William Hickey und das Leben in London zur Zeit George III.


Hausarbeit, 2000
16 Seiten, Note: 1,0

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung Seite

2. William Hickey Seite

3. Die Situation in England vor George III. Seite

4. George III. Seite

5. Wichtige politische Ereignisse Seite
5.1. Der John Wilkes - Aufstand 1768 Seite
5.2. Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg 1775 - 1783 Seite
5.3. Die Französische Revolution 1789 und der Krieg gegen Frankreich Seite
5.4. Die Union von Großbritannien und Irland 1801 Seite

6. Die Gesellschaft und soziale Aspekte Seite
6.1. Die Krönung George III. 1761 Seite
6.2. Die Lord Gordon - Aufstände 1780 Seite
6.3. Die Industrialisierung Seite
6.4. Die Rolle der Frau Seite

7. Das kulturelle Leben Seite
7.1. Dinner-Parties Seite
7.2. Sport Seite
7.3. Sonstige Vergnügungen Seite

8. Die Mittelschicht und die Unterschicht Seite

9. Schlußwort Seite

Literaturverzeichnis Seite

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit basiert auf dem Buch „Memoirs of William Hickey“, herausgegeben von Peter Quennell. Sie stellt das Leben in England, insbesondere in London, während der Herrschaft George III. dar. Der Schwerpunkt liegt auf den Personen und Gegebenheiten, die William Hickey in seinen Memoiren beschreibt. Als Angehöriger der oberen Mittelschicht schildert er hauptsächlich die Lebensweise und Gewohnheiten der Reichen. Um ein vollständigeres Bild der Situation im London des ausgehenden 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts zu zeigen, werde ich jedoch auch auf andere Personen, Ereignisse und Gegebenheiten eingehen. Dennoch kann diese Arbeit nur einen Abriß darstellen, da ich auf viele Aspekte des Lebens wie zum Beispiel Religion, Kunst, Architektur, usw. aus Gründen des Umfangs verzichten werde.

Zuerst werde ich kurz die beiden für diese Arbeit wichtigsten Personen, William Hickey und George III., vorstellen und auf bedeutende politische Ereignisse während der Regierungszeit George III. eingehen. Danach werde ich gesellschaftliche, soziale und kulturelle Aspekte des Lebens in London behandeln. Zum Schluß folgt ein kurzer allgemeiner Einblick in das Leben der Mittel- und der Unterschicht.

2. William Hickey

William Hickey wurde am 30.06.1749 als siebtes Kind eines Anwalts geboren. Er wuchs in London auf und machte ebenfalls eine Ausbildung zum Juristen. Er reiste nach Jamaika, China und mehrmals nach Indien, wo er viele Jahre lang seinen Beruf ausübte. 1808 kehrte er nach England zurück und begann aus Langeweile damit, seine Memoiren zu schreiben. William Hickey starb vermutlich am 31.05.1830 in London.1

3. Die Situation in England vor George III.

Zwischen 1740 und 1760 führte England in den Kolonien in Indien und Nordamerika Kriege gegen Frankreich, in denen es hauptsächlich um Gebietsansprüche ging.21756 brach der 7jährige Krieg in Europa aus, in den fast alle europäischen Mächte verwickelt waren. In England kam es zu einer Regierungskrise wegen der hohen Staatsverschuldung und der außenpolitischen Isolation mit Preußen als einzigem Bündnispartner.3Dennoch erhielt England im Frieden von Paris im Jahr 1763 unter anderem Kanada und Bengalen.4

George I. (1714-1727) und George II. (1727-1760), die beiden Vorgänger George III., gaben einige königliche Privilegien wie z. B. das Recht, das Parlament aufzulösen oder Ministerien einzurichten, und das Recht der Ämterbesetzung an die Regierung ab, wodurch die Machtstellung des Königs wesentlich geschwächt wurde.5Unter George III. kam es zu Spannungen mit dem Parlament, da er diese Rechte für den König zurückgewinnen wollte.

4. George III.

George III., geboren am 4. Juni 1738 in London als Sohn des Prinzen von Wales, wurde mit 12 Jahren nach dem Tod seines Vaters zum Thronerben. Der Earl of Bute, ein enger Freund seiner Mutter, wurde sein Lehrer und Vorbild. 1760 folgte George III. seinem Großvater George II. nach dessen Tod auf den Thron und wurde König von Großbritannien und Kurfürst von Hannover. Politisch ließ sich George anfangs stark von Bute beeinflussen, was zu innenpolitischer Instabilität mit schnell wechselnden Regierungen führte, da Bute die Spannungen zwischen Krone und Parlament noch verstärkte. Außerdem war England nach dem 7jährigen Krieg in Europa außenpolitisch isoliert. Dadurch in die öffentliche Kritik geraten, trat er 1763 von seinem Amt als Premierminister zurück. Später warf man George III. vor, für den Verlust der amerikanischen Kolonien verantwortlich zu sein, weil er darauf bestand, daß sie Steuern an England zahlten, um die hohe Staatsverschuldung zu bekämpfen, die durch den Krieg gegen Frankreich entstanden war, der u. a. zum Schutz der Kolonien geführt worden war.

1788 erlitt der König einen Anfall von Geisteskrankheit, erholte sich aber im folgenden Jahr wieder. In den darauffolgenden Jahren überließ George die Politik mehr und mehr seinem Premierminister William Pitt, dem Jüngeren, der schon seit 1783 regierte und für innenpolitische Stabilität sorgte. Uneinigkeit über die Bildung des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Irland im Jahr 1801 und über die Rechte der Katholiken führten zum Rücktritt Pitts.

Als George III. 1811 wieder einen Anfall von Geisteskrankheit hatte, wurde sein Sohn, der spätere George IV., zum Regenten ernannt. George III. lebte bis zu seinem Tod am 29. Januar 1820 mit Ausnahme weniger Intervalle im Zustand geistiger Umnachtung.6

5. Wichtige politische Ereignisse

5.1. Der John Wilkes - Aufstand 1768

„Early in this month, May 1768, the famous riots occurred, on account of Mr. Wilkes“7, schreibt William Hickey in seinen Memoiren. In seiner politischen ZeitungNorth Britonbegann John Wilkes, ein Parlamentsabgeordneter, 1762 damit, die Regierung des Earl of Bute und den König scharf zu kritisieren.8Denn einige Abgeordnete hatten den Verdacht, daß sich George III. wieder mit dem Earl of Bute eingelassen habe, um gemeinsam dem Parlament seine Rechte streitig zu machen.9In der 45. Ausgabe vom 23. April 1763 griff Wilkes sogar die Thronrede George III. an, was dazu führte, daß die Zeitung öffentlich verbrannt werden sollte.10

Die Bevölkerung war empört über diesen Angriff auf die Pressefreiheit und stand hinter Wilkes, der wegen seiner Immunität als Abgeordneter nicht verhaftet werden konnte. Als man ihm diese entziehen wollte, setzte er sich im Januar 1764 nach Frankreich ab. Daraufhin wurde er in England aus dem Parlament ausgeschlossen und für vogelfrei erklärt.11

Dennoch kehrte er 1768 nach England zurück und wurde erneut ins Unterhaus gewählt.12Danach stellte er sich den Behörden, verzichtete auf seine Rechte als Abgeordneter, wurde verhaftet und mußte für zwei Jahre ins Gefängnis.13Am 10. Mai „full a thousand seamen made their promised visit [at the prison], again mounting to Mr. Wilkes’s window, offering him liberty if he chose it”.14William Hickey, der die Ereignisse miterlebt hat, schreibt, daß „a stupid, over- zealous justice, however, thought proper to read the Riot Act”.15 Diese Aufruhrakte ruft die versammelte Menge dazu auf, friedlich auseinanderzugehen. Laut Hickeys Bericht hat aber nur ein sehr kleiner Teil der Menge die Ergreifung dieser Maßnahme mitbekommen, so daß die Soldaten nun Gewalt anwendeten, um die Menschen zu zerstreuen. Dadurch kam es zu Tumulten und Ausschreitungen, und die Soldaten eröffneten das Feuer, wobei 11 Menschen getötet wurden.16

Wilkes wurde sein Parlamentssitz aberkannt, und es wurden Neuwahlen durchgeführt, die er dreimal in Folge gewann, und die jedesmal für ungültig erklärt wurden. Schließlich nahm der unterlegene Kandidat den Sitz im Unterhaus ein, was zu einer Protestwelle seitens der Wählerschaft führte. Nach seiner Haftentlassung 1770 setzte sich John Wilkes u. a. für die Verkürzung der 7jährigen Legislaturperiode des Parlaments sowie für die Ausweitung des Wahlrechts ein.17

5.2. Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg 1775 - 1783

Der Wunsch der amerikanischen Kolonisten nach Unabhängigkeit entstand durch mehrere Faktoren.

Im Frieden von Paris mußte Frankreich sämtliche Besitzungen in Nordamerika an England abtreten. Das führte dazu, daß die Kolonien nicht mehr auf den Schutz des Mutterlandes angewiesen waren.18Außerdem wehrten sich die Amerikaner nach dem Motto „no taxation without representation“ gegen die Besteuerung durch England, da sie keine Vertreter im Parlament hatten. Es kam zu Boykotten und Protesten, die in der „Boston-Tea-Party“ von 1773 ihren Höhepunkt erreichten.19Daraufhin schloß Großbritannien den Hafen von Boston und es kam zum Krieg.

Die beiden Kongresse in Philadelphia im September 1774 und im Mai 1775 wollten noch keine Trennung von England, sie verlangten „lediglich die Wiederherstellung der alten kolonialen Rechte“.20Der Gedanke an die totale Unabhängigkeit fand erst allgemeine Zustimmung, als der König und das Parlament nicht auf die Forderungen der sogenannten Rebellen eingingen, sondern den Handel der 13 Kolonien blockierten und ihre Schiffe kaperten. Daher erklärten die Kolonien am 4. Juli 1776 ihre Unabhängigkeit.21

Der Krieg wurde von der Mehrheit der Briten befürwortet, um die Kolonien als Wirtschaftsfaktor nicht zu verlieren.22Doch es gab auch Gegenstimmen. William Hickey berichtet von einem Gespräch zweier britischer Soldaten auf Jamaika, die gegen die Kolonisten kämpfen sollten. Einer der beiden sagte: „So I hear our lads are under orders for America to harass and destroy the brave fellows for opposing tyranny and slavery” und „I don’t like the job; sending Englishmen to cut Englishmen’s throats, and that only for defending their lives and property, is not fair”.23Auch einflußreiche Politiker wie Edmund Burke oder Charles Fox wollten Zugeständnisse machen, um die Einheit des Empire zu sichern, doch George III. verfolgte seinen Kurs weiter.24

Für Großbritannien bedeutete der amerikanische Unabhängigkeitskrieg nicht nur den Verlust der 13 Kolonien, sondern auch die erneute außenpolitische Isolation in Europa, da auch Frankreich, Spanien und Holland auf seiten der Amerikaner in den Krieg eingetreten waren.25Trotzdem konnte England Kanada und Indien verteidigen und die Seeherrschaft behaupten.26

5.3. Die Französische Revolution 1789 und der Krieg gegen Frankreich

Die Französische Revolution spaltete Großbritannien in zwei Lager, ihre Befürworter vertreten durch Thomas Paine und ihre Gegner vertreten durch den konservativen Edmund Burke. Paine forderte vor allem die rechtliche Gleichstellung aller Bürger nach dem französischen Vorbild sowie die Abschaffung der Monarchie. Diese Spaltung führte zu inneren Konflikten. Im Jahr 1793 trat Großbritannien in den Krieg ein, um das europäische Machtgleichgewicht zu erhalten und den Eroberungsfeldzug Frankreichs zu stoppen. Zuerst kämpfte England mit wechselnden Bündnispartnern nur gegen Frankreich, später auch gegen Spanien. Unter Napoleon plante Frankreich die Invasion der britischen Inseln, was er jedoch wieder aufgeben mußte. Entscheidend geschlagen wurde Frankreich im Juni 1815 bei Waterloo. In Großbritannien kam es zu einer Krise in der Industrie, weil die Absatzmärkte vor allem in Übersee durch den Krieg verloren gingen.27

Als See- und Kolonialmacht gestärkt ging Großbritannien als Sieger aus dem Krieg hervor, hatte aber große soziale Probleme, weil die Menschen unzufrieden waren und mehr Rechte wollten.28

5.4. Die Union von Großbritannien und Irland 1801

Im 18. Jahrhundert ging es der überwiegend katholischen Bevölkerung in Irland sehr schlecht. Sie wurde von England unterdrückt und hatte kein Recht auf politische Mitbestimmung. Nach der Kriegserklärung Frankreichs an England stellten sich die Katholiken auf die Seite der Franzosen, was zum Bürgerkrieg mit den Protestanten führte. Der Premierminister William Pitt sah in der Union der beiden Parlamente eine Lösung, um die Ordnung wiederherzustellen. Daher versprach er den Katholiken das Wahlrecht und machte weitere Zugeständnisse. Nach der Unterzeichnung der Unions-Akte konnte er diese Versprechungen allerdings nicht halten, weil George III. sich der Emanzipation der Katholiken widersetzte.29

6. Die Gesellschaft und soziale Aspekte

6.1. Die Krönung George III. 1761

George II. starb am 25. Oktober 1760, und bereits einen Tag später wurde sein Enkel zum neuen König erklärt.30Die offizielle Krönung fand jedoch erst etwa ein Jahr später am 22. September 1761 statt, zwei Wochen nach der Hochzeit mit Charlotte Sophie von Mecklenburg-Strelitz.31

William Hickey, der an der Zeremonie in Westminster Abbey mit seiner ganzen Familie teilgenommen hat, schreibt, daß sein Vater eine Art Loge gemietet habe, aus der sie die Krönung beobachteten. Diese Loge kostete soviel wie Hickeys erste Überfahrt nach Indien. Die Kirche sei so voll gewesen, daß mehrere Tausend Menschen die Zeit während der Predigt dazu genutzt hätten zu essen, da sie nichts hätten verstehen können.32Daran erkennt man deutlich die unterschiedlichen Vorstellungen von Anstand im Vergleich zur heutigen Zeit, denn heute würde es wohl niemand für angemessen halten, während der Predigt ein Picknick auszupacken.

Hickey nahm auch an den anschließenden Feierlichkeiten in Westminster Hall teil, für die er zuvor eine Eintrittskarte von einem Bekannten seines Vaters geschenkt bekommen hatte, und die er sehr beeindruckend fand.33Die Krönung George III. war ein gesellschaftliches Großereignis, und es war sicherlich auch eine Frage des Prestiges, dort gesehen zu werden.

6.2. Die Lord Gordon - Aufstände

Die Lord Gordon - Aufstände ereigneten sich im Juni 1780 und dauerten etwa eine Woche an. Sie begannen, nachdem die „Protestant Association“ eine Petition gegen den „Catholic Relief Act“ von 1778 im Parlament vorgebracht hatte.34In diesem Gesetz wurden den Katholiken gegenüber Zugeständnisse gemacht, und sie bekamen mehr Rechte, u. a. das Recht auf freie Glaubensausübung.35Die „Protestant Association“ unter Führung von Lord George Gordon wollte erreichen, daß das Gesetz zurückgenommen wird.36Doch die Situation eskalierte, Eigentum der Katholiken wurde zerstört, Gefangene befreit und die Bank von England angegriffen. Die Ordnung wurde erst wieder hergestellt, als das Militär eingriff und führende Aufrührer hingerichtet wurden.37Lord Gordon wurde verhaftet, dann aber wieder freigelassen, weil er nie die Absicht hatte, Gewalt anzuwenden und Aufstände auszulösen, die aus der Sicht der Protestanten vollkommen erfolglos waren.38

William Hickey, der vier Jahre zuvor Bekanntschaft mit Lord Gordon gemacht hatte, erlebte die Unruhen nicht mit, da er zu diesem Zeitpunkt unterwegs von Indien nach England war. Er hat allerdings bei seiner Ankunft in London die Auswirkungen gesehen und sich von seiner Schwester die Ereignisse berichten lassen.39

6.3. Die Industrialisierung

Die Erfindung der Dampfmaschine im Jahr 1764 sowie weitere Erfindungen ermöglichten die maschinelle Verarbeitung z. B. von Baumwolle zu Garn oder die Förderung von Kohle aus tieferen Erdschichten.40 Auch der Transport von Rohstoffen und Fertigprodukten wurde durch den Ausbau des Kanalsystems ab 1761 und die Erfindung des Dampfschiffes sowie der Lokomotive vereinfacht.41Mit Hilfe der neuen Maschinen war man in der Lage, größere Mengen zu produzieren. Die Bevölkerung, die durch die sinkende Sterberate aufgrund besserer medizinischer Versorgung und hygienischer Verhältnisse rasch zunahm, stellte die nötigen Arbeitskräfte und war gleichzeitig Abnehmer der Produkte.42

Wie überall in Europa brachte die beginnende Industrialisierung jedoch auch in England große soziale Probleme mit sich. Es kam zu einer Konzentration der Bevölkerung in den industrialisierten Zentren. Der Überschuß an Arbeitskräften führte zur Verelendung vieler Familien, da die Arbeitgeber nur sehr niedrige Löhne zahlten. Deshalb waren oft auch Frauen und Kinder gezwungen, bis zu 16 Stunden pro Tag zu arbeiten.43Der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne war ab 1799 gesetzlich verboten, und sämtliche Bemühungen dieser Art wurden hart bestraft.44Im Laufe der Zeit jedoch wurden Arbeitszeiten und Kinderarbeit per Gesetz immer weiter eingeschränkt.45

Trotz aller Probleme war England das erste industrialisierte Land, und dieser Tatsache hat es zumindest zum Teil den Erhalt seiner Vormachtstellung bis ins 20. Jahrhundert zu verdanken.

6.4. Die Rolle der Frauen

Über die Rolle der Frauen lassen sich aus William Hickeys Bericht verschiedene Schlüsse ziehen. Zum einen beschreibt er seine Schwester als eine Frau, die am öffentlichen Leben teilnimmt, regelmäßig Dinner-Parties gibt und auch gerne Veranstaltungen wie Kostümbälle und Maskeraden besucht.46 Zum anderen berichtet er von der Schriftstellerin Mrs. Vaughan, die ihre Werke unter dem Namen ihres Mannes veröffentlicht.47Denn die Emanzipation der Frauen begann erst nach der Veröffentlichung von Mary Wollstonecrafts WerkVindication of the Rights of Womenim Jahr 1796, und erst danach erkämpften sie sich ihre Rolle, z. B. in der Literatur. Bedeutende Beispiele sind Jane Austen und Mary Ann Evans, die unter dem Pseudonym George Eliot veröffentlichte.48Daraus läßt sich schließen, daß es für die Schriftstellerinnen damals einfacher oder vielleicht sogar die einzige Möglichkeit war, ihre Bücher unter dem Namen eines männlichen Autors zu publizieren und zu verkaufen.

William Hickey erzählt in seinen Memoiren außerdem von zahlreichen Prostituierten in London. Es scheint üblich gewesen zu sein, daß sie über längere Zeiträume nur einem Mann zur Verfügung standen, der für ihre Wohnung und ihren Unterhalt aufkam. Hickey bezeichnet diese Männer als „keeper“.49Materiell ging es den Frauen in einer solchen Situation gut, da sie abgesichert waren. Einige hatten sogar eigene Kutschen und Pferde.

Die Rolle jeder einzelnen Frau war also abhängig vom sozialen Stand sowie der persönlichen Umgebung.

7. Das kulturelle Leben

William Hickey beschreibt sehr ausführlich das kulturelle Leben in London und die verschiedenen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, mit denen er seine Zeit verbrachte. Er berichtet zum Beispiel von regelmäßig stattfindenden Dinner- Parties, von Theaterbesuchen und Maskenbällen, von Abenden und Nächten in Schenken und Bordellen, aber auch von verschiedenen Sportarten und Reisen im In- und Ausland. Über Kunst und Literatur schreibt Hickey kaum, da er sich nicht dafür interessiert.

7.1. Dinner-Parties

Dinner-Parties fanden laut Hickeys Bericht sehr häufig und oft ohne besonderen Anlaß statt. Die Teilnehmer trafen sich meist in einer Schenke, manchmal wurde vor oder nach dem Essen Sport getrieben, wie zum Beispiel beim „field tennis club“, der sich zweimal pro Woche traf.50Wenn niemand die ganze Gesellschaft eingeladen hatte, aß und trank man gemeinsam, und jeder zahlte am Ende seinen Anteil der Rechnung. Außerdem war es in den Kreisen, in denen Hickey verkehrte, üblich, daß immer mehrere Sorten Fleisch, Geflügel, Fisch oder Wild sowie verschiedene Weine im Überfluß angeboten wurden.

Einige veranstalteten ihre Dinner im eigenen Haus, was den Vorteil hatte, daß der Gastgeber Geld sparte, weil seine Hausangestellten die Gäste bedienten, und daß die Atmosphäre angenehmer war. Hickeys Gäste waren damit sehr zufrieden, „my guests all declaring they never had seen a more elegant or a better dinner, nor better served in every respect.”51

Sehr oft endeten diese gemeinsamen Essen im Exzeß. Ausdrücke wie „overdose of champagne“, „debauch“, „completely intoxicated“ und „abominably drunk“ finden sich sehr häufig in Hickeys Bericht.52Doch damals war es, zumindest in gewissen Kreisen, üblich, sehr viel zu essen und zu trinken.53

7.2. Sport

William Hickey übte im Laufe seines Lebens einige Sportarten aus, die meisten davon, weil sie gerade in Mode waren. So ruderte und segelte er, nahm an Regatten teil, lernte auf Wunsch seines Vaters das Fechten, verbrachte Stunden beim Billard und spielte Kricket. Außerdem beliebt waren Ausritte bzw. Ausfahrten in einer Kutsche und Pferderennen.54

7.3. Sonstige Vergnügungen

William Hickey wandte sich bereits sehr früh den verschiedensten Vergnügungen zu. Er schreibt: „Many a bumper of champagne and claret have I drank [sic] in the society of this set, at taverns and brothels, accompanied by the most lovely women of the metropolis, and this before I had completed my fourteenth year.”55

Seinen ersten Kontakt mit einer Prostituierten hatte er im Winter 1762, also mit 13 Jahren.56Hickey berichtet, daß er sich während seiner Zeit in England nie mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt habe, obwohl er „[never] hesitated taking any woman that offered as a bedfellow ...“.57Nach seinem ersten Aufenthalt in Indien jedoch hatte er mehrmals über längere Zeiträume mit Syphilis zu kämpfen.58Auffallend ist, daß er zwar einige Male über die Krankheit schreibt, sie aber nur einmal (auf Seite 197) beim Namen nennt.

Diejenigen, die es sich leisten konnten, besuchten auch gerne die drei offiziell genehmigten Theater, Covent Garden, Drury Lane und Haymarket.59In den Tavernen und Bordellen vertrieb man sich häufig die Zeit mit Gesang, und vor allem bei den Männern beliebt waren Jagdgesellschaften und Glücksspiele.60

Alle diese Hobbies, Essen und sonstigen Vergnügungen nahmen natürlich viel Zeit in Anspruch. Daher verwandte Hickey auch nicht sehr viel Zeit auf die Ausübung seines Berufes. Dazu kam, daß er oft im Büro an den Folgen des vorherigen Abends litt, so daß er sich nicht auf die Arbeit konzentrieren konnte oder sogar einschlief.61Trotz allem verdiente er dabei aber genug, um diesen Lebenswandel beizubehalten.

8. Die Mittelschicht und die Unterschicht

Die Angehörigen der Mittelschicht - Händler, Kaufleute, Apotheker, usw. - strebten einen sozialen Aufstieg an. Sie versuchten daher zum Beispiel, ihren Kindern eine Ausbildung an einer der renommierten „grammar schools“ zu ermöglichen, die auch von den Kindern des niederen Adels besucht wurden.62Einige hatten zusätzlich zu ihrer Stadtwohnung ein Haus in einem der Londoner Vororte.63 Außerdem verreisten die Angehörigen der Mittelschicht gerne, allerdings meist nur innerhalb Großbritanniens. Häufige Reiseziele waren Bath, Margate und andere Orte am Meer oder mit mineralischen Quellen, wo man einen Kur- und Erholungsurlaub verbrachte.64

Die Menschen der Unterschicht konnten sich solche Reisen nicht leisten. Zur Unterschicht gehörten Menschen ohne jegliches Einkommen ebenso wie Straßenhändler und die schlecht bezahlten Lehrlinge bis hin zu Haus- und Büroangestellten und Handwerkern. Den letztgenannten drei Gruppen ging es noch relativ gut, da sie über regelmäßige, wenn auch geringe Einkommen verfügten.65

Die Hauptnahrungsmittel der ärmeren Bewohner Londons waren Brot, Käse und dünnes Bier. Ihr Leben war stark geprägt von Krankheiten und Kriminalität.66Für die Ärmsten gab es Hilfen wie zum Beispiel die Arbeitshäuser, in denen diejenigen untergebracht waren, die gesund und zu jung für die Armenhäuser waren.67Doch die Maßnahmen reichten nicht aus, um das Elend der Armen zu lindern.68

9. Schlußwort

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Regierungszeit George III. eine Epoche tiefgreifender Veränderungen und beginnender Reformen war. Ebenso war es aber auch eine Zeit großer sozialer Gegensätze und Ungerechtigkeiten. Sie ist charakterisiert durch innenpolitische Krisen und durch Kriege, aber auch durch eine politisch engagierte Öffentlichkeit.

Diejenigen, die genügend Geld zur Verfügung hatten, konnten ihr Leben in London mit allen möglichen Abwechslungen und Vergnügungen genießen, alle anderen mußten bisweilen um das nackte Überleben kämpfen. Die Wert- und Moralvorstellungen der Menschen damals unterscheiden sich zum Teil erheblich von den heutigen, zum Beispiel im Bezug auf Prostitution oder auf den Umgang mit Geld.

Ich denke jedoch, daß das Leben in London zur Zeit George III. ebenso viele Vorund Nachteile bot wie an jedem anderen Ort zu jeder anderen Zeit.

Literaturverzeichnis

a) Primärliteratur

Quennell, Peter (ed.).Memoirs of William Hickey. London: Century Publishing Co Ltd, 1984

b) Sekundärliteratur dtv-Atlas zur Weltgeschichte.27. Aufl. 1993. 2 Bände. München: Deutscher Taschenbuchverlag, 1966. Band 2.

“Gordon, Lord George.”The New Encyclopaedia Britannica: Micropaedia. 1974 ed.

Christie, Ian R. “Wilkes, John.”The New Encyclopaedia Britannica: Micropaedia.1974 ed.

Clarke, John.The Life and Times of George III.London: Book Club Associates, 1972.

Cook, Chris und John Stevenson.The Longman Handbook of Modern British History 1714 - 1980.London: Longman, 1983.

Hill, Douglas.Georgian London.London: Macdonald, 1970.

Kluxen, Kurt:Geschichte Englands.Kröners Taschenausgabe 374 (ohne Ort und Jahr.

Parkins, Charles William und die Herausgeber. “Burke, Edmund.”The New Encyclopaedia Britannica: Micropaedia. 1974 ed.

Royle, Edward.Modern Britain. A Social History 1750 - 1985.London: Edward Arnold, 1987.

Sieper, Roswitha.The Student´s Companion to Britain.8th ed. Ismaning: Hueber, 1993.

Trevelyan, G.M.History of England.1926. London: Longmans, Green and Co Ltd, 3rd ed. 1952.

Watson, John Steven. “George III.”The New Encyclopaedia Britannica: Micropaedia.1974 ed.

White, T. H.The Age of Scandal.1950. Harmondsworth, Middlesex: Penguin Books Ltd, Reprint 1966.

[...]


1 vgl. Quennell, Peter (ed.). Memoirs of William Hickey. London: Century Publishing Co Ltd, 1984

2vgl. Sieper, Roswitha.The Student´s Companion to Britain.8th ed. Ismaning: Hueber, 1993, Seite 56f.

3vgl. Kluxen, Kurt.Geschichte Englands.Kröners Taschenbuchausgabe 374 (o. O. u. J.), Seite 445ff.

4vgl. Sieper, Seite 56f.

5 vgl. Trevelyan, G.M. History of England. 1926. London: Longmans, Green and Co Ltd, 3rd ed. 1952, Seite 508f.

6vgl. Watson, John Steven. „George III.“The New Encyclopaedia Britannica: Micropaedia.1974 ed.

7Quennell, Peter, Seite 56.

8vgl. Christie, Ian R. „Wilkes, John.“The New Encyclopaedia Britannica. Micropaedia.1974 ed.

9 vgl. Watson

10vgl. Kluxen, Seite 468

11vgl. Christie

12vgl. Kluxen, Seite 468f.

13vgl. Christie

14Quennell, Seite 56f.

15Quennell, Seite 57

16vgl. Quennell, Seite 57; Kluxen, Seite 469

17 vgl. Kluxen, Seite 469; Christie

18vgl. Trevelyan, Seite 549

19vgl. Kluxen, Seite 458f.

20Kluxen, Seite 460f.

21vgl. Kluxen, Seite 462f.

22vgl. Trevelyan, Seite 554

23Quennell, Seite 183

24 vgl. Trevelyan, Seite 554f.

25vgl. Kluxen, Seite 465

26vgl. Trevelyan, Seite 556

27 vgl. dtv-Atlas zur Weltgeschichte. 27. Aufl. 1993. 2 Bände. München: Deutscher Taschenbuchverlag, 1966. Band 2, Seiten 295 - 315

28vgl. Sieper, Seite 65

29vgl. Kluxen, Seite 403ff.

30vgl. Clarke, John.The Life and Times of George III.London: Book Club Associates, 1972, Seite 25

31vgl. Clarke, Seite 29ff.

32vgl. Quennell, Seite 19

33 vgl. Quennell, Seite 19

34vgl. „Gordon, Lord George“

35vgl. Cook, Chris und John Stevenson.The Longman Handbook of Modern British History 1714

- 1980.London: Longman, 1983, Seite 157

36vgl. „Gordon, Lord George“

37vgl. Sieper, Seite 61; Kluxen, Seite 474

38vgl. „Gordon, Lord George“

39vgl. Quennell, Seite 268

40vgl. Trevelyan, Seite 607; Kluxen, Seite 479

41vgl. Sieper, Seite 59

42 vgl. Trevelyan, Seite 602f.

43vgl. Sieper, Seite 59f.

44vgl. Cook/Stevenson, Seite 140

45vgl. Hill, Douglas.Georgian London.London: Macdonald, 1970, Seite 94

46vgl. Quennell, Seite 293 und 289

47vgl. Quennell, Seite 302

48 vgl. Sieper, Seite 158

49vgl. Quennell, Seite 303

50vgl. Quennell, Seite 43

51 Quennell, Seite 293

52vgl. Quennell, Seiten 283, 288, 282, 44

53vgl. White, T. H.The Age of Scandal.1950. Harmondsworth, Middlesex: Penguin Books Ltd, Reprint 1966, Seite 36

54vgl. Quennell, Seiten 16, 46, 59, 39, 37, 66, 320

55Quennell, Seite 13

56vgl. Quennell, Seite 23

57Quennell, Seite 322f.

58vgl. Quennell, Seiten 160, 197, 209

59vgl. Hill, Seite 84

60 vgl. Quennell, Seiten 64, 303, 13

61vgl. Quennell, Seite 53

62vgl. Hill, Seite 112

63vgl. Hill, Seite 112f.

64vgl. Hill, Seite 113f; Quennell, Seiten 47, 198

65vgl. Hill, Seite 91f.

66 vgl. Hill, Seite 93

67vgl. Hill, Seite 94; Royle, Edward.Modern Britain. A Social History 1750 - 1985.London: Edward Arnold, 1987, Seite 173

68 vgl. Hill, Seite 94

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Details

Titel
William Hickey und das Leben in London zur Zeit George III.
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Memoiren, Tagebücher, Briefe britischer Reisender in Indien im 18.-20. Jahrhundert
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
16
Katalognummer
V107339
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit basiert auf dem Buch 'Memoirs of William Hickey' von Peter Quennell
Schlagworte
William, Hickey, Leben, London, Zeit, George, Memoiren, Tagebücher, Briefe, Reisender, Indien, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Daniela Rollmann (Autor), 2000, William Hickey und das Leben in London zur Zeit George III., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107339

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