comprendre celle du passé, si proche et le caractère surréel du proliférant discours qui l’accompagne.“30 „Fabrication du délin- quant, gestion des illégalismes : on aura reconnu quelques uns des thèmes de »Sur- veiller et Punir« . On mesure ainsi de quelle expérience directe et concrète ce livre est nourri. Grand livre sur le nocturne des sociétés, il s’alimente à la leçon des ténè- bres.“31

Dass Foucaults Studie aufgrund einer solchen Entstehungsgeschichte und „angesichts seines Schwenkens zur extremen Linken und seiner Parteinahme für radikale Positionen in den siebziger Jahren“32, von vornherein einen Malus33 als „Nach-Mai- Dokument“ gehabt haben muss, ist beinahe verständlich. Zumal „diese Arbeit nur in diesem Kontext eine ihr angemessenen Rezeption erfahren kann“.34

3.2 Methodik Foucaults

In „Überwachen und Strafen“ betritt Foucault kein neues, aber wenig beachtetes Forschungsgebiet, sondern verfolgt vielmehr einen neuen Ansatz35. In Deutschland nahmen sich diesem Thema erstmals 1939 G. Rusche und O. Kirchheimer an, auf die sich Foucault in seiner Studie bezieht, ansonsten betritt er aber weitestgehend Brachland - insbesondere in Deutschland.

Methodisch greift er den Gegenstand nicht an seinen beiden Enden, sondern in der Mitte36. Die übliche Verallgemeinerung zwischen Regierten und Regierenden wird bei Foucault nicht vorgenommen37, der „globalen Geschichtsschreibung“ wird ein Ende gesetzt38. Er beschreibt die Praktiken der Menschen „wie sie wirklich sind“39, „er beschreibt die Konturen, die Ecken und Kanten von dem, was sie tun.“40 Entgegen der gängigen Geschichtsschreibung beschreibt er nicht den „Ursprung“ (NGH, S. 69) und Werdegang der Gefängnisse, sondern die Geschichte der Disziplin/Macht als Reaktion auf die sich wandelnden, gesellschaftlichen Zustände.

Er selbst bezeichnet diese Methode als „Genealogie“ (OdDis 39), in Anlehnung an Friedrich Nietzsche. Sein Ziel ist es, eine „Geschichte der Gegenwart“41 zu schrei- ben, und nicht zu versuchen „Sinn und Bedeutung einer vergangenen Epoche einzu- fangen“42, wie es traditionell üblich ist. Die Zahl der Vergehen/Verbrechen gegen das Eigentum nimmt im protoindustriellen Zeitalter aufgrund der Kapitalakkumulation ra- pide zu (vgl. ÜS 107). Aufgrund dieser Tatsache kommt es zu einer Transformation des Strafsystems. Foucault will genau diese Transformation näher beleuchten und ihre weitreichenden, oft als gegeben hingenommenen, Auswirkungen offen legen. Er will eine Dechiffrierung der Praktiken43 in den Gefängnissen und der damit verbun- denen körperlosen Macht(-ausübung) beschreiben (vgl. ÜS 26), aber er zielt auch darauf ab, „den Ort des Subjekts, des Subjektivismus und des modernen Individuums zu rekonstruieren“44. Es geht nicht, wie in der deutschen Geschichtsschreibung so oft, um Ereignisse45 oder Akteure, sondern um die „Konstituierung“ (vgl. DdM 32) einer „Praktik“, die zur Disziplinierung der Gesellschaft führt46, um die „Bestimmung des Sichtbaren und des Sagbaren in jeder Epoche, die die Verhaltensweisen und die Mentalitäten, die Ideen überschreitet, da sie sie ermöglicht“47. Im Gegensatz zur gängigen Geschichtsschreibung versucht er nicht Sagbares chronologisch zu ordnen und die Ereignisse als Actio und Reactio darzustellen, sondern vielmehr das Sichtba- re zur Sprache zu bringen, Wahrnehmbares, aber bisher nicht in Worte Gefasstes zu offenbaren. Somit sollen die „Geschichte im Singular“ und die „falschen Kontinuitä- ten“ aufgelöst werden48 - die Dekonstruktion des Historikers wird zum Ziel Fou- caults49.

Außerdem versucht Foucault die Neigung des „Vernunft-Menschen“ zu Objektivie- rung auch auf die Errungenschaften der Aufklärung zu übertragen, die man längst nicht so kritisch und vielfältig beleuchtete, obwohl man sie immer als kritisch betrach- tet ansah. Aber die „präsentistischen“50 Historiker bedienen sich bei der Analyse im- mer der Gegenwart, der gegenwärtigen Begriffe, Methoden und Institutionen. Man berücksichtigt nicht, dass man aufgrund des eigenen Gedankenhorizonts, welcher der Aufklärung entwachsen ist, nicht zu ausreichender Objektivierung fähig ist51. Es geht um die Negation der „transhistorischen Realitäten“52 und eine „interpretative Analytik“53 der Geschichte.

Foucault befindet sich jedoch nicht auf der Suche nach einem tieferen Sinn, der dem Verfolgen der Entwicklungen sonst immer anhaftete. Vielmehr verneint er die Entwicklung zugunsten der „Diskontinuitäten“54. Eine Entwicklung würde nämlich immer voraussetzen, dass alles schon im Anfang angelegt war, und es sich insgesamt nur um einen Reifungsprozess handelt55.

3.3 Rezeptionsverz ö gernde Ans ä tze

3.3.1 Die Frankfurter Schule

Die Frankfurter Schule behindert bis dato wesentlich die Foucault-Rezeption, unter deren „Fernwirkungen“56 bis heute die deutsche Anthropologie steht. Foucaults Wir- ken wurde hauptsächlich durch „ Die Dialektik der Aufkl ä rung “ von Adorno und Hork- heimer verzögert: Diese wurde im Exil formuliert, 1947 in Amsterdam gedruckt und legt den Rückschlag der Aufklärung in die „Mythologie“ dar57. Weitreichenden Ein- fluss gewann diese Schrift vor allem nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus. Es wird aber oft übersehen, dass die „ Dialektik der Aufkl ä rung “ „vom Standpunkt der Utopie einer unentstellten Menschheit aus“58 formuliert wird. Auch wenn die „Ge- meinsamkeiten beider Projekte“59 immer wieder betont worden sind (so etwa die po- lemische Wortwahl: Adorno/Horkheimer: "Die Aufklärung verhält sich zu den Dingen wie der Diktator zu den Menschen. Er kennt sie, insofern er sie manipulieren kann“60. Foucault: „Die Folter, das ist die Vernunft“61 ), tun sich doch bei genauer Betrachtung erhebliche Unterschiede auf: Im Gegensatz zur Konzeption der Frankfurter Schule liefert Foucault mit seiner „Disziplinargesellschaft“ und seinem Machtkonzept eine rein negative Orientierung der Gesellschaft (nicht der Macht als solcher !), die weder Auswege zulässt noch zeigt62. Eben diese Ausweglosigkeit brachte Foucault den Ruf eines Gegen-/Antiaufklärers63.

3.3.2 Nietzsches Einflüsse

Nietzsches Gedanken, die großen Gedanken des Kritikers der Moderne, der mit sei- nem imposanten Stil und seinem „Feldzug gegen die Moral“64 vielfach große Wider- stände gegen sein Werk erzeugte, steht seit den siebziger Jahren bei Foucault, be- ginnend mit der „ Ordnung des Diskurses “, immer mehr im Mittelpunkt. Dass sein Werk auch schon vorher dem Gedankengut Nietzsches verwurzelt war, vielleicht ohne es zu wissen, zeigt die Relativierung der Wahrheit im „archäologischen“ Werk65.

Foucault stellt seine genealogische Methode66 allein schon durch den verwendeten Begriff in die Nähe Nietzsches. „Als Analyse der Herkunft steht die Genealogie also dort, wo sich Leib und Geschichte verschränken. Sie muss zeigen, wie der Leib von der Geschichte durchdrungen ist und wie die Geschichte am Leib nagt.“ (NGH 75)67 Die Parallelen mit Nietzsches Genealogie der Moral sind übersehbar. Ü berwachen und Strafen ist letztendlich nichts anderes als ein Kommentar auf Nietzsches Moral- genealogie68. Foucault spricht von den verdeckten Mechanismen zur Regulierung und Normierung des Menschen, die vom Körperlichen ins „Seelische übersetzt auf- treten“69, und somit greift er das Thema Nietzsches auf. Dass man dem französi- schen Denker, der sich in der Nähe des später von den Nationalsozialsten „bean- spruchten“ Philosophen bewegt, in Deutschland mit sehr viel Vorsicht begegnete, ist nicht weiter verwunderlich. Leider führte diese Vorsicht zu einer grundsätzlichen Mei- dung des Foucaultschen Opus, da man die philosophischen Gedanken nicht von den historischen abtrennen konnte/wollte. Aber auch der Einfluss anderer, mit äußerster Vorsicht zu genießender Machttheoretiker sind für Foucaults Wirkung wenig von Vorteil gewesen70.

3.3.3 Andere Machtkonzepte

Vor allem die Konzepte zur Entstehung der Disziplin Max Webers71 und Gerhard Oestreichs72 verhinderten lange Zeit die Wirkung Foucaults auf die Geschichtswissenschaft. Webers Werk lässt noch einige Parallelen mit Foucaults Macht erkennen73, z.B. die Vereinheitlichung der Disziplin innerhalb der „militärische[n], ökonomische[n] und administrative[n] Organisation[en]“74. Während Weber die Disziplin noch als „die Chance, kraft eingeübter Einstellung für einen Befehl prompten, automatischen und schematischen Gehorsam bei einer angebbaren Vielheit von Menschen zu finden“75 darstellt, wirkt die Foucaultsche Analyse äußerst düster76: „Die Disziplin stellt die Gesellschaft her“77, was nichts anderes heißt, als das die heutige Gesellschaft ohne die Disziplin keine Überlebenschance hat.

Auch die Darlegung Oestreichs, welche den Stoizismus zur Basis der Disziplinierung macht und diese zur „Leitidee“78 des Absolutismus, verhinderte die Entfaltung der Foucaultschen Gedanken. Auch wenn Foucault mit dem Ursprung seiner Disziplinar- gesellschaft nicht die historische Realität trifft, so muss man dennoch gestehen, dass er mit seinem „scharfen“ Blick das Bild der heutigen Gesellschaft zeichnet.

4. Einflüsse auf die deutsche Geschichtswissenschaft

In der deutschen Geschichtswissenschaft wurden die Gedanken Foucaults auf verschiedene Weisen verwertet, welche man in zwei Gruppen einteilen kann. Diese verschiedenen Konzepte sollen im Folgenden dargestellt werden.

4.1 Die Forschung auf dem Feld der historischen Kriminologie

Ü berwachen und Strafen “ bildet den Anstoß für Untersuchungen auf dem Feld der historischen Kriminalität, das traditionell den Rechtshistorikern gehörte79. So verfahren z. B. Richard van Dülmen80 und Gerd Schwerhoff81 in ihren Büchern. Sie werten vor allem den Ansatz der Forschung auf dem Feld der historischen Kriminologie aus. Van Dülmen analysiert in seinem Buch das Strafsystem der Frühen Neuzeit, und er bezeichnet Foucaults Ansatz als den „produktiven“82 auf diesem Gebiet. Gedanken des französischen Denkers finden sich vor allem bei der Darlegung der Kapitel V. und VII., in denen einerseits die Festlichkeit der Hinrichtung zur Wiederherstellung der Macht und zur Demonstration dieser dargestellt wird, andererseits die verschie- denen Methoden der Marter. Viele Punkte werden hier aufgegriffen, so etwa der Volkszorn, „Das Fest der Martern“, aber auch die „Die Milde der Strafe“. All diese Punkte beziehen sich auf die ersten beiden Kapitel von „ Ü berwachen und Strafen “. Auch die minutiösen Beschreibungen der Hinrichtungen und der vollzogenen Rituale erinnern oft an Qualen Damiens, die eingangs von „ Ü berwachen und Strafen “ ge- schildert werden. Dem Machtkonzept wird in dieser Darstellung nicht Rechnung ge- tragen. Der Einfluss Foucaults auf diese Arbeit ist aber dennoch erheblich, dem van Dülmens Buch „mehr verdankt, als sie zuzugestehen bereit ist“83. Der Übergang zur „modernen“ Gefängnisstrafe fand nach van Dülmen durch die „jahrmarktähnlichen Züge“84 statt, da die Hinrichtung durch die „Theatralisierung“ zu einem Fest für das Volk wurde85. Von einer Disziplinierung der Menschen durch eine Mikrophysik der Macht ist nichts zu spüren.

Am Übergang zwischen Kriminalitätsforschung und der Untersuchung „über soziale Konflikte und über mentale Verhaltensdispositionen“86 bewegt sich Schwerhoff in seiner Untersuchung über das frühneuzeitliche Köln: Seine Untersuchung schließt teilweise an die eher makroskopisch gehaltene Untersuchung van Dülmens an, wen- det sich aber dem mikroskopischen Raum Köln zu. Vor allem im vierten Kapitel fin- den sich starke Anklänge an Foucault. Auch findet sich hier eine Berichtigung „ Ü ber- wachen und Strafens “, ohne dessen Autor explizit zu nennen87. Der Schwerpunkt liegt jedoch eher auf den „Kriminalverfahren“, dem eine „wichtige Scharnierfunktion“88 zukommt.

4.2 Die Forschung auf dem Feld der sozialen Disziplinierung

Vor allem Martin Dinges verfolgt den Ansatz des Foucaultschen Disziplinarkonzepts, das „zum schillernden Anreger alle jener Forschung geworden [ist], die im Begriff der »Sozialkontrolle« den Leitbegriff der historischen Analyse sehen“89: Seiner umfas- senden Arbeit „ Der Maurermeister und der Finanzrichter90 gehen mehrere Aufsätze voraus, in denen er das Prinzip der sozialen Kontrolle ausarbeitet. Er baut das Konzept der Disziplinargesellschaft um, in dem er die „Überwachung“ durch das soziale Umfeld sehr stark betont. Seine Forschungen beziehen sich über- wiegend auf die Einflussnahme der „Alltagsideen“ auf den Bereich der Rechtsspre- chung91. Das Kapitel „Soziale Kontrolle in der Nachbarschaft und durch Nutzung des Justizsystems“ weist die stärksten Bezüge zu Foucaults Macht ohne Zentrum92 auf, welche nun in der „Gesamtheit der Maßnahmen, die darauf abzielen, abweichendes Verhalten eines Mitgliedes einer Gesellschaft zu verhindern oder einzuschränken“93, in der Gesellschaft Paris’ praktiziert wurde.

Robert Jütte verwendet ebenfalls Ü berwachen und Strafen als Ausgangspunkt für seine Untersuchung zur Disziplinierung der Armenfürsorge94. Er macht darauf auf- merksam, dass sich Foucault explizit nur auf den französischen Raum in seiner Un- tersuchung bezieht und dass man seine Thesen „vom spezifisch französischen Erklä- rungshintergrund lösen und ihre Brauchbarkeit für die Analyse historischer Entwick- lungen und Prozesse in anderen räumlichen und zeitlichen Bezügen jeweils am Ein- zelfall überprüfen“95 müsse. In Bezug auf Foucaults Texte legt er das Prinzip der „Parzellierung“, „Hierarchisierung und Klassifizierung“ dar und belegt damit seine „Brauchbarkeit“.

5. Schlussbetrachtung

Wer ist nun Michel Foucault? Ein Philosoph, mit einem „paradoxen Unternehmen“96, „der vollendete Historiker“97 ? Wahrscheinlich beides!

Sein Konzept der Geschichtsschreibung, mit seinem weitsichtigen, aber „bösen“98 Blick, rückte die „großen thematischen Herausforderungen“99 in das Feld der „braven Ideengeschichte“100. Auch wenn die Rezeption von Foucaults Gedanken erst sehr spät einsetzte und nach wie vor ein großer Nachholbedarf besteht, so sind doch in- zwischen erhebliche Fortschritte auf dem Feld der historischen Kriminalitätsfor- schung außerhalb der Rechtsgeschichte zu verzeichnen: Vor allem auf dem Gebiet des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit wird verstärkt geforscht101.

Insbesondere möchte ich noch einmal die Arbeiten Martin Dinges hervorheben, der es sich zum Ziel setzt, die Rezeption Foucaults in Deutschland voranzutreiben. Der von ihm verfolgte Ansatz zur gegenseitigen Abhängigkeit zwischen Beherrschten und Beherrschenden scheint ein fruchtbarer Boden zu sein, auf dessen Grundlage man noch einiges über das Zusammenspiel zwischen „der allgemeinen Geistes- und Kulturgeschichte“102 erfahren kann.

Die deutsche Historiografie muss noch vieles nachholen, um über die traditionellen Grenzen hinweg zukommen. Es gibt ein riesiges Feld innerhalb der Geschichte, für das sich lange Zeit niemand zuständig fühlte, insbesondere Frankreich, die USA und England103 bemühen sich um das Vorantreiben der historischen Anthropologie, die sowohl philosophische, historische und soziologische Züge trägt. Die Erträglichkeit dieses Feldes wird oft unterschätzt, „von der wichtige Impulse auf die moderne Sozi- algeschichte ausgehen“104.

6. Sigeln:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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[...]


1 G. Deleuze Foucault, Frankfurt a.M. 1987, S. 47.

2 Dieses Thema wird in „ Lettres de cachet “ und im ersten Band von Sexualität und Wahrheit fortgesetzt.

3 1961 erschien Histoire de la folie à â ge classique, zwei Jahre später Naissance de la clinique. Une arch é ologie du regard m é dical.

4 Vgl.: W. Welsch: ‘Präzision und Suggestion. Bemerkungen zu Stil und Wirkung eines Autors’, in F. Ewald/B. Waldenfels (Hrsg.) Spiele der Wahrheit, Frankfurt a.M. 1991, S. 144.

5 Maurice Blanchot: Michel Foucault, Tübingen 1987, S. 13.

6 Im Gegensatz dazu: P. Veyne: Die Revolutionierung der Geschichte, Frankfurt 1992 - „Foucault ist der vollendete Historiker, ist die Vollendung der Historie.“ (S. 7).

7 Vgl. M. Dinges: ‘The Reception of Michel Foucault’s Ideas on Social Discipline, Mental Asylums, Hospitals and the Medical Profession in German Historiography’, in: Reassessing Foucault, London and New York, S. 201.

8 Vgl. Kriminalsoziologische Bibliografie 19, 1978.

9 Vgl. Peter Burke: Offene Geschichte. Die Schule der Annales, Berlin 1991, vor allem bei den Arbeitsmethoden gibt es große Überschneidungen (S. 7) - auch wenn die Annales seiner Ansicht nach noch viel von der Betonung der Diskontinuitäten lernen muss (S. 105).

10 D. Peukert spricht 1991 noch von „Rezeptionsverweigerung“ (S. 322), ‘Die Unordnung der Dinge. Michel Foucault und die deutsche Geschichtswissenschaft’, in F. Ewald/B. Waldenfels (Hrsg.): Spiele der Wahrheit. Michel Foucaults Denken, Frankfurt a.M. 1991.

11 D. Peukert, a.a.O., S. 321.

12 Vgl. H. Fink-Eitel: Michel Foucault zur Einf ü hrung, Hamburg 1990, S. 70-79, W. Stangl ‘Irritierte Anmerkung zu Michel Foucault’, in: Kriminalsoziologische Bibliografie Jg. 5, 19-20, S. 53-59, 1978 und Michel Foucault Ü berwachen und Strafen, Frankfurt a.M. 1977.

13 Vgl. R. Fisker Michel Foucault, München 1991, S. 60.

14 Zu Foucaults Marx-Bezug: S. Breuer ‘Foucaults Theorie der Disziplinargesellschaft. Eine Zwischenbilanz’, in: Leviathan 3 1987, S. 319-337.

15 S. Breuer, a.a.O., S. 321.

16 Vgl. C. Kammler Michel Foucault. Eine kritische Analyse seines Werkes, Bonn 1986, S. 149.

17 Vgl. R. Fisker, a.a.O., S. 60.

18 J. Améry ‘Michel Foucaults Vision des Kerker-Universums’, in: Merkur, Jg. 31 1977, S. 389-394.

19 Vgl. M. Dinges, a.a.O., S. 187.

20 Vgl. Fußnote 9.

21 Ausführliche Darstellungen finden sich in: D. Eribon: Michel Foucault. Eine Biografie, Frankfurt a.M. 1999, S. 318-376 , M. Foucault: Mikrophysik der Macht, S. 7-15 , Berlin 1976, M. Perrot: ‘La leçon des ténèbres’, zitiert nach M. Foucault: Critical Assessments (2), edited by B. Smart, und bei J. Miller: Die Leidenschaften des Michel Foucault S. 273-302.

22 Vgl. Eribon, a.a.O., S. 319.

23 Vgl. Eribon, a.a.O., S. 225.

24 Vgl. Michel Foucault: Die Ordnung des Diskurses, Frankfurt a.M. 1991, S. 40 „Ich möchte (…), die Wirkungen eines Diskurses mit wissenschaftlichem Anspruch (…) auf jene Gruppe von gebieterischen Praktiken und Diskursen untersuchen, die das System der Strafjustiz ausmachen.“.

25 Auch der bekannte Panoptismus begegnete Foucault erstmals bei Untersuchungen zur „klinischen“ Architek- tur, vgl. J. Bentham - Le panoptique précédé de L’Œil du Pouvoir entretien avec M. Foucault, Paris 1977.

26 U. Brieler, a.a.O., S. 301.

27 D. Eribon, a.a.O., S. 345.

28 J. Miller, a.a.O., S. 301.

29 D. Eribon, a.a.O., S. 343.

30 M. Perrot, a.a.O. S. 394.

31 M. Perrot, a.a.O, S. 393.

32 D. Eribon, a.a.O., S. 208.

33 Vgl. z.B. Jean Améry: ‘Neue Philosophie oder Nihilismus: Politisch-Polemisches über Frankreichs enttäuschte Revolutionäre’, in: Der neue Irrationalismus Literaturmagazin 9, Reinbeck, S. 57: „Michel Foucault ist der Erzvater aller wuchernden anarchistischen Anthropologien.“.

34 U. Brieler, a.a.O., S. 304.

35 Vgl. P. Veyne, Foucault: Die Revolutionierung der Geschichte, Frankfurt a.M. 1992, Deleuze, a.a.O., S. 37-69 und S. 99-131,Dreyfus/Rabinow, a.a.O., insbesondere S. 131-155, Habermas, Der philosophische Diskurs der Modernen, Frankfurt 1985, IX. und X. Vorlesung.

36 Vgl. P. Veyne, Foucault: Die Revolutionierung der Geschichte, Frankfurt a.M. 1992.

37 Vgl. P. Veyne, a.a.O., S. 14.

38 Vgl. Habermas, Der philosophische Diskurs der Modernen, Frankfurt 1985, S. 295.

39 P. Veyne, a.a.O., S. 27.

40 Ibidem.

41 Rabinow/Dreyfus, a.a.O., S.147.

42 Ibidem.

43 Zum Begriff der Dechiffrierung vgl. Rabinow: Foucault. S. 24, zum Begriff der Praktik vgl. P. Veyne, a.a.O., S. 31.

44 Rabinow/Dreyfus, a.a.O., S. 149.

45 Vgl. M. Dinges/A. Frage/C. Jones ‘Michel Foucault und die Historiker. Ein Gespräch.’, in Ö sterreichische Zeitschrift f ü r Geschichtswissenschaften, 4. Jg., Heft 4 1993, S. 631: „[…]eine Geschichtsschreibung, die das Ereignis beseitigt hat.“.

46 Vgl. P. Veyne, a.a.O., S. 49.

47 G. Deleuze, a.a.O. S.71.

48 Vgl. Habermas, a.a.O., S. 295.

49 Vgl. Habermas, a.a.O., S. 298.

50 Rabinow/Dreyfus, a.a.O., S. 147, Habermas, a.a.O., S. 293.

51 Vgl. Th. W. Adorno ‘Kulturkritik und Gesellschaft’, in: Prismen, Frankfurt 1977, insbesondere S. 11-15.

52 Vgl P. Veyne, a.a.O., S. 82.

53 Zum Begriff „interpretative Analytik“ vgl. Dreyfus/Rabinow, a.a.O., S. 151 f.

54 Vgl. M. Foucault, Arch ä ologie des Wissens, Frankfurt a.M. 1973, S. 17.

55 Vgl. H.-G. Gadamer Der Anfang der Philosophie, Stuttgart 1996,S. 9-23, hier S. 19. 8

56 Vgl. M. Dinges Der Maurermeister und der Finanzrichter: Ehre, Geld und soziale Kontrolle im Paris des 18. Jahrhunderts, Göttingen 1994, S. 36.

57 Th. W. Adorno/ M. Horkheimer Dialektik der Aufkl ä rung, Frankfurt a.M. 1988, S. 1.

58 Th. Schäfer ‘Aufklärung und Kritik. Foucaults Geschichte des Denkens als Alternative zur Dialektik der Auf- kl ä rung ’, in: Ethos der Moderne (Hrsg. E. Erdmann, R. Forst, A. Honneth), Frankfurt a.M/New York 1990.

59 Th. Schäfer, a.a.O., S. 70.

60 Adorno/Horkheimer, a.a.O., S. 15.

61 M. Foucault ‘Die Folter, das ist die Vernunft’, in: Literaturmagazin, Reinbeck 1977, S. 65 - Foucault weißt hier auf die Unterschiede innerhalb des Vernunftbegriffs hin, der im Deutschen eine „ethische Dimension“ hat, wohin gegen im Französischen die „instrumentelle Vernunft“ gemeint ist!

62 Vgl. Th. Schäfer, a.a.O., S. 80.

63 Vgl. Th. Schäfer, a.a.O., S. 75.

64 M. Montinari, Friedrich Nietzsche. Eine Einf ü hrung, Berlin/New York 1991, S. 132. 9

65 Vgl. Nietzsche Der Fall Wagner u.a., ‘Nietzsche contra Wagner’, Epilog 2, München 1988, S. 438 „dass

Wahrheit noch Wahrheit bleibt, wenn man ihr die Schleier abzieht - wir haben genug erlebt, um dies zu glau- ben.“ .

66 Vgl. Foucault Die Ordnung des Diskurses, Frankfurt a.M.1991, S. 39: „»Genealogie«, in der die drei Prinzipien zur Geltung kommen: es soll untersucht werden, wie sich durch diese Zwangssysteme hindurch (gegen sie oder mit ihrer Unterstützung) Diskursserien gebildet haben; welche spezifischen Normen und welche Erscheinungs-, Wachstums- und Veränderungsbedingungen eine Rolle gespielt haben.“; zur Genealogie als Arbeitsmethode vgl. Dreyfus/Rabinow, a.a.O., S. 133-147.

67 Dieser Aufsatz bildet nach Brieler „eine mikroskopisch genaue Bestandsaufnahme der Geschichtspraxis Fou- caults im Moment der Metamorphose“; a.a.O., S. 285.

68 Vgl. Nietzsche Jenseits von Gut und B ö se. Mit der Streitschrift Zur Genealogie der Moral, Frankfurt a.M 1984, insbesondere die zweite Abhandlung ‘»Schuld«, »schlechtes Gewissen« und Verwandtes’.

69 Vgl. Nietzsche, a.a.O., S. 265.

70 Vgl. Kammler, a.a.O., S. 130.

71 M. Weber Wirtschaft und Gesellschaft, Tübingen 1922.

72 G. Oestreich ‘Strukturprobleme des Absolutismus’, in: Vierteljahrschrift f ü r Sozial- und Wirtschaftgeschichte, Wiesbaden 1968, S. 329-347.

73 P. Neuenhaus Max Weber und Michel Foucault. Über Macht und Herrschaft in der Moderne, Pfaffenweiler 1993, S. 93-103.

74 S. Breuer ‘Sozialdisziplinierung. Probleme und Problemverlagerungen eines Konzepts bei Max Weber, Ger- hard Oestreich und Michel Foucault’, in: Soziale Sicherung und soziale Disziplinierung (Hrsg. C. Sachße und F. Tennstedt), Frankfurt a.M. 1986, S. 46.

75 M. Weber Wirtschaft und Gesellschaft, Tübingen 1922, S. 28, zitiert nach S. Breuer, a.a.O., S. 46.

76 Vgl. W. Welsch, a.a.O., S. 136-149.

77 F. Ewald ‘Eine Macht ohne Draußen’, in: Spiele der Wahrheit. Michel Foucaults Denken (Hrsg. F. Ewald/B. Waldenfels), Frankfurt a.M. 1991, S. 164.

78 G. Oestreich, a.a.O., S. 338.

79 Vgl. R. Dülmen Theater des Schreckens, München 1985, S. 194. 11

80 R. Dülmen, a.a.O..

81 G. Schwerhoff K ö ln im Kreuzverh ö r, Bonn/Berlin 1991.

82 R. Dülmen, a.a.O., S. 194.

83 U. Brieler, a.a.O., S. 307.

84 R. Dülmen, a.a.O., S. 146.

85 Vgl. R. Dülmen, a.a.O., S. 183.

86 G. Schwerhoff, a.a.O., S. 442.

87 Vgl. G. Schwerhoff, a.a.O., S. 125ff.

88 G. Schwerhoff, a.a.O., S. 121.

89 D. Blasius ‘Kriminologie und Geschichtswissenschaft. Bilanz und Perspektiven interdisziplinärer Forschung’, in: Geschichte und Gesellschaft 14, Göttingen 1988, S. 145.

90 M. Dinges, a.a.O..

91 Vgl. M. Dinges ‘Justizphantasien als Justiznutzung am Beispiel von Klagen bei der Pariser Polizei im 18. Jahrhundert’, in: Vortr ä ge zur Geschichtsforschung. Geschichte und Theorie (Hrsg. H. Mohnhaupt/D. Simon), Frankfurt a.M. 1992, S. 269-292 und M. Dinges ‘Michel Foucault, Justizphantasien und Macht’, in: Mit den Waffen der Justiz (Hrsg. Blaubert/Schwerhoff), Frankfurt a.M., S. 189-212.

92 Vgl. M. Dinges, a.a.O., S. 192.

93 M. Dinges Der Maurermeister und der Finanzrichter: Ehre, Geld und soziale Kontrolle im Paris des 18. Jahrhunderts, Göttingen 1994, S. 174.

94 R. Jütte ‘Disziplinierungsmechanismen in der städtischen Armenfürsorge der Frühneuzeit’, in: Soziale Sicherheit und soziale Disziplinierung (hrsg. von Christop Sachße/Florian Tennstedt), Frankfurt, S. 101-118.

95 R. Jütte, a.a.O., S. 102.

96 J. Habermas, a.a.O., S. 293.

97 P. Veyne, a.a.O., S. 7.

98 M. Puder ‘Der böse Blick des Michel Foucault’, in: Neue Rundschau 1972, S. 320.

99 M. Dinges/A. Frage/. C. Jones, a.a.O., S. 633.

100 Ibidem.

101 Leider lässt sich die Einflussnahme Foucaults nicht mehr nachvollziehen, da es in 70er Jahren zu einer Häufung von Publikationen zu diesem Thema kam, vgl: D. Blasius ‘Kriminalität und Geschichtswissenschaft. Perspektiven der neueren Forschung’, in: Historische Zeitschrift, Band 233, München 1981, S. 616. 102 D. Blasius, ‘Kriminologie und Geschichtswissenschaft. Bilanz und Perspektiven interdisziplinärer For- schung’, in: Geschichte und Gesellschaft 14, Göttingen 1988, S. 136.

103 Vgl. D. Blasius, a.a.O., S. 136-149.

104 D. Blasius, ‘Kriminalität und Geschichtswissenschaft. Perspektiven der neueren Forschung’, in: Historische Zeitschrift, Band 233, München 1981, S. 615, zu den Erträgen dieser Forschungsrichtung vergleiche auch D. Blasius ‘Kriminologie und Geschichtswissenschaft. Bilanz und Perspektiven interdisziplinärer Forschung’, in:

Geschichte und Gesellschaft 14, Göttingen 1988.

16 von 17 Seiten

Details

Titel
Michel Foucault und die Auswirkungen auf die deutsche Geschichtswissenschaft
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Veranstaltung
Die Moderne redigieren? Zeitgenössische Ansätze aus Frankreich
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V107002
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Michel, Foucault, Auswirkungen, Geschichtswissenschaft, Moderne, Zeitgenössische, Ansätze, Frankreich
Arbeit zitieren
Niels May (Autor), 2001, Michel Foucault und die Auswirkungen auf die deutsche Geschichtswissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107002

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