Kindsein in der DDR


Seminararbeit, 2001

18 Seiten, Note: 1.5


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Inhaltsangabe

I. Einleitung

II. Geschichte des Kindergartens
II.1. Von den Anfängen bis zum Kaiserreich
II.2. Vom Kaiserreich bis zum Ende des Ersten Weltkrieges
II.3. Von der Weimarer Republik bis 1945
II.4. Die Entwicklung des Kindergartens von 1945 bis heute
II.5. Geschichte des Kindergartens in der DDR

III. Die Institution Kindergarten in der DDR
III.1. Personelle Rahmenbedingungen
III.2. Erziehungs- und Bildungsinhalte
III.2.1. Bis zur Gründung der DDR am 07. Oktober 1949
III.2.2. Ziele der Kindergartenpädagogik im Verlauf der DDR
III.3. Verwirklichung der Bildungs- und Erziehungsinhalte

IV. Das Leben im Kindergarten
IV.1. Der Kindergarten als Einrichtung
IV.2. Der Tagesablauf

V. Erfahrungsberichte von Erzieherinnen

VI. Abschlussbemerkungen

Literatur- und Quellenangabe

I. Einleitung

Mit dieser Arbeit versuche ich, die Geschichte des Kindergartens von den Anfängen bis zur Gegenwart darzustellen. (Kap. II.)

Im Dritten Kapitel komme ich dann zur Institution Kindergarten in der DDR. Dabei gehe ich auf die personellen Rahmenbedingungen (Kap. III.1.), genauso wie auf die Erziehungs- und Bildungsinhalte ein. (Kap. III.2.)

Wie ist ein Tag in einem Kindergarten für eine Gruppe abgelaufen? Ich versuche deutlich zu machen, das so ein Tag vom "Programm für die Erziehungs- und Bildungsarbeit im Kindergarten" durchstrukturiert wurden ist. (Kap. IV.2.)

Zum Schluss meiner Ausführungen werde ich auf Erfahrungsberichte von ehemaligen Erzieherinnen (Kap. V.) zurückgreifen und somit meine Arbeit beenden.

II. Geschichte des Kindergartens

II.1. Von den Anfängen bis zum Kaiserreich

Die Kleinkinderziehung kann in Deutschland auf eine gut 175-jährige Tradition zurückblicken.

Etwa 1825 entstanden die "Kleinkinderbewahranstalten" und die "Kleinkinderschulen". Als dritte institutionelle Form der öffentlichen Kleinkindererziehung kam der Kindergarten um 1840 hinzu.

Durch die zunehmende Industrialisierung in Deutschland kam es zu einer Veränderung der sozialen Verhältnisse in den Familien.

Die Menschen wurden gezwungen ihre Dörfer zu verlassen und in die Stadt zu gehen. Es wurde notwendig diese Einrichtungen zu eröffnen, weil die Menschen nicht länger Unterdrückte der Grundherrn und des Adels waren. Eine Maßnahme der Industrialisierung war die Agrarreform, welche eine durch staatliche Gesetze herbeigeführte Änderung der Besitzverhältnisse war. Sie machte den ehemals Landarbeiter zum Eigentümer des Bodens. Vor der Agrarreform hat die bäuerliche Bevölkerung Produkte zum Eigenbedarf und als Abgabe angebaut und hergestellt. Jetzt wurden die Frauen verstärkt zur Mitarbeit herangezogen. Diese Tatsache machte eine außerfamiliale Unterbringung in einer öffentlichen Einrichtung notwendig.

Eine weitere Maßnahme war der Ausbau der Gewerbefreiheit, es kam zu einem starken Bevölkerungswachstum. Der einfache Bürger hatte nicht die Mittel eine private Erzieherin zu bezahlen. Darum wurden die Einrichtungen geschaffen.

Die Ansätze zur Errichtung der Bewahranstalten, Kinderschulen und Kindergärten lassen sich bereits vor dem Wiener Kongress, der 1815 stattfand, finden.

Das Aufkommen des Manufaktorenwesens seit etwa Anfang 1800, erforderte ein Umdenken in der Kleinkinderziehung.

Man errichtete Spiel- und Warteschulen, wo hauptsächlich die Kinder nichtbürgerlicher Familien aufgenommen wurden.

Es kümmerten sich dort Witwen und andere "bejahrte Frauenzimmer" um das Wohlergehen der Kinder. (Grabner 1792,177f.)

Ein zweiter Ansatz findet sich in der philanthropischen Idee einer aufgeklärten Erziehungsweise, welche auf Jean Jacques Rousseaus (1712 - 1778) Erziehungsroman "Emile oder über die Erziehung" zurück geht (1762). Rousseau hebt die Eigenständigkeit und die Bedeutung der frühen Lebensjahre hervor. Die Philanthropen, darunter J.H. Basedow( 1724 - 1790) und C. G. Salzmann (1744 - 1811) lehnten die bürgerliche Praxis, dass Kinder von Dienstboten oder Kinderwärterinnen erzogen werden, ab. Für sie spielt die Mutter die zentrale Rolle in der Erziehungsarbeit.

Der dritte Ansatz liegt in der Reorganisation des Schulwesens. Es sollte sich zu Beginn des 19 Jh. ein allgemeines und effektives Schulwesen durchsetzen. Dies ist durch viele Reformen und nach langer Zeit gelungen. Es wurde z.B. durchgesetzt, dass Kinder unter 5 Jahren nicht die Schule besuchen können, sondern in andere Einrichtungen ausweichen sollten. Als vierter Ansatz sind die Reformansätze in der Armenpflege zu nennen.

Die drei institutionellen Formen der öffentlichen Kleinkindererziehung sind eng mit den

Namen J.G. Wirth (1807 - 1851, entwickelte das Konzept zur Kleinkinderbewahranstalt), T. Fliedner (1800 - 1864, von ihm stammt das Konzept der christlichen Kleinkinderschulen) und F. Fröbel (1782 - 1852, er entwickelte das Konzept des Kindergartens) verbunden.

II.2. Vom Kaiserreich bis zum Ende des Ersten Weltkrieges

Im Kaiserreich wurden der Kindergarten und die Kinderschulen weiter ausgebaut. Es gab im Laufe der Zeit einen Versuch der Annäherung zwischen dem Kindergarten und den konfessionellen Einrichtungen. Das Ergebnis war der Volkskindergarten. In Verbindung mit einem Frauenverein hatte Berta von Marenholtz-Bülow, welche maßgeblich an der Verbreitung der Fröbelschen Erziehungsideen beteiligt war, 1861 in Berlin den ersten Volkskindergarten eröffnet. Bis zur Gründung des Deutschen Reiches 1871 verhielt sich der Staat zurückhaltend und neutral gegenüber der Kleinkinderziehung. Der Staat erwies sich als kontrollierender Beobachter, in Form des Schulaufsichts- und Vereinsrechts. Kontrollen wurden immer nachsichtiger angelegt, immerhin lag die Finanzierung bei den privaten Träger. Und das kam dem Staat sehr zu Gute.

Es kam zu einer Verfügung in der die Schulaufsichtsorgane angewiesen wurden, sich dem Betrieb der Anstalten fern zu halten, sie aber nach allen Kräften zu unterstützen. ( Verfügung vom 29. November 1898)

Durch in Kraft treten des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) am 1. Januar 1900 mussten die Landesgesetze zur Fürsorgeerziehung neu geregelt werden. Diese Änderungen hatten zur Konsequenz, dass die Kleinkinderziehung unter gesetzliche Aufsicht gestellt wurde. Weiterhin enthielt sich der Staat jeglicher finanzieller Selbstverpflichtung im Hinblick auf die öffentliche Kleinkinderziehung.

Im Zuge einer Reform im Jahre 1908 wurden erste Lehrpläne für das Fach "KindergartenUnterweisung" in den "Frauenschulklassen des Lyzeums" erlassen. Das ermöglichte den Frauen eine staatlich anerkannte Ausbildung zu machen. 1911 folgten Erlasse über Zugangsvoraussetzungen, Lehrplan und Prüfungsordnungen für die Ausbildung zur Kindergärtnerin. Daran kann man erkennen, dass der Staat allmählich seine Neutralität gegenüber den verschiedenen Trägerfraktionen aufgab. D.h. wer jetzt mit Kindern arbeiten wollte, musste eine Ausbildung machen.

1913 erhielt als erste das evangelische Seminar das schlesische Grünberg die staatliche Anerkennung, Kindergärtnerinnen auszubilden. Damit war die öffentliche Kleinkinderziehung fest als sozialpädagogische Nothilfeeinrichtung etabliert, d.h. Kindergärten, Kleinkinderschulen aber auch Krippen und Horte waren ab sofort der Kinder- und Familienfürsorge zuzuordnen. Und diese Fürsorge war eine Instanz vom Staat. Ab diesem Zeitpunkt waren die Einrichtungen nicht länger nur "Auffangmöglichkeiten" für arme Eltern. Jedes Kind, egal aus welchen sozialen Verhältnissen es kommt, hat die Möglichkeit einen Kindergarten zu besuchen. Natürlich nur wenn ein Platz frei war.

Für die Entwicklung der öffentlichen Kleinkinderziehung im 1.Weltkrieg waren zwei Motive von besonderer Bedeutung:

1. Das Bevölkerungspolitisch-sozialhygienische Motiv zur Gesundhaltung des Nachwuchses

2. Das National-ökonomische Motiv zur Freisetzung der Mütter für die Kriegswirtschaft

Diese beiden Motive dienten unmittelbar den Kriegszwecken, es sollte aber in Richtung einer Verbesserung der hygienischen und pädagogischen Standards wirken. Wie so oft bei politischen Versprechungen, sind sie nicht verwirklicht wurden. Die Frauen sind für die Kriegswirtschaft freigesetzt wurden, das ist wahr, aber die Unterbringung der Kinder war keine Verbesserung. Sie heben teilweise in einem Raum der für 20 Kinder erbaut wurde, zu 100 oder mehr Kinder den Tag verbracht.

Im Ersten Weltkrieg stieg das staatliche Interesse an der öffentlichen Kleinkinderziehung nicht nur aus sozialhygienischen und aus kriegsbedingten wirtschaftlichen Motiven, sondern es ist zu einer sozialen Notwendigkeit geworden.

Der erste Kriegskindergarten eröffnete am 10 August 1914 nur 10 Tage später, nachdem Deutschland Russland den Krieg erklärt hatte.

II.3. Von der Weimarer Republik bis 1945

In der Weimarer Republik blieb der Auftrag des Kindergartens als Nothilfeeinrichtung für Familien, die ihrer Erziehungsaufgabe nicht nachkommen konnten, bestehen.

Am 1. April 1922 trat das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz (RJWG) in Kraft. Fortan war für alle Einrichtungen der öffentlichen Jugendhilfe der Grundsatz rechtlich fixiert, dass sie beistehend eintreten, d.h. nur dann in Aktion treten wenn "der Anspruch des Kindes auf Erziehung von der Familie nicht erfüllt wird..."(RJWG §1 Abs.2.)

Im vierten Paragraphen des RJWG kommt die schwache Stellung des Jugendamtes gegenüber den freien Verbänden zum Ausdruck. "Aufgabe des Jugendamtes ist ferner, Einrichtungen und Veranstaltungen anzuregen, zu fördern und gegebenenfalls zu schaffen."(RJWG §4 Abs.1)

Das Jugendamt konnte somit nur dann aktiv werden, wenn die Einrichtungen der privaten Fürsorge nicht ausreichten.

In erster Linie war das Jugendamt für die Gesundheitsfürsorge zuständig. Die Wohlfahrt der Kleinkinder stellte den Erziehungsgedanken in den Hintergrund.

Im Nationalsozialismus galten 5 Kernpunkte der NS-Ideologie für die Kindergartenarbeit: Das Führerprinzip, Rassenhygiene, Gesundheitserziehung, das militärische Rollenspiel und die Mutterschaft.

Die Erziehung im nationalsozialistischen Kindergarten baut nicht auf die liberale Tradition Fröbels auf, sondern knüpfte an die Tradition der Bewahranstalten an. Die autoritäre Erziehung wurde noch verstärkt im NS-Kindergarten. Das Kind sollte sich durch die Erziehung der väterlichen Autorität fügen und dem Führer gegenüber Gehorsam zeigen. Sozialistische und demokratische Ansätze in der Erziehung wurden nicht beachtet.

Es kam soweit, dass die bisherigen Entwicklungen in der Vorschulerziehung, missachtet und schließlich abgebrochen wurden. Im dritten Reich wurden bestehende Einrichtungen übernommen und neue Einrichtungen in eigener Trägerschaft gegründet. Nachdem Bürokratie, Justiz, Armee und Presse gleichgeschaltet wurden sind, richtete sich das nationalsozialistische Interesse den sozialen Institutionen zu. Dies war aber nicht so einfach, weil es in Deutschland eine Vielzahl an Trägerschaften gab. Bei einer Umfrage der Landesdienststelle Württemberg des Deutschen Gemeindetages im Jahre 1937 gab es 267 Kindergärten die über 50% in den Händen von konfessionellen Wohlfahrtsverbänden waren. Das zentrale Instrument für alle Fragen der Wohlfahrt und Fürsorge ist die "Nationalsozialistische Volkswohlfahrt" (NSV) geworden. Der Fröbel-Verband, der den Nationalsozialisten zu liberal gewesen war, wurde zur Auflösung gezwungen und die Montessori-Kinderhäuser und die Waldorfschulen wurden geschlossen. Eine sehr bekannte Einrichtung der NSV waren die "Erntekindergärten". Dabei sollten die Bäuerinnen während der Erntezeit von der Kinderbetreuung entlastet werden.

An der Polarität der Geschlechterrollen hielt die nationalsozialistische Erziehung fest, denn "der kleine Junge wird einmal ein deutscher Soldat werden, das kleine Mädchen eine deutsche Mutter." (Benzing 1941, S. 40f.)

Auch die Mädchen sollten politisch erzogen werden, damit sie eine gute Mutter werden, die ohne zu klagen, ihre Söhne dem Reich opfern.

Gamm hat formuliert, dass es im 3.Reich keine Beziehung zwischen Kind und Erzieher gab, sondern ein Verhältnis Führer und Gefolgschaft. "Der Nationalsozialismus kannte keine Anthropologie des Kindes, und dementsprechend hatte das Kind kein Eigenrecht "... Mit `Kinder' bezeichnen wir, so heißt es bei Reichsjugendführer von Schirach, die nichtuniformierten Wesen niederer Altersstufen..." (Gamm 1964, S.25)

II.4. Die Entwicklung des Kindergartens von 1945 bis heute

Die wichtigste Aufgabe für den Kindergarten in der Nachkriegszeit war der Wiederaufbau der beschädigten oder zerstörten Gebäude. Die Frage nach der zukünftigen Verwaltungsstruktur der Kleinkinderziehung stand vorerst im Hintergrund. In der sowjetischen Militäradministration Deutschlands (SMAD) arbeiteten die SPD und KPD an einem Entwurf über ein neues Schulgesetz. Der Kindergarten sollte ein Bestandteil des Schulwesens werden. Diese Pläne sind auch verwirklicht wurden. (Mehr darüber im Kapitel II.5.) Die Bundesrepublik übernahm die Traditionen der Weimarer Zeit. D.h. die wiedergegründeten Wohlfahrtsverbände waren zuständig für die Kindergärten, die dadurch ihren privaten Charakter behielten.

Fröbels Konzeption und die "Reifetheorien" sind die Basis aus der sich die Kindergartenpädagogik der Nachkriegszeit entwickelte.

Fröbels Konzeption schrieb der Frühpädagogik sowie einer guten Mutter-Kind-Beziehung eine entscheidende Bedeutung für die Entwicklung des Kindes zu. Ziel sollte die Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen sein. Weiterhin geht Fröbel davon aus, dass nur dann ein ausgeglichener und arbeitsfähiger Mensch entstehen kann, wenn das kindliche Spiel gefördert und beachtet wird.

Die psychologischen Reifetheorien, welche die geistig-seelische Entwicklung beschreiben, vollziehen sich analog zum biologischen Wachstum. D.h. die Entwicklung des Kindes wird durch intern gesteuerte Entwicklungsschritte ermöglicht.

Man wollte das Kind durch diese Kindergartenpädagogik schulreif machen, ohne die Methoden und Inhalte der Schule vorwegzunehmen.

Das Kind sollte sich im Kindergarten durch das Spiel und die Spielpflege entwickeln. Eine zu schnelle Entwicklung zu verhindern, grundlegende Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu fördern auf denen die Schule aufbauen konnte, waren die Aufgaben des Kindergartens. Da es in der Bundesrepublik nicht "Pflicht" war sein Kind in den Kindergarten zu schicken, gab es Kinder die im schulreifen Alter noch Entwicklungsdefizite aufweisen. Diese Kinder wurden, wenn ein Platz frei war, in den Schulkindergarten geschickt. Der Schulkindergarten war eine heilpädagogische Erziehungs- und Bildungseinrichtung. In den sechziger Jahren standen nur für etwa ein Drittel der Kinder Kindergärtenplätze zur Verfügung. Eine Erhöhung der Einrichtungen war nicht vorgesehen, weil der Kindergarten immer noch eine sozialfürsorgerische Einrichtungen ohne Bildungsauftrag war. Erst 1970 zeigte sich mit der Veröffentlichung des "Strukturplanes für das deutsche Bildungswesens", das aus den Ergebnissen der Sozialisationsforschung pädagogische Konsequenzen gezogen werden sollten. Man hat eingesehen, dass die Familie als einzige soziale Institutionen für das Kind im Vorschulalter nicht ausreicht.

1980 standen für 78,8% aller Kinder eine Kindergartenplatz zur Verfügung. In den achtziger Jahren kam aber ein neues Problem hinzu, die Geburtenrate ist gesunken und somit überstieg das Angebot der Kindergartenplätze die Nachfrage.

Nach der Bildungsreform in den Ende 60er Jahren und 70er Jahren, ist der Kindergarten zur Grundstufe des Bildungswesens, zum Elementarbereich aufgewertet wurden. Er ist aber nicht in das staatliche Bildungssystem integriert wurden.

II.5. Geschichte des Kindergartens in der DDR

Der Kindergarten gehört zum Kern der sozialpolitischen Grundlagen der DDR. Er hat, als fester Bestandteil einer durchschnittlichen Biographie, die Kindheit und Familiengeschichte der DDR-Bürger entscheidend beeinflusst. Diese Sozialpolitik mit ihren staatlichen Hilfen und Absicherungen prägte die Lebensweise der Menschen.

Die Betreuung der drei- bis sechsjährigen, ihre Bildung und Erziehung waren wesentliche Bestandteile der politischen Programme des SED-Staates. Das Ziel dieser Erziehung ist die spätere Eingliederung in die Gesellschaft.

Ludwig Liegle charakterisierte die DDR als eine Erziehungs- und Bildungsgesellschaft par excellence: "Sie wird von keiner anderen Gesellschaft übertroffen im Ausmaß der Pädagogisierung der Kindheit und Jugend..."(Müller-Rieger, 1997, S.11f.) Die pädagogische Wissenschaft der DDR orientierte sich stark an der sowjetischen Erziehungslehre. Die SED-Ideologen waren der Meinung, dass der Mensch und speziell die Kinder absolut formbar und erziehbar sind.

Beginnen wir mit Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg. Deutschland ist nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 in 4 Besatzungszonen unterteilt wurden. Die heutigen Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und der Ostteil Berlins sind in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zusammengefasst wurden. Die Verwaltungshoheit über dieses Gebiet hat die SMAD übernommen. Im Juli 1946 gab die SMAD einen Befehl bekannt, wie ein Kindergarten zu leiten ist. Es waren die "Richtlinien für Kindergärten". Die Aufgabe einer jeden Einrichtung, die mit Kindern arbeitet, besteht darin, die Kinder im demokratischen Sinne zu erziehen. Sie sollen frei von rassistischen, faschistischen, militärischen und anderen reaktionären Tendenzen gehalten werden.

Am 25. Februar 1965 hat das "Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungswesens" für den Kindergarten folgendes festgelegt. Er soll das Kind für die Schule vorbereiten, aber nicht schulisches Wissen und Bildungsinhalte vermitteln. Das Kind sollte vertraut gemacht werden mit dem sozialistischen Leben.

Ab 1980 standen für >100% der Kinder Kindergartenplätze zur Verfügung. In der DDR tat man alles, dass Vater sowie Mutter arbeiten gehen konnten. Dies konnte nur realisiert werden, wenn die Einrichtungen ganztags geöffnet waren. In größeren Firmen war es auch üblich einen betriebseigenen Kindergarten zu öffnen

III. Die Institution Kindergarten in der DDR

Im folgendem Kapitel möchte ich zur Institution Kindergarten selbst kommen.

Wie sahen die personalen Rahmenbedingungen im Verlauf der DDR aus? (Kap. III.1.) Da 40 Jahre DDR eine lang Zeitspanne war, gab es natürlich auch eine Veränderung der Bildungs- und Erziehungsinhalte (Kap. III.2.), die stark abhingen von den politischen Diskussionen und Umstellungen. Zum einen vor Gründung der DDR 1949 (Kap. III.2.1) und zum anderen im Verlauf der DDR. (Kap. III.2.2.) Wie diese Ziele und Inhalte verwirklicht werden sollten und verwirklicht wurden sind, darüber berichte ich im Kap. III.3.

In der Literatur wird der Kindergarten oft als "Stätte frohen Kinderlebens" bezeichnet (Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungswesen, 1965; Dritter Teil, Abschn.2,§11 Abs.1) Die meisten Kindergärten hatten mit einem ortsansässigem Betrieb einen Patenschaftsvertrag geschlossen. Ausgenommen waren die Betriebskindergärten, diese sind ja bereits in einen Betrieb integriert gewesen. Ein Patenschaftsvertrag garantierte den Kindergärten finanzielle Unterstützung oder Mithilfe bei handwerklichen Problemen. Es wurde z.B. der Kindergarten durch die Arbeiter renoviert oder neues Spielzeug gebaut. Im Gegenzug nahmen die Kindergärten bevorzugt Kinder von Betriebsangehörigen auf, die Kinder gestalteten Feste für den Betrieb u. ä.. Wie ein solcher Patenschaftsvertrag aussehen konnte, zeigt die Anlage 2. Durch eine solche Annäherung von Kindergarten mit dem Betrieb soll sichergestellt werden dass die Kinder Respekt und Achtung vor den Werktätigen und deren Arbeit bekommen. Die Institution soll aus dem Kind einen sozialistischen Menschen, mit körperlicher Gesundheit und geistiger Entwicklung machen. Das Kind soll lernen, die sozilistische Heimat zu lieben und den Frieden zu schätzen und zu erhalten. (Gesetz über das Bildungswesen, 1965; Dritter Teil, Abschn.2, §11 Abs.2)

III.1. Personelle Rahmenbedingungen

In den Nachkriegsjahren wurden die Personen und zukünftigen Erzieherinnen mit Hilfe eines Fragebogens untersucht. Diesen habe ich zur besseren Verdeutlichung als Anlage 1 beigefügt. Bereits 1948 zeigt sich, dass der Staat auch in der Kindergartenpolitik Einfluss nehmen wollte. Schon vor 1948 lag der Anteil der Leiterinnen, die Mitglied in der SED waren, prozentual höher als der bei Erziehrinnen. Dies änderte sich im Jahre 1948. Die Partei hat

bewusst offene Stellen mit Genossen und Genossinnen besetzt (Höltershinken, 1997, S.24) Es wurde eine Qualifizierungsoffensive gestartet, bei der das Niveau der Ausbildungsanforderungen erhöht wurde. 1946 waren 30% der verfügbaren Kräfte nur vollausgebildet, diese Prozentzahl hat sich in den nächsten 40 Jahren auf knapp 70% erhöht. Die anderen waren nur teil- oder gar nicht ausgebildet.

Die Ausbildung schloss sich an den Abschluss der 10. Klasse der Polytechnischen Oberschule (POS) an. Sie dauerte 4 Jahre und wurde an einem Institut für Lehrerbildung absolviert. Die Strukturierung der Ausbildung zur Erzieherin war weit gefächert, von Unterrichtsfächern wie Mathematik oder Deutsch, über Psychologie, Pädagogik hin zur Gesundheitserziehung und Politik. Natürlich musste auch die Erzieherin praktisch tätig werden, von Hospitationen in Kindergärten bis zu Vorbereiten einer Ferienfreizeit. (Fuchs, 1997, S.89/90) Der Vorschulbereich war gekennzeichnet durch einen hohen Feminisierungsgrad. Nahezu 100% des Kindergartenpersonals waren Frauen.

III.2. Erziehungs- und Bildungsinhalte

Die Inhalte waren stark geprägt von der sowjetischen Ideologie. Jede Einrichtung sollte verstaatlicht werden, die Sozialistische Einheitspartei (SED) zählte auch die konfessionellen Einrichtungen dazu. Vor Gründung der DDR gab es heftige Diskussionen wie die Bildungsund Erziehungsinhalte aussehen sollten.

III.2.1. Bis zur Gründung der DDR am 07. Oktober 1949

Die Kinder sollen im demokratischen Sinne erzogen werden, d.h. sie sind ohne Vorurteile und ohne rassistisches Denken zu erziehen. Das einzige Gedankengut, was durch die Erzieherin gelehrt werden sollte, war das sozialistische Denken.

1946 gab die SMAD die "Richtlinien für Kindergärten" in der SBZ heraus, die für alle Einrichtungen allgemeine Gültigkeit besassen. Die Aufgabe war "die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder zu fördern und zu überwachen". (BLarchP, R-2, Sign.551) Diese Entwicklung kann aber nur dann gewährleistet werden, wenn die Einrichtungen sich in einem hygienisch einwandfreiem Zustand befinden. Die Kindergärten sollen auch von jeglicher Art von Krankheitserregern ferngehalten werden. Diese Vorgaben sind nicht einfach in die Tat umzusetzen gewesen, da sich Deutschland, erstens von der Niederlage des verlorenen Krieges erholen musste und zweitens das Land unter 4 Besatzungszonen zu leiden hatte. Einrichtungen mussten erstmal wieder aufgebaut werden, bevor von normalen Verhältnissen gesprochen werden konnte.

Dieser erste Entwurf erfuhr bereits 1947 eine Kritik, er sei nicht ausführlich genug und er sagt nichts über die Zielsetzung einer Kindergartenpädagogik aus.

Inzwischen ist in der SBZ eine Verwaltung für Volksbildung gegründet wurden, diese kritisierte die ersten Ansätze die die SMAD vorgeschlagen hatte.

Aus dieser Diskussion sind die "Grundsätze der Erziehung im Deutschen Kindergarten" entstanden. Bereits 1948 soll der Kindergarten ein Teil der Einheitsschule werden, dadurch hat er 3 gesellschaftliche Funktionen zu erfüllen. Wie bereits 1946 festgelegt soll die Erziehung im demokratischen Sinne erfolgen. Auch das Bedingungen für eine gesunde Entwicklung geschafft werden sollen, ist nicht neu, sondern von den "Richtlinien für Kindergärten" übernommen wurden. Neu hinzu kam der Aspekt, dass die Kindergärten verpflichtet wurden ist eine Möglichkeit zu schaffen, dass die Frau sich wieder ins gesellschaftliche Leben eingliedern kann.

Die Kleinkinderziehung strebte eine Erziehung zu selbständig denkenden und urteilenden Kindern an. Es ist wünschenswert, dass sie Solidarität entwickeln und den Erwachsenen mit Respekt und Bescheidenheit begegnen würden.

III.2.2. Ziele der Kindergartenpädagogik im Verlauf der DDR

In der DDR waren 2 Programme für die Kindergartenarbeit bindend. Zum einen das "Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungswesens" von 1965 und zum anderen das "Programm für die Erziehungs- und Bildungsarbeit im Kindergarten" von 1985. Im Bildungsgesetz ist genau festgehalten wurden, was die Aufgaben des Erziehungspersonals seien. Wichtig war das man eine körperliche und geistige Entwicklung der Kinder sicher stellte. Es war dafür zu sorgen, dass jedes Kind seine Kreativität, seine kognitiven und psychischen Fähigkeiten entwickeln konnte. Natürlich gehörte ebenso eine Grundausbildung von elementaren Ordnungsvorstellungen sowie die "Liebe zu ihrer sozialistischen Heimat" dazu. ( § 11 (2) Bildungsgesetz)

Im Programm von 1985 spielte die Erziehung im und zum Kollektiv eine große Rolle. Man sollte bereits den Kleinsten die Elemente der kommunistischen Moral näherbringen. Die kognitive Ausrichtung der Kindergartenarbeit ist durch Themen wie "Vom Schutz des Friedens" oder "Zum Schutz des sozialistischen Vaterlandes" weiter erhöht wurden. Diesen Programm brachte aber auch eine Neuorientierung der Erziehungsmethodik. Man merkte, dass die alte Erziehungsmethode, dass Kind zu führen statt zu fördern, sich auf die geistige und soziale Entwicklung negativ auswirkt.

Man hat bei beiden Programmen nicht die auftauchenden Probleme beseitigt. Das Problem lag bei dem geschlossenen Curriculum. Dabei wurde vorgeschrieben, was wann, wie den Kindern angelernt werden sollte. Die hohen Leistungsanforderungen, die an die Kinder gestellt wurden, hatten teilweise schon Schulniveau erreicht. Man hat festgelegt, teilweise auf die Minute genau, wann eine Spielphase eingelegt werden sollte. ( Fuchs, 1997, S.58ff.) Der Kindergarten hatte zum Ziel, dass der Besuch nur eine Ergänzung zur familiären Erziehung sein sollte. Wie die Beschäftigungspolitik der Deutschen Demokratischen Republik gezeigt hat, stand die elterliche Erziehung im Hintergrund. Die hohen Betreuungszahlen in den Kindergärten waren gut für die Politik, weil man dadurch sicherstellen konnte, dass die Kinder auch wirklich politisch-ideologisch erzogen werden.

III.3. Verwirklichung der Bildungs- und Erziehungsinhalte

Beide Programme sowohl die "Grundsätze der Erziehung im deutschen Kindergarten" 1946/1948 als auch das "Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungswesen" von 1965 und das "Programm für die Erziehungs- und Bildungsarbeit im Kindergarten" von 1985 sprechen von 4 Arten unterschiedlicher Erziehung.

Die 4 Arten sind körperliche und hygienische Erziehung, Entwicklung des Geistes und Beschäftigung des Kindes, sittliche Erziehung und die künstlerische Erziehung.

Der einzige Unterschied zwischen beiden ist, dass der Grad der Wichtigkeit anders verteilt ist. 1948 legte man Wert auf den körperlichen Aspekt, danach erst die geistige und sittliche Erziehung. Das Schlusslicht war die künstlerische Erziehung.

In der Nachkriegszeit sollte das Kind erst mal wieder zu Kräften kommen, das Immunsystem sollte gestärkt werden. Weil nur ein gesundes , kräftiges Kind in der Lage ist, sich auf neue Begebenheiten einzulassen.

Die Kinder müssen lernen, ihren Körper kennen zu lernen , ihn sauber und fit zu halten.

Im Verlauf der DDR geht es bei der körperlichen Erziehung darum, die Bewegungsabläufe weiter auszubilden. Die Stärkung der Ausdauer soll dem Kind helfen, sein Selbstvertrauen aufzubauen und zu stärken.

Die geistige Entwicklung haben die Erzieherinnen dadurch versucht zu erreichen, indem sie die Kinder gefördert haben sich mit ihrer unmittelbaren Umgebung zu beschäftigen. Es soll lernen, wie man Gegenstände voneinander unterscheidet, welche verschiedenen Formen, Farben und Materialien es gibt.

Die dritte Erziehungsart ist die moralisch-sittliche Erziehung, wobei den Kindern die Prinzipien der Gesellschaft beigebracht werden sollten. In der DDR waren das, die Liebe zum Vaterland, Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Bescheidenheit und demokratisches Verhalten. Es sollte ein charakterstarker Mensch für das spätere Gesellschaftsleben geschaffen werden. Bei der ästhetischen Erziehung lernen die Kinder, wie sie mit ihrer Umwelt umgehen sollen und sie bekommen eine Erziehung im Schönheitsempfinden. D.h. ihnen wird gezeigt, was schön ist und was nicht. Diese Vermittlung war abhängig von der Erzieherin und den Vorgaben die durch die Politik gemacht wurden.

IV. Das Leben im Kindergarten

Da viele Mütter, Familie und Beruf unter einen Hut bringen möchten, ist es wichtig

ausreichend Kindergartenplätze zur Verfügung zu haben. Aber was bedeutet der Kindergarten für das Kind?

Für das Kind ist es wie die zweite Familie. Im folgenden Kapitel will ich mich mit dem Kindergarten als Einrichtung der Kleinkinderziehung (Kap. IV.1.) befassen. Ich will aufzeigen wie ein typischer Kindergarten möbliert und aufgebaut war. Danach möchte ich einige Worte zum Tagesablauf sagen. (Kap. IV.2.) Dabei stütze ich mich auf die Anordnungen die im "Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungswesen" gemacht wurden. Man muss auch bedenken, dass die Kindergruppen nicht über eine lange Zeit zusammen gewesen sind. Jedes Jahr wird die große Gruppe eingeschult oder es ziehen Eltern mit ihren Kindern um. Dadurch ist es schwer eine Gruppengemeinschaft aufzubauen. Aber ich denke, dass man darin auch eine Chance sehen kann. Wenn die "Großen" in die Schule gehen, sind die "Kleinen" plötzlich die großen Kinder. Das kann sie erstmal verwirren, aber es kommen dann neue Kinder und diese brauchen ihre Hilfe. Immerhin ist der Kindergarten etwas völlig Neues. Zu Hause standen sie immer im Mittelpunkt und konnten, in gewisser Hinsicht, machen was sie wollten. Aber im Kindergarten sind sie nicht allein, da sind noch viele andere Kinder, die sie nicht alle kennen. Und bei der Eingewöhnung brauchen sie Hilfe, das kann ein anderes Kind besser als die Erzieherin. Somit lernen die Kinder Verantwortung zu übernehmen, was nützlich für die Vorbereitung auf die Schule ist.

IV.1. Der Kindergarten als Einrichtung

Der Kindergarten war meistens an eine Schule angeschlossen oder an einen Betrieb. Ich möchte über einen kommunalen Kindergarten sprechen.

Die Einrichtung war für Kinder von 3 Jahren bis zum Eintritt in die Schule geeignet. Das konnte mit 6 Jahren, aber auch erst mit 7 Jahren sein. Das war abhängig vom Geburtsdatum des Kindes, wer bis 31. Mai geboren wurde, konnte mit 6 eingeschult werden. Die anderen wurden dann mit 7 Jahren eingeschult.

Bedingung für eine Einschulung waren eine geistige und körperlich gesunde Entwicklung des Kindes.

Die Einrichtungen selbst waren sehr familiär eingerichtet, man hatte das Wohlbefinden der Kinder im Blick. Immerhin verbrachten sie den Großteil ihrer Zeit in diesen Räumen. Der Kindergarten bestand aus einem Gebäude und einem Außengelände. Auf dem Außengelände befanden sich eine Spielwiese, Sandkasten und Spielgeräte.

Das Gebäude war unterteilt in Gruppenzimmern, Turnraum, Waschraum, Vorraum und/oder eine Küche. Je nach Größe der Einrichtungen gab es unterschiedlich viele Gruppenräume. Es gab immer 3 Gruppen. Die Kinder zwischen 3 und 4 Jahren bildeten die kleine Gruppe, von 4 bis 5 Jahren die mittlere Gruppe und ab 5 Jahren war man in der großen Gruppe. In der großen Gruppe gab es in den letzten Monaten vor Schulbeginn einen intensive Vorbereitung auf die Schule. (Müller-Rieger, 1997,S.44)

Die Gruppenzimmer waren unterteilt in die Spielecke und in den Bereich wo Tische und Stühle zur Verfügung standen. Diese Sitzgelegenheiten sind auch für die Mahlzeiten genutzt wurden.

In allen Zimmern befanden sich altersgerechtes Spielzeug und Beschäftigungsmaterial. Einen eigenen Turnraum hatte nicht jeder Kindergarten, aber man konnte auch die angrenzende Turnhalle der Schule verwenden Wenn beides nicht vorhanden war, dann hat man den Gruppenraum so umgeräumt, das Platz für die Gymnastikübungen gewesen ist. Wenn der Kindergarten über einen eigenen Turnraum verfügte, so wurde dieser nach dem Mittagessen als Schlafraum genutzt. Bei keinem eigenen Turnraum ist der Gruppenraum als Schlafplatz genutzt wurden. (Müller-Rieger, 1997, S. 74)

Die Kinder haben gemeinsam mit ihrer Erzieherin ihre Liegen aufgestellt und wieder abgebaut.

Zu jedem Kindergarten gehörte ein Vorraum, dort wurde die Kleidung, Schuhe und Turnbeutel der Kinder aufbewahrt. In diesem Raum haben sich die Kinder für das Spielen und Spazieren an- und ausgezogen.

Die Einrichtungen waren je nach Bedarf von 6 Uhr bis 17 bzw. 18 Uhr geöffnet.

Durch die Ganztagsbetreuung der Kinder, musste eine Verpflegung garantiert werden. Durch einen kleinen Unkostenbeitrag finanzierten die Eltern das Mittagessen ihrer Kinder. Das Frühstück ist von den Kinder selber mitzubringen gewesen. (Müller-Rieger, 1997, S.45) Die medizinische Betreuung aller Kinder gehörte auch zu jeder Einrichtung dazu. Einmal im Jahr ist der Arzt zur Vorsorgeuntersuchung gekommen. Dabei wurde das Kind geimpft und beurteilt. Natürlich gehörte auch der Besuch beim Zahnarzt dazu. (Müller-Rieger, 1997, S.79)

IV.2. Der Tagesablauf

Der Tagesablauf einer Kindergartengruppe war minutiös durchstrukturiert. Die Arbeit im Kindergarten sollte nach den "Richtlinien für Kindergärten" der Deutschen Verwaltung für Volksbildung durchgeführt werden.

Zur besseren Verdeutlichung, wie ein Tag im Kindergarten gestaltet war, habe ich eine Tagesablaufplan einer Mittelgruppe herangezogen und ausgewertet.

Der Morgen begann für die meisten Kinder um 6.30 Uhr. Nachdem ihre Eltern sie abgeben hatten, wurde erstmal gespielt, während man auf die anderen gewartet hat. 5 Minuten vor und nach dem Frühstück sind für die Körperpflege eingeplant wurden. Die Kontrolle über die richtige Pflege übernahmen die Kinder selbst. (Müller-Rieger, 1997, S.84ff.) Diese Selbstkontrolle gehörte zur Hygieneerziehung und sollte die Selbständigkeit fördern. Das Frühstück dauerte von 7.30 Uhr bis 7.50 Uhr. Nach der Körperpflege haben die Kinder mit ihrer Erzieherin den Gruppenraum für die Beschäftigung vorbereitet. Pro Tag gab es 2 Beschäftigungen von je 20 Minuten, die durch eine Pause von 10 Minuten unterbrochen wurden sind. Die Beschäftigungen waren in 8 Sachgebiete unterteilt, von denen jeweils 2/Tag ausgewählt wurden sind. Die Sachgebiete sind vom "Programm für die Bildungs- und Erziehungsarbeit im Kindergarten" vorgegeben gewesen. Das 1. Thema ist die Muttersprache, es beinhaltet die Entwicklung von Sprachfertigkeiten, richtigem Sprechen u.ä..

Zum 2. Sachgebiet gehört die Kinderliteratur mit Bilderbucherzählungen, Geschichten aus dem Leben der sozialistischen Bürger und Erzählungen zum Thema Frieden und Freundschaft zur Sowjetunion.

Das Bekannt machen mit dem gesellschaftlichen Leben befasst sich mit der DDR, mit der Arbeit der Werktätigen, die Verkehrserziehung u.ä..

Als 4. Sachgebiet wird das Bekannt machen mit Natur genannt. Dazu gehört das 4- Jahreszeiten-Gefühl, das Besserkennenlernen der Pflanzen und Tiere.

Bereits ab dem dritten Lebensjahr gehört die Entwicklung mathematischer Vorstellungen zur Erziehung der Kinder. Musik und Sport gehören genauso zu den Sachgebieten wie bildnerisch-praktische und konstruktive Tätigkeiten und Betrachten von Kunstwerken. Themen der Kunstwerke waren das sozialistische Leben der Menschen, Liebe zur Natur und Verantwortung für Mensch, Tier und Pflanzen. ( Müller-Rieger, 1997, S. 27) Ab 9.00 Uhr wurde gespielt im Wechsel mit anderen Tätigkeiten wie Rollenspiel, Aufenthalt im Freien u.ä.. 10.50 Uhr ist die Gruppe wieder in den Gruppenraum zurückgekehrt und hat sich für das Mittagessen fertig gemacht. Nach dem Mittagessen ist der Gruppenraum zum Schlafen umgeräumt wurden. Die Kinder haben ihre Liegen selber aufgestellt und sich dann für circa 2 Stunden zum Schlafen hingelegt. Gegen 14 Uhr mussten die Kinder aufstehen und haben den Raum wieder eingeräumt. Am Nachmittag konnten sich die Kinder weitgehend selbst beschäftigen, natürlich mit Hilfe ihrer Erzieherin. Gegen 15 Uhr gab es bei der mittleren Gruppe Vesper. Danach klang der Tag langsam aus. Man beschäftigte die Kinder durch spielen und basteln. Entweder im Freien oder im Gruppenraum. Nach und nach wurden die Kinder von ihren Eltern abgeholt.

Meine Erläuterungen sind nicht minutengenau, aber wenn man sich einen solchen Plan anschaut, sieht man das alles in einer bestimmten Zeit geschafft werden musste. Ich finde einen vorstrukturierten Plan gut, aber er sollte immer noch Platz für die individuellen Gedanken der Erzieherin haben. Es kann nicht sein, dass man bei der Körperpflege genau auf die Uhr schaut. Wenn ein Kind länger braucht als andere, dann sollte er auch die Zeit bekommen.

Aber dieses Verständnis für die Zeit sollten die Kinder schon frühzeitig lernen, damit sie im späteren Berufsleben keine Probleme haben werden.

V. Erfahrungsberichte von Erzieherinnen

Im Internet kann man einige Interviews mit ehemaligen DDR-Erzieherinnen finden. Ich werde einige Ausgewählte in meine Ausführungen einfügen.

Für alle Erzieherinnen im Kindergarten gab es ein einheitliches "Programm für die Bildungsund Erziehungsarbeit im Kindergaten", aber der Umgang mit diesen Richtlinien ist recht unterschiedlich gewesen.

Für viele Erzieherinnen war es schwierig den Tagesablauf durchzuhalten. Sie haben versucht einen Kompromiss zwischen gesellschaftlichen Anforderungen und den kindlichen Bedürfnissen zu finden.

Einen Unterschied in den Aussagen kann man feststellen, wenn man sich betrachtet wie alt eine Erzieherin war oder wo sie gearbeitet haben.

Eine Frau, sie war zum Zeitpunkt der Befragung 38 Jahre und arbeitete bereits seit 18 Jahren als Kindergärtnerin in einem ländlichen Kindergarten, fühlte sich von dem Programm gefesselt. Sie formulierte es folgendermaßen: "...man war daran gefesselt, also ich zumindest..", sie dachte sie kann ohne diese Vorgaben nicht arbeiten.

Das ist auch verständlich, immerhin hat sie es so gelernt und nicht anders kennen gelernt. Und man sollte auch bedenken, es gab viele Menschen, die es nicht anders machen wollten, weil sie genauso überzeugt von den Vorgaben waren, wie die Staatsführung. Eine andere Frau, 33 Jahre alt und Erzieherin in einem städtischen Kindergarten, hatte große Probleme sich dem Schema anzupassen. Sie findet, dass ihre individuellen Handlungsspielräume stark eingeengt werden. (Müller-Rieger,1997, S.103ff.) Wieder eine andere fand es nicht gut, dass die Kinder nicht ihren natürlichen "Spieltrieb" ausleben konnten, sie mussten das spielen was alle spielten zu einer vorgegebenen Zeit. Im Planprogramm der DDR ist auch kein Platz für Kinder die nicht "normal" sind, die z.B. eine geistige Störung oder Körperbehinderung haben u.ä..

Dazu Frau Z. aus K. "...Alle Normalen, die hatten es leicht, die kamen gut durch, aber alle anderen die zu schnell waren, oder hyperaktiv oder zu langsam oder die abartig waren, die hatten es echt schwer..."

In einem Punkt waren sich die meisten Erzieherinnen einig. Die Zusammenarbeit mit den Eltern funktionierte bei fast allen hervorragend.

VI. Abschlussbemerkungen

Der Versuch eine kleine Abhandlung über die Kindergartenpädagogik zu schreiben, endet hier. Diese Arbeit sollte einen Einblick in die Pädagogik geben und ich hoffe, dass ist mir gelungen. Ich konnte die Themen nur anreißen, aber für weitergehende Informationen kann man die angegebene Literatur nutzen.

Es war sicherlich nicht alles schlecht, was in den Kindergärten gemacht wurde, aber die Geradlinigkeit, die von den Richtlinien verlangt wurden ist, ist nicht immer angebracht gewesen. Es ist zu wenig auf die Individualität jedes einzelnen Kindes eingegangen wurden. Ziel der Arbeit sollte die Erziehung zu einem gesellschaftlich akzeptierten Menschens sein. Aber ist das immer der richtige Weg?

Ich will mit einem Satz aus Ellen Keys Buch "Das Jahrhundert des Kindes" enden:

"...Aber der einzige richtige Ausgangspunkt bei der Erziehung eines Kindes zu einem sozialen Menschen ist, es als einen solchen zu behandeln, während man gleichzeitig den Mut des Kindes stärkt, ein individueller Mensch zu werden..." ( Becker-Textor, 1995, S. 139)

Literatur- und Quellenangabe

Fuchs, H.W.: Bildung und Wissenschaft in der SBZ/DDR, 1945- 1989 , Hamburg 1997

Grossmann, W.: KinderGarten- Eine historisch-systematische Einführung in seine Entwicklung und Pädagogik, Weinheim und Basel 1987

Erning G./Neumann K./Reyer J.: Geschichte des Kindergartens Bd1- Entstehung und

Entwicklung der öffentlichen Kleinkindererziehung in Deutschland von den Anfängen bis zur Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1987

Müller-Rieger, M.: "Wenn Mutti früh zur Arbeit geht..."; Zur Geschichte des Kindergartens in der DDR; Eine Publikation dfes deutschen Hygiene-Museums Dresden; Dresden 1997

Höltershinken/Hoffman/Prüfer: Kindergarten und Kindergärtnerin in der DDR; Neuwied Luchterhand 1997

Neuwirth,S: Interview mit Frau Z aus K.; Oktober 2000

Liegle,L.: Vorschulerziehung in: Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen (Hrsg.): Vergleich von Bildung und Erziehung in BRD und DDR; Köln 1990

17 von 18 Seiten

Details

Titel
Kindsein in der DDR
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltung
Seminar
Note
1.5
Autor
Jahr
2001
Seiten
18
Katalognummer
V107091
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kindsein, Seminar
Arbeit zitieren
Manja Geldner (Autor:in), 2001, Kindsein in der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107091

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