Internet in Westafrika


Seminararbeit, 2002

28 Seiten


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Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1. Vorwort
1.2. Fragestellungen und Zielsetzung
1.3. Methodische Besonderheiten

2. Stand der Vernetzung in Westafrika
2.1. Internetstatistik
2.2. Netzwerktopologie
2.3. Nutzerdemographie
2.6. Limitierende Faktoren
2.6.1. Stromversorgung
2.6.2. Telefonleitungen
2.6.3. Sprache
2.6.4. Weiteres

3. Einsatzmöglichkeiten des Internets
3.1. Gesundheitswesen
3.2. Bildung und Wissenschaft
3.4. Weitere Bereiche

4. Risiken der Vernetzung
4.1. Gefahr des „rostenden Traktors“
4.2. Problem der Umweltverschmutzung
4.3. Neue Abhängigkeiten für Afrika?

5. Länderbeispiel: Senegal
5.1. Verbreitung des Internets
5.2. Die Rolle der Sonatel
5.3. Internet-Anbieter in Senegal
5.4. Sprachliche Situation der senegalesischen Websites

6. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

7. Literaturliste

8. Linkliste zu Senegal

1. Einleitung

1.1. Vorwort

In dieser Arbeit geht es um zwei Begriffe, die auf den ersten Blick nicht zusammen passen: In- ternet und Afrika. Das Internet ist das am schnellsten wachsende Medium aller Zeiten, und na- türlich hat es auch in Afrika eine gewisse Verbreitung. Südafrika verfügt sogar über die weltweit höchste Internetdichte, doch auf dem afrikanischen Kontinent nimmt dieses Land eine Sonder- stellung ein. Ungefähr 90% der Benutzer auf dem afrikanischen Kontinent kommen aus Südafri- ka, und auch die nördlichen Länder weichen hinsichtlich der Internetverbreitung deutlich von Westafrika ab.

In Westafrika, um das es in dieser Arbeit geht, ist das Internet vergleichsweise wenig präsent. Nach wie vor ist Radio das wichtigste Massenmedium, das von der Form her an die orale Tradi- tion anknüpft und sehr kostengünstig ist. Das Internet spielt in Westafrika eine (noch) ver- schwindend kleine Rolle, da viele Voraussetzungen dazu schlicht nicht vorhanden sind.

In der Vorstellung vieler ist das Internet dank seiner besonderen Merkmale, die es von den „äl- teren“ Medien abheben, ein Allheilmittel, das den Hunger, den Analphabetismus und die politi- schen Probleme überwinden sollte. Zwar ist das Internet noch weit davon entfernt, ein Massen- kommunikationsmittel auf dem afrikanischen Kontinent zu sein, doch ist dies das erklärte Ziel zahlreicher Unternehmen, Politiker und verschiedener Organisationen. Der Mythos „Medien als Motor des Wandels“ ist sowohl in Europa als auch in Afrika weit verbreitet. Statt nach dem Mus- ter einer nachholenden Entwicklung weiter in umweltverschmutzende Schwerindustrie oder an- dere verarbeitende Industriezweige zu investieren, sollten sich die Länder des Südens auf die Nutzung und Anwendung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien einstellen, und mit Hilfe des Internets einfach eine Entwicklungsstufe überspringen. Dieser Prozess wurde „Leapfrogging“ genannt und etablierte sich als Modewort (Uwe Afemann 1999).

Abgesehen von dieser Erwartung eines technologisch ausgelösten Wunders besteht in vielen ärmeren Entwicklungsländern die Sorge, einmal mehr den Anschluss an die führenden Wirt- schaftsnationen zu verlieren. Mehr als andere Kontinente ist Afrika auf eine schnelle Verbrei- tung des Internets angewiesen, um noch am globalen Informationsaustausch teilnehmen zu können. Auch einfache Dienste wie E-Mail werden in Afrika dringender als anderswo auf der Welt gebraucht, weil eine andere Form der Datenübermittlung sehr teuer und unzuverlässig ist. Andererseits stellt sich auch die Frage, ob für die Menschen in Westafrika nicht andere Proble- me als die totale Vernetzung dringlicher sind, oder die „World Wide Westernization“, wie sich Skeptiker ausdrücken.

1.2. Fragestellungen und Zielsetzung

Eine erste Frage, die mir grundlegend scheint, ist die der Verbreitung von Internet in Westafrika. Man könnte dazu mit Brian F. Lavoie und Edward T. O‘Neill fragen: „How World Wide is the Web?“ Dazu wäre die unterschiedliche Verbreitung von Internet in den einzelnen Staaten Westafrikas aufzuzeigen und dafür, wenn möglich, Gründe anzugeben.

Mit der Frage nach der Verbreitung des Internets hängt zusammen, welche Leute in Afrika Zugang zum Internet haben. Auch wäre zu fragen, welche Dienste des Internets hauptsächlich genutzt und in welchen Bereichen diese eingesetzt werden. Auch sollte man überlegen, welche Einsatzmöglichkeiten es für das Internet in Westafrika idealerweise noch gäbe.

Bei der Verbreitung des Internets in Westafrika gehe ich in Kapitel 3 davon aus, dass diese neue Technologie für afrikanische Staaten eine Chance ist, um verstärkt ins WeltInformationssystem einzugreifen und dieses mitzuprägen. In Kapitel 4 werde ich diese Annahme hinterfragen und herausarbeiten, welche Bereiche problematisch sind.

Am Beispiel Senegal soll gezeigt werden, was für Sites mit senegalesischen Hosts überhaupt vorhanden sind. Anhand einer als „typisch afrikanisch“ erachteten Homepage sollen zuerst die Kriterien festgemacht werden, die diesen Eindruck überhaupt auslösen, und dann ein etwaiger Unterschied zwischen afrikanischen und europäischen / US-amerikanischen Sites aufgezeigt werden.

Ebenfalls am Beispiel Senegal soll der Frage nach der Sprache des Internets nachgegangen werden. Ist auch bei senegalesischen Homepages Englisch die dominierende Sprache? Gibt es Informationen auf dem Internet in afrikanischen Sprachen? Wie ist zum Beispiel Wolof auf dem Internet vertreten?

Zwei etwas allgemeinere Fragestellungen sind, ob die spezifischen Möglichkeiten des Internets mit dem gegenwärtigen Stand der Verbreitung in Westafrika ausgeschöpft werden und von wem die Informationen über Afrika stammen, die auf dem Internet zu finden sind.

1.3. Methodische Besonderheiten

Es gibt sehr wenig wissenschaftliche Literatur über das Internet, dies hängt damit zusammen, dass das Internet eine relativ neue und sich schnell entwickelnde Technologie ist. Vor allem für den afrikanischen Raum findet man fast keine Arbeiten, und neben dieser Lücke an empirischem Material besteht in diesem Bereich zusätzlich noch ein Theorievakuum.

Die meisten Publikationen über das Internet findet man auf dem Internet selber, also ist es in erster Linie ein medieninternes Arbeiten. Einen grossen Anteil machen die Dokumentationen von Entwicklungsorganisationen und NGOs aus, die in der Regel breit abgestützt und aus de- nen viele Daten ersichtlich sind. Es existieren aber auch viele Seminar-, Diplomarbeiten und ähnliches, die auf dem Internet publiziert worden sind. Oft ist es so, dass sich diejenigen, die übers Internet schreiben auch praktisch damit auskennen und so ihre Arbeiten veröffentlichen können. Solche Arbeiten wären ohne das Internet nur sehr schwer aufzufinden und sind m.E. auch vertrauenswürdig.

Zum Problem der Verifizierbarkeit von Daten, die nur im Internet publiziert worden sind, schrei- ben Egle et al.: „Das heisst, wenn die Datenquelle durch Zweitbeobachtung im RL1 bestätigt werden kann, so kann von der Authentizität der Daten ausgegangen werden.“ Und weiter heisst es: „Wenn Daten von einer UN-Organisation im Netz angeboten werden oder wenn jemand, den man persönlich kennt, Daten anbietet, dann können diese Daten als glaubwürdig erschei- nen. Problematisch sind Quellen, deren Herkunft im RL nicht verifiziert werden kann.“ Da aber bei empirischen Daten eine Beobachtung im RL nicht ohne weiteres möglich ist, treten noch weitere, subjektive Kriterien bei der Bewertung der Qualität eines Internet-Textes hinzu. Dazu gehört die formale Darstellung, die Art, wie sich der Autor ausdrückt, ob in wissenschaftlicher oder eher salopper Schreibweise. Diese Kriterien entscheiden oft schnell über die Glaubwürdig- keit eines Textes.

Da sich das Internet schnell entwickelt und es immer kürzere Halbwertszeiten gibt, veralten die Texte darüber sehr schnell. Ein weiteres Problem von Publikationen im Internet ist, dass oft das Datum der Publikation oder das der letzten Änderung nicht ohne weiteres ersichtlich ist. Auch wenn ein Datum der letzten Änderung da ist, weiss man nicht, was da alles geändert wurde, doch dieses Problem stellt sich auch bei gedruckter Literatur.

Diesem Thema kann man selbstverständlich nur bedingt mit einer Arbeitsweise „vom Bürotisch aus“ gerecht werden. Es wäre eine Feldforschung nötig, gerade weil praktisch keine wissenschaftliche Literatur und wenig Theorie vorhanden sind. Was dabei untersucht werden könnte, das in dieser Arbeit leider nicht enthalten ist, sind zum Beispiel Fragestellungen zu Standort und Streudichte der Internetcafés, der Nutzung des Internets, zu der Qualität des Empfangs und Geschwindigkeit, welche Dienste des Internets genutzt werden, welche Leute Internetcafés besuchen oder wer Zuhause einen Internetanschluss hat. Einige dieser Fragen werden in Ansätzen, und ohne empirischen Hintergrund, angegangen.

2. Stand der Vernetzung in Westafrika

Zuerst ein Wort zu der historischen Entwicklung des Internets in Afrika.2 Als Europa, Nordame- rika und Japan längst vernetzt waren und der Internet-Boom da war, gab es in Afrika noch fast keine Internetverbindungen. Auf einer Karte der Internetverbreitung auf der Welt von 1991 (ab- zurufen unter www.interasia.org/results/afrika/geschichte.html) sieht man in Afrika vor allem weisse Flecken. Nur Ägypten und Tunesien verfügten 1991 als die ersten Länder auf dem afri- kanischen Kontinent über Bitnet. 1995 waren erst sieben Länder auf dem afrikanischen Konti- nent online: Sambia, Mozambique, Südafrika, Ägypten, Simbabwe, Namibia, Tunesien, und Ende 1998 verblieben nur noch drei Länder ohne einen lokalen Zugang: Eritrea, Libyen und Somalia (Christian Baars). Heute haben alle afrikanischen Länder Internetzugang, seit im Sep- tember 1999 Somalia als letztes afrikanisches Land online ging (Christian Flatz). Diese rasante Ausbreitung des Internets kann mit erklären, wie es zu dem anfänglichen Optimismus bezüglich Nutzen des Internets kam.

Zusammengefasst lassen sich also auf dem afrikanischen Kontinent drei Zonen unterscheiden, die starke Unterschiede hinsichtlich der Internet-Verbreitung aufweisen: Zum einen das Afrika nördlich der Sahara, das subsaharisches Afrika und Südafrika mit den umliegenden Ländern. Wie bereits im Vorwort erwähnt, ist Südafrika das am besten vernetzte Land auf dem Kontinent, zusammen mit seinen Nachbarländern. Die nordafrikanischen Länder sind ebenfalls in diesem Bereich ziemlich gut entwickelt, die Länder südlich der Sahara aber gehören im Bereich Internet zu den Schlusslichtern auf der Welt.

Heute sind andere Computernetze noch wichtiger als Internet, z.B. Gopher, Telnet, lokale Net- ze, Bitnet, Fidonet, (Uwe Afemann 1999), doch auf die Dauer wird sich laut Manuel Gnos in Afrika das WWW durchsetzen, das technisch aufwändiger ist und deshalb stabile und schnelle Verbindungen benötigt. Dass das Internet noch nicht so verbreitet ist, liegt zu einem grossen Teil daran, dass andere Netze technisch einfacher und leichter zugänglich sind. Die grössten internationalen Provider expandierten schnell nach Afrika, so unter anderem AfricaOnline / CompuServe, Eunet, UUNET, Global One (Quelle: n. n.: Internet development in africa).

2.1. Internetstatistik

Zu der Verbreitung des Internets in Afrika stösst man bei der Internetrecherche auf verschiedene Tabellen und Statistiken, die oftmals von Organisationen für Entwicklungszusammenarbeit aufbereitet wurden.

Wenn man nach der Verbreitung des Internets fragt, muss man zuerst die Verbreitung der Tele- fonleitungen betrachten, denn Internet funktioniert in erster Linie über das Telefonnetz. Darauf werde ich aber erst im Kapitel 2.6.2. genauer eingehen.

Zuerst zu der Wachstumsrate des Internets: Auf der ganzen Welt hat das Internet eine explosi- ve Wachstumsrate. Die Zahl der Hosts (Zugangsrechner) verdoppelt sich jährlich, doch in den letzten Jahren verlangsamte sich die Wachstumsrate (Uwe Afemann 1998). Trotzt der immer noch hohen Wachstumsrate sind aber die Internetanschlüsse weltweit sehr ungleich verteilt, besonders im Vergleich zur Bevölkerung. Während sich nur 3% aller Hosts in der Dritte Welt befinden, haben die G7-Staaten 80% der Hosts, obwohl sie nur über 10% der Weltbevölkerung besitzen. Die am meisten bevölkerten Staaten China, Brasilien, Indien, Nigeria haben zwar ei- nen Drittel der Weltbevölkerung aber nur 0,6% aller Hosts (Uwe Afemann 1998). So gesehen, ähnelt die Verteilung der Hosts stark der Verteilung des Reichtums auf der Welt, doch dieses Themenfeld wird hier nicht weiter behandelt.

Die folgende Tabelle zeigt die Verteilung der User auf der ganzen Welt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: www.nua.ie/surveys/how_many_online/index.html.

Damit ist natürlich noch nichts gesagt über die Qualität des Empfanges, die Häufigkeit der Internet-Nutzung und welche Dienste des Internets genutzt werden. Auch ist die Zahl der Bevölkerung auf dem jeweiligen Erdteil noch nicht mit einbezogen worden. Trotzdem sind diese Zahlen sehr eindrucksvoll und geben eine gute Grundlage für spätere Überlegungen.

Zum Vergleich der Internetaktivität verschiedener Regionen ist das Bestimmen der Anzahl Hosts sinnvoll. Um die Tabelle etwas übersichtlicher zu machen und um Vergleiche zwischen afrikanischen Ländern ziehen zu können, habe ich neben den allgemeinen Domains und einigen Vergleichsländern hauptsächlich afrikanische Staaten aufgezählt, nicht berücksichtigt wurden Domains mit unter 100 Hosts:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: www.isc.org/ds/WWW-200107/dist-bynum.html. Stand: Juli 2001.

Zwar ist diese Tabelle nicht auf dem aktuellsten Stand, doch sie zeigt die ungefähre Verteilung der Domains auf. Somit lässt sich einmal grob ablesen, welche Verbreitung das Internet in welchen Ländern hat. Zu beachten ist dabei, dass auch Hosts in Afrika stehen können, die eine allgemeine Domain haben.

Ausser den absoluten Zahlen der Nutzer ist auch deren prozentuale Anteil an der jeweiligen Bevölkerung zu beachten. Dabei wird aber wie in den oben stehenden Tabellen die unterschiedliche Häufigkeit der Nutzung nicht beachtet. In der folgenden Tabelle sind alle Staaten Westafrikas aufgezählt sowie als Vergleichsgrössen Südafrika und die Schweiz:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: www.cia.gov/cia/publications/factbook/index.html.

Die Problematik dieser quantitativen Art der Darstellung liegt von mir aus gesehen darin, dass sie einen sehr „westlichen“ Zugang aufzeigt, die Internetverbreitung darzustellen. Zu der Verbreitung sowie der Nutzung fehlen qualitative Untersuchungen, und ebenso die theoretische Einbettung kommt bei keiner der genannten Quellen zum Zuge.

2.2. Netzwerktopologie

Die Netzwerktopologie, das heisst die geometrische Anordnung der Internetverbindungen, sieht in Afrika sternförmig aus. Dies ist unabhängig davon, ob die Zugangstechnologie terrestrisch oder kabellos ist (Roland Egle et al.). Dabei entsteht das Bild einer Zentrum-Peripherie Sternstruktur, was eigentlich entgegen der Konzeption des Internets als Netzwerk steht und Auswirkungen auf die Verbreitung des Datenflusses hat.

Dieser spezifischen Anordnung liegen folgende Ursachen zu Grunde: In der Regel werden die Daten, die zwischen afrikanischen Ländern fliessen, über die USA oder einige auch über Europa, in erster Linie Frankreich oder Grossbritannien, geleitet. Oft gibt es gar keine Verbindungen zwischen afrikanischen Ländern, oder aber die Daten werden über USA oder Europa billiger, verlässlicher und schneller übertragen. Noch im Jahr 1999 gab es nur innerafrikanische Verbindungen zwischen Südafrika und seinen Nachbarländern.

Eine weitere Ursache ist die politische und ökonomische Priorität der Anbindung an den Nor- den. Amerikanische und europäische Akteure haben noch ein geringes Interesse an einer Bin- nenvernetzung Afrikas, da diese sich wirtschaftlich noch nicht auszahlt (Christian Flatz). Der in Afrika am meisten genutzte Dienst auf dem Internet, das E-mail, wird meist über die freien An- bieter der USA wie zum, Beispiel Hotmail, Yahoo, Excite erreicht. Zwar bieten auch afrikanische Server diesen Service an, doch diese haben oft noch repräsentativen Charakter, da sie in Ge- schwindigkeit und Verlässlichkeit den amerikanischen Anbietern noch nicht gewachsen sind.

Diese sternförmige Netzwerktopologie wirkt sich auch inhaltlich auf das Internet in Afrika aus. Momentan sind die Länder Afrikas stark auf den Norden (d.h. in erster Linie auf die USA und Europa) konzentriert, eine grosse Datenmenge fliesst nach Afrika aber der Output ist noch klein. Dazu kommt der geringe Austausch zwischen afrikanischen Ländern.

2.3. Nutzerdemographie

Die Nutzerdemographie zeigt auf, welchen Verbreitungsgrad das Internet innerhalb der Bevölkerung hat. Um es vorweg zu nehmen, weltweit gesehen sind die Internetnutzer kurz gesagt jung, männlich, wohlhabend und urban. Im Folgenden werde ich auf diese Feststellungen noch genauer eingehen, vor allem bezüglich des Geschlechts und der Ausbildung.

Wie bereits erwähnt, ist das Internet eine Männerdomäne. Weltweit sind nur 17 % Frauen im Internet vertreten. Dabei lässt sich eine Tendenz beobachten: Je mehr Internetuser es in einem Land gibt, desto höher ist auch der Frauenanteil. So liegt der Männeranteil in Äthiopien bei 86%, in Senegal bei 83% und in Sambia, wo das Internet eine im Vergleich zum restlichen Afri- ka hohe Verbreitung hat, bei 64%. Die Gründe für die Untervertretung der Frauen sind schnell genannt: Frauen sind im Schnitt weniger gebildet und verfügen über weniger monetäre Mittel. Sie machen 70 % aller Armen aus und sind zu zwei Dritteln am Analphabetentum beteiligt (Uwe Afemann 1998). Das Internet könnte aber ein Hilfsmittel für Frauen sein, um sich gegen die Vorherrschaft der Männer in der Wirtschaft zu wehren. So sind zum Beispiel viele Selbsthilfeor- ganisationen von Frauen aus der Dritten Welt mittlerweile ans Internet angeschlossen.

Zur Bildung der durchschnittlichen Internetbenutzer lässt sich festhalten, dass diese in Afrika besonders gut ausgebildet sind. Je nach Land werden 87% (Sambia) bis 98% (Äthiopien) mit Hochschulabschluss geschätzt (Christian Flatz). Doch auch wenn die meisten Universitäten ans Netz angeschlossen sind, hat jedoch vor allem der Lehrkörper Zugang und allenfalls noch Studenten aus postgraduierten Studiengängen. Die normale Studentenschaft hat in der Regel keinen Zugang zum Netz (Uwe Afemann 1999). Ausserdem besteht ein beträchtlicher Teil der Nutzer aus Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Unternehmen aus dem Norden, die auch einen gewissen Ausbildungsstandard mitbringen (Christian Flatz).

Nicht nur in den Entwicklungsländern, sondern auch in Industrienationen verläuft die Nutzung von Internet anhand von Bevölkerungsgruppen. Hierzu gibt es folgende Statistik aus den USA:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus: Uwe Afemann 1999.

Dies zeigt für die USA, dass eine Bevölkerungsgruppe, die Weissen, mehr als doppelt so viele User haben als andere Gruppen. Man kann also nicht von einer homogenen Verteilung der In- ternetzugänge innerhalb der Bevölkerung sprechen. Die Tatsache, dass (nicht nur in den USA) vor allem reiche Familien Zugang zum Internet haben, birgt das Risiko in sich, dass die Unterschiede zwischen arm und reich innerhalb eines Landes noch verstärkt werden. Doch ist m.E. das Internet nicht ein ausreichender Einflussfaktor, um eine Polarisierung in eine so genannte „Informationselite“ und ein „Informationsproletariat“ zu erwirken.

Der Trend in den USA und in Europa, wo zunächst eine ähnliche soziale Schicht wie momentan in Afrika das Internet nutzte, zeigt jedoch eine Annäherung an den Bevölkerungsschnitt (Christi- an Baars). Es besteht also durchaus die berechtigte Hoffnung, dass durch eine grössere Verbreitung des Netzes auch hier der durchschnittliche Bildungsstand sinkt, sich die Einkom- mensverteilung relativiert und der Frauenanteil wächst, ähnlich der Entwicklung in den USA und Europa. Damit hätte das Internet auch eine Chance, das auf eine breite Verteilung innerhalb der Bevölkerung abgestützt ist.

Zur Zusammenfassung dieses Kapitels noch folgendes pointierte Zitat: "Der Cyberspace ist kein global village, sondern ein von lautstarken weissen Männern bevölkerter Vorstadtclub der weltweiten amerikanischen Mittelklasse." (In Christian Baars, Zitat aus: Achim Bühl: "CyberSociety. Mythos und Realität der Informationsgesellschaft", Papa Rossa Verlag, Köln 1996)

2.6. Limitierende Faktoren

Es ist zwar unbestritten, dass das Internet Afrika einige Vorteile zu bieten hätte, doch mit Aus- nahme vom Norden und Süden des Kontinentes ist es noch relativ wenig verbreitet. Weshalb dies so ist, wird in diesem Kapitel kurz erläutert. In einem ersten Teil gehe ich auf technische Voraussetzungen wie Strom und Telefon ein, die im internationalen Vergleich in Afrika unterrep- räsentiert sind. In einem zweiten Teil werden andere Probleme eher inhaltlicher Natur genannt, dies sind unter anderem Sprache, Schrift und Relevanz der angebotenen Information.

2.6.1. Stromversorgung

Als erste Voraussetzung, um einen Computer anschliessen zu können, muss Elektrizität vorhanden sein. Dies ist in Afrika aber meist nicht der Fall, 70% der Afrikaner leben in ländlichen Gebieten ohne Stromversorgung (Uwe Afemann 1999). Wo es Stromversorgung gibt, ist diese jedoch meist nicht stabil, das heisst es kommt zu häufigen Stomausfällen, oder sie ist schlicht zu teuer und für einen Grossteil der Bevölkerung nicht erhältlich (Manuel Gnos).

2.6.2. Telefonleitungen

Auf dem momentanen Stand der Technik muss noch ein Telefonanschluss vorhanden sein, um einen Internetzugang zu haben, doch Afrika zeichnet sich allgemein durch eine sehr schlechte Telekommunikationsinfrastruktur aus (Roland Egle et al.). Weltweit gesehen ist die westliche Welt überprivilegiert, bedenkt man, dass 80% der Weltbevölkerung keinen Telefonanschluss hat. Nicht zu vergessen ist, dass mehr als die Hälfte der Menschheit noch nie telefoniert hat (Ute Sprenger).

Innerhalb Afrikas gibt es beträchtliche Unterschiede in Bezug auf die Telefondichte, wobei Nordund Südafrika weit vor der Sahelzone liegen. Dazu einige Zahlen: In Nord- und Südafrika kommen über 35 Anschlüsse auf 1000 Einwohner. Dahingegen liegt die Dichte bei Ländern aus der Sahelzone und dem zentralen Afrika, wie Mali, Niger und Zaire bei weniger als zwei Telefonleitungen auf 1000 Menschen.

Eindrücklich ist auch der Vergleich der Anzahl Telefonleitungen zu der Bevölkerungszahl: Im Gebiet der Sub-Sahara leben 10% der Weltbevölkerung, doch nur 0.4% der weltweit vorhande- nen Telefonverbindungen sind dort anzutreffen (Zahlen von 1996, Roland Egle et al.). Ein weite- res Kennzeichen für die schlecht entwickelte Telekommunikationsinfrastruktur sind die langen Wartezeiten für eine Telefonleitung. Diese liegt im afrikanischen Durchschnitt bei 5 Jahren (Ro- land Egle et al.).

Neben der Zahl der Telefonleitungen spielt auch deren Qualität eine grosse Rolle, da eine einwandfreie Leitung Voraussetzung ist, um eine Verbindung per Internet aufrecht zu erhalten. Häufig sind die internationalen Verbindungen besser als die innerhalb der Länder. Ursache ist unter anderem die koloniale Vergangenheit (Uwe Afemann 1999).

Die Verteilung der Telekommunikationsressourcen geht in den ländlichen und urbanen Gebie- ten weit auseinander. Meist ist diese Verbreitung in Afrika der Verteilung der Bevölkerungsantei- le entgegengesetzt. Zum Beispiel liegen 3/4 der afrikanischen Haupttelefonleitungen in urba- nem Gebiet, doch nur 1/3 der afrikanischen Bevölkerung lebt dort, der grösste Teil bewohnt ländliches Gebiet. In der Subsahara ist dieser Unterschied am stärksten ausgeprägt: 1/3 der Bevölkerung verfügt über 2/3 der Leitungen (Armin Lanzinger). Zwar gehört das Land nicht zu Westafrika, aber dennoch eine eindrückliche Zahl kommt aus Äthiopien: Hier liegt der urbane Bevölkerungsanteil 13,4%, doch nur 1% der Telefonverbreitung befinden sich in ländlichem Gebiet (Armin Lanzinger).

Zu der unterschiedlichen Verteilung der Telefonanschlüsse auf der Welt gibt es folgende Tabel- le.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus: Uwe Afemann. Quelle: Alain Servatie et al.: European Community Cooperation with Countries in Transitation and Developing Countries, 1995

Zwar sind die Zahlen inzwischen veraltet, doch das Verhältnis zwischen den verschiedenen Regionen sollte immer noch stimmen. Die Tabelle zeigt, dass es nicht nur klare Differenzen von westlicher Welt zu ärmeren Gebieten gibt, sondern dass es auch innerhalb der Dritten Welt Regionen mit noch beträchtlichen Unterschieden gibt. Auffällig ist der Unterschied innerhalb des afrikanischen Kontinents, nämlich Afrika südlich der Sahara (inklusive Südafrika), das über viel weniger Anschlüsse verfügt als Nordafrika.

Zusätzliche zur geringen Anzahl an Leitungen zählt auch die schlechte Qualität der Telefonverbindungen, wie es anhand dieser Tabelle ersichtlich ist:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus: Uwe Afemann 1999

Eine gute Verbindung über die Telefonleitung, die nötig ist für die Internetnutzung, ist also im subsaharischen Afrika nicht gewährleistet. Hinzu kommt die Kostenproblematik: Wo gute Telefonleitungen vorhanden wären, sind diese oft für die lokale Bevölkerung nicht erschwinglich. Diese hohen Telefonkosten haben ihren Ursprung zu einem grossen Teil in den kleinen Märkten, die sich nicht lohnen für mehrere Anbieter, und somit auch keine Konkurrenzsituation entsteht, welche die Kosten nach unten drücken würde (Armin Lanzinger). Gerade in Afrika sind die Telefonkosten noch extrem hoch, aber mit sinkender Tendenz, dies auch im Zug der aktuellen Privatisierungen im Telekommunikationsmarkt.

Ein guter Indikator wie teuer eine Telefonleitung kommt, sind die Kosten ausgedrückt im Anteil am BSP pro Kopf. Die folgende Tabelle stellt dies dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus: Uwe Afemann 1999

2.6.3. Sprache

Nicht zu vergessen sind diese Faktoren, welche die Internetnutzung in Afrika von der inhaltlichen Seite her limitieren. Besonders für Westafrika trifft die Problematik der Sprache zu, da in den meisten Ländern Französisch die Amtssprache ist. Innerhalb des Internets ist aber Englisch die Hauptsprache, unter anderem aus dem Grund, weil Internet von der US-Army entwickelt wurde. Die folgende Tabelle zeigt die Sprachverteilung auf öffentlichen Websites in den Jahren 1999 und 1998. Es wurden dazu Wörter in einer Sprache gezählt, wenn sie alleine oder in Kombination mit anderssprachigen Wörtern auftraten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Brian F. Lavoie; Edward T. O'Neill.

Der Vergleich zwischen den Jahren 1998 und 1999 bringt zum Vorschein, dass die Anzahl rein englischsprachiger Sites abnimmt. Dies könnte im Zusammenhang mit der grösseren Verbreitung weltweit des Internets stehen und auch mit der breiteren Verteilung innerhalb der Bevölkerung von einzelnen Ländern.

Trotzdem sind immer noch an die 80 % der Websites weltweit also auf Englisch, aber nur 57% der User weltweit sprechen Englisch als Muttersprache (Uwe Afemann 1999). Die Beschrän- kung auf nur eine Sprache erleichtert die Zusammenarbeit und den Datenaustausch auf dem Internet erheblich. Es ist viel einfacher, wenn alle User Englisch sprechen, als wenn die gesam- ten Inhalte übersetzt werden müssten (Manuel Gnos). Die Übermacht des Englisch führt jedoch auch dazu dass Leute, die kein Englisch sprechen, zu den meisten Daten auf dem Internet keinen Zugang haben. Die Lösung zu diesem Problem könnte in automatischen Übersetzungsprogrammen liegen, die zwar heute noch so gut wie unbrauchbar sind, aber mit grosser Wahrscheinlichkeit sehr schnell weiterentwickelt werden.

2.6.4. Weiteres

Für Afrika trifft ein weiterer limitierender Faktor in extremem Ausmass zu, und zwar die Anal- phabetenrate. Diese liegt in den meisten Ländern südlich der Sahara über 50%. Neben vielen anderen Gründen ist hier die traditionell orale Informationsübertragung zu nennen und die Tat- sache, dass viele afrikanische Sprachen über keine Schrift verfügen (Christian Baars). Aufgrund solcher Bedingungen ist es fraglich, ob sich das Internet jemals in einem gewissen Ausmass in Afrika verbreiten kann.

Mit dem Faktor Sprache eng verknüpft ist die Schrift. Die meisten Internet-Seiten sind, wie bereits erwähnt, in Englisch, also in lateinischer Schrift gehalten. Nicht lateinische Schriften sind also stark unterrepräsentiert, was aber im Falle Westafrikas keine grosse Rolle spielt, sondern eher bei den nördlichen arabisch sprechenden Staaten zum Tragen kommt.

Die Internetnutzung wird auch um einiges erschwert, wenn keine Computerkenntnisse vorhan- den sind. Zwar gibt es mittels Touchscreen und anderen Techniken mögliche Alternativen, die auch Leuten den Zugang zum Internet zu ermöglichen würden, die keine Vorkenntnisse mit Computer haben. Doch bis die Software für diese Technologien ausgearbeitet ist, wird noch einige Zeit vergehen.

Eine hohe Barriere zum Internetzugang ist die Beschaffung eines Computers, hinzu kommen die hohen Kosten für Hard- und Software. Ein grosser Teil des Internet-Budgets wird für den Import von Telekommunikations-Geräten ausgegeben, deren Kosten durch Steuern auf impor- tierte Computer oder durch staatliche Kontrolle der Internetprovider künstlich hochgehalten werden (Christian Baars). Diese Beschaffungskosten unterscheiden sich absolut gesehen in Entwicklungsländer und Industriestaaten kaum. Doch die relativen Kosten in Bezug auf das verfügbare Einkommen gehen stark auseinander und sind in Entwicklungsländern besonders hoch (Uwe Afemann 1999).

3. Einsatzmöglichkeiten des Internets

Neben all den Faktoren, die eine Verbreitung des Internets in Afrika erschweren, ist es auch wichtig zu fragen, welche Möglichkeiten das Internet Afrika bietet. Oftmals wird ein flächende- ckender Internetzugang einfach als Ziel hingestellt, ohne die dafür nötige Erklärung zu geben, die dies rechtfertigen würden. Es muss jedoch klar bleiben, dass sich der Feldzug des Internets auch in Afrika nicht aufhalten lässt, weshalb es m. E. gar nicht nötig ist, ein Dafür oder Zuwider abzuwägen. Im folgenden Kapitel werden mögliche Einsatzbereiche des Internets abgesteckt.

Gerade in Afrika ist die Kommunikation via E-Mail sehr wichtig und es wäre wünschenswert, dass diese so rasch wie möglich entwickelt wird. Zum einen ist die Postzustellung in vielen Ge- bieten Afrikas sehr schlecht, dies auch wegen dem Zustand der Verkehrswege. Zum anderen sind die Kosten für den normalen Briefweg im Vergleich zum Internet sehr hoch. Beispielsweise ist ein E-Mail etwa 175 mal weniger teuer als ein Telefonat, bei dem dieselbe Anzahl von Buch- staben über dieselbe Distanz übermittelt wird (Berechnung: Michiel Hegener). Die Kommunika- tion über E-Mail macht den grössten Teil des Internetgebrauchs aus, zumindest für Afrika.

Neben dem privaten und geschäftlichen Gebrauch von E-Mail, dessen Vorteile unbestritten sind, gibt es noch ein paar Bereiche, indem das Internet mit grossem Vorteil eingesetzt werden könnte. Einige ausgewählte Gebiete werden in den folgenden Kapiteln beschrieben.

3.1. Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen ist ein Bereich, auf dem der Einsatz von Internet besonders forciert wird. Dieser Bereich scheint sich gut zur Legitimation des Einsatzes neuer Technologien zu eignen, da es hier um Leben und Tod gehe, so Christian Flatz. Es ist m. E. selbstverständlich, dass jede grössere Investition in technologische Neuerungen plausibel gemacht werden muss auf einem Kontinent, wo zum Teil selbst die Grundversorgung der Bevölkerung mangelhaft ist.

Das Gesundheitswesen per Internet wird auch “telehealth“ genannt. Die wichtigste Organisation ist SatelLife, eine private Nonprofit-Organisation, die das HealthNet (www.healthnet.org) unter- hält. Ein Grundsatz von HealthNet ist: "To build healthier communities in developing countries through the power of Information Technology." Das Netzwerk läuft über einen eigenen Satelli- ten, den HealthSat-2, der auf seiner Umlaufbahn mindestens einmal pro Tag jede Bodenstation überfliegt. Auf diesem Weg werden rund 19'500 Mediziner in 150 Ländern, darunter 30 Entwick- lungsländer, versorgt mit medizinischem Fachwissen, E-Mail-Kontakten, elektronischen Konfe- renzen und anderem (Christian Flatz).

Problematisch ist die Tatsache, dass die Informationen aus der Perspektive von Europa und USA gegeben werden. Somit konzentrieren sich diese auf dort vorhandene Krankheiten und beziehen das soziale Umfeld nicht mit ein. Auch haben die empfohlenen medizinischen Mass- nahmen keinerlei Bezug zu lokalen Traditionen wie etwa der traditionellen Medizin (Uwe Afe- mann 1998).

Laut Afemann (1998) stellt ein Internet-Anschluss für Krankenhäuser eher ein Prestigeobjekt dar, das nur zusätzliche Kosten verursacht, als ein nützliches Arbeitsgerät. Aber auch als sol- ches kann das Internet wichtig sein, indem es zum Beispiel dem brain drain“ (das heisst das Abwandern von Fachkräften) entgegenhält. So werden qualifizierte Ärzte vielleicht eher dazu zu bewegen zu sein, ihren Dienst in abgelegenen Gegenden zu versehen, wenn dabei mittels In- ternet der Kontakt mit der übrigen Welt aufrecht erhalten bleibt. Trotzt Telemedizin fehlt es noch an ausgebildeten Ärzten, und zwar vor allem im ländlichen Gebieten. Doch das Problem ist oft nicht die fehlende Information über bestimmte Krankheiten, denn meist sind die Ursachen be- kannt (Uwe Afemann 1998). Durch den Einsatz von Internet aber werden die Mittel falsch inves- tiert.

Zwei weitere internationale Organisationen, die sich stark im Bereich Telemedizin engagieren, sind die International Telecommunication Union ITU (www.itu.int/ITU-D/tech/telemedicine) und die WHO, die auch eine Datenbank zur Verfügung stellt (www.who.int/home-page).

3.2. Bildung und Wissenschaft

Die Bildung und Wissenschaft ist neben dem Gesundheitswesen der zweite grosse Bereich, in dem die Verwendung des Internets von internationalen Organisationen vorangetrieben wird. Ein Beispiel für die so genannte „teleeducation“ ist die African Virtual University (AVU), die im Rah- men des InfoDev-Programmes der Weltbank begründet wurde (/www.avu.org/). Das Ziel ist, dass das koloniale Ausbildungssystem, das nur der Elite diente, überwunden werden kann. Da- zu werden Vorlesungen von verschiedenen Universitäten aus USA und Europa auf Video auf- genommen und können dann von afrikanischen Studierenden angesehen werden. Zur Zeit ist dieser Dienst noch gratis, doch er soll sich später durch Studiengebühr selbst finanzieren.

Wie bei dem Projekt HealthNet liegt auch in diesem die Schwierigkeit darin, dass das Informati- onsmaterial nur aus den USA, Europa und Kanada stammt. Da Information nie wertfrei ist, wer- den zugleich fremde Werte und andere Prioritäten vermittelt. Die afrikanischen Länder gelangen so in eine Abhängigkeit vom Input aus dem Norden und das vermeintlich interaktive Medium „Internet“ generiert sich hier als Einbahnstrasse des Wissens in Richtung Süden. Die Frage ist, ob dieses Wissen von grosser Relevanz für die Länder Afrikas ist, oder ob Antworten auf ande- re Fragen gesucht wären. Jedoch erachtet die Elite oft etwas nur als nutzbar, wenn es aus dem Norden kommt, denn dort haben die Gebildeteren auch studiert und schon diese Werte angenommen (Uwe Afemann 1998).

Es gibt in Entwicklungsländern schon viele Schulen mit Anschluss ans Internet, doch sind dies vor allem die teuren Privatschulen (Uwe Afemann 1998), in Afrika konzentriert sich dies aber auf Südafrika. Grundsätzlich sind diese Projekte aber sehr begrüssenswert, da die meisten Bib- liotheken in der Dritten Welt sehr dürftig ausgestattet sind und die Studenten meist nicht genü- gend finanzielle Mittel haben, um sich teure Bücher aus dem Ausland beschaffen zu können (Uwe Afemann 1998). Schon ein Computer mit Internetzugang an einer Schule, Universität oder Bibliothek kann den Zugang zu Informationen um ein vielfaches verbessern. Der Basisbereich des afrikanischen Bildungssystems, die hohe Analphabetenrate, ist nicht mit Internetzugang zu lösen. Auch das Problem, dass viele Jugendliche arbeiten müssen (41% in Afrika, Uwe Afe- mann 1998) und ihnen schlicht die Zeit für den Schulbesuch fehlt, kann nicht mit Internetan- schlüssen aus der Welt geschafft werden. Anstatt Schaffung von Internetanschlüssen finanziell zu fördern, wäre es angebrachter, mit diesen Mitteln in den Basisbereich der Schulsysteme in- vestiert werden. In einem zweiten Schritt wäre m. E. nützlicher als die Überhäufung mit Wissen, die Fähigkeit zu vermitteln, wie Informationen interpretiert und genutzt werden können. Dies gilt aber nicht nur in Afrika, sondern in allen Bereichen der Welt.

3.4. Weitere Bereiche

Ein weiterer Bereich, in dem sich das Internet als nützlich erweisen könnte, ist die Wirtschaft. Dank Internet könnten neue Arbeitsplätze geschaffen werden und sogar ein Wirtschaftsboom ausgelöst werden (Christian Baars). Diese Einschätzung ist aber stark am Beispiel Indiens ori- entiert, das zwar vom Outsourcing von Softwareproduktion in englischsprachigen Entwick- lungsländer profitiert, aber auch unter einigen sehr negativen Auswirkungen zu leiden hat. Die Luftverschmutzung sowie die Grundstückpreise wurden im „indischen Silicon Valley“ stark er- höht und der „brain drain“ ist sehr gross. Es gibt hohe Löhne für wenige, und für diejenigen Menschen im „indischen Silicon Valley“, die sich keinen Arbeitsplatz in der Computerindustrie ergattern konnten, haben sich die Lebensbedingungen verschlechtert (Uwe Afemann 1998). Wahrscheinlicher als die Auslösung eines Wirtschaftsbooms ist laut Afemann ein Abbau von Arbeitsplätzen.

Auch die Medien, sowohl in den westlichen als auch in den so genannten Entwicklungsländern können schon vom Internet profitieren. Bislang sind Nachrichten von der südlicher Erdhalbkugel in den westlichen Medien wenig berücksichtigt worden, unter anderem auch aus mangelndem Zugang der Medien an Information, die als glaubhaft angenommen werden konnte. Das Internet könnte dies überwinden, indem es sich zumindest teilweise der staatlichen Zensur entzieht. Andererseits können sich afrikanische Medien über Neuigkeiten via Internet auf einem kostengünstigen und schnellen Weg informieren.

4. Risiken der Vernetzung

Die Benutzung des Internets bringt allgemein viele Gefahren mit sich, seien es Viren-Attacken, Cyber-Kriminalität oder Hacker-Eingriffe. Zu den problematischen und noch ungeklärten Bereichen gehören Fragen des Urheberrechtes, geistigen Eigentums und Informationsüberflutung. Speziell für Afrika und Entwicklungsländer im allgemeinen können die Gebiete risikoreich sein, die in den folgenden Unterkapiteln behandelt werden.

4.1. Gefahr des„rostenden Traktors“

Das Bild des rostenden Traktors wird als Symbol für eine fehlgeschlagene Entwicklungspolitik seitens der Industrieländer verwendet. In vielen Fällen wurde nämlich angenommen, dass schon die Versorgung allein mit einer neuen Maschine oder einer neuen Technologie den ge- wünschten Fortschritt mit sich bringe. Dabei wurde vergessen, dass es an ausgebildetem Per- sonal fehlt, das die entsprechende Maschine oder Technologie bedienen oder reparieren konn- te. Und so rostete, um in diesem Bild zu bleiben, der Traktor vor sich hin (Christian Baars).

Mit dem Einführen einer neuen Technologie oder eines neuen Mediums gehen meist sehr viel Wünsche und Utopien einher, die sich in der Geschichte oft aber nicht bewahrheitet haben. Im Falle des Internets ist es so, dass mit der Einführung dieses neuen Mediums Fachpersonal ausgebildet werden muss, ansonsten werden die afrikanischen Länder immer von Experten aus dem Norden abhängig sein. Damit sich das Internet tatsächlich unter der Bevölkerung verbrei- ten kann, müssen Lese- und Schreibkenntnisse vorhanden sein, allenfalls in Englisch, zumin- dest aber in Französisch. Das bedeutet, dass der Einführung von Internet umfassende Alphabe- tisierungsprogramme zugrunde liegen müssen, damit es auch genutzt werden kann.

4.2. Problem der Umweltverschmutzung

Da die Computerindustrie alle paar Monate neue Hardware produziert, muss die alte entsorgt werden. In der Regel sind alte Computer Sondermüll, und je schneller der technische Fortschritt vorangeht, desto mehr ausrangierte Geräte fallen an. Um sich Entsorgungskosten zu ersparen, gelangen alte Computer in Form von Spenden in die Dritte Welt (Uwe Afemann 1998). Diese werden dann auch, wenn sie in sehr schlechtem Zustand sind, zum Beispiel von Studenten der Elektrotechnik als Anschauungsmaterial verwendet.

Nicht nur die Entsorgung ist noch ein weitgehend ungelöstes Problem, auch die Produktion ist nicht ohne Nebenwirkungen. Bei der Herstellung von zum Beispiel Chips, Platinen und Gehäusen werden sehr viel Rohstoffe verbraucht. Viele Computerfirmen lassen mehr als die Hälfte der umweltschädlichen Produktion von Computern und anderen elektronischen Elementen in Entwicklungsländern produzieren (Uwe Afemann 1999).

Ein weiterer Aspekt ist der Papierverbrauch, der entgegen den Annahmen mit elektronischer Datenverarbeitung nicht gesunken, sondern noch gestiegen ist (Christian Baars). Die elektroni- sche Datenübermittlung ist also doch nicht so umweltfreundlich, wie sie auf den ersten Blick scheint, bezieht man die dazu benötigten technischen Geräte in die Rechnung mit ein.

4.3. Neue Abhängigkeiten für Afrika?

Da das Internet ein Medium ist, das sich zu einem grossen Teil von den USA her ausbreitet, könnte dies Afrika in eine neue Abhängigkeit führen, sowohl auf der ökonomischen wie auch auf der kulturellen Ebene. Auf der finanziellen Ebene könnte den afrikanischen Staaten eine weitere Verschuldung bevorstehen. Wenn der afrikanische Kontinent den Anschluss an die technische Entwicklung nicht verpassen will, dann sind in nächster Zeit grössere Investitionen nötig. Da die meisten afrikanischen Staaten hohe Auslandschulden und grosse Zinsbelastung haben, müssen sie, um diese Investitionen überhaupt tätigen zu können, Geld aufnehmen und kommen so in weitere Verschuldung. Auch ist eine Geldaufnahme oft mit Forderungen des Geldgebers verknüpft, so zum Beispiel mit der Privatisierung des Telecommarktes (Uwe Afe- mann 1998). Eine andere Möglichkeit wäre das Beanspruchen von finanzieller und personeller Hilfe Seitens internationaler Organisationen und ausländischen Regierungen, die dann aber vielleicht nur ihre eigenen Wünsche umsetzen wollen, in welche Richtung sich der Internet- gebrauch in Afrika entwickeln soll (Christian Flatz).

Andererseits könnte die Gefahr eines „kulturellen Identitätsverlustes“ bestehen. Von gewissen Personen wird das Internet auch „elektronisches trojanisches Pferd“ genannt, weil der grösste Teil der Infos von USA und Europa nach Afrika fliesst und nicht umgekehrt (Uwe Afemann 1998). Es wird befürchtet, dass westliche Werte und westliches Denken mittels globalem Netz noch verstärkt verbreitet werden. Die Dominanz der englischen Sprache auf dem Internet lässt schon darauf schliessen, dass nicht dominante Sprachen oder andere Kulturmerkmale verloren gehen könnten. Doch wenn eine Kultur auf eine andere trifft, gibt es meist nicht einfach eine restlose Überschwemmung des alten, sondern es entsteht dabei etwas anders, drittes. Zur Ge- fahr des Kulturimperialismus meint Afemann ausserdem, dass das Fernsehen die grössere Ge- fahr darstellen würde, weil es viel stärker verbreitet sei als das Internet (Uwe Afemann 1998).

5. Länderbeispiel: Senegal

Anhand eines bestimmten Landes werden im folgenden Kapitel verschiedene Aspekte des Internets genauer beleuchtet. Einzelne Homepages, deren Hosts in diesem Land liegen, werden vorgestellt und analysiert. Senegal habe ich aus den folgenden Gründen ausgewählt: Das Land verfügt über eine gute Telekommunikationsinfrastruktur und liegt im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern im vorderen Bereich (Vgl. Kap. 2.1.). Nach Gambia hat Senegal die höchste Prozentzahl von Personen, die Online sind. Die französische Landessprache ist typisch für Westafrika, anhand der die spezifische Problematik gezeigt werden kann, die in einem englischsprachig dominierten Netzwerk auftreten können.

Zuerst lässt sich zum Thema „Senegal und Internet“ eine allgemeine Beobachtung machen: Wenn man „Senegal“ in Suchmaschine eingibt, werden fast ausschliesslich ausländische Sites angezeigt, von der Weltbank bis zu „L'agence de renseignements américaine“. Dass unter den Suchergebnissen fast keine einheimischen Sites zu finden sind, sei eine betrübliche Erfahrung, wie M. Alex Corenthin, der Chef des Informatikzentrums an der Polytechnischen Hochschule von Dakar beschreibt (In: Fabrice Hervieu Wané). In einigen Bereichen gibt es beträchtlich mehr Internetpräsenz, vor allem in Tourismus und in anderem, wo ausländische Anleger angezogen werden sollen. Diese Sektoren haben oft ausgefeiltere und modern aufgemachte Seiten, die eine grössere Leistung des Zugangscomputers verlangen.

5.1. Verbreitung des Internets

In Senegal gibt es etwa 70 Telecenters die Internetzugang anbieten, und zwar nicht nur, wie dies in anderen Entwicklungsländer der Fall ist, in der Hauptstadt. Landesweit kann mittels Lokaltarif ins Internet eingewählt werden. Die folgende Tabelle zeigt den explosionsartigen Zuwachs Zahl der User in Senegal:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: www.nua.ie/surveys/how_many_online/africa.html

Innerhalb von nur sieben Monaten, zwischen Mai und Dezember 1999, hat sich die Zahl der User also vervierfacht. Diese hohe Zuwachsrate entspricht etwa derjenigen eines europäischen Landes, was unter anderem auch zu sehr optimistischen Einschätzungen des Nutzens des Internets für Afrika geführt haben könnte.

Senegal hat 1996 den Telekommunikationsmarkt nominal liberalisiert, Konkurrenz wurde zuge- lassen. Bis frühestens im Jahr 2004 oder spätestens bis 2006 soll die volle Liberalisierung ein- geführt sein (www.ostorm.sn/intersen/regelmentaire.pdf.) Zuständig für die Regulierung des Marktes ist die DERPT (Direction des Etudes et de la Réglementation des Postes et des Télé- communications). Faktisch ist aber momentan der Telefonmarkt für Hauptlinien und Festnetz noch ein Monopol, ebenso der Markt der IP-Verbindungen. Seit 1998 teilen sich zwei Anbieter den Markt der Mobiltelefonie. Laut Orstorm (www.orstorm.sn) wird seit 1997 regelmässig die Schaffung einer „Autorité indépendante de Régulation des Télécommunications“ angekündigt, die aber bis jetzt noch nicht in Kraft ist.

5.2. Die Rolle der Sonatel

Die Sonatel (Société Nationale des Télécommunications du Sénégal, www.sonatel.sn) gibt es seit 1985 und sie ist ehemaliger staatlicher Telekomanbieter. Entstanden ist sie aus einer Fusi- on von „Office des Postes et Télécommunications“ und „Télésénégal“. Die Sonatel ist seit 1997 eine AG, und France Telecom besitzt über 1/3 der Aktien. Dies zeigt die noch aktuelle wirt- schaftliche Verknüpfung mit Frankreich. Aufgrund eines WTO-Beschlusses sollte aber die Re- gierung alle ausländischen Beteiligungen der Sonatel in den nächsten Jahren aufheben. Zwar ist die Sonatel privatisiert, aber sie besitzt noch bis 2005 das Monopol in öffentlicher Telefonie, in der Telefonie übers Festnetz und Telex. Andere Dienstleistungen wie Mobliltelefonie, Pager- funktion, unterliegen der kontrollierten Marktwettbewerb, alle anderen Dienstleistungen sind im freien Wettbewerb.

Sonatel bietet keine öffentliche Telefone mehr an, sondern eröffnete kleine Telecenter, in denen man neben Telefonieren auch Faxen, auf dem Internet surfen und andere Dienstleistungen be- ziehen kann. Dies ist charakteristisch für die Entwicklung in (West-)afrika. Die Kosten für Inter- netservice sind in Senegal im afrikanischen Vergleich sehr günstig, jedoch immer noch doppelt so hoch wie in Botswana.

5.3. Internet-Anbieter in Senegal

Es gibt ungefähr zehn verschiedene Provider in Senegal (aufgeführt unter: www3.sn.apc.org/africa/af-isps.htm), die aber alle über die Sonatel laufen, um das globale Netz zu erreichen:

- University Cheik Anta Diop www.ucad.sn
- ENDA http://www.enda.sn / moussaf@enda.sn
- Refer http://www.refer.sn / jpdenis@syfed.refer.sn
- ORSTOM http://www.orstom.sn
- Telecom-Plus http://www.telecom-plus.sn
- Metissacana http://www.metissacana.sn
- Arc Informatique http://www.arc.sn
- AfricaOnline http://www.africaonline.co.sn
- Cyber Business Centre http://www.cyg.sn
- Sonatel http://www.sonatel.senet.net

Einen davon, der mir besonders „afrikanisch“ erscheint, möchte ich in der Folge kurz vorstellen: Metissacana. Neben dem Namen des Providers ist Metissacana gleichzeitig eine Kette von Internetcafés, deren Hauptserver in Dakar liegt. 1996 wurde Metissasacana in Dakar als erstes Cybercafé überhaupt in Westafrika eröffnet. Auch lief über die Homepage von Metissacana zum ersten Mal in Senegal Radio übers Internet.

Das Bambara-Wort Metissacana bedeutet auf Deutsch: die Mischung kommt. Nicht nur der Name ist afrikanisch, auch das Layout der Homepage hebt sich von europäischen ab, in erster Linie durch seine Farbigkeit. Die Homepage beherbergt andere Sites, unter anderem diejenigen von Künstlern, Zeitungen oder Radiostationen. Auch für Private oder Firmen werden Seiten kreiert.

Das Ziel der Betreiber ist es, einer möglichst breiten Bevölkerungsschicht das Netz zur Verfü- gung zu stellen, deshalb wurden auch Ableger in Thiès, Sally, Tambacounda, Saint-Louis und Ziguinchor eröffnet, jedesmal mit lokalen Partnern. Metissacana organisiert daneben Ausbil- dungen, in denen vor allem Anfänger geschult werden. Michel Mavros, Mitbegründer von Metis- sacana stellte fest, dass nicht die Verbindung per Internet teuer und elitär sei, sondern die Be- schaffungskosten für einen Computer (Ayoko Mensah). Eine Stunde Verbindung kostet 1‘500 Francs CFA, ½ Stunde kostet 1‘000 Francs CFA, Monatsabo kostet 8'000 Francs CFA. In der Anfangszeit sind laut Mavros die Leute nur ins Internetcafé gekommen, um E-mails zu schrei- ben und die Jungen seien interessiert an Spielen gewesen. In der Zwischenzeit hätten sich die Kunden ans Web gewöhnt und viele Studenten und Gymnasiasten würden kommen, um Re- cherchen zu machen. Doch der E-Mail-Dienst bleibt der häufigste Verwendungszweck.

5.4. Sprachliche Situation der senegalesischen Websites

Senegal ist, trotzt der französischen Staatssprache, hinsichtlich seiner sprachlichen Situation ein westafrikanischer Sonderfall, da es im Gegensatz zu anderen Staaten mit Wolof eine Sprache gibt, die die anderen deutlich dominiert und von den meisten Senegalesen gesprochen wird. Nichtsdestotrotz sind die meisten Sites mit senegalesischem Host nur auf französisch gehalten, unter anderem die offiziellen Homepages der Regierung (Vgl. dazu die Linkliste im Anhang). Einige Hompages, vor allem solche von internationalen Organisationen, sind wahlweise in Französisch oder Englisch abzurufen, so zum Beispiel die des senegalesischen Providers ENDA, der von einem NGO betrieben wird.

Auch vielsprachige Sites sind zu finden, ein Beispiel dafür ist www.pass2net.sn. Es ist die Ho- mepage einer Gruppe von Senegalesen, die in die USA emigriert sind, und in Dakar eine Nie- derlassung gegründet haben mit dem Ziel, die neuen Informationstechnologien möglichst schnell einer breiten Schicht von Senegal zugänglich zu machen. Diese Site ist in vier Sprachen zugänglich: Französisch, Wolof, Arabisch, Pulaar. Doch das ist eine der grossen Ausnahmen, dominant sind in Senegal die französischsprachigen Homepages, gefolgt von englischsprachi- gen. Es ist anzunehmen, dass im Zuge des weltweiten Rückgangs der englischsprachigen Inte- rentauftritte (Vgl. Kap. 2.6.3.) auch in Senegal künftig noch mehr Sprachen online sein werden.

6. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Ob sich das Internet in Afrika verbreiten wird, ist längst keine Frage mehr, zum jetzigen Zeitpunkt geht es nur noch darum, wie sich diese Ausbreitung gestaltet. Denn wie in dieser Arbeit gezeigt, ist die Internetverbreitung in Afrika ein zweischneidiges Schwert. Zugespitzt lässt sich die Frage formulieren, ob es in Afrika Internetcafés braucht, wenn es in einigen Regionen gar an Wasser und Nahrung fehlt?

Seit den 70ern werden Kommunikationsmittel wie Telefon, Fernsehen und Satelliten in Entwick- lungsländern eingeführt. Davon profitierten vor allem die Produzenten der Kommunikations- technologien, die Banken, welche die Darlehen gaben und die lokalen Verwaltungseliten, wel- che diese Technologien nutzten (Uwe Afemann 1999). Das Internet nützt also vor allem denen, die sowieso schon alles haben, und das sind, global gesehen, 2% der Bevölkerung. Eingedenk der Tatsache, dass das Internet immer mehr zu wirtschaftlichen Zwecken genutzt wird, würde ein weniger zahlungskräftiges Publikum in Zukunft noch weniger berücksichtigt.

Per Internet scheinen europäisch-nordamerikanische Werte unhinterfragt nach Afrika exportiert zu werden und dort von denen, die es sich leisten können, auch angenommen. Zwar scheint dies den Bildungsgraben zwischen erster und dritter Welt zu überbrücken, doch innerhalb der Länder wird dieser noch vertieft. Die Vernetzung wäre nur mit relevanten Inhalten und mit rele- vanten Anwendungen von Bedeutung, was für viele ländliche Gebiete Afrikas nicht der Fall ist.

Das Internet verkörpert wie kein anderes Medium die Idee, allen Menschen den Zugang zu Information zu erlauben. Tatsächlich könnte mit Hilfe des Internets die Einbahnstrasse Nord-Süd durchbrochen werden. Die Kommunikation über weite Distanzen wird erleichtert, sowohl was den zeitlichen Aufwand als auch die Kosten betrifft. Dabei rücken die verschiedenen Regionen der Welt enger zusammen. Um weiteres wirtschaftliches Wachstum zu ermöglichen, ist die Entwicklung der Telekommunikation im allgemeinen nötig.

Mit der zunehmenden Verbreitung des Internets sind zugleich einige Forderungen zu stellen. Zentral erscheint mir dabei die Frage des Zugangs: Momentan haben nur wenige Menschen Zugang zum Internet, eine Elite. Es sollte in Städten oder Dörfern Gemeinschaftszentren geben, zu denen alle Zugang haben, wenn möglich gratis oder zu einem geringen Betrag. Die Ten- denz, dass die Kosten für die Nutzung gesenkt werden, ist in den urbanen Zentren schon da, doch für die ländlichen Gebiete wird es nicht so bald Internetverbindungen geben. Erst aber wenn möglichst viele Leute Zugang haben, wird das Internet auch seinen Charakteristika ge- recht, nämlich ein Medium mit Input- und Output-Kanal zu sein, für den Wissensaustausch, und nicht für die einspurige Datenautobahn von Norden nach Süden. In erheblichem Masse hängt die Verbreitung des Internets davon ab, wie schnell die Kosten gesenkt werden können, was wiederum mit einer hohen Nutzerzahl verbunden ist.

Eine weitere Forderung ist die Vermeidung von zusätzlichen Umweltschäden durch das Internet. Die Industrieländer können sich dem Problem der Entsorgung nicht einfach entledigen, indem sie als so genannte Materialspende ausrangierte Elektrogeräte nach Afrika schicken, die aber auch dort unbrauchbar sind.

Schliesslich ist es aber gefährlich, Internetzugang gegen Nahrungsmittelspenden oder Alphabe- tisierungsprogramme auszuspielen, wie am Anfang des Kapitels formuliert. Selbstverständlich sind andere Probleme für die Menschen in Westafrika dringlicher als die totale Vernetzung, doch Afrika kann nicht dauerhaft auf Internet verzichten. Auch die Befürchtung des kulturellen Identitätsverlustes afrikanischer Länder und die wirtschaftlichen Interessen westlicher Unter- nehmen können die folgende Tatsache nicht aufwiegen: Wenn die ärmeren Länder ohne Zu- gang zum Internet bleiben, werden sie endgültig von der sich immer mehr verflechtenden Welt- ökonomie abgehängt.

Auf jeden Fall kann man mit Brian F. Lavoie und Edward T. O‘Neill fragen: „How World Wide is the Web?“ und kommt zu der Schlussfolgerung, dass es sich dabei (noch) keineswegs um ein weltweites Netz handelt aber um eines, das sich auf jeden Fall weiter ausbreiten wird.

7. Literaturliste

- Afemann, Uwe: Internet für die Dritte Welt: Chance oder Bedrohung? erschienen in : forum erwachsenenbildung Nr.2/98. abrufbar unter: http: / /www.rz.uni-osnabbrueck.de / Doku- mentation / Lokale_Kopien / Internet_Und_Dritte_Welt / forumEB / forumEB.html (3.1.02)
- Afemann, Uwe: „Internet in Entwicklungsländern - eine vorläufige Bilanz“. Vortrag com 5. Oktober 1999. Abrufbar unter: http://www.home.uni- osnabrueck.de/uafemann/Internet_Und_Dritte_Welt/InternetBilanz.html (30.1.02)
- Ahakwo, Chris o. The role of Internet connectivity in Nigeria. www.isocnig.org.ng/ConferendePapers/paper17.htm (19.12.01)
- Baars, Christian: Internet in Afrika. Entwicklungschance oder der Weg in eine neue Abhän- gigkeit? Diplomarbeit Uni Hamburg. Abrufbar über: www.hausarbeiten.de/rd/archiv/politologie/pol-text219/shtml (1.1.02)
- Barlet, Olivier. Le cyber-espace des femmes d’Afriques. Entretien avec Marie-Hélène Mottin Sylla (Famafrique). www.africultures.com/articles/articles_francais/internet/sylla.htm (7.1.02)
- Barlet, Olivier. Que les femmes soient prèsentes. Entretien avec Aïcha Tambura. www.africultures.com/articles/articles_francais/internet/aicha_tambura.htm
- Barlow, John Perry. Africa Rising. Everything you know about africa is wrong. Erschien im Magazin „Wired“, Januar 1998. http://www.wired.com/wired/6.01/barlow_pr.html (14.11.01)
- Boni, Tanella. 10. Oktober 1999. Internet, le temps et la tradition orale. www.africulturex.com/articles/articles_francais/internet/abidjan.htm (5.1.02)
- Cissé, Allassane. Cybercafés à Dakar: voyager assis. www.africultures.com/articles/articles_fraancais/internet/cyberdakar.htm (8.12.01)
- Daouda, Moudjibath. Les enjeux d’Internet en Afriqu. www.africultures.com/articles_francais/internet/enjeux.htm (23.11.01)
- Egle, Roland; Flatz, Christian; Lanzinger, Armin; Kröll, Michael. Internet in Schwarzafrika. www.interasia.org/results/afrika (1.11.01)
- Flatz, Christian. Internet in Afrika - Afrika auf der Überholspur der Entwicklungsautobahn? www.interasia.org/vietnam/hanoi_afrika.html (15.12.01)
- Flatz, Christian; Riedman, Sylvia; Kröll, Michael (Hgg.) Rassismus im virtuellen Raum. Hamburg 1998.
- Gnos, Manuel. Afrika im Internet. Ein Kontinent bricht auf. Unveröffentlichte Diplomarbeit Uni Freiburg 1998. Zu bestellen unter: http://www.ify.ch/africa (14.11.01)
- Goergen, Roman. Jenseits von Afrika. www.berlinonline.de/wissen/berliner_zeitung/archiv/1999/1015/medien/0002/index.html (19.12.01)
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- Hegener, Michiel. Telecommunications in Africa - via Internet in Particular. http://som.csudh.edu/cis/lpress/devnat/general/africa.htm (20.12.01)
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- Kargbo, Jaohn Abdul. The Internet in Sierra Leona: The Way Forward? www.firstmonday.dk/issues/issue2_2/kargbo (5.12.01)
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- Lohlker Rüdiger: Islam im Internet. Neue Formen der Religion im Cyberspace. Hamburg 2000.
- Mandard, Stéphane; Foucart, Stéphane. L’Afrique a-t-elle besoin d’Internet? http://interactif.lemonde.fr/article/0,5611,2894—180253-0,FF.html (10.01.02)
- Mensah, Ayoko: Metissacana: Internet partout. Entretien avec Michel Mavros. www.africultures .com/articles_francais/internet/metissacana.htm. (1.12.01)
- n. n. Internet development in africa. 08-Sep-1998 www.phil-fak.uni-duesseldorf.de /infowiss/ frames/afrikain.html. (20.12.01)
- Orstorm: Telecom & Internet. Sénégal. Le Secteur des Televommunications au Sénégal: Cadre Réglementaire. Abrufbar unter: www.ostorm.sn/intersen/regelmentaire.pdf. (15.1.02)
- Ott, Dana. Power to the people. The role of electronic media in Promoting Democracy in Africa. (First monday. Peer-reviewed Journal on the Internet. Vol.3 No.4 - April 6th. 1998) www.firstmonday.dk/issues/issue3_4/ott/index.html (10.12.01)
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- Ramani, S. ; Garg, A (Hgg.): Computer Communication for developing Countries. Amster- dam 1988.
- Rötzer, Florian. Ein Ring um Afrika. Breitbandkabel im Meer sollen den schwarzen Konti- nent vernetzen. www.heise.de/bin/issue/dl- artikle.cgi?artiklenr=2975&rub_ordner=inhalt&mode=html (10.11.01)
- Sprenger, Ute: Afrika im Cyberspace. http://home.snafu.de/usp/afri-sud.htm (10.12.01)
- Wané, Fabrice Hervieu: Internet sauvera-t-il l'Afrique? http://diderot.rio.net/textes/enjeux/hervieu.htm (5.1.02)

8. Linkliste zu Senegal

Allgemeine Informationen

- http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/sg.html
- http://www.earth2000.com/senegal

Sprache

- Weltbank spricht Wolof: http://www.worldbank.org/afr/ik/wolof/wdefault.htm
- Broschüre auf Wolof:http://www.worldbank.org/afr/ik/wolof/ikbrochwolf.htm
- Schulmaterial in afrikanischen Sprachen: http://www1.cyg.sn/safefod/safefod/publications.htm
- Online Wolof lernen, Phonetik, gebräuchliche Ausdrücke, Wörterbuch: http://www.chez.com/afroweb/wolo_frm.htm
- Sprachkurs Wolof: Ausdrücke, Grammatik, Wörterbuch http://www.afric- network.fr/afric/senegal/wolof/wolof.html
- Répertoire des langues parlées au Sénégal. Compilation du Summer Institute of Linguistics (en anglais) Ethnologue, 13th Edition http://www.sil.org/ethnologue/countries/sene.html
- Dictionnaire Französisch-Wolof http://www.refer.sn/dicowolof/
- Gedichte in Französisch, Englisch und von der Autorin nicht identifizerbaren afrikanischen

Sprachen:

http://www.siup.sn/GrandYoff/secteurs%20d'acticvit%E9/culture/po%E8mes/Texte%20po% E8mes.htm

Regierung

- www.primature.sn
- www.jeunesse.gouv.sn
- http://www.finances.gouv.sn/

Chat

- (www.sentoo.sn), http://213.154.64.239/ Sentoo: sehr viele User, chaotisch, viele Möglich- keiten, „Robot“ greift regulierend ein. Einfaches Einloggen, nur ein Raum, hohe Fluktuation, einfache Bedienung, anspruchslose Oberfläche, es wird hauptsächlich auf Wolof kommuni- ziert
- www.homeviewsenegal.sn:
- www.metissacana.sn: Grosser Anbieter in Senegal:
- www.everyday.sn/chat: kann mich nicht einloggen, es hat anscheinend mehrere Salons, Oberfläche sieht nach „gehobenem Niveau“ aus, sieht seriös aus
- http://www.afrol.com/Countries/Senegal/senegal.htm

Schulen/ Universitäten

- Universität Gaston Berger in St. Louis
- http://www.ugb.sn/instituts.htm

Tourismus

- http://www.dakarville.sn/
- http://www.optima.sn/
- http://nangadef.ifrance.com/

Sonstiges

- NGO, arbeiten für Demokratisierung, journalistische Arbeit wird unterstützt, gute Medienlis- te: http://www.panos.sn/
- Baumwollproduktion: http://www.agric.gouv.sn/sodefitexaccueil.htm
- Tennisclub: www.fst.sn

[...]


1 Real Life, im Unterschied zu VR, der virtuellen Welt im Datennetz (Anmerkung U.H.).

2 Hier erscheint es mir sinnvoll, zunächst auf den ganzen Kontinent einzugehen, unter anderem auch da das hinzugezogene Material sich nicht speziell mit Westafrika befasst. Spätestens in Kapitel 5 widme ich mich aber ganz einem westafrikanischen Land, Senegal.

28 von 28 Seiten

Details

Titel
Internet in Westafrika
Autor
Jahr
2002
Seiten
28
Katalognummer
V107027
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Internet, Westafrika
Arbeit zitieren
Ursula Haas (Autor), 2002, Internet in Westafrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107027

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