Die Effekte von speziellem rumpfspezifischem Koordinationstraining auf die neuromuskulären Funktionen des Rumpfes


Diplomarbeit, 2002

147 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Themenfindung

2 Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination
2.1 Begriffsbestimmungen der Koordination
2.2 Koordinative Leistungsvoraussetzungen
2.3 Koordinationstraining
2.4 Koordinationstests

3 Empirische Untersuchung
3.1 Methodik

4 Ergebnisse
4.1 Effekte von speziellem rumpfspezifischem Koordinationstraining auf Rumpfbeweglichkeit, Rumpfmaximalkraft und auxotonische Rumpfkoordination
4.2 Effekte von speziellem rumpfspezifischem Koordinationstraining auf Beweglichkeits- und Maximalkraftdysbalancen
4.3 Entwicklung der Haltungskontrolle der Wirbelsäule durch sechswöchiges spezielles rumpfspezifisches Koordinationstraining
4.4 Vergleich der Effekte von speziellem rumpfspezifischem Koordinationstraining und isometrischem Krafttraining
4.5 Charakteristische zeitliche Trainingseffekte durch spezielles rumpfspezifisches Koordinationstraining und isometrisches rumpfspezifisches Krafttraining auf die Entwicklung der Rumpfbeweglichkeit, der Rumpfmaximalkraft, der auxotonischen Rumpfkoordination und der Haltungskontrolle
4.6 Korrelation von auxotonischem Koordinationsniveau, Beweglichkeit und Maximalkraft
4.7 Ergebnisse der EBF-Item-Auswertung

5 Diskussion
5.1 Rumpfbeweglichkeit
5.2 Beweglichkeitsdysbalancen
5.3 Rumpfmaximalkraft
5.4 Maximalkraftdysbalancen
5.5 Auxotonische Rumpfkoordination
5.6 Haltungskontrolle
5.7 Korrelation von Koordinationsniveau, Beweglichkeit und Maximalkraft
5.8 Erholungs-Belastungs-Fragebogen
5.9 Kritische Betrachtung der Methodik

6 Zusammenfassung und Ausblick

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang
8.1 Anthropometrische Daten
8.2 EBF-Fragebogen
8.3 Pegasus 3-D-System©
8.4 Tabellen aller berechneten Ergebnisse

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1. Die Koordination als grundlegende motorische Grundeigenschaft

Abb. 2. Motorik als Rückkoppelungssystem (Neumaier/ Mechling, 1999, S 42)

Abb. 3. Verschiedene Auffassungen zur Schulung der koordinativen Fähigkeiten (vgl. Hirtz, 1994)

Abb. 4. Alter, Größe, Gewicht, Body Mass Index mit Minima, Maxima, Mittelwerten und Standardabweichung

Abb. 5. Pegasus 3-D computergestütztes Analysesystem (das Bild wurde der folgenden Webseite entnommen: http://www.proxomed.com/deu/html/produkte/ te_3d.htm)

Abb. 6. MediMouse Messsystem und Messung im aufrechten Stand (Die Bilder wurden der folgenden Webseite entnommen: http://www.diers.de/ger/medical/produkte/MVC/MediMouse/)

Abb. 7. Darstellungsweise der MediMouse Daten an einer Beispielperson (vgl. Idiag AG MediMouse-Software 2.30, 1999)

Abb. 8. Positionierung eines Probanden im Pegasus 3D

Abb. 9. Reihenfolge der Übungen im Pegasus 3-D © Beweglichkeits- und Koordinationstest (von oben links nach unten rechts)

Abb. 10. Graphische Darstellung des Ist-Bewegungsbereichs (blaue Balken), im Vergleich zu den Sollwerten (rosa Kästchen) in den einzelnen Ebenen (Screenshot von BioMC©-Software Version 1.1.0).

Abb. 11. Graphische Darstellung der Ist-Maximalkraft (blaue und gelbe Balken) im Vergleich zu Sollwerten (rosa Kästchen) in den einzelnen Ebenen (Screenshot von BioMC©-Software Version 1.1.0)

Abb. 12. Biofeedback auf dem Bildschirm: Sinuskurve bzw. Führungsfunktion (weiß) und Folgefunktion, die durch die Bewegungen eines Probanden zustande kam (gelb) (Screenshot von BioMC©-Software Version 1.1.0).

Abb. 13. Schematische Darstellung der Testabstände und Testreihen

Abb. 14. Anfangsposition der Probanden auf dem Sitzball

Abb. 15. Übungen auf dem Sitzball (von oben links nach unten rechts): Ausgangsposition, Rumpfflexion und -extension, Rumpflateralflexion links und rechts, Rumpfrotation links und rechts

Abb. 16. Übungsprogramm von Gruppe B

Abb. 17. Mittelwerte der Rumpfbeweglichkeit [in Grad°] in Gruppe A zum Zeitpunkt von Test 1 und Test 4, n = 11.

Abb. 18. Mittelwertsvergleich der Maximalkraft (Nm pro kg Körpergewicht) von Test 1 und Test 4 in Gruppe A und C, n = 11

Abb. 19. Mittelwerte der auxotonischen Rumpfkoordination in Gruppe A von Test 1 und Test 4 (Kreuzkorrelationsfaktor), n = 11.

Abb. 20. Mittelwerte der Beweglichkeitsdysbalancen in Gruppe A von Test 1 und Test 4, n = 11

Abb. 21. Mittelwerte der Maximalkraftdysbalancen in Gruppe A von Test 1 und Test 4, n = 11.

Abb. 22. Annäherung des Sakrumwinkels an die Normwerte in Gruppe A, n = 11.

Abb. 23. Annäherung des Krümmungswinkels der LWS an die Normwerte, n = 11.

Abb. 24. Zunahme der relativen Rückenlänge innerhalb von sechs Wochen, n = 11.

Abb. 25. Prozentuale Veränderung der Beweglichkeit innerhalb von sechs Wochen in Gruppe A, n = 11 und Gruppe B, n = 7.

Abb. 26. Prozentuale Veränderung der Beweglichkeitsdysbalancen innerhalb von sechs Wochen in Gruppe A, n = 11 und Gruppe B, n = 7.

Abb. 27. Prozentuale Veränderung der relativen Maximalkraft innerhalb von sechs Wochen in Gruppe A, n = 11 und Gruppe B, n = 7.

Abb. 28. Prozentuale Veränderung der Maximalkraftdysbalancen innerhalb von sechs Wochen in Gruppe A, n = 11 und Gruppe B, n = 7.

Abb. 29. Prozentuale Veränderung des Kreuzkorrelationsfaktors im auxotonischen Koordinationstest innerhalb von sechs Wochen in Gruppe A, n = 11 und Gruppe B, n = 7.

Abb. 30. Prozentuale Veränderung des Sakrumwinkels innerhalb von sechs Wochen in Gruppe A, n = 11 und Gruppe B, n = 7.

Abb. 31. Prozentuale Veränderung des Krümmungswinkels der BWS innerhalb von sechs Wochen in Gruppe A, n = 11 und Gruppe B, n = 7.

Abb. 32. Prozentuale Veränderung des Inklinationswinkels innerhalb von sechs Wochen in Gruppe A, n = 11 und Gruppe B, n = 7.

Abb. 33. Prozentuale Veränderung der relativen Rückenlänge im Vergleich von Gruppe A, n = 11 und Gruppe B, n = 7.

Abb. 34. Verbesserung der Beweglichkeit in der Rumpfflexion, Lateralflexion links und Rotation links in Gruppe B, n = 7.

Abb. 35. Verbesserung der Beweglichkeit in der Rumpfextension, Lateralflexion rechts und Rotation rechts in Gruppe A, n = 11.

Abb. 36. Verbesserung der Beweglichkeit in der Rumpfextension, Lateralflexion rechts und Rotation rechts in Gruppe B, n = 7.

Abb. 37. Veränderung des Sakrumwinkels in Grad in Gruppe A, n = 11, Gruppe B, n = 7 und Gruppe C, n = 3

Abb. 38. Veränderung der Rückenlänge in Prozent in Gruppe A, n = 11, Gruppe B, n = 7 und Gruppe C, n = 3

Abb. 39. EBF-Items im Mittel von Gruppe A, n = 10.

Abb. 40. EBF-Items im Mittel von Gruppe B, n = 6.

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Elementare motorische Fertigkeiten (nach Roth, 2001, S. 22)

Tab. 2. Ausgewählte Items des Erholungs-Belastungs-Fragebogens.

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Zum Koordinationstraining wurden in der Vergangenheit, im Gegensatz zum Kraft- und Flexibilitätstraining, nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt. Roth (2001) bestätigt dies mit der Aussage, dass „dem hohen Stellenwert des Koordinationstrainings eine noch weitgehend unterentwickelte theoretische Grundlegung gegenüber steht. Klar ist nur, dass im Koordinations- training die koordinativen Fähigkeiten verbessert werden sollen. Für die konkre- ten Inhalte von Koordinationstraining, sowie für die Frage wie viele und welche koordinativen Einzelfähigkeiten zu definieren und voneinander abzugrenzen sind, existiert bereits keine eindeutige, allgemein verbindliche Antwort mehr“ (S.16).

Dies führt dazu, dass Koordinationstraining in der Praxis häufig vernachlässigt wird (vgl. Schnabel et al., 1998, S. 225).

Heitkamp fällt dazu auf, dass Krafttraining in fast allen Sport- und Fitnesstrai- ningsprogrammen zu finden ist, Koordinationstraining aber nur vorrangig im Techniktraining spezieller Sportarten1 (vgl. Heitkamp, 2000, S.1).

Auch in der Sporttherapie und im gesundheitsorientierten Breitensport2 kommt Koordinationstraining nur eingeschränkt zur Anwendung. Es fehlt hier an wis- senschaftlich fundierten Trainingskonzepten sowie an adäquaten Tests zur ge- nauen Erfassung koordinativer Qualitäten und Fähigkeiten die es ermöglichen würden Koordinationstrainingsprogramme gezielter steuern und die Effekte die- ser Programme exakter dokumentieren zu können.

Nur über die genaue Erforschung von Trainingseffekten kann Koordinationstrai- ning auch in diesem Bereich eine größere Bedeutung bekommen, da nur über fundierte theoretische Grundlagen Trainer und Trainierende den Sinn von Ko- ordinationstraining verstehen können.

1.2 Themenfindung

In meiner Arbeit soll untersucht werden, ob es sinnvoll wäre, Koordinationstrai- ning verstärkt im Bereich des Präventionssports zur Vermeidung von Haltungs- schwächen und Wirbelsäulenschäden einzusetzen. Da laut Denner bei Perso- nen mit Rückenproblemen ausgeprägte koordinative Defizite bestehen (vgl. Denner, 2000, S. 1), wäre Koordinationstraining in diesem Bereich sicherlich sinnvoll.

Dies bestätigt auch eine kurze Stellungnahme von Frohberger (2002) zu einer Studie von Heitkamp et al. (2001). In dieser Studie wurde gezeigt, dass sich durch koordinativ orientiertes Balancetraining eine ähnliche Steigerung der Beinmuskelkraft wie durch Krafttraining ergibt. Außerdem zeigte sich eine stär- kere Verringerung muskulärer Dysbalancen. Frohberger sagt: „Diese Ergebnis- se sind richtungsweisend für das Training bei erheblicher Haltungsschwä- che….sowie insbesondere nach Wirbelsäulenoperationen. Weiterhin sind diese Erkenntnisse wichtig für Rückenschul-Trainingskurse bei älteren Menschen, da ein verbessertes muskuläres Gleichgewicht vor Stürzen und erneuten Verlet- zungen schützt“ (Frohberger, 2002, S. 49).

Eine andere Studie von Bochdansky konnte durch Balancetraining eine Ver- besserung der Muskeleffizienz und der posturalen Stabilität der Rückenmusku- latur belegen (vgl. Bochdansky et al., 2001), was für eine verbesserte Haltungs- kontrolle durch Koordinationstraining spricht.

Auch Müller et al. (2002) lieferten interessante Ergebnisse. Sie untersuchten ein spezielles Koordinationsgerät, den „Spacecurl“3 und konnten durch regelmässi- ges Training eine verbesserte Rumpfkoordination, sowie eine Abnahme der Rückenschmerzhäufigkeit feststellen.

Aufgrund all dieser Ergebnisse lässt sich feststellen, dass die Koordination, ne- ben der Kraft und Beweglichkeit, für die Rumpfstabilisierung, Körperhaltung und Bewegung sicherlich eine grundlegende Rolle spielt.

Auch Wilke & Fröböse (1998) sind von einer solch grundlegenden Funktion der Koordination überzeugt. Sie sagen, dass neben den messbaren Komponenten

Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer die koordinativen Fähigkeiten zur Wieder- herzustellung alltäglicher Bewegungsfunktionen entscheidend sind (S. 51).

Trotzdem wird Koordinationstraining in der Rehabilitation und Prävention von Rückenerkranken und –schäden eher selten eingesetzt.

Da bisher nicht ausreichend empirisch untersucht wurde mit welchen Methoden koordinative Fähigkeiten trainiert werden müssen, soll die zentrale Fragestel- lung meiner Arbeit sein, ob eine bewusste Veränderung rumpfbezogener Trai- ningsprogramme in Richtung spezieller rumpfspezifischer Koordination, unter Ausschluss von Kraft- und Flexibilitätsübungen sinnvoll wäre, um die Muskel- kraft, Beweglichkeit und Haltungskontrolle zu verbessern, sowie rumpfspezifi- sche Dysbalancen zu verringern.

2 Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination

2.1 Begriffsbestimmungen der Koordination

Erst in der letzten Zeit hat die Wissenschaft ein verstärktes Interesse für das Thema Koordination entwickelt, wobei sie verschiedenste Forschungsansätze und Definitionen wählte. Eine zentrale Definition von Koordination liefert Holl- mann (2000):

„Wir verstehen unter Koordination das Zusammenwirken von Zentralnervensys- tem und Skelettmuskulatur innerhalb eines gezielten Bewegungsablaufs“ (S. 132).

Die Definition verdeutlicht die grundlegende Bedeutung der Koordination für die menschliche Bewegung. Einige Autoren setzen den Begriff Koordination des- halb auch mit dem Ausdruck „Bewegungskoordination“ gleich (vgl. Neumaier, 1999).

Im Allgemeinen gehört die Koordination zu den motorischen Grundeigenschaf- ten. Sowohl Kraft- als auch Ausdauerleistungen basieren auf koordinativen Be- wegungsabläufen (vgl. Verdonck et al., 1997, S. 1).

Insbesondere in der Trainingswissenschaft wird diese grundlegende Bedeutung der Koordination als motorische Grundeigenschaft eher vernachlässigt. Wein- eck (1997) stellt hierzu fest, dass „die motorischen Grundeigenschaften in ver- einfachter und schematisierter Form häufig in koordinative und konditionelle Fähigkeiten unterteilt werden“ (S. 137).

Die koordinativen Fähigkeiten werden so beschrieben, dass sie überwiegend auf zentralnervösen Steuer- und Regelungsprozessen beruhen und die konditi- onellen Eigenschaften auf energetischen Prozessen basieren. Darauf aufbau- end wird es „aus praktischen und didaktischen Gründen“ als sinnvoll erachtet mit einem „reduzierten Konditionsbegriff“ zu arbeiten, der die koordinativen Fä- higkeiten außer Acht lässt (vgl. Weineck, 1997, S. 137).

Es erfolgt hier somit häufig eine relativ strenge Trennung in konditionelle und koordinative Eigenschaften, die sicherlich einen Grund dafür darstellt, dass Ko- ordinationstraining in der Trainingspraxis eher seltener zum Einsatz kommt.

Dem Koordinationstraining wird scheinbar eine geringere Bedeutung zugemes- sen. Die vereinfachte Einteilung ist sehr kritisch zu hinterfragen.

Auch Weineck (1997) sagt, dass eigentlich „keine Fähigkeit ausschließlich aus energetischen bzw. zentralnervösen Steuer- und Regelungsprozessen besteht, sondern bestenfalls ein Überwiegen vorliegt“ (S. 137). Es wäre deswegen si- cher wichtig konditionelle und koordinative Eigenschaften theoretisch weniger streng zu trennen. Die Koordination sollte innerhalb der motorischen Grundei- genschaften mehr in den Vordergrund gestellt werden (siehe Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1. Die Koordination als grundlegende motorische Grundeigenschaft

2.2 Koordinative Leistungsvoraussetzungen

Als „bedeutsame personale Eigenschaften“ der Koordination gelten in der Lite- ratur die „koordinativen Leistungsvoraussetzungen“. Es gibt hier verschiedene Erklärungsansätze (vgl. Hirtz & Nieber, S. 1).

Neumaier schlägt folgende Einflussgrössen und Bestandteile vor, die den koor- dinativen Leistungsvoraussetzungen zugeordnet sind und die in enger Verbin- dung zueinander stehen (S. 96 f.):

- Funktionstüchtigkeit von ZNS, Sinnesorganen, Effektoren
- Bewegungserfahrungen, Bewegungskenntnisse
- Koordinative Fähigkeiten
- Motorische Fertigkeiten (Bewegungsfertigkeiten)

2.2.1 Funktionstüchtigkeit von ZNS, Sinnesorganen, Effektoren

Die Funktionstüchtigkeit des Zentralen Nervensystems (ZNS), der Sinnesorga- ne und Effektoren sind für die menschliche Bewegung (bzw. die Bewegungsko- ordination) elementar, da die menschliche Motorik ein sich selbst regulierendes Rückkopplungssystem darstellt. Dieses System wird auch als „neuromuskuläres System“ bezeichnet und besteht aus folgenden Elementen (vgl. Neumaier, 1999, S. 41):

2.2.1.1 Zentrales Nervensystem (ZNS 4 )

Im ZNS finden Lernprozesse statt, die Voraussetzungen für die Verbesserung der Bewegungskoordination sind. Innerhalb dieser Lernprozesse werden auf- genommene Informationen (z.B. bestimmte Bewegungsmuster) verarbeitet, bewertet und gespeichert. Gelernte Prozesse zeichnen sich dadurch aus, dass es zu einer Verlagerung von Regulationsprozessen aus kortikalen Strukturen auf subkortikale Bereiche des Gehirns kommt. Dies lässt sich daran erkennen, dass während eines Lernprozesses andere Hirnbereiche aktiv sind, als bei be- reits beherrschten Bewegungen (vgl. Neumaier, 1999, S. 60).

Gelernte Bewegungen können so mit einem wesentlich geringeren muskulären Kraftaufwand bzw. Energieeinsatz durchgeführt werden, was sich positiv auf die Ermüdung auswirkt und eine allgemeine Leistungssteigerung mit sich bringt (vgl. Verdonck et al., 1997, S. 1).

2.2.1.2 Rezeptoren oder Sinnesorgane mit afferenten, sensorischen Nerven- bahnen

Als Voraussetzung und Bedingung für den Koordinationsprozess gilt die Nut- zung von Informationen aus verschiedenen Rezeptor- oder Sinnessystemen (auch Analysatoren) über afferente Nervenbahnen. Sie werden auch als Affe- renzen bezeichnet. Folgende fünf Analysatoren sind besonders bedeutsam (vgl. Verdonck et al., 1997, S. 4-5; Weineck, 1997, S. 548; Neumaier, 1999, S. 53; Ehlenz et al. 1998, S. 24):

a) Der kinästhetische Analysator

Die Rezeptoren (Propriozeptoren) befinden sich in der Muskulatur, den Sehnen, Bändern und Gelenken (Muskelspindeln, Golgi-Sehnenorgane, Ge- lenkrezeptoren). Sie geben Auskunft über die Stellung der Extremitäten, bzw. des Rumpfes, sowie über die auf sie einwirkenden Kräfte. Sie registrie- ren somit Veränderung des Muskels bezüglich Länge (Dehnung) oder Spannung und geben diese unmittelbar als Information an das ZNS weiter.

b) Der taktile Analysator

Diese Rezeptoren befinden sich in der Haut und informieren über Form und Oberfläche eines berührten Gegenstandes.

c) Der Vestibularanalysator (statiko-dynamischer Analysator)

Er ist im Innenohr lokalisiert und gibt zusammen mit den Augen Auskunft über Richtungs- und Beschleunigungsänderungen des Kopfes. Er ist für die Erhaltung des menschlichen Gleichgewichts zuständig.

d) Der optische (visuelle) Analysator

Das Auge gibt Auskunft über eigene und Fremdbewegungen und gilt als op- tische Führung des Bewegungsablaufs.

e) Der akustische Analysator

Seine Informationsinhalte sind relativ begrenzt. Er dient der Orientierung im Raum und der Aufnahme verbaler und nicht-verbaler Ton- bzw. Geräuschin- formationen aus dem Hörapparat.

Ohne die Informationen aus den Analysatoren über die afferenten Nervenbah- nen wären keine koordinierten, auf äußere Reize abgestimmte, Bewegungen möglich. Schon der partielle Ausfall einer Rezeptorengruppe stört die Bewe- gung, was zum Beispiel nach einer Verletzung der Fall ist (vgl. Froböse & Wil- ke, 1998, S. 61).

Aus diesem Grund sollten in der Praxis des Gesundheitssports und in der Sporttherapie eigentlich alle Analysatoren regelmäßig geschult werden, denn

„die „analysatorischen Fähigkeiten bestimmen die Qualität der Koordination entscheidend mit“ (Weineck, 1997, S. 548).

Im Rahmen eines gezielten Koordinationstraining, wie zum Beispiel zur Schu- lung der Rumpfmuskulatur, sollte darauf geachtet werden welche Analysatoren zur Lösung konkreter Bewegungsaufgaben genutzt werden, um diese entspre- chend zu sensibilisieren und schulen zu können (vgl. Neumaier, 1999, S. 53).

2.2.1.3 Efferente Nervenbahnen

Die efferenten Nervenbahnen bestehen aus den motorischen Nerven (Motoneu- rone) und den zugehörigen Muskeln (= motorische Einheit). Sie senden Bewe- gungsentwürfe als efferente Impulsmuster an die Skelettmuskulatur, die als Ausführungsorgan jeglicher Motorik die sichtbaren Bewegungen hervorruft.

Die Muskelaktivität erfolgt über efferente (absteigende) Bahnen.

Der Bewegungsablauf wird ständig über afferente (aufsteigende, sensorische) Bahnen in Form von Reafferenzen (auch: Rückkoppelung oder Rückinformation/ Feedback), an niedere Zentren (Rücken- mark, spinale Ebene) und höhere Zentren (Gehirn, supraspinale Ebene) im ZNS rückgemeldet. Die Reafferenzen bestim- men die weitere Bewegungs- programmierung mit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2. Motorik als Rückkoppelungssystem (Neumaier/ Mechling, 1999, S. 42).

Je reibungsloser die dargestellten „neuromuskulären Funktionen“ des motori- schen Rückkoppelungssystems ablaufen (= höhere koordinative Qualität), um- so genauer kann die Skelettmuskulatur als ausführendes Organ jeglicher Be- wegung über das ZNS angesteuert werden und umso schneller und präziser kann ein Mensch eingehende Informationen motorisch beantworten. Die gezielten Ansteuerungsvorgänge werden dabei auch als „inter- und intramuskuläre Koordination5 “ bezeichnet (vgl. Hollmann, 2000, S. 13-52/ 133).

Durch eine verbesserte inter- und intramuskuläre Koordination wird das musku- läre Zusammenspiel verbessert und die Muskeln sind zu einer feineren Kraftab- stufung, sowie zur Entwicklung einer höheren Muskelkraft fähig. Aus diesem Grund kommt der Koordination eine wesentliche Rolle für die Kraftentwicklung eines Muskels zu (vgl. Ehlenz et al., 1998, S. 28–30; Neumaier, 1999, S. 45).

Im Rahmen der Verletzungsprophylaxe und Prävention von Rückenbeschwer- den können die neuromuskulären Funktionen folgende entscheidende Rolle spielen: „Durch einen Verlust an Steuerleistung im sensomotorischen System sind bei unvorhergesehenen Störungen im Bewegungsablauf (z.B. ausrutschen, stolpern), Kompensationsmechanismen der wirbelsäulenstabilisierenden Mus- kulatur unwirksam. Dabei auftretende Kräfte werden unkontrolliert auf das Wir- belsäulenskelett übertragen. In den meisten Fällen führt diese unkontrollierte Krafteinwirkung zu kurzzeitiger enormer Überlastung der Gelenkglieder, welche zu Verletzungen des Binde- und Stützapparates des Rückens führen kann“ (BfMC-GmbH, 2001, S. 6).

2.2.2 Bewegungserfahrungen und Bewegungskenntnisse

Wie aus den vorangehenden Erläuterungen zu erkennen, sind vielfältige Bewe- gungserfahrungen und Bewegungskenntnisse Voraussetzung für motorische Lernprozesse, die die Qualität der Koordination verbessern. Vielfältige Bewe- gungserfahrungen ermöglichen schnellere und präzisere Bewegungsreaktionen im Alltag. Dadurch verbessert sich die Bewegungsökonomie.

In Bezug auf die Wirbelsäule bedeutet dies eine Verbesserung der Kompensa- tionsmechanismen der Wirbelsäule, so dass in kritischen Situationen schneller mittels rückenschonender Bewegungen reagiert werden kann. Zunehmende Bewegungserfahrungen verbessern somit die neuromuskulären Funktionen der Wirbelsäule . Je mehr rumpfstabilisierende und wirbelsäulenentlastende Bewe- gungserfahrungen vorhanden sind, desto besser kann eine Veränderung rü- ckenschädigender Arbeitstechniken und Haltungsformen zu rückengerechten Haltungs- und Arbeitsformen erfolgen (vgl. Wicharz, S. 44).

Nach diesem Prinzip werden auch Rückenschulkurse durchgeführt. In diesen Kursen werden ökonomische und rückengerechte Arbeitsweisen vermittelt. Darüber soll laut Wicharz das „Problem der koordinativen Beherrschung von rückengerechten Bewegungsabläufen“ verringert werden (S. 50).

2.2.3 Koordinative Fähigkeiten

In Koordinationsprozessen und im Koordinationstraining wird von vielen Auto- ren ein besonderes Augenmerk auf die Ausprägung der koordinativen Fähigkei- ten gelegt, die lange Zeit mit dem Begriff Koordination gleichgesetzt wurden (vgl. Hirtz & Nieber, S. 1, Weineck, 1997, S. 537 f., Schnabel, 1997, S. 119 f., Martin et al., 1991, S. 56 f.).

Heute werden die koordinativen Fähigkeiten als „Leistungsvoraussetzungen für die Bewältigung besonders koordinativer Anforderungen bezeichnet, die sich auf Basis zentralnervöser Funktionsmechanismen entwickeln“ (Martin et al., 1991, S. 57).

Entscheidend für die Entwicklung bzw. den qualitativen Ausprägungsgrad der koordinativen Fähigkeiten ist die Informationsaufnahme und –verarbeitung durch die Sinnesorgane (Analysatoren) (vgl. Verdonck, 1997, S. 4, Weineck, 1997, S. 546).

Folgende sieben allgemeine koordinative Fähigkeiten werden im Bemühen um eine Vereinfachung und Verdichtung von zahlreichen Autoren als besonders fundamental und leistungsbestimmend eingestuft (vgl. Schnabel et al., 1997, S. 117; Zimmermann, 1998, S. 212-223; Neumaier, 1999, S. 137; Wilke & Frobö- se, 1998, S. 65):

a) Kopplungsfähigkeit
- Fähigkeit Teilkörperbewegungen zielgerichtet und zweckmässig zu koordinie- ren
- z.B. Kopplung von Kopf und Rumpf

b) kinästetische Differenzierungsfähigkeit
- Fähigkeit zur Feinabstimmung einzelner Bewegungsphasen und Teilkörperbe- wegungen
- (= Bewegungsgenauigkeit und –ökonomie, Kraftdosierung und Feinabstim- mung)
- Wahrnehmung von Muskelspannung, eingesetzter Gelenkkraft und Gelenkwin- kelstellung (über kinästhetischen Analysator)
- beinhaltet die Fähigkeit zur muskulären Feinabstimmung, ist in den meisten Sportarten leistungsbestimmend
- steht in enger Verbindung zur Rhythmisierungsfähigkeit

c) Gleichgewichtsfähigkeit
- Fähigkeit den gesamten Körper auch bei umfangreichen Körperverlagerungen im Gleichgewichtszustand zu halten
- hat die fundamentalste Bedeutung
- ist grundlegend für jegliche Zielmotorik und Voraussetzung für alle koordinati- ven Bewegungsmuster im Raum
- zuständig für die aufrechte Körperhaltung, da dies eine Gleichgewichtsleistung ist, bei der einwirkende äussere Kräfte, die Schwerkraft sowie Kräfte der Fort- und Drehbewegung reguliert werden

d) Orientierungsfähigkeit
- Fähigkeit zur Bestimmung und Veränderung der Lage und Bewegung des Kör- pers in Raum Raum und Zeit, bezogen auf ein definiertes Aktionsfeld oder sich ein bewegendes Objekt (z.B. Partner)
- verlangt eine präzise Wahrnehmung des Bewegungsraumes in Relation zur ei- genen Körperposition und zu den eigenen Bewegungsaktivitäten.

e) Rhythmisierungsfähigkeit
- Wahrnehmung eines von außen vorgegebenen Taktes (z.B. Musik) und dessen genaues Umsetzen in Bewegungen (siehe akustischer Analysator)
- dynamisch-zeitliches Gliedern und dynamisches Akzentuieren von Bewegun- gen (z.B. bei Sportspielen).
- eine gesicherte Gleichgewichtskontrolle ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Rhythmisierung

f) Reaktionsfähigkeit
- Fähigkeit zur schnellen Einleitung und Ausführung zweckmässiger kurzzeitiger motorischer Aktionen auf ein Signal (motorische Reaktion unter Zeitdruck)

g) Umstellungsfähigkeit
- Fähigkeit während des Handlungsvollzuges ein Handlungsprogramm neuen Gegebenheiten anzupassen
- z.B. Anpassung an Gegner im Sportspiel

Darüber hinaus wird angenommen, dass sich aus der Vielzahl der koordinativen Fähigkeiten drei allgemeine koordinative Grundfähigkeiten ableiten lassen (vgl. Hirtz & Nieber, S. 5):

- Fähigkeit zur präzisen Bewegungsregulation
- (Koordination unter Präzisionsdruck)
- Fähigkeit zur Koordination unter Zeitdruck
- Fähigkeit zur motorischen Anpassung und Umstellung

2.2.4 Motorische Fertigkeiten (Bewegungsfertigkeiten)

Die motorischen Fertigkeiten zählen ebenfalls zu den koordinativ bedingten Leistungsvoraussetzungen. Sie beziehen sich nach Schnabel (1998) im Unter- schied zu den motorischen Fähigkeiten auf „verfestigte, weitgehend automati- sierte, konkrete Bewegungshandlungen bzw. –teilhandlungen“ (S. 207).

Die motorischen Fertigkeiten können in die elementaren und sporttechnischen Fertigkeiten unterteilt werden, wobei die sporttechnischen Fertigkeiten auf ele- mentaren Fertigkeiten aufbauen (vgl. Hirtz, 1995, S. 1).

Theoretisch sind koordinative Fähigkeiten und motorische Fertigkeiten eng mit- einander verflochten (vgl. Schnabel, 1998, S.209).

„Fähigkeiten sind Voraussetzungen für Fertigkeiten, deren Realisierung sie mit- bestimmen. Bei der Ausführung von Fertigkeiten werden also Fähigkeiten be-

ansprucht, die sich ihrerseits auf diese Weise weiterentwickeln. Dadurch gelin- gen dann wiederum die Fertigkeiten besser. Fähigkeiten und Fertigkeiten verbessern sich gewissermaßen in einem gemeinsamen Aufschaukelungspro- zess“ (Neumaier, 1999, S. 96).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Elementare motorische Fertigkeiten (nach Roth, 2001, S. 22)

2.3 Koordinationstraining

Koordinationstraining soll dazu dienen, die individuellen koordinativen Leis- tungsvoraussetzungen zu optimieren und zu stabilisieren. Es wird in direktem Zusammenhang mit der Schulung koordinativer Fähigkeiten und Fertigkeiten gesehen, worin auch das zentrale Problem des Koordinationstrainings liegt. Die Wissenschaft ist bislang noch nicht zu einer einheitlichen Aussage gelangt in- wieweit die Koordination stärker fertigkeits- oder fähigkeitsspezifisch trainiert werden soll (Neumaier, 1999, S. 177 f.).

Ist es sinnvoller ein breites Grundlagentraining durchzuführen oder kann in Hin- blick auf bestimmte Zielsetzungen, zugunsten eines eher technikorientierten, bewegungsspezifischen Trainings, darauf verzichtet werden?

Es gibt hierzu recht unterschiedliche Auffassungen und keine einheitliche Kon- zeption (siehe Abb. 3) (vgl. Schnabel et al., 1998, S. 225 f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3. Verschiedene Auffassungen zur Schulung der koordinativen Fähigkeiten (vgl. Hirtz, 1994).

Nach Meinung von Neumaier (1999) wäre es für eine zielgerichtete, koordinati- ve Ausbildung optimal, wenn in allen Handlungsfeldern (des Alltags, Freizeit- sports usw.) die Forderung nach einer Orientierung des Koordinationstrainings an den tatsächlichen koordinativen Anforderungen gelten würde. Es sollte somit bei bestimmten Zielsetzungen eine verstärkt technik- und bewegungsspezifi- sche Ausrichtung des Koordinationstrainings erfolgen. Dies würde zum Beispiel für den gesundheitsorientierten Sport bedeuten, dass bei durchgeführtem Koor- dinationstraining viel Wert auf eine spezielle Schulung alltagsrelevanter Bewe- gungsmuster gelegt werden müsste. Nur so könnten die Aktiven optimal auf körperlich belastende Alltagsanforderungen, auch im Sinne einer Prophylaxe von Rückenerkrankungen, vorbereitet werden. Eine allgemeine Koordinations- schulung sollte ergänzend erfolgen, da nach Neumaier auf eine allgemeine Ko- ordinationsschulung, unabhängig vom Leistungsniveau, nicht verzichtet werden sollte (vgl. Neumaier, 1999, S. 178 f.).

Koordinationstraining hat also zwei grundsätzliche Funktionen (vgl. Schnabel 1998, S. 226):

- Voraussetzungs- und Vorbereitungsfunktion zur Schaffung einer breiten koordinativen Basis durch intensive und vielseitige Bewegungserfahrungen
- Anwendungs- und Ergänzungsfunktion mit der Zielstellung des Techniktrai- nings eine erfolgreich angeeignete sportliche Technik (oder sportartunspezi- fische Bewegungstechnik) situationsbedingt und variabel verfügbar zu ma- chen.

Unter sportartspezifischen Gesichtspunkten lassen sich vier Wirkungsrichtun- gen und Anwendungsbereiche von Koordinationstraining unterscheiden (vgl. Schnabel et al., 1998, S. 227 f.):

a) Allgemeines Koordinationstraining

Dieses wird im Grundlagentraining und im Schulsport angewendet. Die Trai- ningsinhalte sind durch sportartübergreifende Bewegungsvielfalt und Vielsei- tigkeit gekennzeichnet (Erlernen koordinativer Grundmuster). Es soll die drei koordinativen Grundfähigkeiten (Fähigkeit zur präzisen Bewegungsregulati- on, zur Koordination unter Zeitdruck und zur motorischen Anpassung und Umstellung) und die fundamentalen koordinativen Fähigkeiten vervollkomm- nen.

b) Sportartgerichtetes Koordinationstraining

Dieses wird ebenfalls im Grundlagentraining eingesetzt und dient der begin- nenden sportarten- und technikspezifischen Ausbildung, dem Training spe- zieller sportartspezifischer Fähigkeiten, sowie der Fortsetzung von allgemei- nem Koordinationstraining.

c) Sportartspezifisches Koordinationstraining

Es kommt im Aufbau- und Anschlusstraining zum Einsatz und vervollkomm- net technikbestimmende, sportartspezifische koordinative Fähigkeiten, trai- niert aber auch mit allgemeinen, sportartunspezifischen Mitteln und Übungs- formen.

d) Koordinatives Spezialtraining - Training sporttechnischer Fertigkeiten

Wird im Hochleistungstraining eingesetzt und dient der Vervollkommnung der sportartspezifischen koordinativen Kompetenzen zur Anwendung und Durchsetzung der sportlichen Technik in spezifischen Anforderungssituatio- nen.

Für den sportartspezifischen Sport existiert ein recht umfangreicher Trai- ningsaufbau für das Koordinationstraining. Für den sportartunspezifischen, ge- sundheitsorientierten Sport gibt es so eine Einteilung nicht. Der trainingsmetho- dische Aufbau scheint hier weniger konkret und weicht dahingehend vom sport- artspezifischen Bereich ab, dass in erster Linie ein allgemeines Koordinations- training durchgeführt wird. Eigentlich werden eher selten bewegungsspezifische Aspekte in das Training integriert, außer im Bereich der Rehabilitation wenn bestimmte Bewegungsmuster (Grundfertigkeiten6 ) neu erlernt werden müssen. Im Folgenden soll dies etwas eingehender dargestellt werden:

2.3.1 Allgemeines Koordinationstraining (sportart- und bewegungsunspezi- fisch)

Im sportartunspezifischen Breiten- und Gesundheitssport wird allgemeines Ko- ordinationstraining zur Schulung, Festigung oder Wiederherstellung allgemeiner koordinativer Fähigkeiten durchgeführt. Dies ist wichtig, da die Qualität dieser Fähigkeiten durch mangelnde Bewegung, einseitige Alltagsbelastungen oder Verletzungen abnehmen kann. Bei Kindern wird sie immer häufiger gar nicht erst entwickelt. Viele Menschen weisen dadurch zum Beispiel einen sehr gerin- gen Gleichgewichtssinn oder ein mangelhaftes Körper- oder Rhythmusgefühl auf.

Bewegungen können durch diesen Mangel an Koordination wesentlich weniger zielgerichtet, zweckmäßig, kontrolliert, ökonomisch und effektiv ausgeführt wer- den (vgl. Wilke & Froböse, 1998, S. 51).

Bezogen auf einen trainingsmethodischen Aufbau empfehlen Wilke & Froböse (1998) folgende Trainingsreihenfolge für ein allgemeines Koordinationstraining (S. 69 f.):

a) Schulung der Propriozeption (Eigenwahrnehmung 7 )
b) Schulung der statischen Balance (in horizontaler und vertikaler Ebene, pro- gredient 8 verlaufend)
c) Schulung der dynamischen Balance und zeitgleiche Schulung der Gleich- gewichtsreaktionen
d) Schulung von Bewegungsvielfalt und -qualität

In diesem Trainingsprozess soll aufeinander aufbauend, zunächst über eine Verbesserung der Eigenwahrnehmung und danach über eine Verbesserung der statischen und dynamischen Balance und des Gleichgewichts- und Reaktions- vermögens, eine sichere Haltung, Stabilität und die Ausübung ökonomischer Bewegungsabläufe in variablen Situationen ermöglicht werden. Die sieben, als besonders fundamental und leistungsbestimmend eingestuften koordinativen

Fähigkeiten werden dabei über die Grundsätze der Vielfalt, Variation, Steige- rung der Anforderungen und Berücksichtigung der individuellen Voraussetzun- gen, geschult. Die Balance stellt im allgemeinen Koordinationstraining einen Schlüsselpunkt dar, weil alltägliche Bewegungshandlungen als dynamische Ba- lanceakte gesehen werden. Die Schulung der Bewegungsvielfalt und –qualität wird zum Schluss durchgeführt, da dies am komplexesten ist (vgl. Wilke & Fro- böse, 1998, S.67 f.).

Häufig anzutreffende Trainingsgeräte des allgemeinen Koordinationstrainings sind Kippbretter, Therapiekreisel, Mini-Trampolin, Weichboden, Gerätepar- cours, Seilzüge, Sequenztrainingsgeräte, Kleingeräte wie Bälle, Tücher und Luftballons. Übungsvariationen bestehen in der Ausgangsstellung, Bewegungs- ausführung, beidseitigem Üben, Rhythmus, Rotationen in Bewegungen integrie- ren, Übungskombinationen, Reizung des Gleichgewichtssinnes, Einschränkung der optischen und akustischen Wahrnehmung.

Bei der Auswahl der Trainingsmittel und –inhalte gilt, dass ständig neue Belas- tungssituationen, die dem Körper unbekannt sind, geschaffen werden. Dies hat den Grund, dass nur über immer neue, überschwellige Reize Anpassungser- scheinungen erzielt werden können. Diese überschwelligen Reize sollten aller- dings immer erst dann gesetzt werden, wenn ausreichend lange in weniger an- spruchsvollen Situationen trainiert wurde (vgl. Wilke & Froböse, 1998, S. 71; Weineck, 1997, S. 548; Schnabel et al., 1997, S. 121).

2.3.2 Spezielles Koordinationstraining (bewegungsspezifisch aber sportar- tunspezifisch)

Insbesondere in der Sporttherapie und in der Rehabilitation gibt es auch spe- zielle, bewegungsspezifische Formen von Koordinationstraining. Diese kommen meist zur Anwendung, wenn es darum geht die Funktionen bestimmter Körper- teile wie von Sprunggelenk, Knie, oder auch Wirbelsäule wiederherzustellen, um bestimmte durch Verletzungen beinträchtige Bewegungsmuster neu zu er- lernen. Hier hat Koordinationstraining eine stärkere Voraussetzungs- und Vor bereitungsfunktion für spezifische Bewegungsqualitäten die im Alltag, in der Freizeit und vielleicht auch im Sport Anwendung finden.

Ein Trainingsprogramm für die Wirbelsäule könnte im Rahmen eines solchen Trainings nach Empfehlung von Wilke & Froböse zum Beispiel wie folgt ausse- hen (vgl. Wilke & Froböse, 1998, S. 75 f.):

a) Schulung der Propriozeption (in horizontale/ vertikaler Ebene)
- Verbesserung der Körpersensibilität und Haltung durch zum Beispiel
- Übungen der Beckenkippung und Aufrichtung im Liegen, Stand, Sitzen
- Übungen in Rücken- und Bauchlage mit Kleingeräten
- Taktile Reize am Rücken mit Igelbällen

b) Schulung der statischen Balance
- beidbeiniger/ einbeiniger Stand auf stabilem oder instabilem Untergrund mit of- fenen der geschlossene Augen
- Übungen im Sitz auf stabilem/ instabilem Untergrund (z.B. Kreisel, Ball) oder Übungen in Bankstellung/ Rückenlage auf instabilem Untergrund (z.B. Schau- kelbrett)

c) Schulung der dynamischen Balance
- Übungen im Sitz oder Stand auf verschiedenen Untergründen, wobei sie mit oder ohne Hilfsmittel (z.B. Seilzug, Hanteln) ausgeführt werden

- Kniebeugen und Ausfallschritte

- Gehen, Laufen, Springen auf variablen Untergründen

d) Schulung der Gleichgewichtsreaktionen/ reaktiven Fähigkeiten
- ein Therapeut setzt in verschiedenen Positionen (Sitz/ Stand auf verschiedenen Untergründen) Impulse von außen auf die reagiert werden muss (Rumpfmusku- latur, Ausgleichsbewegungen der unteren und oberen Extremitäten)

e) Schulung von Bewegungsvielfalt und –qualität
- rotatorische Komponenten
- Übungen am Seilzug mit weiterer Erhöhung des Schwierigkeitsgrads
- Partnerübungen
- Geräteparcours

Wie zu erkennen ist bezieht sich dieses Programm zwar verstärkt auf die Rumpfmuskulatur trainiert aber eher wenig alltagsrelevante dynamische Bewe- gungsmuster, wie es laut Neumaier (1999) für ein zielorientiertes Training sinn- voll wäre. Die Übungen fordern in erster Linie eine Rumpfstabilisierung.

Ein ähnliches Beispiel liefern auch Rückenschulkurse: Dort werden zwar all- tagsspezifische Bewegungsmuster eingeübt, diese beziehen sich aber meist nur darauf zu lernen, den Rumpf bei verschiedenen Bewegungen zu stabilisie- ren.

Da die Rumpfmuskulatur im Alltag und in der Freizeit aber nicht nur isometrisch, sondern auch dynamisch eingesetzt wird, wäre es sicherlich sinnvoll, das auf- geführte rumpfspezifische Training nach folgenden Gesichtspunkten zu ergän- zen:

Es sollte neben den oben aufgeführten stabilisierenden Übungen auch mit dy- namischen, rumpfspezifischen Bewegungen gearbeitet werden und spezielle Fähigkeiten geschult werden, die für rumpfspezifische Bewegungen relevant sind. Dies hat den Grund, dass die Wirbelsäule kein starres Gebilde ist, son- dern eine Gelenkkette mit drei Freiheitsgraden bzw. anatomischen Hauptbewe- gungsebenen. Die Wirbelsäule kann somit Bewegungen in der Flexion, Exten- sion, Lateralflexion und Rotation, sowie Zwischenbewegungen durchführen.

Im speziellen rumpfspezifischen Koordinationstraining sollte die Rumpfmuskula- tur demnach stabilisierend und dynamisch gefordert werden. Es wäre dabei von Vorteil anfänglich Bewegungen auszuschließen, die die Konzentration von der Rumpfmuskulatur ablenken, wie Arm- und Beinbewegungen mit Hanteln und Zugapparat, weil so die Körperwahrnehmung und Propriozeption des Rumpfes besser gefördert werden kann. Solche gezielt speziellen rumpfspezifischen Ko- ordinationsübungen wären zur Förderung der Rumpfkoordination9 sinnvoll, da die Konzentration nicht nur auf isometrische, sondern auch auf dynamische Funktionsaspekte der Rumpfmuskulatur gelenkt würde.

Folgende koordinative Fähigkeiten sollten in einem rumpfspezifischen Training berücksichtigt werden:

a) Die kinästhetische Differenzierungsfähigkeit

Diese ist die Fähigkeit, die Stellung des Rumpfes im Raum zu registrieren. Sie ist für eine kontrollierte Rumpfhaltung also ebenso elementar wie für dy- namisch gezielte Rumpfbewegungen. Sie kann zum Beispiel dadurch trai- niert werden, dass bestimmte Rumpfbewegungen und Positionen gezielt wiederholt und ohne fremde Hilfe eigenständig reproduziert werden sollen.

b) Die Kopplungsfähigkeit

Diese ist für die Abstimmung von zum Beispiel Kopf und Rumpf zuständig (HWS, BWS, LWS, Sakrum), was für viele Alltagsbewegungen wichtig ist. Sie kann dadurch trainiert werden, dass bestimmte Bewegungen durchge- führt werden bei denen Kopf und Rumpf in aufeinander abgestimmter Rei- henfolge bewegt werden sollen.

c) Gleichgewichtsfähigkeit

Die Gleichgewichtsfähigkeit ist für eine gezielte Rumpfsteuerung wichtig, da Bewegungen aus einer kontrollierten Serie von Haltungen, also von Gleich- gewichtsleistungen bestehen. Des Weiteren ist sie Grundlage muskulärer Balance und guter Haltung. Nur wenn ein Mensch eine gute Gleichgewichts- fähigkeit hat ist er in der Lage seinen Rumpf auch gegen äußere, überra- schende Störfaktoren zu stabilisieren und kann so zum Beispiel Wirbelsäu- lenschäden vorbeugen.

Sie kann durch verschiedenste Übungen trainiert werden. Besonders vor- teilhaft ist im Training die Zuhilfenahme von instabilen Unterlagen, wie zum Beispiel einem Sitzball. Training im Sitzen bietet den Vorteil, dass sich der Trainierende besser auf seinen Rumpf konzentrieren kann.

d) Reaktionsfähigkeit

Die Reaktionsfähigkeit ist eine wichtige rumpfspezifische Fähigkeit, da eine gute Reaktion zum Beispiel für die Verletzungsprophylaxe rumpfspezifischer Verletzungen elementar ist.

Sie kann beispielsweise dadurch trainiert werden, dass bestimmte rumpf- spezifische Bewegungen spontan auf ein Signal folgend möglichst exakt durchgeführt werden sollen.

e) Rhythmisierungsfähigkeit

Eine gute Rhythmisierungsfähigkeit fördert das Körpergefühl und die Rumpfkoordination.

f) Umstellungsfähigkeit

Die Umstellungsfähigkeit ist u.a. für die Verletzungsprophylaxe wirbelsäu- lenspezifischer Verletzungen wichtig. Nur durch eine gute Umstellungsfähig- keit können wirbelsäulenspezifische Bewegungen sicher an neue Situatio- nen angepasst werden. Sie kann dadurch trainiert werden, dass sich zum Beispiel die Beschaffenheit des Sitzes verändert (zum Beispiel ein großer, kleiner, weicher, fester Sitzball).

g) Orientierungsfähigkeit

Die Orientierungsfähigkeit kann im rumpfspezifischen Koordinationstraining trainiert werden, weil die Lage und die Bewegungen des Rumpfes/ Körpers in Raum und Zeit häufig auf bestimmte Aktionsräume oder sich bewegende Objekte abgestimmt werden müssen. Für manche Bewegungen ist dabei ein bestimmtes Timing oder eine gute Antizipationsfähigkeit wichtig.

Im Vergleich zum allgemeinen Koordinationstraining lässt sich also erkennen, dass ein spezielles rumpfspezifisches Koordinationstraining Bewegungsformen berücksichtigt die elementar sind, um eine alltagsgerechte, bewegungs- und situationsspezifische Anwendungsfunktion der Rumpfmuskulatur zu garantie- ren.

Da spezielle rumpfspezifische Formen von Koordinationstraining in der Praxis meist nur ergänzend zu Krafttraining durchgeführt werden, sollen beide Trai- ningsformen im Folgenden kurz verglichen werden.

2.3.3 Rumpfspezifisches, isometrisches Krafttraining

Spezielles rumpfspezifisches Koordinationstraining und rumpfspezifisches, iso- metrisches Krafttraining unterscheiden sich stark voneinander. Durch Koordina tionstraining soll die Wahrnehmung und Propriozeption, die Körperhaltung und Bewegungsqualität geschult werden. Durch isometrisches Krafttraining soll in erster Linie ein Muskel- und Kraftzuwachs erzielt werden, wobei koordinative Aspekte im Training eher vernachlässigt werden, was einen großen Nachteil darstellt (vgl. de Marees, 1994, S. 103).

Da die Muskulatur im isometrischen Krafttraining nur jeweils in einer Gelenk- winkelstellung trainiert wird, können sich keine Bewegungsmuster einschleifen und sich in Folge keine Bewegungsökonomisierungen ergeben.

Weineck warnt deswegen auch vor einem ausschließlichen Krafttraining ohne begleitende disziplinspezifische Koordinationsschulung (Weineck, 1997, S. 247).

Durch hohe statische Anspannungen besteht bei isometrischem Krafttraining außerdem die Gefahr der Pressatmung, was z.B. bei Personen mit geschädig- tem Herz-Gefäß-System zu akuten Schädigungen führen kann (vgl. de Marees, 1994, S. 103).

Im Gegensatz zum Koordinationstraining, was in seinen verschiedenen Aus- prägungen bedenkenlos bei allen erdenklichen Zielgruppen eingesetzt werden kann, ist es nur begrenzt anwendbar.

2.4 Koordinationstests

Um Trainingseffekte von Koordinationstraining zu bestätigen werden entspre- chende Tests benötigt. Aufgrund der Komplexität der koordinativen Fähigkeiten ergeben sich für die Praxis aber nicht unerhebliche zum Teil auch noch unge- löste Probleme der objektiven Erfassung des koordinativen Leistungszustandes (Weineck, 1997, S. 551).

Eine umfassende Testung der Koordination scheint nicht möglich zu sein, da viele Bereiche (motorischer Kortex, pyramidal-motorisches und extrapyramidal- motorisches System, Reflexbogen u.a.) in der Regel nicht für die normalen ki- nesiologischen Untersuchungsmethoden10 zugänglich sind. Außerdem sind vie- le Tests durch subjektive Empfindungen und Einschätzungen des Therapeuten geprägt, weswegen es unentbehrlich ist sich auf einige reproduzierbare Bewe-

Im Folgenden sollen einige Koordinationstests genannt werden, die in der Ver- gangenheit zur Beurteilung der allgemeinen und spezifischen Koordination ent- wickelt, erprobt und eingesetzt wurden:

Allgemeine Koordinationstest sind zum Beispiel die „(subjektive) Beurteilung der Alltagsaktivitäten“ (vgl. Verdonck et al., 1997, S. 6), der „Kasten-Bumeranglauf“ und der „Wiener Koordinationsparcours“, bei denen eine Testperson eine be- stimmte Hindernisstrecke nach vorgegebenem Lösungsweg in möglichst kurzer Zeit bewältigen muss (vgl. Weineck, 1997, S. 551).

Auch der subjektiv vom Testleiter beurteilte „Einbeinstandtest“ oder der bewe- gungskomplexe Test „Achterspringen“ zählen eher zu allgemeinen koordinati- ven Testverfahren (vgl. Wilke & Froböse, 1998, S. 122).

Diese Testsformen sind eher zur allgemeinen Beurteilung koordinativer Fähig- keiten geeignet. Sie hängen sehr von der Tagesform und Motivation der Ver- suchsperson, sowie von der Ergebnisbewertung des Testleiters ab.

Spezielle Koordinationstests, wie zum Beispiel Gleichgewichtsreaktions- und Muskelfunktionstests, untersuchen einzelne koordinative Komponenten bzw. koordinative Fähigkeiten. Zur fortlaufenden Kontrolle der koordinativen Qualität im Übungsprozess eines bestimmten Bewegungsablaufs können unter ande- rem auch Kraftmessplatten verwendet werden. Sie gestatten qualitative und quantitative Einblicke in den Übungs- und Trainingszustand des neuromuskulä- ren Systems (vgl. Hollmann, 2000, S. 140).

Sehr genau sind auch EMG-Messungen11, bei denen durch das EMG-Muster Koordinationsstörungen innerhalb einer Muskelgruppe bzw. eines Muskels er- kannt werden können (Einschätzung der intramuskulären Koordination). Auch Kombinationen von EMG und Kraftmessung werden verwendet (vgl. Verdonck et al., 1997, S. 6; Hollmann, 2000, S. 140).

Zur Testung der Stabilität des Vestibularapparates wurde bei einer Gruppe von Eiskunstläufern in der Vergangenheit sogar mit EEG-Ableitungen12 bei gleich-

Es lässt sich also erkennen, dass die Möglichkeiten zur Messung koordinativer Qualitäten und Fähigkeiten äußerst vielfältig sind. Bei der Festlegung eines Tests ist im Prinzip nur wichtig zu wissen was genau getestet werden soll. Sol- len es eine oder mehrere bestimmte koordinative Fähigkeiten sein oder die Funktionstüchtigkeit eines für koordinative Abläufe wichtigen Analysators, wie der Vestibularapparat.

In Bezug auf die Testung spezieller rumpfspezifischer Koordination muss fest- gestellt werden, dass es schwierig ist diese zu testen. Einige Testgeräte, wie zum Beispiel das Pegasus 3-D-System ©13, sind in der Entwicklung.

3 Empirische Untersuchung

Die vorliegende Untersuchung überprüft die Trainingseffekte eines speziellen rumpfspezifischen Koordinationstrainings im Vergleich zu einem rumpfspezifi- schen isometrischen Krafttraining. Zu diesem Zweck wurden über sechs Wo- chen ein spezielles rumpfspezifisches Koordinationstraining, sowie ein rumpf- spezifisches isometrisches Krafttraining durchgeführt und mit einer Kontroll- gruppe verglichen. An der Untersuchung nahmen insgesamt 21 männliche Pro- banden teil, deren anthropometrische Daten (Alter, Größe, Gewicht, Body mass Index) zu Beginn der Untersuchung aufgenommen wurden. Verfahren zur Er- fassung der neuromuskulären Rumpffunktionen und zur Beurteilung der koordi- nativen Qualität bestanden aus der Messung der Rumpfflexibilität und Rumpf- maximalkraft, sowie aus einem auxotonischen Koordinationstest, bei dem die schnelle Annäherung der Rumpfbewegungen an eine Vorgabekurve gemessen wurde. Alle Messungen und Tests wurden in Anlehnung an das spezielle rumpfspezifische Koordinationstraining in den drei Hauptbewegungsebenen der Wirbelsäule durchgeführt (Sagittal-, Frontal- und Transversalebene). Als Mess- und Testapparatur diente dabei das Pegasus 3-D. Zusätzlich wurde die Form der Wirbelsäule im aufrechten Stand, zur Beurteilung der aufrechten Haltung, mit der MediMouse erfasst und die psychische und physische Befindlichkeit der Probanden am Testtag mittels Fragebogen erfasst (genaues Studiendesign siehe unter 3.1).

Aufgrund der Ergebnisse von unter anderem Heitkamp (2001), Bochdansky (2001) und Müller (2002) zum Thema Koordinationstraining, kann angenommen werden, dass ein spezielles rumpfspezifisches Koordinationstraining verschie- dene positive Trainingseffekte hat, aufgrund dessen folgende sechs allgemeine Forschungshypothesen formuliert wurden:

[...]


1 Zum Beispiel bei der Technikschulung des Handball-Sprungwurfs

2 Gesundheitsorientierter Breitensport: sportartunspezifischer Sport mit gesundheitsorientierter Ausrich- tung, zum Beispiel in Form von Gymnastik- und Fitnesskursen

3 FPZ-The Spacecurl: Ein spezielles Koordinationstrainingsgerät, das Drehbewegungen in allen Ebenen ermöglicht und ursprünglich aus der Raumfahrt kommt, zu sehen unter http://www.fpz-3d.de.

4 Das Zentrale Nervensystem besteht aus dem Gehirn und dem Rückenmark.

5 Die intramuskuläre Koordination bestimmt den zeitlichen Ablauf und die Höhe des Krafteinsatzes innerhalb eines Muskels, über die Anzahl der in einem Kontraktionsvorgang eingesetzten (rekrutierten) motorischen Einheiten (Rekrutierung) und die Abstufung der zeitlichen Dichte der Nervenimpulse (Frequenzierung). Sie beschreibt also das Nerv-Muskel-Zusammenwirken innerhalb eines gezielten Bewegungsablaufes in einem Muskel. Die intermuskuläre Koordination stellt das Zusammenwirken verschiedener Muskeln (Synergisten, Antagonisten) bei einem gezielten Bewegungsablauf dar (vgl. Hollmann, 2000, S. 132; Wilke & Froböse, 1998, S.68; Neumaier, 1999, S.45-46; Weineck, 1997, S.96).

6 z.B. Gangmuster

7 Unter Propriozeption wird die Eigenwahrnehmung des Körpers verstanden. Dies bedeutet, dass auch bei geschlossen Augen ein sehr guter Eindruck von der Körperposition im Raum, sowie der Position der Arme und Hände besteht. Dies wird möglich durch Afferenzen über Analysatoren (siehe S.10), die Informationen über die Positionierung im Raum geben.

8 progredient = fortschreitend

9 Rumpfkoordination = Rumpfsteuerung und Rumpfkontrolle/ neuromuskuläre Rumpffunktionen

10 Kinesiologische Untersuchungsmethoden: Methoden aus der physiologischen Bewegungslehre, wie z.B. Videoanalyse gungsmuster zu konzentrieren, die Messdaten zu objektivieren und die Mess- verfahren zu standardisieren (vgl. Verdonck et al., 1997, S. 6).

11 Elektromyogramm: Ableitung der elektrischen Aktionsströme, die durch die Erregung der Muskelzellen entstehen.

12 Gehirnstrom-Ableitungen zeitiger spezieller Drehbalastung auf einem Drehstuhl gearbeitet (vgl. Weineck, 1997, S. 552).

13 siehe auch im Teil „Empirische Untersuchung“ in dieser Arbeit

Ende der Leseprobe aus 147 Seiten

Details

Titel
Die Effekte von speziellem rumpfspezifischem Koordinationstraining auf die neuromuskulären Funktionen des Rumpfes
Hochschule
Universität Paderborn  (Sportmedizinisches Institut)
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
147
Katalognummer
V10766
ISBN (eBook)
9783638171076
ISBN (Buch)
9783656069300
Dateigröße
1750 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Koordination, Koordinationstraining, Rumpf, neuromuskuläre Fuktionen
Arbeit zitieren
Sandra Kottkamp (geb. Hoffmann) (Autor), 2002, Die Effekte von speziellem rumpfspezifischem Koordinationstraining auf die neuromuskulären Funktionen des Rumpfes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10766

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