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Normalisierung, Parteilichkeit und Solidarität. Die Leitideen der Behindertenarbeit am Beispiel der Caritas Tagesstätte

Titel: Normalisierung, Parteilichkeit und Solidarität. Die Leitideen der Behindertenarbeit am Beispiel der Caritas Tagesstätte

Diplomarbeit , 1999 , 89 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Monika Ommerle (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Normalisierungsprinzip und Parteilichkeit als Leitideen in der Behindertenarbeit. Diese Prinzipien sozialarbeiterischen Handelns werde ich als Alternativen zu den Konzeptionen der traditionellen Rehabilitationseinrichtungen vorstellen.
Durch die Umsetzung dieser Prinzipien soll körperbehinderten Menschen die Möglichkeit eröffnet werden, selbstbestimmt leben zu können. Selbstbestimmt leben heißt in diesem Kontext, ein Leben ohne Fremdbestimmung, ein eigenständiges Leben außerhalb vollstationärer Einrichtungen, nach eigenen Wünschen und Vorstellungen zu führen. Der behinderte Mensch bleibt dann nicht länger in der Rolle des passiven Empfängers von Hilfeleistungen, sondern wird aktiver und kritischer Konsument von Dienstleistungen.

Darstellen werde ich dieses Konzept am Beispiel der Caritas Tagesstätte für schwerst körperbehinderte Erwachsene, die den Betroffenen auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben die nötige Unterstützung und Begleitung anbietet. Dort können sowohl alltagspraktische Fähigkeiten als auch soziale Schlüsselkompetenzen erworben werden, die für ein selbstbestimmtes Leben erforderlich sind.

Das sozialarbeiterische Handeln der Tagesstätte orientiert sich dabei an der ökosozialen Theorie von Wendt als Handlungskonzept, das den Menschen nicht isoliert, sondern in Abhängigkeit zu seiner Umwelt betrachtet.
Parallel dazu dient die Netzwerkarbeit als ganzheitlicher Ansatz für Unterstützungsleistungen.
Praktisch umgesetzt werden diese Theorien durch das Empowerment-Konzept, das die betroffenen Menschen zur Eigeninitiative befähigt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

1 Darstellung der Caritas Tagesstätte für schwerst körperbehinderte Erwachsene

1.1 Vorgeschichte und Entstehung der Caritas Tagesstätte

1.1.1 Caritas Kontaktstelle für Behinderte

1.1.2 Konzeptarbeit für die Tagesstätte

1.1.3 Anfangsproblematiken

1.2 Strukturelle Rahmenbedingungen

1.2.1 Finanzielle Problematiken

1.2.2 Behindertenarbeit des Caritasverbands als Träger und Dachverband

1.3 Prinzipien sozialarbeiterischen Handelns in der Tagesstätte

1.3.1 Normalisierung

1.3.2 Parteilichkeit

1.3.3 Solidarität

2 Die Arbeit in der Caritas Tagesstätte – Umsetzung der Prinzipien der Normalisierung, Parteilichkeit und Solidarität

2.1 Von der Passivität zur Aktivität oder: Vom Patienten zum Konsumenten

2.2 Alltagsorganisation

2.2.1 Helferorganisation

2.2.2 Administration

2.2.3 Bildungsarbeit

2.2.4 Kommunikation im sozialen Umfeld

2.2.5 Partnerschafts- und Sexualberatung

3 Konzeptioneller Hintergrund der Tagesstätte zur professionellen Sozialarbeit in der Caritas Tagesstätte

3.1 Körperbehinderte Menschen – ein Leben lang in einem Sondersystem

3.1.1 Der behinderte Mensch als zu korrigierendes Mängelwesen

3.1.2 Auswirkungen von totalen Institutionen auf die Betroffenen

3.2 Die ‚Selbstbestimmt-Leben-Bewegung‘

3.2.1 Geschichtlicher Hintergrund: ‚Die Independent-Living-Bewegung‘

3.2.2 Anfänge der ‚Selbstbestimmt-Leben-Bewegung‘ in Deutschland

3.3 Theoretisches Wissen als Grundlage professioneller Arbeit

3.3.1 Öko-sozialer Ansatz nach Wendt

3.3.2 Netzwerkarbeit

3.3.3 Empowerment – neue Möglichkeiten in der Sozialen Arbeit

4 Konsequenzen dieser Konzeption für die Behindertenarbeit am Beispiel der Caritas Tagesstätte

4.1 Problematiken dieses Arbeitsansatzes

4.1.1 Geringe persönliche Distanz zu den NutzerInnen der Einrichtung

4.1.2 Umgang mit ‚institutionalisierten‘ NutzerInnen

4.1.3 Ablehnung des Konzeptes und der Einrichtung durch die Fachbasis

4.2 Weiterentwicklung dieses Ansatzes

4.2.1 Etablierung des Gesamtkonzeptes in der Fachbasis

4.2.2 Betreutes Einzelwohnen

4.3 Einsetzbarkeit der vorgestellten Sozialarbeitstheorien

5 Schlußgedanken

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, ein innovatives Konzept der offenen Behindertenarbeit vorzustellen, das körperbehinderten Menschen ein selbstbestimmtes Leben außerhalb vollstationärer Institutionen ermöglicht. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Prinzipien Normalisierung, Parteilichkeit und Solidarität praktisch in die soziale Arbeit integriert werden können, um die Abhängigkeit der Betroffenen von Fremdbestimmung zu minimieren und Eigeninitiative zu fördern.

  • Prinzipien der Normalisierung, Parteilichkeit und Solidarität
  • Umsetzung des Empowerment-Konzepts und ökosozialer Theorien
  • Weg vom passiven Hilfeempfänger zum aktiven Konsumenten
  • Kritik an traditionellen stationären Behinderteneinrichtungen
  • Praktische Alltagsorganisation und Unterstützung durch persönliche Assistenz

Auszug aus dem Buch

2.1 Von der Passivität zur Aktivität oder: Vom Patienten zum Konsumenten

Die NutzerInnen der Tagesstätte werden als mündige Bürger betrachtet, die selbst für sich und ihr Leben entscheiden können. Behinderung wird nicht als individuelles Defizit betrachtet, sondern primär als praktisches Problem, das durch entsprechende Unterstützungsleistungen reduziert werden kann.

Die aus der zugewiesenen Krankenrolle resultierenden Defizite wie Unselbständigkeit, Minderwertigkeitsgefühle, Passivität usw. können verständlicherweise nicht in kürzester Zeit kompensiert werden. In der Tagesstätte haben die NutzerInnen die Chance, die Rolle des passiven Hilfeempfängers abzulegen. Dazu gehört vor allem, daß die NutzerInnen ihre Behinderung als ein Teil von ihrem Menschsein akzeptieren, welches nicht mit Therapie bekämpft werden muß. Viele der NutzerInnen haben durch jahrelange Therapien versucht, ‚nichtbehindert‘ zu werden. Seit Beginn ihres Lebens wurden sie immer wieder auf Defizite und Mängel ihres Körpers hingewiesen, mit der Folge, daß sie ihren Körper als häßlich und nicht liebenswert betrachten, ihn bisweilen sogar hassen.

Während der Zeit in der Tagesstätte können die NutzerInnen direkt erfahren, daß sie in ihrem Menschsein akzeptiert, anerkannt und respektiert werden. Das tägliche Zusammensein mit behinderten und nichtbehinderten Menschen trägt wesentlich – auch ohne spezielle Therapie – dazu bei, das Selbstwertgefühl zu stärken und die Behinderung allmählich zu akzeptieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Darstellung der Caritas Tagesstätte für schwerst körperbehinderte Erwachsene: Dieses Kapitel erläutert die Entstehungsgeschichte, strukturelle Rahmenbedingungen und die grundlegenden Handlungsprinzipien der Tagesstätte.

2 Die Arbeit in der Caritas Tagesstätte – Umsetzung der Prinzipien der Normalisierung, Parteilichkeit und Solidarität: Hier wird anhand eines Fallbeispiels dargestellt, wie die NutzerInnen durch Empowerment von der Rolle des passiven Patienten zum aktiven Konsumenten geführt werden.

3 Konzeptioneller Hintergrund der Tagesstätte zur professionellen Sozialarbeit in der Caritas Tagesstätte: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen, indem es die Situation behinderter Menschen analysiert und Konzepte wie Empowerment, ökosozialen Ansatz und Netzwerkarbeit definiert.

4 Konsequenzen dieser Konzeption für die Behindertenarbeit am Beispiel der Caritas Tagesstätte: Der Autor diskutiert Probleme des Ansatzes, wie etwa die Akzeptanz in der Fachbasis, und beschreibt geplante Weiterentwicklungen wie das betreute Einzelwohnen.

5 Schlußgedanken: Ein Fazit zur politischen Verantwortung der Sozialen Arbeit, Behinderung nicht als Defizit, sondern als Teil der Identität zu begreifen.

Schlüsselwörter

Behindertenarbeit, Normalisierungsprinzip, Parteilichkeit, Solidarität, Selbstbestimmtes Leben, Caritas Tagesstätte, Empowerment, Ökosozialer Ansatz, Netzwerkarbeit, Integration, Institutionenkritik, Soziale Arbeit, Körperbehinderung, Eigeninitiative, Hilfeprozess.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht alternative Ansätze in der Behindertenarbeit, um ein selbstbestimmtes Leben für schwerst körperbehinderte Menschen außerhalb von vollstationären Einrichtungen zu ermöglichen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Normalisierungsprinzip, Empowerment, die Kritik an totalen Institutionen und die praktische Umgestaltung der Alltagsorganisation für behinderte Menschen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, durch die Umsetzung der Prinzipien Normalisierung, Parteilichkeit und Solidarität die Autonomie der betroffenen Menschen zu fördern und ihre Abhängigkeit von traditionellen Strukturen zu verringern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit der ökosozialen Theorie, dem Empowerment-Ansatz und Case-Management-Verfahren sowie deren praktische Anwendung in einem Pilotprojekt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Konzeption der Caritas Tagesstätte, die Umsetzung dieser Prinzipien im Alltag sowie die Herausforderungen bei der Etablierung eines solchen Modells.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Behindertenarbeit, Empowerment, Selbstbestimmung, Normalisierung, Parteilichkeit und Netzwerkarbeit.

Warum wird der Begriff „NutzerInnen“ statt „KlientIn“ verwendet?

Der Begriff „NutzerInnen“ vermeidet das Abhängigkeitsverhältnis, das mit dem Klientenbegriff assoziiert wird, und betont die Freiwilligkeit und Eigenmacht der Menschen.

Welche Rolle spielt das Empowerment-Konzept in der Tagesstätte?

Empowerment dient als handlungsleitender Rahmen, um die behinderten Menschen zu befähigen, ihre Interessen selbst zu vertreten und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, anstatt passiv verwaltet zu werden.

Ende der Leseprobe aus 89 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Normalisierung, Parteilichkeit und Solidarität. Die Leitideen der Behindertenarbeit am Beispiel der Caritas Tagesstätte
Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München  (Fachhochschule)
Note
2,0
Autor
Monika Ommerle (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1999
Seiten
89
Katalognummer
V10755
ISBN (eBook)
9783638171014
Sprache
Deutsch
Schlagworte
selbstbestimmtes Leben für behinderte Menschen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Monika Ommerle (Autor:in), 1999, Normalisierung, Parteilichkeit und Solidarität. Die Leitideen der Behindertenarbeit am Beispiel der Caritas Tagesstätte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10755
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Leseprobe aus  89  Seiten
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