Das Wüstenmönchtum und seine Bedeutung für das (frühe) Christentum


Hausarbeit, 2003
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALT:

1. Vorwort

2. Vorstadien des christlichen Mönchtums

3. Antonius
3.1. Die Darstellung Antonius‘ in der „Vita Antonii“
3.2. Folgerungen aus den „Apophtegmata Patrum“
3.3. Zusammenfassend

4. Pachomius
4.1. Das Leben des Pachomius
4.2. Die Klosterregeln (Praecepta)
4.3. Zusammenfassend

5. Fazit

1. Vorwort

„Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben.“ (Mt 19,21) Dieses Bibelwort gilt als eine der Maximen des christlichen Mönchtums und führt zum Thema dieser Hausarbeit. Setzt man sich mit dem Wüstenmönchtum Ägyptens auseinander, so sind zu Anfang ein paar Fragen zu klären, so zum Beispiel: Was bedeutet der Begriff „Mönchtum“? Er ist hergeleitet vom griech. monachos, wobei die Bedeutung „für sich allein lebend“ entscheidend ist. Der Begriff Mönch wird nicht nur für die Alleinlebenden (Eremiten) gebraucht, sondern auch für die in Gemeinschaft Lebenden (Zönobiten). Diese gelten als Mönche, weil sie getrennt von Nichtmönchen für sich in der Einsamkeit leben.[1] So findet man bereits auf der Suche nach der Herkunft des Wortes „Mönchtum“ einen Zugang zu den Eremiten und den Zönobiten, zwei verschiedenen Lebensformen von Asketen, die anhand des Antonius und Pachomius beschrieben werden sollen. Die Bedeutung dieses Wüstenmönchtums für das Christentum soll abschließend in einer Zusammenfassung kurz dargestellt werden.

2. Vorstadien des christlichen Mönchtums

Das Christentum steht von seinen Ursprüngen in der spannungsgeladenen Polarität der Weltüberwindung oder Weltflucht auf der einen und Verchristlichung der Welt auf der anderen Seite. In seinen Anfängen ist das Mönchtum von Weltüberwindung und Weltflucht bestimmt, es entfaltet sich jedoch seit der Spätantike zur Verchristlichung dieser Welt.[2]

Das christliche Mönchtum ist begründet im Orient, erwachsen aus dem Eremitenwesen, das der altchristlichen Askese entstammt. Askese meint im weitesten Sinne „Übung“, bezogen auf den Wüstenasketen, den es an dieser Stelle zu definieren gilt lässt sich sagen, er übe sich in absoluter Verfügbarkeit für Jesus Christus.[3] Er verlässt seine Mitmenschen, zieht sich in die Einsamkeit zurück, um sich ganz seinem Herrn zu widmen. Als Vorbild zieht der Asket Jesus Christus selbst heran, für den das Loslassen allen weltlichen Besitzes, ja selbst die Lösung von Heimat und Elternhaus Bedingung ist für den Eintritt in das Gottesreich. An dieser Stelle sei nur die Geschichte vom reichen Jüngling als Beispiel angeführt (Mt 19,16ff.). Die asketische Lebensweise demonstriert christliche Weltdistanz und Weltüberlegenheit. Das christliche Anachoretentum, also die räumliche Absonderung des Asketen, bildet sich Ende des dritten Jahrhunderts in Ägypten aus. Es entwickelt sich die Sitte, den Verzicht auf diese Welt in Anbetracht des kommenden Gottesreiches dadurch zu üben, das heimatliche Dorf zu verlassen, ihm zu entweichen (griech. anachorein) und eine Eremitenzelle in einiger Entfernung zu bauen. Der Eremit sucht ein Leben in Enthaltsamkeit, Buße und im Gebet zu Gott. Er schließt sich einem Alten an bzw. siedelt in seiner Nähe und lernt bei ihm die Kunst der Entsagung. Dieses formlose Einsiedlerwesen wurde in verschiedene Richtungen wesentlich durch zwei Männer weiterentwickelt. „Antonius schuf den Typ des Wüstenheiligen, Pachomius organisierte das Klosterwesen.“[4]

3. Antonius

Das Leben des Antonius (251-356) wird uns durch die „Vita Antonii“ dargeboten, verfasst von Athanasius, Patriarch zu Alexandrien (ca. 295-373). Er beschreibt ein stark stilisiertes Leben des Antonius. Diese Schrift erweist dem Historiker jedoch einen großen Dienst, indem sie das Ideal des „heroischen Asketentums und damit das Wollen jener Bewegung rein zum Ausdruck bringt, freilich auch in eine feiner durchgeistigte Sphäre erhebt und verklärt.“[5] Diese Darstellungen können kritisch betrachtet werden, indem man die Logien der „Apophtegmata Patrum“, einer aus dem 4. Jahrhundert stammenden Sammlung von Vätersprüchen, heranzieht.

3.1. Die Darstellung Antonius‘ in der „Vita Antonii“

Antonius, geboren in Mittelägypten als Sohn wohlhabender Eltern, wendet sich nach ihrem Tod, aufgerüttelt durch die Vollkommenheitsforderung Jesu (Mt 19,21), vom weltlichen Leben ab. Seine völlige Abkehr von der Nähe menschlicher Wohnungen kann als die für die Entwicklung des Wüstenmönchtums entscheidende Tat des Antonius beschrieben werden.[6] Zunächst lebt er Nach der Weisung der Alten, begibt sich dann jedoch zu einer weit vom Dorf entfernten Nekropole und lebt in einem Grab. Er befindet sich hier im ständigen Kampf mit Dämonen, an denen er seine Kraft erprobt und denen er erfolgreich Widerstand leistet. Schließlich entschließt sich Antonius zu einem Schritt, den sein alter Lehrmeister mitzumachen verweigert, er überquert den Nil und wandert in die weite Wüste hinaus ins Gebirge. Als Wohnung dient ihm hier ein verlassenes Kastell. Zwanzig Jahre lebt Antonius in dieser Einsamkeit, versorgt mit Thebanischem Dauerbrot, das alle sechs Monate von Freunden erneuert wird im ständigen Kampf mit den Dämonen. Freunde, die hin und wieder seine Behausung aufsuchen, bekommen ihn während der gesamten Zeit nie zu Gesicht. Eine gut überschaubare Überlieferung der Vita Antonii bietet Emma Brunner-Traut. Antonius wird hier durch Athanasius eine große Ansprache[7] an die Mönche in den Mund gelegt, in der er ihnen „die Rechte Art der Askese“[8] weist. Die Beschreibungen des Wegs der Tugend, gesehen aus philosophischer (Verständigkeit, Tapferkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung, Einsicht), als auch aus christlicher Sicht (Glaube an den Herrn Jesus Christus, Freiheit von Zorn, Gastlichkeit), senkt sich schnell zu dem, was Athanasius wohl als die praktische Aufgabe des mönchischen Lebens erscheint, nämlich der Kampf gegen die Dämonen.[9] Diese Ansprache fällt wohl in die Zeit seines Wirkens als Meister und Lehrer der Askese, das er mit 55 Jahren beginnt. Pilger suchen ihn auf und er wirbt für seine Art der Askese, so dass die Wüste von Mönchen bevölkert wird.[10] Antonius darf also als der Vater dieser Mönchsniederlassungen verstanden werden.

[...]


[1] vgl. Burkhardt/Swarat, ELThG, Bd. 2, „Mönchtum“, 1365.

[2] vgl. Schwaiger, Mönchtum Orden Klöster, 9; Schwaiger/Heim, Orden und Klöster, 96f.

[3] vgl. Burkhardt/Swarat, ELThG, Bd. 1, „Askese“, 139ff.

[4] Lietzmann, Geschichte der Alten Kirche, Bd. IV, 125 (1117).

[5] Lietzmann, Geschichte der Alten Kirche, Bd. IV, 127 (1119).

[6] vgl. ebd., 125 (1117).

[7] vgl. Brunner-Traut, Die Kopten, 99ff.

[8] Lietzmann, Geschichte der Alten Kirche, Bd. IV, 128 (1120).

[9] vgl. Brunner-Traut, Die Kopten, 101ff. und Lietzmann, Geschichte der Alten Kirche, Bd. IV, 128 (1120).

[10] vgl. Lietzmann, Geschichte der Alten Kirche, Bd. IV, 126 (1118).

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Das Wüstenmönchtum und seine Bedeutung für das (frühe) Christentum
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin  (Religionspädagogik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
12
Katalognummer
V10728
ISBN (eBook)
9783638170765
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wüstenmönchtum, Bedeutung, Christentum
Arbeit zitieren
Dipl.Rel.Paed./Diakon Florian Elsner (Autor), 2003, Das Wüstenmönchtum und seine Bedeutung für das (frühe) Christentum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10728

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