Empirische Ansätze zur Wohlfahrtsmessung


Seminararbeit, 2002

27 Seiten, Note: 1,3


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Inhaltsverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

III Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition von Wohlfahrt

3 Das Sozialprodukt als Wohlfahrtsindikator
3.1 Berechnung des Sozialproduktes
3.2 Kritik am Sozialprodukt als Wohlfahrtsindikator

4 Alternative empirische Ansätze zur Wohlfahrtsmessung
4.1 Soziale Indikatoren
4.2 Satellitensysteme
4.2.1 Aufbau eines Satellitensystems
4.2.2 Bewertungsmethoden
4.2.3 Satellitensystem zur Haushaltsproduktion
4.3 Folgekostenrechnung
4.4 Das Ökosozialprodukt
4.4.1 Nachhaltigkeit im neoklassischen Sinne
4.4.2 Nachhaltigkeit(i.e.S.) als konstanter Kapitalstock
4.4.3 Nachhaltigkeit als periodenbezogene Neutralität
4.5 Das Nettowohlfahrtsprodukt

5 Schlussbetrachtung

IV Quellenverzeichnis

V Anhang

II Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieserLeseprobenichtenthalten

III Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 (S.6) : Aufbau eines Satellitensystems (eigene Darstellung)

Abbildung 2 (S.13) : Bewertung der nicht nachhaltigen Umweltnutzung (In Anlehnung an: Cansier/ Richter 1995, S.240)

1 Einleitung

Die Problematik der Wohlfahrtsmessung basiert auf der Komplexität des Begriffes Wohlfahrt oder Wohlstand. Als Keynes in den wirtschaftlichen Krisenzeiten Ende der 20er Jahre die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung entwickelte, hatte der Begriff Wohlfahrt eine andere Bedeutung als Heute.

In Krisenzeiten stehen objektivere Faktoren, wie das Einkommen, in Vordergrund während in Blütezeiten der Wirtschaft subjektive Faktoren, wie das individuelle Wohlbefinden stärker gewichtet werden. In dieser Arbeit wird daher zunächst einmal der Wohlfahrtsbegriff näher erläutert.

Besonders die Messung und Erfassung von subjektiven Faktoren oder nicht-monetären Grö- ßen stellen dabei große statistische und konzeptionelle Herausforderungen dar. Eine Erörterung der verschiedenen Lösungsansätze wird daher im Rahmen des Satellitensystems stattfinden.

Die VGR ist unser derzeit wichtigster Indikator für die Wohlfahrt. Aber seit Mitte der 60er Jahre wird die Kritik an dem Bruttosozialprodukt als Wohlfahrtsindikator zunehmend lauter. In der folgenden Ausführung wird auf diese Kritikpunkte näher eingegangen, denn diese sind die Ursache und der Ursprung für die alternativen Ansätze zur Wohlfahrtmessung.

Die wichtigsten empirischen Ansätze, die in dieser Arbeit vorgestellt werden sind die Bewegung der Sozialindikatoren, die Satellitensysteme für die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, die Folgekostenrechnung, verschiedene Ansätze für ein Ökosozialprodukt und das Konzept für ein Nettowohlfahrtsprodukt. Einen besonderen Schwerpunkt bilden dabei die unterschiedlichen Ansätze des Ökosozialprodukts und ihr jeweiliges Nachhaltigkeitskriterium.

Bei der Betrachtung der einzelnen Ansätze liegt ein besonderes Gewicht in der Kritik der Konzepte und Methoden, die in der Literatur besonders auffallen, und der Kompatibilität zur derzeitigen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.

2 Definition von Wohlfahrt

Der Begriff der Wohlfahrt wird durch den Gegensatz zwischen der objektiven und subjektiven Wohlfahrt geprägt. Daraus wird Wohlfahrt als eine Summe oder Konstellation von objektiven Lebensbedingungen und subjektiven Wohlbefinden abgeleitet (vgl. Schupp/Habich/Zapf 1996, S.11).

Die objektiven Lebensbedingungen werden durch die von außen beobachtbare Bedürfnisbefriedigung des Menschen dargestellt. Diese können durch Versorgungsund Verteilungsindikatoren gemessen werden. Demgegenüber steht das subjektiv wahrgenommene Wohlbefinden eines jeden Individuums, wie Glück und Einsamkeit, Zufriedenheit und Unzufriedenheit oder Ängste und Sorgen. Das subjektive Wohlbefinden kann grundsätzlich nur durch Befragungen gemessen werden (vgl. Zapf 1977 S.247; Cambell 1972 S.442).

3 Das Sozialprodukt als Wohlfahrtsindikator

Es gibt weltweit kein zweites ökonomisches Aktivitätsmaß, das so häufig als Wohlstandsindikator interpretiert wird, wie das Sozialprodukt. Doch schon von Anfang an entbrannte eine intensive Diskussion unter den Wirtschaftswissenschaftlern ob, und – wenn ja – wie das Sozialprodukt als Wohlfahrtsindikator zu interpretieren sei (vgl. Scholz 1991, S.17; Lützel 1983, S.262).

Im folgenden Abschnitt wird daher auf die Entstehung und die Kritik am Sozialprodukt als Wohlfahrtsmaß eingegangen.

3.1 Berechnung des Sozialproduktes

Im Rahmen der volkwirtschaftlichen Gesamtrechnung(VGR) wird der Wert der wirtschaftlichen Leistung der inländischen Wirtschaftseinheiten in der Berichtsperiode mittels des Sozialproduktes ausgedrückt (vgl. www-zr.statistik-bund.de). „Das Bruttosozialprodukt definiert sich als die Summe aller produzierten Güter und Dienstleistungen einer Volkswirtschaft während eines Jahres.“(Woll 1981, S.16)

Auf der Basis eines geschlossenen Wirtschaftskreislaufsmodells kann das Sozialprodukt auf drei Arten ausgerechnet werden. Die Entstehungsrechnung gibt darüber Auskunft aus welchen Wirtschaftsbereichen die Wertschöpfung kommt. Die Verteilungsrechnung beschäftigt sich mit dem Zufluss des entstandenen Einkommens zu den Wirtschaftssubjekten einer

Volkswirtschaft. Die Verwendungsrechnung erfasst dann schließlich die Verwendung der Einkommen durch die Wirtschaftssubjekte (vgl. Haslinger 1995, S.68).

Bei der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung unterscheidet man unter anderem zwischen Bruttosozial-(BSP), Bruttoninlands-(BIP), Nettosozial-(NSP), und Nettoinlandsprodukt(NIP). Der Unterschied zwischen dem Sozialund Inlandsprodukt liegt im Inländerkonzept. Beide Produkte beinhalten das Inlandseinkommen von Innländern, aber während zum Bruttosozialprodukt noch das Auslandseinkommen der Innländer hinzugezählt wird, wird dem Bruttoinlandsprodukt das Inlandseinkommen der Ausländer hinzuaddiert(vgl. www-zr.statistikbund.de).1

Das Nettoprodukt unterscheidet sich vom Bruttoprodukt dahingehend, dass die Abschreibungen vom Bruttoprodukt abgezogen werden (vgl. Haslinger 1995, S.47).2

3.2 Kritik am Sozialprodukt als Wohlfahrtsindikator

Die seit Mitte der 60er Jahre entfachte Kritik am Sozialprodukt kann man in zwei Kategorien einteilen. Einerseits werden bestimmte wohlfahrtsrelevante Vorgänge im Sozialprodukt vernachlässigt und andererseits werden bestimmte Transaktionen zwar erfasst, jedoch in einer der Logik und Systematik der VGR unzureichenden oder nicht angemessenen Weise (vgl. Haslinger 1995, S.221).

In die erste Gruppe von Kritikpunkten fallen insbesondere:

- Die Vernachlässigung der Eigenleistung der privaten Haushalte, wie z.B. Zubereitung von Mahlzeiten, Kindererziehung oder Reinigung der Wohnung (vgl. Scholz 1991, S.18).
- Die Nichterfassung von schattenwirtschaftlichen Aktivitäten wie z.B. Lieferung ohne Rechnung, Beschäftigung ohne formelles Arbeitsverhältnis. Der Anteil dieser Aktivitäten spielt besonders bei weniger entwickelten Ländern eine gewichtige Rolle (vgl. Scholz 1991, S.18).
- Die fehlende Berücksichtigung der Einkommensverteilung. Die Einkommensverteilung wird nur indirekt über die Preisund Mengenstrukturen erfasst. Es ist allerdings nicht möglich Aussagen über die Wohlfahrtsentwicklung hinsichtlich der Einkommensverteilung zu machen, wenn sich im Zeitverlauf das Sozialprodukt erhöht (vgl. Haslinger 1995, S.222).
- Die Nichterfassung von negativen und positiven externen Effekten. Der Begriff der externen Effekte umfasst im weitesten Sinne alle nicht entgoltenen Vorteile (positive externe Effekte) und alle nicht entschädigten Nachteile (negative externe Effekte). Unter die negativen externen Effekte fallen die Beeinträchtigung des Menschen am Arbeitsplatz durch Gifte, Lärm oder Hitze, die Luftund Gewässerverunreinigung oder die Plünderung und Vernichtung der Fauna und Flora (Woll 1981, S.41ff.). Zur zweiten Gruppe von Kritikpunkten gehören insbesondere:
- Die positive Bewertung von „Antibads“ zum Sozialprodukt. Viele Güter und Dienste z.B. Umweltschutzleistungen („Antibads“) haben nur einen Kompensationscharakter um die „bads“ anderer Produktionen auszugleichen, tragen aber trotzdem zu einer Erhöhung des Sozialproduktes bei (vgl. Scholz 1991, S.18).
- Die Bewertung staatlicher Leistungen zu Herstellungskosten, lässt keinen Schluss auf die wahre Marktbewertung zu. So lässt sich keine wahre Aussage über den Wert der Bildung oder des Rechtssystems machen, weil nur eine Inputbewertung und keine Outputbewertung erfolgt. (vgl. Haslinger 1995, S.223)
- Die Nichtidentität von Preis und Wert eines Gutes, wie z.B. bei der Monopolpreisbildung hat einen Zuwachs des Sozialproduktes ohne eine Steigerung der Wohlfahrt zufolge (Woll 1981, S.29ff.).

4 Alternative empirische Ansätze zur Wohlfahrtsmessung

Aus der Kritik des Sozialproduktes als Wohlfahrtsindikator entwickelten sich eine Reihe von Ansätzen zur Ergänzung oder Korrektur des Sozialproduktes. Zu den wichtigsten Forschungsrichtungen gehören die Sozial-Indikatorenbewegung und die Satellitensysteme, die Folgekostenrechnung, das Ökosozialprodukt(ÖSP) und das Nettowohlfahrtsprodukt. Diese werden im Folgenden näher erläutert.

4.1 Soziale Indikatoren

Während das Sozialprodukt vorwiegend als ein Indikator für die gesellschaftliche Wohlfahrt verwendet wurde, steht bei den sozialen Indikatoren auch die Messung der individuellen Wohlfahrt im Vordergrund (vgl. www.gesis.org).

Vor diesem Hintergrund ergeben sich folgende allgemein akzeptierte Minimalanforderungen für ein brauchbares Sozialindikatorensystem.

Soziale Indikatoren sollten sowohl monetäre als auch nichtmonetäre Messgrößen, die essentielle Informationen über die Qualität des Lebens beinhalten, erfassen. Diese sollten in zeitlich regelmäßigen Abständen ermittelt werden. Weiterhin sollten die Indikatorensysteme so aufgebaut sein, dass intertemporale und internationale Wohlstandsvergleiche ohne größeren Aufwand durchgeführt werden können (vgl. Haslinger 1995, S.240).

Dagegen ist die Zusammenstellung und Darstellung der Indikatoren noch sehr umstritten. Durch eine aggregierte Darstellung wird zwar Einfachheit und Vergleichbarkeit gewährleistet, doch wird dabei nur zu oft die Korrelation zwischen den Indikatoren vernachlässigt oder unvereinbare Größen miteinander addiert, wie z.B. physische(Kalorienverbrauch) und monetäre Größen(Sozialausgaben)(vgl. Lippe 1995, S.82).

Subjektive Indikatoren haben gegenüber objektiven Indikatoren den Vorteil, dass sie eine unmittelbare Einschätzung über das individuelle Wohlbefinden enthalten. Demgegenüber stehen Nachteile betreffend der Erhebung, der Zuverlässigkeit und der Vergleichbarkeit entgegen (vgl. Haslinger 1995, S.240).

Als allgemeine Kritik an den sozialen Indikatoren wird der Theoriedefizit aufgeführt. Angesichts der Fülle und Beliebigkeit der bisherigen Indikatorsysteme verliert man den Blick für das Wesentliche. Indikatoren werden nicht gültig durch die Festlegung von Experten, sondern nur aufgrund wohlfundierter theoretischer Überlegungen über den Zusammenhang zwischen Indikator und Indikandum (vgl. Haslinger 1995, S.243ff.).

Als Beispiel für ein Indikatorsystem wäre das System sozialer Indikatoren in Deutschland zu nennen. Um die subjektive Lebensqualität der Bürger Deutschlands zu messen, wird ein Indikatorsystem aus knapp 400 Indikatoren und über 3000 Zeitreihen aus 14 Lebensund Politikbereichen, vom Einkommen und seiner Verteilung über Umwelt bis zu allgemeinen Wohlfahrtsmaßen, verwendet. Im Bereich der Einkommensverteilung werden Indikatoren wie Konzentration des Nettoeinkommens oder im Bereich der Umwelt, der Anteil der geschädigten Waldflächen aufgezählt (vgl. www.gesis.org).

4.2 Satellitensysteme

Nach der Definition der Wohlfahrt sollten sowohl die individuelle als auch die kollektive Wohlfahrt Berücksichtigung finden. Während sich das Sozialprodukt wenn überhaupt nur zur Messung der kollektiven Wohlfahrt eignet und die Sozialindikatoren sich mehr auf das individuelle Wohl konzentrieren, versucht das Konzept der Satellitensysteme beides zu erfassen. Satellitensysteme stellen Ergänzungen zur VGR dar, in denen Angaben zu einem bestimmten, gesellschaftlich wichtigen Informationsfeld zusammengestellt werden. Dabei werden Problembereiche wie Umwelt, Gesundheitswesen, Bildungswesen und Forschungsaktivitäten, der Arbeitsmarkt oder die Haushaltsproduktion untersucht. Dazu werden monetäre Größen aus der VGR verwendet und mit Nicht-Monetären Größen aus anderen Quellen verknüpft (vgl. Stahmer 1988, S.11ff.).

Im Folgenden wird die Struktur von Satellitensystemen dargestellt und anschließend die statistischen Probleme und deren Umsetzungen am Beispiel der Haushaltsproduktion näher erläutert.

4.2.1 Aufbau eines Satellitensystems

Das charakteristische Merkmal eines Satellitensystems ist die Darstellung der Verflechtungen zwischen Produktion, Verwendung und Finanzierung von sektorenübergreifenden Dienstleistungen für das betreffende Untersuchungsfeld. Die folgende Abbildung soll diese Beziehung ausführlicher verdeutlichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Aufbau eines Satellitensystems (Quelle : Eigene Darstellung)

Bei der Erstellung eines Satellitensystems unterscheidet man bei der Produktion von Dienstleistungen zwischen firmeninterner Herstellung als Hilfstätigkeit und Produktion von Leistungen für Dritte. Neben den monetären Größen werden noch Nicht-Monetäre Angaben zu den Produktionsfaktoren, Inputund Ouputmengen, Indikatoren oder Daten über Kuppelprodukte hinzuaddiert (vgl. Stahmer 1988, S.14f.).

Für die Darstellung der Produktaktivitäten und der Güterverwendung werden zunächst Teilsysteme der VGR, wie Angaben aus der Input-Output-Rechnung verwendet. Hinzukommen noch Daten von außerhalb der traditionellen VGR, wie z.B. Bewertung der Hausarbeit. Zur Auswertung von Satellitensystemen besteht dann die Möglichkeit der Ermittlung eines Gesamtinidikators für die monetären Ströme. (vgl. Stahmer 1988, S.16ff.).

[...]


1 Das Inländerkonzept wird mit Hilfe der Abbildung 1-A im Anhang veranschaulicht.

2 Für genauere Informationen zur Berechnung des BSP, BIP, NIP und NSP siehe Anhang Tabelle 1-A

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Details

Titel
Empirische Ansätze zur Wohlfahrtsmessung
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
S-SOZ Seminar: Der dritte Sektor im System der Wohlfahrtsproduktion
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
27
Katalognummer
V107506
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Weitere Arbeiten von mir findest du unter www.paunescu.de
Schlagworte
Empirische, Ansätze, Wohlfahrtsmessung, S-SOZ, Seminar, Sektor, System, Wohlfahrtsproduktion
Arbeit zitieren
Mihai Paunescu (Autor), 2002, Empirische Ansätze zur Wohlfahrtsmessung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107506

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