Langgässer, Elisabeth - An der Nähmaschine


Referat / Aufsatz (Schule), 1997

10 Seiten


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Gliederung:

A: Einleitung mit kurzer Inhaltsangabe

B: I. Inhaltliche Struktur des Textes in neun Abschnitten
1. Beschreibung von Frau Behagels Weg zur Arbeit
2. Frau Behagel beim Arbeitsamt
3. Beschreibung des Fabrikgebäudes
4. Dialog zwischen Frau Behagel und der Sekretärin der Firma
5. Arbeitserläuterungen der Directrice
6. Dialog zwischen Frau Behagel und der Directrice
7. Nähversuche Frau Behagels
8. Eintreffen der Chefin
9. Anweisung einer neuen Arbeit an Frau Behagel
II. Personenkonstellation
1. äußeres Umfeld: Verhältnis
a) der anderen Frauen,
b) des Beamten des Arbeitsamtes und
c) der anderen Arbeiterinnen zu Frau Behagel
2. inneres Umfeld: Verhältnis
a) der Sekretärin des Arbeitsamtes,
b) der Meisterin,
c) der Directrice,
d) der Sekretärin der Firma und
e) der Chefin zu Frau Behagel
III. Sprachliche Gestaltung
1. Sprachebene
2. Stilmittel der Wiederholung
3. Bildhafte Sprache
4. Akkumulationen
5. Ellipsen
6. Sonstiges:
a) rhetorische Fragen
b) Litotes
c) Klimax
d) Antithesen
IV. Deutung der Geschichte unter Berücksichtigung des geschichtlichen Hintergrundes:
1. Identifizierung der Autorin mit der Hauptperson
2. Hilfsbereitschaft anderer Menschen auch im 2. Weltkrieg

C: Schlußmit Hinweis auf untypischkeiten der Kurzgeschichte und Gedanke, daßes mehr helfende Menschen im 2, Weltkrieg hätte geben sollen.

Die Kurzgeschichte „An der Nähmaschine“, von Elisabeth Langgässer ist in den Nachkriegsjahren zwischen 1945 und 1950 entstanden. Sie handelt von einer gebildeten Halbjüdin, die ihren eigenen Beruf nicht ausüben darf und eine Arbeit als Näherin zugewiesen bekommt, obwohl sie nicht nähen kann versucht sie es trotzdem und bekommt, nachdem sie erzählt hat was sie eigentlich kann, Hilfe von ihrer Chefin, die ihr, trotz der Gefahr dafür angezeigt zu werden, eine Arbeit beschafft, die sie ausüben kann.

Zunächst soll die inhaltliche Struktur analysiert werden, wobei sich der Text in neun Sinnabschnitte aufteilt.

Im ersten Abschnitt wird erzählt daßFrau Behagel mit der U-Bahn über eine Stunde braucht um zu ihrem neuen Arbeitsplatz zu gelangen. Außerdem erfährt der Leser, daßFrau Behagel Kinder hat und sich deswegen fragt, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn sie sich um einen näheren Arbeitsplatz bemüht hätte.

Danach erfolgt eine kurze Rückblende auf das Geschehen beim Arbeitsamt, wo Frau Behagel ihren Arbeitsplatz zugewiesen bekommt. Darin beschreibt die Autorin den Beamten beim Arbeitsamt, den die Frau aufgrund seines Aussehens insgeheim als „ Haifisch “ (Z. 12,17) betitelt: ein geschniegelter, kleiner Kerl, „ mit unbarmherzigem Gesicht “ (Z.13). Es erfolgt ein Dialog zwischen der Sekretärin des Arbeitsamtes und Frau Behagel. Durch diesen Dialog erfährt man, daßFrau Behagels Chefin nicht so streng ist wie sie es vorgibt. Außerdem weist Frau Behagels Aussage, daßsie nicht nähen kann, darauf hin, daßsie ihre Tätigkeit an einer Nähmaschine ausüben muß. Auch wird anhand mehrerer rethorischer Fragen der Sekretärin an Frau Behagel gezeigt, daßdiese Stelle noch die beste Alternative ist um nicht „ Kohlen schippen “ oder „ Schutt fortschaffen “ zu müssen(Z.19).

Der folgende Abschnitt beschreibt die Gegend in der sich die Arbeitsstelle Frau Behagels befindet. Es handelt sich um ein tristes und trostloses Gebiet, das von der Verwüstung des Krieges gezeichnet ist. Hier findet man auch das erste Mal eine Andeutung auf den Krieg: „ ...zerbombte(n) Häuser(n)... “ (Z.25). Nur vor fünf Fabriken, unter anderem auch die, in der Frau Behagel arbeiten soll, hatte „ die Verwüstung hier haltgemacht “ (Z.26)

Der nächste Absatz beschreibt das Szenario, als Frau Behagel zum ersten Mal ihre neue Arbeitsstelle betritt. Im Dialog mit der „ häßliche(n) “ (Z.33) Sekretärin der Firma mußsie sich als „ Mischling-Halbjüdin “ (Z.36) zu erkennen geben. Sie wird zur Directrice geschickt, „ eine(r) liebenswürdige(n) Dame “ mit „ energische(n) Schultern “ (Z. 39f), die ihr die Arbeit zuweisen soll. Daraufhin stößt Frau Behagel auf die Directrice, die ihr und einer Gruppe von anderen Frauen, die Arbeit, die sie verrichten sollen, erklärt. Durch die Aussagen zweier Frauen sieht man, daßes zu jener Zeit nicht selbstverständlich war, eine Nähmaschine zu besitzen: „ Das einzige, was ich gerettet habe. “ (die Nähmaschine) - „ Da können sie glücklich sein,... “ (Z.49f). Auch ist es wichtig zu erwähnen, daßFrau Behagel die ganze Zeit, trotz ihrer Bemühungen „ den Worten zu folgen “ (Z.58), nichts von den Ausführungen der Directrice, wie man jenes Kleidungsstück nähen solle, versteht.

Nachdem die anderen Frauen den Saal verlassen haben, beginnt ein neuer Abschnitt, mit dem Dialog zwischen der Directrice und Frau Behagel. Diese eröffnet der Directrice, daßsie nicht nähen kann, was diese nicht für „ möglich “ (Z.76) hält. In diesem Gespräch kann man viel über das familiäre Umfeld der Frau Behagel erfahren, zum Beispiel daßihr Mann Archäologe und jetzt „ im Krieg “ (Z.85f) ist, und daßihre Familie nicht besonders arm sein kann, da sie sich eine „ Flickfrau “ (Z.82) leistet. Der Dialog endet mit dem Befehl, daßFrau Behagel am nächsten Tag zum Anlernen wiederkommen soll.

In dem nachfolgenden Absatz werden die unglücklichen Versuche Frau Behagels beschrieben, mit der Nähmaschine umzugehen. Auch die Schaulust der anderen Arbeiterinnen, die während der Pausen dafür sogar „ scharenweise “ (Z.104) die Plätze verlassen, wird hier dargestellt.

Darauf folgt ein Zeitsprung zum nächsten Tag, an dem die Chefin, die gerade von einer Dienstreise zurückkommt, in den Saal stürmt. Sie fragt Frau Behagel aus warum es mit der Arbeit nicht geht, und Frau Behagel, die immer aufgeregter wird, sagt ihr schließlich, daßsie eigentlich nur andere Sachen kann. Dabei erfährt man, daßsie eine sehr gebildete Frau ist, da sie über ein fundiertes Grundwissen verfügt und außerdem studiert hat: „ Unregelmäßige griechische Verben. Den Lehrsatz des Pythagoras. Analytische Geometrie. “ (Z.123f) und „ Mein Gebiet ist antike Gräbersymbolik... “ (Z.128f). Dies stellt auch den Höhepunkt der Geschichte dar, weil sich hier die Handlung vollkommen ändert: Frau Behagel ist nicht mehr „ eine jüdische Frau, die nicht einmal tüchtig ist “ (Z:91), sondern eine Studierte, und somit nicht mehr den anderen Arbeitern unterlegen.

Der letzte Abschnitt beinhaltet die Reaktion der Chefin auf Frau Behagels Ausbruch. Sie befiehlt den verwirrten Arbeiterinnen weiterzuarbeiten, und droht ihnen sogar mit einer Anzeige. Durch den Ausruf der Chefin: “ Es ist noch Krieg, es ist immer noch Krieg [...]. Totaler Krieg! “ (Z.138f) , kann der Leser zum ersten Mal richtig erkennen, in welcher Zeit die Geschichte spielt, nämlich zwischen 1943 und 1945. Auch weist die Chefin, trotz heftiger Einsprüche der Sekretärin, Frau Behagel eine neue Arbeit bei einem „ Elektrobetrieb “ (Z.144f) zu, obwohl Frau Behagel als Halbjüdin diese Arbeit nicht verrichten dürfte. Darin spiegelt sich gut die von der Sekretärin des Arbeitsamtes erwähnte Gutmütigkeit der Chefin wieder: „ Sie tut nur so streng. Aber sie ist es nicht. “ (Z. 15).

Als nächstes soll nun näher auf die Personenkonstellation eingegangen werden, das heißt auf das Verhältnis der verschiedenen Personen der Geschichte zu Frau Behagel, wobei als erstes das äußere Umfeld behandelt werden soll.

Hierbei sind zunächst die anderen Frauen zu erwähnen, die, zusammen mit Frau Behagel, von der Directrice ihre Arbeit an der Nähmaschine erläutert bekommen. Da sie in ihrer Anwesenheit kein Wort von Frau Behagel hören, da diese erst nachdem die Frauen den Saal verlassen haben erzählt, daßsie nicht nähen kann, sind sie ihr gegenüber wahrscheinlich ziemlich neutral eingestellt.

Auch der Beamte des Arbeitsamtes hat wahrscheinlich eine neutrale Einstellung zu Frau Behagel, da diese für ihn nur eine namenlose Kundin darstellt, um die er sich nicht kümmert. Frau Behagel hingegen scheint den „ Haifisch “ (Z.12 u. 17), wie sie ihn in Gedanken nennt, jedoch nicht zu mögen, was man auch schon an der Beschreibung des Beamten erkennt: „ ...einen geschniegelten, kleinen Kerl mit unbarmherzigen Gesicht... “ (Z.12f). Wichtig zu erwähnen sind hier vor allem auch die anderen Arbeiterinnen die in den Pausen „ scharenweise “ (Z.104) ihre Plätze verlassen um Frau Behagel zuzusehen. Für sie ist Frau Behagel eine willkommene Abwechslung im Arbeitsalltag und eine Attraktion wie „ ein Zirkustier “ (Z.110), über das sie lachen können. Außerdem fühlen sie sich bis zum Ausbruch Frau Behagels ihr überlegen und reagieren auf deren Aussage, daßsie studiert hat, verwirrt, da sie nun selber die eigentlichen Unterlegenen sind: „ Ein ganz junges Ding aus dem Publikum fing plötzlich zu kichern an; ihre Freundin prustete gleichfalls los... “ (Z.132f).

Von wesentlicher Bedeutung ist hier jedoch vor allem das innere Umfeld. Dazu gehört auch die Sekretärin des Arbeitsamtes, die Frau Behagel zu dieser Arbeitsstelle rät. Sie ist Frau Behagel freundlich gesonnen, da sie ihr eine freundliche Chefin wünscht. Außerdem ermuntert sie Frau Behagel als diese ihr erzählt sie könne nicht mit einer Nähmaschine umgehen, daßman es ihr in der Firma schon beibringe (Z.23).

Auch die Meisterin bringt Frau Behagel Sympathie entgegen, was man leicht daran erkennt, daßsie sie vor den Folgen schützen will, die sich ergeben, wenn Frau Behagel nicht nähen kann: „ Die Meisterin drängte das Publikum rasch zur Seite und stellte sich vor die Nähmaschine wie ein Huhn, das sein Küken beschützt... “ (Z.115f). Außerdem versucht sie geduldig Frau Behagel das Nähen beizubringen, ohne ihr einmal einen Vorwurf zu machen. Das Einzige was sie sagt ist: „ Sind sie denn wirklich so dumm, Frau Behagel ? “ (Z.100), und diese Aussage läßt sich wahrscheinlich auch nur darauf zurückführen, daßdie Meisterin nicht verstehen kann, daßjemand nicht mit einer Nähmaschine umgehen kann.

Auch die Directrice kann dies nicht verstehen. Deshalb ist sie Frau Behagel gegenüber voreingenommen. Als diese ihr nämlich erzählt, daßsie nicht mit einer Nähmaschine nähen kann, obwohl sie eine zu Hause hat, wird die Directrice sogar beleidigend. Sie sagt, daßFrau Behagels Mann doppelt bestraft sei, weil er eine jüdische Frau hat, die „ nicht einmal tüchtig ist “ (Z.91), weil sie sich nur vorstellen kann, daßjemand trotz Nähmaschine nicht näht, wenn dieser faul ist. Aber diese Beleidigung hat nicht den rassistischen Hintergrund wie die Äußerungen der Sekretärin der Firma.

Diese wird nämlich schlagartig unfreundlich als sie auf dem Zuweisungszettel Frau Behagels ein M sieht, das damals wohl Zeichen dafür war, daßjemand Halbjude oder Jude war: „ Gleich darauf sagte sie, scharf wie ein Messer: „ Ich sehe schon. Hier ist das M in der Ecke. Also? ““ ( Z. 34f). Auch die Bewegung die die Sekretärin macht, weist darauf hin: „ - eine Bewegung, als schnickte das Fräulein mit dem Oberkörper nach einer Fliege-... “ (Z.37f). Sie möchte wahrscheinlich die Halbjüdin am liebsten wie eine Fliege einfach wegschnicken. Dazu kommt noch ihre Schadenfreude, als sie erkennt, daßFrau Behagel trotz aller Bemühungen nicht nähen kann, und ihre Entrüstung, als die Chefin Frau Behagel eine neue Arbeitsstelle zuweist, die diese als Halbjüdin gar nicht ausführen darf.

Die Chefin jedoch gehört auch zu den Personen, die Frau Behagel wohlgesonnen sind. Obwohl sie am Anfang streng tut, wie auch schon die Sekretärin des Arbeitsamtes zu Frau Behagel gemeint hat, ist sie jedoch sofort, nachdem sie erkennt, daßFrau Behagels Unvermögen zu nähen nicht daran liegt, daßsie faul ist, sondern daßsie dafür eben andere Dinge besser kann, auf Frau Behagels Seite. Sie hilft ihr, indem sie die anderen Arbeiterinnen zurück zu ihrer Arbeit schickt, damit diese sich nicht mehr über Frau Behagel lustig machen können. Außerdem gibt sie ihr eine andere Arbeit, die sie besser, und auch in Heimarbeit, ausführen kann. Dies tut sie, obwohl es nicht erlaubt ist und es auch schlimme Folgen für sie selbst haben könnte.

Als nächstes soll nun die sprachliche Gestaltung genauer untersucht werden. Hierbei wäre als erstes die Sprachebene zu nennen. Die Autorin drückt sich sehr einfach aus, vor allem in den wörtlichen Reden. Das kann man sehr gut anhand der Aussage der Sekretärin des Arbeitsamtes belegen. Anstatt „Kohle schaufeln“ benutzt sie den umgangssprachlichen Ausdruck „ Kohle schippen “ (Z.19). Aber auch im restlichen Text findet man Hinweise auf eine recht einfache Sprachebene. So zum Beispiel in Zeile 113: „ ...kam auf die Behagel zu. “ . Hier müßte es eigentlich heißen: „...kam auf Frau Behagel zu“.

Erwähnenswert ist auch das Stilmittel der Wiederholung. Hierzu gehören Anaphen, Epiphen und normale Wiederholungen. Durch die Verwendung dieser Stilmittel will die Autorin das Gesagte für den Leser noch eindringlicher machen, wie zum Beispiel in den Zeilen 137/138: „ „ Es ist noch Pause. “ „ Es ist noch Krieg,... “, durch die Wiederholung von „Es ist noch“. Andere Beispiele für Anaphen, Epiphen und Wiederholungen sind: „ Auch morgen geht es nicht. Es gehtüberhaupt nicht. “ (Z.119), „ Weil ich nicht kann. Ich kann andere Dinge. So etwas kann ich nicht. “ (Z.121) und „ Es ist noch Krieg, es ist immer noch Krieg, wollt ihr sagen [...]. Totaler Krieg!... “ (Z.138f). Durch letzteres will die Autorin besonders darauf aufmerksam machen, daßKriegszustand herrscht.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Bildhaftigkeit ihrer Sprache. So verwendet sie viele wertende Adjektive, Metaphern und Vergleiche. Mit diesen Stilmitteln macht sie es dem Leser möglich, sich alles genau vorzustellen und den Inhalt richtig zu erfassen. So wirft das Adjektiv „ häßlich “ (Z. 33) gleich ein schlechtes Licht auf die rassistische Sekretärin. Auch Metaphern wie „ Haifisch “ ( Z. 12 u. 17), wirken so auf den Leser, daßdieser sich unter dem derart beschriebenen Menschen jemanden vorstellt, der die dem Hai zugeordneten Charaktereigenschaften besitzt. Auch die Vergleiche lassen eine Situation für den Leser bildhafter erscheinen, wie zum Beispiel „ scharf wie ein Messer “ (Z. 35), „ ...wie um ein Zirkustier... “ (Z.110), „ ...wie aus der Pistole geknallt “ (Z. 111f) und „ ...wie ein Huhn, das sein Küken beschützt “ (Z.116). Auch verwendet sie dazu einige Lautmalereien: „ Maschinengeklapper “ (Z.16), „ seufzte “ (Z.111)

Desweiteren bedient sich die Autorin einer Reihe von Akkumulationen, also Aufzählungen. Diese benutzt sie, um daßAusmaßdes Aufgezählten zu betonen. So auch in den Zeilen 28 bis 31, in denen sie beschreibt, wie viele Firmen in dem einen Gebäude untergebracht sind. Weitere Beispiele dafür wären die Aufzählung der verschiedenen Kleidungsstücke, die die Frauen vielleicht schon genäht haben (Z.54f), die Aufzählung der Fehler, die Frau Behagel beim Nähen macht (Z.95ff), und Frau Behagels Aufzählung: „ Unregelmäßige griechische Verben. Den Lehrsatz des Pythagoras. Analytische Geometrie. “ (Z.123f).

Auffällig ist die große Anzahl von Ellipsen die hier verwendet werden, wahrscheinlich um die Sprache natürlicher, also umgangssprachlicher wirken zu lassen, wie in dem Gespräch zwischen Frau Behagel und der Directrice: „ „ Doch. “ „ Und Sie haben noch niemals zugesehen - ? “ „ Nein, niemals. ““ (Z.77ff). Weitere Beispiele hierzu kann man in den Zeilen 16, 19, 32, 35f, 45, 56f, 67, 90, 120, 123 und 139 finden.

Außer diesen häufig vorkommenden Stilmitteln hat die Autorin noch andere benutzt, die auch erwähnenswert sind.

So benutzt sie mehrere rhetorische Fragen um den Leser dazu anzuregen, selber über die jeweilige Situation nachzudenken, wie zum Beispiel: „ Wollen Sie lieber Kohlen schippen? Schutt fortschaffen? Und ihre Kinder? “ (Z. 19)

Auch kann man zweimal einen Litotes finden, mit dem die Autorin eine Aussage abschwächen will. Der erste: „ ...nicht ohne Stolz “ (Z.47) bedeutet eigentlich, daßdie Frau, von der hier die Rede ist, eigentlich sogar sehr stolz darüber ist, daßsie eine Nähmaschine hat, und daßdies zu dieser Zeit keine Selbstverständlichkeit war. Der andere Litotes: „ ...ein nicht gutes, scharfes Lachen. “ (Z.88) soll also betonen, daßdieses Lachen sehr böse war.

Außerdem benutzt die Autorin zweimal einen Klimax. Im ersten will sie damit betonen wie gebildet Frau Behagel ist: „ Unregelmäßige griechische Verben. Den Lehrsatz des Pythagoras. Analytische Geometrie. “ (Z.123f). Der Klimax „ „ Es ist noch Pause. “ „ Es ist noch Krieg, es ist immer noch Krieg,[...].Totaler Krieg ““ (Z.137ff) soll betonen, daßtotaler Krieg herrscht.

Desweiteren findet man in der Geschichte mehrere Antithesen: „ ...dunkles Gesicht zu der blonden Chefin “ (Z.118) und „ „ Es ist noch Pause. “ „ Es ist noch Krieg,... “ (Z.137f), mit der die Autorin die krassen Gegensätze vergleicht.

Im Folgenden soll nun eine Deutung des Textes vorgenommen werden, wobei der geschichtliche Hintergrund berücksichtigt werden soll.

Frau Elisabeth Langgässer, die Autorin der Geschichte, war zwar getaufte Katholikin, aber laut den Nürnberger Gesetzen von 1935 Halbjüdin. Im Rahmen der Judenverfolgung im 2. Weltkrieg, in dem diese Geschichte ja auch spielt, wurde es Juden und Halbjuden verboten in bestimmten Bereichen - vor allem in denen, für die man eine hohe Bildung brauchte- zu arbeiten. So durfte Elisabeth Langgässer auch nicht mehr schreiben. Da die Geschichte und das Leben Elisabeth Langgässers viele Parallelen aufzuweisen haben, kann man behaupten, daßsich die Autorin mit Frau Behagel in der Geschichte identifiziert und über diese Frau ein fiktives Beispiel aus ihrem Leben zeigen will um ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Sie will damit aber auch zeigen, daßes nicht nur rassistische Leute im 2. Weltkrieg gegeben hat, sondern auch Menschen die bewußt etwas riskiert haben, um den Juden oder anderen Verfolgten zu helfen, so wie die Chefin in dieser Kurzgeschichte, die sogar schon zwischen 1943 und 1945 spielt. In dieser Zeit gab es nämlich schon die „Endlösung“, die besagte, daßdie ganze jüdische Rasse ausgerottet werden sollte. Im Anbetracht dieses Aspektes war es also ein noch größeres Risiko als je zuvor, einem Juden zu helfen.

Abschließend ist noch zu erwähnen, daßdie Geschichte „An der Nähmaschine“ keine typische Kurzgeschichte ist, da sie mehrere Ortswechsel und Zeitsprünge enthält. Außerdem soll noch gesagt werden, daß, wenn es vor und im 2.Weltkrieg mehr von solchen Leuten wie der Chefin gegeben hätte, die Zahl der Opfer wohl wesentlich geringer gewesen wäre. Zwar hat es bestimmt viele Leute gegeben die keinen Unterschied zwischen Juden und anderen Menschen gemacht haben, aber davon haben leider nur wenige den Mut gehabt, entgegen aller Befehle, den Juden zu helfen.

9 von 10 Seiten

Details

Titel
Langgässer, Elisabeth - An der Nähmaschine
Veranstaltung
Hausaufsatz (1 Woche Zeit) 11.Klasse
Autor
Jahr
1997
Seiten
10
Katalognummer
V107322
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Interpretation eines poetischen Textes
Schlagworte
Langgässer, Elisabeth, Nähmaschine, Hausaufsatz, Woche, Zeit), Klasse
Arbeit zitieren
Morlin Milewski (Autor), 1997, Langgässer, Elisabeth - An der Nähmaschine, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107322

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