Die Rolle der Vergangenheit für die Hauptcharaktere in Virginia Woolfs Mrs Dalloway


Seminararbeit, 2001

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALT

1. Die Bedeutung der Vergangenheit für die persönliche Entwicklung der Charaktere in Mrs Dalloway

2. Die Rolle der Vergangenheit für
a. Mrs Clarissa Dalloway
b. Septimus Warren Smith
c. Peter Walsh

3. Schlussbetrachtung

4. Literaturverzeichnis

1. Die Bedeutung der Vergangenheit für die persönliche Entwicklung der Charaktere in Mrs Dalloway

Virginia Woolf benutzt in Mrs Dalloway verschiedene Fokalisierer, um die Gedanken der betreffenden Personen darzustellen.

Clarissa Dalloway, Septimus Warren Smith und Peter Walsh werden dazu besonders häufig herangezogen. Ihre Gedanken schweifen dabei immer wieder in die Vergangenheit zurück.

Die vorliegende Arbeit versucht zu zeigen, dass diese Charaktere durch ihre Vergangenheit besonders geprägt worden sind und sie ihr Leben in der Gegenwart völlig nach den Erlebnissen der Vergangenheit ausrichten.[1]

Auch sollen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Erlebnisse, die die Charaktere beeinflussen, hervorgehoben werden, die bei Clarissa zu einer Lebensbejahung, bei Septimus zum Selbstmord und bei Peter dazu führen, dass sein ganzes Leben als Fehler angesehen wird.

2. Die Rolle der Vergangenheit für

a. Mrs Clarissa Dalloway

Gegenstände und Geräusche rufen Erinnerungen an die Vergangenheit in den Charakteren hervor (vgl. Erzgräber 1982: 66). Gleich zu Beginn des Romans wird Clarissa durch den schönen Morgen und das Quietschen der Türangeln an ihre Jugendzeit in Bourton erinnert:

What a lark! What a plunge! For so it had always seemed to her when, with a little squeak of the hinges, which she could hear now, she had burst open French windows and plunged at Bourton into the open air. How fresh, how calm, stiller than this of course, the air was in the early morning; like the flap of a wave; the kiss of a wave; chill and sharp and yet (for a girl of eighteen as she then was) solemn, feeling as she did, standing there at the open window, that something awful was about to happen; […] (MD, 5).

Clarissa betont hier vor allem die Stille und Geborgenheit der Natur, die „calm“ ist, im Vergleich zur ständigen Unruhe und Geschäftigkeit des modernen Londons und erinnert sich an die „Unbekümmertheit und Frische der glücklichen Jugendjahre“, die durch „tiefe und reine Empfindungen geprägt war“ (Schwank 1975: 73).

Clarissas Gefühl, dass „something awful was about to happen“, stellt die wichtigste Eigenschaft ihrer Persönlichkeit dar: Einerseits führt sie ihr Leben äußerst enthusiastisch, andererseits fürchtet sie sich vor einer Unterbrechung ihres Lebens, so wie sie es in der Gegenwart lebt. Die Ursache für diese Angst ist Clarissas Erinnerung an die Unterbrechung des „most exquisite moment of her whole life“, als Peter Walsh ihren Kuss mit Sally Seton unterbrochen hat. Sie gingen zusammen spazieren als

she and Sally fell a little behind. Then came the most exquisite moment of her whole life passing a stone urn with flowers in it. Sally stopped; picked a flower; kissed her on the lips. The whole world might have turned upside down! The others disappeared; there she was alone with Sally. […]

‘Star-gazing?’ said Peter.

It was like running one’s face against a granite wall in the darkness! It was shocking; it was horrible!

Not for herself. She felt only how Sally was being mauled already, maltreated; she felt his hostility; his jealousy; his determination to break into their companionship. […]

‘Oh this horror!’ she said to herself, as if she had known all along that something would interrupt, would embitter her moment of happiness. (MD, 40-41).

Peter erscheint Clarissa hier als Eindringling, als „intruder“(vgl. Ruotolo 1980: 155), der ihre Beziehung mit Sally zerstören will: Sallys und Clarissas Gefühle füreinander „sprang from a sense of being in league together, a presentiment of something that was bound to part them (they spoke of marriage always as a catastrophe)“(MD, 39). Peter zwingt Sally und Clarissa hier die heterosexuellen Konventionen der Gesellschaft auf, die von Clarissa als bedrohliche „catastrophe“ empfunden werden.

Clarissa scheint bereits vorher das Gefühl gehabt zu haben, dass “something awful was about to happen“ (MD, 5) und hier wird ihr Gefühl bestätigt. Sie weiß genug über die gesellschaftlichen, heterosexuellen Konventionen, dass sie auch ahnt, dass „something would interrupt, would embitter her moment of happiness“. Auch sind Clarissa diese Konventionen wichtig. Sie will ein respektables Leben führen und ist daher Peter sogar in gewisser Weise dankbar für seine Unterbrechung:

Yet how much she owed Peter Walsh later. […] She owed him words: ‘sentimental, ‘civilized’; they started up every day of her life as if he guarded her. […] ‘Sentimental,’ perhaps she was to be thinking of the past.

(MD, 41)

Da ihre Liebe zu Sally von der Gesellschaft nicht als “civilized” angesehen würde wertet auch Clarissa sie, dank Peter, als “sentimental” ab (vgl. Jensen 1983: 165-166).

Dennoch wird Clarissas Leben als Erwachsene stark beeinflusst durch ihre Liebe zu Sally, die nicht nur ein „simple girlhood crush“ (Jensen 1983: 162) ist:

But this question of love (she thought, putting her coat away), this falling in love with women. Take Sally Seton; her relation in the old days with Sally

Seton. Had not that, after all, been love? (MD, 37)

Clarissa hat damals die Entscheidung getroffen die einzige wahre Liebe ihres Lebens zu Sally zu verleugnen, anstelle von Peter Richard zu heiraten, weil Richard von ihr emotional weniger fordert und außerdem die finanziellen Mittel für ein respektables Leben hat (vgl. Jensen 1983: 162). Ein Leben mit Richard ist wegen seines Geldes und seiner gesellschaftlichen Stellung sicher, wohingegen ein Leben mit Peter unsicher ist (vgl. Blackstone 1949: 94). Somit hat Clarissa die emotionalen Möglichkeiten von Bourton eingetauscht gegen das sozial Praktische von London (vgl. Paul 1987: 125-126). Andererseits wird sie auch von Richard in die Rolle der Mrs Dalloway hineingedrängt und hat Angst dadurch den Rest ihrer Persönlichkeit zu verlieren (vgl. Dick 1989: 36-37): „this being Mrs Dalloway; not even Clarissa any more; this being Mrs Richard Dalloway.“ (MD, 13)

Der Sommer in Bourton repräsentiert für Clarissa ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Gemeinschaft, der Kommunikation. Sie sucht auch dreißig Jahre später immer noch nach diesen Gefühlen, die sie damals empfunden hat. Manchmal, aber nur für sehr kurze Zeit, kann sie sie in den Straßen von London finden. Doch werden diese Momente immer wieder durch den Klang der Glocken von Big Ben unterbrochen. Dies verdeutlicht, dass Clarissas größte Angst ist, dass die vergehende Zeit, nach und nach, immer mehr die Kommunikation zerstören wird. Diese Angst wird dann durch Septimus Selbstmord beseitigt (vgl. Paul 1987: 127-128).

[...]


[1] Die Gegenwart ist für alle Charaktere die Gleiche: ein Mittwoch, im „June“ 1923, in „London“ (Mrs Dalloway=MD, 6), fünf Jahre nach dem Ende des 1. Weltkrieges.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Vergangenheit für die Hauptcharaktere in Virginia Woolfs Mrs Dalloway
Hochschule
Universität zu Köln  (Englisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar Virginia Woolf
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
14
Katalognummer
V10750
ISBN (eBook)
9783638170963
ISBN (Buch)
9783640521470
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Vergangenheit, Hauptcharaktere, Virginia, Woolfs, Dalloway, Proseminar, Woolf
Arbeit zitieren
Michaela Müller (Autor), 2001, Die Rolle der Vergangenheit für die Hauptcharaktere in Virginia Woolfs Mrs Dalloway, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10750

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