Drogenmärkte - ökonomische Analyse und wirtschaftspolitische Implikationen


Seminararbeit, 2002

27 Seiten, Note: 2,3


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Inhaltsübersicht

1. EINLEITUNG

2. DER DROGENKONSUM DES INDIVIDUUMS
2.1. Definition von Drogen
2.2. Einordnung des Drogenkonsums in die Nutzentheorie

3. DROGENMÄRKTE
3.1. Die Nachfrage
3.2. Das Angebot
3.3. Der Drogenmarkt als Monopolmarkt

4. MÖGLICHKEITEN STAATLICHER DROGENPOLITIK
4.1. Ziele der Drogenpolitik
4.2. Handlungsmöglichkeiten des Staats
4.2.1 repressive Drogenpolitik
4.2.2 Liberalisierung der Drogenmärkte
4.2.3 Beeinflussung der Nachfragerseite

5. FAZIT

6. LITERATURVERZEICHNIS

7. ANHANG

1. Einleitung

Der Konsum von Drogen ist ein weit verbreitetes Phänomen in unserer Gesellschaft. Frey1) geht davon aus, dass in Deutschland ca. 17 % der Bevölkerung im Verlauf ihres Lebens illegale Drogen konsumiert haben. Die Hessische Landesstelle gegen Suchtgefahren2) schätzte im Juli 2001 allein die Zahl der Cannabiskonsumenten in Deutschland auf 2,1 Millionen. Die Anzahl von Abhängigen sogenannter „harter“ Drogen belief sich im selben Jahr auf ca. 250.000 – 300.000 Konsumenten. Drogenkonsum an sich ist daher nicht nur das Problem einer Randgruppe, sondern ein gesamtgesellschaftliches Phänomen.

Durch die suchtfördernden Wirkungen des Guts „Droge“ und durch die prohibitive Drogenpolitik ergeben sich bei Betrachtung des Marktes Besonderheiten, die diesen Markt aus ökonomischer Sicht von herkömmlichen Märkten unterscheiden und betrachtenswert machen. Die suchtfördernden Wirkstoffe ergeben bei regelmäßigem Konsum ein Abhängigkeitspotential der Nachfrager, welches sich auf den Konsum zukünftiger Perioden auswirkt, wohingegen durch die prohibitive Drogenpolitik sowohl das Angebot als auch die Nachfrage beeinflusst werden. Unter Berücksichtigung dieser Effekte stellt sich die Frage, ob die repressive Politik ihre wie auch immer gearteten Ziele erreicht, oder ob andere Umgangsformen mit dem Phänomen „Droge nsucht“ denkbar wären. Auf diese Fragen soll hier eingegangen werden.

2. Der Drogenkonsum des Individuums

2.1 Definition von Drogen

Eine allgemein gültige Definition des Begriffes „Drogen“ zu finden fällt nicht leicht. Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization WHO 1981) definiert

Drogen als „Stoffe, Mittel und Substanzen, die aufgrund ihrer chemischen Natur Strukturen oder Formen im lebenden Organismus verändern, wobei sich diese Veränderung insbesondere in den Sinnesempfindungen, in der Stimmungslage, im Bewusstsein oder in anderen psychischen Bereichen oder im Verhalten bemerkbar machen“3).

Im Folgenden soll von dieser Definition weiter beschränkt werden, da Güter wie zum Beispiel Alkohol oder nikotinhaltige Produkte, welche diesen Kriterien genügen, legal gehandelt werden. Hier sollen ausschließlich illegal gehandelte Güter, die den Kriterien der WHO genügen, unter dem Begriff „Drogen“ subsumiert werden, da sich hier die relevanten Effekte zeigen.

Beispiele finden sich in landwirtschaftlich erzeugten Produkten, wie beispielsweise Cannabisprodukte, Heroin, Kokain oder in chemischer Produkten, wie etwa LSD oder Ecstacy.

2.2 Einordnung des Drogenkonsums in die Nutzentheorie

Fraglich ist nun, ob der Drogenmarkt und die Drogenproblematik in der Gesellschaft überhaupt mit wirtschaftswissenschaftlichen Methoden untersucht werden können. Dabei sei zunächst ein Markt mit einem Gut c betrachtet. c sei eine illegal gehandelte Droge, deren vermehrter Konsum abhängig macht. Ferner sei y ein Güterbündel, bestehend aus allen anderen Gütern, ausgenommen der Droge. Bei unterstellter

Nutze nmaximierung als Ziel besitzt ein Individuum die Nutzenfunktion

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Grenznutzen des Konsums beider Güter in t sei positiv. Hierbei bezeichnet t die aktuelle Periode.

Der heutige Drogenkonsum ist jedoch gerade wegen des Abhängigkeitspotentials der Droge vom Konsum der Vergangenheit abhängig. Je höher der Drogenkonsum in den vergangenen Perioden war, desto höher wird die Bereitschaft zum Drogenkonsum in der aktuellen Periode sein. Dieser Sachverhalt wird durch die „Theory of Rational Adiction“ von Becker und Murphy4) dargestellt:

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] stellt die aufsummierte und konsumierte Menge an Gut c in den Vorperioden dar.

Die konsumierte Menge an Drogen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist vom vergangenen Konsum

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] positiv abhängig. Je mehr Erfahrungen das Individuum in der Vergangenheit mit Drogen gemacht hat, desto höher ist der Grad der Abhängigkeit und desto höher ist die

Bereitschaft Drogen zu konsumieren. Aus einem hohen

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] folgt daher auch eine hohe

Bereitschaft zum erneuten Drogenkonsum. Es gilt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Die Größe [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] wird in der Literatur (Niskanen5), Becker und Murphy) auch als „stock of adictive capital“ oder als Prozess des „learning by doing“ beschrieben und kann als

Erfahrungskurveneffekt interpretiert werden. Ein hohes

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] steht für hohen oder häufigen Drogenkonsum in der Vergangenheit und wirkt sich auf den heutigen

Konsum von

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] aus, da die erwünschte berauschende Wirkung des Drogenkonsums abgeschwächt wird. Der menschliche Körper gewöhnt sich an die Rauschzustände. Dies verdeutlicht die potentielle Gefahr der Drogensucht, welche den aktuellen

Drogenkonsum vom Konsum der vergangenen Perioden abhängig macht.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist daher ein Indikator für den Grad der Abhängigkeit des Individuums von der Droge. Je größer

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist, desto mehr wird das Individuum bereit sein, den Drogenkonsum dem Konsum sonstiger Güter vorzuziehen und desto weniger ist das Individuum in der Lage, auf den Konsum der Droge zu verzichten.

Der Konsum von Drogen im Zeitpunkt t wird sich jedoch auch auf den zukünftigen

Konsum von Drogen auswirken, da der Grad der Abhängigkeit mit steigendem [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ebenfalls ansteigt. Ein Individuum mit hohem Drogenkonsum in der Vergangenheit wird daher auch in Zukunft tendenziell häufiger zu Drogen greifen als ein Individuum, welches nie Drogen konsumiert hat. Der Drogenkonsum wird sich aufgrund zune hmender Abhängigkeit, gefolgt von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und aufgrund eingeschränkter Arbeitsleistungen, negativ auf den zukünftig erzielbaren Nutzen auswirken. Maximiert das Individuum nun seinen Nutzen unter Berücksichtigung aller Nutzen der Folgeperioden, werden sich diese negativen Folgewirkungen des Droge nkonsums auf den gesamten erzielbaren Nutzen auswirken. In den Folgeperioden ist das Individuum nicht mehr in der Lage, ein identisch hohes Nutzenniveau zu erreichen, da die Leistungsfähigkeit durch den Drogenkonsum eingeschränkt wird. Bei Betrachtung aller im Verlauf des Lebens erzielbarer Nutzenniveaus müssen die Nutzen der Folgeperioden daher mit einem vom heutigen Drogenkonsum abhängigen Diskontfaktor abgezinst werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einerseits ist der Diskontfaktor d vom vergangenen Drogenkonsum abhängig. Je stärker ein Individuum von der Droge abhängig ist, desto eher ist es bereit, die zukünftigen negativen Folgen auszublenden. So ist es für einen Schwerstabhängigen nicht wichtig, ob die in t durch illegale Aktivitäten erworbene Menge an Drogen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] in der Folgeperiode sein Nutzenniveau empfindlich einschränkt, weil er beispielsweise wegen Drogendelikten inhaftiert wurde. Die negativen Folgen werden ausgeblendet bzw. um d verzerrt bewertet. Daher kann nun in drei Konsumentengruppen differenziert werden:

Konsumenten, die nie zu Drogen greifen, erreichen entweder durch den Konsum sonstiger Güter ein höheres Nutzenniveau als durch den Drogenkonsum, oder für sie hat der zukünftige Nutzen schon heute einen hohen Stellenwert. Demzufolge nimmt d einen sehr hohen Wert oder auch den Wert 1 an.

Dann gibt es Konsumenten, die trotz Drogenkonsum nicht süchtig werden. Hier wird d geringfügig diskontiert. Dies ist typisch für Gelegenheitskonsumenten und für Konsumenten weicher Drogen, wie z. B. Cannabisprodukte.

Die dritte Gruppe sind Abhängige und Schwerstabhängige. Hier werden zukünftige Nutzen kaum noch wahrgenommen, nur der jetzige Konsum der Droge ist wichtig, d ist sehr gering oder auch 0.

Andererseits ist d auch ein Indikator für den Grad der Droge. Häufig findet man eine Unterscheidung von „harten“ und „weichen“ Drogen. „Harte“ und somit schnell abhängig machende Drogen, wie zum Beispiel Heroin, werden daher einen geringen Diskontfaktor zukünftiger Nutzenniveaus aufweisen, da die Wahrscheinlichkeit eine Abhängigkeit zu entwickeln extrem hoch ist und somit auch die negativen Folgewirkungen auf das Nutzenniveau zukünftiger Perioden sehr hoch sind. Bei

„weichen“ Drogen ist der Diskontfaktor nur sehr niedrig, hier ist das Abhängigkeitspotential nur gering. Ein Beispiel hierfür sind Cannabisprodukte, bei denen die suchtfördernde und gesundheitsschädliche Wirkungen umstritten sind. Folglich ist nur mit geringen oder auch keinen negativen Folgen zu rechnen.

3. Drogenmärkte

Die einzelnen Nachfrager werden nun mit einem Markt mit gewissen Besonderheiten konfrontiert. Fraglich ist, wie sich diese Besonderheiten auf das Angebot und die Gesamtnachfrage auswirken.

3.1 Die Nachfrage

Bei Betrachtung der Nachfrageseite ist nun zwischen verschiedenen Konsumentent ypen zu unterscheiden, deren Nachfrageverhalten voneinander abweicht. Blair/Vogel6) gehen von vier Konsumententypen aus, welche sich wiederum zu zwei großen Nachfragegruppen, deren Verhalten signifikant voneinander abweicht, zusammenfassen lassen. Zum einen gibt es die Nachfragegruppen der „experimenter“ und der „ice cream habit“. Hier werden Drogen nur gelegentlich ähnlich anderer, meist superiorer, Genussmittel, wie z. B. Zigarren, teure Weine oder Lachs konsumiert. Abhängigkeitsve rhältnisse bilden sich nicht heraus. Ein auf diese Weise handelndes

Individuum kalk uliert die negativen Effekte des Drogenkonsums daher ein. Hier nimmt der Diskontfaktor

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] einen hohen Wert an, da Drogen nur gelegentlich konsumiert werden. Anders sieht das beim „experimenter“ aus, hier steht der experimentelle Charakter, das Neue und Unbekannte am Drogenkonsum im Vordergrund. Befriedigung von Neugier ist ein weiterer Grund des Konsums. Beim

„experimenter“ kann auch gerade das Verbotene Motiv des Konsums werden, wenn Risikofreude unterstellt wird. Der Konsum verbotener Güter wirkt in diesem speziellen Fall nutzensteigernd. Die Folgen des Drogenkonsums sind jedoch nicht absehbar. Der „experimenter“ besitzt sowohl das Potential eine Abhängigkeit zu entwickeln. Es kann aber auch beim einmaligen Konsum bleiben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten ist daher unbestimmt und kann einen beliebigen Wert zwischen 0 und 1 annehmen.

Preis p

skizzierte Nachfragefunktion von Erst- und Gelegenheitskonsumenten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Menge c

Hier unterscheidet sich der Verlauf der Nachfragekurve nicht von dem eines herkömmlichen Guts, es gilt

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]0 . Je höher der Preis ist, desto geringer wird die Nachfrage nach der Droge ausfallen.

Des Weiteren differenzieren Blair/Vogel zwischen „hard addicts“ und „hard-core

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] addicts“, welche sich nur durch den längeren Grad der Abhängigkeit von den „hard addicts“ unterscheiden. Charakteristikum für diese Gruppe sind Entzugserscheinungen bei ausbleibendem Konsum. Für diese Konsumentengruppe ergibt sich eine andere Struktur der Nachfrage: aufgrund der Entzugserscheinungen bei ausbleibendem Konsum sind Abhängige nur in geringem Maß in der Lage, bei Preissteigerungen auf andere Produkte auszuweichen. Dies ist kurzfristig, z. B. durch die Einnahme von Schmerzmitteln oder anderer Drogen, möglich; langfristig sind Abhängige jedoch auf den Konsum des eigentlichen Guts angewiesen. Daraus ergibt sich eine herkömmliche

Nachfragekurve mit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten für niedrige Preise. Auch Abhängige reagieren auf

Preissteigerungen mit vermindertem Konsum. Es existiert jedoch ein Punkt auf der

Preis p

skizzierte Nachfragefunktion von Drogenabhängigen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Menge c

Abszisse, ab dem Abhängige eben wegen ihrer Abhängigkeit nicht mehr in der Lage sind, ihren Konsum zu reduzieren, da sie auf den Konsum einer Mindestmenge angewiesen sind. Hier wird die Nachfrage extrem unelastisch. Für diese Konsumentengruppe ist

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] sehr gering.

Vergleicht man nun diese beiden Konsumentengruppen, ergibt sich für Erstkonsumenten genauso wie für den „ice cream habit“ und den „experimenter“ eine in jedem Punkt auf der Kurve elastischere Nachfrage als beim Abhängigen.

Es gilt daher

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten von Abhängigen nachgefragte Menge von Erst- und Gelegenheitskonsumenten nachgefragte Menge

3.2 Das Angebot

Prinzipiell gilt für die Anbieter von Drogen, dass die angebotene Menge vom Preis der gehandelten Ware abhängig ist. Der wesentliche Unterschied zum herkömmlichen Gut ergibt sich aus der Prohibition des Marktes. Das Anbieten von Waren birgt immer das Risiko staatlicher Verfolgung in Form von Geldstrafen oder Inhaftierung7). Folglich sind Anbieter nur noch dann bereit Waren zu verkaufen, wenn ihnen für dieses Risiko eine Prämie gezahlt wird. Das Angebot ist folglich vom Risiko, ausgedrückt durch den Grad der Repression r, abhängig. Je größer der staatliche Druck auf die Anbieter ist,

[...]


1) Frey, B.S.: Drugs, economics and policy; Economic Policy, 1997 S. 389-396.

2) Hessische Landesstelle gegen die Suchtgefahren e.V.: Zahlen und Fakten zum Thema "Sucht", September 2002.

3) World Health Organization – WHO: Memorandum, in: Bulletin of the World Health Organization 1981, 59,

4) Becker, G.S., Murphy, K.M.: A Theory of rational Addiction, Journal of Political Economy 1988 S. 379-390.

5) Niskanen, W.A.: Economists and drug policy, Carnegie-Rochester Conference Series on Public Policy 1992 S. 223-248; Becker, G.S., Murphy, K.M.: A Theory of rational Addiction, Journal of Political Economy 1988 S.

6) Blair, R.D., Vogel, R.J.: Heroin Addiction and Urban Crime, Public Finance Quarterly 1973, S. 457-466.

7) § 29 BtMG (Betäubungsmittelgesetz).

27 von 27 Seiten

Details

Titel
Drogenmärkte - ökonomische Analyse und wirtschaftspolitische Implikationen
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
27
Katalognummer
V107639
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Drogenmärkte, Analyse, Implikationen
Arbeit zitieren
Ulrich Heinz (Autor), 2002, Drogenmärkte - ökonomische Analyse und wirtschaftspolitische Implikationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107639

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