Das vorliegende Projekt untersucht die Darstellung von Frauen und Männern im deutschen Fernsehen. Der inhaltliche Fokus der Arbeit liegt auf den Fernseh-Sportnachrichten-Sendungen und der Darstellung von Sportlerinnen und Sportlern in diesen Sendungen.
Die Hinwendung zu diesen zusammenfassenden Sendungen hat unterschiedliche Gründe: Zu den Hauptaufgaben einer qualitativ hochwertigen Nachrichtensendung gehört es, "EINEN VOLLSTÄNDIGEN ÜBERBLICK ÜBER DIE WICHTIGSTEN TAGESEREIGNISSE" zu geben (DARSCHIN/ZUBAYR 2001, 243). Neben der geforderten Universalität ist es eine weitere Aufgabe, die Realität so widerzugeben, wie sie wirklich ist. Darüber hinaus sollte in Nachrichten generell darauf verzichtet werden, wichtige Ereignisse in den Hintergrund zu rücken, um Buntes und Vermischtes zu präsentieren (vgl. ebd., 243). Eine andere Gefahr liegt darin, dass durch subjektive Selektion, die sich nicht an den genannten Kriterien orientiert, der "MANTEL DES SCHWEIGENS ÜBER FRAUENRELEVANTE THEMEN, ÜBER GESELLSCHAFTLICH RELEVANTE AKTIVITÄTEN VON FRAUEN ODER AUCH FRAUEN IN EINFLUSSPOSITIONEN" gelegt wird. (WEIDERER 1995, 306 f.). Ein weiteres elementares Kriterium für Nachrichten muss die Objektivität sein, die im Zentrum des Selbstverständnisses des deutschen Mediensystems steht (vgl. WEISCHENBERG 1995, 157). Gegenstand der vorliegenden Untersuchung ist unter anderem die Klärung, ob diese Kriterien eingehalten werden.
Besonderes Augenmerk wird in der Arbeit darauf gelegt, ob die in den Fernseh-Sportnachrichten präsentierten SpitzensportlerInnen im selben Verhältnis abgebildet werden, wie es in der Sportrealität herrscht. Somit sollte ein Verhältnis von Sportlern zu Sportlerinnen von ungefähr 60:40 nicht deutlich unterschritten werden. Dieses spiegelt den Anteil von Athletinnen an den deutschen Olympiateams der letzten vier Olympischen Spiele wider [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Grundidee und Forschungsinteresse
1.1. Idee und Forschungsinteresse
1.2. Wissenschaftliche und gesellschaftliche Relevanz der Untersuchung
1.3. Die Auswahl der Forschungsobjekte
2. Soziale Dimensionen des Sports
2.1. Die Entwicklung des (Frauen-)sports von der Antike bis zum Nationalsozialismus
2.2. Die Rolle des Frauensports von 1945 bis zur Gegenwart
2.3. Soziale Relevanz und Funktionen des Sports
2.4. Die Bedeutung des Sports für die gesellschaftliche Rolle der Frau
2.5. Auswirkungen von Mediensport auf die Gesellschaft
3. Entwicklung sowie allgemeine und sportspezifische Theorien der Frauenforschung
3.1. Historie der Frauenforschung
3.2. Konstruktion von Geschlecht
3.2.1. Allgemeine Konstruktionsmechanismen
3.2.2. Konstruktion von Geschlecht durch den Sport und die Sportmedien
3.3. Aktuelle Erkenntnisse der Frauenforschung
3.3.1. Erkenntnisse zum Bild der Frau in den Medien
3.3.2. Erkenntnisse zum Bild der Frau im Sport
3.3.3. Erkenntnisse zum Bild der Frau in den Sportmedien
4. Geschichte und aktuelle Entwicklungen der Medienforschung
4.1. Die gesellschaftliche Relevanz der Medien
4.2. Die generellen Strukturen in der deutschen Fernsehlandschaft und ihre Geschichte
4.3. Die Geschichte und die Gegenwart der untersuchten Fernsehsender
4.3.1. Der Aufbau der ARD
4.3.2. Der Aufbau von Sat.1
4.3.3. Der Aufbau vom Deutschen Sportfernsehen (DSF)
4.3.4. Der Aufbau von Eurosport
4.4. Die elementare Bedeutung von Nachrichten
4.4.1. Nachrichtenwerte
4.5. Kommunikatorforschung
4.5.1. Die Gatekeeper-Theorie
4.6. Medienwirkungsforschung
4.6.1. Die Agenda Setting-Theorie
4.6.2. Der transaktionale Ansatz
5. Hypothesen
5.1. Entwicklung der Hypothesen
5.2. Hypothesenvorstellung
6. Methodologie und Untersuchungsdesign
6.1. Die Inhaltsanalyse
6.1.1. Das Untersuchungsdesign der Inhaltsanalyse
6.1.2. Die Kategorienbildung für die Inhaltsanalyse
6.1.3. Die formalen Kategorien
6.1.4. Die inhaltlichen Kategorien
6.2. Das diskursive Interview
6.2.1. Untersuchungsdesign der Interviews
6.2.2. Untersuchungsdesign der Interviewanalyse
7. Vorstellung und Diskussion der inhaltsanalytischen Ergebnisse
7.1. Präsentation der formalen Aspekte der Berichterstattung
7.1.1. Ergebnisse aller untersuchten Sender
7.1.1.1. Sportarten
7.1.1.2. Verhältnisse der Geschlechter
7.1.1.3. Sportarten in der Berichterstattung über Männer
7.1.1.4. Sportarten in der Berichterstattung über Frauen
7.1.2. Ergebnisse der ARD
7.1.2.1. Sportarten im „ARD-Sportschautelegramm“
7.1.2.2. Verhältnis der Geschlechter im „ARD-Sportschautelegramm“
7.1.2.3. Sportarten in der Berichterstattung über Männer im „ARD-Sportschau-Telegramm“
7.1.2.4. Sportarten in der Berichterstattung über Frauen im „ARD-Sportschau-Telegramm“
7.1.3. Ergebnisse Sat.1
7.1.3.1. Sportarten in der Sendung „täglich ran“
7.1.3.2. Verhältnisse der Geschlechter in „täglich ran“
7.1.3.3. Sportarten in der Berichterstattung über Männer in „täglich ran“
7.1.3.4. Sportarten in der Berichterstattung über Frauen in „täglich ran“
7.1.4. Ergebnisse DSF
7.1.4.1. Sportarten im „DSF-Newscenter“
7.1.4.2. Verhältnisse der Geschlechter im „DSF-Newscenter“
7.1.4.3. Sportarten in der Berichterstattung über Männer im „DSF-Newscenter“
7.1.4.4. Sportarten in der Berichterstattung über Frauen im „DSF-Newscenter“
7.1.5. Ergebnisse Eurosport
7.1.5.1. Sportarten im „Eurosport-Sportscentre“
7.1.5.2. Verhältnisse der Geschlechter im „Eurosport-Sportscentre“
7.1.5.3. Sportarten in der Berichterstattung über Männer im „Eurosport-Sportscentre“
7.1.5.4. Sportarten in der Berichterstattung über Frauen im „Eurosport-Sportscentre“
7.1.6. Zusammenfassung der Ergebnisse der formalen Aspekte der Berichterstattung
7.2. Präsentation der inhaltlichen Aspekte der Berichterstattung
7.2.1. Länge der Beiträge
7.2.2. Stilform
7.2.3. Verhalten der Sportler und Sportlerinnen
7.2.4. Die Leistungsebene der Sportlerinnen und Sportler in Sportnachrichten-Sendungen
7.2.5. Die Thematisierung von sportlichen Erfolgen und Misserfolgen
7.2.6. Der thematische Fokus der Berichterstattung in Fernsehsport-Nachrichten-Sendungen
7.2.7. Die Anrede und Beschreibung der Sportlerinnen und Sportler
7.2.8. Die Angabe des Alters von Sportlerinnen und Sportlern
7.2.9. Die KommunikatorInnen in Fernseh-Sportnachrichten-Sendungen
7.2.10. Verwendung von Stereotypen und Trivialisierungen in Fernseh-Sportnachrichten-Sendungen
7.2.11. Die Präsentation der Beiträge in Fernseh-Sportnachrichten-Sendungen
7.3. Zusammenfassung und Diskussion der inhaltsanalytischen Ergebnisse
7.4. Vergleich der inhaltsanalytischen Ergebnisse mit dem aktuellen Stand der Forschung
8. Die Ergebnisse der qualitativen Interviewanalyse
8.1. Die Selektionskriterien
8.2. Die quantitative Unterrepräsentation von Frauensport
8.3. Der Einfluss der Zielgruppe
8.4. Der Einfluss der Werbewirtschaft
8.5. Qualitative Unterschiede in der Präsentation von Männersport und Frauensport
8.6. Unterschiede in der präsentierten Leistungsebene
8.7. Länge und Platzierung der Beiträge
8.8. Die Rechtesituation und die Cross-Promotion
8.9. Aufbau der Redaktionen
8.10. Einfluss des Fernsehens auf den Sport
8.11. Die persönliche Einstellung zum Thema Frauensport
8.12. Fazit
9. Vergleich der Ergebnisse von Inhaltsanalyse und Interviews
9.1. Die Unterschiede in der formalen Präsentation
9.2. Die geringe Vielfalt der Sportarten
9.3. Länge und Platzierung der Beiträge
9.4. Trivialisierung von Frauensport
9.5. Frauensport ist Nischensport
10. Hypothesendiskussion
11. Fazit und Ausblick
11.1. Gesamtzusammenfassung
11.2. Einordnung der Ergebnisse in die bisherige Forschung
11.3. Forderungen auf der Basis der Analyse
12. Literaturverzeichnis
13. Abbildungsverzeichnis
13.1. Tabellenverzeichnis
13.2. Abbildungsverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die quantitative und qualitative Darstellung von Sportlerinnen und Sportlern in den Sportnachrichten-Sendungen des deutschen Fernsehens. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der realen Beteiligung von Frauen im Leistungssport und ihrer medialen Präsenz zu analysieren sowie die zugrundeliegenden Selektionsmechanismen und die Einflüsse von Zielgruppen und Werbewirtschaft zu identifizieren.
- Analyse der quantitativen Unterrepräsentation von Frauen im medialen Sport.
- Untersuchung der qualitativen Unterschiede in der Berichterstattung (z.B. Beitragslänge, Sprache, Themensetzung).
- Erforschung der redaktionellen Selektionskriterien und Zwänge durch Experteninterviews.
- Abgleich der theoretischen Grundlagen mit der gelebten Medienpraxis.
- Diskussion über die gesellschaftliche Bedeutung und die Konstruktion von Geschlecht durch Sportmedien.
Auszug aus dem Buch
Einleitung: Grundidee und Forschungsinteresse
Das vorliegende Projekt untersucht die Darstellung von Frauen und Männern im deutschen Fernsehen. Der inhaltliche Fokus der Arbeit liegt auf den Fernseh-Sportnachrichten-Sendungen und der Darstellung von Sportlerinnen und Sportlern in diesen Sendungen.
Die Hinwendung zu diesen zusammenfassenden Sendungen hat unterschiedliche Gründe: Zu den Hauptaufgaben einer qualitativ hochwertigen Nachrichtensendung gehört es, EINEN VOLLSTÄNDIGEN ÜBERBLICK ÜBER DIE WICHTIGSTEN TAGESEREIGNISSE zu geben (DARSCHIN/ZUBAYR 2001, 243). Neben der geforderten Universalität ist es eine weitere Aufgabe, die Realität so widerzugeben, wie sie wirklich ist. Darüber hinaus sollte in Nachrichten generell darauf verzichtet werden, wichtige Ereignisse in den Hintergrund zu rücken, um Buntes und Vermischtes zu präsentieren (vgl. ebd., 243). Eine andere Gefahr liegt darin, dass durch subjektive Selektion, die sich nicht an den genannten Kriterien orientiert, der MANTEL DES SCHWEIGENS ÜBER FRAUENRELEVANTE THEMEN, ÜBER GESELLSCHAFTLICH RELEVANTE AKTIVITÄTEN VON FRAUEN ODER AUCH FRAUEN IN EINFLUSSPOSITIONEN gelegt wird. (WEIDERER 1995, 306 f.). Ein weiteres elementares Kriterium für Nachrichten muss die Objektivität sein, die im Zentrum des Selbstverständnisses des deutschen Mediensystems steht (vgl. WEISCHENBERG 1995, 157). Gegenstand der vorliegenden Untersuchung ist unter anderem die Klärung, ob diese Kriterien eingehalten werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Grundidee und Forschungsinteresse: Definition des Forschungsgegenstandes und Darlegung der wissenschaftlichen Relevanz durch Abgrenzung zum Forschungsstand.
2. Soziale Dimensionen des Sports: Historischer Überblick über die Entwicklung des Frauensports unter Berücksichtigung soziologischer und politischer Kontexte.
3. Entwicklung sowie allgemeine und sportspezifische Theorien der Frauenforschung: Theoretische Fundierung durch verschiedene Ansätze der Frauen- und Genderforschung bis hin zum „doing gender“-Konzept.
4. Geschichte und aktuelle Entwicklungen der Medienforschung: Analyse der Struktur des deutschen Fernsehmarktes und theoretische Einführung in Selektions- und Wirkungstheorien.
5. Hypothesen: Herleitung der forschungsleitenden Thesen auf Basis der theoretischen Vorüberlegungen.
6. Methodologie und Untersuchungsdesign: Detaillierte Beschreibung der kombinierten quantitativen Inhaltsanalyse und der qualitativen Experteninterviews.
7. Vorstellung und Diskussion der inhaltsanalytischen Ergebnisse: Detaillierte Auswertung der erhobenen Daten zu Sportarten, Geschlechterverhältnissen und medialen Darstellungsformen.
8. Die Ergebnisse der qualitativen Interviewanalyse: Auswertung der Gespräche mit Redaktionsverantwortlichen bezüglich Selektionskriterien und Praxiszwängen.
9. Vergleich der Ergebnisse von Inhaltsanalyse und Interviews: Synthese der quantitativen und qualitativen Befunde zur Identifikation von Erklärungsmodellen.
10. Hypothesendiskussion: Validierung der im Vorfeld aufgestellten Hypothesen im Kontext der gewonnenen Analysedaten.
11. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Darstellung der Hauptergebnisse und Formulierung von Handlungsempfehlungen.
Schlüsselwörter
Frauensport, Sportnachrichten, Fernsehen, Geschlechterverhältnis, Inhaltsanalyse, Experteninterviews, Sportberichterstattung, Gatekeeper-Theorie, Agenda Setting, Stereotypisierung, Sportjournalismus, Leistungssport, Medienwirklichkeit, Genderforschung, Selektionskriterien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Sportlerinnen im Vergleich zu Sportlern in den Fernsehnachrichten des deutschen Fernsehens dargestellt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung deckt die Bereiche Sportsoziologie, Frauenforschung, Medienwirkungsforschung und die journalistische Praxis in Sportredaktionen ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird analysiert, warum Frauensport quantitativ unterrepräsentiert ist und ob spezifische mediale Selektionskriterien für diese Diskrepanz verantwortlich sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt ein triangulierendes Design: eine quantitative Inhaltsanalyse von Sportnachrichten-Sendungen kombiniert mit qualitativen, diskursiven Interviews mit Redaktionsverantwortlichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Daten zu Sportarten, Beitragslängen, Stilformen und das Verhalten der Athleten sowie die Sichtweisen der Macher hinter den Kulissen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Sportberichterstattung, Unterrepräsentation von Frauen, Sportnachrichten-Sendungen und journalistische Selektionskriterien.
Wie groß ist die Bedeutung von Zielgruppen für die Programmgestaltung?
Laut den befragten Redakteuren ist das Interesse der Zielgruppe (vor allem Männer 14-49) das wichtigste Selektionskriterium für die Themenauswahl.
Welchen Einfluss haben Senderechte?
Senderechte und Cross-Promotion sind zentrale Faktoren, die die Nachrichtenauswahl steuern, wobei die Vermarktung der eigenen Rechte oft über dem klassischen Nachrichtengehalt steht.
- Citar trabajo
- Martin Neumann (Autor), Markus Kuhlen (Autor), 2002, Die Präsentation von Sportlerinnen und Sportlern in Sportnachrichten-Sendungen des deutschen Fernsehens, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10704