Kommunikationsbedarf in Arbeitssystemen


Ausarbeitung, 2001

21 Seiten, Note: 1


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Gliederung

1. Einleitung

2. Begriffserklärung
2. 1. Kommunikationsbedarf
2. 2. Arbeitssysteme
2. 3. Information
2. 4. Syntax
2. 5. Semantik
2. 6. Pragmatik
2. 7. Grafischer Zusammenhang

3. Grober geschichtlicher Überblick über den Zusammenhang zwischen Kommunikationsentwicklung und Arbeitssystemen
3. 1. Sprache und Schrift
3. 2. Erste technischen Kommunikati- onsmittel
3. 3. Das Internet – Zukunft des Ar- beitssytems ?

4. Kommunikationsfehler und ihre Vermeidung in Arbeitssystemen
4. 1. Legendärer Kommunikationsfehler im Arbeitssystem
4. 2. Vorrausetzungen für eine korrekte Übertragung der Kommunikations- signale
4. 3. Kommunikationswege
4. 4. Kommunikationssysteme
4. 5. Kollegienbildung

5. Zusammenfassung

6. Quellenangabe

1. Einleitung

Stellen wir uns mal vor, wir sind eine Arbeitsgruppe in der Forschung und dürften keine kommunikativen Mittel zur Verständigung und zum reibungslosen Arbeitsablauf benutzen. Das heißt keine Gesten, Mimik, Sprache oder Schrift. Wie weit kämen wir wohl.

Nicht sehr weit, wir würden isoliert dastehen und uns stumm ansehen. Oder jeder würde für sich arbeiten. Aber was würden wir arbeiten, denn selbstverständlich haben wir auch keine Anweisungen. An eine Weiterentwicklung ist nicht oder kaum zu denken.

Aus den vergangenen Stunden wissen wir viel über Arbeitsprozesse und Kommunikationsnetze. Jeder von uns hat schon gearbeitet , sei es in der Schule, im Studium oder im Beruf, deshalb wisst ihr, wie wichtig die Selbstbestätigung durch erfolgreiche Arbeit ist. Im Arbeitsprozess erfahren wir sie so stark wie selten irgendwo anders, vorausgesetzt wir sind gut in dem, was wir tun.

Und wir erfahren sie durch Kommunikation. Sei es durch ein Kind, das mit der Kindergartenerzieherin schmust, das erfolgreiche Ergebnis einer Abschlussarbeit oder die Belobigung durch den Chef. Das ist extrem wichtig für uns. Es ist eine Bestätigung unserer bisherigen Arbeit und motiviert uns weiter zumachen.

Doch abgesehen von dem emotionalen und motivationalen Aspekt sowie der Sozialisierung durch den Arbeitsprozess, ist Kommunikation für den reibungslosen Arbeitsablauf und für das Funktionieren von Arbeitssystemen von großer Relevanz. Das versuche ich im Abschnitt 4. zu beweisen.

Aber zuerst wende ich mich den Begriffsbestimmungen zu.

2. Begriffserklärung

2. 1. Kommunikationsbedarf

„Kommunikation i. S. der Informationstheorie ist die Übermittlung einer Botschaft von einem Sender an einen Empfänger. Als Zwischenträger dient ein System der Mitteilung von Raum und Zeit.“ (Psychologisches Wörterbuch 1997)

Bedarf wird als Bedürfnis oder brauchen definiert. Ein Kommunikationsbedarf kann also als Elementarbedürfnis von Mensche in und zur korrekten Verständigung bezeichnet werden.

2. 2. Arbeitssysteme

Arbeitssysteme sind ein Geflecht aus motorischer oder/und geistiger Tätigkeit mit einem produktiven Ziel und der Gliederung von Arbeitsschritten zur optimalen Erreichung dieses Ziels, in deren Mittelpunkt der Mensch als ausführendes Organ steht.

Da mehrere Menschen in einer Arbeitskette oder -organisation involviert sind, ist ein kommunikativer Bedarf von immenser Bedeutung für die Ausführung von richtigen Arbeitsschritten zum korrekten Arbeitsendergebnis und für ein positives Arbeitsklima zwischen den jeweiligen Mitarbeitern.

2. 3. Information

Dieser Begriff wird unterschiedlich definiert, doch alle haben eins gemeinsam, die Übermittlung von Wissen. Informationen sind Objekte der Kommunikation.

2. 4. Syntax

„Hierunter werden Regeln über die Zusammensetzung von Zeichen oder Signalen in einer bestimmten Reihefolge im Übertragungskanal zwischen Sende- und Empfangsgerät verstanden. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht die Kanalgröße und Übertragungsgeschwindigkeit. Auf den Sprecher und die Bedeutung der Zeichen und Designaten wird kein Bezug genommen.“ ( „Organisation in der Unternehmung“ Autorenkollektiv 1992)

2. 5. Semantik

„Auf dieser Ebene wird die Beziehung zwischen Zeichen und Designaten herausgestellt, so dass auf die Bedeutung der Zeichen/Signale geschlossen werden kann. Das Signal wird zur Nachricht. Auf die Benutzer der Sprache ( Empfänger) wird kein Bezug genommen.“(Quelle siehe Punkt 2. 4. )

2. 6. Pragmatik

„ Zwischen der Sprache und ihrem Benutzer (Empfänger) besteht eine Beziehung. Durch Berücksichtigung der persönlichen Seite wird die Zweckorientierung einbezogen. Auf dieser Ebene entsteht aus der Nachricht eine Information.“ (Quelle siehe Punkt 2. 4.)

2. 7. Grafische Zusammenhang

Die Information (hier als zweckorientiertes Wissen) ist die höchste Stufe und entsteht aus Signal und Nachricht. Das heißt, für die betriebliche Leistungserstellung sind unter Kommunikation alle organisatorischen Regelungen zu verstehen, die den Informationsaustausch durch Senden, Empfangen, Speichern und Verarbeiten (Umwandeln) festlegen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2

3. Grober geschichtlicher Überblick über den Zusammenhang zwischen Kommunikationsentwicklung und Arbeitssysteme

Ich glaube, dieser Abschnitt ist einfach notwendig, um ein Verständnis für den heutigen und zukünftigen Kommunikationsbedarf zu entwickeln.

Ich weiß nicht mehr, wer das sagte, doch es ist immer aktuell. „Nur wenn wir unsere Wurzeln kennen, können wir uns weiterentwickeln.“

Beginnen wir bei unseren ursprünglichsten Wurzeln, denen der Urgesellschaft, und dem wahrscheinlichsten Beginn unserer Sprache.

3. 1. Sprache und Schrift

Wir sind also in der Urgesellschaft, wir laufen in einem Winterfell umher und einer von uns hat eine große Höhle entdeckt. Hier reichen noch Gesten oder Mimik.

Dann sind da die Sammler von Früchten. Auch hier werden noch Gesten und Mimik ausreichend sein.

Ein paar Jahrtausende später. Unsere Vorräte sind knapp, die Gegend hat aber riesige Mammutherden. Irgendeiner kommt auf die Idee zu jagen. Aber nicht unkontrolliert, sondern in der Gruppe. Für diese Absprache sind Laute notwendig. Laute, die von anderen verstanden werden. Somit sind wir bei der Entwicklung der Sprache und einem ersten Arbeitssystem. Der gemeinschaftlichen Jagd. Nach diesem Erfolg ist ganz sicher die Lautsprache kultiviert worden, und hatte mehr Bedeutungen als nur die Jagd allein.

Irgendwann entstand das erste Mehrprodukt und wurde eingetauscht. Damit sollen die ersten Stadtstaaten entwickelt worden sein und gleichzeitig die erste Schriftzeichen.

Hammurabis Gesetzesstele im Zweistromland regelte ein Sklavenarbeitssystem und ist nachweislich das erste schriftliche Anweisungssystem im Strafrechtssinn und im Staatensystem. Danach wurde wahrscheinlich alles, was das sprachliche und schriftliche Potenzial betraf, im römischen Reich (besonders was unsere Sprach- und Schriftzeichen angeht) und somit im größten Teils Europas, zur damals höchsten und weit fortschrittlichsten Form entwickelt. Das war Latein.

Wir gehen etliche Schritte weiter in unserer Entwicklung.

3.2. Erste technische Kommunikationsmittel

Das allererste Kommunikationsmittel durch einen Fremdkörper waren wohl Trommeln oder Rauchzeichen.

Aber auch das entwickelte sich weiter. Es wurden Spiegel in die Kampftechnik eingewoben. Sie wurden als Kommunikationsmittel über Entfernungen angewandt.

1475 erfand Johannes Gutenberg den Buchdruck. Es entstand eine neue Kommunikationsform. Hier haben wir die Geburtsstunde der Zeitung und der Medien.

Der englische Erfinder James Watt baute im Jahre 1765 die erste brauchbare Dampfmaschine. Damit begann die „Industrielle Revolution“. Die Dampfmaschine wurde weiterentwickelt.

1876 gelang Graham Bell die erste verständliche Übertragung der menschlichen Stimme über einen Apparat, der später zum Telefon führte.

Nur ein Jahr später erfand der Amerikaner Alva Edison die erste Tonaufzeichnung mit einem Gerät, das er Phonograph nannte.

Der nächste Schritt in der Kommunikationsübertragung war der Funk. Nachdem der Deutsche Heinrich Hertz nachgewiesen hatte, dass es elektromagnetische Wellen gibt, begann der Italiener Guglielmo Marconi mit den ersten drahtlosen Telegrafieversuchen. 1897 konnte er eine Verbindung über den Kanal zwischen England und Frankreich und 1901 zwischen England und Neufundland herstellen.

Das Fernsehen begann im Jahr 1931 mit der Erfindung der elektronischen Bildabtaströhre durch den in den USA lebenden Wissenschaftler Wladimir Zworykin.

Das waren die wichtigsten Vorläufer unseres heutigen Computers und des Internets. Sie entstammen dem Kommunikationsbedürfnis der Menschen, schufen neue Arbeitsbereiche und interessante Arbeitsplätze. Gleichseitig verbesserten sie die Verständigung in Arbeitssystemen ( Bsp.: Bankwesen, Postwesen etc.).

3. 3. Das Internet – Zukunft von Arbeitssystemen?

Kaum eine andere Erfindung hat die moderne Arbeitswelt so verändert wie der Computer. Hat die erste elektronische Rechenanlage 1946 noch arithmetische Aufgaben gelöst, so haben die heutigen Anlagen weitaus mehr Möglichkeiten. Alle denkbaren Daten werden verarbeitet und das sehr schnell. Weiterhin dient er der Unterhaltung, hat einen festen Platz bei der Informationsverarbeitung und –suche und ermöglicht eine die ganze Welt umspannende Kommunikation und Zusammenarbeit.

Die erste Computervernetzung hat seinen Ursprung in den USA im Jahr 1969, geboren aus den Ängsten der US – Militärs vor dem atomaren Schlag des „Kalten Krieges“. Schnell entwickelte sich daraus durch Anbindung weiterer Netze 1986 das NSFNET ( National Science Foundation Network), das heute das Hauptnetz des Internet bildet.

Das Internet verband bis zum Anfang der 90er Jahre vorwiegend Universitäten, Forschungseinrichtungen und ( meist US – amerikanische) Regierungsbehörden. Seit der Einführung des World Wide Web ist eine immer stärker zunehmende Kommerzialisierung des Internet zu verzeichnen.

Das bedeutet, es entstanden neue Arbeitsplätze, verband Arbeitssysteme und schuf neue Arbeitssysteme. Und die Ressourcen sind noch nicht ausgeschöpft.

So kann eine kranke Studentin zu Hause die Vorlesungen über das Internet verfolgen und muss nicht das Studium unterbrechen. Oder nehmen wir die Konferenzschaltungen übers Internet weltweiter Konzerne.

Interessant ist vielleicht auch, dass in Afrika erste Zeitschriften den Papierdruck eingestellt haben und auf WWW Home Pages umgestiegen sind. Auch in Afrika gibt es Nachrichtenagenturen wie IPS, die vermehrt auf das Internet ausweichen, weil andere Verbreitungsmöglichkeiten zu teuer sind.

Doch ich möchte über ein Arbeitssystem sprechen. Ein Arbeitssystem, das auch neu ist und nur über das Internet läuft.

Am 14. 1. 2001 lief im Pro 7 Magazin „Galileo“ ein äußerst interessanter Beitrag über die Entwicklung eines neuen preisgünstigen und sparsamen Autos. Ein Auto, an dem jeder mitarbeiten kann und das nur über Internet entwickelt wird. Also wer interessiert ist, sollte sich mit einklinken.

Diese Entwicklung ist sicher sehr fortschrittlich(denn wer will nicht von zu Hause aus arbeiten), aber auch bedenklich. Bedenklich insofern, da das Internet direkte Arbeitsbeziehungen und – systeme ablöst und den Menschen an sich isoliert. (Denn der Einkaufen ist alltäglich übers Internet).

Doch eine große Anzahl der Beziehungen beginnen heute noch am Arbeitsplatz. Denken wir nur an die Freunde, die wir im Arbeitsprozess finden.

Werden sie durch das Internet zu gesichtlosen Fremden und Freunden, verlieren wir einen wichtigen Aspekt unserer Wahrnehmung. Die Persönlichkeitswahrnehmung. Das Zwischenmenschliche würde höchstwahrscheinlich auf der Internetstrecke bleiben.

Dann sitzen wir allein vor einem Bildschirm, erledigen unsere Arbeit, funktionieren in einem perfekten Arbeitssystem und verlieren einen Teil unserer Persönlichkeit und vereinsamen. Die Negativfolgen des Internet sind noch relativ unerforscht, aber trotzdem absehbar.

So mancher Science Fiktion Roman wird da sicher in unserem Kopf zum Leben erweckt.

Doch soweit sind wir noch nicht. Noch ist der Computer auf uns angewiesen, den Menschen, und ist dessen Eingabe fehlerhaft, dann ist auch das Arbeitsergebnis mit Fehlern behaftet. Diese Beziehung zwischen nicht korrekter Kommunikation und damit unvollständiger Arbeitssysteme und deren Bedeutung für den Kommunikationsbedarf werde ich im nächsten Abschnitt nachweisen.

4. Fehler in der Kommunikation

Nehmen wir einmal an, wir bekommen ein Skript von einem Professor und darin befindet sich eine Formel, die nicht stimmt. Einem fällt das auf und er fragt den Professor. Der korrigiert das und bittet den Studenten die anderen mitzuinformieren. Der aber vergisst das, weil er im Prüfungsstress steht.

Daran sehen wir, der Mensch ist fehlerhaft . Einen historischen Fehler im Arbeitssystem möchte ich im nächsten Abschnitt vorstellen.

4. 1. Legendärer Fehler im Arbeitssystem

Denken wir an Arbeitssysteme, sehen wir meist einen rein technischen Produktionsablauf vor uns. Aber auch das System des Befehlsempfang ist ein Arbeitssystem.

Meine Deutschlehrerin liebte eine Anekdote ganz besonders, denn sie verdeutlichte uns die Wichtigkeit des richtigen Kommasetzens.

„Friedrich der Große war kein Freund von zuviel Worten. Eines Tages sollte er über ein Gnadengesuch eines Straßenräubers entscheiden. Das Urteil war schnell und knapp gefällt. So diktierte er seinem Schreiber: „Er soll hängen, nicht leben.“ Der Delinquent kam trotzdem mit dem Leben davon. Denn der Schreiber hatte das Komma falsch gesetzt und so lautete die Mitteilung an den Henker: „Er soll hängen nicht, leben.““ ( „Anekdoten großer Persönlichkeiten“ Margaret Herschel, 1976, Junge Welt Verlag Berlin).

Hier hat ein Arbeitssystem total versagt auf Grund eines Kommunikationsfehlers eines Menschen.

Welche Voraussetzungen für eine optimale Kommunikationsübertragung sind, will ich im nächsten Abschnitt auflisten.

4. 2. Voraussetzungen für die korrekte Übertragung von Kommunikationssignalen

Die Grundvoraussetzungen der Kommunikation ergeben sich schon aus der Geschichte der Kommunikation. Das sind die gemeinsame Syntax, Semantik, Pragmatik und die kompatiblen, technischen Kommunikationsübertragungsmittel, sowie ein gewisser Bildungsstand als kognitive Grundlage.

Somit ist Kommunikation wiederum die Grundlage von Arbeitsabläufen, der Instanzenbildung und des Organisationsablaufs im betrieblichen Kontext.

Aber es reicht nicht von dem allgemeinen Ablauf und der verschiedenen Arbeitsstadien allein zur optimalen Zielerreichung auszugehen. Es müssen in gleicher Weise für die Kommunikation Regeln getroffen werden. Sie erstrecken sich auf die Bestimmung der Kommunikationswege (vertikale, horizontale, diagonale) und deren Zusammenfassung zu Kommunikationssystemen ( Stern-, Kette-, Kreis- und Vollstruktur), sowie auf die Schaffung von Voraussetzungen für einen reibungslosen Informationsfluss und eine rationelle Informationsverarbeitung.

Das bedeutet, der Grad der Zielerreichung hängt also auch davon ab, wie es gelingt, die Kommunikationsprobleme zu lösen. In diesem Zusammenhang ist bedeutsam die Informationstechnologien, die auf dem Gebiet der Daten- und Textverarbeitung gleichfalls der Kommunikationstechnologien weitreichende und tiefgreifende Lösungsmöglichkeiten anbietet.

4. 3. Kommunikationswege

„Ein Kommunikationsweg ist eine geregelte Kommunikationsbeziehung, durch die von einem Aufgabenträger zu einem oder mehreren anderen Verbindung zum Zwecke der Informationsübermittlung aufgenommen werden kann.“ („Organisation in der Unternehmung“ Autorenkollektiv 1992)

Grundsätzlich kann jeder mit jedem Verbindung aufnehmen. Das ist dann ein offenes, freies oder ungebundenes Kommunikationssystem. Es hängt von der Betriebsgröße ab, wann die Grenze erreicht ist, ab welcher Kommunikationsbeziehungen chaotische Ausmaße annehmen können. Dann ist es notwendig, jene Kommunikationswege herauszukristallisieren, die für die Zielsetzung erforderlich sind und sich aus der innerbetrieblichen Hierarchie (Instanzenzug) ergeben(und aus den durch die Arbeitsteilung notwendigen Querverbindungen horizontaler oder diagonaler Art) und diese in den Organisationsaufbau zu integrieren. Dies wird das geschlossene oder gebundene Kommunikationssystem genannt.

Mit diesen formalen Kommunikationswegen entstehen gleichzeitig die informalen Kommunikationswege, welche auf Verbindungen in sozialen Beziehungen oder dem Individualverhalten der Aufgabenträger zurückzuführen ist. Diese informalen Kommunikationswege sind durchaus positiv und können aufgabenbedingt sein. Besonders dann, wenn ein für die Aufgabenerfüllung notwendiger Informationsaustausch ohne formale Vorgabe erfolgt.

Dann unterscheiden wir zwischen singularem und pluralem Kommunikationsweg. Gibt ein Vorgesetzter einem Mitarbeiter eine Anweisung(vertikaler Kommunikationsweg), so ist das ein singularer Kommunikationsweg. Schickt er aber ein Memo an viele Mitarbeiter, so ist das ein pluraler Kommunikationsweg. Vertikale Wege haben immer Formalcharakter.

Der horizontale Kommunikationsweg verkürzt die Kommunikationswege und entlastet die übergeordnete Stelle durch eine Übertragung der Informationen auf gleicher Ebene. Dies kann singular oder plural geschehen. Es ist sicher sinnvoll, wenn eine Vermehrung und Verbesserung der horizontalen Kommunikationswege gefordert wird, doch das bedarf einer sorgfältigen Regelung, damit man Informationsverlust durch Umgehung vorgesetzter Stellen und daraus resultierender Konfliktsituationen vermeidet.

Der betriebliche Kontext umfasst alle Ebenen und die Empfänger von Informationen können unterschiedlichen Ebenen angehören. Mit der Überbrückung mehrerer Ebenen lernen wir hier den diagonalen Kommunikationsweg kennen, der ebenfalls singular oder plural erfolgen kann.

Kommunikationsmittel für einseitige Kommunikationswege können Ruf- und Signalanlagen oder das Schwarze Brett sein. Beim zweiseitigen Kommunikationsweg entscheidet der Einsatz.

- Gegenverkehr, bei dem an beiden Endpunkten zur gleichen Zeit funktionstüchtige Empfänger und Sender sind (Optimal der Mensch), wie Telefon oder Gegensprechanlage
- Wechselverkehr, bei dem nur abwechselnd in beide Richtungen Informationen übermittelt werden können, wie Wechselsprechanlage und Fernschreiber

Weiterhin unterscheiden wir zwischen dem direkten und indirekten Kommunikationsweg. Der direkte Kommunikationsweg hat keine Speicherung und Verteilung der Informationen. Sondern kann nur das Senden und Empfangen der Informationen. Beim indirekten Kommunikationsweg wird zwischen Sender und Empfänger Aufgabenträger mit Speicher- und/oder Verteilungsfunktion dazwischengeschaltet. Es ergeben sich somit mehrere eng miteinander verbundene Kommunikationswege. Dieser Weg ist immer dann von Vorteil, wenn der Sender durch die Verteilungsfunktion entlastet und durch die Speicherung zeitliche Unterschiede überbrückt werden. Das hat aber auch einen Nachteil, durch die Speicher- und Verteilungsfunktion können Informationen verfälscht beim Empfänger ankommen. Welcher Kommunikationsart gewählt wird, hängt vom Arbeitsorganisator und der Aufgabenstellung ab.

4. 4. Kommunikationssysteme

Alle Kommunikationswege in ihrer Zusammenfassung bilden das Kommunikationssystem. Die Kommunikationssysteme können hinsichtlich ihrer Struktur unterschieden werden.

Die Sternstruktur (auch Vorgesetztenstruktur) gilt als besonders geeignet für eine schnelle Erfüllung von Routineaufgaben, da für die Übermittlung sämtlicher Arbeitsinformationen jeweils ein Kommunikationsweg zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern existiert. Es liegt ein Minimum an Informationswegen vor, weshalb die Koordinierung durch den Vorgesetzten aus zentraler Stellung heraus optimal durchgeführt werden kann.

Die Kette verfügt zwar auch über ein Minimum an Kommunikationswegen, jedoch durch mit anderer Anordnung, so dass die direkte Verbindung mit zwei Partnern oder durch Unterbrechung mit einem Partner möglich ist. Die Kette ist für unproblematisch vollziehbare Sachentscheidungen geeignet.

Der Kreis hat die Möglichkeit des Informationsaustauschs zwischen den jeweils benachbarten Mitgliedern und somit stark reduziert. Der Vorteil dieses Systems besteht darin, dass durch die Zwischenschaltung der Mitglieder ein Lernprozess stattfindet. Der dadurch erreichte Wissensstand vermindert die Gefahr von Fehlentscheidungen und falscher Aufgabenerfüllung.

Die Vollstruktur stellt ein offenes Kommunikationssystem dar, in dem jeder mit jedem Informationen austauschen kann und somit keine Kommunikationswegreduzierung haben. Dieses System ist besonders geeignet für Aufgaben, bei denen die aktive Mitwirkung aller Mitglieder erforderlich ist, wie bei Forschungs- und Entwicklungsaufgaben, sowie bei der Lösung von Kommunikationsproblemen auf oberster Leitungsebene.

Die einzelnen Kommunikationsnetze lassen sich in keiner Form auf das komplexe Gebilde einer Unternehmung übertragen. Vielmehr existieren alle Kommunikationssysteme und -wege in vielfältiger Art und Weise in den verschiedenen Arbeitssystemen, wo sie optimal abgestimmt werden auf die Zielerreichung.

4. 5. Kollegienbildung

Kollegien werden gebildet, wenn das vorhandene Kommunikationsnetz nicht mehr den Aufgabenanforderungen genügt, der Informationsaustausch nicht ausreichend ist und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Rangstufen und Sachgebiete notwendig ist. Alle beteiligten Stellen treffen sich gemeinsam an einem Ort, um umfassend und intensiv über bestehende Probleme zu besprechen und durch den damit erforderlichen Informationsaustausch Lösungen zu realisieren. Für diese Sonderform der Kommunikation gibt es in der Praxis verschiedene Bezeichnungen wie Ausschüsse, Kommissionen, Konferenzen, Gremien, Sitzungen, Tagungen u.a.

Durch Kollegien können die betreffenden Stellen besser koordiniert werden, Sonderprobleme schneller erledigt werden, Kommunikationswege sind wesentlich kürzer und die zwischenmenschlichen Beziehungen werden durch persönlichen Kontakt verbessert (nicht zwangsläufig, da es heute Konferenzschaltungen gibt).

5. Zusammenfassung

Wie wir gesehen haben, hängt die Arbeitsdynamik von der Kommunikation und ihrem effektivem Einsatz sowie der Kommunikationsorganisation ab, in dessen Mittelpunkt der Mensch mit seinen physischen und psychischen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Begabungen steht. Ohne ihn läuft gar nichts.

So wie sich die Arbeitssysteme verändern, verändert sich im gleichen Maß der Mensch und die Kommunikationsmittel. Sie bedingen sich alle gegenseitig, keiner kann ohne den anderen allein existieren.

Um die Möglichkeiten, die für einen sicheren und ökonomischen Arbeitsablauf nötig sind, optimal auszuschöpfen, sind differenzierte und vielfältige Informationen in geregelten Kommunikationsnetzen mit effizienter Bearbeitung und Ausführung erforderlich. Dies ist besonders wichtig in der Forschungs- und Entwicklungsebene sowie im Marketing, denn in unserer schnell lebenden Zeit verlieren Informationen rasch an Wert.

Doch mit dem Begriff des Kommunikationsbedarfs ist nicht nur die bestmögliche betriebliche Kommunikation innerhalb der Arbeitssysteme gemeint. Der Kommunikationsbedarf erstreckt sich auch auf die zwischenmenschlichen Beziehungen am Arbeitsplatz und des Menschen zu seiner Arbeit. Schließlich arbeitet ein Mensch nicht mechanisch und völlig ohne Emotionen, wie ich das bereits zum Anfang meines Referates erläuterte. Sie ist eine Quelle der Selbsterfahrung und –bestätigung, sowie der Motivation und emotionalen wie geistigen Weiterentwicklung. Hier tut sich die Notwendigkeit von Arbeitspsychologen bei der Beseitigung von Kommunikationsstörungen und psychischen Problemen auf, damit durch die psychische Stabilität der Mitarbeiter und ihrem sozialen Kontakt untereinander die Erreichung des Arbeitsziels gewährleistet ist.

6. Quellennachweis

„Massenkommunikation“ 1997 Herrmann Fünfgeld, Claudia Mast (Hrsg.) Westdeutscher Verlag

„Organisation in der Unternehmung“ 1992 Weidner, Freitag, Gernet, Ulbrich ; Hanserverlag

„Wörterbuch der Psychologie“ 1998, Bechtermünzverlag

21 von 21 Seiten

Details

Titel
Kommunikationsbedarf in Arbeitssystemen
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
21
Katalognummer
V107540
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikationsbedarf, Arbeitssystemen
Arbeit zitieren
Andrea Ehrentraut (Autor), 2001, Kommunikationsbedarf in Arbeitssystemen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107540

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