Die Frage, die es im Folgenden zu bearbeiten gilt, ist, wie sich soziale Ungleichheiten über den Bildungsaspekt perpetuieren, institutionell legitimieren und somit ein gesellschaftliches Ordnungssystem darstellen, auch wenn die Folgen der Ungleichheit nicht unbedingt intentional sind. Dies soll, nach dem Vorstellen theoretischer Ansätze, mittels einer Aufteilung der, von der Anzahl her noch immer, dominierenden Mittelklasse geschehen. Unter dem Heranziehen theoretischer Ansätze Bourdieus, wird das Feld der Bildung nach außen hin abgesteckt und in angrenzende Felder eingebunden.
Da ein Feld von einem permanenten Kampf zwischen den Individuen gekennzeichnet ist, werden als nächstes die für diesen Kampf nutzbaren Ressourcen, die Kapitalien, erläutert, die mitunter den Habitus der Individuen bedingen. Dabei wird insbesondere auf die Herausbildung des kulturellen Kapitals wert gelegt, da diesem in der Spätmoderne ein starkes Gewicht bei der sozialen Positionierung des Individuums innewohnt. Weiterhin wird das theoretische Gerüst, um es zeitgenössisch zu nutzen, mit dem Begriff der Singularisierung erweitert, der in den Arbeiten von Andreas Reckwitz eine starke Erklärungskraft der spätmodernen gesellschaftlichen Ordnung besitzt.
Bei der Bearbeitung sollen im übergeordneten Sinne die Aktualität Bourdieus theoretischer Ausarbeitungen überprüft sowie die strukturelle Ordnung der spätmodernen Gesellschaft mit dem Aspekt der Bildung als konstitutiven Faktor aufgezeigt werden. Abschließend werden in einem Fazit noch einmal alle auftauchenden Prämissen und Konklusionen zusammenfassend dargestellt und einer kritischen Betrachtung unterzogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die gesellschaftliche Urteilskraft in der (Spät-)Moderne
2.1 Habitus und die soziale Position des Subjekts
2.2 Die symbolische Logik des Singulären
3 Eine ungleiche Charakteristik der spätmodernen Mittelklasse
3.1 Die neue Mittelklasse
3.2 Die traditionelle Mittelklasse
3.3 Die prekäre Mittelklasse
4 Fazit und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie soziale Ungleichheiten in der spätmodernen deutschen Gesellschaft durch das Bildungssystem perpetuiert und legitimiert werden. Dabei wird analysiert, wie das kulturelle Kapital und der Habitus der Individuen in einem durch den Wertewandel zur "Singularisierung" geprägten Umfeld die soziale Positionierung beeinflussen.
- Soziologische Analyse der spätmodernen Sozialstruktur nach Reckwitz und Bude.
- Anwendung der Theorie Bourdieus auf das soziale Feld der Bildung.
- Differenzierung der Mittelklasse in neue, traditionelle und prekäre Segmente.
- Untersuchung des Wertewandels von der Logik des Allgemeinen zur Logik des Singulären.
- Bedeutung von primären und sekundären Herkunftseffekten für den Bildungserfolg.
Auszug aus dem Buch
Die neue Mittelklasse
Die Resonanz über Selbstverwirklichung ist stark verknüpft mit dem dominierenden Wert des Singulären. Sie ist, habituell bedingt, die Stärke der neuen Mittelklasse, die insbesondere von einer vielfältigen Kenntnis kultureller Praktiken und Gütern verschiedenster nationaler, regionaler, ethnischer oder historischer Herkunft profitiert (vgl. Reckwitz 2020 [2019a]: 40). Diese Vielfalt steigert die Wertigkeit des kulturellen Kapitals des Subjekts, welches jedoch gleichzeitig zur Notwendigkeit geworden ist, will dieses nicht der Angst erliegen, ein Opfer des Allgemeinen und Profanen zu werden.
Demnach ist es zwar für Menschen mit privilegierter sozialer Herkunft und somit größerem sozial vererbten Kulturkapital leichter, sich nach der Logik des Singulären zu richten, als dies für Menschen prekärer Herkunft der Fall zu sein scheint. Andererseits ist es aber auch innerhalb ihrer Klasse leichter, in der Masse unterzugehen, da immer mehr Akteur*innen auf dem Feld der Bildung sozial aufsteigen.
Das herausstechende Charakteristikum dieser Klasse ist ihr hohes kulturelles Kapital, welches sich vor allem in formalen Bildungsabschlüssen und informellen Kompetenzen wiederfindet (vgl. ebd.: 90). Doch sind insofern sie „die Betrogenen, weil immer mehr Leute um immer weniger Positionen konkurrieren, für die immer höhere Preise gezahlt werden.“ (Bude 2014: 49) Indem Bildungstitel immer mehr gefordert werden und trotzdem immer weniger einen Anteil daran haben, ob der Wunschberuf dann auch erreicht werden kann, ist die Bildungsexpansion und -inflation der Kern der Angst vor einer womöglich nicht zu erreichenden Selbstverwirklichung des singulären Ichs.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der sozialen Ungleichheit im Bildungssystem ein und verknüpft diese mit dem soziologischen Begriff des Habitus.
2 Die gesellschaftliche Urteilskraft in der (Spät-)Moderne: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen zu Habitus, sozialen Feldern und der Logik des Singulären, die für das Verständnis der spätmodernen Struktur essenziell sind.
3 Eine ungleiche Charakteristik der spätmodernen Mittelklasse: Hier erfolgt die konkrete Anwendung der Theorie auf die Aufspaltung der Mittelklasse in ein neues, ein traditionelles und ein prekäres Segment.
4 Fazit und Diskussion: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, reflektiert die Grenzen der vorgenommenen Einteilung und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Spätmoderne, Soziale Ungleichheit, Bildung, Habitus, Kulturelles Kapital, Singularisierung, Mittelklasse, Bildungsexpansion, Sozialstruktur, Distinktion, Kapitalien, Bildungsdisparität, Wertewandel, Leistungsgesellschaft, Meritokratie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die disparate Sozialstruktur Deutschlands unter besonderer Berücksichtigung des Bildungssystems in der Spätmoderne.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die soziale Ungleichheit, der Wertewandel hin zur Singularisierung, die Bedeutung von kulturellem Kapital und die Transformation der Mittelklasse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie soziale Ungleichheiten im Bildungsbereich institutionell legitimiert und strukturell perpetuiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit soziologischen Ansätzen, primär unter Heranziehung von Pierre Bourdieu und Andreas Reckwitz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch den Habitus-Begriff und die Analyse der drei Segmente der Mittelklasse: die neue, die traditionelle und die prekäre Mittelklasse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bildungsexpansion, kulturelles Kapital, Singularisierung, Habitus und soziale Ungleichheit charakterisiert.
Was bedeutet das "Singularisierungsideal" in dieser Arbeit?
Es beschreibt den gesellschaftlichen Wandel, in dem das Besondere, Einzigartige und Authentische gegenüber dem Allgemeinen und Standardisierten aufgewertet wird, was den Druck zur individuellen Selbstverwirklichung erhöht.
Warum leidet insbesondere die "prekäre Mittelklasse" unter dem aktuellen Bildungssystem?
Da diese Gruppe über ein geringeres kulturelles Kapital verfügt, wird sie durch die massive Akademisierung und die damit verbundene soziale Stigmatisierung der "Bildungsverlierer" zusätzlich entwertet.
- Quote paper
- Alexander Harms (Author), 2021, Die Ordnung der spätmodernen Sozialstruktur. Eine zeitgenössische Untersuchung gesellschaftlicher Disparitäten im Bereich der Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1074466