Henri Matisse - Die Zigeunerin


Facharbeit (Schule), 2002

13 Seiten, Note: 1


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Gliederung

0. Einleitung

1. Henri Matisse - Stilrichtungen und biografische Zusammenhänge

2. „Die Zigeunerin“
2.1 Einordnung in Matisses Stil
2.2 Bildgestaltung
2.2.1 Farbigkeit des Werkes
2.2.2 Räumlichkeit und Körperlichkeit
2.2.3 Bildbewegung und Einheitlichkeit

3. Zusammenfassung

Anhang

Erläuterungen

Weitere

Bildmaterialien

Quellenangaben

Literaturverzeichnis

Erklärung

0. Einleitung

„Ich habe immer versucht meine Anstrengungen zu verbergen und wünschte, dass meine Arbeiten die Leichtigkeit des Frühlings hätten. Keiner konnte erkennen, wieviel Mühe mich das gekostet hat.“ (Quelle 1)

Dieses Zitat von Henri Émile Benoit Matisse regte mich zum Nachdenken an. Es trägt einen leidenden aber auch sehr stolzen Charakter. Es muss ein Künstler gewesen sein, der viel Mühe und Engagement in seine Arbeiten gesteckt hatte, oft experimentierte und dennoch oft nicht das Lob bekam, das er erwartete.

Meine Entscheidung mich mit ihm in meiner Facharbeit für Kunsterziehung zu beschäftigen, fiel mir daher nicht schwer.

Vor allem möchte ich mich mit dem Werk „Die Zigeunerin“ befassen. Da dieses Gemälde noch nicht seinen voll ausgeprägten Stil zeigt, aber wichtige Entwicklungen darstellt. Insbesondere werde ich auf die Farbwahl, Räumlichkeit und Bildbewegung eingehen, wobei es mir auch wichtig ist, die Darstellung in Matisses sehr eigenen Stil einzuordnen. Auch diesen habe ich vor etwas näher zu beleuchten, weil er sich in seiner künstlerischen Richtung stark von anderen Malern jener Zeit abhebt.

1. Henri Matisse - Stilrichtungen und biografische Zusammenhänge

Im ersten Teil meiner Arbeit möchte ich den Werdegang von Henri Matisse (Material 6) etwas näher erläutern und dabei seine verschiedenen Stile chronologisch einordnen. Der Künstler wurde als Sohn eines Kornhändlers am 31. Dezember 1869 in Cateau in der Picardy im Norden von Frankreich geboren. Mit 21 mußte er sich einer schweren Blinddarmoperation unterziehen. In dieser Zeit begann er erste Zeichnungen und später Kopien anzufertigen. Er versuchte vor allem Chardin zu imitieren. Der Maler widmete sich besonders naturalistischen Werken. Nur zwei Jahre später, 1892, ging er nach Paris, um dort eine Aufnahmeprüfung an der Académie des Beaux-Arts zu machen. Doch damals lehnte man ihn noch ab, trotz er voller Hoffnungen schon seine Karriere als Rechtsanwalt aufgeben hatte. Dennoch baute er seine Liebe und Leidenschaft zu Kunst weiter aus. „Als der Dämon des Malens mich gepackt hatte, wollte er mich nie mehr loslassen.“ (Quelle 3). Schließlich wurde Matisse Schüler im Atelier von Gustav Moreau (siehe Erläuterungen). 1897 entdeckte er erstmals den Impressionismus (siehe Erläuterungen) für sich, als er die Ausstellung der Schenkung Caillebotte im Palais du Luxembourg besuchte. 1895 gelang es ihm in die École des Beaux-Arts aufgenommen zu werden und er schloss Bekanntschaft mit Rounault und Manguin. Besonders geprägt wurden seine Werke bis zu seinem Lebensende durch die Eindrücke, die er auf einer Reise nach Korsika 1898, bekam. Er lernte nebenbei in Abendkursen neue Formen der Kunst so zum Beispiel 1899 die Bildhauerei. Nur vier Jahre später versuchte er sich auch an ersten Holzschnitten. 1905 lernte er in Saint-Tropez Cross und Signac (siehe Erläuterungen) kennen, die ihn für den neo-impressionistischen Stil (siehe Erläuterungen) gewinnen konnten. Doch er scheiterte kläglich an den Experimenten mit dem Neo-Impressionismus. „ Pracht, Gelassenheit und Wollust “ (Material 1) ist eines seiner Werke aus dieser Zeit, was aber bei näherer Betrachtung nicht dem üblichen Niveau Matisses entspricht. Nur ein Jahr später traf er Picasso und ließ sich von ihm inspirieren. 1913 unterlag Matisse kurzzeitig dem Einfluss von Cézanne (siehe Erläuterungen). Nur drei Jahre später fertigte er das Gemälde „ Kopf mit schwarzem Samthalsband “ im expressionistischen Stil an. Matisse gab den Expressionismus aber bereits nach diesem einen Portrait auf. Trotz er sich immer wieder kurzzeitig den Theorien bestimmter Kunstrichtungen hingab, lernte der Maler mehr und mehr aus seinen Erfahrungen einen sehr eigenen Stil zu entwickeln. Er beschäftigte sich 1922 auch mit der Kunst der Lithografie (siehe Erläuterungen) und erstellte bis 1929 zahlreiche Kaltnadelradierungen (siehe Erläuterungen), Lithografien und Kupferstiche (siehe Erläuterungen). In seinen letzten zehn Jahren widmete er sich vor allem Wanddekorationen für die Kirche Notre-Dame-de-Toute-Grâce auf dem Plateau von Assy, Retrospektiven (siehe Erläuterungen) und unternahm viele Reisen nach Deutschland, den USA, Nizza und Tokio. 1952 eröffnete man das Musée Matisse in seiner Heimatstadt Cateau. Am 3. November 1954 starb Henri Matisse in Cimiez (bei Nizza) als einer der bekanntesten Künstler von Welt. Der Maler wurde nicht bekannt durch seine anfängliche Anlehnung an künstlerische Theorien, sondern durch sein Bestreben sich nicht nach Richtlinien und Regeln zu beugen.

2. „Die Zigeunerin“

2.1 Einordnung in Matisses Stil

Das Gemälde „ Die Zigeunerin “ (Material 2) habe ich nun vor etwas näher in den sehr eigenwilligen Stil von Matisse einzuordnen. Dabei ist es mir besonders wichtig Kunstrichtungen vor und kurz nach der Entstehung des Bildes zu erläutern, an die sich der Künstler anlehnte.

Die leichte Abstraktion läßt auf die Jahre bei Gustav Moreau schliessen, der stark an diese Form anlehnte. Trotz Matisse sich nur neun Jahre zuvor auch dem Impressionismus zu gewannt hatte, läßt das Bildnis keinen Hauch davon mehr erkennen. Das mag daran liegen, dass der Künstler diesem Stil wie auch dem Expressionismus sich nur kurz widmete. Trotz der Flächeneinteilung, vor allem des Hintergrundes kann man nicht auf einen expressionistischen Einfluss schließen. Der nur ein Jahr vorangegangene Neoimpressionismus durch Signac verschwindet völlig. Der Grund dafür ist, dass Matisse sich mit dieser Kunst nicht ausdrücken konnte und sich damit nicht wohl fühlte. „ Pracht, Gelassenheit und Wollust “ zeigt eine sehr unregelmäßigen Farbauftrag. Man meint, der Maler wolle den Blickpunkt mit Absicht in die linke untere Ecke des Bildes bringen. Doch bei näherer Betrachtung erkennt man deutlich, dass es nicht mit Gemälden von Signac zu vergleichen ist, den Matisse oft als Meister des Pointillismus beschrieb.

Eindeutig ist aber, dass der Fauvismus noch eine große Rolle bei seiner Zigeunerin spielt. Der schwarze Hintergrund und die leuchtende Farbe Gelb und das Rot derd Blume im Haar der Frau rechts oben. Henri Matisse kehrt sich ab von seiner anfänglichen Harmonie in Werken wie „ Speisereste “ (Material 3). Dieses Portrait lehnt sich leicht an den Impressionismus an, aber zeigt bereits einen Schritt hin zur „modernen“ Technik. Die Ocker- und Brauchtöne lassen das Bild sehr harmonisch wirken. Wie später bei der Farbwahl und der Bildbewegung erkennbar wird, scheint Die Zigeunerin “ dagegen unruhig.

Dass Matisse im Entstehungsjahr auch ein Treffen mit Picasso hatte und sich auch von ihm inspirieren ließ, erkennt man hier noch nicht. Das mag daran liegen, er traf ihn erst einige Monate später, als das Gemälde bereits beendet war. Denn nach seiner Bekanntschaft mit dem späteren Anhänger des Kubismus (siehe Erläuterungen) versuchte er sich in einem einzigen Portrait seinen Freund nachzuahmen.

Matisse vereint in seinem Werk mehrere Adern verschiedener Stile, doch erkennbar wird auch hier schon, dass er sich meist von den Theorien der Kunstströmungen löst und seine eigene Richtung entwickelt. Dennoch überwiegt in seinem Gemälde deutlich der Fauvismus, wenn auch in einer verwandten Form.

2.2.1 Farbigkeit des Werkes

Im folgenden Teil möchte ich die Wahl und die Anordnung der Farbigkeit etwas näher erläutern. Beim ersten Anblick scheint man keine genaue Logik in diesem Punkt zu finden, doch bei der intensiven Auseinandersetzung mit dem Bild, erkennt man den systematischen Zusammenhang.

Zunächst bemerkt man die grob kurz und langen Pinselstriche. Dennoch schafft Matisse keine klaren Konturen damit. Die Umrisse läßt er durch die Farben entstehen. Das kommt vor allem durch die starken Kontraste zum Ausdruck, wie zum Beispiel zwischen dem hellen Körper und dem Schwarz im Hintergrund im oberen rechten Bereich des Werkes. Der ganze obere Bildteil scheint durch farbliche Widersprüche gegliedert zu sein. So bilden links oben Gelb und der rötliche Ton einen Gegenpol, aber auch rechts oben das Grün und wiederum Schwarz beißen sich. Doch der eher dunkel gehaltene Hintergrund verschmelzt in Form der ebenfalls schwarzen Haare wieder mit der Figur. Genauso verbinden sich links unten am Bildrand die wärmeren Farbtöne mit dem Körper der jungen Frau. An dieser Stelle konzentriert sich die Wärme. Die Dame ruht auf dieser Platz und schafft damit den Sprung zum Realen zurück. Denn in der Lage wie diese Person liegt, wäre auch in der Wirklichkeit an diesem Ort die wärmste Stelle. Dagegen wirken die Farben Lila und Grün rechts oben kühler und abweisender. Der Teil des Körpers, der in den Raum geht, ist in der Realität am kältesten. Die Temperaturunterschiede sind nur gering, doch Matisse übertreibt sie und schafft damit starke Kontraste. Auf dem Gesicht und dem Körper der Figur treffen sich Grün, Rot, Gelb und Orange zu einem Tachismus (siehe Erläuterungen) zusammen. Es scheint eine regelrechte Herausforderung an die Theorien der Modellierung zu sein. Dennoch wirkt die Farbwahl an einigen Stellen abstrahiert, unter anderem durch das Grün auf dem Körper, das als Symbolfarbe für die Kälte zum Raum hinaus steht. Man erkennt deutlich den stufenweisen Übergang von einem Farbton in den anderen, es gibt keinen fließenden Wandel. Trotzdem besteht im unteren Teil links eine Farbähnlichkeit, da der Körper und der Untergrund fast miteinander verschmelzen, bis sie von einem heftigen schwarzen Strich zerrissen werden. Bis auf den Körper der Frau malte Matisse das Bild eher dunkel getrübt. In späteren Werken wird man vor allem die Reinheit der Farben von dem Künstler schätzen, doch hier sind diese noch nicht zu finden. Eher erkennt man eine fauvistische Entfesselung. Der Hintergrund ist noch mit schwarz, wie typisch für den Fauvismus, aber nun schon mit in den Vordergrund übernommen. Matisse hatte sich hier noch nicht völlig gelöst, denn für den Bildmittelpunkt, den Körper, verwendet er immer noch sehr helle bis warme Farbtöne und zeichnet nur einige vage schwarze Elemente. Verwunderlich ist, der rötliche bis violette Ton, Mitte oben, nur einmal vorkommt. Er wiederholt sich nicht. Damit wirkt das Bild wieder unharmonisch, da man sonst jede Farbe mehrmals findet.

Matisse ist ein Künstler, der nicht durch Formen begeistert, sonder viel mehr durch seine Farbwahl bekannt wurde. Auch im ausgewählten Gemälde erkennt man deutlich, dass er mit den Farben arbeitet und daher dem Bild Leben verleiht.

2.2.2 Räumlichkeit und Körperlichkeit

Da „ Die Zigeunerin “ sich auf einen Abschnitt einer Figur und einen kleinen Hintergrund beschränkt, möchte ich Räumlichkeit und Körperlichkeit des Bildes gemeinsam beleuchten. Vergleicht man das Gemälde mit dem 1897 entstandenen „ Speisereste “ (Material 3) und dem 1919 angefertigten „ Weisse Federn “ (Material 4), so wird deutlich, dass die Nachlässigkeit im Raum nur eine Zwischenform war. Einerseits wollte er sich neu entwickeln und einen Schritt von der impressionistischen Ader der „Speisereste“ gehen, aber kehrt er doch auch nach einigen Experimenten zur Deutlichkeit von Körper und Raum zurück. „ Die Zigeunerin “ ist eher flächig gehalten, vor allem im oberen Bildteil. Der Hintergrund wurde hier direkt in Flächen gegliedert durch starke Farbkontraste. Die Einteilungen hält Matisse im oberen Bildabschnitt sehr eckig, wobei sie auf dem Körper der Figur unregelmäßig erscheinen. Doch immer teilt der Maler die Flächen durch kräftige Gegensätze in der farblichen Gestaltung. Im Bildmittelpunkt bestehen zwar diese Kontraste, aber sind doch eher dezenter. Der Körper der Frau bildet fast einen eigenständigen Raum. Zumindest kann man das annehmen, wenn man nur die obere Bildhälfte betrachtet, in der hauptsächlich grobe Kontraste bestechen. Beobachtet man allerdings den unteren Teil für sich, dann verbinden sich Raum und Körper miteinander und wirken hier viel harmonischer. Da deutlich erkennbar ist, dass die junge Dame liegt und die Körperformen auch alle eindeutig fest zu machen sind, kann man jetzt schon auf die spätere Klarheit des Bildnis schliessen. Diese finden wir zum Beispiel bei „ Weisse Federn “ . Auch die Rundungen, besonders im Brustbereich, lassen Ansätze einer realistischen Körperlichkeit erkennen. Matisse bewahrt sich die groben Formen eines Körpers, selbst wenn er in Werken wie „ Der Blaue Akt IV “ (Material 5) stark abstrahiert wurde.

Bei genauer Betrachtung erkennt man, dass der Künstler einen Räumlichkeit und eine gewisse Körperlichkeit schafft, indem er den Arm der Frau, links unten, einknickt und die Hand zu ihrem Kopf hinführt. Sobald sich etwas nach hinten oder vorn bewegt, bekommt man einen Raum. Doch nicht nur durch diese Kleinigkeit gelingt es dem Maler eine Gegenzug zu den Flächen zu entwickeln. Durch die starken farblichen Kontraste tritt die Figur deutlich in den Vordergrund. Sie bewegt sich von der Flächeneinteilung fort, trotz sie selbst gegliedert ist.

Henri Matisse formt deutliche Kontraste in der Räumlichkeit und Körperlichkeit. Doch diese Besonderheiten im Bild entstehen nur durch die genau farbliche Gestaltung. Sie ermöglicht den Bildgestand in einem Raum zu versetzen und somit allem ein Leben zu verleihen.

2.2.3 Bildbewegung und Einheitlichkeit

Im abschließenden Teil meiner Interpretation „ Die Zigeunerin “ will ich den Aufbau des Bildes erklären und die Einheitlichkeit der einzelnen Elemente charakterisieren. Da der Körper einen Großteil des Bildes einnimmt, liegt in diesem Fall auch die Hauptbewegung in ihm. Die Figur ist das einzige Objekt, was durch ihre Größe bedingt eine gewisse Ruhe in das Werk bringt. Dennoch zieht ein lebender Körper immer Aktivität mit sich. Durch den groben Schwung des Pinsels, dessen Schnelligkeit, Nervosität und Energie erwacht das Gemälde erst zum Leben. Die Frau ist von rechts unten in den Raum geneigt und bildet damit die Hauptbewegung zur linken oberen Ecke. Damit entsteht ein diagonaler Schnitt durch das Bild. Dieses Mittel trennt das Werk und teilt es in eine farblich kühlere, kontrastreichere Hälfte im rechten oberen Abschnitt und einen warmen, fließenden Teil links unten. Man kann auch eine Andeutung zum „Goldenen Schnitt“ (siehe Erläuterungen) erkennen. Die diagonale Form erschafft eine Art Linie, die durch das Hinzukommen der Hand, im linken Bereich, begrenzt wird. Der Arm verläuft fast senkrecht, wobei die anschließende Hand am sich wieder waagerecht zieht. Somit schafft Matisse selbst in der Bildbewegung Kontraste auf engstem Raum. Im linken unterem Abschnitt erkennt man eine Liege, auf der die Frau ruht. Sie neigt sich wie die Dame selbst von rechts unten nach links oben. Damit ist sie eine Parallele zu der Körperform der Liegenden. Ihre Haare fallen der Schwerkraft entsprechend zur linken und rechten Seite unten weg. So wirken auch sie der diagonalen, trennenden Linie im Form des Körpers entgegen.

Es gibt eine Ecken und Kanten, dennoch finden wir Kontraste der Farbe, Bewegung und den Raum betreffend. Vor allem in oberen Abschnitt der Bildes entdeckt man stark farbliche Gegensätze, die eine große Spannung hervorrufen. Diese gleicht Matisse aber im unteren Teil wieder aus, wenn er versucht die Farben miteinander zu verschmelzen und ihnen so die Kontraste entzieht. Es gibt mehrere Ballungszentren, so zum Beispiel die Häufung von kühleren Farben oben rechts, von helleren Tönen in der Bildmitte und warme Stellen im linken unteren Bereich. Das Bild zeigt trotz seiner Kontraste keine großen Spannungspunkte und bewegt sich nicht allzu unregelmäßig. Der Beobachter mag es ein wenig unruhig und als nicht sehr harmonisch empfinden, aber dafür ist es Matisse gelungen eine interessante Komposition zu schaffen.

Betrachtet man wieder nur den rechten Bildteil, bemerkt man schnell, dass es nicht sehr einheitlich wirkt, wobei die Elemente im linken Teil miteinander verschmelzen. Zusammen gesehen entspricht es nicht einer Einheit. Der Farbauftrag ist sehr gleichmäßig und es gibt im ganzen Bild mehrere Farbwiederholungen, bis auf die rot bis violette Farbe in der Mitte oben. Beim zweiten genaueren Beobachten bildet diese Stelle deshalb auch einen Blickpunkt, der allerdings ungünstig gewählt wurde. Das Gemälde wirkt so unvollständig oder unvollendet. Die geschlossenen Formen entstehen durch die Kontraste, die die Umrisse deuten.

Das Werk wirkt auf den Betrachter, als wäre es in mehrere Abschnitte gegliedert, die dennoch kein einheitliches Ganzes ergeben. Trotzdem ist es gerade deshalb interessant.

3. Zusammenfassung

Im letzten Teil meiner Belegarbeit möchte ich noch einmal alle wesentlichen Fakten, die ich über Matisse und sein Werk sagen kann, zusammenfassen und persönlich Stellung zum Bild „ Die Zigeunerin “ nehmen.

Henri Matisses verspätete künstlerische Ausbildung bei Gustav Moreau, der Académie des Beaux-Arts in Paris und den zahlreichen Kursen für Holzschnitte, Bildhauerei etc. stellten ihn nicht zufrieden. Der Künstler wollte sich nicht an Theorien anlehnen, auch wenn er es mehrmals versuchte. Dennoch war er ein Mensch, der, bevor er etwas Neues begann, alles beendete und seine Erfahrungen daraus schloss. Diese Erkenntnisse verarbeitet er in vielen seinen Gemälden, die heute weltberühmt sind. Niemals hätte er gemeint, es sei ein Fehler gewesen sich einer bestimmten künstlerischen Strömung anzuschließen.

Seine Versuche sich unterzuordnen scheiterten. Doch gerade das machte ihn so einmalig. Denn so hebt er sich bis heute von anderen Künstlern seiner Zeit ab. Man kann und darf ihn keinem Kunststil zuordnen.

„ Die Zigeunerin “ ist eines seiner frühesten Werke. Dennoch erkennt man schon die angewandten Erfahrungen, die er zum Beispiel beim Fauvismus gesammelt hat. Trotz das Portrait grob eingeordnet natürlich eine sehr fauvistische Ader besitzt, fehlt es schwer, bei genaueren Analysen den wahren Stil zu finden. Oft kehrt er noch zu bestimmten Richtungen wie dem Expressionismus (1916) zurück, doch fängt Matisse schon hier an, sich von Regeln und Gesetz zu lösen.

Persönlich habe ich sehr viel durch diese Arbeit gelernt. Indem ich mit den einzelnen Kunstströmungen, genauen Farbanalysen und dem Aufbau des Bildes beschäftigte, erkannte ich einerseits, wie viel Mühe es verlangt. Doch andererseits stellte ich fest, wie sich Bilder verändern können, wenn man sie länger betrachtet und studiert. Von der oberflächlichen Grobheit und Ungenauigkeit, die das Portrait beim ersten Anblick vermuten läßt, geht man langsam in die Details über.

Beobachte ich „ Die Zigeunerin “ , erkenne ich jetzt wirklich, welches Engagement und welche Arbeit in diesem Gemälde stecken. „Ich habe immer versucht meine Anstrengungen zu verbergen und wünschte, dass meine Arbeiten die Leichtigkeit des Frühlings hätten. Keiner konnte erkennen, wieviel Mühe mich das gekostet hat.“ (Quelle 1) - Nun ist es nicht nur mehr Interesse, was diese Aussage in mir weckte, jetzt verstehe ich, was Henri Matisse damit zum Ausdruck bringen wollte. Viele betrachten seine (frühen) Bilder und vergessen oft, wie hart ein Künstler dafür arbeiten und wie lange er dafür lernen muss, um nur für einen kleinen Augenblick die wahre Anerkennung zu bekommen.

Erläuterungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellenverzeichnis

Quelle 1 http://www.prints-world.com/articles/henri_matisse.asp

Quelle 2 Dr. Feldbaum, Matthias (leitende Redaktion): Neues Universal Lexikon In Farbe von A-Z. München 1999. Seite 143,248, 255, 325, 388, 428, 480, 512, 576, 596, 712, 788, 838.

Quelle 3 http://www.boorberg.de/juristerei/juristen/matisse.htm

Quelle 4 Selz, J.: Jean Selz Matisse. Bindlach 1992. Seite 3, 6, 10, 17, 24, 59, 92, 93.

Literaturverzeichnis

Bücher

Dr. Feldbaum, Matthias (leitende Redaktion): Neues Universal Lexikon In Farbe von A-Z. München 1999.

Dr. Scholze-Stubenrecht, W. (leitende Redaktion): Duden Die deutsche Rechtschreibung. Bd.1. Mannheim 1996.

Serges Medien (Hrsg.): Wörterbuch Französisch - Deutsch Deutsch - Französisch. Köln 2000.

Selz, J.: Jean Selz Matisse. Bindlach 1992.

Internetadressen

http://www.boorberg.de/juristerei/juristen/matisse.htm

http://www.kunstzitate.de/bildendekunst/kuenstlerueberkunst/matisse_henri.htm http://www.prints-world.com/articles/henri_matisse.asp

http://www.urbanplus.tintagel.net/c1231.html

Sonstige

Handreichung aus dem Kunstunterricht „Gestaltungs- bzw. Strukturbereiche der Bildgestaltung (nach Prof. W. Frankenstein)“

Ehrenwörtliche Erklärung

Ich erkläre hiermit ehrenwörtlich, dass ich meine Belegarbeit mit dem Thema:

Auseinandersetzung mit den Gestaltungsprinzipien eines selbstgewählten Künstlers der Moderne:

Erläuterung seiner Gestaltungsprinzipien, mit denen er seinen künstlerischen Inhalt in einem ausgwählten Kunstwerk darstellt.

ohne fremde Hilfe angefertigt habe.

Weiterhin bestätige ich, die Übernahme wörtlicher Zitate aus Literatur sowie die Verwendung von Gedanken anderer Autoren an den entsprechenden Stellen innerhalb der Arbeit gekennzeichnet zu haben.

Die Facharbeit wurde bei keiner anderen Prüfung vorgelegt.

Ich bin mir bewußt, dass eine falsche Erklärung rechtliche Folgen haben wird.

13 von 13 Seiten

Details

Titel
Henri Matisse - Die Zigeunerin
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V107373
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Henri, Matisse, Zigeunerin
Arbeit zitieren
Nadja Siber (Autor), 2002, Henri Matisse - Die Zigeunerin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107373

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