Hölderlin, Friedrich - Hyperion


Referat / Aufsatz (Schule), 2002

4 Seiten, Note: 14 Punkte


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Thesenblatt zu

Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770 - 1843)

„Hyperion

Oder der Eremit in Griechenland“

1. zum Autor & Werk:
- Lyrischer Roman, sehr von Schillers Werken beeinflusst; der einzige Hölderlins
- Sprache spielt größere Rolle als Handlung
- Schiller & Goethe erkannten Hölderlins Fähigkeiten nicht, erst im 20.Jh wurden seine Werke wieder aufgegriffen
- Verbindung zw. Hölderlin und Hyperion: Sehnsucht Hyperions spiegelt Hölderlins idealistisches Bestreben und seine Resignation
- Frz. Revolution und dt. Verhältnisse des späten 18.Jh wirken mit ein

2. Entstehungsgeschichte:
- Arbeit an „Hyperion“ dauert insgesamt 8 Jahre
- 1792 erste Entwürfe (nicht erhalten)
- 1794 erschien das „ Fragment von Hyperion “ in Schillers Zeitschrift „Neue Thalia“
- 1794/ 95 kurze Zeit arbeitete er an einer „ metrischen Fassung “ (in Blankversen)
- 1795 Vertrag mit Verleger Johann Cotta: Prosaentwurf „ Hyperions Jugend “
- Winter 95/96 Briefversion „ Vorletzte Fassung “ als Druckvorlage an Cotta
- 1796 Abschluss der endgültigen Fassung
- Ostern 1797 erschien der erste Band; Nov 1799 folgte der zweite Band

3. Personencharakteristik:

Hyperion: Titelheld aus Griechenland, ca. zwanzig, freiheitsliebend, rastlos, Hyperion = Vater des griechischen Sonnengottes Helios,

Eremit = Hindeutung auf Scheitern und Zurückzug Hyperions Bellarmin: Briefpartner, guter Freund aus Deutschland

Alabanda: älterer, seelenverwandter Freund, Mitglied im « Bund der Nemesis »

Verkörpert „exzentrisches Streben“, scheitert an Hyperions Liebe zu Diotima

Diotima: große Liebe Hyperions, „schöne Seele“, Anlehnung an Hölderlins Geliebte Susette Gontard, verkörpert „innere Ausgeglichenheit“ & „seelische Harmonie“

Adamas: „väterliche Freund aus der Fremde“, weiser Lehrer und Erzieher

4. geschichtlicher Hintergrund:
- 1461 türkische Eroberung Griechenlands Æ Verwaltung und Grundbesitz bei Türken
- 1768 -74 russisch - türkischer Krieg
- 1770 Entsendung russischer Flotte in Ägäis um Türkei von Russlands Interesse an Polen
(Hauptkriegsschauplatz Donauraum) abzulenken
- 10.03.’70 Ankunft Russen am Peloponnes; Kampf an griechischer Seite scheitert
- Verfolgung türkischer Flotten Æ Seeschlacht bei Tschesme; Sieg über Türken
- Frz. Revolution entfachte das Freiheitsstreben der Griechen
- 1821 mit Hilfe engl. - frz. Flotte Aufstand und Vernichtung der Türkenbelagerung

5. Inhaltsangabe:

Der Roman ist ein Rückblick über Hyperions Schicksal, wovon er seinem Briefpartner Bellarmin aus Korinth / Salamis berichtet.

Hyperion wächst in seiner Heimat Tina in einem gehüteten Verhältnis auf, dort trifft er auf Adamas, der sich des Jungen annimmt und ihn „zum Menschen formt“. Auf Rat seiner Eltern zieht er nach Smyrna, um da unter gebildeten Menschen zu lernen. Dort begegnet ihm der etwas ältere, wesensverwandte Alabanda, der wie Hyperion, von einer besseren, zukünftigen Welt träumt und die beiden schließen Freundschaft. Alabanda aber- Mitglied im « Bund der Nemesis » - ist im Gegensatz zu Hyperion überzeugt, dass dieses Ziel nur mit Gewalt zu erreichen ist. Deshalb kommt es zum Streit und ihre Wege trennen sich. Hyperion reist zurück nach Tina, wo er zurückgezogen den Winter verbringt.

Auf Einladung eines Freundes fährt er im Frühling nach Kalaurea, wo er Diotima kennen und lieben lernt. Durch sie erfährt er höchstes Glück und fühlt sich bald als neuer Mensch. Trotz seines neuen Lebens, in „göttlicher Natur“, schwankt Hyperion immer wieder zwischen Seligkeit und Schwermut. Diotima wird zur Pflegerin seiner Seele. Bei ihrer Fahrt nach Athen, angesichts der Ruinen, gibt sie ihm den Sendungsauftrag, hinaus in die Welt zu gehen, seinen Geist zu bilden und „Erzieher des Volkes“ zu werden.

Im Herbst erhält Hyperion einen Brief Alabandas, der Hyperion aufruft, mit ihm an der Seite Russlands Griechenland aus der türkischen Herrschaft zu befreien. Nach der Abschiedsfeier im Kreise Diotimas Familie und der Freunde, reist er nach Koron zu Alabanda und die beiden ziehen mit ihren Truppen in den Krieg. Nach ersten kleinen Siegen, plündern und morden seine Truppen plötzlich die eroberten Städte. Hyperions Befreiungskrieg ist gescheitert und er sucht in der Seeschlacht bei Tschesme den Tod. Er wird aber von Alabanda gerettet, fasst neuen Lebensmut und will mit Diotima Griechenland verlassen. Alabanda trennt sich daraufhin von ihm und kehrt zum « Bund der Nemesis » zurück, was seinen Tod bedeutet. Kurz darauf erhält Hyperion einen Brief Diotimas, dass sie sterben wird und er solle nicht zurückkehren.

Hyperion irrt daraufhin durch die Welt ohne Trost zu finden, bis er bemerkt, dass einzig die Einsamkeit der Natur ihm noch Kraft spendet, wohin er sich dann auch zurückzieht.

6. Aufbau:

- elegischer Briefroman mit 62 Briefen
- Unterteilung in 2 Bände und jeweils 2 Bücher
- Briefwechsel im 2.Band, 1.Buch: Hyperion an Diotima
- Mit jedem neuen Buch beginnt ein neuer Lebensabschnitt Hyperions
- Vorbilder: Goethe, Die Leiden des jungen Werthers

Jean -Jacques Rousseau, Die neue Heloise zeitgenössische philosophische Literatur: Schillers Briefe Ü ber die ä sthetische Erziehung des Menschen

7. Interpretation:

1) Bildung des Menschen zum „Menschen“

- Athener ≠ Deutsche:

Trefflichkeit des alten Athenervolks: ungestörtes, ruhiges Aufwachsen frei von jeglichem Einfluss aller Art, Ideal der Mittelmäßigkeit Æ Vollkommenheit, Vortrefflichkeit [Zitat] „ ...la ß t den Menschen sp ä t erst wissen, da ß es Menschen, da ß es irgend etwas au ß er ihm gibt, denn so nur wird er Mensch. Der Mensch ist aber ein Gott, so bald er Mensch ist. Und ist er ein Gott, so ist er sch ö n. “ (S.88, 26ff)

Wirkung: „3 Kinder der menschlichen, göttlichen Schönheit“: Kunst, Religion & Philosophie

Deutsche:

Barbaren, keine Menschen Æ Fehlen der vollkommenen Schönheit

[Zitat] “ Es ist ein hartes Wort und dennoch sag ichs, weil es Wahrheit ist: ich kann mir kein Volk denken, das zerri ß ner w ä re, wie die Deutschen. Handwerker gibt es, aber keine Menschen, Denker, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, Jungen und gesetzte Leute, aber keine Menschen - ist das nicht wie ein Schlachtfeld, wo Armeund alle Glieder zerst ü ckelt untereinander liegen, indessen das vergo ß ne Lebensblut im Sande zerrinnt? Ein jeder treibt das Seine, wirst du sagen, und ich sag es auch. Nur mu ß er es mit ganzer Seele treiben, mu ß nicht jede Kraft in sich ersticken, wenn sie nicht gerade sich zu seinem Titel pa ß t, [...] nur sein, mit Ernst, mit Liebe mu ß er das sein, was er ist [...]. ” (S.171,26ff)

- Hölderlins Philosophie:

Ziel des Einzelnen und der Menschheitsgeschichte: völlige Harmonie mit Natur und Gesellschaft ; Aufhebung jeder Entfremdung und Dissonanzen; Mensch hat Anteil am „Göttlichen“ “ (Grundsatz menschlicher Existenz; keiner best. Religion zuzuordnen, Bezüge schwäbischen Pietismus, Antike & Christentum) Exzentrische Bahn des Lebens: Jedes Kind besitzt von Anbeginn an ursprüngliche Harmonie und selige Einigkeit, dies geht durch die notwendige Ausbildung wieder verloren, um später durch die Ausbildung auf höherer und bewusster Ebene wieder erlangt zu werden.

- Stadien Hyperions Menschenbildung:

unschuldige, naturhafte Kindheit (gehütetes Elternhaus) Lehrer - Schüler - Beziehung (Adamas, der Erzieher) echte Männerfreundschaft (Alabanda, gibt ihm Lebensbegeisterung zurück) Gefühlvolle Liebesbeziehung (Diotima, gibt ihm seelisches Gleichgewicht) Höchste Reife des Erwachsenen (Einsamkeit in der Vollendung der Natur)

2) Diotima Pflegerin seiner Seele

- „schöne Seele“ ,göttliches Wesen, Wesen der goldenen Mitte

- Seelengespräche zw. Hyperion und Diotima Æ Verständnis für Hyperions Leiden ,

Hilfe

- ihr Auftrag „Erzieher des Volkes“

- Große Ähnlichkeit Diotimas zu Susette Gontard Æ Tod Susette Geistige Verwirrung,

Tod Diotimas Zurückzug in Einsamkeit

3) Kontrastfiguren Diotima & Alabanda

Sie stehen für die Kontraste zw. denen Hyperion hin und her gerissen ist Æzentraler Konflikt

Diotima Alabanda

Privates Glück in göttlicher Natur militanter Einsatz für eine bessere Welt

„Erzieher des Volkes“ Revolution

Bildung Gewalt

Natur Wille

Vertrauen Plan

Organismus Organisation

Konflikt führt zur Auslöschung der Kontrastfiguren; ihre Antriebe vereinigen sich im

Wesen Hyperions ( Naturverbundenheit/ exzentrisches Streben) und führen zu Ruhe und Vollendung

8.Literaturverzeichnis:

- Friedrich Hölderlin, Hyperion,(Anhang), Reclam Verlag

- Erläuterungen und Dokumente, Friedrich Hölderlin Hyperion, Reclam Verlag

- www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/hoelder

- www.xlibris.de/Autoren/Frames/Aframe.htm

Kindlers Literatur Lexikon

4 von 4 Seiten

Details

Titel
Hölderlin, Friedrich - Hyperion
Note
14 Punkte
Autor
Jahr
2002
Seiten
4
Katalognummer
V107129
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hölderlin, Friedrich, Hyperion
Arbeit zitieren
Veronika Holzer (Autor), 2002, Hölderlin, Friedrich - Hyperion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107129

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