Ernste Zeiten für Katholiken - Der Kulturkampf in Preußen


Seminararbeit, 2002

28 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Fragestellungen

2 Die Situation der Katholiken in Deutschland
2.1 Die Entwicklung des Katholizismus seit der Aufklärung
2.2 Die Katholiken in Preußen
2.3 Katholiken und Politik

3 Der Kulturkampf in Preußen
3.1 Die Auslöser des Kulturkampfes
3.2 Eine kurze Chronik der Kulturkampfgesetzgebung
3.3 Folgen der Gesetzgebung für die Katholiken

4 Bilanz des Kulturkampfes

5 Literatur

1 Vorwort

1.1 Aufbau der Arbeit

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es in vielen Staaten Europas zu sogenannten Kultur- oder Kirchenkämpfen.1

Gemeinsamkeit all dieser Auseinandersetzungen war der Zusammenstoss von postabsolutistisch agierenden Staaten, die auf dem Weg in die Moderne waren und den Kirchen, die die neuen liberalen und modernen Strömungen ablehnten.2

Den Staaten ging es in den Kulturkämpfen um eine Emanzipation von den Kirchen, mit denen sie bis dahin jahrhundertelang verflochten gewesen waren.3 Die Kirchen forcierten eine Loslösung von der jeweiligen staatlichen Gewalt, für Georg Franz eines der Themen der Kirchengeschichte des 19. Jahrhunderts.4

Besonders heftig und folgenreich erwies sich der „Investiturstreit des 19. Jahrhunderts“ im 1871 gegründeten Deutschen Reich und dessen größtem Bundesstaat Preußen5. Zwar waren die Gründe für das Entflammen dieses Kulturkampfes dieselben, wie in anderen Staaten, jedoch spielte die Gründung einer konfessionellen Partei - des Zentrums - anders als zum Beispiel in der Schweiz eine sehr große, vielleicht sogar die ausschlaggebende Rolle.6

Um den Kulturkampf in Preußen soll es in der vorliegenden Hausarbeit gehen. In einer kurzen Skizze soll zunächst auf gewisse Ereignisse und Tendenzen in bezug auf den Katholizismus im Vorfeld des Kulturkampfes eingegangen werden.

Der Hauptteil der Arbeit widmet sich zunächst den möglichen Auslösern für den Kampf, es folgt eine Chronik des Kulturkampfes und eine ausführliche Beschreibung und Bearbeitung Auswirkungen, die der Kulturkampf und seine Gesetze auf die Katholiken hatten.

Auf eine ausführliche Einbettung des Themas in die außenpolitischen Umstände Preußens und Bismarcks Politik außerhalb des Kulturkampfes möchte ich - solange sie nicht „kulturkampfrelevant" sind - verzichten.

1.2 Fragestellungen

Am 17. Januar 1873 verwendete der Berliner Anatom und Abgeordnete der linksliberalen Fortschrittspartei Rudolph Virchow7 im preußischen Abgeordnetenhaus einen seltsamen neuen Begriff. Er sprach in einer Beratung über das Gesetz zur Vorbildung und Anstellung der Geistlichen zum ersten mal von einem großen "Kulturkampf".8 Gemeint war der Kampf für den Fortschritt von moderner Kultur und Wissenschaft, eben ein "Kampf für die Kultur".9 Dieses Schlagwort bezeichnet seitdem eine Epoche.

Um die Opposition - also das neu gegründete Zentrum - zu vernichten begann Bismarck diesen Kampf, der rasch zu einem innenpolitischen Krieg werden sollte.

Im Zuge der sogenannten Kampfhandlungen wurde die katholische Minderheit im Reich, die ein Drittel der Bevölkerung ausmachte, als 'Reichsfeind' ausgegrenzt, teilweise verfolgt und gesellschaftlich kaltgestellt.

Wie konnte es soweit kommen, was für ein Verständnis von Katholizismus und katholischer Kirche hatte Bismarck und was leitete er aus seiner Sicht der Dinge ab?

Dieser Frage geht Rudolph Morsey in seinem im Jahr 2000 erschienenen Aufsatz "Bismarcks Kulturkampf gegen das Zentrum und gegen die katholische Kirche"10 nach.

Die vorliegende Arbeit möchte ähnlichen Fragestellungen nachgehen, aber dabei besonderes Augenmerk dem Verhalten der Katholiken11 im Kulturkampf widmen.

2 Die Situation der Katholiken in Deutschland

2.1 Die Entwicklung des Katholizismus seit der Aufklärung

Um die Vorgehensweisen der verschiedenen katholischen Protagonisten während des Kulturkampfes besser verstehen zu können, möchte ich die verschiedenen Tendenzen und Prozesse in denen sich die katholischen Teile der Gesellschaft seit der Aufklärung befanden hier kurz skizzieren.

Mit der Aufklärung brach keineswegs der Atheismus aus, die wichtigsten deutschen Aufklärer wie etwa Wolff, Baumgarten und andere blieben bis zu ihrem Lebensende streng christlich, eher kam es zu einer Art "Subjektivierung" des Glaubens, d. h. man glaubte zwar immer noch an Gott aber nicht mehr in dem dogmatischen, von der Kirche vorgegebenen Sinn, sondern man versuchte mehr und mehr einen eigenen Weg des Glaubens zu finden. Die neuen Götter waren die Natur, die Nation und die menschliche Vernunft.12

Wenn also von einer "Entchristlichung" in der damaligen Zeit gesprochen wird, so ist damit wohl eher eine "Entkirchlichung" gemeint. Die Kirche verlor in ihrer Eigenschaft als Institution viel von ihrem Einfluss, was eben mit der Subjektivierung bei den bürgerlichen Gläubigen zusammenhing.13

Der Niedergang des politischen Einflusses der Kirchen ging mit der Säkularisierung der Kirchengüter einher, die ihren Höhepunkt in Deutschland unter Napoleon und im gesamteuropäischen Zusammenhang mit der Beseitigung des Kirchenstaates fand.14 Das große universale katholische Imperium unter der Führung des Papstes wurde zu einer „fast nirgends mehr ernst genommen[en]“ „historischen Attrappe“15.

Bei der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert hatte die Kirche fast alles an Macht, Reichtum und Besitz verloren und das Papsttum war am Ende seiner materiellen und politischen Macht.16

Die napoleonischen Kriege und die Französische Revolution hatten im 19. Jahrhundert tiefgreifende negative Auswirkungen auf die Kirche. Auch die Rückgabe des Kirchenstaates während des Wiener Kongresses 1814/1517 konnte die Vielzahl der Tiefschläge gegen die Kirche nicht rückgängig machen.18

Heute geht die Literatur teilweise davon aus, dass gerade die Säkularisation der Kirche zu einem neuen Anfang verholfen hat. So schreibt beispielsweise Georg Franz, dass die materiellen Verluste, den „geistigen Flügelschlag“, d. h. eine Selbstbesinnung auf die spirituellen Aufgaben der Kirche begünstigten und der Kirche neue Kräfte auf dem Weg zum „Wiederaufstieg“ verliehen.19

Neue, moderne Weltanschauungen kamen auf, so die naturwissenschaftlich-darwinistische Weltsicht, die in freigeistigen Vereinen gefördert wurde.

Einige davon nahmen den Charakter von Ersatzreligionen an, zum Beispiel die Organisation der liberalen Freimaurer und später auch Nationalismus und Sozialismus.

Innerhalb der katholischen Kirche gab es zwei bevorzugte Reaktionsweisen auf diese neuen Entwicklungen: Eine fortschrittliche und eine konservative, beide natürlich in verschiedenen Varianten und verschiedener Radikalität auftretend.

Für die Fortschrittlichen war, wie für die vorkantischen Aufklärer, die Vernunft die letzte Instanz. Sie glaubten zwar noch, aber sie versuchten den Glauben mit Hilfe der Vernunft zu erklären. Radikale Freireligiöse gingen gar so weit, aus der Kirche eine ganz „normale“ Institution machen zu wollen. Die Abschaffung von Symbolen wie Altar und Talar und die Umwandlung des Priesteramtes zu einen Beruf im Sinne eines normalen staatlichen Beamten, waren Forderungen dieser radikalen Minderheit.

Auf Seiten der Konservativen hatte sich mit den Ultramontanen eine Gruppe gebildet, die streng romhörig war.20 Daraus ergab sich auch eines der Hauptargumente des Antikatholizismus, nämlich dass die Katholiken den Papst und nicht den Kaiser als ihren Herrn anerkennen würden.

Dem Wort „konservativ“ machten die Ultramontanen alle Ehre, da ihr Rezept, den Einfluss der Kirche wiederherzustellen, unter anderem darin bestand, dass sie fast vergessene Riten und Bräuche21 wiedereinführten. Es wurden neue Wallfahrten organisiert22 und die Missionierung der Jesuiten vorangetrieben.

Die Agitation der Jesuiten ging so weit, dass sich die Liberalen in Deutschland davon belästigt fühlten und auf ein Verbot des Ordens drängten. Für den Liberalismus waren die Jesuiten die „Inkarnation all dessen, was an der Kirche Roms als das Allerteuflischste galt“.23

Doch beschränkte sich die Feindseligkeit nicht nur gegen die Jesuiten, alle katholischen Orden wurden als „Brutstätten der Volksverdummung, Geistesknechtung oder gar Unzucht angeschwärzt.“24

Das Restaurationszeitalter barg auch positive Entwicklungen für die Kirche. Viele Staaten standen ihr wohlwollend gegenüber, sahen im katholischen Glauben und in der katholischen Kirche eine „wesentliche Stütze der weltlichen Herrschaft“ und ein Bollwerk gegen die aufkommenden sozialen und liberalen Strömungen.25

Nach der 48er Revolution gehörte die Kirche zum ersten Mal wieder zu den Siegern eines Konflikts. Sie erreichte ein lange geplantes Ziel, nämlich ihre korporative Freiheit durch die Loslösung von den staatskirchlichen Beschränkungen in den europäischen Staaten.26 Vielleicht auch aus diesem Stärke-Gefühl heraus, reizten der Papst und die Kurie durch die im Jahre 1864 erlassene Enzyklika „Quanta cura“ mit angefügtem „Syllabus errorum“27 und vor allem durch das am 18. Juli 1870 ausgesprochene Unfehlbarkeitsdogma die liberalen Kreise und auch Bismarck. Beide wurden vom europäischen Liberalismus als eine Kriegserklärung gegen den modernen Staat, gegen die Wissenschaft und gegen die Geistesfreiheit aufgefasst.28

2.2 Die Katholiken in Preußen

Obschon der Kulturkampf das herausragende Ereignis war, an dem leicht ersichtlich wird, in welch defensiver Position sich die Katholiken befanden, so ist er doch nur ein aus der Gesamtsituation herausgelöstes Beispiel für den schweren Stand, den Katholiken in im Laufe das 19. Jahrhunderts und noch im 20. Jahrhundert im Deutschen Reich hatten.

Um der Gesamtsituation näher zukommen, sollen hier einige Punkte angeführt werden, die für das Selbstverständnis eines Katholiken im 19. Jahrhundert wichtig waren.

Zunächst einmal muss betont werden, dass die Katholiken im Kaiserreich eine Minderheit waren. Sie machten etwas mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung aus.29 Zu dieser Zahl gehörten auch viele, die von anderer Nationalität als der deutschen waren. Die beiden großen ethnischen Minderheiten in Deutschland, die Polen in Posen und die Elsässer in den 1871 von Frankreich eroberten Gebieten, waren zum Großteil katholisch.

Der Anteil der Katholiken an der „eigentlich“ deutschen, d. h. sich als Deutsche fühlenden, Bevölkerung war also weit geringer als das erwähnte Drittel.30

Außerdem hatten die „nicht-deutschen“ Katholiken ein ohnehin eher ablehnendes Verhältnis zum neugegründeten deutschen Kaiserreich. Statistisch gesehen waren Katholiken an den Universitäten, in den Städten und im Besitzbürgertum unterrepräsentiert und demgegenüber in den ärmeren, ländlichen Gebieten31 und im von der Industrialisierung stark betroffenen Arbeiterstand überproportional vertreten.32

Zum Verhältnis der Katholiken zum Staat wäre zu ergänzen, dass fast alle Katholiken einer großdeutschen Einigung den Vorzug gegeben hätten. In einem großdeutschen Reich inklusive dem katholischen Österreich wäre das Gleichgewicht der Konfessionen in etwa gewährleistet gewesen.

Darum war die Gründung des Norddeutschen Bundes 186633 und die sich damit anbahnende Reichsgründung im kleindeutschen Sinn eine schwere Niederlage für den deutschen Katholizismus.34

Im Norddeutschen Bund standen 8 Millionen Katholiken 20 Millionen Protestanten gegenüber.35 Bismarck war in diesem (katholischen) Sinne eher ein „Zerstörer des alten Reichs“ als ein Begründer des neuen.36

Obwohl - oder gerade weil - die Katholiken eine Minderheit darstellten, waren sie als Einheit sehr stark und konzentrierten sich in einer katholischen Subkultur aus katholischer Presse und Vereinen37. Im Laufe des Kulturkampfes kam es in Preußen zu einem explosionsartigen Anstieg an Vereinsgründungen und Presseveröffentlichungen38.39

2.3 Katholiken und Politik

Die protestantisch-liberale Atmosphäre, die die Katholiken in der Zeit der Reichsgründung in Preußen vorfanden, forderte geradezu eine Organisation der preußischen und deutschen Katholiken in der Politik. Diese politische Organisation der deutschen Katholiken vollzog sich am 13. Dezember 1877 mit der Gründung einer für das preußische Abgeordnetenhaus geschaffenen Fraktion.

Das vorbereitende Komitee, bestehend aus den Gebrüdern Reichensprenger, Karl Friedrich von Savigny und dem Freiherrn von Schorlemer-Ast, nannte die neue Fraktion „Zentrum“40, in Klammer beigefügt wurde das Wort „Verfassungspartei“.41

Nach Weber war die gewählte Bezeichnung eine reine Verlegenheitslösung und sollte den konfessionellen Charakter der Partei verschleiern.42

Der Gründung vorausgegangen waren erhebliche interne Diskussionen, ob man überhaupt eine Partei neben oder gegen die anderen gründen solle, wie ein Programm auszusehen habe und ob man vielleicht eher eine überkonfessionelle christliche Partei gründen solle.43 Auch inhaltlich gab es verschiedenste Wünsche der Gründungsmitglieder. Die einen tendierten zu einer entschiedenen konfessionellen, kämpferischen ultramontanen Richtung44, andere zu einem streng katholischen Flügel der großen konservativen Gesamtpartei und wieder andere vertraten das Konzept einer eher defensiven katholischen freisinnigen Partei.45

Gemeinsamer Gedanke aller Mitglieder der neuen Fraktion war die bedingungslose Gefolgschaftstreue gegenüber dem Papst. Dieser Punkt wurde im Verlaufe der Parteiengeschichte nie in Zweifel gezogen. Der Papst war und blieb unfehlbarer Oberhirte und weltlicher Souverän.46

Auf der 20. Generalversammlung der deutschen Katholiken in Düsseldorf im September 1869 brachte der katholische Landtagsabgeordnete Lindau mit dem Satz,

„ dass die Katholiken in Deutschland energisch sich zusammenschaaren und zu dem werden müssen, zu was ihre Gegner sie schon längst gemacht haben, zu einer großen politischen Partei “ . 47

zum Ausdruck, was sich viele zur katholischen Minderheit gehörig fühlende Bürger schon lange wünschten.

Das Zentrum verfolgte nicht nur auf rein kirchenpolitischen Gebieten Ziele, es wollte auf die gesamte innere Politik einwirken.48

Zu den wichtigsten politischen Programmpunkten gehörte die eindeutige Kriegserklärung an den Liberalismus und damit gegen die Reichs- und Wirtschaftspolitik der Liberalen.

Das am 21. März 1871 aufgestellte „Programm der Zentrumsfraktion des Deutschen Reichstages“ wandte sich gegen jedwede Änderungen des föderativen Charakters der Reichsverfassung und betonte die Notwendigkeit der Förderung des moralischen und materiellen Wohls aller Volksklassen. Außerdem wollte die Fraktion die bürgerliche und religiöse Freiheit und das Recht der Religions-Gemeinschaften gegen Eingriffe der Gesetzgebung schützen.49

Eine Ablehnung des Deutschen Reichs, des protestantischen Kaisertums und der Person Bismarcks findet sich bei der Gründung der Zentrumsfraktion (noch) nicht.

3 Der Kulturkampf in Preußen

3.1 Die Auslöser des Kulturkampfes

Der Kulturkampf gilt bis heute als Bismarcks größter innenpolitischer Fehler.

Warum hat sich ein so großer und angesehener Staatsmann wie der Reichskanzler zu einer Politik gegen die Katholiken und die Kirche hinreißen lassen, die am Ende nur ihm selbst immens geschadet hat?

Dafür muss man zunächst einmal Bismarcks Ängste im Bezug auf den Katholizismus näher beschreiben. Sie ähnelten den Ängsten eines Großteils der Protestanten im Reich.

Nach der Gründung des neuen deutschen Kaiserreiches 1871 stand der deutsche Katholizismus Preußens50 in Opposition zum überwiegend protestantischen kleindeutschen Reich.

Den politischen Katholizismus verkörperte das Zentrum, das eine Gefahr darstellte, wie zumindest die Liberalen und gemäßigten Konservativen meinten.

Die ersteren fanden ihre Begründung im Unfehlbarkeitsdogma des Ersten Vatikanischen Konzils, die anderen in der alten preußischen Tradition der Staatshoheit gegenüber der evangelischen Kirche. Genau wie es der Literatur zum Thema nicht wirklich Einigkeit über das genaue Datum des Ausbruchs des Kulturkampfes gibt, ist es schwierig einen eigentlichen Auslöser für denselben zu finden.

Karl Bachem sieht in seiner Zentrumsgeschichte in „Bismarcks Abneigung gegen das Zentrum als neue politisch selbstständige Partei“51 den „ursprünglichen Ausgangspunkt“52 des Kampfes, der dann unter dem Druck der liberalen Zeitströmung zum Kampf des Staates gegen die Kirche ausgeweitet wurde.53

Karl Bucheim lässt „Bismarck (...) mit sicherem politischen Blick den Hebel [ansetzen], die Vereinigung der bürgerlich-parlamentarischen Kräfte in Deutschland zu verhindern“54 und Rudolf Lill betont den Kampf als Versuch Bismarcks, die Zentrumspartei entweder „zu vernichten oder zu domestizieren“55.

Eine andere Meinung vertritt Heinrich Bornkamm, der den Kulturkampf einen „innenpolitischen Präventivkrieg“56 nennt und als das in Wahrheit einzige Ziel von Bismarcks Kampf „die Sicherung des neuen Reiches“57 angibt.

Nach Bornkamm ließ die aggressive Taktik des neuen Zentrums, „in Bismarck ein altes Misstrauen gegen die politische Organisation des Katholizismus, insbesondere ihrer parlamentarischen Führer58 aufwachen“59.

Für ihn und andere Autoren stehen aber auch außenpolitische Aspekte des Kampfes zur Debatte.

Bornkamm zitiert Adalbert Wahl mit der Meinung, dass „Bismarck (...) das Ziel [verfolgte], Italien und Russland einen unmittelbaren Dienst zu leisten, beide auf die deutsche Seite herüberzuziehen und Frankreich damit zu isolieren.“60

Karl Bachem beschreibt anschaulich den „stetig bohrenden Verdacht des Fürsten Bismarck, dass eine Verbindung der deutschen Katholiken bestehe mit den Katholiken anderer Länder, um sein Werk, das Deutsche Reich, wieder zu zertrümmern.“61

Wieder andere, wie der Historiker Georg Franz, betrachten den Kulturkampf als „das geistige Grundthema des 19. Jahrhunderts“62 in der Auseinandersetzung zwischen Christentum und Kirche auf der einen und den antichristlichen, antireligiösen, atheistischen Anhängern der „modernen Richtung der naturwissenschaftlich-technischen Zivilisation“ auf der anderen Seite.63

Die Mehrzahl der Historiker legt sich nicht auf einen einzigen Auslöser fest und betrachtet den Kulturkampf in erster Linie als Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche um die Frage ihres Verhältnisses zueinander und um die Abgrenzung der jeweiligen Kompetenzen und Einflussnahmen. Die drei wichtigsten Ursachen listet Rudolph Morsey wie folgt auf:

„ (1.) Die Gründung der Zentrumspartei, (2.) Auswirkungen des päpstlichen Unfehlbarkeitsdogmas, und schließlich (3.) Bismarcks Sorge vor einer katholischen Revanche-Koalition. “ 64

Bismarck nahm den Kampf gegen den Katholizismus65 aus vielfältigen Gründen auf. Eine Festlegung auf den einen Grund ist wohl nicht möglich.

3.2 Eine kurze Chronik der Kulturkampfgesetzgebung

Die erste Kampfmaßnahme der preußischen Regierung erfolgte am 8.66 Juli 1871. Die besonderen Abteilungen des Kultusministeriums für katholische und evangelische Angelegenheiten67 wurden aufgehoben und zu einer Abteilung für geistliche Angelegenheiten zusammengefasst.

Das als Kanzelparagraph bekannt gewordene Gesetz, das Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren für Geistliche, „die in Ausübung ihres Berufs Angelegenheiten des Staates in einer zur Störung des öffentlichen Friedens geeignet erscheinender Weise erörtern“ vorsah, trat am 4. Dezember in Kraft.68 Damit war es das erste Reichskampfgesetz.69

Viele Katholiken empfanden erst das Schulaufsichtsgesetz als Kampfansage der Regierung.70 Es wurde am 11. März 1872 erlassen und legte die Aufsicht über alle Schulen in die Hände des Staates. Am 4. Juli 1872 wurden die Jesuiten durch ein Ausnahmegesetz - das Jesuitengesetz - des Reiches verwiesen und ihre Niederlassungen aufgelöst.71

Kurz vor Erlass des Jesuitengesetzes hatte Bismarck durch die Ernennung des Kardinals Gustav von Hohenlohe-Schillingsfürst für die Vertretung des Reiches beim Heiligen Stuhl für Verschlechterung des preußischen Verhältnisses zum Vatikan gesorgt.72 Wusste er doch genau, dass der Kardinal an der Kurie eine persona non grata war.73 Als der Vatikan Hohenlohe ablehnte, sah Bismarck das als Affront gegen das Deutsche Reich und prägte im Reichstag den berühmt gewordenen Satz:

„ Seien sie außer Sorge, nach Canossa gehen wir nicht - weder körperlich noch geistig. “ 74

Damit fixierte er seine unbeugsame Haltung gegenüber Rom und auch gegenüber Zentrum und Katholiken unmissverständlich. Im Jahr darauf gelang es Bismarck die gesetzlichen Vorraussetzungen für den Hauptteil des Kulturkampfes zu schaffen: Am 5. April wurden die kirchenpolitischen Verfassungsartikel 15 und 18 der preußischen Verfassung abgeändert.75

Erst jetzt war der Weg geebnet für die wichtigen Kampfgesetze des Jahres 1873.76 Da sie im Mai erlassen wurden, gingen sie als „Maigesetze“ in die Geschichte ein.

Berichtet wird, dass Bismarck leidenschaftlich an den Debatten teilnahm und sich führend an der Ausarbeitung der Gesetze beteiligte, obwohl er bereits im Januar das Ministerpräsidium niedergelegt hatte.77 Eigentliche Triebfeder der harten Kulturkampfgesetzgebung des Jahres 1873 war jedoch der neue Kultusminister Adalbert Falk78, dessen erste Amtshandlung die Einführung des Schulgesetzes gewesen war.79 Falk „gab dem Kulturkampf gegen den Willen des Kanzlers das Gepräge einer ausgesprochenen Kirchenverfolgung.“80 Es verfolgte mit den Gesetzen nicht nur das Ziel der vollständigen Trennung von Kirche und Staat, sondern arbeitete im Sinne der Nationalliberalen auch an der Bildung einer Nationalkirche.81 Auf Grund ihrer Wichtigkeit möchte ich die vier Maigesetze hier ausführlicher aufzeigen.

11. Mai 1873:

Gesetz betreffend der Vorbildung und Anstellung der Geistlichen: Der priesterliche Nachwuchs musste nach der theologischen Prüfung noch ein Staatsexamen ablegen. Alle kirchlichen Bildungsanstalten, Hausordnung, Disziplin und Lehrplan wurden der staatlichen Aufsicht unterworfen. Die Anstellung der Geistlichen wurde von der staatlichen Genehmigung abhängig gemacht. Anzeigepflicht der Kirche und Einspruchsrecht des Staates. Kein Ausländer durfte ein kirchliches Amt bekleiden.

12. Mai 1973:

Das Gesetz über die kirchliche Disziplinargewalt verfügte, dass diese nur von kirchlichen Behörden ausgeübt werden dürfe. Letzte Entscheidung hatte in dafür eingesetzter königlicher Gerichtshof.82

13. Mai 1973:

Gesetz über die Grenzen des Rechtes zum Gebrauche kirchlicher Straf- und Zuchtmittel, beschränkte die kirchliche Disziplinargewalt auf Mittel, die lediglich dem religiösen Gebiete angehören.

14. Mai 1973:

Gesetz über den Austritt der Kirche ermöglichte den Kirchenaustritt durch Erklärung des Austretenden vor dem Richter seines Wohnortes.

Die ein Jahr später folgenden drei Gesetze bezogen sich eher auf die Durchführung derer von 1873.

Im ersten Gesetz vom 4. Mai 1874 ging es um die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämtern. Das zweite regelte die Verwaltung erledigter katholischer Bistümer. Ein drittes Gesetz war eine Ergänzung des Gesetzes über die Vorbildung von Geistlichen. Weitere Gesetze folgten im Jahr 1875. Es sind Strafgesetze, erlassen, eine Nichtbefolgung der bisherigen Kirchengesetze zu ahnden. Zunächst wurde am 22. April 1875 das bereits zitierte Sperr- oder „Brotkorbgesetz“ veröffentlicht. Durch den Entzug von allen staatlichen Zuwendungen wollte das Staatsministerium den „Widerstand der katholischen Geistlichkeit gegen die Staatsgesetze brechen“. Einige kulturkämpferische Minister wären gerne noch weiter gegangen. Um den Kampf abzukürzen hätten sie den Kirchen den Rechtsweg verweigert und eine Zwangsverwaltung der Kirchengüter eingeführt.83 Im Mai 1875 folgte das „Klostergesetz“, durch das innerhalb von sechs Monaten alle Klostergenossenschaften, mit Ausnahme der krankenpflegenden Orden, aufgehoben wurden.84

Dies war für zahlreiche Ordensgemeinschaften Anlass, Niederlassungen in den Niederlanden und Belgien, direkt hinter der Grenze, zu gründen.

Die Anerkennung und Befolgung dieser Gesetze wurden von den Katholiken mit stärkster Unterstützung durch Papst Pius IX verweigert. Die preußische Regierung suchte diesen Widerstand mit den schärfsten Mitteln zu brechen. Priester und Bischöfe wurden abgesetzt und zu Geld- und Haftstrafen verurteilt.

Pius IX erklärte in der Enzyklika vom 5. Februar 1875 die preußischen Kirchengesetze für ungültig. Schon vorher - kurz nach Inkrafttreten der Maigesetze85 - hatten die preußischen Bischöfe in einer gemeinsamen Eingabe an das Staatsministerium den Staatsgesetzen ihren Gehorsam verweigert und den Standpunkt der Freiheit der Kirche festgelegt.86

Die ungewollte Entwicklung des Streits und die wachsende Erkenntnis Bismarcks, dass er das Ziel seines Kulturkampfes nicht erreichen und das Zentrum nicht zerschlagen würde, bewogen ihn, nach Möglichkeiten zu suchen, die den Kulturkampf beenden würden. Der Bruch mit den Nationalliberalen 1877 hatte es außerdem nötig gemacht, einen neuen Koalitionspartner zu suchen.87 Als mögliche Lösung sah Bismarck eine Koalition der Konservativen mit einem gemäßigten Zentrum.

Bismarck selbst hat seine Fehler schon früh eingesehen und teilweise (nicht öffentlich!) zugegeben. Schon im Juni 1873 bemerkte er gegenüber einem Vertrauten:

„ Schaffen sie mir einen friedfertigen Papst, dann verständige ich michüber alles. “ 88

Dieser friedfertige Papst erschien jedoch erst 1878 auf der politischen Bühne. Pius IX war am 7. Februar 1878 verstorben, der gemäßigte Leo XIII wurde am 20. Februar 1878 zu seinem Nachfolger gewählt.89

Er ermöglichte einen raschen Kurswechsel der katholischen Kirche und signalisierte schon kurz nach seiner Thronbesteigung seine Bereitschaft zur Verständigung im Kulturkampf.90

Angesichts des Vormarsches der Sozialisten, erhoffte sich der Papst ein rasches Einlenken Bismarcks im Kulturkampf und damit einen möglichen Schulterschluss gegen den Sozialismus.

Die Verhandlungen gedachte er direkt mit dem Reichskanzler zu führen. Das Zentrum und das preußische Episkopat sollten dabei möglichst umgangen werden.91

Bismarck kam dieses Vorhaben sehr gelegen, hatte er doch dadurch die Chance, das nicht sehr konzessions- und einlenkungsbereite Zentrum auszuschalten und so von allen wichtigen Entscheidungen fernzuhalten.

Das Zentrum geriet in ein Dilemma und musste während der Friedensverhandlungen häufig Konzessionen der Kurie zustimmen, denen es sonst nicht oder erst viel später zugestimmt hätte. So kam die Entscheidung des Papstes, die Anzeigepflicht zu genehmigen, für den Zentrumspolitiker Ludwig Windthorst vollständig überraschend, er war „völlig niedergeschmettert“92.

Ihn schmerzte es immens, bei den Verhandlungen übergangen zu werden.93 So war es nicht verwunderlich, dass das Zentrum während des gesamten Abbaus des Kulturkampfes die größten Schwierigkeiten und die meisten Verzögerungen verursachte.94

Trotz des guten Willens beider Seiten kam es in den 1878 begonnenen Geheimverhandlungen nur sehr zögerlich zu Annäherungen zwischen Kanzler und Kurie. Die ersten Treffen zwischen dem Kanzler und dem Münchener Nuntius Aloisi Masella dienten zunächst nur zur Klarstellung der Standpunkte beider Parteien.

Der Papst hatte mit der vollständigen Freiheit der Kirche und der Stärkung des Zentrums zwei klare Ziele, Bismarck wollte unbedingt an den Maigesetzen festhalten und wünschte die Herstellung eines modus vivendi.95

Als Bismarck am 1. Juli 1878 den bisherigen KulturkampfKultusminister Falk zurücktreten und den Konservativen Robert von Puttkamer zu seinem Nachfolger ernennen ließ, wurde dieser Schritt von vielen als erstes Zugeständnis gesehen.96

Erst am 23. Februar 1880 führte die überraschende oben angesprochene Zustimmung des Papstes zur Anzeigepflicht zu einer wirklichen Wende.97

1880 begannen die Gesetzesrevisionen mit einem ersten Milderungsgesetz (14. Juli) in Preußen. Die Regierung ließ wieder Bischöfe ohne den ehemals geforderten Eid zu und stellte die staatliche Vermögensverwaltung in den neu besetzten Bistümern ein. Es folgten zwei weitere Milderungsgesetze (31. Mai 1882 und 11. Juli 1883), die zum einen die Ernennung von Priestern durch Patrone und Gemeinden und das Kulturexamen für Theologiestudenten abschafften und zum anderen alle bischöflichen Weihe- und Amtshandlungen straffrei machten.98

Nach Inkrafttreten dieser Gesetze verliefen die Verhandlungen für längere Zeit im Sande. Erst durch einen diplomatisch brillanten Schachzug Bismarcks im Streit um die Karolineninseln im September 188599 kam wieder Schwung in die Beilegung des Kulturkampfes. Bismarck hatte Leo XIII nun öffentlich als Souverän anerkannt und im Gegenzug vom Papst den Christusorden verliehen bekommen.

Im Zuge dieser neuen Verständigung kam am 21. Mai 1886 ein erstes Friedensgesetz zustande. Der staatliche Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten wurde aufgehoben, das Lesen stiller Messen und das Spenden der Sakramente wieder erlaubt.100 Dafür erklärte sich der Papst bereit, vakante Bischofstühle unter Umgehung der Domkapitel mit staatsloyalen Kandidaten neu zu besetzen.

Der Abschluss des Kulturkampfes war mit dem zweiten Friedensgesetz vom 29. April 1887 erreicht. Es beseitigte die wesentlichen Regelungen der Maigesetze endgültig, sogar die von den Liberalen so gehassten Klostergenossenschaften wurden wieder zugelassen.101

Trotzdem zeigte dieser letzte Erlass des Kulturkampfes noch einmal den „tiefen und unüberbrückbaren Gegensatz“102 zwischen Staat und Zentrumspartei auf, wobei die Kurie ersteren unterstützte. Es ging um die Bewilligung der Erhöhung der Heeresstärke für sieben Jahre durch das Zentrum. Windthorst wollte das sogenannte Septennat an seine kirchenpolitischen Forderungen knüpfen und brachte seine Partei damit an den Rand der Selbstauflösung.103

Am 23. Mai 1887 erklärte Leo XIII den Kulturkampf förmlich für beendet:

„ Erledigt ist, dank der Hilfe Gottes, eine langwierige und mühevolle Aufgabe; jenem erbitterten Kampf, welcher die Kirche schädigte und dem preußischen Staat keinesfalls nützte ist ein Ende gesetzt. “ 104

Die Jesuitengesetze wurden erst 1904 und - in einer zweiten Stufe - 1917 aufgehoben.

Insgesamt blieben von den zweiundzwanzig Gesetzen, die während des Kulturkampfes entstanden nur zwei dauerhaft erhalten. Dabei handelte es sich um die staatliche Schulaufsicht und die Zivilehe105, die bis heute Bestand haben und die den größten Einfluss auf die Säkularisierung des öffentlichen Lebens hatten.106

„ Aus innen- und aussenpolitischen Gründen hatte Bismarck den Kampf gegen den politischen Katholizismus aufgenommen; vielfältige Gründe der Innen- und Aussenpolitik veranlassten ihn zum Abbruch des Kirchenkonflikts. “ 107

3.3 Folgen der Gesetzgebung für die Katholiken

Die Aufhebung der katholischen Abteilung im preußischen Kultusministerium wurde von vielen Katholiken als Ereignis von besonderer Tragweite empfunden. Diese erste Aktion Bismarcks im Kulturkampf galt als Ausdruck einer der katholischen Kirche feindselig gegenüberstehenden Regierung.

Außerdem befürchtete man (mit Recht) eine Verschlechterung der Behandlung katholischer Interessen durch den preußischen Staat. Nicht zuletzt deshalb, weil die protestantischen Beamten in der preußischen Verwaltung ein starkes Übergewicht hatten und nun die katholischen Beamten noch weniger Einfluss nehmen konnten.

Als Motiv für die Einführung des Kanzelparagraphen bezeichneten die Katholiken, die Absicht, die Geistlichen auf der Kanzel mundtot zu machen. Außerdem sollten Proteste gegen Gesetze und Aktionen des Staates gegen die Kirche ausgeschlossen oder zumindest verringert werden.108

Die Katholiken hatten keine Zweifel, was die Maigesetze bezwecken sollten. Georg Franz-Willing bring es auf den Punkt:

„ Es gab nicht den geringsten Zweifel, dass der Staat mit diesen Gesetzen die römisch-katholische Hierarchie zerstören wollte und die Kirche in eine nationale Staatskirche umzuwandeln suchte. Das Hochziel der Nationalliberalen war in diesen Gesetzen zum Ausdruck gebracht [...]. Mit Liberalismus im buchstäblichen Sinne des Wortes hatten die Gesetze nichts zu tun; sie waren tatsächlich Ausdruck des hegelianischen Machtstaates. “ 109

Man kann sagen, dass der Kirchenkampf ganz im Sinne der Liberalen, aber entgegen dem Willen Bismarcks zu einem offenen Krieg zwischen Preußischem Staat und katholischer Kirche wurde.110

Die ein Jahr später erlassenen Folgegesetze wirkten nicht sehr extrem auf die katholische Bevölkerung, ergänzten sie doch eigentlich nur die schon existierenden schlimmen Maigesetze.

Erst die ein knappes Jahr später folgenden Strafgesetze ließen das Zentrum, die Klerikalen und die Bevölkerung wieder reagieren. Das „Gesetz betreffend die Einstellung der Leistungen aus Staatsmitteln für die römisch-katholischen Bistümer und Geistlichen“ vom 22. April 1875 war unmissverständlich: Vom Tag der Verkündigung an sollten sämtliche Leistungen aus Staatsmitteln eingestellt werden. Da von Staats wegen zuvor alle kirchlichen Vermögen rechtswidrig und ersatzlos eingezogen worden waren, bedeutete dies den Entzug der existentiellen Grundlagen.

Betroffen waren alle katholischen Geistlichen, die sich nicht schriftlich verpflichten wollten, die Gesetze Preußens zu befolgen. Wer dem Staat den Gehorsam verweigerte, sollte aus dem Amt entlassen werden, war rechtlich unfähig, sein Amt auszuüben, verlor das Amtseinkommen und zusätzlich war die Erledigung der Stelle die Folge.

Unter heutigen demokratischen Gesichtspunkten bemerkenswert war die Festlegung, dass schon die Einleitung eines Verfahrens gegen einen Geistlichen zur Einstellung der Leistungen führte.

Kein Wunder, dass sich bei solchen Bestimmungen die Bezeichnung „Sperrgesetz“ einbürgerte und volkstümlich vom „Brotkorbgesetz“ geredet wurde - also von einem Brotkorb, der so hoch gehängt wurde, dass ihn niemand mehr erreichen konnte.

Nur 24 von 4.000 Geistlichen in Preußen gaben die geforderte Gehorsamserklärung ab. Sie verfielen damit der kirchlicherseits angedrohten Exkommunikation. Die Situation der Kirche war desolat. Von den 12 Bistümern in Preußen blieb Fulda seit 1873 vakant, fünf Diözesanbischöfe verbrachten 1874/1875 etliche Monate in Gefängnissen. Der Breslauer Erzbischof Förster entzog sich der Verhaftung nur durch den Umzug in den österreichischen Teil seines Bistums. 1878 waren nur noch die Bischöfe von Ermland, Kulm und Hildesheim im Amt. Die Bistümer Fulda, Osnabrück und Trier waren vakant, die übrigen sechs Bischöfe staatlicherseits abgesetzt. Sie regierten ihre Bistümer aus dem benachbarten Exil in den Niederlanden, Belgien oder Österreich mit Hilfe geheimer Delegaten.

Das gläubige katholische Volk beharrte auf seinem passiven Widerstand und unterstützte die Geistlichen auf vielfältige Art und Weise.111

Die Gesetze des Kulturkampfes waren keine Maßnahmen „ eines paritätischen Rechtsstaates, sondern des Machtstaates und richteten sich gegen das erste und elementarste aller Grund- und Menschenrechte, die Glaubens- und Gewissensfreiheit. “ 112

Für viele Historiker ist der mit den Kulturkampfgesetzen eröffnete „Vernichtungsfeldzug gegen das kirchliche und religiöse Leben“ der größte Gefallen, der dem oppositionellen Zentrum erwiesen werden konnte.

Im Laufe der Kulturkampfgesetzgebung und unter dem wachsenden Druck des Staates sammelte sich das katholische Volk immer mehr um seine Priester und Bischöfe. Unterstützt durch die immens angestiegene Zahl katholischer Zeitungen113, konnten die katholischen Geistlichen das Volk aufrütteln und zum Widerstand gegen den Staat mobilisieren.

Niedergeschlagen hat sich das vor allem in den Wahlergebnissen für das Zentrum. Dieses trat (entgegen seines eigentlichen Programms) immer energischer für Religion und Kirche ein. Bereits bei den Landtagswahlen von 1873 konnte die Partei seine Stimmen verdoppeln. Zeitweise konnte die Partei mehr als 80 Prozent der von den Katholiken abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen und wurde so zur ersten demokratischen Massenpartei.114

Das katholische Volk befand sich im passiven Widerstand. Seine Verbitterung fand seinen politischen Höhepunkt in einem Attentat des katholischen Handwerksgesellen Kullmann im Juli 1874 auf Bismarck. Das Attentat musste schon kurze Zeit später für die weitere Welle von Kulturkampfgesetzen herhalten. Der (Fehl-)Schuss Kullmanns, der das Zentrum „meine Fraktion“ nannte, kam Bismarck sehr gelegen. Staatssekretär v. Bülow sah das ganz ähnlich:

„ Der Eindruck hier ist ganz allgemein der erwünschte und richtige: Niemand zweifelt, dass die offenen und versteckten Hetzereien der Ultramontanen dem Mörder die Waffe an die Hand gegeben. “ 115

Wichtiger als dieser Angriff einer Einzelperson waren jedoch die Stärkung innerkirchlicher Solidarität und Überbrückung der gegensätzlichen Interessen der liberalen und konservativen Katholiken116 sowie ein immenser Ausbau des konfessionellen Vereins- und Verbandswesens117 im katholischen Milieu.118

Ein weiteres Beispiel für den katholischen Widerstand gegen den Staat war der Boykott des Sedanstages119.

Staat dessen entwickelte sich der 16. Juni als Tag der Inthronisation Pius IX. zum höchsten katholischen Feiertag. An diesem sogenannten Piustag manifestierte sich der Selbstbehauptungswille der Katholiken im Kulturkampf.120

4 Bilanz des Kulturkampfes

Eine Bewertung der Vorgänge innerhalb des Kulturkampfes nach 125 Jahren lässt sich nicht in wenigen Sätzen vollziehen. Aber man kann festhalten, dass sich der deutsche Katholizismus in diesen Jahren erfolgreich gegen die Bevormundung durch den preußischen Staat zu Wehr gesetzt hat.

Trotzdem sind die mittel- und langfristigen Folgen des Kulturkampfes ambivalent einzuschätzen. Natürlich stärkte die Erfahrung, sich erfolgreich gegen den Staat durchgesetzt zu haben das Selbstbewusstsein der Katholiken auch wurden mit den in den - heftigst abgelehnten - Maigesetzen enthaltenen Bestimmungen über die Ausbildung von Geistlichen, bestätigt im Reichskonkordat von 1933, Standards gesetzt, die sich positiv auf den Bildungsstand der Geistlichkeit ausgewirkt haben.

Trotzdem führte der Kulturkampf auch zu einer langen Frontstellung der Konfessionen im Reich. Die preußisch-liberale Mehrheitskultur stand der katholischen Minderheitskultur gegenüber. Nach Morsey konnte „dieser Antagonismus“ im Grunde genommen erst in der Bundesrepublik überwunden werden: Mit der Gründung der Einheitsgewerkschaft und der CDU.121

In seinen Memoiren lässt sich der Kulturkampf als klarer politischer Missgriff Bismarcks herauslesen:

"Der Missgriff [des Kulturkampfes] wurde mir klar an dem Bilde ehrlicher, aber ungeschickter preußischer Gendarmen, welche mit Sporen und Schleppsäbel hinter gewandten und leichtf üß igen Priestern durch Hintertüren und Schlafzimmer nachsetzten." 122

In Bismarcks Augen war der Kulturkampf also zu einer Farce geworden. Sein Zitat könnte auch die schwerfällige preußische Bürokratie betreffen, die mit groben Gesetzen versuchte, das katholische Volk zu knebeln und damit keinen Erfolg hatte.

Für die katholische Kirche und das Papsttum hat sich der Kulturkampf nach Meinung einiger Wissenschaftler gelohnt. So ist Johannes Heckel davon überzeugt, dass „nichts die mit dem Vatikanum entstandene innere Unruhe im Katholizismus so rasch verdrängt, nichts die geistliche und politische Macht des Papsttums so gehoben [hat] wie die große, glückliche Auseinandersetzung mit dem modernsten und stärkstem Staate der damaligen abendländischen Welt.“123

Dem möchte sich diese Arbeit anschließen. Zwar dürfen hier die negativen Auswirkungen, die der Kampf auf das katholische Volk, seine Priester und Bischöfe hatte nicht vergessen werden. Für die Kirche als Institution jedoch hat sich der Kampf im Endeffekt gelohnt. Das Zentrum wurde im Laufe des Kulturkampfes zu einer klerikalen Partei. Eine Entwicklung die die Parteiführer wohl mit gemischten Gefühlen aufnahm. Zum einen wurde es aus diesem Grund eine der stärksten Parteien im preußischen Parlament. Auf der anderen Seite jedoch hatten die Partei- und Fraktionsgründer genau diese Entwicklung hin zu einer reinen klerikalen Partei nie gewollt.

Preußen und Bismarck waren die Verlierer des Kulturkampfes, das ist allgemein bekannt und soll hier nur noch einmal bestätigt werden.

5 Literatur

- Anderson, Margaret Lavinia: Windthorst. Zentrumspolitiker und Gegenspieler Bismarcks. Düsseldorf 1988.
- Bachem, Karl: Vorgeschichte, Geschichte und Politik der deutschen Zentrumspartei. III. Band. Köln 1927.
- Bornkamm, Heinrich: Die Staatsidee im Kulturkampf. München 1950.
- Bucheim, Karl: Geschichte der christlichen Parteien in Deutschland. München 1953.
- Franz - Willing, Georg: Kulturkampf gestern und heute. Eine Säkularbetrachtung 1871 - 1971. München 1971.
- Franz, Georg: Kulturkampf. Staat und katholische Kirche in Mitteleuropa von der Säkularisation bis zum Abschluss des preussischen Kulturkampfes. München 1954.
- Heckel, Johannes: Die Beilegung des Kulturkampfes in Preußen. Weimar 1930.
- Lill, Rudolf: Der Kulturkampf (= Beiträge zur Katholizismusforschung, Reihe A, Band 10). Paderborn 1997.
- Morsey, Rudolph: Bismarcks Kulturkampf gegen das Zentrum und gegen die katholische Kirche. In: Berichte und Beiträge 44. Am Weihwasser die Finger verbrannt. Der Bismarcksche Kulturkampf - Konfliktverläufe im Ruhrgebiet. Essen 2000.
- Nipperdey, Thomas: Religion im Umbruch. Deutschland 1870 - 1918. München 1988.
- Ross, Ronal J.: Beleaguered Tower. The Dilemma of Political Catholicism in Wilhelmine Germany. London 1935.
- Stürmer, Michael (Hrsg.): Das kaiserliche Deutschland. Politik und Gesellschaft 1970 - 1918. Düsseldorf 1970.
- Weber, Christoph: Eine starke, enggeschlossenen Phalanx. Der politische Katholizismus und die erste deutsche Reichstagswahl 1871. Essen 1992.

[...]


1 Georg Franz - Willing: Kulturkampf gestern und heute. Eine Säkularbetrachtung 1871 - 1971. München 1971. (= Franz-Willing) Seite 7

2 ebd.

3 ebd.

4 Georg Franz: Kulturkampf. Staat und katholische Kirche in Mitteleuropa von der Säkularisation bis zum Abschluss des preussischen Kulturkampfes. München 1954. (= Franz) S. 286

5 Das Wort ‚Preußen’ findet man selten mit ‚ss’ geschrieben. Ich werde in dieser Hausarbeit die ß-Schreibweise verwenden. Wenn es sich jedoch um Zitate handelt, werde ich die jeweilige Schreibweise übernehmen.

6 Vgl. Kapitel 3.1 dieser Arbeit

7 Franz: S. 9

8 Karl Bachem: Vorgeschichte, Geschichte und Politik der deutschen Zentrumspartei. III Band. Köln 1927. (= Bachem). Schöpfer des Wortes „Kulturkampf“ war Donoso Cortes, vgl. Franz: S. 10

9 Virchow war ein Vorkämpfer des christlichen Laientums und Führer der radikal-liberalen Bewegung im Parlament, vgl. Franz: S. 11

10 Rudolph Morsey: „Bismarcks Kampf gegen das Zentrum und gegen die katholische Kirche“, in: Berichte und Beiträge. Der Bismarcksche Kulturkampf - Konfliktverläufe im Ruhrgebiet (Heft Nr. 44). Essen 2000. (= Morsey)

11 gemeint ist damit die katholische Presse, das Zentrum und das katholische Volk

12 Franz-Willing: S. 14

13: ebd. S. 13f

14 Franz: S. 16

15 ebd. S. 14

16 ebd. S. 15

17 Einer der „schwersten Fehler, der von den Friedensstiftern gemacht wurde.“ vgl. FranzWilling: S. 15

18 Franz: S. 16

19 ebd. S. 23

20 Thomas Nipperdey: Religion im Umbruch. Deutschland 1870 - 1918. München 1988. (= Nipperdey) S. 9ff

21 So zum Beispiel die ‚magischen’ Vorstellungen der Bauern: Feldumgang, Rosenkranzgebete, Devotionalienanbetung, vgl. Nipperdey: S. 20

22 Wallfahrten, Prozessionen und religiöse Brauchtumsfeste erreichten Rekordzahlen, vgl. Nipperdey: S. 18f

23 Margaret Lavinia Anderson: Windthorst. Zentrumspolitiker und Gegenspieler Bismarcks. Düsseldorf 1988.

24 Karl Bucheim: Geschichte der christlichen Parteien in Deutschland. München 1953. (= Bucheim) S. 202

25 Franz: S. 23

26 ebd. S. 43

27 „Syllabus Errorum“ = ein Verzeichnis von 80 Sätzen, die verbreitete Meinungen wiedergaben, die der Papst ablehnte, vgl. Bachem: S. 48ff

28 Bucheim: S. 197

29 Ronald J. Ross: Beleaguered Tower. The Dilemma of Political Catholicism in Wilhelmine Germany. London 1935. S. 1ff

30 ebd.

31 So waren weite katholische Teile Preußens ländlich-kleinstädtisch geprägt, wie zum Beispiel große Teile Bayerns, die Oberpfalz, die südliche Rheinprovinz und weite Teile Westfalens, vgl. Nipperdey: S. 39

32 ebd. S. 38 ff

33 Die Vorstufe des Deutschen Reichs. Preußen und die norddeutschen Kleinstaaten vereinigten sich auf Bismarcks Initiative zum Norddeutschen Bund, der an die Stelle des aufgelösten Deutschen Bundes trat. Kanzler des Norddeutschen Bundes wurde Otto von Bismarck.

34 Bucheim: S. 155

35 Ross: S. 11

36 Nipperdey: S. 46

37 Zum Beispiel: Der Borromäusverein für die katholische Volksbüchereien, der Bonifatiusverein für die katholische Diaspora und caritative Vereine, wie der Vinzenzverein und viele Berufs- und Standesvereine: Bauern, Gesellen, Kaufleute, Handwerker, Lehrer, etc. und der nationale „Verein Deutscher Katholiken“, der im Kulturkampf unterging. Nipperdey: S. 24

38 Zahl der katholischen Tagenszeitungen im Deutschen Reich stieg von 126 (1871) auf 221 (1890), von einer Auflage von 322 000 Exemplaren (1871) auf 805 000 Exemplare (1890) vgl. auch die Tabellen bei Bachem: S. 155, Nipperdey: S. 24

39 Bucheim: S. 219

40 „Sie nahm den politisch neutralen Namen „Zentrum“ an, um sowohl konservativ wie demokratisch gerichteten Mitgliedern den Zutritt zu erleichtern.“ vgl. Bucheim: S. 199 und 207

41 Auch im Gespräch waren Namen wie ‚Katholische Volkspartei’, ‚Konservative Volkspartei’, ‚Partei der verfassungstreuen Katholiken’, ‚Freisinnige Volkspartei’ und ‚Antiliberale Partei’, vgl. Christoph Weber: Eine starke, enggeschlossenen Phalanx. Der politische Katholizismus und die erste deutsche Reichstagswahl 1871. Essen 1992. (= Weber) S. 12

42 ebd.

43 ebd.

44 So z. B. Freiherr von Loë

45 Weber: S. 12

46 ebd. S. 13

47 Bachem: S. 111f

48 Bucheim: S. 204

49 Bachem: S. 137ff

50 Vergleichbare Entwicklungen zum Kulturkampf gab es in Baden, Hessen und der Schweiz

51 Bachem: S. 209

52 ebd.

53 ebd. S. 210

54 Bucheim: S. 211

55 Rudolf Lill: Der Kulturkampf (= Beiträge zur Katholizismusforschung, Reihe A, Band 10). Paderborn 1997. (= Lill) S. 12

56 Heinrich Bornkamm: Die Staatsidee im Kulturkampf. München 1950. (= Bornkamm) S. 66

57 Bornkamm: S. 65

58 „Mein Leben erhalten und verschönern zwei Dinge: meine Frau und - Windthorst, die eine ist für die Liebe da, der andere für den Haß“. Bismarck, zitiert nach Bornkamm: S. 53

59 Bornkamm: S. 10

60 Bornkamm zitiert Wahl mit der Einschränkung, dass Wahl die außenpolitichen Motive

Bismarcks stark überbewertet, wenn er in ihnen das „wesentliche Motiv“ erblickt. Bornkamm: S. 48f

61 Bachem: S. 213

62 Franz: S. 12

63 ebd. S. 13

64 Morsey: S. 11

65 Damit sind sowohl das Zentrum (Beginn des Kulturkampfes), als auch die Kirche und die Katholiken (im Laufe des Kulturkampfes) gemeint

66 Alle Gesetze zitiert nach Lill, a. a. O.

67 Errichtet wurden sie am 11. 04. 1841 von Friedrich Wilhelm IV. Grund für die Aufhebung: Die katholische Abteilung galt ganz plötzlich als quasi römische und polnische Vorhut im Zentrum Preußens, vgl. Bucheim S. 213

68 Die Anregung zu diesem Gesetz kam aus Bayern (Kultusminister Lutz), vgl. Franz-Willing und Bucheim

69 Bucheim: S. 213

70 Franz-Willing: S. 35

71 Morsey: S. 13

72 Franz: S. 231

73 Bucheim: S. 214

74 Bismarck im Reichstag am 14. Mai 1872, vgl. Bucheim: S. 214

75 Franz: S. 224

76 Franz-Willing: S. 40

77 Franz-Willing: S. 43

78 Adalbert Falk wurde im Januar 1872 ins Amt berufen. Ihm wird in der Literatur eine starke und ausgeprägte Persönlichkeit zugesprochen, die im Staatsrecht das ausschließliche Mittel zur Verwirklichung des „unbegrenzten Staatswillens“ sah, vgl. Franz S. 232

79 Bucheim: S. 214

80 Franz: S. 232

81 ebd.

82 Windthorst sprach in bezug auf diesen von einem „Inquisitionstribunal“, vgl. Morsey: S. 15

83 Michael Stürmer (Hrsg.): Das kaiserliche Deutschland. Politik und Gesellschaft 1970 - 1918. Düsseldorf 1970. (=Stürmer) S. 136

84 Dieses Gesetz fand mit einigen anderen nicht die Zustimmung des Königs und verzögerte sich deshalb. In einem Kronrat konnte Wilhelm I von den Ministern jedoch umgestimmt werden, er billigte das Gesetz. vgl. Stürmer: S. 136

85 Am 26. Mai 1873

86 „Die Kirche kann das Prinzip des heidnischen Staates, dass die Staatsgesetze die letzte Quelle allen Rechts seien und das die Kirche nur diejenigen Rechte besitze, welche die Gesetzgebung und Verfassung des Staates ihr verleiht nicht anerkennen, ohne die Gottheit Christi und die Göttlichkeit seiner Lehre und Stiftung zu leugnen, ohne das Christentum selbst von der Willkür der Menschen abhängig zu machen.“, vgl. Bachem: S. 272

87 Ihm fehlte die parlamentarische Mehrheit, um seine als „nationale Sammlung“ propagierte Schutzzollpolitik durchzusetzen. Als Koalitionspartner der Konservativen ins Auge gefasst hatte er das Zentrum.

88 Bismarck, zitiert nach Franz: S. 226

89 Bucheim: S. 229

90 In der Anzeige seiner Thronbesteigung an Kaiser Wilhelm II hatte der neue Papst sein ehrliches Bedauern über die Störungen der ehemals guten Beziehungen zwischen Kurie und Deutschland beteuert, vgl. Bucheim: S. 229

91 Seine Gründe, direkt mit dem Papst zu verhandeln tat Bismarck unter anderem im Herrenhaus kund. Er hatte den Eindruck, „dass [er] bei dem Papste Leo XIII mehr Wohlwollen und mehr Interesses für die Befestigung des Deutschen Reichs [...] finden würde, als ich zu Zeiten in der Majorität des deutschen Reichstags gefunden habe.“ Zitiert nach Franz: S. 269

92 Windthorst sah sich selbst „vor der Front erschossen“ und fürchtete einen „faulen Frieden“, vgl. Bachem: S. 413

93 Auch im restlichen Zentrum löste diese Zustimmung großes Entsetzen aus, vgl. Franz: S. 260

94 ebd. S. 266

95 „symbolischer Akt, der den Umschwung der gesamten Innenpolitik [...] und die Abkehr vom Kulturkampf [...] andeutete.“ Vgl. Franz: S. 249

96 Franz: S. 258 u. Johannes Heckel: Die Beilegung des Kulturkampfes in Preußen. Weimar 130 (= Heckel) S. 14f

97 Bachem: S. 412

98 Franz: S. 261

99 Bismarck übertrug Leo XIII die Vermittlung im deutsch-spanischen Streit um die Karolinen- Inseln und akzeptierte den Schiedsspruch des Papstes zugunsten Spaniens, vgl. Franz: S. 265

100 Lill: S. 116

101 Ausgeschlossen war jedoch immer noch die Rückkehr der Jesuiten, vgl. Lill: S. 119

102 Franz: S. 270

103 ebd. 271f

104 zitiert nach Lill: S. 62 und Franz: S. 274

105 Preußen: 1874, Reich: 1875

106 Franz-Willing: S. 45

107 zitiert nach Franz: S. 247

108 Franz-Willing: S. 36

109 Franz-Willing: S. 44

110 ebd. S. 46

112 Franz-Willing: S. 46

113 Die Zahl der katholischen Zeitungen im Reich erhöhte sich in dem Jahrzehnt zwischen 1870 und 1880 von 126 auf 221, vgl. Bachem: S. 155 und in Preußen von 56 auf 109, vgl. Franz- Willing S. 47

114 Morsey: S. 17

115 Stürmer: S. 128

116 Morsey: S. 17

117 „Weil die katholische Kirche politisch entmachtet war, wurde der Katholizismus in der modernen Form der Vereine zur Macht“, vgl. Nipperdey: S. 26

118 ebd.

119 Inoffizieller Feiertag am 2. September zur Feier des Sieges von Sedan (1870. Wurde von den Liberalen als machtvolle Demonstration reichtreuer, nationaler Gesinnung in Szene gesetzt, vgl. Nipperdey: S. 49.

120 Morsey: S. 42

121 Morsey: S. 18

122 ebd. S. 19

123 Heckel: S. 350

28 von 28 Seiten

Details

Titel
Ernste Zeiten für Katholiken - Der Kulturkampf in Preußen
Autor
Jahr
2002
Seiten
28
Katalognummer
V107274
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Fing langweilig an, wurde aber sehr interessant!
Schlagworte
Ernste, Zeiten, Katholiken, Kulturkampf, Preußen
Arbeit zitieren
Jo Marie Farwick (Autor), 2002, Ernste Zeiten für Katholiken - Der Kulturkampf in Preußen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107274

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