Die Linke und die jüdische Frage: Gab es eine marxistische Antwort auf den Antisemitismus?


Seminararbeit, 2002
21 Seiten

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Inhalt

I Einleitung Seite

II Das Judentum aus marxistischen Perspektiven Seite

III Wurzeln und Funktion des Antisemitismus Seite

IV Revolution und Antisemitismus Seite

V Schluss Seite

VI Quellen und Literatur Seite

VII Anlage Seite

Einleitung

Antizionismus sei linker Antisemitismus, implizieren viele aktuelle Texte, die sich mit der ablehnenden Haltung von Teilen der Linken zu Israel auseinandersetzen1. So geht Thomas Haury sogar soweit, Antiimperialismus als Antisemitismus zu disqualifizieren und den Marxismus-Leninismus sozusagen als die Pseudo-Ideologie zu seiner Tarnung zu bezeichnen. So wird dann jegliche antiimperialistische Solidarität tendenziell antisemitisch2. Aber auch gerade auf Teilen der Linken ist es en Vogue, kritische Äußerungen gegenüber dem Staat Israel als antisemitisch zu entlarven und gar die Palästinenser an sich als Reinkarnation des absoluten Bösen, der Nazis nämlich, zu identifizieren3. Der europäische Antisemitismus und besonders der deutsche Vernichtungsantisemitismus wird damit in den Nahen Osten projiziert, wo man -nach dieser Logik- zumindest als Palästinenser quasi als Antisemit geboren wird. Zu den Antisemiten von heute werden damit auch alle, die sich in irgendeiner Weise mit den Palästinensern solidarisch zeigen. Ich halte dieses Argumentationsmuster einen moralisch umkleideten Rassismus. Man wirft allen kritischen Strömungen völkisches Denken vor, um sich diesem selbst umso hemmungsloser hingeben zu können. Die Grundlage für diese absolute Identifikation mit dem Staate Israel hat ihren Ursprung in dem Antifaschismus- Paradigma, das auch die frühen Grünen bestimmte und der gleichzeitigen Akzeptanz der Existenz eines jüdischen Volkes sowie der Unbesiegbarkeit des Antisemitismus. Ausgehend von der These der Kollektivschuld aller Deutschen am größten Verbrechen der jüngsten Vergangenheit, der Shoah, werden Mechanismen und Bedingungen ausgeklammert, die eine Voraussetzung für den Holocaust waren. So war es unerläßlich, schon 1933 die Strukturen der Linken und der Gewerkschaften in Deutschland völlig zu zerschlagen, und die Linken , Sozialdemokraten und bürgerlichen Oppositionellen dem individuellen Terror auszusetzen. Ohne dies und die Spaltung in der Arbeiterbewegung, die eine Einheitsfrontpolitik gegen den heraufziehenden Nazionalsozialismus unmöglich machte, hätte es den Holocaust nicht gegeben4.

Vielleicht war auch dieser Terror mit Schuld daran, daß über die ursprünglich linken Wurzeln des Antizionismus häufig hinweggesehen wird. Nach dem Holocaust gewann der Zionismus und die Idee einer jüdischen Heimstatt in Palästina einen Zulauf, wie er ihn vorher nie hatte. Der Idee der aktiven Bekämpfung des Antisemitismus vor Ort durch Klassenauseinandersetzungen sowie durch den Kampf gegen die rassistischen Spaltungsversuche der Rechten und Regierenden, von denen der Antisemitismus der wichtigste und beständigste war, wurde, wie sie den Linken vorschwebte, der Boden entzogen. Auch wenn durchaus nicht die Mehrheit der Überlebenden nach Palästina ging, sondern in die USA, schien doch die Bekämpfung des Antisemitismus vor Ort durch die Verbrechen an den Juden keine realistische Perspektive mehr zu haben. So blieb dann der Zionismus die einzige Antwort: Flucht in den Nationalstaat statt Bekämpfung des Antisemitismus.

Ich will nicht bestreiten, daß es einen Antizionismus gibt, der mit linken Wurzeln nichts zu tun hat. Sehr wohl kann sich Antisemitismus den Anschein des Antizionismus oder gar nur der Kritik an Israel geben. Möllemanns Äußerungen sind ein Beispiel dafür, wie Kritik an Israels Besatzungspolitik ein Einfallstor für die Mobilisierung antisemitischer Wählerstimmen bieten kann5.

Der Antizionismus, über den ich hier schreiben möchte, hat aber mit Antsemitismus nicht das geringste zu tun. Vielmehr versteht er sich im Gegensatz zu der Lösung der „Judenfrage“ als nationalstaatliche Emanzipation im Zionismus als Ansatz der gesellschaftlichen Emanzipation. Wohlgemerkt möchte ich, und das ist wohl auch schwer möglich, nicht bestreiten, daß es auch auf der Linken Antisemitismus gab und antisemitische Klischees bedient oder instrumentalisiert worden sind. Besonders in den Hochphasen des Stalinismus, der von meiner Warte mit Marxismus nicht viel zu tun hat, war dies der Fall6. Der eliminatorische Antisemitismus der Nazis aber kommt eindeutig aus der Rechten. Die Geschichte der Diskussion um die Emanzipation der Juden beginnt in der marxistischen Literatur 1843 mit dem Text „Zur Judenfrage“ von Karl Marx und hat bis heute nicht geendet. Der Staat Israel gilt als die historische Konsequenz aus dem Holocaust und wird als geschichtliche Tatsache selbst von den marxistischen Linken kaum noch in Frage gestellt. Der Holocaust hat die Debatte, wie es sie bis in die 40er Jahre, siehe „The Jewish Question“ von Abram Leon7, gab, in den Augen der meisten Menschen ad absurdum geführt. Antisemitismus gilt als gegeben und praktisch unauslöschlich.

Warum war die marxistische Linke, obwohl sie für die Befreiung sowohl des Proletariats so wie auch der Juden und in Konsequenz der ganzen Gesellschaft eintrat, mehrheitlich antizionistisch? Ist das überhaupt ein Widerspruch?

Entlang dieser Fragen soll sich im Idealfall meine Argumentation bewegen. Obwohl der Holocaust es fast unmöglich macht, das Problem „sachlich“ zu diskutieren8, will ich einen Versuch wagen, den Antizionismus der Linken zu entdämonisieren und ihn aus dem Dunstkreis des Antisemitismus zu holen.

Es erscheint mir sinnvoll, mit der Definition dessen, was als Judentum bezeichnet wird, zu beginnen. Obwohl Marxens Text „Zur Judenfrage“ zu einer Zeit entstand, zu dem es den Zionismus als Ideologie noch nicht gab, werde ich ihn in die Argumentation mit einbeziehen. Darauf folgend werde ich mich mit der Herkunft, den Wurzeln und der Funktion des Antisemitismus auseinandersetzen, um danach die Perspektive des Kampfes gegen den Antisemitismus im Marxismus erläutern zu können. Anschließend werde ich auf Ansätze eingehen, die sich mit dem praktischen Konflikt zwischen den marxistischen Lösungsmöglichkeiten und der zionistischen Ideologie befassen. Abschließen werde ich mit Hinweisen auf die eventuelle Aktualität der Diskussion eingehen.

Ich bin mir im Klaren, daß es weder den einen Antisemitismus, noch den einen Marxismus und auch nicht den einen Zionismus oder Antizionismus gibt, jedoch kann diese Arbeit nicht den Raum bieten, das Thema wirklich erschöpfend zu behandeln, auch weil sie aus einer bestimmten Perspektive geschrieben ist, die sich aus meiner politischen Arbeit herleitet. Nichtsdestotrotz hoffe ich, einige produktive Ideen wiedergeben oder auch entwickeln zu können.

Das Judentum aus marxistischen Perspektiven

Im eigentlichen Sinne des Wortes ist das Judentum eine Religionsgemeinschaft. Es ist die erste Buchreligion9, ihr Buch ist der Talmud, das Alte Testament des Christentums. Die Geschichte der Juden begründet sich auf ihren Stammvater Abraham (rund 1700 v.Chr.), verbindet sich über den Auszug aus Ägypten in das Heilige Land unter Moses fünfhundert Jahre später und die Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem im Jahre 70 mit der Vertreibung aus Palästina in die Diaspora durch die Römer. Zwar lebte schon zu der Zeit die große Mehrheit der Juden außerhalb Palästinas10, aber die die Zerstreuung der 12 Stämme bedeutete den Beginn der Heimatlosigkeit der Juden als Volk.11 Soviel zu den religiösen Wurzeln.

Nur als Religion ist das Judentum inzwischen jedoch nicht mehr zu verstehen. Wie konnte sich das Judentum über 2000 Jahre hinweg als Gemeinschaft erhalten? Wie kam es dazu, daß nicht einfach von der jüdischen Religion gesprochen wird, sondern von einem jüdischen Volk? Eine positive jüdische Identität, sollte es sie je gegeben haben, war nach Isaac Deutscher spätestens seit der vorletzten Jahrhundertwende (19./20. Jhdt.) in Auflösung begriffen12.

Definiert worden sind die Juden vor allem von außen. Durch die ihnen weitgehend verweigerte Assimilation hatten sie stets eine Sonderrolle inne. Ausgeschlossen von Zünften, von den einfachen Erwerbstätigkeiten im Produktionsprozeß, blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich auf Professionen zu spezialisieren, die übrigblieben. Besonders präsent waren sie als Händler und später als Kreditgeber, in welchen Funktionen sie vor allem eine enorme Bedeutung für die europäischen Herrscherhäuser erhielten, von deren Gutdünken sie abhängig waren. Ihnen wurde großzügiger Schutz und Privilegien gewährt, die aber auf gehoben werden und der Initiation von Prgromen weichen konnten, wenn der jeweilige Fürst sich beispielsweise seiner Schulden entledigen wollte13. Es gab natürlich auch Handwerker, Bauern und Gastwirte, die Juden waren, aber die gesellschaftliche Funktion, in der sie wahrgenommen wurden und auf die sich eins der später instrumentalisierten Vorurteile gründete, war vor allem ihre Funktion als Geldverleiher, als „Wucherer“. Das hing auch damit zusammen, daß sie mit dem Entstehen der Städte und einer neuen Händlerschicht und den diskriminierenden Gesetzen in diese Funktion gezwungen wurden.14 Mit dem Niedergang des Feudalismus und dem Aufstieg des Kapitalismus verloren die Juden15 ihre Dominanz im Kreditgeschäft, was eine breite Verarmung zur Folge hatte und zu einer Auswanderung gen Osten führte, wo die wirtschaftlich Rückständigkeit es ihnen noch erlaubte, ihre alten Tätigkeiten auszuführen.

Wo die Juden nicht durch gesetzliche Bestimmungen davon von der Assimilation abgehalten wurden und als Händlerschicht fungierten, verloren sie ihre Religion und gingen in die übrige Bevölkerung auf16.

Das ganze Mittelalter hindurch ist jedoch auch von Pogromen gekennzeichnet, die immer grob nach dem gleichen Muster abliefen. Die Herrscher boten dem Volk die Juden als Ventil für seine Frustration an und entledigten sich so gleichzeitig ihrer Schulden. Der „Wucher“, gegen den sich der Haß der Bevölkerung richtete, wurde in den Juden personifiziert. Als Hilfsmittel in der Mobilisierung von Pogromen dienten Gerüchte und Bilder wie die vom brunnenvergiftenden, kindermordenden oder blutsaufenden Juden, Bilder, die auch im modernen Antisemitismus wieder auftauchten.

Durch die ihnen auferlegten Beschränkungen und den Entzug grundlegender Rechte wurden die Juden zu einer Gruppe mit sowohl sozialen Merkmalen wie bei einer Schicht oder Klasse, als auch mit denen eines Volkes. Sie wurden quasi immer wieder zu einem Volk zusammengpreßt. Sie als Nation definieren zu wollen, fiel schwer, da ihnen sowohl ein Territorium wie auch eine gemeinsame Sprache fehlten. Abram Leon versuchte in seinem Werk „Die Jewish Question - A Marxist Interpretation“ eine Einordnung des Judentums als Volksklasse. Keinesfalls sind die Juden eine Rasse, so wie sie der ideologische Antisemitismus der Nazis propagierte. Durch ihre Mobilität bedingt, sind die Juden einer Rasse so fern, wie es nur eben geht.Abgesehen davon, daß es absurd ist, von Menschenrassen zu sprechen. Während der Diaspora und nach Leon schon beim Auszug aus Ägypten war eine irgendwie geartete ethnische Homogenität nicht mehr auszumachen. Es gibt keine jüdische Nase, kein Ohr und keine per se jüdische Mentalität oder Eigenschaften, außer denen, die ihnen zugeschrieben werden. Nach Leon haben die Juden als Volk sozusagen den Juden in seiner gesellschaftlichen Funktion überlebt, welche ihren nationalen Charakter prägte. Das einzige Mal, daß Marx sich wirklich zur Judenfrage geäußert hat, war in dem seinen Frühschriften zugeordneten prämarxistischem Text „Zur Judenfrage“. Er widersprach in ihm der These Bruno Bauers, daß die Juden nur dann die Emanzipation fordern könnten, wenn sie sich vorher von ihrer Religion emanzipierten. Abgesehen davon, daß Menschen wie Heine, trotzdem sie zum Christentum konvertierten, weiterhin als Juden gesehen wurden, geht Bauers Argument nach Marx an der Sache vorbei. Die menschliche Emanzipation eines jeden Menschen ist dialektisch auch seine Emanzipation von der Religion, die Art von Emanzipation, die die Juden aber vom Staat fordern und nur fordern können, ist aber die politische Emanzipation, die Forderung auf Gleichberechtigung und Gleichberücksichtigung.

Ist der Staat nicht in der Lage, seinen Bürgern unabhängig von deren Religion die gleichen Rechte zu gewähren, so handelt es sich um keinen wahrhaft politischen, sondern im Falle Preußens um einen christlichen Staat, der keine Bürger kennt. Der Text ist also eine Gegenrede gegen die Repression von Juden. Streitbar wird der Text, wo er sich mit dem Charakter des Judentums auseinandersetzt. Nach Marxens sehr ökonomistischer Argumentation ist das Judentum der Träger des Geistes des Kapitalismus schon immer gewesen und sein weltlicher Gott der Mammon, das Geld also.

„Was in der jüdischen Religion abstrakt liegt, die Verachtung der Theorie, der Kunst, der Geschichte, des Menschen als Selbstzweck, das ist der wirklich bewußte Standpunkt, die Tugend des Geldmenschen.“17

Diesem religionskritischen Ansatz liegt die Idee zugrunde, daß der Geist des Geldes als der treibenden Kraft des Kapitalismus im höheren Stadium quasi in der jüdischen Religion schon enthalten ist, was eigentlich mit der Verwirklichung der Idee im Kapitalismus die Religion überflüssig macht, indem ihre Idee verwirklicht wird. Marx übersieht hier vielleicht, die vor allem negative Definitionsmacht der Außenwelt auf die jüdische Gemeinschaft und auch die damit gegebene professionelle Einengung auf Handel und Kreditwesen, die gesellschaftlichen Mechanismen, die den Juden zum Juden gemacht haben18.

Im Kern hat Marx jedoch Recht, wenn er die Emanzipation nicht von den Juden zuerst vom Jüdischsein verlangt, sondern vom Staat. „DiegesellschaftlicheEmanzipation des Juden ist dieEmanzipation der Gesellschaft vom Judentum.“19, also vom Geld, so der Schlußsatz von Marx. Meiner Interpretation nach benutzt Marx den Juden hier vor allem als religiöse, nicht als nationale oder soziale Kategorie. Marx selbst sah sich auch nicht als Juden, weder als deutschen Juden noch als nichtreligiösen Juden, was die These vom jüdischen Selbsthaß, der Marx getrieben hätte, nicht zu bestätigen scheint.20

Leon stellt seine Analyse, die ihn zum Begriff der Volksklasse führt, auf wesentlich festeren Boden. Durch Marx´ und anderer Vorarbeit und einen weiteren Focus als nur den der Religion gelingt ihm die Vereinbarung des „Volks“ mit einem Klassenbegriff. Nicht trotz -also gegen- die Geschichte hat das Judentum sich erhalten, sondern durch sie. Man kann die Erhaltung der jüdischen Gemeinschaft nicht über die Religion erklären und auch nicht über einen besonderen Draht der Juden zur Idee der Nation oder besondere Religionsverbundenheit, es ist nicht möglich, ihren Erhalt als Gruppe zu erklären, wenn man die ökonomische Funktion außer acht läßt. Leon beschreibt die Geschichte des Judentums seit dem Beginn der Diaspora. In einer Systematik der Religionen, die Leon schafft, identifiziert er das Judentum als einen Spiegel der Interessen einer vorkapitalistischen Handelsklasse.21

„Gerade weil sich die Juden als gesellschaftliche Klasse erhalten haben, haben sie auch bestimmte ihrer religiösen, ethnischen und linguistischen Eigenschaften bewahrt.“22

Die weitgehende Auflösung des Judentums in dieser Konsistenz setzte je nach Entwicklungsstand der Region im 19. Jahrhundert ein. Die Juden kamen Anfang des 20.Jahrhunderts besonders in Osteuropa zunehmend unter Druck. Besonders in Polen fanden sie sich eingezwängt zwischen dem polnischen Kleinbürgertum, das sich mit allen Mitteln daran machte, den Handel zu übernehmen und einer riesigen Arbeitslosigkeit. Während 1914 noch 72 % der Geschäfte auf dem Land Juden gehörten, waren es 1935 nur noch 34 %. Zwischen 7 und 8 Millionen Landarbeiter waren arbeitslos23, der Arbeitsmarkt war als völlig überfüllt und bot den Juden, die aus ihren Geschäften vertrieben wurden, keine Aufnahmemöglichkeit. Die während des erwachenden und sich gegenüber Deutschland und Rußland profilierendem polnischen Nationalismus stattfindenden „Polisierungen“ fanden unter massiver Hetze, Boykotten und Pogromen statt24. So wurden den Juden inclusive des Zugangs zur Bildung nach und nach alle Möglichkeiten, ihr Überleben zu sichern, genommen. Das führte zu einer Auswanderungswelle nach Westen, die einer radikalen Verarmung keinen Einhalt gebieten konnte. Nach Leon wollte die gesamte jüdisch-polnische Jugend zu der Zeit nichts wie raus, 90% mit dem Ziel Palästina. So gewann dann auch der Zionismus die große Masse seiner Anhänger vor allem in Osteuropa.

Unter den alteingesessenen und weitgehend assimilierten und etablierten deutschen Juden löste die massive Zuwanderung der verarmten Juden, die auch noch zu einem Großteil religiös waren, keine Begeisterung aus. Sie fürchteten, daß das Ansehen, das sie sich auch durch den Kampf im Ersten Weltkrieg durch die Immigranten gefährdet werden könnte.

Der brutale industrialisierte und bürokratisierte Massenmord der Deutschen Nazis und deren Mitläufer an den Juden war mit der Ermordung von einem Drittel der Juden der Welt das Verbrechen, das die grösste Definitionsmacht im negativsten Sinne auf das hatte, wer Jude ist und wer nicht. In und durch die Verfolgung nicht als politischer Gruppe, sondern als „Rasse“, haben die Nazis den überlebenden europäischen Juden und ihren Nachkommen ihre Antwort gegeben25. Insofern hatten die Nazis mit dem rassistischen „Wer Jude ist, bestimmen wir“ mehr Erfolg, als sämtliche Versuche einer wissenschaftlichen Analyse.26 Die Shoah wirkt nach.

Wurzeln und Funktion des Antisemitismus

Der Judenhaß ist eine uralte Krankheit. Er ist ein Rassismus, der schon existierte, bevor es Rassismen gab. Um Pogrome anzuzetteln, wurden Gerüchte gestreut, daß die Juden Kinder töteten, um deren Blut in der Pessachmatze zu verbacken oder daß sie die Brunnen vergiftet hätten. Sie boten ein Ventil für das Volk, um sich abzureagieren und vor allem war es ein beliebtes Mittel der Herrschenden, sich auf diesem Wege ihrer Schulden zu entledigen. Der ideologische Antisemitismus ist im Gegensatz zum religiösen Antisemitismus27 eine Erfindung der Moderne. Er ist im Gegensatz zum Judenhaß nicht nur ein Rassismus, sondern ein Erklärungsmodell für die Welt. Im den sechziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts tauchten in Rußland das erste Mal die „Protokolle der Weisen von Zion“ auf, die den Generalplan der Juden zur Übernahme der Weltmacht darstellen sollten. Inzwischen ist vielfach bewiesen worden, daß es sich bei den „Protokollen“ um eine Fälschung handelt28. Das hält Antisemiten von heute nicht davon ab, sich immer wieder auf sie zu berufen. Der Antismeitismus baut auf wenigen Grundannahmen auf. Erstens seien die Juden mehr als nur eine Religion, nämlich ein Volk oder gar eine Rasse. Ohne Zweifel waren vor allem die Ostjuden eine Gruppe, die sich durch ihre Ghettoisierung nationale Merkmale erhalten oder erworben hat. In Deutschland aber war die Assimilation schon so weit fortgeschritten, daß erst so etwas wie eine jüdische Seele konstruiert werden mußte. Zweitens wurden die Juden als ein konstruiertes Volk für sämtliche sozialen Konflikte verantwortlich gemacht und waren schuld sowohl am Finanzkapitalismus als auch am Marxismus. Um das überzeugend in ein Weltbild passen zu können, wurde eine Wirtschaftstheorie entwickelt, der zu Folge das Geldkapital, das als jüdisch identifiziert wurde, im Unterschied zum industriellen Kapital ausbeuterischen Charakter trüge.

„Wir erkennen klar, daß nicht die kapitalistische Ordnung als solche die Geißel der Menschheit ist. Das unersättliche Zinsbedürfnis des Groß-Leihkapitals ist die Geißel der gesamten arbeitenden Menschheit.“29

Der internationale Charakter des Judentums30, so zum Beispiel die trotz allen Unterschieden aufrechterhaltene Kommunikation zwischen den jüdischen Gemeinden Ost- und Westeuropas, wie auch des Finanzkapitals sowie die scharfe Unterscheidung zwischen den internationalen Mächten an der Börse und dem „guten“ und „produktiven“ nationalen Kapital war zusammen mit der Bedrohung durch den „jüdischen“ Marxismus ein Weltbild, das kleinbürgerlicher Paranoia sozusagen einen vernünftigen Rahmen gab. So waren die Juden dann „unser Unglück“ und die Lösung die Befreiung der Nation von dem ausbeuterischen Joch des „Weltjudentums“. Außerdem brauchte die Idee einer überlegenen germanischen Rasse auch ihren Widerpart und ihre Bedrohung. Der gemeinsame Feind einer „klassenlosen germanischen Volksgemeinschaft“ wurde der „internationale Jude“. Der Schwerpunkt der marxistischen Analyse des Antisemitismus liegt weniger auf psychologischen Prädispositionen, die besonders anfällig für die Übernahme eines antisemitischen Weltbilds machen, als vielmehr auf der Funktion des Antisemitismus. Auch weil die sozialistische Linke und die Arbeiterbewegung überdurchschnittlich viele jüdische Mitglieder und Führer hatte, man denke an Trotzki, Luxemburg und Kautsky, war Antisemitismus in den eigenen Reihen nicht wirklich Thema.

Die Arbeiterbewegung selbst war für Antisemitismus am wenigsten empfänglich. Gerade in der Weimarer Republik ließ sich das sonst für keine außer den Arbeiterparteien behaupten31. Diejenige Schicht der Arbeiterklasse, die für die antisemitische Propaganda ansprang, war die der Angestellten privater Unternehmen. Sie waren massiv von Arbeitslosigkeit bedroht, wurden zusehens proletarisiert und hatten oft jüdische Arbeitgeber.32

Die größte Anhängerschaft hatte der Antisemitismus unter den Bauern und den Kleinbürgern, die sich in ihrer Existenz bedroht sahen. Die Bauern nahen die Juden seit jeher als Wucherer und Ausbeuter wahr, und mit ihrer Blut- und Boden-Ideologie gewannen die Nazis vor allem unter den Bauern zahlreiche Anhänger. Das Kleinbürgertum wurde vom Großkapital verdrängt und konnte die Krisen am wenigsten verarbeiten. Das ist zwar ein Prozeß, der in der Logik des Kapitalismus und seiner Tendenz zur Monopolisierung liegt. Aber der ideologische Antisemitismus liefert eine andere Erklärung.

Traverso identifiziert drei Hauptströmungen in der marxistischen Analyse des Antisemitismus. Die erste besagt, daß der Antisemitismus ein Vorwand für die Verdrängung des jüdischen Kapitals durch das Großkapital sei. Der deutsche Nazismus hat tatsächlich zu einer neuen Monopolisierung mit der Komponente der „Arisierung“ geführt. Zweitens dienten die Juden zur Unterdrückung des Klassenkampfs als kollektiver Sündenbock. Die dritte, eher psychologische Theorie identifiziert im Antisemitismus eine „Projektion des Selbsthasses der herrschenden Klasse auf die Juden und als Ideologie, die auf die im Unterbewußtsein der Massen verborgenen Tabus und irrationalen Elemente einwirkt“33. Keine dieser Theorien ist allein in der Lage, den Antisemitismus zu erklären. Geschichtlich belegbar aber ist, daß Antisemitismus besonders als Werkzeug der politischen Reaktion in Erscheinung tritt, so eben auch in Rußland oder in Deutschland.

Revolution und Antisemitismus

In Rußland fanden am Anfang des 20. Jahrhunderts, als sich das Zarenreich im Zerfall befand und von permanenten Erhebungen, von allem von der Revolution 1905 bedroht sah, eindeutig von der Polizei und dem zaristischen Staatsapparat inszenierte Pogrome statt. Nicht zufällig kommt das Wort Pogrom aus dem Russischen. Das führte dazu, daß sich die SDAPR34 und Lenin frühzeitig mit dem Phänomen Antisemitismus auseinandersetzten.35 Innerhalb der Partei gab es einen langen Konflikt über den Bund. Der Bund der jüdischen Arbeiter Rußlands war eine Unterorganisation der SDAPR. Der Bund bekannte sich zu einer jüdischen Nation, war aber antizionistisch. 1908 wurde der Bund aus der Partei ausgeschlossen, weil er erstens den Alleinvertretungsanspruch für die Juden für sich geltend machte und damit über den autonomen Status, der ihm gewährt war, die Forderung nach einem föderativen Charakter der Partei stellte. Die kulturelle Autonomie war notwendig, weil die meisten der jüdischen Arbeiter mit der russischen Sprache nicht vertraut waren und weil die Lebensumstände und sozialen Strukturen in den Ghettos und Stetls sich von denen der nichtjüdischen Bevölkerung unterschied. Der Bund war international und hatte auch in Polen eine Sektion, die noch 1939 zu den Wahlen für die jüdischen Gemeindevorsteher antrat und als klar antizionistische Organisation eine große Mehrheit der Stimmen gewann36. Der Bund war der am besten organisierte teil der russischen Sozialdemokratie, vielleicht war das einer der Gründe für die strikte Ablehnung des föderativen Prinzips, das der Bund vorschlug, durch Lenin. Lenin identifizierte schon vor der 1917er Oktoberrevolution die Anstrengungen z.B. der Boulevardpresse, die Arbeiter zu spalten, indem sie sich antisemitischer Propaganda bediente, „als ob der jüdische Arbeiter nicht genauso (...) zu leiden hätte wie der russische“37. Die Hetze gegen die Juden verfolge einzig den Zweck, „das Bewußtsein des Volkes zu vergiften“38, so Lenin. Die Notwendigkeit einer eigenen jüdischen Sozialdemokratischen Partei wurde jedoch von Lenin verneint. In der Frage des Kampfes des Proletariats, sei es ein Fehler, getrennt zu marschieren, denn diese sei die Sache aller. Lenin warnte vor der schiefen Ebene des Nationalismus, die der Bund drohte zu beschreiten und erkannte darin eine Tendenz zur Zionisierung. Den Zionismus bezeichnete er als „eine reaktionäre Strömung in der jüdischen Bourgeoisie“39, obwohl mehr und mehr Arbeiter sich der zionistischen Idee anschlossen, die Agitation der „jüdischen Bourgeoisie“ also Früchte zu tragen begann. Obwohl gerade viele linke Juden die Idee der Existenz einer jüdischen Nation kategorisch ablehnten. So äußerte der französiche Radikale Alfred Naquet wie folgt:

„...ich aber erkläre, daß ich, auch wenn ich als Jude geboren bin (...), eine jüdische Nationalität nicht anerkenne (...). Sind die Juden ein besonderes Volk? Obzwar sie in ferner Vergangenheit zweifellos ein Volk waren, beantworte ich die Frage mit einem kategorischen Nein. Die Juden haben kein Territorium und auch keine gemeinsame Sprache mehr.“40

Die Zeit vor der Revolution war in Russland dagegen besonders in den Jahren 1903, dem Pogrom in Kischinjow, bis 1906 (Sedlez) von den Pogromen der Schwarzhunderter geprägt, eine paramilitärische Polizeitruppe, die von Lenin in direkten Zusammenhang mit der Staatsmacht gebracht werden.41 Im Laufe der Pogrome, die in ungefähr einhundert Städten stattfanden, wurden 4000 Menschen ermordet und Zehntausende verstümmelt. Für Lenin war diese `Periode der III.Duma` die Rache für die Revolution 1905.42 Noch 1913 wurde gegen den Juden Beilis ein Prozeß inszeniert, in dem er angeklagt wurde, einen Jungen aus rituellen Motiven ermordet zu haben. Der Mord wurde von den Schwarzhundertern begangen, um eine neue Pogromwelle zu entfachen.43 Im Gegensatz dazu gab es durch aus Fälle, in denen der antisemitische Mob durch Aktionen russsischer und jüdischer Arbeiter zurückgeschlagen werden konnte.44

Dennoch lehnte die sozialdemokratische Untersektion der russischen Sektion der Internationale die Aufnahme der russichen Zionistischen Sozialisten mit der Begründung „Territorialisten sind kein Sozialisten“ nach wie vor ab. Bürgerlicher Nationalismus und proletarischer Internationalismus blieben unvereinbar. Später schien auch die kulturelle Autonomie für Lenin, inzwischen Bolschewik, einen zu nationalistischen Anstrich zu bekommen, so daß er die Konstatierung einer jüdischen nationalen Kultur als „Losung der Rabbiner und Bourgeois, unserer Feinde“45 identifizierte und strikt zum Beispiel auch die Idee eigener jüdischer Schulen, eine Idee, die aus der Rechten kam und von Teilen der jüdischen Gemeinden übernommen wurde, strikt ablehnte.

„Die russische Revolution begann damit, die Juden so radikal vom Zarenreich zu befreien, daß sie von ihren Gegnern wie von einigen ihrer Anhänger als eine jüdische Revolution gesehen wurde“, so Traverso46. Und trotz der Perversion der Revolution durch den Stalinismus und die fortschreitenden antisemitischen Diskriminierungen verbesserte sich die allgemeine Lage der jüdischen Bevölkerung erheblich. Die jüdische Kultur kam in den frühen Jahren der Revolution zu neuer Blüte, so daß trotz der radikal antiklerikalen und antireligiösen Haltung der Bolschewiki die Aufführung des „Dibbuk“, eines mystischen Stückes, durch die Habimah, einem (dem größten Europas) hebräischen Theater, möglich war.47 Das ist nur ein Beispiel von vielen, die das Erwachen jüdischer Kultur in der Sowjetunion dokumentieren könnten. Die Po´alei Zion, die sozialistische zionistische Partei, existierte legal in Rußland bis 1925/1926. Mit dem späteren Verbot dieser Partei und auch des Bundes während der Errichtung des Einparteienstaates wurde die praktische Konsequenz aus den ideologischen Differenzen gezogen. Die Unterdrückung war kein Ausdruck des Antisemitismus, sondern lag in der Tendenz zum Einparteienstaat und betraf auch nichtjüdische Organisationen. Die jüdische Sektion der Kommunistischen Partei bestand weiterhin und war weit radikaler als der Rest der KP in dieser Frage der Ablehnung zionistischer Organisationen. Vielleicht war sie gleicher als gleich und wollten so jeglichem Verdacht des „Abweichlertums“ entgegentreten, vielleicht waren sie auch nur unbefangener im Umgang mit ihren jüdischen Genossen.

Mit Lenins Tod und dem „Sozialismus in einem Land“ jedoch wurden auch gegen die Juden wieder mit alte Propagandamustern agitiert, die dem neuen Nationalismus, der den Internationalismus mit Begriffen wie „Vaterlandslose“ oder „Kosmopoliten“ als Diffamierung jüdischer Menschen ersetzte, Ausdruck verliehen . Der wohl bekannteste Ausdruck des neuen sowietisch-stalinistischen Antisemitismus war das Spektakel gegen das angeblich Ärztekomplott, das sich verschworen hätte, hochgestellte Funktionäre vergiftet zu haben im Zuge der Schauprozesse im Jahre 1953.48

Die Entwicklung des Antisemitismus in Europa führte Trotzki, einem der kompromißlosesten Verfechter der Assimilation, im Exil dazu, den Zusammenbruch des assimilatorischen Modells einzugestehen. Seine Erwartung, das jüdische Problem würde sich wie von selbst lösen, erfüllte sich nicht. Der moderne, eliminatorische Antisemitismus war nicht, wie er früher glaubte, nur ein Überbleibsel des Feudalismus, sondern die „chemisch reine Destillation der Kultur des Imperialismus“.49 Trotzki, war einer der wenigen, die schon 1938 davor warnten, daß auch ohne den Krieg die nächste Enwicklung der Weltreaktion die physische Ausrottung der Juden bedeuten würde.50 Obwohl er also ein Gegner des Zionismus blieb, vertrat er am Ende seiner Tage doch die Notwendigkeit einer territorialen Lösung, die der Sozialismus dem jüdischen Volk zusichern müßte.51 Auch den neu entstandenen Antisemitismus Stalins hielt er für einen Versuch, den „Unmut der arbeitenden Massen von sich selbst weg auf die Juden zu lenken“52.

Für Abram Leon mußte der Sozialismus den Juden die Möglichkeit geben, sich zu assimilieren und gleichzeitig nationale Eigenständigkeit zu bewahren.53

Die Haupttendenz im Marxismus war die Assimilation, vorzugsweise in einer großen Nation im „Rahmen des siegreichen Proletariats“ Traverso, S.19. Dem entgegen stand die zionistische Idee, die die Assimilation für unmöglich oder gescheitert hielt und in den Juden eine eigene Nation mit eigenen nationalen Merkmalen sah, denen das Land fehlte. Theodor Herzl, der Verfasser der zionistischen Bibel „Der Judenstaat“ verabschiedete sich von der Idee der Assimilation als Beobachter der Dreyfuss-Affäre. Daß solch ein antisemitischer Komplott gerade im Land der Idee von „Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit“ möglich war, führte ihn zu der Schlußfolgerung, daß es keine andere Lösung der Judenfrage als die eines jüdischen Staates gab. Daß dieser Staat in Palästina gegründet werden sollte, war nicht Herzls Idee, sondern entsprang der Notwendigkeit, die religiösen Juden hinter seine Idee zu bekommen. Klar war jedoch, daß es sich bei der zionistischen Bewegung nicht um eine Strategie zur Bekämpfung des Antisemitismus handelte, sondern vielmehr um eine Flucht in den Nationalismus, die von vielen abgelehnt wurde. Hinzu kam, daß seit der Fixierung auf Palästina klar war, daß es sich um eine tendenziell imperialistische Bewegung handelte. Sogar Hannah Ahrendt hat irgendwo einmal sinngemäß bemerkt, daß imperialistische Interessen eine so sichere Stütze für eine nationale Befreiungsbewegung seien, wie der Strick für den Gehenkten.

Am größten war die Ablehnung des Zionismus unter den Arbeitern. Selbst das ost-jüdische Proletariat, das kaum polnisch oder russisch sprach und wo die Assimilation am wenigsten erfolgreich war, war bis zum ausbruch des Zweiten Weltkriegs klar antizionistisch. Der Zionismus war dort weit mehr marginalisiert, als im Westen, wo er die Unterstützung einer breiten Minderheit hatte.54

Problematisch wurde die Idee der Assimilation mit dem Holocaust, der sie zu ironisieren schien. Die Marxisten verlegten die Lösung der jüdischen Frage meist auf irgendeinen Zeitpunkt der allgemeinen Emanzipation der Menschheit vom Kapitalismus. Das ist nicht unrealistisch, war aber vor allem im Dritten reich nicht mehr in der Lage, eine Antwort auf das konkrete Problem der Massenvernichtung zu geben. Der Kardinalsfehler der deutschen Arbeiterbewegung war geschehen, sie war weder in der Lage gewesen, die deutsche Revolution zum Erfolg zu führen und die russische Revolution aus ihrer Isolation zu befreien. Noch waren die großen Parteien der Sozialdemokratie und des Kommunisten fähig, die Lage am Vorabend der Machtübernahme richtig einzuschätzen. Mit dem kollossalen Versagen in der Frage der Einheitsfront gegen den drohenden Faschismus ging in der Konsequenz auch der Kampf für eine Lösung der jüdischen Frage durch Assimilation und gemeinsamen Kampf in den sozialen Auseinandersetzungen verloren, und das nicht nur für Deutschland, sondern mindestens für Europa.

Viele deutsche Juden hielten die jüdische Frage damals für gelöst. Die Assimilation war weit fortgeschritten, es gab eine hohe Zahl von Ehen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Partnern, Deutschland galt auch vielen von ihnen als das „Land der Dichter und Denker“ und nicht als das „Land der Richter und Henker“, als das es sich erweisen sollte. Sie taten sich in den Kriegen 1870/71 genauso wie im ersten Weltkrieg hervor. Viele dachten auch, daß das sie retten könnte und lagen in ihrer Einschätzung genauso falsch. Dem Holocaust voran ging aber die Zerschlagung der deutschen Arbeiterbewegung, der Linken und der Gewerkschaften.

Schluß

Antizionismus ist nicht gleich Antizionismus, Marxismus nicht gleich Marxismus und Links nicht Rechts. Es gab auch in der deutschen Arbeiterbewegung vor allem in den zwanziger Jahren die sogenannte Schlageter-Linie, die eine vorübergehende Vermischung von völkisch- nationalistischem und marxistischem Gedankengut möglich machte. Eine Idee war auch, daß man, ausgehend von dem (falschen) Begriff des Antisemitismus als dem „Sozialismus des dummen Kerls“ versuchte, bei dem antisemitischen Klischee vom jüdischen Kapitalisten anzusetzen, um den „dummen Kerl“ dahingehend zu beeinflussen, daß er doch einsehen möge, daß es nicht nur das jüdische Kapital sei, daß ihn ausbeute. Im Zuge dieser „nationalbolschewistischen“ Periode der KPD 1923 griffen einzelne Kommunisten auf antisemitischen Klischees zurück. Das davon jedoch die gesamte marxistische Geschichte geprägt war, entspricht nicht der Wahrheit. Sehr frühzeitig, viel früher als andere emanzipatorischen Bewegungen, waren Marxisten sich darüber im klaren, daß Antisemitismus, der teilweise mit Philosemitismus als einer anderen spalterischen Tendenz gleichgesetzt wurde, ein wirkliches Problem darstellte, das sowohl theoretisch als auch in der Praxis nach einer Lösung verlangte. Diese Lösung wurde nicht in einer Sonderstellung gesucht, nicht in Ghettoisierung, nicht in der Feststellung einer Besonderung des jüdischen Volkes. Die Perspektive bestand im gemeinsamen Kampf gegen die Angriffe des Kapitals und der Reaktion und für soziale Rechte. Dieselbe Strategie, die auch heute noch im Kampf gegen Rassismus gilt. Vor allem in Rußland war ein wichtiger Punkt das Zugeständnis eines hohen Grades an Autonomie innerhalb der SDAPR für die jüdische Sektion, den Bund. Nicht erklärt wird von Lenin in seinen zahlreichen Schriften zu diesem Thema, weshalb erst Trotzki viel später auf die Idee kam, den Juden auf freiwilliger Basis eine vorläufige territoriale Lösung anzubieten, wie sie eigentlich auch nationalen unterdrückten Miderheiten angeboten wurde. Offensichtlich war ja die Unterdrückung der Juden nicht lediglich religiös begründet, sondern national, auch wenn erst der Antisemitismus sie zu einem Volk restauriert hat. Durch die ganze marxistische Behandlung des Antisemitismus zieht sich die Betonung der wirtschaftlichen Funktion des Judentums vor allem im Feudalismus. Auf den religiös begründeten Antisemitismus wird kaum eingegangen, weil die Religionen von vielen Marxisten als sich von selbst erledigendes Problem darstellten. Dennoch sind gerade die Vorurteile, auf die Antisemiten sich beriefen, um Pogrome anzuzetteln, oder eine antisemitische Stimmung im Land zu erzeugen, of ohne ihren religiösen Hintergrund nicht zu verstehen. Desweiteren kann man dem Marxismus durchaus vorwerfen, daß er für die konkrete Bedrohung, wenn nun einmal die Einheitsfrontpolitik sich nicht durchführen ließ und die Reaktion, also die Rechte, sich auf dem Vormarsch befand, keine Rezepte mehr hat. Andererseits ist es sicher fragwürdig, die Systemopposition sozusagen für die Barbarei des Kapitalismus verantwortlich zu machen. Auf jeden Fall erwies sich die Arbeiterbewegung als verhältnismäßig resistent gegenüber antisemitischer Agitation. Die ganze Tiefe des Problems als gesellschaftliches Phänomen mit mehr Dimensionen blieb meist unangetastet. Die schon erwähnte nationalbolschewistische Periode, in der die KPD versuchte, mittels antisemitischer Rhetorik Rechte und Antisemiten mit antikapitalistischer Tendenz anzusprechen, erwies sich als nicht erfolgreich und wurde bald wieder aufgegeben. Aber dennoch weist dies Periode auf eine fehlende Analyse der Tiefe des Problems schon hin.

Was aber die marxistische Analyse interessant macht, ist, daß sie den Antisemitismus nicht nur als unerklärliche Katastrophe mystifiziert, sondern versucht, den Ursachen und den Funktionen des Antisemitismus auf den Grund zu gehen. Wo andere versagen, nämlich in dem Punkt, wann denn Antisemitismus zu einer gesellschaftlichen Bewegung werden kann oder von ihr instrumentalisiert wird, gibt es gute Erklärungsansätze im Marxismus. Antisemitismus wird klar als Spaltinstrument und Mittel der Herrschenden gesehen, die sozialen Unzufriedenheiten von sich abzulenken. Die Dynamik, die der eliminatorische Antisemitismus in Nazideutschland erhielt, sahen auch die Sozialdemokraten und Kommunisten in den seltensten Fällen voraus, weil sie sich eben auch jeder rein ökonomistischen Analyse entzog, indem der Antisemitismus zu einer Rassenideologie wurde. Trotzki war sicher eine Ausnahme. Abram Leon brauchte nichts vorauszusehen. Die Gefahr, die meiner Meinung nach besteht, wenn man den Antisemitismus zu einem rein deutschen oder individuellen unerklärlichem und nur irrationalen Verbrechen erklärt, ist, daß es sehr schwierig ist, aus dem größten Verbrechen der Menschheit zu lernen, wenn die Hintergründe und Mechanismen, die gesellschaftlich wirken, im Verborgenen bleiben. Der nächste Faschismus wird anders aussehen als der letzte und vielleicht auch ohne einen Holocaust oder vielleicht nicht an den Juden auskommen.

Auch der Marxismus hat, nachdem Marx praktisch eine reine Religionskritik geübt hat, aber gelernt, daß Antisemitismus mehr als nur ein Rassismus ist, weil er zu einem Weltbil werden kann, wohingegen die meisten Rassismen nur Teile eines Weltbildes sind, was schlimm genug ist.

Die Gefahr, die ich in der heutigen Diskussion in der radikalen Linken, die mehr einer Schlammschlacht gleicht, sehe, ist, daß inzwischen die Titulierungen Antisemit und Faschist dermaßen locker im Gürtel sitzen, daß sie ihre Bedeutungen zu verlieren drohen. Die Diskussion betrifft inzwischen nicht mehr nur die radikale Linke und auch nicht mehr die Linke allein, was ich durchaus für einen Fortschritt halten würde. Wenn es denn wirklich eine Diskussion wäre, die Mechanismen, Gefahren und Verantwortlichkeiten offenlegt und nicht nur dazu führt, daß die Beschimpfung „Antisemit“ mehr und mehr zu einem Witz verkommt. Auch die KPD hatte in den dreißiger Jahren Schwierigkeiten, die Gefahren des Faschismus zu erkennen und die richtigen Konsequenzen zu ziehen, weil sie schon die späte Weimarer Republi für faschistisch hielt. Zudem kreist die Diskussion in der Linken nicht darum, wie man gegen Antisemitismus am besten vorgeht, sondern eher darum, welchem Linken man denn noch antisemitische Tendenzen unterstellen könnte, und manchmal bekomme ich den Eindruck, daß vergessen wird, daß die Gefahr auf der Rechten zu suchen ist, weil zumindest in der marxistischen Linken, die ich nicht für tot halte, die Funktion des Antisemitismus klar sein müßte. Davon, daß es wie im Antisemitismus auch im Marxismus einen Feind oder ein Übel gibt, darauf zu schließen, daß letztere tendenziell dasselbe sei, halte ich für eher unseriös.

Marxistischer Antizionismus ist nicht antisemitisch, sondern eher utopisch, da eine Lösung des ProblemsAntisemitismus innerhalb der Gesellschaft nach dem Holocaust fast illosorisch klingt. Was nicht heißt, daß es illosorisch ist oder der Zionismus realistischer. Der Zionismus hat zu allem Möglichen geführt, so zum Beispiel zur weitverbreiteten Anerkennung der Existenz einer jüdisch-hebräischen Nation, aber sicher nicht zum Sieg über den Antisemitismus.

Quellen und Literatur

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Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten,Freiburg 2000 Sozialisten und die jüdische Frage nach Marx, Mainz 1994 Antisemitismus, Zionismus und Sozialismus, Mainz 1993

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unter: www.redaktion-bahamas.org

Unheimliche Verwandtschaft- Anmerkungen zum Verhältnis von Marxismus-Leninismus und Antisemitismus,

http://home.arcor-online.de/w.fruth/deas008.html Oldies but Goodies, in: Konkret, Heft 6 Juni 2002

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Bestien in Menschengestalt: Antisemitismus und Antizionismus in der österreichischen Linken, unter:

http://contextxxi.mediaweb.at/texte/archiv/wuz980205.htmlZur Logik des bundesdeutschen Antizionismus, unter:

http://home.arcor-online.de/w.fruth/deas007.html Antisemitismus von links. Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antisemitismus in der frühen DDR, erscheint Oktober 2002

Nenke, Siegfried: Die Ideologen spekulieren aufs Vergessen, in: Neues

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Ploetz, CarlDer große Ploetz, 32.Auflage, Freiburg 1998

Rose, JohnIsrael der Terrorstaat, Frankfurt/Main 1991

Shah, AhmedIsrael und die antinationale Linke, in: Halbauer, Werner (Hrsg.):

Israel und der palästinensische Befreiungskampf,

Frankfurt/Main 2002

Spiegel, Paul: Antizionismus und Antisemitismus, in: Tribüne, Jhrg. 40, Heft

1/2001

Trotzki, LeoAm Vorabend der Katastrophe, Frankfurt/Main (ohne Jahr)

[...]


1 Eine ausladende Link- und Kommentarsammlung zu diesem Thema findet sich unter http://stud.uni.hannover.de/gruppen/fs-sowi/nahvor.htm

2 vgl: Haury, Thomas:Zur Logik des bundesdeutschen Antizionismus, in: Léon Poliakov,Vom Antizionismus zum Antisemitismus, Freiburg 1992

3 Das krasseste Beispiel sind die Autoren der Zeitschrift „Bahamas“, siehe dazu das retuschierte Foto im Anhang von einem demonstrierenden Palästinenser.

4 vgl.: Keßler, Mario:Antisemitismus, Zionismus und Sozialismus, Mainz 1993, S. 7; Trotzky, Leo:21 Fehler Thälmanns, in: derselbe:Am Vorabend der Katastrophe, Frankfurt/Main ohne Datum, S.44ff.; Engelmann, Bert:

Vorwort, in: Broder, Henryk M./Lang, Michel R.: Fremd im eigenen Land, Frankfurt am Main 1979, S.21

5 vgl. auch: www.tagesschau.de/sendungen/0,2047,OID790718,00.html

6 So im Prozeß gegen das „Ärzte-Komplott“ im Januar 1953.

7 Abram Leon, ein belgischer Trotzkist, stellte im Jahre 1943 die nach Marx´ „Zur Judenfrage“ wichtigste marxistische Analyse der jüdischen Frage fertig. Er wurde 1944, 26jährig, in Auschwitz ermordet.

8 Keßler, Mario:Antisemitismus,..., S.14: „Der Aufstieg Hitlers begann, jene Umwelt systematisch zu zerstören, in der Juden und Nichtjuden sich über Möglichkeiten und Grenzen einer zionistischen Lösung der Judenfrage Gedanken machten.“

9 Als Buchreligionen werden gemeinhin das Judentum, das Christentum und der Islam bezeichnet.

10 Billen, Hans-Jürgen:Zionismus und Antisemitismus, Duisburg 1983, S.44

11 Nach alttestamentarischer Überlieferung die Abkömmlinge der zwölf Söhne des Stammvaters Jakobs, der später Israel („Gottes Streiter”) hieß: Ruben, Simeon, Levi und Juda, Isaschar, Sebulon und Benjamin, Dan, Naphtali, Gad und Asser sowie Jakobs samt seiner ägyptischen Verwandschaft.

12 Deutscher, Isaac:Der nichtjüdische Jude, in: derselbe,Die ungelöste Judenfrage, Berlin 1977, S.25

13 Billen, Hans-Jürgen:Zionismus und Antisemitismus, Duisburg 1983, S.46

14 vgl. Billen, Hans-Jürgen:Zionismus..., S.45

15 wenn ich hier von „den Juden“ spreche, so meine ich damit nicht jeden einzelnen Menschen jüdischer

Konfession oder Volkszugehörigkeit, sondern den Teil, der gesellschaftlich die relevantesten, d.h. sichtbarsten Rollen innehatte.

16 Billen, Hans-Jürgen: Zionismus..., S.44

17 Marx, Karl:Zur Judenfrage, in: Marx Engels Werke, Band 1, Berlin 1963, S.375

18 Enzo Traversos Kritik in „Die Marxisten und die Jüdische Frage“ bezieht sich unter anderem auch auf diesen Punkt. Traverso glaubt nicht, daß Marx in dieser frühen Periode wirklich das Grundwissen hatte, um sich auf religionskritischer Ebene mit dem Judentum auf diese Art auseinanderzusetzen. Dennoch widerspricht er vehement allen, die versuchen, „Zur Judenfrage“ und damit Marx als Antisemiten abzustempeln. vgl.: Traverso, Enzo:Die Marxisten und die jüdische Frage, Mainz 1993, S.35-49

Auch den obigen Satz hätte Marx so später wahrscheinlich nicht geschrieben, da er die Kunst, die Geschichte und vor allem die Theorie auch selbst nicht mehr als Selbstzweck betrachtet hat.

19 Marx, Karl:Zur Judenfrage, S. 377

20 vgl. Traverso,Enzo: Die Marxisten..., S. 37

21 Der Protestantismus spiegelt nach dieser Typologie die Interessen des modernen Kapitalismus wieder, der Katholizismus die Interessen des Großgrundbesitzes.

22 Leon, Abram:The Jewish Question, London 1986, zitiert nach Traverso:Die Marxisten..., S.205

23 Leon, Abram:The Jewish Question, 227 f.

24 Um deutlich zu machen, wie rapide die „Nationalisierung“ ablief, erzählt Leon folgende kurze Anekdote: Eine Bäuerin schickt ihren Sohn in die halbstaatliche Kooperative, um einzukaufen und sagt: „Pista, go to the Jew; not to the Jew who is a Jew, but to the new shop.“ , in: ebenda, S.231; In diesem Satz findet sich meiner Meinung nach auch eine Bestätigung der Leon´schen Theorie der Volksklasse in der (antisemitischen) Wahrnehmung der Mutter.

25 Deutscher, Isaac:Wer ist Jude, in: derselbe:Die ungelöste Judenfrage, S.27: „Erst aus der Asche von sechs Millionen Juden stieg der Phönix des Judentums empor.“

26 Deutscher, Isaac:Wer ist Jude, in: derselbe:Die ungelöste Judenfrage, S.26: „Für mich machen die tragischen Ereigniss der Nazizeit die klassische marxistische Analyse der Judenfrage weder hinfällig noch revisionsbedürftig. (...) Trotzdem haben Marx, Engels, Rosa Luxemburg und Trotzki wiederholt betont, die Menschheit stehe vor einer Alternative: Internationaler Sozialismus oder Barbarei. (...) Wahrscheinlich haben sie damals nicht gewußt, (...) wie real diese Alternative war“

27 z.B. ist „Die Juden haben unseren Messias verraten!“ der Basisvorwurf des Christentum an das Judentum.

28 Sammous, Jeffrey L. (Hrsg.): Die Protokolle der Weisen von Zion: die Grundlage des modernen Antisemitismus - eine Fälschung, Göttingen 1998

29 Feder, Gottfried:Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft, München 1919, S.18; zitiert nach: Billen, Hans- Jürgen:Zionismus und Antisemitismus, S.70

30 Auch das Christentum oder der Islam sind natürlich international. Aber um das Christentum oder den Islam ist halt keine nationale oder „rassische“ Identität konstruiert worden.

31 Vgl.: Traverso, Enzo:Die Marxisten..., S.186

32 ebenda, S.192

33 ebenda, S.201

34 Sozialdemokratische Arbeiterpartei Rußlands

35 siehe Lenin, Wladimir I.: Lenin Werke, Berlin 1960; Stichworte Zionismus, Antizionismus, Antisemitismus im Index

36 vgl.: Deutscher, Isaac:Die russische Revolution und das jüdische Problem, in: derselbe:Die ungelöste Judenfrage, S.40

37 Lenin, Wladimir I.:Lenin Werke, Berlin 1960, Band 4, S.375

38 ebenda, Band 20, S.235

39 ebenda, Band 7, S.47

40 zitiert in: ebenda, S.90

41 Lenin an die Duma-Abgeordneten: „fürchtet auch ihr euch nicht, die reaktionäre Staatsmacht mit den Pogromhelden in Verbindung zu bringen!“, in: Lenin, Wladimir I.:Lenin Werke, Berlin 1960, Band 10, S.519

42 ebenda, Band 17, S.499: „Noch nie verfolgte man die Juden in dem Maße(...). Antisemitismus und Nationalismus werden die einzige Plattform der Regierungspartei.“ (Das scheint sich in der Weimarer Republik zu wiederholen.)

43 ebenda, Band 25, S.525

44 ebenda, Band 10, S.519: „der Pogrom in Lunginsk hat nur deshalb keine erschreckenden Ausmaße angenommen, weil die unbewaffneten Arbeiter die Pogromhelden davonjagten.“; ebenda, Band 25, S.525: zur Beilis-Affäre: In einer Reihe von Städten führten Arbeiter Protest- demonstrationen durch. Beilis wurde vom Gericht freigesprochen.

45 ebenda, Band 20, S.11

46 Traverso, Enzo:Die Marxisten..., S.17

47 vgl. Deutscher, Isaac: Die russische Revolution..., in: derselbe: Die ungelöste Judenfrage, S.43

48 siehe auch Keßler, Mario:Antisemitismus...,S.116ff.

49 Trotzki, Leo:Manifest sur la guerre impèrialiste et la rèvolution prolètarienne mondiale, in: ders.,Oeuvres, Bd.24, Neapel 1970, zitiert nach: Traverso, S.200

50 vgl. Traverso, Enzo:Die Marxisten..., S.201

51 vgl. Traverso, Enzo:Die Marxisten..., S.220

52 Trotzki, Leo:Thermidor und Antisemitismus, in: Fetscher, I.:Marxisten gegen Antisemitismus, Hamburg 1974, S. 183, zitiert nach: Kessler, Mario:Antisemitismus..., S.145

53 vgl: Leon, Abram: Judenfrage und Kapitalismus, München 1980, S. 115f., nach: Traverso, Enzo: Die Marxisten..., S.220

54 Vgl.: Deutscher, Isaac: Die russische Revolution..., in: derselbe: Die ungelöste..., S.39

21 von 21 Seiten

Details

Titel
Die Linke und die jüdische Frage: Gab es eine marxistische Antwort auf den Antisemitismus?
Hochschule
Freie Universität Berlin
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V107517
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gibt der Marxismus eine Antwort auf den Antisemitismus?
Schlagworte
Linke, Frage, Antwort, Antisemitismus
Arbeit zitieren
Paul Grasse (Autor), 2002, Die Linke und die jüdische Frage: Gab es eine marxistische Antwort auf den Antisemitismus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107517

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