Die Bedeutung der Christologie für die Grundlegung der Ethik bei Dietrich Bonhoeffer. Die Manuskripte -Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt- und -Ethik als Gestaltung- im Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
40 Seiten, Note: gut (2)

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Die Bedeutung der Christologie für die Grundlegung der Ethik bei Dietrich Bonhoeffer. Die Manuskripte "Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt" und "Ethik als Gestaltung" im Vergleich

0. Vorwort - Das Ziel der Arbeit

Wie sieht die Ethik eines Mannes aus, der starre Prinzipien, leblose Systeme und die leeren Gehäuse der Theorie ablehnte? Worum wird sich die Ethik eines Pfarrers dre- hen, dem nichts ferner lag, als abstrakte Systeme aufzustellen, allgemeine Regeln, Gesetzlichkeiten?

In dieser Arbeit möchte ich mich zwei gesonderten Manuskripten der „Ethik“ Dietrich Bonhoeffers widmen, um an ihnen die Bedeutung der Christologie für seine E- thik herauszuarbeiten.

Beginnen möchte ich mit einem kurzen Überblick über die geschichtliche Situation, der in einer Erläuterung zur besonderen Problematik und zur speziellen Bedeutung der Ethik Bonhoeffers mündet. Damit soll der erste Teil der Arbeit abgeschlossen sein, um dann die gesamte Konzentration auf die Untersuchung der Manuskripte „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ und „Ethik als Gestaltung“ zu richten. Ich möchte kurz die Ausgangsposition Bonhoeffers in beiden Schriften beleuchten. Danach widme ich mich seiner Darstellungsweise der Person Jesu Christi. Erst dann werde ich mich eingehend mit der Hauptthematik befassen, die Texte hinsichtlich ihrer Christologie ausführlich analysieren und sie auf ihre Intention hin untersuchen. Abschließend gebe ich noch einen kurzen Kommentar. Anmerken möchte ich noch, daß ich mich ausschließlich auf die Christologie und ihre Bedeutung für die Ethik konzentriere und dagegen Ausführungen oder Anspielungen Bonhoeffers auf zeitge- nössische Phänomene und philosophische Modelle nur geringfügig streife.

I. Einführung

1.) Die Wirren der Zeit als Ansporn für Dietrich Bonhoeffers eigene Versuche einer christlichen Ethik

„Manchmal denke ich, ich hätte nun eigentlich mein Leben mehr oder weniger hinter mir und müßte nur noch meine Ethik fertigmachen“.1

Es wird ersichtlich, daß dieser Mann, Dietrich Bonhoeffer, der Ethik eine ganz spezielle und gesonderte Bedeutung in seinem Leben beigemessen hat. Er hat, so scheint es, alles erreicht, geschafft, vollendet, was ihm möglich war, eines jedoch fehlte noch: eine konkrete Abhandlung über eine „rechte“2Ethik. Dies war seine „Lebensaufgabe“3, eine geistige Arbeit, die ihm äußerst am Herzen lag.

Was machte die Ethik für Bonhoeffer so bedeutsam? Warum hat ihn die Fragestellung nach angemessenem, „richtigen“ Handeln so umgetrieben? Was veranlaßte diesen Menschen, sogar noch im Gefängnis, trotz aller Hindernisse, die ihm in den Weg gelegt wurden,4mit ganzer Kraft ein eigenes Ethikkonzept zu entwerfen und zu versuchen, es zum Abschluß zu bringen?

In der Überschrift klingen „die Wirren der Zeit“ schon an. Was war das für eine merkwürdige und schreckliche Zeit, in der Menschen wie Dietrich Bonhoeffer, die ihr Vaterland liebten, zu Verschwörern wurden, eine Zeit, die Christen zu Attentätern machte, eine Zeit, in der die Kirche an den ärgsten Bedrohungen und Menschen- rechtsverletzungen durch den Nationalsozialismus scheiterte? Kurzum, es war eine Zeit, in der nichts mehr so ist, wie es einmal war. Sämtliche Grundüberzeugungen, Wertesysteme, Ethiken und Lebenseinstellungen griffen nicht mehr. Alle Grundsätze der „aufgeklärten westlichen Zivilisation und des Christentums waren augenschein- lich vom Nationalsozialismus bedroht“.5Bonhoeffer registrierte, daß „es keine e- thisch neutrale Zone mehr gibt“6. Er sah die Welt um sich herum wanken, die Ideale, die Tugenden, die Ethik, sie alle schienen auf den Kopf gestellt. Sie versagten kläg- lich.

Bonhoeffer sah sich herausgefordert, eigene, manchmal vollkommen neue Ansätze einer „konkreten“, „rechten“ christlichen Ethik zu entwickeln. Er rang um diese Att- ribute, er spürte, mit den alten Systemen, die sich durchaus an anderer Stelle bewährt hatten, kam man nun nicht mehr weiter.7

Doch schon Jahre vorher setzte sich Bonhoeffer mit ethischen Grundfragen und de- ren problematischen Ansätzen auseinander.8Andere Ethikkonzepte, so von Paul Alt- haus, Friedrich Gogarten und Emil Brunner, befriedigten ihn nicht.9 Man kann eine stetige Entwicklung der Brisanz für eine eigene protestantische Ethik bei Bonhoeffer erkennen. Sein Wille, etwas Neues in dieser Hinsicht zu schaffen, geht von den Grundproblemen althergebrachter Ethikansätze aus und nimmt seinen Höhepunkt in den schrecklichen und zerstörerischen Wirren des Nationalsozialismus. Nun kann Bonhoeffer nicht anders. Er versucht, seine Gedanken hinsichtlich eines konkreten Handelns in der Welt zu ordnen und schreibt sie nieder, wann immer er Zeit dazu findet.

2.) Die Besonderheit und die Probleme der Ethik Dietrich Bonhoeffers

Hält man nun die „Ethik“ Bonhoeffers, wie sie heute als 6. Band der Edition der Dietrich Bonhoeffer Werke vorliegt, in Händen, muß sich der Leser bewußt sein, daß sämtliche enthaltene Schriften unvollendet sind und fragmentarischen Charakter ha- ben. Es war Bonhoeffer nicht vergönnt, eine vollständige, zusammenhängende christliche Ethik auszuformulieren, zusammenzustellen und zu veröffentlichen. Dies ist stets zu bedenken.

Auch bei der zeitlichen Einordnung der einzelnen Manuskripte gab es Schwierigkei- ten. Bonhoeffer setzte sich intensiv mit ethischen Problemen und Fragen in der kur- zen Zeit zwischen 1940 und 1943 auseinander mit dem Ziel, eine eigene Ethik in den Wirren seiner Zeit zu entwerfen. Wie dem Vorwort der heutigen „Ethik“-Ausgabe zu entnehmen ist, wurden als Indizien für die Entstehungszeit der Texte vor allem die von Bonhoeffer benutzten verschiedenen Papiersorten und -qualitäten, die verwende- te Tinte, Schriftbild etc. herangezogen und bewertet.10Mit Hilfe all dieser Vergleiche war es möglich, eine zeitliche Einordnung der Schriften vorzunehmen, in der fünf

voneinander zu unterscheidende Gruppen von „Ethik“-Manuskripten entstanden sind.11

Im Verlauf der Studien mit seiner „Ethik“ wird dem Leser deutlich, daß sich Bon- hoeffer kein kontinuierliches System, keinen einheitlichen Aufbau eines ethischen Konzepts vorgenommen hat. Dies lag ihm ja gerade fern. Vielmehr setzt Bonhoeffer mit jedem neuen Manuskript neu an, sucht einen neuen Ausgangspunkt, legt andere Schwerpunkte, bemüht sich, den immer vielfältigeren Problemen konkreten Han- delns angemessen zu begegnen. Entsprechen diese Neuansätze dann den fünf ver- schiedenen Zeitabschnitten, in die sich die Entstehung der Manuskripte einteilen läßt? Oder den vier Zeitperioden, von denen E. Bethge ausgeht?12Dies ist schwer zu sagen, da man schlicht nicht weiß, wie Bonhoeffer seine „Ethik“ zusammengestellt und veröffentlicht hätte.

Sicher ist aber, daß Bonhoeffer von seiner konspirativen Tätigkeit im Rahmen des Attentats auf Adolf Hitler stark beeinflußt war.13Er hat nicht nur seine ökumenischen Kontakte den politischen Umsturzplanungen zur Verfügung gestellt, sondern auch eng mit den militärischen Widerstandskämpfern zusammengearbeitet. So sind Bon- hoeffers ethische Kapitel auch teilweise stark politisch geprägt, sie sprechen davon, daß es ein „richtiges“ Handeln unabhängig von Zeit und Ort nicht gibt, daß manch- mal sogar ein „richtiges“ Handeln im Hier und Jetzt, welches keine Schuld in sich trägt, unmöglich ist. Bonhoeffers „Ethik“ ist eine begleitende Reflexion der Wider- standsbewegung.

Die verschiedenen Neuansätze der Texte sollen nun im Hinblick auf die Bedeutung der Christologie für Bonhoeffers Ethik untersucht werden. Wie wird Christus gese- hen? Wozu dient er im Rahmen „richtigen“ Handelns? Wo liegen Gemeinsamkeiten, Differenzen oder einfach nur andere, verschobene Sichtweisen? Dazu soll ein kleiner Ausschnitt aus Bonhoeffers „Ethik“ herangezogen werden, die Schriften „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ und „Ethik als Gestaltung“, um daran die eben erwähnten Gesichtspunkte herauszuarbeiten.

II. Hauptteil: Die Manuskripte „Die Liebe Gottes und der Zerfall der

Welt“14 und „Ethik als Gestaltung“15 unter dem Aspekt der Christologie im Vergleich

1.) KurzerÜberblicküber die Schriften

Betrachtet man die in Kapitel I.3 angedeuteten Versuche, die verschiedenen Ethikmanuskripte Bonhoeffers zeitlich einzuordnen,16so können die von mir zu untersuchenden Texte wie folgt bestimmt werden: „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ wurde von Bonhoeffer zwischen Sommer 1942 und dem Jahresende 1942 geschrieben, während der Text „Ethik als Gestaltung“ knapp zwei Jahre früher verfaßt wurde, im Zeitraum vom Sommer 1940 bis 13. November 1940, also fast zu Beginn von Bonhoeffers Engagement, eine Ethik zu schreiben.

Um zu einem besseren Verständnis des gleich folgenden Vergleichs jener Texte hinsichtlich der Christologie beizutragen, sei an dieser Stelle kurz auf deren Inhalt und thematischen Ausgangspunkt hingewiesen.

„Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ spricht ein Grundproblem des menschli- chen Handelns an, um nicht zu sagen,dasGrundproblem:17„Das Wissen um Gut und Böse ist ... die Entzweiung mit Gott.“18Bonhoeffer weist im weiteren Verlauf auf neue, andere menschliche Wesensmerkmale hin, die sich aus diesem Dilemma für das Leben ergeben: pervertiertes Wissen, Scham, Gewissen, das Richten. Er zeigt diesen Weg als falschen Weg auf und konzentriert sich allein auf Jesus Christus, der den Menschen als einziger auf den rechten, ursprünglichen Weg zurückführen kann, nämlich auf den Weg einer erneuerten, wiedergewonnen Einheit mit Gott, in der das Wissen um Gut und Böse hinfällig ist.19

„Ethik als Gestaltung“, das als zweites entstandene Manuskript von den ethischen Texten Bonhoeffers, „befaßte sich mit dem aktuellen Phänomen, daß auch die Reprä- sentanten angesehener ethischer Traditionen nicht imstande waren, den Verlockun- gen und Drohungen, den Täuschungen und Verdrehungen in der nationalsozialisti- schen Wirklichkeit standzuhalten“.20Nur durch Jesus Christus ist die Wirklichkeit in ihrer Wahrhaftigkeit und Wesenhaftigkeit zu sehen und zu deuten. Bonhoeffer stützt sich hier voll und ganz auf die Menschwerdung, Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi und zeigt somit, daß nur in der „Gleichgestaltung“ mit ihm die Möglichkeit zum „richtigen“ Handeln ermöglicht und gegeben ist. Was es damit auf sich hat, soll im weiteren Verlauf dieser Arbeit deutlich werden.

2.) Die Bedeutung der Christologie im Rahmen der Manuskripte„Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“und„Ethik als Gestaltung“

a) Ausgangsposition

„Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ Auf der Suche nach einem neuen Ansatz für seine Ethik im Gegensatz zu anderen, konventionellen Ethiksystemen stellt Bonhoeffer gerade diese auf den Kopf. Geht jede Ethik von der Fragestellung nach Gut und Böse aus, bestimmt Bonhoeffer nun, daß gerade dies nicht die Aufgabe christlicher Ethik sein kann und darf. „Die christ- liche Ethik hat ihre erste Aufgabe darin, dieses Wissen (um Gut und Böse, die Verf.) aufzuheben.“21Dem Leser dieser Textpassage wird damit der Boden unter den Füßen entzogen, er muß sich völlig frei machen von allen mitgebrachten Vorstellungen und muß sich auf etwas ganz Neues einstellen, die überkommene Ethik wird „auf den

Schrotthaufen der Vergangenheit“22geworfen. „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ will einen ganz anderen, noch nicht dagewesenen Ausgangspunkt schaffen, die Verhältnisse umdrehen und ganz neu beginnen. „Die christliche Ethik erkennt schon in der Möglichkeit des Wissens um Gut und Böse den Abfall vom Ur- sprung“.23Hier wird das menschliche Grundproblem angesprochen, durch das erst das Dilemma des ewigen Konflikts, des Wissens um Gut und Böse entsteht. Vor dem sog. „Sündenfall“24lebte der Mensch „in unmittelbarem Wissen um Gott als seinen Ursprung“,25er „weiß nur eines: Gott“.26Das war seine Wirklichkeit. Mit dem Essen der Frucht des verbotenen Baumes jedoch verkehrte sich diese Wirklichkeit. Der Mensch entzweite sich mit seinem Ursprung, an dessen Stelle nun das Wissen um Gut und Böse trat. Bonhoeffer bezeichnet diesen Tatbestand als „die Entzweiung mit Gott Statt sich im Ursprung Gottes zu wissen, muß er nun sich selbst als Ursprung wissen.“27Der Mensch begegnet der Wirklichkeit seitdem nicht mehr als der von dem Schöpfer gedachten. Er kreist nur noch um sich selbst, sein eigenes Wissen um Gut und Böse, wählt selbstherrlich aus den mannigfaltigen Möglichkeiten und nimmt seine Umgebung nur noch anthropozentrisch wahr. Scham entsteht um den verloren- gegangenen Ursprung, die der Mensch mit Verhüllung zu verdecken sucht, um die Entzweiung zu überwinden.28Der Mensch heute kennt sich nur noch in der Entzwei- ung: mit Gott, mit seinem Nächsten, mit sich selbst.

„Ethik als Gestaltung“

Ähnlich der Ausgangsposition in „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ verhält es sich mit dem Manuskript „Ethik als Gestaltung“, in dem Bonhoeffer die Notwen- digkeit eines neuen Gedankens für eine christliche Ethik sehr viel gründlicher aus- führt. Zwar lehnt Bonhoeffer hier die konventionellen Strukturen der Ethik nicht vollkommen ab, er führt jedoch an, daß „die akademische Frage eines ethischen Sys- tems ... als die überflüssigste aller Fragen (erscheint)“.29Angesichts „einer bisher in der abendländischen Geschichte nie dagewesenen Bedrängnis“30sieht Bonhoeffer die alten Tugenden scheitern: die Vernunft, den ethischen Fanatismus, die Gewissens- entscheidung, den Weg der Pflicht, die Freiheit und Verantwortung, die private Tu- gendhaftigkeit.31Diese Güter „hohen Menschentums“32erfahren bei Bonhoeffer eine hohe Achtung, sie müssen jedoch allesamt untergehen. Alle ethischen Begriffe wur- den angesichts der großen Not und in den Wirren der Zeit des Naziregimes durchein- andergewirbelt, „weil sie isoliert geübt“,33einseitig betrachtet und angewandt wurden und somit die Fülle der Wirklichkeit nicht fassen konnten, einer Wirklichkeit, deren „Konturen ... überscharf (sind)“.34Bonhoeffer kritisiert, daß der Mensch sich bei al- len hergebrachten Ethiken bzw. einseitigen Tugenden nicht wirklich der Realität stellt, sie gar nicht durchschaut,35wo doch „mit ungeteiltem Blick auf Gott und die Wirklichkeit der Welt zu schauen“36so Not tut. Doch die Unmöglichkeit dieses Ak- tes stellt Bonhoeffer ganz klar heraus: Der Mensch vermag es nicht, die Wirklichkeit zu erkennen, so wie sie ist, „solange Gott und die Welt zerrissen sind“.37

Es finden sich also in den beiden Manuskripten ganz ähnliche Grundprobleme: ein- mal das Versagen aller ethischen Systeme angesichts der auf dem Abfall vom Ur- sprung beruhenden Entzweiung des Menschen mit Gott und seinem damit erlangten ungesunden Wissen um Gut und Böse, auf der anderen Seite das Scheitern der menschlichen Tugenden aufgrund der Schrecken und „verkehrten Welt“ in der Zeit des Nationalsozialismus. Zwischen Gott und Welt besteht eine Kluft, die ohne weite- res nicht überwunden werden kann. Wie ist es dem menschlichen Geschlecht aber möglich, aus dieser seiner festgefahrenen Position zu entkommen, wie kann er ent- scheiden, handeln, leben? Dazu bedarf es eines Menschen und eines Gottes zugleich: Jesus Christus.

b) Jesus Christus - Wer ist er?

„Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“

„Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ stellt Jesus von Nazareth als etwas völ- lig Neues dar. Er ist der Gegensatz des „Alten“, des Pharisäers, des Synonyms für den Menschen in der ewigen Entscheidung, des immerwährenden Konfliktes über- haupt.38Diese Begegnung zwischen Jesus und den Pharisäern, so in den Streitgesprä- chen,39macht den Unterschied zwischen beiden deutlich. Auf der einen Seite steht Jesus, der „sich in keine einzige dieser Konfliktsituationen hineinziehen läßt“,40der allein aus dem Willen und der Einheit mit Gott lebt und eben kein Wählender zwi- schen Gut und Böse ist. Bonhoeffer macht die interessante Entdeckung, daß Jesus und seine Gegner, die Pharisäer, „von völlig verschiedenen Ebenen“41her denken und zueinander sprechen, ja, Jesus scheint manchmal gar nicht zu verstehen, wovon sein Gegenüber redet. Aber gerade dabei redet er ganz auf den Fragenden, den An- greifer hin.42„Jede Antwort Jesu ... läßt dieses Entweder-Oder ... hinter sich“,43denn „nicht aus dem Wissen um Gut und Böse, sondern aus dem Willen Gottes lebt und handelt er“.44Jesus teilt die Welt und die Menschen nicht in Maßstäbe ein, er richtet nicht und lebt auch nicht in dem Konflikt, ständig aus einer endlosen Anzahl von Möglichkeiten zu wählen, wie es die Pharisäer tun - die dies sogar gern und mit Dankbarkeit tun!45In Jesus aber ist die ursprüngliche Einheit mit Gott präsent, und damitistJesus die wiedergewonnene Einheit selbst. Jesus ist der vom Schöpfer ge- dachte Mensch jenseits von Gut und Böse, er repräsentiert den Menschen in der Ein- heit mit Gott vor der Entzweiung. So lebt Jesus also in Freiheit, der Pharisäer aber,

der Mensch schlechthin, unter dem Fluch eines ständigen Sich-Entscheiden- Müssens. Jesus lebt in der überwundenen Entzweiung, der Mensch noch in ihr. Jesus handelt aus dem Willen Gottes in Einfalt, der Mensch handelt aus seinem Wissen um Gut und Böse in Zwiespalt. Die Heilung des Risses zwischen Mensch und Gott ist jedoch in Jesus vollzogen, er ist der Versöhner, der die Entzweiung, das Wissen um Gut und Böse aufhebt.46Jesus liefert ein neues Wissen, nämlich das, „in dem das Wissen um Gut und Böse überwunden ist“,47er füllt nun selbst das Wissen des Menschen aus, wie es im Ursprung Gott zukam.48

Auffällig ist hier, daß Bonhoeffer vom synoptischen Jesus ausgeht, der uns die Versöhnung bringt. Er meint die geschichtliche Person Jesus von Nazareth,49die aber ihr er Einmaligkeit von Leben und Taten in die Geschichte einging und sie für immer verändert hat. Sie ist Zeichen der Liebe Gottes, mehr noch, Jesus ist der eine wahre Sohn Gottes.50Er war das einmalige Neue in der Welt, „nicht was ertutundleidet, sondern wasertut und leidet, ist Liebe“51, ist das Ausschlaggebende. Dabei darf der Name Jesu aber nicht zu einem abstrakten Begriff degradiert werden, „sondern muß in der konkreten Fülle der geschichtlichen Wirklichkeit eines lebendigen Menschen verstanden werden“.52Die Liebe und Offenbarung Gottes muß also an Jesu Leben und Sterben gebunden bleiben und auch darin verstanden werden. Jesus war Mensch, und zwar zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem festen, geschichtlichen Ort, und als solcher ist er erkennbar, faßbar, fühlbar und ganz konkret. Aber er war „der Neue“, der so ganz anders als alle anderen Menschen lebte, dachte und handelte, und damit brachte er die Versöhnung, die Überwindung des ständigen Zwiespalts, in der sich der „alte Adam“ befindet.

„Ethik als Gestaltung“

Noch eine weitaus stärkere Christozentrierung findet sich in dem Manuskript „Ethik als Gestaltung“. In diesem zentralen Stück der „Ethik“ weitet Bonhoeffer den Inkar- nationsgedanken immens aus. Der zentrale Gedanke ist„Ecce homo - seht welch ein

Mensch!“53Gott ist Mensch geworden, und in Jesus Christus finden Gott und Welt wieder zusammen, werden vereint. Der Mensch „kann fortan Gott nicht mehr sehen ohne die Welt und die Welt nicht mehr ohne Gott“.54Christus aber „ist der Mensch- gewordene und in diese Welt Eingegangene, der Gekreuzigte und Auferstandene“.55 Bonhoeffer baut die Struktur des Textes „Ethik als Gestaltung“ nach dieser „drei- gliedrigen christologischen Formel“56auf. Zu Beginn steht die Menschwerdung Got- tes in Jesus Christus. Gott liebt diese Welt und den Menschen so sehr, daß Er sich in Seiner Liebe erniedrigt und sich selbst dem menschlichen Leben mit all seinen Fes- seln und Unvollkommenheiten unterwirft. „Leibhaftig“57nimmt er das Menschsein an. Gott liebt „nicht einen Idealmenschen, sondern den Menschen wie er ist, nicht eine Idealwelt, sondern die wirkliche Welt“.58Während wir versuchen, ständig über uns hinauszuwachsen, ja, uns sogar bemühen, „den Menschen hinter uns zu lassen“,59 sich von ihm abzulösen, wird GottwirklicherMensch. Bonhoeffer neigt hier zu einer radikalen Deszendenztheologie: Gott gibt sich so weit in die Welt hinein, daß Er sich selbst schuldig macht an der Welt.60Er will schuld sein an unserer Schuld, gibt Seine Souveränität als Herr auf und geht völlig in die Welt und das Menschsein ein. Die Unvollkommenheit des Menschen wird hier nicht überwunden, sondern angenom- men, sogar von Gott selbst gelebt. Er nimmt das Wesen des Menschen, seine Natur, seine Schuld, sein Leid in sich auf, „er ist Mensch wie wir“61und unterscheidet nicht zwischen verschiedenen Menschentypen oder Charaktereigenschaften.62Christus ist das „Ja Gottes zum wirklichen Menschen“.63Bonhoeffer geht aber noch einen Schritt weiter. Christus ist nicht nur ein Mensch unter vielen, er istderMensch.64In Gottes Inkarnation ist die gesamte Menschheit aufgenommen, in Christus ist sie repräsen- tiert. Man sollte deshalb „nicht von dem Menschgewordenen, sondern besser von dem universalen Ereignis der Menschwerdung reden“.65 „Jesus ist der Mensch schlechthin.“66Was an Christus geschieht, geschieht der ganzen Menschheit, er „schließt die ganze Menschheit und den ganzen Gott in sich“67und wird damit zum Versöhner und Vermittler zwischen Gott und Welt.68

Doch die Inkarnation ist immer schon auf das Kreuz bezogen, daher leitet Bonhoef- fer weiter zu„Ecce homo - seht den von Gott gerichteten Menschen!“69Gott vollzieht an sich selbst das Gericht. Im realen Menschen Jesus Christus ist Gott an der Welt schuldig geworden und wird sich selbst zum Richter, vollzieht das Gericht an Seiner eigenen Gestalt.70Auch hier, am Kreuz, gibt es keine Differenzierungen zwischen Menschentypen, guten oder schlechten Taten, sondern es findet Versöh- nung statt, und darin „kommt die Menschheit zu ihrer wahren Gestalt“.71 Das Christusgeschehen kommt aber erst in der Auferstehung zu seinem Ziel, zu sei- ner Vollendung. Und so heißt es zum Dritten bei Bonhoeffer:„Ecce homo - seht den von Gott ... zu einem neuen Leben erweckten Menschen, seht den Auferstandenen.“72 Christus ist neu, der Mensch ist neu. Gott hat mit Seiner Auferweckung Jesu einen neuen Menschen, eine ganz neue Kreatur geschaffen. Christus hat das Gericht Gottes willig angenommen, aber es ist ein Gericht der Gnade und der Liebe, weil Gott den Menschen vor sich bestehen lassen will.73Der auferstandene Christus ist der neue Mensch, er „trägt die neue Menschheit in sich, das letzte herrliche Ja Gottes zum neuen Menschen“.74An Christus ist das Exempel der Neuwerdung statuiert.

Zieht man nun noch einmal ein Resümee aus dem Vergleich beider Schriften, so ist klar zu erkennen, daß Bonhoeffer unterschiedliche Schwerpunkte legt. In „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ repräsentiert die Person Jesus von Nazareth die neue Person, in der der alte Zwiespalt zwischen Sein und Tun, zwischen Leben und Handeln überwunden und aufgehoben ist. In ihr haben also Sein und Tun ihre ur- sprüngliche Einheit wiedergefunden. Jesus kann und darf aus dem einen Willen Got- tes leben und steht damit jenseits des Wissens um Gut und Böse. Jesus ist aber auch der Einmalige, der durch sein einzigartiges Leben, seine einzigartige Tat am Kreuz als Sohn Gottes die Überwindung des Abgrundes zwischen Mensch und Gott voll- bracht hat. „Ethik als Gestaltung“ legt dagegen mehr Wert auf die wahre Mensch- werdung Gottes in Jesus Christus. Jesus stellt hier weniger etwas Neues, Noch-nie- Dagewesenes dar, vielmehr ist erderMensch schlechthin. Er ist Ausdruck der Liebe Gottes, der sich so weit in die wirklich Welt hinbegibt, daß Er sogar selbst schuldig an der Welt wird. Dieser Gedanke fehlt im Manuskript „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“. Jesus repräsentiert also in „Ethik als Gestaltung“ den Menschen, so wie Gott ihn eigentlich haben möchte, nämlich schlicht als Mensch mit allen sei- nen Fähigkeiten, Zweifeln, Fehlern und Charaktereigenschaften, seien es positive oder negative. Jesus ist also ganz und gar nicht der „Neue“, sondern vielmehr ist er der „Wirkliche“,dasBild des Menschen überhaupt, wie Gott es sieht und will, daß auch wir es sehen. „Das Bild Gottes, das in Jesus Christus erscheint, ist zuerst einmal das Bild eines Menschen.“75Bonhoeffer konzentriert sich ganz stark auf die Inkarna- tion Gottes in dem Menschen Jesus, so daß es nicht verwundern kann, wenn Bon- hoeffer die Namen Gottes und Jesu Christi hier für austauschbar erklärt.76Der Inkarnationsgedanke findet sich dagegen in abgeschwächter Form in „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“. Dort ist Jesus Christus die „Offenbarung“77Gottes: Selbstoffenbarung und Offenbarung Seiner Liebe. Jesus erscheint eher als der „An- dere“, fast schon als Gegensatz zum Menschen aufgrund seiner Einheit mit Gott, wohingegen Jesus in „Ethik als Gestaltung“ eher einen Schritt zurückgeht und sogar noch „menschlicher“ als wir wird, indem er nämlich ganz Mensch ist und sein darf, das schlichte und unvollkommene Menschsein akzeptiert und gerade nicht darüber hinauswachsen will. Man könnte vielleicht sagen, Jesus begegnet dem Leser in „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ als überlegen und souverän, da er in der Ein- heit mit Gott lebt jenseits der Qual der Wahl, jedoch in „Ethik als Gestaltung“ erscheint er aus menschlichem Blickwinkel unterlegen, möglicherweise sogar schwach, weil er sein Menschsein gerade nicht hinter sich lassen, sondern leben will, wohingegen wir als Menschen unsere begrenzten Möglichkeiten lieber leugnen würden. Aber darin erweist sich Jesus dann doch als der „Stärkere“, denn er lebt den Menschen so, wie er von Gott geliebt und angenommen wird, unser menschliches Verständnis vom Menschen wird dagegen ad absurdum geführt.

c) Jesus Christus - Seine Bedeutung für uns

Wurde in Punkt b) die Person Jesu Christi näher auf ihre Eigenschaft und Charakteristik hin untersucht, soll nun ihre besondere Bedeutung für die menschliche Existenz und das menschliche Handeln in den Mittelpunkt rücken.

„Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“

Der Mensch in der Entzweiung mit seinem Ursprung, mit Gott, findet sich in seiner Welt stets als Wählender wieder. Er hat „sein ganzes Leben unter sein Wissen um Gut und Böse (ge)stellt“78, mit dem er dann sich selbst, seine Mitmenschen und seine Umwelt bewertet, reflektiert, in verschiedene Kategorien einteilt und damit richtet. Doch so ist der Mensch von Gott im ursprünglichen Sinn nicht gedacht. In der Per- son Jesus von Nazareth findet sich Gottes Urgedanke vom Menschen wieder. Das Neue Testament berichtet von diesem neuen Menschen, der so einfältig im Willen Gottes lebt. Diese Einfältigkeit in Leben und Tun ist wahre Freiheit. Bonhoeffer hat hier einen ganz bestimmten Begriff von Freiheit: Freiheit ist eben nicht die Wahl aus einer endlosen Summe von Möglichkeiten, nicht die Willkür, alles tun zu können, was einem beliebt. Nein, mit Freiheit meint er hier die Freiheit Jesu, das Leben und Handeln in Einfalt (nicht in Zwiespalt!) aus dem einen Willen Gottes heraus.79Jesus begründetdiese Freiheit und Einfalt, denen der Mensch folgen soll. Wer Christus sieht, sieht die Versöhnung, die Brücke zwischen Gott und Mensch, die Mitte. Solch ein Blick gibt dem Menschen eine ganz neue Perspektive und damit ein ganz anderes Wissen, „er steht damit in einem neuen Wissen, in dem das Wissen um Gut und Böse überwunden ist.“80Bonhoeffer knüpft an dieses neue Wissen Bedingungen und er- kennt ganz klare Forderungen Jesu an denjenigen Menschen, der sich auf ihn einläßt. Da der Mensch nun einmal in der Situation des Abfalls vom Ursprung lebt, vermag er es nicht, sich von seinen Reflexionen und Urteilen zu lösen, um einfältig aus dem Willen Gottes zu handeln. Dazu bedarf es zunächst der Prüfung des Willens Gottes.81 Wie Jesus in der Einheit mit dem Willen Gottes lebte, so müssen wir, die wir Jesus nachfolgen wollen und in ihm die Versöhnung sehen, uns erst noch um die Kenntnis des Willens Gottes bemühen, der uns so ohne weiteres nicht offenbar ist. Um dieses Prüfen vorzunehmen, muß der Mensch eine Veränderung durchmachen. Vorausset- zung ist ein völliger innerer Wandel der bisherigen Gestalt, eine ‚Metamorphose‘82, wobei der Mensch die „Gestalt des abgefallenen Menschen, Adam“ ablegen und sich gleichzeitig „um die Gleichgestaltung83mit der Gestalt des neuen Menschen, Chris- tus“84verdienen muß. Nur das Wissen um Gottes Willen in Jesus Christus führt zu diesem Prüfen.85Das Wissen um Jesus Christusistdie Metamorphose, die innere Wandlung, die Erneuerung, mit Hilfe derer wir den Willen Gottes prüfen können. Damit ist es allerdings nicht getan. Das Wissen um Jesus Christus ist „nicht etwas ein für allemal Gegebenes, Feststehendes, Inbesitzgenommenes“, sondern es entsteht jeden Tag aufs neue die Frage, „wie ich heute und hier und in dieser Situation in die- sem Leben mit Gott, mit Jesus Christus bleibe und bewahrt werde“.86„Wir ‚haben‘ Christus nur so, wie man Personen haben kann - in der personalen Beziehung, nie als Besitz und durch Definition beschreibbar, aber in der Begegnung immer wieder aufs neue als originales Gegenüber erfahrbar.“87Es geht also auch um uns, um unser kon- kretes Bemühen, uns auf Christus zu konzentrieren, nur noch ihn zu wissen als einzig gültigen Maßstab.88Ich muß mich selber dahingehend prüfen, ob ich mich wirklich ganz auf Jesus Christus verweisen lasse, ob ich mich vollends auf ihn einlassen und nur noch ihn als mein einziges Wissen gelten lassen kann. Mit Christus ist der Mensch in die Einfalt zurückverwandelt,89aber es besteht die eindeutige Notwendig- keit des Selber-Aktivseins: „Es wird also der ganze Apparat menschlicher Kräfte in Bewegung gesetzt sein, wo es darum geht, zu prüfen, was der Wille Gottes sei“90und wie der Mensch „in Christus“ zu bleiben vermag, „denn es muß ja nun konkret gelebt und gehandelt werden“.91Auf der anderen Seite darf es aber auch nicht an Glauben und Vertrauen mangeln, daß Gott Seinen Willen auch wahrhaftig zu erkennen gibt und daß Er selbst „durch solches Prüfen hindurch seinen Willen durchsetzt“.92So muß der Mensch in seiner Existenz das richtige Maß finden, hinreichend Eigeninitia- tive, aber auch ein rechtes Maß an Zuversicht und Vertrauen auf Gott mitbringen, der eben auch an der Seite des prüfenden, sich entscheidenden und handelnden Men- schen steht. Bonhoeffer muß aber auch ein letztes Nichtwissen um den Erfolg dieses Vorgangs eingestehen. Die Verwandlung des Menschen in diese neue Kreatur ist, wie oben schon angeklungen, nicht etwas Feststehendes, ein für allemal Gegebenes, dessen der Mensch sich stets gewiß sein kann. In Momenten des Zweifelns und Zauderns, in Situationen der Entscheidung und des Unbekannten, wird „die Bangig- keit, ob man das Rechte getan habe, ... aufgehoben sein im Wissen um Jesus Chris- tus, der allein das gnädige Gericht übt, sie wird das eigene Gute bis zu seiner Zeit verborgen sein lassen in dem Wissen und der Gnade des Richters“.93Dies ist eine Besonderheit des Wissens um Jesus Christus als einziges Wissen: Tut ein Mensch „Gutes“ aus diesem Wissen heraus, darf er um dieses Gute gerade nicht wissen, da Jesus als die Aufhebung der Entzweiung auch das alte Wissen um die Entzweiung, also die Einteilung in Gutes und Böses, aufhebt.94„Das eigene Gute bleibt dem Men- schen nun verborgen.“95Das Wissen um Jesus Christus kann nicht einhergehen mit dem Wissen um Gut und Böse, beides schließt sich aus. Aber das ist gerade der Ruf zur Umkehr, sich ganz auf Jesus Christus einzulassen, nur ihm zu folgen und auch nur ihn zu wissen. Zwar gesteht Bonhoeffer ein, daß es „psychologisch gesehen ... in der Tat unmöglich (ist), daß die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut, daß die Einfalt immer nur das Eine tut, ohne von anderen Möglichkeiten zu wissen“96, aber die Psychologie steht in dem Problem, daß sie sich immer noch unter dem Gesetz der Entzweiung befindet. Sie kann also gar nicht erkennen, was für eine Einfalt, Freiheit und Reflexionslosigkeit Jesus meint. Hier zeigt sich wieder sehr deutlich, daß Jesus das Neue repräsentiert, das ganz Andere, das mit herkömmlichen Ansichten und Methoden nicht zu beurteilen und zu erklären ist.

Daß wir mit vollzogener Metamorphose nun in unserem Tun ganz auf Jesus Christus blicken, kann aber nicht bedeuten, daß die Menschen mit „Leichtfertigkeit und Un- achtsamkeit in bezug auf sich selbst“97durchs Leben gehen dürfen. Mit dem Prüfen des Willens Gottes muß auch immer eine „christliche Selbstprüfung“98einhergehen, „die täglich die Erkenntnis erneuert, daß ‚Jesus Christus in uns‘ ist“.99Auf personaler Ebene muß täglich neu geprüft werden, ob Jesus Christus auch wirklich den Raum des Wissens um Gut und Böse eingenommen hat, ob er wahrhaftig „in uns ist, ..., ob und wie wir ihm im täglichen Leben gehören, glauben, gehorchen“,100da sich das Sein in Christus nicht mechanisch und automatisch vollzieht. Dieses Prüfen verfügt aber über keinen Maßstab mehr als über Jesus Christus selbst, dessen lebendiger Be- ziehung wir aber nie hundertprozentig habhaft sind. So mündet unsere Selbstprüfung auch hier in dem Vertrauen auf Jesu gnädiges Gericht, im Sich-Ausliefern an unseren Herrn, „also das Fazit nicht selbst zu ziehen, sondern es dem zu überlassen, von dem wir wissen und erkennen, daß er in uns ist“.101Das Sein in Christus und die Selbst- prüfung bedingen sich geradezu, so daß sich erst in der eigenen Prüfung das Sein Christi vollzieht und jedesmal neu ereignet.102Ethik wird hier in der Tat zum Christusgeschehen.

Die Selbstprüfung hebt jedoch das Handeln in Einfalt keineswegs auf. „Die einzig angemessene Haltung des Menschen vor Gott (ist) das Tun seines Willens.“103Nur durch dieses Tun fügt sich der Mensch dem Willen Gottes und kann angemessen handeln. Das Tun meint wiederum nicht die Wahl aus unzähligen Möglichkeiten, sondern die Deckungsgleichheit mit dem Tun Christi in uns, denn „es gibt wirklich kein Tun ohne Christus“.104Es kann neben dem Tun Christi in uns also kein zweites Tun aus menschlichem Vermögen geben, ein Handeln, das dann noch abwägt zwi- schen Gut und Böse.105Das wäre dann wieder ganz klar zwiespältig und jenseits der Versöhnung. Im folgenden stellt Bonhoeffer mehrere Abgrenzungen zu dem von ihm und der Schrift gemeinten Tun: Das Tun schließt einmal das Richten aus, des weite- ren darf das Hören vom Tun keinesfalls getrennt werden und als etwas Zweites gel- ten.106

Die Überwindung der Entzweiung und das Tun der Versöhnung ist nicht durch menschliches Handeln zu bewerkstelligen.107Was Bonhoeffer vorher schon am Ideal- typ des Menschen in der Entzweiung, dem Pharisäer, aufgezeigt hat,108daß dieser sich nämlich anmaßt, über seine Taten, die seiner Mitmenschen und schlußendlich damit auch über das Gesetz selbst zu richten,109wird hier noch einmal herangezogen, um das Verderbliche des Richtens zu markieren. Dem Richtenden wird das Gesetz zum Maßstab, doch damit erfüllt er es nicht und tut es auch nicht, sondern stellt sich geradewegsüberdas Gesetz, ja, er richtet sogar Jesus Christus selbst.110Er will den Willen Gottes gesetzlich anwenden.111Doch das ist die falsche Haltung gegenüber dem Gesetz. Das Gesetz wird nur durch das Tun selbst erfüllt, nicht durch seine Ab- wägung, seine Reflexion und die daraufhin vollbrachte Tat. An dieser Stelle bezieht Bonhoeffer indirekt seine Unterscheidung von „actus directus“ und „actus reflexus“ mit ein.112Nicht mehr dürfen das eigene Tun und das Gesetz reflektiert werden, ge- nausowenig darf der Mensch auf sich selbst reflektieren, wie es der Pharisäer stets tut, sondern er muß schlicht und ergreifendtun, handeln, leben und dabei nur noch Jesus Christus und sein gnädiges Gericht wissen. Eben dies vollbringt der ‚Täter des Gesetzes‘,113und gerade dadurch wird „das Gesetz geehrt und inkraftgesetzt und als lebendiges Wort Gottes, das sich aus eigener Kraft durchsetzt und keiner menschli- chen Hilfe bedarf, anerkannt“.114Das Gesetz bedarf des Menschen nicht, es ist nicht notwendig - nach Bonhoeffer ist es sogar falsch - daß der Mensch sich darum be- müht, es dreht und wendet und sogar seine Mitmenschen darauf aufmerksam macht, daß sie hier und dort das Gesetz nicht angewandt oder falsch ausgelegt haben. Es soll keine Nebenblicke auf den Nächsten geben, nicht auf meinen Nachbarn geschielt werden, es soll kein „actus reflexus“ stattfinden, sondern „das Tun ist und bleibt das einzige und ausschließliche Verhalten gegenüber dem Gesetz Gottes“,115alles andere ist ein „Scheintun, Heuchelei“.116Ganz ähnlich verhält es sich mit der Einheit von Hören und Tun. Das Tun des Gesetzes setzt freilich das Hören desselben voraus, aber das Hören des Gesetzes darf nicht in die Reflexion zurückfallen. Es darf nicht neben dem Tun etwas Zweites, Nebenstehendes, Selbständiges sein,117sondern der Hörer kann und darf kein anderes Verhalten gegenüber dem gehörten Wort Gottes zeigen als dieses es sofort zu tun. Wieder wird dem „actus directus“ gegenüber dem „actus reflexus“ Vorrang gegeben als einzige Möglichkeit, angemessen auf das Hören des Wortes Gottes zu reagieren. Nur noch auf das Gesetz und auf Jesus Christus konzent- riert sein heißt, befreit zum unreflektierten Tun sein. Hören und Tun müssen Hand in Hand gehen, „beides in einem“,118sie dürfen nicht dem Zwiespalt anheimfallen, und dies kann nur bedeuten, „in der Einheit mit Jesus Christus sein und bleiben,119auf ihn ausgerichtet sein, von ihmWort und Tat(Anm. d. Verf.) empfangen“.120Doch auch hier muß Bonhoeffer die Grenzen dieses Vorhabens erkennen. Wie es schon eine letzte Sicherheit im Erkennen des Willens Gottes nicht gibt,121und wir uns auch nicht vollkommen sicher sein können, daß Jesus Christus stets in uns ist,122so gibt es auch kein allerletztes Prüfen, „ob unser Hören und Tun echt ist oder Schein“.123Auch hier müssen wir uns wieder ganz auf Jesus Christus und sein gnädiges Gericht verweisen lassen, uns ganz an ihn ausliefern, Vertrauen fassen und hoffen. „Entscheidung be- deutet für Bonhoeffer also nicht Konsequenz richtiger Anwendung ethischer Prinzi- pien, sondern letztlich einWagnis(Anm . d. Verf.) und bleibt es.“124

Ein wichtiges Kriterium, welches den Menschen in der neugebrachten Versöhnung Jesu Christi ausmacht, ist die Liebe. Sie scheidet den Menschen vom Ursprung von dem Menschen in der Entzweiung.125Bonhoeffer trennt den von ihm gemeinten Beg- riff ganz klar von den menschlichen Vorstellungen von Liebe.126Liebe ist jenseits aller Entzweiung, und damit kann sie nur etwas Göttliches sein: Gott ist Liebe, und Bonhoeffer legt die Betonung eindeutig auf das Subjekt Gott. Gott selbst ist Liebe, und somit kann kein menschliches Wesen ausmachen, was Liebe ist, es sei denn in der Selbstoffenbarung Gottes. Und die Selbstoffenbarung Gottes ist alleinig127Jesus Christus. Gott hat sich also zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte und an einem konkreten geschichtlichen Ort offenbart,128und damit ist auch Seine Liebe konkret und wirklich. Die Liebe ist ein Element, ein Merkmal des Ursprungs. Jesus Christus ist der Mensch des Ursprungs, der aus dem einen Willen Gottes lebt und somit die Versöhnung und die Liebe Gottes repräsentiert, vielmehr noch die Liebe Gottesist. Damit überwindet er die Entzweiung des Menschen, den Abfall vom ur- sprünglichen Paradies und befreit den Menschen „aus der Verfallenheit von Sünde und Schuld“.129Der Ursprung ist dem Menschen in dem Versöhner Jesus Christus wiedergeschenkt. Darin besteht Gottes Liebe. Sie ist eine Tat, nämlich die Tat der Überwindung der Entzweiung des Menschen, und „diese Tat heißt Christus, heißt Versöhnung“.130Damit ist die von Bonhoeffer gemeinte Liebe etwas Passives, das am Menschen geschieht. Hier stößt Bonhoeffer wieder auf den Anfang seines Manu- skripts: Der Mensch in der Entzweiung weiß um Gut und Böse, „statt sich die Wahl und Erwählung Gottes gefallen zu lassen“, er trägt „gewissermaßen das Geheimnis der Prädestination in sich selbst“.131Die Liebe Gottes wandelt diese Existenzweise des Menschen zurück, überwindet sie, sie ist „die Erwählung des Menschen durch Gott“.132Darauf kann der Mensch nur noch dankend und liebend antworten, indem er sich die Erwählung gefallen und an sich geschehen läßt. Es gibt gar keine andere Reaktion auf das von Gott Geliebtwerden als Gott im Gegenzug lieben. Beides sind zwei Seiten der gleichen Medaille.133Auf dieser Grundlage gibt es also auch nur ein „sich auslieferndes Tun“,134was nicht bedeuten soll, daß diese Passivität eine starre, ungesunde ist. Passivität angesichts der Liebe Gottes „verbietet dem Menschen kei- neswegs starke Gedanken und frohe Taten“,135vielmehr sind wir alsganzeMenschen mit ganzem Einsatz gefordert. Wir sind des Prüfens und des Sich-Vergewisserns nicht enthoben. Aber unser Leben und unsere Taten sind aufgehoben in der Liebe, in der Erwählung Gottes, wir blicken auf die Versöhnung, auf die Überwindung der Entzweiung und können vertrauensvoll und hoffend leben und handeln.

„Ethik als Gestaltung“

In „Ethik als Gestaltung“ lassen sich einige Aspekte, die Bonhoeffer in „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ nur skizziert, wiederfinden, ganz besonders der Begriff der „Gleichgestaltung“,136das Problem der Unterscheidung und des Richtens,137oder auch die Passivität des Menschen.138

Wie schon einmal angeführt, geht Bonhoeffer auch in diesem Manuskript von einer ähnlichen Bewertung der klassischen Ethiken aus: Ihre Systeme sind überflüssig, haben angesichts der neuen, prekären Situation ausgedient und interessieren nicht mehr. Bonhoeffer nimmt die Ethik von ihrer Praxis her in den Blick. Die Gleichges- taltung mit der Gestalt Christi, worum es in diesem Text geht, „stellen eine Grundla- ge für ein positives Weltverständnis dar, insofern in Christus ‚Gott und die Welt mit demselben Blick‘ ins Auge gefaßt werden“.139Der Mensch, der an den einseitig belasteten Ethikprinzipien scheitert und ihre beschränkten Anwendungsgebiete er- kennt, bemüht sich nun, „die rostigen mit den blanken Waffen zu vertauschen“.140Es gilt, Einfalt mit Klugheit zu verbinden.141Der Einfältige schaut arglos auf die Wahr- heit Gottes und weiß um Seine Liebe, die ihn von der Qual des ewigen Konfliktes und der ethischen Entscheidung frei macht. Nur noch Gott wissen, in Ihm die Wirk- lichkeit sehen, wie sie ist, das ist gleichzeitig Einfalt und Klugheit. Bonhoeffer unter- scheidet hier klar zwischen Erkenntnis und Kenntnis. Nicht derjenige, welcher alles weiß und noch viel mehr lernt, ist der Klügste, sondern der, der weiß, daß die Wirk- lichkeit in Gott ruht, kann mit einem „befreiten Blick auf Gott und auf die Wirklich- keit, wie sie in Gott allein Bestand hat“ getrost in der Fülle des Lebens handeln. Die Einfalt zentriert die Vielheit, der Blick auf Gott und die Wirklichkeit in Ihm öffnet die Augen für das Wesentliche. Schon hier deutet Bonhoeffer an, was er später noch genauer ausführen wird. Da Welt und Gott zerrissen sind,142vermag es kein Mensch, so vereint in Einfalt und Klugheit zu leben und nur noch auf Gott zu schauen. „Es bleibt bei aller Bemühung doch ein Schielen von einem zum anderen.“143Zweifel, Selbstrechtfertigung, die Qual der Wahl, all das sind und bleiben menschliche Eigen- schaften. Jedoch weist Bonhoeffer auf einen Ort hin, „an dem Gott und die Welt- wirklichkeit miteinander versöhnt sind, an dem Gott und der Mensch eins geworden sind“,144und dieser Ort ist Jesus Christus. In ihm, und nur in ihm, finden Gott und Wirklichkeit zueinander, werden wieder versöhnt und vereint, die Kluft zwischen ihnen wird neutralisiert, so daß es dem Menschen möglich ist, Gott und Welt inei- nemzu sehen. Christus umfaßt diegesamteWirklichkeit. In Jesus Christus sind die Schranken zwischen Gott und Welt ein für allemal geöffnet und überwunden, von nun an kann der Mensch „Gott nicht mehr sehen ohne die Welt und die Welt nicht mehr ohne Gott“.145Fortan kann Jesus Christus nicht mehr übersprungen werden, hinter das Christusgeschehen kann niemand mehr zurück, es gibt nun keine Ge- schichte und eine Bewertung derselben ohne ihn, denn nur „darum, und darum allein ist es möglich, Gott und die Welt mit demselben Blick ins Auge zu fassen“.146Die Liebe Gottes zur Welt ist in Jesus Christus offenbar, sie zieht sich also nicht aus der Wirklichkeit zurück, sondern geht vielmehr in sie ein, sie „erfährt und erleidet die Wirklichkeit der Welt aufs härteste. Am Leibe Jesu tobt sich die Welt aus.“147Gott wird selbst Mensch,148und „das Bild, das in Jesus Christus erscheint, ist zuerst ein- mal das Bild eines Menschen“.149Versöhnung und damit die Überwindung des Ab- grundes zwischen Gott und Welt geschieht, weil Jesus der Welt vergibt. Jesus Chris- tus ist die „Mitte zwischen Gott und Welt“.150Doch das wahre Geheimnis und die wirkliche Größe der Liebe Gottes liegt darin, „daß Gott den wirklichen Menschen, nicht einen konstruierten oder von seinen Fehlern abstrahierten Menschen liebt“,151 sondern Gott wirdwirklicherMensch und stellt sich damit ganz der Weltwirklich- keit. Nur die Liebe Gottes in Jesus Christus kann der Wirklichkeit wahrhaft begeg- nen, darin liegt das Ja Gottes zu Mensch und Welt, das Ja des Gottes, der selber Mensch wurde, in die Welt einging und sogar ihre Schuld auf sich nahm. Denn wer realer Mensch ist, kommt an Sünde und Schuld nicht vorbei. So wird der menschge- wordene Gott Jesus Christus zu dem Menschen schlechthin. „Nicht der ideale Mensch, sei es, wie der Mensch ihn sich vorstellt, sei es, wie Gott ihn sich wünscht, wird in der Inkarnation Christi von Gott angenommen, sondern der real vorfindliche Mensch.“152Was an Jesus Christus geschieht, geschieht an jedem einzelnen Men- schen, an der gesamten Menschheit im Großen.153Sein Menschsein schließt „das Gericht über alle menschlichen Vorstellungen vom Menschsein“154ein und entlarvt damit „die aus dem zeitgeschichtlichen und kulturellen Kontext gewonnenen Bilder“ als „Gegenbilder“.155Bonhoeffer nennt drei Beispiele für diese Gegenbilder: die „Menschenverachtung“ bzw. „Menschenvergötzung“,156den Erfolg157und die „Ver- götzung des Todes“,158und allen drei Wegen stellt er den Gottmenschen Jesus Chris- tus entgegen: den Menschen Jesus Christus schlechthin, den von Gott gerichteten Menschen und den auferweckten neuen Menschen, alle repräsentiert in Jesus Chris- tus, dem wahren Menschen. Da ist zuerst der „tyrannische Menschenverächter“,159 „als dessen Vorbild unschwerAdolf Hitler(sic!) zu erkennen ist“.160Der Menschen- verächter sieht den Menschen vorwiegend in seinen schwachen, niedrigen und ge- meinen Seiten. Aber damit trifft er nicht den von Gott geliebten und angenommenen Menschen, sondern nur eine einseitige, sogar verzerrte Form, eine Fratze des Men- schen. Die Menschwerdung Gottes entzieht dem Menschenverächter von vornherein den Boden unter den Füßen, so daß seine Sicht des Menschen untragbar wird. Auch der Gute, im Gegensatz zum Tyrannen, „der dies alles durchschaut“, sich dann aber „angeekelt von den Menschen zurückzieht und sie sich selbst überläßt“,161kann nur eine Negation seiner Einstellung zum Menschen erfahren. Jede Form der Menschen- verachtung wird im Angesicht der Inkarnation Gottes in dem wahren und realen Menschen Jesus Christus scheitern müssen, im Angesicht der vollen Bejahung des Menschen. Hat der Menschenverächter sich durchweg auf die Schwächen und Ge- meinheiten des Menschengeschlechts konzentriert, so gibt es auch „eine aufrichtig gemeinte Menschenliebe, die der Menschenverachtung gleichkommt“.162Dieser Phi- lanthrop liebt ein „selbstgemachtes Bild“163des Menschen, sieht und sucht in ihm nur die guten Seiten, Böses wird mit erzwungener Nachsicht in Gutes umgedeutet, „das Gemeine übersehen, das Verwerfliche entschuldigt“.164Auch hier entsteht eine Ver- zerrung des real existierenden Menschen, der in seinem Wesen nicht so erkannt wird, wie er ist. Dies ist überhaupt nur allein in der Menschwerdung Gottes möglich, nur dort vermögen wir den wirklichen Menschen zu kennen und ihn nicht zu ver- achten. Es ist gleichzeitig eine Chance. Wir „dürfen den wirklichen Menschen neben und vor Gott leben lassen ohne ihn zu verachten oder zu vergöttern.“165Damit sind das Richten der Mitmenschen und das ständige Schielen auf den Nächsten hinfällig geworden. Nicht nur, weil es verboten ist,166sondern weil es gar nicht mehr nötig ist. Wir brauchen nicht auf den Nachbarn zu schauen, uns an ihm zu messen und mit ihm zu vergleichen, denn Gott hat das Ja zu jedem einzelnen Menschen gesprochen, in- dem Er selbstderMensch wurde.

Doch der Mensch ist auch der von GottgerichteteMensch.167Gott selbst wird schul- dig an der Welt in Seinem Menschsein und vollzieht auch das Gericht an sich selbst. Das ist der einzige Weg des Friedens, der Versöhnung mit der Welt, der den Ab- grund überwindet und schließt. „Von Gott angenommen, im Kreuze gerichtet und versöhnt, das ist die Wirklichkeit der Menschheit.“168Dies bleibt einer Welt, die nur auf den Erfolg blickt, fremd und ist ihr eine Torheit,169denn der Erfolg „ist eine Ver- leugnung des Gerichtes“.170Der schwache, verlorene Mensch am Kreuz muß ihr ge- radezu lächerlich erscheinen. Bonhoeffer unternimmt hier einen Angriff auf die aktu- elle Zeit, auch hier dient dem angesprochenen Menschentypus, dem Erfolgreichen, Adolf Hitler als Vorbild. Er ist derjenige, der Tatbestände schafft, „die nie mehr rückgängig zu machen sind, was er zerstört, ist nie wieder herzustellen“,171alles ist unwiderruflich geschehen, „die Schuld ist nicht wiedergutzumachen“.172Doch das Kreuz Christi ist das Gericht über den Erfolg, mehr noch, es ist eine radikale Kritik an jeder Erfolgsorientierung.173„Entscheidend ist nicht mehr, ob eine Handlung zum Erfolg führt oder nicht, sondern ob sie vor dem Gericht Gottes Bestand hat.“174Das Gericht Gottes ist aber schon vollzogen, an Jesus Christus und somit an der gesamten Menschheit; „darum wissen wir, daß Gott den Menschen nicht zugrunde richten, sondern aufrichten will.“175Das Gericht Gottes ist ein Gericht der Gnade und der Liebe.176An dem vollzogenen Gericht kommt niemand mehr vorbei, nicht der Starke, nicht der Schwache, weder der Erfolgreiche, noch der Verlierer. Denn Christus kümmert sich nicht um Erfolg und Mißerfolg. Ihm geht es um das „willige Anneh- men des Gerichtes Gottes“,177weil nur darin Versöhnung stattfindet. Unsere Identität hängt an der Geschichte und an der Person Jesus Christus, ohne die wir keine Zu- kunft haben, denn „allein im Kreuz Christi und das heißt als gerichtete kommt die Menschheit zu ihrer wahren Gestalt“.178

Ihr Ziel finden die Menschwerdung Gottes und das Gericht in der Auferstehung Jesu Christi, im Ostergeschehen. Die Auferstehung ist das „letzte herrliche Ja Gottes zum neuen Menschen“.179Mit Christi Auferstehung ist ein neuer Mensch geschaffen.180

Doch Christus als der Mensch schlechthin mußte zuvor alle Stationen des Mensch- seins durchlaufen und alle Auflagen Gottes erfüllen: Geburt, Leben, Sünde und Schuld, Gericht, Tod am Kreuz und letztendlich die Auferstehung in Herrlichkeit. So geschieht es mit dem Menschen selbst auch. Ohne Leben und Gericht findet er seine wahre Gestalt, sein wirkliches Wesen nicht und damit auch nicht die Neuwerdung und Auferstehung. Mit Christus ist der neue Mensch geschaffen, und „was an Chri- stus geschah, ist anallen(Anm. d. Verf.) geschehen“.181Damit ist auch das letzte Gegenbild aus Bonhoeffers zeitlichem und kulturellem Kontext in seine Schranken gewiesen: die Todesvergötzung. Damit meint Bonhoeffer sowohl Formen von „krampfhafte(r) Lebensbejahung“ sowie „gleichgültiger Lebensverachtung“,182 welche beide Phänomene des Nationalsozialismus waren, aber durchaus auch in an- deren, ebenso aktuellen Zeiten ihren Ausdruck fanden und finden. „Bonhoeffer deu- tet den Neubau der Welt, der durch die politisch-militärische Neuverteilung des eu- ropäischen Bodens und die völlige Umerziehung der dort lebenden Menschen ge- schehen sollte und der auch in den Monumentalbauten einesAlbert Speer(sic!) sei- nen Ausdruck fand, als Glauben an den Tod.“183Bonhoeffer sieht darin eine klare Überforderung des Menschen und wiederum eine radikal-einseitige Positionierung gegenüber dem irdischen Leben: „Alles erraffen oder Alles wegwerfen“184ist mit dem Glauben an den Auferstandenen nicht vereinbar, welcher doch den ganzen Le- benskomplex des Menschen in sich einschließt, annimmt und „wo die Macht des Todes gebrochen ist“.185Bonhoeffer gesteht allerdings ein, daß die Menschheit „noch im Alten“, „in einer Welt des Todes“186und der Sünde lebt, aber er sieht schon den Schimmer der „besseren Welt“. Es ist ein „Schon-Jetzt“ und „Noch-Nicht“:187Einer- seits lebt der Mensch in einer noch nicht umgewandelten Welt unter Gottes Regie- rung, wie es im Neuen Testament verheißen ist,188andererseits ist das Gericht, die Versöhnung und das Neue an und in Jesus Christus schon geschehen. Über der Nacht wird es schon hell,189der Mensch kann hoffen und aus dieser Hoffnung, dem „Schon- Jetzt“, seine Kraft ziehen, um zu handeln und zu leben. Das „Schon-Jetzt“, welches uns in Christi Gestalt begegnet und das wir in ihr erkennen können, ist Grundlage für eine weitere Gestaltung, und zwar eineGleichgestaltungjedes einzelnen Menschen mit der Gestalt Jesu Christi.190Dies ist der entscheidende Vorgang, der die Welt und den Menschen nachhaltig verändert, der ihn neu macht. Nur darin erhält der Mensch seine neue, wahre Gestalt, in der er Mensch sein soll und darf.191Bonhoeffer orien- tiert sich bei dem Gedanken der Gestaltung wiederum an der dreigeteilten Formel von Menschwerdung, Kreuzigung und Auferstehung. „Gleichgestaltet mit dem Menschgewordenen - das heißt wirklicher Mensch sein.“192Man braucht kein Ideal- mensch zu sein, sich nicht nach einem Vorbild193zu richten oder gar versuchen, sein Menschsein hinter sich zu lassen,194alles an „Schein, Heuchelei, Krampf, Zwang etwas anderes, besseres, idealeres zu sein als man ist, ist hier abgetan“,195sondern der wirkliche Mensch in der Gleichgestaltung mit Christus ist der Gegenstand göttlicher Liebe und nicht irgend welcher Vergötterung oder Verachtung. Dann ist der Mensch gerade „unwahr“196und findet nicht sein wirkliches Wesen. Ich darfIchsein mit al- len Fehlern, Träumen, Hoffnungen, Zweifeln, Forderungen, also mit allem, was mein Leben ausmacht, denn ich bin auch gerichtet von Gott und dadurch mit Ihm versöhnt und erlöst. „Gleichgestaltet mit dem Gekreuzigten - das heißt von Gott gerichteter Mensch sein.“197Der Mensch ist Sünder, und über sein Sündersein kommt er nicht hinweg. Aber es erkennen und bekennen bedeutet, sich ganz dem Gekreuzigten und Gottes gnädigem Gericht auszuliefern und Gott „über sich und gegen sich“198Recht zu geben. Darin ist er vor Gott recht und gerechtfertigt, frei zum Leben als realer Mensch. Die Auferstehung rundet diesen „Durchlauf“ ab und vollendet die Gleich- gestaltung. „Gleichgestaltet mit dem Auferstandenen - das heißt vor Gott ein neuer Mensch sein.“199Es bleibt ein Geheimnis der Liebe Gottes, der Mensch lebt, „weil Christus lebt“,200und er lebt allein in ihm. Christus ist der alleinige Weg zum Leben, zum wahren Menschsein, die einzige Chance des Menschen, auch wirklich als Menschhandeln und sein zu dürfen, jenseits aller Abstraktion, mag sie auch noch so gering sein. In der Gleichgestaltung mit Christus wird der Mensch nichts Höheres, Besseres, Idealeres, sondern findet schlicht und in vollem Sinne seine Menschlich- keit. Bonhoeffer hält jedoch fest, daß die Gleichgestaltung keineswegs vom Men- schen ausgeht oder erwirkt werden kann. Gestaltung gibt es nur von der Gestalt Jesu Christi aus, der Mensch bleibt in Passivität. Vielmehr ist es „ein Hineingezogenwer- den in die Gestalt Jesu Christi“,201Christusgestaltet uns, es ist eine Verwandlung von Jesu Seite aus. Ebenso gibt es nureineInkarnation, die Menschwerdung Gottes. Der Mensch wird nicht Gott, „sondern Gott selbst verwandelt seine Gestalt in die Gestalt des Menschen, damit der Mensch zwar nicht Gott, aber Mensch vor Gott werde“.202Der Menschbrauchtalso die Herabneigung Gottes zur Welt, Sein Kom- men zu ihm, um seine wahre Bestimmung zu finden und auch zu erlangen. Allein ist der Mensch hilflos und versinkt in abstrakten und bloßen Vorstellungen vom Menschsein und von der Wirklichkeit, ohne ihre eigentlichen Wesenheiten zu entde- cken, geschweige denn zu leben.

Hat Bonhoeffer im Laufe des Manuskripts „Ethik als Gestaltung“ Christus als den Menschen schlechthin dargestellt, der in allen Menschen Gestalt finden will, so be- schränkt er die Gleichgestaltung kurz darauf wieder auf die Kirche.203„Er, der die GestaltdesMenschen trug, kann nur in einer kleinen Schar Gestalt gewinnen: das ist seine Kirche.“204Christus gewinnt also nur Gestalt in der Kirche. Jedoch macht Bon- hoeffer klar, daß die Kirche nicht eine „Religionsgemeinschaft von Christusvereh- rern“,205eine bloße christliche Gruppierung ist, ein „Vorbild für die Welt“,206sondern sie ist ein Stück Menschheit selbst. Was an ihr geschieht, nämlich die Gleichgestal- tung mit Christus, „geschieht vorbildlich und stellvertretend für alle Menschen“.207

Man könnte also fast verallgemeinernd sagen, die Kircheistdie Menschheit, wie Jesus ChristusderMensch ist. In der Kirche ist die Gestalt Christi Wirklichkeit ge- worden. Sollte vorhergehend im Text die Menschheit in die Gestalt Christi hineinge- zogen werden, so wird sie nun in die Kirche hineingezogen.208„Gewissermaßen vor- wegnehmend“ soll die Kirche eine Art „Vorhof“ zur wahren Gestalt des Menschen sein, die er zwar schon empfangen hat (Perfekt), aber noch nicht persönlich annimmt und begreift (Präsens).209Die von Christus direkt gestaltete Kirche ist also Aus- gangspunkt aller Gestaltung. Bonhoeffer denkt an ein weltliches Christentum. Im Hintergrund des allgemeinen Kirchenversagens angesichts des NS-Regimes sucht Bonhoeffer enttäuscht nach einer Instanz, die für die Menschen steht.

Zum Ende des Manuskripts führt Bonhoeffer die Idee des „christlichen Abendlan- des“ ein.210Ethik muß laut Bonhoeffer konkret sein.211Im Zusammenhang mit der Frage nach der Konkretion werden wir wieder auf Jesus Christus verwiesen. Er ist „nicht der Verkünder eines Systems“, „nicht wesentlich Lehrer, Gesetzgeber“ er „lehrt keine abstrakte Ethik“,212sondern er will „hier und heute“213(sic!) unter uns und in uns Gestalt gewinnen. So kann aus Jesu Leben, Handeln und Lehren kein Formalismus abgeleitet werden, es kann nicht ein für allemal abstrahiert werden, „was heute, hier und zu allen Zeiten gut wäre“.214Allen Theorien, Lehren, Program- men wird damit entsagt, und Bonhoeffer kehrt wieder zum Anfang seiner Ausfüh- rungen dieses Textes zurück. Alle ethischen Prinzipien sind zu starr und einseitig, zu unkonkret, nicht auf die wahre Weltwirklichkeit gemünzt. Es gibt kein Idealrezept für eine Handlung. Die Ermöglichung und Erlaubnis zum befreiten Handeln und da- mit zu einer konkreten Ethik liegt allein in der Menschwerdung Gottes, von der aus- gehend die Gleichgestaltung aller Menschen erfolgt - und zwar auf verschiedene Weisen. Christus setzt die Wirklichkeit nicht außer Kraft, überwindet sie nicht, son- dern fordert gerade die Verwirklichung des wahren Menschseins. Er „setzt die Wirk- lichkeit inkraft, er bejaht sie“,215wie er auch den Menschen bejaht, weil er „der Grund aller menschlichen Wirklichkeit“216ist. Daher kann die konkrete christliche Ethik auch nur ihren Ausgangspunkt in Jesus Christus haben, in der Versöhnung, in und auf seinem Weg. Aus ihm darf nie „ein abstrakter, für alle Zeiten gleicher Weg herauskristallisiert werden“,217Christus ist der lebendige Gegenüber, den es immer wieder neu zu entdecken und dem es stets neu zu gehorchen gilt, „‚unter uns‘, ‚heu- te‘ und ‚hier‘“.218Diese temporalen und örtlichen Bestimmungen „sind Indiz für den geschichtlichen Index in den Aussagen über die Welt“.219„Es gibt zu Gott und zur Welt nur einen durch Jesus Christus vermittelten und damit geschichtlichen Zu- gang“,220der auch unsere eigene Geschichte angeht und bestimmt. Wir sind ein Teil Jesu Christi und der von ihm bejahten und inkraft gesetzten Geschichte.221Die Ge- schichte ist „christologisch qualifiziert“,222daher erwartet sie keine Bewertung oder Interpretation, sondern Entscheidung. Darum geht es auch „um den Bereich unserer Entscheidungen und Begegnungen“, um „einen bestimmten Erfahrungs-, Verantwor- tungs- und Entscheidungszusammenhang“,223die alle höchst individuell und diffe- renziert sind. Dennoch bleibt die Gestalt Christi die „eine und dieselbe zu allen Zei- ten und an allen Orten“,224wir Menschen heute sind ihr nicht ferner oder näher als die Urgemeinde, Jesu Ruf und unsere Gleichgestaltung mit ihm sind zu allen Zeiten gleich, gültig und konkret.225Wir stehen also „mitten in dem Gestaltwerden Christi in einem von ihm selbst gewählten Ausschnitt der Menschheitsgeschichte“, dem „A- bendland“.226Letztendlich bleibt aber auch die Ethik als Gestaltung ein „Wagnis“, in dem „konkrete Urteile und Entscheidungen gewagt werden müssen“, ein Bereich des menschlichen Lebens, in dem Vertrauen und Hoffnung, aber auch „Gebote und Wei- sungen“227die richtunggebenden Elemente bleiben.

d) Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Der Kern der gesamten Bonhoefferschen Ethik ist die Christologie. Die Menschwer- dung, der Tod und die Auferstehung Jesu Christi bilden das Zentrum und den Rahmen, den Ausgangs-, sowie den Endpunkt aller Ethik überhaupt. Sowohl das Manuskript „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ als auch „Ethik als Gestal- tung“ haben die Menschwerdung Jesu Christi zum Thema und wollen von dort aus einen „rechten“ Weg für das menschliche Handeln und Leben finden. So gibt es in beiden Texten durchaus eine relativ große gemeinsame Schnittmenge gewisser Ideen und Darstellungen, jedoch auch eine gewisse Anzahl an Unterschieden bzw. anderen Ansatzpunkten, die von Bonhoeffer in beiden Schriften auf differenzierte Weise an- gegangen werden. Auf die ähnlichen Ausgangssituationen und das Versagen konven- tioneller Ethiksysteme, das beide Schriften stark bemängeln, habe ich anfangs schon hingewiesen,228ebenso auf die gemeinsamen und verschiedenen Sichtweisen in Be- zug auf die Person Jesu Christi.229

Ich möchte mich im folgenden zuerst auf die inhaltlichen Gemeinsamkeiten stützen und zum Schluß hin auf die Unterschiede aufmerksam machen.

Eine sehr eindeutige Parallele findet der Leser in der „Gleichgestaltung“, die beiden Texten eigen ist, wobei der Begriff für das Manuskript „Ethik als Gestaltung“ die Grundlage bildet, jedoch in „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ nur kurz wieder aufgegriffen wird. Beide meinen dasselbe. Gleichgestaltung bedeutet eine Neuwerdung des Menschen, eine innere Wandlung und Umstellung. Der Mensch sieht und weiß nur noch ausschließlich Christus, folgt ihm nach, lebt in der Versöh- nung. Er ist durch Christus von Gott angenommen und findet ein deutliches Ja Gottes über seinem Leben. Von nun an ist es ihm möglich, befreit zu leben und zu handeln, die Menschen und die Welt in ihrem wahren Licht zu sehen, nämlich als in Gott ru- hend und von Gott akzeptiert. Wir leben das Leben Jesu Christi,230welches auch durch Kreuzigung, Gericht und Tod, aber auch durch die Auferstehung gekennzeich- net ist.231Die Gleichgestaltung mündet in der gültigen Liebe Gottes, sie ist das Wis- sen um Seine Offenbarung in Jesus Christus, mehr noch, sieistdie Liebe Gottes und deshalb die Erlaubnis, wahrer und wirklicher Mensch vor Gott und neben den Mitmenschen sein zu dürfen.

Mit der Gleichgestaltung geht der Begriff der Passivität bzw. des Hineingezogen- werdens einher.232Es ist dem Menschen nicht gegeben, sich selbst nach der Gestalt Christi zu gestalten, sich selbst neu zu machen und durch eigene Anstrengungen ‚Je- sus ähnlich zu werden‘.233Der einzige Gestalter bleibt Jesus Christus. Auch „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ weiß die Passivität angesichts der Liebe Got- tes. Es ist nicht der Mensch, der zuerst liebt, sondern er ist derjenige, der sich die Liebe Gottes gefallen läßt.234Die menschliche Antwort auf das Geliebtwerden Gottes ist selbst Gott zu lieben. Es sind also zwei Seiten derselben Medaille. Letztendlich ist der Hauptakteur immer Gott bzw. Jesus Christus, welcher mit dem Menschen etwas tut. In diesem Fall ist das menschliche Handeln eine Reaktion auf die Tat Gottes / Jesu Christi. Was aber keineswegs eine ungesunde und starre Passivität bedeutet. Vielmehr ist völliger Einsatz aller geistigen und körperlichen Kräfte angesichts der Liebe Gottes gefordert, die bedingungslose Erlaubnis, wahrer Mensch zu sein und auch als solcher zu leben. Es darf und muß sogar mit vollem „Verstand, Erkenntnis- vermögen, aufmerksame(r) Wahrnehmung des Gegebenen“235gelebt werden, was kaum als pure Passivität benannt werden kann. Jedoch liegt der Ausgangspunkt alles Handelns und Seins in Gott, und die erste Aufgabe, die erste Tat des Menschen ist die Akzeptanz und daraufhin die Antwort auf Gottes Handeln hin. Man könnte hier mit den Worten „Zuspruch“ und „Anspruch“ agieren: Zuerst erreicht den Menschen Gottes Zuspruch in Jesus Christus, der den Menschen nur in Passivität trifft. Darauf folgt allerdings der Anspruch Gottes, sich Seine Erwählung gefallen zu lassen und dementsprechend zu leben und zu handeln.

Gemeinsam ist den beiden Manuskripten auch die Tatsache, daß eine Begegnung mit Jesus Christus und das Sich-Bekennen zu ihm als Offenbarung Gottes und als Seinen wahren, einzigen Sohn den Menschen neu macht, ihm eine andere Sichtweise der Dinge gibt.236Nach der Gleichgestaltung mit Christus ist der Mensch ein anderer als er vorher war, obwohl er nur schwer von seinen Mitmenschen zu unterscheiden ist.237Doch er hat den „alten Adam“ abgelegt und überwunden und hat nun „die Gestalt des Kindes Gottes“.238

Zu dieser Gestalt des Kindes Gottes gehört untrennbar das Leben in Einfalt. Auch das ist ein Begriff, der einen bedeutenden Raum in beiden Schriften einnimmt.239 Eine Eigenschaft der Einfalt ist, daß sie nur „die schlichte Wahrheit Gottes im Auge behält“240, daß sie den Menschen allein auf den Willen Gottes blicken und alle Zwie- spältigkeit hinter sich läßt. Diese Einfalt ist zuerst einmal Jesus Christus eigen, bzw. er ist der Ort, in dem die Einfalt liegt. Jesus als Mensch lebt aus demeinenWillen Gottes heraus, für ihn existieren keine Konflikte, keine endlose Kette an Wahlmög- lichkeiten, kein Leben in Zerrissenheit. Andererseits ist Jesus Christus die Person, die der Mensch betrachten muß, um selbst in dieser Einfalt zu leben und nicht mehr angstvoll oder kritisch auf seinen Nächsten zu schielen. Jesus Christus bringt uns die Einheit zurück, aufgrund derer wir wieder fähig sind, uns allein auf Gott und Seine Wahrheit zu konzentrieren, nur noch Ihn zu wissen und die Wirklichkeit in Ihm zu erkennen. Das heißt gleichzeitig ein kluges Leben führen.241

Es zeichnet das menschliche Leben aus, daß es sich stets im Zwiespalt, in der Ent- zweiung befindet. Von dieser Grundexistenz geht Bonhoeffer auch in „Ethik als Ges- taltung“ und natürlich in „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ aus.242Im Ab- fall vom Ursprung lebend, steht der Mensch mit seiner kompletten Umwelt in Zerris- senheit da: mit Gott, mit sich selbst, mit seinen Mitmenschen, mit der Welt. Für ihn existieren Gott auf der einen, die Weltwirklichkeit auf der anderen Seite. Doch diese Situation ist es, die Bonhoeffer als Wurzel allen Übels ansieht und die es zu über- winden gilt. Die (Er-)Lösung sieht und findet er in Jesus Christus, dem Sohn Gottes, Ausdruck Seiner Liebe und menschgewordenen Gott. In ihm fügt sich wieder alles zusammen, der Riß zwischen Gott und Welt wird geheilt, und von nun an gibt es keine zwei Räume, keine zwei nebeneinanderstehende Wirklichkeiten mehr. Die Weltwirklichkeit ist Christuswirklichkeit, dahinter kann niemand mehr zurück, „alles menschliche Sein ist ‚Sein in Christus‘“.243Jetzt gibt es keine Geschichte mehr ohne ihn, Gotteswirklichkeit und Weltwirklichkeit sind wieder vereint, der Mensch ist wieder eine Einheit. „In Jesus Christus als dem Mittler und der Mitte sind Gott und Welteine(sic!) Wirklichkeit, nämlich die Gotteswirklichkeit in der Weltwirklichkeit.“244Wäre das nicht so, befände sich der Mensch wieder in der Konfliktsituation, in der er zwischen Christus und der Welt wählen müßte. So aber findet die Wirklichkeit und in ihr der Mensch erst ihre wahre, eigentliche Bedeutung.

Es ist dieeinmaligeTat Jesu Christi, die diese Versöhnung schafft: „Nicht was ertut undleidet, sondern wasertut und leidet, ist Liebe.“245Christus ist wirklicher Mensch geworden, er ist zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort in die Geschichte eingegangen und hat sie dadurch verändert. Die Geschichtlichkeit und Einzigartigkeit des Lebens Jesu sind der Maßstab,seinwahres Menschsein undsein Leiden und Tod bringen die Versöhnung und die Möglichkeit für den Menschen, die Einfalt und Einheit zurückzufinden.

Letztendlich muß aber auch Bonhoeffer eingestehen, daß Leben und Handeln nichts- destotrotz immer ein Wagnis bleiben.246Nie ein für allemal kann der Mensch sich sicher sein, wirklich neu gestaltet worden zu sein; nie ein für allemal steht fest, daß Christus wirklich Gestalt in uns gewonnen hat; nie ein für allemal weiß ich, ob mein Tun wirkliches Tun ist und nicht nur ein Scheintun. Denn Christus ist ein lebendiges Gegenüber, der Sohn des lebendigen Gottes, nicht ein bloßer Name oder ein Ereig- nis, das im Jahre 30 n. Chr. stattgefunden hat. Im Endeffekt bleibt dem Menschen nur das Wagnis des Entscheidenmüssens und des Urteilens, des konkreten Handelns in entsprechenden Situationen. Das letzte Gericht, das letzte Prüfen liegt bei Jesus Christus, aber wir dürfen gewiß sein, daß es eine Begegnung der Gnade und des Ver- zeihens sein wird.

Widmen wir uns nun den Unterschieden, die zwar nicht gewaltig, jedoch wert sind, beachtet und dargestellt zu werden.

Was versteht Bonhoeffer z.B. unter „angemessenem Tun“? In dem Manuskript „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ ist es das Befolgen deseinenWillens Got- tes247und damit die Unterwerfung unter diesen. Handeln meint hier in erster Linie also das Tun des Gesetzes, ohne jegliche Reflexion und ohne jegliches Richten, was allein durch die Versöhnung Jesu Christi und die zurückgebrachte Einheit möglich ist. Tun heißt also mehr oder weniger Gehorsam, Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes und Seinen Geboten. In „Ethik als Gestaltung“ legt Bonhoeffer m.E. mehr Gewicht auf das Menschsein selbst. Gott wurde Mensch, also ist die einzig angemes- sene Haltung des Menschen vor Gott das wirkliche Menschsein. Nicht darüber hi- nauswachsen, sich nicht geringer und kleiner machen, sondern wahrer Mensch sein. Bonhoeffer sieht natürlich in beiden Texten die Notwendigkeit, ganz und ausschließ- lich auf Jesus Christus zu blicken, nur so ist „rechtes“ Handeln möglich, jedoch lie- gen die praktischen Auswirkungen anders, einmal im Gehorsam, ein anderes Mal im Annehmen seines eigenen Menschseins.

Die Auswirkungen der Entzweiung, die vorhin schon im Vergleich angesprochen wurden, finden ihren Ausdruck im Richten.248Doch auch diesen Begriff füllt Bon- hoeffer auf differente Weise. „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ lehnt das Richten radikal ab, es ist ein absoluter Widerspruch zum echten Tun, welches die angemessene Haltung gegenüber Gott ist.249Es gibt also ein Verbot zu richten. In „Ethik als Gestaltung“ scheint es eher so zu sein, daß das Richten weniger ein strik- tes Verbot ist, sondern schlicht nicht mehr nötig und auch nicht mehr möglich ist. Da Gott Mensch und an der Welt schuldig geworden ist und sich selbst gerichtet hat, ist jedwedem Richten eines anderen Menschen oder sich selbst der Boden entzogen. Wir können am wahren Menschsein nicht mehr vorbei, wir dürfen unsere Mensch- lichkeit leben und bejahen, da Gott sie schon bejaht hat. Ein Beurteilen und Aburtei- len menschlicher Handlungs- und Existenzweisen ist hinfällig.

Ein weiterer Punkt von unterschiedlicher Betrachtungsweise liegt in dem Begriff der Versöhnung. Daß Jesus Christus diese schafft, ist eindeutig, aber wie schafft er sie? In „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ bezieht sich Bonhoeffer sehr stark auf Jesu Leben selbst, sein Wirken und Handeln, besonders in der Interaktion mit seinen Zeitgenossen. Jesus bringt Versöhnung durch sein schlichtes Sein und Tun in und aus dem Willen Gottes.250Jesus ist der Sohn Gottes, der andere, neue Mensch. Darin liegt die Überwindung der Entzweiung, das Hintersichlassen des Risses zwischen Gott und Welt. Jesus schafft also Versöhnung durch sein Leben in der Einheit mit dem Ursprung, durch seine Existenz selbst, durch seine Repräsentanz des Menschen jen- seits von Gut und Böse, jenseits des Zwiespalts, der das Menschsein belastet. Bon- hoeffer stellt Jesus von „unten“ dar, der Charakter der Versöhnung liegt in dem irdi- schen Leben und Handeln des Jesus von Nazareth. „Ethik als Gestaltung“ betont da- gegen vielmehr die Kreuzigung Jesu, die den Menschen mit Gott versöhnt.251„Nur indem Gott an sich selbst das Gericht vollzieht, kann Friede werden zwischen ihm und der Welt und zwischen Mensch und Mensch.“252Gott selbst ist in Jesus Christus an der Welt schuldig geworden, nahm die Sünde auf sich und bringt sie und sich ans Kreuz. Versöhnung findet am Kreuz statt, und nur dort findet der Mensch seine wah- re Gestalt.253Gott steigt von „oben“ herab in die Welt hinein und schafft im Gericht an sich selbst Versöhnung und die Überwindung der Schuld. In diesem Vergleich wird noch einmal deutlich, wie verschieden die Person Jesus von Bonhoeffer be- trachtet wird: Auf der einen Seite ist Jesus klar weltliche Person,derJesus von Naza- reth, auf der anderen Seite vermischt Bonhoeffer Gott und Jesus so sehr, daß er wahrhaftig sagen kann, Jesus ist Gottmensch,254ein „Mischwesen“, mehr Gott als Mensch, ein Gott, der das Menschsein aber voll und ganz gelebt hat. Man könnte fast sagen, Jesus Christus wird mit Gott gleichgesetzt. Freilich kann man nun nicht be- haupten, daß Bonhoeffer das eine, die Kreuzigung, in „Die Liebe Gottes und der Zer- fall der Welt“ ausschließt255und ebenso das andere, die Versöhnung durch die neue Einheit in Jesus von Nazareth, in „Ethik als Gestaltung“ ausklammert.256Beides be- dingt sich natürlich, es geht lediglich um eine andere Gewichtung. Sowohl zur Per- son Jesus von Nazareth als auch zur Menschwerdung Gottes gehören Leben, Tod und Auferstehung untrennbar zusammen.

Eine letzte Differenz möchte ich noch in der Beziehung des Menschen zu Christus erwähnen. Bonhoeffer betont, daß es am Menschen liegt, sich selbst zu prüfen und überprüfen, täglich neu, ob Christus auch wirklich in uns ist. Ob Christus „für ihn und in ihm lebt“257ist der entscheidende Maßstab. In „Ethik als Gestaltung“ finden wir jedoch die Formulierung, daß ChristusderMensch ist und wir in seine Gestalt hineingezogen werden.258Das kann nur bedeuten, daß wir in Christus sind, daß sich jeder Einzelne in der Gestalt Jesu Christi wiederfindet und in ihr eingegangen ist. Auch hier findet sich wieder eine leichte Umwandlung, die aber nicht das eine vom anderen ausschließt. Christus will ebenso Gestalt in uns gewinnen und wäre damit ebenso „in uns“, wie es Bonhoeffer in seinem Manuskript „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ meint und wie es auch die Schrift bezeugt.259

III. Schluß - Persönlicher Kommentar

Während einer solchen intensiven Auseinandersetzung mit zwei einzelnen Schriften Bonhoeffers taucht man sehr tief in die Gedanken- und Vorstellungswelt dieses Mannes ein. Man wird von Begriffen erfaßt, bereichert von neuen Ideen, belebt von interessanten Bildern, aber auch manchmal umgeworfen von einer Welle des Nicht- verstehens angesichts der komplexen Darstellungsweise Bonhoeffers. Letztendlich bin ich beeindruckt von seiner tiefen Überzeugung und seinem ungetrübten Vertrau- en gegenüber Gott und Seiner Menschwerdung und Offenbarung in Jesus Christus, seinen Bemühungen, aus diesem Kern der christlichen Religion eine Ethik abzuleiten und von seiner klaren Strategie. Nicht umsonst gibt es so viele Neuansätze Bonhoef- fers in bezug auf eine christliche Ethik, sind die Reichweite und die Facette mensch- lichen Handelns doch mannigfaltig und immens komplex. Ich sehe daher die ver- schiedenen Ansatzpunkte Bonhoeffers in seinen Manuskripten nicht als Nachteil oder als negativen Beweis, daß er an bestimmten Punkten nicht weitergekommen ist. Wie sollte er auch im Hinblick auf die Fülle des menschlichen Lebens, all seiner Wendungen und Möglichkeiten, nur einen einzigen Pfad zum Ziel seiner Ethik be- schreiten? Wie hätte er nur einen einzigen Weg begehen können? So sind womöglich auch seine differenzierten Auslegungen der ethischen Materie zu erklären und seine oftmals wechselnden Ansätze zu seinen Ansichten bezüglich eines Themas. Denn wie Bonhoeffer selbst auch in diesen beiden Texten betont, es kann kein Ein-für- Allemal geben, ein stets „richtiges“ Handeln ist nicht möglich, sondern wir leben in einer lebendigen Welt und in einer lebendigen Beziehung zu Gott. Darin liegt eine starke Dynamik, darin gibt es immer Neues, Veränderungen, Risiken, ja sogar Situa- tionen, denen vorher noch kein Mensch gegenübergestanden hat. Dessen ist sich gerade Dietrich Bonhoeffer bewußt, der alles auf eine Karte setzte und Mitverschwörer im Rahmen des Hitlerattentats war.

Doch die Komplexität und Stringenz in seinen Schriften bringen auch Probleme mit sich. Trotz eingänglicher Auseinandersetzung mit den beiden Texten vermag ich immer noch nicht zu sagen, wie ich handeln soll! Begriffe wie „Gestaltung“, „Hi- neingezogenwerden“, „ganz auf Jesus Christus blicken“, „immer wieder neu prüfen, ob Christus in mir ist“ mögen bei Bonhoeffer eine klare Gestalt haben, mir jedoch sind sie definitiv zu abstrakt und praktisch nicht anwendbar. Ichkann nichtnur auf Christus blicken, nur ihn wissen und keinen Blick auf meine Umwelt richten. Dazu bin ich viel zu sehr Mensch und in meine Welt integriert, mit ihr verwoben. Anderer- seits, will ich überhaupt allein Christus wissen? Ichkann nichthören und gleichzeitig tun, wie ist diese Einheit praktisch umzusetzen? M.E. läßt Bonhoeffer den Leser im Stich, wenn es an die praktische Seite geht, zumindest in den von mir zu untersu- chenden Texten. Wie soll ich nicht reflektieren, wie soll ich nicht auf das Handeln meiner Mitmenschen achten und es in bezug auf mich und meine Entscheidungen bewerten?

Des weiteren ist z.B. der Gegensatz von Passivität auf der einen Seite und die Not- wendigkeit, alle menschlichen Kräfte in Bewegung zu setzen auf der anderen Seite schwer zu verstehen. Ich deute diesen Zusammenhang zwar als Erwählung und Zu- spruch Gottes, woraufhin unsere Taten folgen, dennoch erscheint es mir schwierig, diese Dialektik zu leben. Dazu sagt Bonhoeffer leider zu wenig. Schlußendlich muß auch er eine Grenze erkennen, wenn es nämlich gerade um das richtige und ange- messene Handeln geht, welches eine Ethik eigentlich zu reflektieren hat. Bonhoeffer verweist den Leser an das gnädige Gericht Gottes und gibt ganz klar zu verstehen, daß es nicht an uns liegt, das letzte Urteil über Richtig und Falsch, Gut oder Böse, Sittlich oder Unsittlich zu fällen, sondern daß wir dies Jesus Christus anheimstellen und ihm unser Schicksal vertrauensvoll in die Hände legen müssen.

Literaturverzeichnis

Die im Literaturverzeichnis unterstrichenen Angaben wurden in den Anmerkungen von mir als Kurztitel verwendet.

Die verwendeten Abkürzungen richten sich nach:

Schwertner, S.: Internationales Abkürzungsverzeichnis für Theologie und Grenzgebiete (IATG), 2. Aufl., Berlin / New York 1992

a) Quellen

Bonhoeffer, Dietrich: Ethik, hg. von Ilse Tödt, Heinz Eduard Tödt, Ernst Feil und Clifford Green (DBW 6), Gütersloh 1992

b) Sekundärliteratur

Abromeit, Hans-Jürgen: Das Geheimnis Christi. Dietrich Bonhoeffers erfahrungsbezogene Christologie, NBST 8, Neukirchen-Vluyn 1991

Bayer, Oswald: Christus als Mitte. Bonhoeffers Ethik im Banne der Religionsphilosophie Hegels in: BThZ 2, Berlin 1985, S. 259-276

Bethge, Eberhard: Dietrich Bonhoeffer. Eine Biographie, 8. Aufl. Gütersloh 1994

Bonhoeffer, Dietrich: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, hg. von Eberhard Bethge, 11. Aufl., Gütersloh 1980

Bonhoeffer, Dietrich: Ökumene, Universität, Pfarramt 1931-1932, hg. von Eberhard Amelung und Christoph Strohm (DBW 11), Gütersloh 1994

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Honecker, Martin: Christologie und Ethik. Zu Dietrich Bonhoeffers Ethik, in: M. Oeming / A. Graupner: Altes Testament und christliche Verkündigung. Festschrift für Antonius H. J. Gunneweg, Stuttgart u.a. 1987

Mayer, Rainer: Christuswirklichkeit. Grundlagen, Entwicklungen und Konsequenzen der Theologie Dietrich Bonhoeffers, Stuttgart 1969

Müller, Hanfried: Von der Kirche zur Welt. Ein Beitrag zu der Beziehung des Wor- tes Gottes auf die societas in Dietrich Bonhoeffers theologischer Entwicklung, Leip- zig 1961

Sommer, Wolfgang / Klahr, Detlef: Kirchengeschichtliches Repetitorium, 2. Aufl., Göttingen 1997

Stölting, Ulrike: Zwischen Tradition und Moderne. Eine Analyse der Theologie Dietriche Bonhoeffers unter besonderer Berücksichtigung seiner Christologie, Saarbrückener Theologische Forschungen, Bd. 6, Frankfurt am Main 1998

Tödt, Heinz Eduard: Theologische Perspektiven nach Dietrich Bonhoeffer, hg. von Ernst-Albert Scharffenorth, Gütersloh 1993.

[...]


1Brief an E. Bethge vom 15. Dezember 1943, in: Widerstand 90. Es scheint ein aussagekräftiges Zitat zu sein, so ist es u.a. auch bei E. Bethge, Biographie, 805; U. Stölting, Tradition, 304 oder im Vorwort der Herausgeber des 6. Bandes der Edition der DBW, „Ethik“, 8, aufgeführt.

2R. Mayer, Christuswirklichkeit, 167.

3E. Bethge, Biographie, 804.

4So wurde Bonhoeffer am 4. September 1940 Redeverbot erteilt und ihm polizeiliche Meldungs- pflicht befohlen. Am 27. März 1941 erhielt er Druck- und Veröffentlichungsverbote, bis es schließlich zur Verhaftung und Einlieferung in das Gefängnis Tegel kam (5. April 1943). Eine kurze, kompri- mierte Darstellung zu Bonhoeffers Lebensstationen findet sich in der Zeittafel in E. Bethge, Biogra- phie, 1098f.

5U. Stölting, Tradition, 305.

6 Ebd.

7Vgl. z.B. die Ansätze der Schriften „Christus, die Wirklichkeit und das Gute“ („Ethik“, 31f), „Ethik als Gestaltung“ („Ethik“, 62ff) oder auch „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ („Ethik“, 302).

8Vgl. z.B. sein Seminar von 1932 „Gibt es eine christliche Ethik?“ in: D. Bonhoeffer, Ökumene, 303- 307, nach Wolf-Dieter Zimmermanns Hörermitschrift.

9Vgl. Nachwort der Herausgeber der „Ethik“, 416.

10 Vgl. dazu das Vorwort der Herausgeber der „Ethik“ 7-28.

11Genauere Angaben dazu finden sich in den Rekonstruktionsversuchen der Herausgeber der „Ethik“, 16f: Für den ersten Zeitraum wird Sommer 1940 bis 13. November 1940 angegeben. Vom 17. November 1940 bis Ende 1941 wird der 2. Zeitabschnitt angesiedelt. Zeitraum III wird von Anfang bis Sommer 1942 vermutet, Zeitraum IV bis zum Jahresende 1942. Der 5. und letzte Zeitraum beginnt Anfang 1943 und endet am 5. April 1943.

12Vgl. E. Bethge, Biographie, 806-811: Bethge vermutet den ersten Zeitabschnitt in den Monaten zwischen 1939/40 und Herbst 1940. Der zweite Zeitraum folgt ab September 1940 und dauert bis zum Ende des selben Jahres. Zum dritten Mal habe Bonhoeffer dann um die Jahreswende 1940/41 ange- setzt, als er in das Kloster Ettal kam, bis er letztendlich 1941 und 1942 in Berlin mit einem vierten Neuansatz beginnt.

13Am 20. Juli 1944 verübte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg das Attentat auf Hitler. Bon- hoeffer war maßgeblich an den Vorbereitungen beteiligt und gehörte zu der Gruppe der Verschwörer. Ausführlichere Informationen über Bonhoeffers Teilnahme an der Konspiration, vgl. a.a.O., 811-888.

14Vgl. den 6. Band der Edition der DBW, „Ethik“, 301-341.

15A.a.O., 62-90.

16A.a.O., 16f.

17 Daher ist auch damit zu rechnen, daß gerade dieses Manuskript das gesamte „Ethik“-Werk eröffnen sollte, hätte Bonhoeffer die Möglichkeit gehabt, es zu vollenden. Der Text setzt in ganz grundsätzlicher Weise die christliche Ethik der sonstigen Ethik entgegen und ist inhaltlich geeignet, den Beginn des Buches darzustellen. Diese These läßt sich durch die Tatsache stützen, daß ausschließlich „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ mit römischen Ziffern numeriert ist und daß ihm somit wohl eine Sonderstellung zugekommen wäre, vgl. die Herausgeber, DBW 6, 453.

18Ethik, 302.

19Wie dies im Einzelnen geschieht, was von menschlicher Seite aus dafür gefordert wird, werde ich im folgenden Kapitel II.2 genauer ausführen.

20Nachwort der Herausgeber der „Ethik“, 426.

21 D. Bonhoeffer, Ethik, 301.

22H. E. Tödt, Perspektiven, 166.

23Ebd.

24Vgl. Gen 3.

25H. E. Tödt, Perspektiven, 152.

26D. Bonhoeffer, Ethik, 302.

27Ebd.

28Vgl. a.a.O., 304-308.

29 A.a.O., 62.

30Ebd.

31Vgl. a.a.O., 64-67.

32A.a.O., 66.

33H. E. Tödt, Perspektiven, 166.

34D. Bonhoeffer, Ethik, 62.

35Dies macht Bonhoeffer an seinem Beispiel von Don Quijote deutlich, a.a.O., 66f.

36A.a.O., 68.

37 Ebd.

38Vgl. a.a.O., 311f.

39Für Jesu Kontakt mit den Pharisäern können am besten die Streitgespräche über die Vollmacht Jesu (Mk 12,27-33), die Frage nach der Steuer (Mk 12,13-17), die Frage nach der Auferstehung (Mk 12,18-27), die Frage nach dem ersten Gebot (Mk 12,28-34), sowie die Frage nach der Davidssohnschaft (Mk 12,35-37) als Beispiele herangezogen werden.

40D. Bonhoeffer, Ethik, 313.

41Ebd.

42Hier kommt mir die Erzählung von der Ehebrecherin, Joh 8,2-11, in den Sinn: Jesus verhindert mit dem Hinweis auf die eigenen Sündhaftigkeit der Ankläger die Steinigung der Ehebrecherin. Er verur- teilt einerseits das Richten des Menschen über einen anderen, schwächt aber dennoch nicht das Ver- gehen des Ehebruchs. Die Schwere dieser Sünde läßt sich an seinen Worten „Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr! (Joh 8,11) messen. So wird Jesus beiden Parteien gerecht, den Anklägern, indem er den Ehebruch als Verstoß gegen das Gebot stehenläßt, aber auch der sündigen Frau, die er nicht

richtet und verurteilt.

43D. Bonhoeffer, Ethik, 314.

44A.a.O., 315.

45 Vgl. a.a.O., 311f. Der Pharisäer ist der typische Vertreter einer kasuistischen Ethik: Auf den Einzelfall kommt es an. In jedem Augenblick ist sein Leben eine Konfliktsituation, in der er zwischen Gut und Böse und Richtig oder Falsch zu wählen hat, und je feiner und genauer die Unterscheidung vollzogen wird, desto gewissenhafter ist die richtige Entscheidung.

46Vgl. a.a.O., 320.

47A.a.O., 319.

48Vgl. a.a.O., 320.

49Vgl. a.a.O., 328.

50Vgl. a.a.O., 325.

51A.a.O., 338.

52 Ebd.

53A.a.O., 69f; 74; 78.

54A.a.O., 69.

55H.-J. Abromeit, Geheimnis, 230.

56A.a.O., 229.

57D. Bonhoeffer, Ethik, 71.

58A.a.O., 70.

59Ebd.

60Ebd.

61Dieser Satz ist von Bonhoeffer nicht in das Manuskript übernommen worden, sondern ist ein vorheriger Formulierungsversuch. Vgl. die Fußnote 25 der Herausgeber der „Ethik“, 70.

62Vgl. D. Bonhoeffer, Ethik, 71.

63Ebd.

64 Vgl. a.a.O., 71f.

65R. Mayer, Christuswirklichkeit, 199.

66H.-J. Abromeit, Geheimnis, 242.

67Vgl. D. Bonhoeffer, Ethik, 72.

68Hier klingt die Zwei-Naturen-Lehre an, die festhält, daß Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott ist. Die sog. „Zwei-Naturen-Lehre“ wurde auf dem Konzil von Chalcedon 451 zum Dogma erhoben. Bes. Papst Leo I. (440-461) war die treibende Kraft in der Streitfrage, inwieweit Jesus Christus Gott und gleichzeitig Mensch ist. In Chalcedon wurde das Bekenntnis zu der einen Person Christi in zwei Naturen, vollkommener Gott und vollkommener Mensch, weder miteinender vermischt noch voneinander getrennt, festgelegt, vgl. W. Sommer / D. Klahr, Repetitorium, 63.

69D. Bonhoeffer, Ethik, 74.

70Vgl. a.a.O., 75.

71A.a.O., 78.

72Ebd.

73Vgl. a.a.O., 77.

74 A.a.O., 79.

75H.-J. Abromeit, Geheimnis, 242.

76Das wird allein schon an dem Ausdruck „Gottmensch“ deutlich, D. Bonhoeffer, Ethik, 69. Gott ist Mensch in Jesus Christus, es gibt keinen Unterschied mehr. Von Seite 68-75 ist das Subjekt hauptsächlich Gott, der sich selbst erniedrigt hat, während ca. ab Seite 80 Jesus Christus als der „Gestaltende“ auftritt und damit als Handelnder, vgl. aber auch S. 35 in dieser Arbeit.

77 D. Bonhoeffer, Ethik, 337f.

78A.a.O., 311.

79 A.a.O., 315.

80A.a.O., 319.

81A.a.O., 323-327.

82A.a.O., 324.

83Hier greift Bonhoeffer auf das Kapitel „Ethik als Gestaltung“ zurück.

84A.a.O., 324.

85A.a.O., 325.

86Ebd.

87H.-J. Abromeit, Geheimnis, 125.

88D. Bonhoeffer, Ethik, 328.

89 R. Mayer, Christuswirklichkeit, 171.

90D. Bonhoeffer, Ethik, 326.

91Ebd.

92A.a.O., 327.

93Ebd.

94Vgl. a.a.O., 320.

95 Ebd.

96A.a.O., 322.

97A.a.O., 327.

98Ebd.

99Ebd.

100A.a.O., 328. 101Ebd.

102A.a.O., 328f. 103A.a.O., 329.

104 A.a.O., 330. Bonhoeffer bezieht sich hier auf die Bibelstelle Joh 15,5: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“

105Vgl. a.a.O., 329.

106Vgl. a.a.O., 330-335.

107Vgl. M. Honecker, Christologie, 151. 108Vgl. D. Bonhoeffer, Ethik, 311-315.

109Dies wird nun genauer ausgeführt, vgl. a.a.O., 330.

110Vgl. a.a.O., 333. Bonhoeffer stützt sich auf die Erzählung von Martha und Jesus (Lk 10,38ff):

Martha macht Jesus auf ihr Tun aufmerksam, während ihre Schwester Maria Jesus zuhört. Bonhoeffer möchte hier die Notwendigkeit der Einheit von Hören und Tun des Gesetzes deutlich machen. 111A.a.O., 151.

112 So skizziert es auch E. Feil, ökumenische Ethik, 767. 113 D. Bonhoeffer, Ethik, 330.

114A.a.O., 331.

115Ebd.

116A.a.O., 317, vgl. aber auch 332.117Vgl. a.a.O., 332.

118A.a.O., 333.

119Was sich stets neu durch die christliche Selbstprüfung ereignet, vgl. a.a.O., 328f.120A.a.O., 333.

121Vgl. a.a.O., 327 122Vgl. a.a.O., 328f. 123A.a.O., 334.

124 E. Feil, ökumenische Ethik, 767.

125Vgl. D. Bonhoeffer, Ethik, 335.

126Liebe ist weder ein menschliches Verhalten, eine Gesinnung, Hingabe oder ein Opfer, noch ein

Gemeinschaftswille, ein Gefühl oder sogar Leidenschaft, ebensowenig Dienst oder eine Tat, vgl. ebd.127Vgl. a.a.O., 338.

128Vgl. ebd. Jesus Christus und damit die Selbstoffenbarung Gottes ist kein Abstraktum, sondern „der Name Jesus Christus ... legt sich selbst im Leben und Sterben Jesu Christi aus“. 129H. E. Tödt, Perspektiven, 15.

130D. Bonhoeffer, Ethik, 339.131A.a.O., 303.

132 A.a.O., 339.

133Vgl. a.a.O., 340.

134E. Feil, ökumenische Ethik, 768. 135D. Bonhoeffer, Ethik, 341. 136Vgl. a.a.O., 80ff., 324. 137Vgl. a.a.O., 70f., 311ff., 330f. 138Vgl. a.a.O., 80f., 340f. 139E. Feil, Theologie, 295. 140D. Bonhoeffer, Ethik, 67.

141 Einfalt bedeutet die alleinige und ungeteilte Konzentration auf die Wahrheit Gottes, und klug ist, wer eben dies tut, ohne dabei zusätzlich auf die Welt zu schielen. Beides bedingt sich, vgl. Ethik, 67.

142Vgl. a.a.O., 68, aber auch Das Manuskript „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt, welches das Thema der Zerrissenheit zwischen Gott, dem Ursprung, und dem Menschen, der Welt zugrundelegt. 143Ebd.

144Ebd.

145A.a.O, 69. 146A.a.O., 68. 147A.a.O., 69.

148 „Ecce homo - seht den menschgewordenen Gott“, a.a.O., 70.

149H.-J. Abromeit, Geheimnis, 242.

150Ebd.

151A.a.O., 243, vgl. ebenso D. Bonhoeffer, Ethik, 70f.152H.-J. Abromeit, Geheimnis, 243.

153Vgl. D. Bonhoeffer, Ethik, 71f. 154H.-J. Abromeit, Geheimnis, 245. 155Ebd.

156Vgl. D. Bonhoeffer, Ethik, 72-74.157Vgl. a.a.O., 75-78.

158Vgl. a.a.O., 78f.

159 D. Bonhoeffer, Ethik, 72.

160H.-J. Abromeit, Geheimnis, 245. Bonhoeffer skizziert in dem Abschnitt über die Menschenverachtung „die ‚Führer‘-Demokratie des Dritten Reiches, die pervertiert-plebiszitäre Herrschaft Hitlers“, die Herausgeber, Ethik 73, Fußnote 38.

161A.a.O., 73.

162A.a.O., 74. 163Ebd.

164Ebd.

165A.a.O., 74.

166 „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet,“ (Mt 7,1), vgl. auch a.a.O., 316. 167 „Ecce homo - seht den von Gott gerichteten Menschen!, a.a.O., 74.

168A.a.O., 75.

169Vgl. auch das Schriftzitat „..., sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die

Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache,“ (1 Kor 2,27).

170D. Bonhoeffer, Ethik, 77.171A.a.O., 75.

172H.-J. Abromeit, Geheimnis, 247.173Vgl. a.a.O., 254.

174A.a.O., 251. 175Ebd.

176Vgl. D. Bonhoeffer, Ethik, 77. 177Ebd.

178 A.a.O., 78. 179 A.a.O., 79.

180„Ecce homo - seht den von Gott angenommenen, von Gott gerichteten, von Gott zu einem neuen Leben erweckten Menschen, seht den Auferstandenen!, a.a.O., 78.

181Ebd.

182A.a.O., 78f.

183H.-J. Abromeit, Geheimnis, 252. 184D. Bonhoeffer, Ethik, 79. 185Ebd.

186Ebd.

187In der ntl. Exegese ist der Fachausdruck für das „Schon-Jetzt“ und „Noch-Nicht“ präsentische Eschatologie.

188 Vgl. bes. Offb 21.

189So ähnlich auch D. Bonhoeffer, Ethik, 79.

190Vgl. a.a.O., 80-83.

191Vgl. a.a.O., 81. 192Ebd.

193Der Begriff „Vorbild“ impliziert schon das Wort „Bild“, das sich ein Mensch von seiner eigenen Person und anderen Menschen gerade nicht machen soll.

194Vgl. a.a.O., 70f.

195A.a.O., 82.

196 A.a.O., 81. 197 A.a.O., 82. 198 Ebd.

199Ebd.

200Ebd.

201A.a.O., 80. 202A.a.O., 83.

203Vgl. a.a.O., 84f. 204A.a.O., 84.

205Ebd.

206 A.a.O., 85. 207 A.a.O., 84.

208Vgl. a.a.O., 85.

209Ebd. Vgl. wieder die Anlehnung an die präsentische Eschatologie.210Vgl. D. Bonhoeffer, Ethik, 85-89.

211Vgl. z.B. a.a.O., 86.

212A.a.O., 85f.

213 A.a.O., 87. 214 A.a.O., 85. 215 A.a.O., 86.

216Ebd.

217E. Feil, Theologie, 199. 218D. Bonhoeffer, Ethik, 88. 219E. Feil, a.a.O., 199. 220Ebd.

221Vgl. dazu E. Feil ebd., der die ähnliche Feststellung macht, daß die Geschichte durch Christus

nicht überwunden wird, sondern erst recht Geschichte wird. Auch das Menschsein wird ja nicht überwunden, sondern eher bestätigt.

222R. Mayer, Christuswirklichkeit, 97.223D. Bonhoeffer, Ethik, 88.

224A.a.O., 85.

225 Vgl. R. Mayer, a.a.O., 98. 226 D. Bonhoeffer, Ethik, 88.

227A.a.O., 89.

228Vgl. S. 6-8 dieser Arbeit. 229Vgl. S. 8-13 dieser Arbeit.

230Vgl. D. Bonhoeffer, Ethik, 81-83 und 325.

231 Die Themen Kreuzigung und Auferstehung werden hauptsächlich im Manuskript „Ethik als Gestaltung“ behandelt (vgl. a.a.O., 74-80), wohingegen in „Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt“ der Schwerpunkt auf dem Leben Jesu liegt(vgl. a.a.O., 311-315). Dies tut der gemeinsamen Bedeutung der Gleichgestaltung in beiden Texten aber keinen Abbruch.

232Vgl. a.a.O., 80.

233A.a.O., 81.

234Vgl. a.a.O., 340. 235A.a.O., 326.

236 Vgl. a.a.O., 83 und 324f.

237Vgl. a.a.O., 83.

238A.a.O., 325.

239Vgl. a.a.O., 67-69 und 315; 321-323; 326f.; 329.240A.a.O., 67.

241Vgl. a.a.O., 67f.

242 Vgl. a.a.O., 68 und 301-341, bes. a.a.O., 310ff.

243R. Mayer, Christuswirklichkeit, 84.

244E. Feil, Theologie, 198.

245D. Bonhoeffer, Ethik, 338.

246 Vgl. a.a.O., 86f; 89 und 325f; 328f; 334. 247 Vgl. a.a.O., 329.

248Vgl. a.a.O., 71; 75 und 316-318; 330f.

249Vgl. a.a.O., 330.

250 Vgl. a.a.O., 318-321.

251Vgl. a.a.O., 75.

252Vgl. a.a.O., 70; 75. 253Vgl. a.a.O., 78.

254Vgl. a.a.O., 69. Ich habe diese Deckungsgleicheit von Jesus und Gott schon einmal kurz angeführt, vgl. S. 13 dieser Arbeit.

255Vgl. a.a.O., 319.

256 Vgl. allein schon die lange Passage über die Menschwerdung Gottes, a.a.O., 70-74. 257 Vgl. a.a.O., 328f.

258Vgl. a.a.O., 71; 80.

259 Vgl. 2 Kor 13,5.

40 von 40 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Christologie für die Grundlegung der Ethik bei Dietrich Bonhoeffer. Die Manuskripte -Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt- und -Ethik als Gestaltung- im Vergleich
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Hauptseminar Dietrich Bonhoeffers -Ethik-
Note
gut (2)
Autor
Jahr
2001
Seiten
40
Katalognummer
V107174
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Christologie, Grundlegung, Ethik, Dietrich, Bonhoeffer, Manuskripte, Liebe, Gottes, Zerfall, Welt-, Gestaltung-, Vergleich, Hauptseminar, Bonhoeffers
Arbeit zitieren
Sabine Reinberg (Autor), 2001, Die Bedeutung der Christologie für die Grundlegung der Ethik bei Dietrich Bonhoeffer. Die Manuskripte -Die Liebe Gottes und der Zerfall der Welt- und -Ethik als Gestaltung- im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107174

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