Sigmund Freud - Es geht nicht ohne Hilfskonstruktionen


Ausarbeitung, 1999

8 Seiten


Leseprobe

Sigmund Freud

„Es geht nicht ohne Hilfskonstruktionen“

Bei dem vorliegenden Text von Sigmund Freud(1856-1939) handelt es sich um Auszüge aus zwei Schriften, der erste Teil stammt aus „Die Zukunft einer Illusion“, der zweite aus „Das Unbehagen in der Kultur“[1]. Zeitlich müssen sie in Freuds Spätwerk eingeordnet werden, in dem er seine aus der von ihm begründeten Psychoanalyse gewonnenen Erkenntnisse auf gesellschaftliche Phänomene anwandte. Freud, der sehr an der Philosophie interessiert war, bediente sich bei zahlreichen philosophischen Richtungen, was eine eindeutige Zuordnung schwierig macht. Am ehesten kann man ihn als „Materialisten“ bezeichnen[2]. In meinem Referat halte ich die vorgegebene Zweiteilung bei, versuche aber, die vorhandenen Wiederholungen zu vermeiden. Außerdem habe ich mich bemüht, sehr Freud-spezifische Fachausdrücke so weit zu vereinfachen, daß sie auch ohne entsprechende Vorbildung verständlich sind.

I

Im ersten Teil stellt Freud die Frage nach dem „besonderen Wert der religiösen Vorstellung“[3]. Zu ihrer Klärung geht er von dem von ihm geprägten Begriff der „Kulturfeindschaft“[4] aus. Kultur an sich entsteht nach Freud durch den Wunsch, den „Naturzustand“[5] aufzuheben. Der freudsche Naturzustand definiert sich durch eine völlige Freiheit, in der man seinen Trieben ungestört nachgeben und –gehen kann, das heißt „man darf also jetzt zum Sexualobjekt jedes Weib wählen, darf seinen Rivalen...ohne Bedenken erschlagen, kann dem anderen auch irgendeines seiner Güter wegnehmen.“[6] Dabei stellen sich aber zwei Probleme: Erstens hat jeder diese Freiheit(was ja schon beim ähnlichen Naturzustand nach Hobbes ein Problem war), zweitens beschränkt uns die Natur selbst auf ihre ganz eigene, grausame Weise: „...sie bringt uns um, kalt, grausam, rücksichtslos...“.[7] Gerade dieser zweite Punkt ist der Grund für die Schaffung von Kultur, sie ist Schutz gegen die Natur. Aber die Kultur schafft auch eine Entbehrung auf die Freiheiten, die uns im Naturzustand noch gegeben sind. Hinzu kommen die Leiden, die Mitmenschen uns trotz der Kulturvorschriften oder gar als Folge ihrer Unvollkommenheit zufügen. Das läßt den Menschen „Kulturfeindschaft“ empfinden. Hinzukommt, das die Kultur auch nicht die gesamte Natur bezwingen kann, beispielsweise in Form von Naturkatastrophen oder Krankheiten. Laut Freud ist es diese unbezwungene Natur, was man gemeinhin als „Schicksal“[8] bezeichnet. Was tut die Kultur hier? Sie entwickelt die Religion, die mehrere Aufgaben hat.

[...]


[1] Beide Schriften erschienen erstmals 1920 unter dem Namen „Das Unbehagen in der Kultur“

[2] Hierbei stütze ich mich auf Alfred Schöpfs „Sigmund Freud und die Philosphie der Gegenwart“, Frankfurt 1982

[3] Sigmund Freud, Es geht nicht ohne Hilfskonstruktionen (Überschrift der Herausgeber) in : Carl Friedrich Geyer(Hrsg.), Religionsphilosophie der Neuzeit, Darmstadt 1999, S. 158

[4] S. 159

[5] S. 158

[6] ebd.

[7] ebd

[8] S. 159

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Sigmund Freud - Es geht nicht ohne Hilfskonstruktionen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
PS Neuzeitliche Religionsphilosophie
Autor
Jahr
1999
Seiten
8
Katalognummer
V107548
ISBN (eBook)
9783640058068
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ein kurzer Text über Sigmund Freuds Ansichten zur Enstehung und Bewertung von Religion
Schlagworte
Sigmund, Freud, Hilfskonstruktionen, Neuzeitliche, Religionsphilosophie
Arbeit zitieren
Mario Fesler (Autor:in), 1999, Sigmund Freud - Es geht nicht ohne Hilfskonstruktionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107548

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