Der normale Lernprozess und die Bewältigung schulischer Anforderungen


Seminararbeit, 2003

20 Seiten, Note: 1,3


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Inhalt

1 „Du lernst nicht für die Schule, sondern fürs Leben!“

2 Die Bedeutung des Lernprozesses für die Bewältigung schulischer Anforderungen
2.1 Allgemeines
2.2 Die Lernvoraussetzungen
2.3 Die Lernund Leistungsmotivation
2.4 Der Handlungsablauf
2.4.1 Die Phase vor der Handlungsaufnahme
2.4.2 Die Phase der Handlungsdurchführung
2.4.3 Die Verarbeitungsphase
2.5 Die Habitualisierung

3 Fazit

4 Weiterführende Literatur

1 „Du lernst nicht für die Schule, sondern fürs Leben!“

„Ich habe keinen Bock zum Vokabellernen!“, „Das brauche ich nie wieder!“, „Wer soll sich das denn alles merken können?“, „Ich habe keine Zeit, ich muss Lernen!“, „Für die Klausur müssen wir schon wieder so viel Lernen!“, „Das geht in meinen Kopf einfach nicht rein.“. Mindestens einen dieser Sätze oder einen ähnlichen hat sicherlich jeder von uns schon einmal in seiner Schulund/oder Studienzeit gebraucht. Und hat darauf eventuell dieses zu hören bekommen: „Du lernst nicht für die Schule, sondern fürs Leben!“.

Ebenso haben sich bekannte Schriftsteller, wie zum Beispiel Wilhelm Busch in „Max und Moritz“, zu diesem anfangs leidvoll klingenden Thema des Lernens geäußert: „Also lautet ein Beschluß, daß der Mensch was lernen muß. Nicht allein das Abc bringt den Menschen in die Höh`; Nicht allein in Schreiben, Lesen übt sich ein vernünftig Wesen; Nicht allein in Rechnungssachen soll der Mensch sich Mühe machen, sondern auch der Weisheit lehren muß man mit Vergnügen hören. Daß dies mit Verstand geschah, war

Herr Lehrer Lämpel da.“1.

Das Lernen schien schon in frühen Zeiten eine sehr wichtige Rolle gespielt zu haben und ist daher in der heutigen komplexer gewordenen Welt ganz besonders wichtig. Nicht nur in der Schule steht es im Vordergrund, sondern auch in unserem Alltag ist das Lernen kaum noch wegzudenken. Durch die raschen Entwicklungen in den verschiedensten Gebieten (z.B. der Technik und der Wirtschaft) wird der Mensch gezwungen, ständig mehr zu lernen.

Nicht ohne Grund widmet sich daher die Lernund Verhaltensforschung seit Jahrzehnten dem Lernen und dessen Vollzug in einem Lernprozess. Hierbei unterscheidet sie zwischen einem „normalen“ und einem „gestörten“ Lernprozess.

Wir beschäftigen uns in unserem Referat mit dem „normalen“ Lernprozess und dessen Bedeutung für die Bewältigung schulischer Anforderungen. Hierbei trat für uns spontan eine große Anzahl von Fragen auf, die wir uns zu diesem Thema stellten: Was heißt eigentlich „normal“, was ist ein Lernprozess, wofür ist er da, wer oder was bedingt ihn – oder auch nicht, können wir ihn beeinflussen und was hat er überhaupt mit schulischen Anforderungen zu tun, wo findet das Lernen in unserem Körper statt?

Auf all diese Fragen bzw. auf einen Teil davon versuchen wir, in unserem Referat eine Antwort zu geben.

2 Die Bedeutung des Lernprozesses für die Bewältigung schulischer Anforderungen

2.1 Allgemeines

Bevor wir im Folgenden Wörter wie „Lernvoraussetzungen“, „Lernund Leistungsmotivation“ und „Lernprozess“ gebrauchen, wollen wir vorab ein paar einführende Informationen zu dem Begriff „Lernen“ geben.

Lernen, was ist das überhaupt? Zur Beantwortung dieser Frage haben wir in vielen Bü- chern nachgeschaut und sind zu folgender Definition gekommen: Lernen ist ein Vorgang der Aufnahme und Speicherung vo n Informationen und Erfahrungen, mit denen Können (im Sinne von Handhaben), Wissen und Wollen (im Sinne von überzeugt sein) verändert wird. Es geschieht in einem Prozess als Reaktion auf wahrgenommene Änderungen der eigenen inneren oder der Umwelt-Situation. Gelernt werden können neues Wissen, neue Fertigkeiten und neues Verhalten.

„Lernen entspringt dem frühen „Drang“ nach Exploration, nach aktiver Kontrolle über die Umwe lt.2 Verbunden ist dies immer mit einem Wagnis, da man bei seinen Erkundungen nie weiß, was einen erwartet. Hier ist besonders bei Kleinkindern wichtig, dass sie eine Bezugsperson haben, wie z.B. die Mutter, die das Gegengewicht des Vertrauten und der Sicherheit bildet. Diese Risikobereitschaft einer Person auf der einen und das Spüren von Geborgenheit auf der anderen Seiten führen bei diesem Menschen zu einer Steigerung der Kompetenzen der Problembewältigung. Dies hat zur Folge, dass sich die Person in ihrer Struktur immer stärker entfalten, d.h. die „Welt“ immer mehr absorbieren und auch kontrollieren kann. Demnach ist Lernen ein Teil eines Selbst- Aktualisierungssystems.

Lernen vollzieht sich hauptsächlich durch Teilhaben am gemeinsamen Leben. Der Mensch ordnet sich in der Gesellschaft ein und übernimmt damit gesellschaftlich bedingte Verhaltensweisen, um sein Dasein in dieser Kultur bewältigen zu können. Ein weiterer Ort des Lernens ist die Schule, eine so genannte institutionalisierte Lernhilfe. Diese wird zur Vermittlung komplizierterer Lerninhalte ve rwendet. Aber nicht nur Schreiben, Lesen, Rechnen, etc. werden dort gelernt und gelehrt. Auch das Lernen von Angst und Sicherheit, der Erwerb von Vorlieben und Abneigungen, die Ausbildung von

Gewohnheiten, die Befähigung zu planvollem Handeln und problemlösendem Denken gehören zu dem Lernbegriff und finden dort statt.3

2.2 Die Lernvoraussetzungen

Wie im obigen Teil bereits erwähnt, wird der Mensch ständig gezwungen, mehr zu le rnen. Es wird von ihm verlangt, sich Änderungen anzupassen, neue Fertigkeiten und Kenntnisse zu erwerben und sein Können und seine Leistung zu steigern. Diesen Anforderungen kann er auf die Dauer nur gerecht werden, wenn er seine geistigen und körperlichen Kräfte rationell einsetzt.

Körper, Seele und Geist wirken als eine Einheit. So wie jede Überlastung des einen Bereiches auf die Dauer die anderen Bereiche schädigt, so hat jede Kräftigung des einen eine kräftigende Wirkung auf die anderen. Für ein erfolgreiches Lernen sind daher fo lgende psychische Voraussetzungen von besonderer Bedeutung: Neben einem intakten Rezeptionsapparat, d.h. dass die Sinnesorgane in der Lage sind, Reize aufzunehmen und an das Gehirn weiter zu leiten, muss ein ausreichendes Vorstellungsvermögen vo rhanden sein, damit das zu Lernende verstanden werden kann. Ebenso spielen die Aufmerksamkeit und eine gute Beobachtungsgabe eine sehr wichtige Rolle. Aufmerksamkeit bedeutet hier nicht nur, sich nicht von einer Sache ablenken zu lassen, sondern auch ihre Abhängigkeit von der angebotenen Stoffmenge. Erhält der Lernende zu viele Informationen, schaltet er ab, wird ihm aber zu wenig Stoff geboten, kann er seine Aufmerksamkeit auch sehr schnell von einer Sache abwenden. Sehr wichtige geistige Voraussetzungen für einen normale n Lernprozess sind zudem das Vorhandensein eines Assoziationsvermögens und ein gut funktionierendes Gedächtnis. Dieses muss die Fä- higkeit besitzen, Informationen aufzunehmen, sie vorübergehend oder dauerhaft zu speichern und sie auf Abruf wieder auszugeben. Ebenso sollte man eine positive Lebenseinstellung besitzen, um sich von Misserfolgen nicht demotivieren zu lassen.

Eine Verbesserung des Lernens wird aber nicht allein dadurch erreicht, dass gewisse geistige Fähigkeiten trainiert und verbessert werden. Auch die äußeren Bedingungen, wie ein zweckmäßiger Arbeitsraum und -platz, eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf, ein fester Tagesrhythmus und geregelte Pausen, um die notwendige Erholung zu erlangen, müssen nach Möglichkeit günstig gestaltet werden, um ein wirkungsvolles geistiges Arbeiten zu ermöglichen.4

2.3 Die Lernund Leistungsmotivation

„Man stelle sich die Aufgabe vor, eine Horde junger Paviane in Gruppen „einzuschulen“ und systematisch zu unterrichten. Wie kann man sie erreichen und ihnen verständlich machen, was man von ihnen will? Viele Missverständnisse sind dabei möglich. Wie kann man sie von den Eltern wegnehmen, ohne dass diese sie im Glauben verteidigen, dass sie ihnen geraubt werden? Wie kann man sie dazu bringen, ruhig zu sitzen? Wie kann man eine Horde in einem Raum versammeln, ohne dass sie übereinander herfallen? Wie kann man Signale erfinden, die sie verstehen? Wie kann man sie dazu bringen, dass sie das tun wo llen, was man von ihnen verlangt oder glaubt, zu ihrem Wohle anbieten zu müssen?5

Zwei Problemgruppen werden an diesem Pavianbeispiel sichtbar. Dies wären zum einen kognitive Probleme, d.h. dass ein Code entwickelt werden muss, der sowohl vom

„Sender“, als auch vom „Empfänger“ verstanden werden kann, damit zum weiteren Handeln eine Basis geschaffen ist. Ein zweites Problem ist jenes motivationaler Art. Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir die Paviane dazu bewegen, das tun zu wollen, was wir von ihnen verlangen?

Auf beide Problemgruppen werden wir als angehende Lehrer in unserem zukünftigen Berufsleben stoßen oder haben sogar bereits im Schulpraktikum erste Erfahrungen mit ihnen sammeln können bzw. kennen sie noch von uns selbst. Zum einen müssen wir mit den Schülern eine gemeinsame Ebene finden, auf der wir kommunizieren, ohne uns dabei auf ein „plattes“ Niveau zu begeben. Zum anderen müssen wir uns immer wieder die Frage stellen, wie wir die Schüler dazu bewegen können, das tun zu wollen, was wir von ihnen verlangen. Mit letzterem wollen wir uns nun in diesem Teil unseres Referates beschäftigen.

Die Lernund Leistungsmotivation spielt bei der Bewältigung schulischer Anforderungen eine sehr herausragende Rolle, wobei sie auch für die Entwicklung berufsorientierter Haltungen sehr bedeutsam ist. Sie ist diejenige, die einen Lernprozess in Gang bringt, d.h. ihn initiiert. In dem Menschen, der etwas lernen soll, muss ein Bedürfnis geweckt werden, damit er sich mit einem Sachverhalt auseinander setzt. Im günstigen Fall ist Lernen intrinsisch motiviert, d.h. dass der Schüler lernt, weil es ihm Spaß macht. Allerdings kann sich die Stoffvermittlung in der Schule nicht allein auf diese spontanen Interessen verlassen. Sie ist auf die Internalisierung der schulischen Lernansprüche angewiesen. Hierbei können die Schüler die Sache der Schule zunehmend zu ihrer eigenen machen, anfangs eher wegen externer Belohnung (extrinsische Motivation) le rnen, mit Anstrengung ein schlechtes Gewissen vermeiden wollen und sich dann zunehmend mit den Erwartungen der Schule identifi zieren.

Um nun einen Menschen zum Lernen zu bewegen, d.h. die motivationalen Probleme zu bewältigen, gibt es folgende Möglichkeiten, wobei nicht alle für den schulischen Betrieb geeignet sind .

[...]


1 Busch, Wilhelm, Und die Moral von der Geschicht, Band 1, 1959, S. 39

2 Fend, Helmut, Der Umgang in der Schule in der Adoleszenz, Bern, 1997, S. 93

3 Edelmann, Lernpsychologie – eine Einführung, 4. Aufl., Weinheim, 1994, S. 5

4 Ott, u.a., Thema Lernen – Methodik des geistigen Arbeitens, Stuttgart, 1977, S. 9 ff.

5 Fend, Helmut, a.a.O., S. 95

20 von 20 Seiten

Details

Titel
Der normale Lernprozess und die Bewältigung schulischer Anforderungen
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Veranstaltung
Verhaltensauffälligkeiten und Lernstörungen
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V107488
Dateigröße
863 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernprozess, Bewältigung, Anforderungen, Verhaltensauffälligkeiten, Lernstörungen
Arbeit zitieren
Stefanie Freiberg (Autor), 2003, Der normale Lernprozess und die Bewältigung schulischer Anforderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107488

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