Momentaufnahme Europa (Die Situation Europas Mitte des 20. Jh. und heute)


Referat / Aufsatz (Schule), 2003

6 Seiten, Note: 1


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Literaturverzeichnis:

- „Die große Bertelsmann Lexikothek“, Gütersloh, 1992

- Internet: www.die-mauer.de , 14.12.2002, 18.47 Uhr

- Mazower, Mark: „Der dunkle Kontinent“ – Europa im 20. Jahrhundert, Berlin, 1998

- Späth, Lothar; Henzler, Herbert A.: „Jenseits von Brüssel“, München, Nov. 2002

- „Unser Geld“: Ein Heft für die Schule Sek. 1, Ausgabe 2001/2002

- von Weizsäcker, Carl Friedrich: „Der Garten des Menschlichen“, München, 1977

„Europa wird von einer Entwicklung, die auf einer noch viel größeren Skala abläuft, überholt: von der Globalisierung“(1). Dies sagte einst Lothar Späth in seinem Buch „Jenseits von Brüssel“ über den Platz Europas in der Welt. Er vermittelt damit einen guten Einstieg in die Thematik, mit der ich mich heute befassen werde: der Momentaufnahme Europas Mitte des 20.Jahrhunderts und heute.

Globalisierung ist tatsächlich das Wort, anhand welchem ich erörtern möchte, inwiefern Europa bei diesem Prozess in den letzten 50 Jahren vorangeschritten ist.

Betrachten wir zuerst den Beginn der 60er Jahre, genauer gesagt den 13.August 1961, an dem unter Aufsicht der Volkspolizei die Sektorengrenze nach West – Berlin hermetisch abgeriegelt wurde. Die Verantwortung für diese menschenverachtende Mauer lag wohl bei denen, die in der DDR die staatliche Macht innehatten, bei der Führung der SED, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, ihren Helfershelfern und den Blockparteien. Diese hatten zuvor durch die UdSSR die Erlaubnis zur Einmauerung West – Berlins erhalten. Damit wurde über 50.000 Ostberlinern der Weg zu ihren Arbeitsplätzen im Westen abgeschnitten.

Die SED jedoch gab die Erklärung ab, dass die Mauer die DDR und ihre Bürger schützen solle, worauf die Bevölkerung in weiten Teilen mit Wut und Verzweiflung reagierte. In einem Radiointerview sagte der Ex – DDR – Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer (SPD): „An dem Tag wusste ich: Jetzt sind wir eingemauert! Jetzt sind wir ohne Alternative. Du bist jetzt hier eingesperrt. Es war sehr schwer.“(2)

Über vierzig Jahre später, im Jahre 2002, steht diese einst als „antifaschistischer Schutzwall“ bezeichnete Mauer schon lange nicht mehr, denn am 9.November 1989 wurde überraschend die Öffnung der Grenze für „Privatreisen ins Ausland“ bekannt gemacht. Mit den Worten Willy Brandts konnte nun endlich „zusammenwachsen, was zusammengehört“.(3)

Doch bis zum heutigen Tage war dies eine langwierige Prozedur, die meiner Meinung nach noch immer nicht vollständig beendet ist. Die DDR musste sich demnach erst an den Lebensstandard der BRD anpassen und dass dies nicht von einem Tag auf den anderen erfolgen konnte, sondern einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen würde, war ebenso unvermeidbar.

Ich bin zwar im Osten geboren, kann mich aber an die unmittelbare Zeit nach der Mauereröffnung nicht mehr erinnern, denn ich war einfach noch zu jung. Auch heute wird man noch gefragt, ob man ein „Ossi“ oder ein „Wessi“ sei und ich finde diese Frage nach 13 Jahren Einheit einfach nicht mehr angebracht. Auch Witze über die DDR – Bürger darf man sich noch von diversen Komikern im Fernsehen anhören. Das deutsche Volk wurde fast 30 Jahre durch die Mauer getrennt. Diese ist längst gefallen, doch der Graben im Bewusstsein der Menschen, den die Mauer geschaffen hat, ist noch lange nicht beseitigt.

Jedoch kann man heute sagen, dass Deutschland in freundschaftlicher Nachbarschaft mit den anderen Nationen Europas aufs Engste verbunden ist. Deutschland ist meiner Meinung nach eine verlässliche Demokratie in der Mitte eines zusammenwachsenden Europas geworden. Anhand von weiteren Beispielen werde ich dies auch noch versuchen näher zu bringen.

Im Jahre 1961 bestand bereits seit zehn Jahren die EG, die damals noch den Namen EGKS (Europäische Gemeinschaft Kohle und Stahl) besaß und erst 1967 in die Europäische Gemeinschaft umbenannt wurde. Damals gehörten jedoch nur Frankreich, Deutschland, Italien und die Beneluxländer zu dieser internationalen Organisation, deren Aufgabe es ist, Frieden zu erhalten. Da fragt man sich doch, wie man einen Bund aus sechs Ländern als EG bezeichnen kann.

Heute gehören schon weitaus mehr Länder zur Nachfolgeorganisation der EG, der EU. In den 70er und 80er Jahren sind noch Großbritannien, Irland, Dänemark, Griechenland, Spanien und Portugal dazu gestoßen, 1990 die neuen Bundesländer Deutschlands und in einer4.

Erweiterung Österreich, Schweden und Finnland. Doch das sind hauptsächlich die Länder, die wirtschaftlich und sozial auf höherer Ebene stehen. Osteuropa, also überwiegend die ärmeren

Länder Europas wurden bis jetzt entweder abgewiesen oder hatten noch nicht die Chance in die EU einzuziehen.

Mit einer ersten, im Jahre 2004/05 geplanten EU – Osterweiterung und einer zweiten 2008/09 sollen auch fast alle noch fehlenden Länder Europas aufgenommen werden, um Probleme anzupacken, die allein nicht zu bewältigen sind. Ich finde das einen sehr großen Schritt in die richtige Richtung, denn viele Länder sind auf die Unterstützung anderer vollends angewiesen.

Gehen wir wieder zurück ins Jahr 1961. Europa ist ein Kontinent, auf dem in jedem Land mit einer anderen Währung bezahlt werden muss. Eigentlich ist dies eine Selbstverständlichkeit, jedoch bringt sie auch einige Probleme mit sich. Das Reisen ohne einen Währungswechsel war somit beispielsweise unmöglich. Des Weiteren gibt es in ganz Europa Wechselkursschwankungen, die nie ganz aufgehoben werden konnten.

Spulen wir nun vor zum 1.Januar 2002, der Währungsumstellung zum gemeinsamen Euro. Zwölf europäische Länder, die natürlich auch in der EU vertreten sind, erhalten von nun an die neue Währung. Viele Leute reagierten eher skeptisch auf diese Umstellung und das auch völlig berechtigt.

Trotzdem bringt der Euro auch viele positive Dinge mit sich, z.B. soll der schon seit längerem in Europa existierende gemeinsame Binnenmarkt abgesichert und vollendet werden, was durch die wegbleibenden Umtauschkosten sicher auch passieren wird. Außerdem kann sich der Handel in Europa viel besser entfalten als bisher. Die Planungssicherheit in der Wirtschaft nimmt zu und der Wettbewerb und das Wirtschaftswachstum in Euro – Ländern werden noch besser gefördert. Allerdings können sich all diese vorteilhaften Wirkungen nur dann einstellen, wenn die neue europäische Einheitswährung auch wirklich stabil bleibt. Außerdem verlangt der nun schärfere Wettbewerb in der Wirtschafts – und Währungsunion von allen Beteiligten eine noch größere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit.

Nach einem Jahr mit dem Euro will ich nun kurz versuchen, ein Fazit aus dem Geschehenen zu ziehen. Der Euro ist für mich mehr ein negatives Objekt der wirtschaftlichen Entwicklung geworden, als ein positives. Die Preise bei verschiedenen Waren in Deutschland, bei den anderen Ländern fehlt mir leider die Vergleichsmöglichkeit, haben sich im Gegensatz zur DM fast verdoppelt. Die Bevölkerung, die ohnehin schon versucht sparsamer mit ihrem Geld umzugehen, bekommt gar nicht mit, dass sie trotzdem mehr Geld ausgibt, aus dem einfachen Grunde, dass alles viel teurer geworden ist. Was mir gefällt, ist die Einfachheit beim Reisen durch Europa. Die lästigen Wechselstuben fallen weg und jeder kommt gleich mit den Preisen zurecht, wo man bis 2001 noch vor dem Regal stand und grübelte, wie viel das jetzt wohl in DM sei.

Doch es gefällt mir nicht, wie schon beim Thema EU, dass wieder nur einige Länder an der Währungsumstellung beteiligt waren und ich hoffe, dass in den nächsten Jahren noch diverse Länder nachziehen werden.

Um mein nächstes Thema zu erreichen, die Kultur, möchte ich einleitend ein Zitat von Herbert Henzler einbringen: „Amerika besitzt eine grandiose wilde Natur, besonders in den Nationalparks. Wir in Mitteleuropa haben dagegen sehr viel weniger wilde Natur, dafür aber eine einzigartig vielfältige und lebendige Kulturlandschaft. Wenn ich mit dem Auto von hier nach Südfrankreich fahre, tauche ich alle 200 Kilometer in eine andere Kultur ein. Wenn ich 2500 Kilometer von Athen nach Oslo oder von Frankfurt nach Minsk zurücklege, dann liegen dazwischen Welten. Wenn ich in den USA 2500 Kilometer mit dem Camper von Dallas nach San Francisco oder von Miami nach Minneapolis fahre, ändert sich zwar die Landschaft, aber Architektur und Kultur bleiben fast gleich.“(4)

Ich finde, das ist ein Zeichen, dass sich Europa schon immer von Amerika oder auch den anderen Staaten unterschieden hat. Sowohl in den 60er Jahren als auch im 21. Jahrhundert war und ist Europa der Kontinent mit der größten Vielfalt an Kultur und Landschaft. Den meisten Bürgern genügt es deshalb auch, wenn sie ihren Urlaub in einem europäischen Land verbringen. Erstens, weil es meist billiger ist, als ein Flug in die Staaten oder nach Australien und zweitens, wie eben schon erwähnt, lernt man auch hier die unterschiedlichsten Kulturen und Menschen kennen. Das gefällt mir so an Europa und deshalb wünschen sich auch viele Bewohner anderer Kontinente einmal eine Reise nach Europa unternehmen zu können. Der Euro wäre ihnen hierbei auch bei einer Rundreise eine große Hilfe.

Nun möchte ich zur Migration in Europa einige Dinge erörtern. Auf Grund der beiden Weltkriege in den Jahren 1914 – 1918 und 1939 – 1945 wurde die Migrationsbewegung immer stärker. Jedoch fand diese Migration aus Europa heraus statt und nicht nach Europa hinein. Viele Bürger wanderten in die Vereinigten Staaten von Amerika oder nach Kanada aus, da deren Situation nach den Weltkriegen weitaus besser war als beispielsweise die von Deutschland. Um wieder zum Jahre 1961 zurückzukehren, muss man sagen, dass in dieser Zeit die Migration nach Europa langsam ihren Anfang fand.

Nehmen wir das Beispiel Indien. In Indien gibt es keine sozialen Sicherungsbedingungen für die Bevölkerung. Das ist auch die Ursache, warum die Bürger dort immer mehr Kinder bekommen. Sie versuchen dadurch, ihr Leben im Alter abzusichern und Kinder sind schließlich billige Arbeitskräfte in den 3.Welt – Ländern.

Leider kommt es durch das stetige Bevölkerungswachstum auch zu immer größerer Armut und das läuft wieder darauf hinaus, dass die Bevölkerungsrate stark zunimmt. Viele Bürger sehen deshalb nur noch einen Ausweg: Sie verlassen ihr Land und gehen nach Europa.

Im Jahre 2002 ist die Migration ein immer wieder präsentes Thema in der Politik, denn sie wird immer stärker. Auf Grund der immer niedrigeren Geburtenrate „veraltet“ Europa allmählich. Die Bürger der 3.Welt – Staaten würden auch, wenn sie z.B. in Deutschland Sozialhilfe erhalten, immer noch weitaus mehr verdienen, als in ihrem Heimatland. Europa wird also zum Migrationskontinent und die Politik kämpft stetig dagegen an.

Die NATO, die 1949 gegründet wurde, war im Gegensatz zur EU eine Organisation, die sowohl europäische – als auch amerikanische Staaten umfasst. So gehörten Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal und die USA zu den Gründungsstaaten der NATO. Ihre Aufgaben sind es, Konflikte zu verhindern, Kriege zu bewältigen, die Sicherheit zu stärken und sich zu verteidigen. Das war in den 60er Jahren so und ist es auch heute noch. Es haben sich noch einige wenige Länder der NATO angeschlossen, beispielsweise auch Deutschland, um in Konfliktsituationen immer jemanden an seiner Seite zu haben.

Ich finde, die NATO ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Verhältnisses von Europa mit der ganzen Welt. Sie ist die einzige Organisation, die kontinentübergreifend arbeitet und damit eine Globalisierung Europas möglich macht.

Nach dem 2. Weltkrieg war „Kalter Krieg“ die Bezeichnung für die Auseinandersetzungen zwischen dem Ostblock und den Westmächten und dieser Ost – West – Konflikt führte Mitte des 20. Jahrhunderts auch zu einer Belastung Europas. 1961 fand beispielsweise ein Wettrüsten zwischen den Supermächten (den USA und der UdSSR) statt und 1962 folgte dann die Kuba – Krise (vom 22. – 27. Oktober). Dies war ein weiterer Konflikt zwischen den USA und der UdSSR wegen der Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen auf Kuba, die die strategische Weltlage zugunsten der UdSSR verbessern sollte. Nach Tagen dramatischer Spannung gab der sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow Ende Oktober unter dem Eindruck der US – amerikanischen Entschlossenheit und nach Gegenleistungen nach und zog die Raketen ab, während Kuba die internationale Kontrolle verweigerte. Mit der Zurückweisung des sowjetischen Versuchs wurde die Kuba – Krise zum Ausgangspunkt der partiellen globalen Zusammenarbeit und Annäherung zwischen den USA und der UdSSR.

Schaut man auf die geografische Lage beider Länder, stellt man fest, dass Europa exakt dazwischen liegt und gerade deshalb nicht daran vorbei kam, selbst mit in den Konflikt zu geraten. Deutschland z.B. war damals schon in BRD und DDR gespalten und beiden Parteien hielten jeweils zu einer anderen Großmacht. Die BRD zur USA und die DDR verfolgte dieselben Ziele wie die UdSSR. Verfolgt man jedoch den Begriff Nation, der eine Gemeinschaft von Menschen, die entweder durch das Bewusstsein gemeinsamer Sprache, Kultur und Geschichte oder durch gemeinsame Staats – und Gesellschaftsauffassungen verbunden ist, definiert, so stellt man fest, dass Deutschland eigentlich eine Nation hätte sein müssen.

Im Jahre 2002istDeutschland wieder dieseeineNation und die Konflikte zwischen den einstigen Supermächten sind auch größtenteils aus dem Weg geschafft.

Abschließend möchte ich noch ein weiteres Zitat von Lothar Späth anbringen, welches er wieder in seinem Buch „Jenseits von Brüssel“ niederschrieb: „Das vereinigte Europa hatte sich in den Alltag der Menschen eingeschlichen, ziemlich unspektakulär und ohne Pauken und Trompeten.“(5) Die Globalisierung Europas findet demnach in kleinen Schritten, aber doch mit einschlägigem Erfolg statt und die Rolle Europas im 21. Jahrhundert ist dementsprechend eine wichtigere als noch vor 50 Jahren.

[...]


(1) Späth, Lothar: „Jenseits von Brüssel“, München, Nov. 2002

(2) Friedrich Schorlemmer: www.die-mauer.de, 14.12.2002, 18.47 Uhr

(3) Willy Brandt: www.die-mauer.de, 14.12.2002, 18.47 Uhr

(4) Henzler, Herbert: „Jenseits von Brüssel“, S.9

6 von 6 Seiten

Details

Titel
Momentaufnahme Europa (Die Situation Europas Mitte des 20. Jh. und heute)
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
6
Katalognummer
V107615
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit wurde im Deutsch Profilkurs (Kl.11) von mir geschrieben. Des Weiteren wurde sie an den Europäischen Wettbewerb gesandt, wobei die Ergebnisse leider noch nicht feststehen.
Schlagworte
Momentaufnahme, Europa, Situation, Europas, Mitte
Arbeit zitieren
Julia Groth (Autor), 2003, Momentaufnahme Europa (Die Situation Europas Mitte des 20. Jh. und heute), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107615

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