Bearbeitung theologisch relevanter Biographien im Blick auf ein Feld der Sozialen Arbeit- Adolf Kolping


Hausarbeit, 2001
18 Seiten, Note: 1,3

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Inhaltsverzeichnis

1. Adolph Kolping- Biographie

2. Darstellung des Themas der Solidarität im Leben Adolph Kolpings Anmerkung Solidarität im Leben Adolph Kolpings

3. Darstellung des Themas Solidarität in der Theologie
3.1 Anmerkung
3.2 Darstellung des Themas

4. Entwicklung von Perspektiven und Konsequenzen für ein Handlungsfeld der SA/ SP
4.1 Aktualität der Grundsätze Kolpings im heutigen Kolpingwerk
4.2 Kolpings Grundsätze in der SA/SP heute

5. Literaturverzeichnis

1. Adolph Kolping - Biographie

Adolph Kolping wurde am 08.12.1813 in Kerpen bei Köln als viertes Kind eines Schäfers geboren. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Seine Eltern waren einfache und tiefreligiöse Leute. „Meine Eltern waren stille, ehrbare Leute, deren ganzes Vermögen in einer zahlreichen Familie bestand, deren Unterhalt ihnen vollauf zu tun gab.“[1]

1820- 1826 besuchte Kolping die Volksschule, die er als glücklichste Zeit seines Lebens bezeichnet.[2] Nach Beendigung der Volksschulzeit beginnt Kolping 1826 seine Lehre beim Schuhmachermeister Meuser in Kerpen, obwohl er lieber ein Studium begonnen hätte: „Wohl hätte ich gern mein Studium fortgesetzt, aber dazu konnten sich meine Eltern nicht entschliessen; denn woher sollten sie die Mittel nehmen, einen solchen Plan auszuführen ?“[3]

1829 beendete er seine Lehre mit guten Zeugnissen. Die nächsten Jahre wanderte Kolping, wie damals als Geselle üblich, von Ort zu Ort. Dabei lernte er auch das soziale Elend der Gesellen dieser Zeit kennen und suchte Hilfe durch das Gebet. Sein Gedanke, Priester zu werden, festigte sich in dieser Zeit, bis er 1937 beschloss, seinen Vorsatz in die Tat umzusetzen. Er wandte sich an seinen Heimatpfarrer Joeken, der ihm seine Hilfe anbot: „Du sollst Geistlicher Werden, wenn du fest bleibst und Beruf zeigst.“[4] So nahm Kolping jeden Nachmittag Privatunterricht, bis er im Herbst 1837 in die Tertia des Marzellengymnasiums in Köln aufgenommen wurde. Um das Studium zu finanzieren, gab Kolping Nachhilfeunterricht.

1841 Begann Kolping sein theologisches Studium in München, das er 1842 an der Bonner Universität und im Kölner Priesterseminar fortsetzte. Auch diese Zeit war durch Krankheit und die Sorge um die Sicherung des Lebensunterhaltes geprägt. Adolph Kolping wurde am 13.04.1845 in Köln zum Priester geweiht. In der Nacht vor der Priesterweihe starb sein Vater, was er unmittelbar vor dem Betreten der Minoritenkirche erfuhr.

Am 28.06.1845 übernahm Kolping seine Stelle als zweiter Kaplan an der St.-Laurentius- Kirche und die Stelle des Religionslehrers am Gymnasium in Wuppertal- Elberfeld. Dort machte er die Bekanntschaft des mit Unterstützung des Lehrers Johann Breuer 1846 gegründeten katholischen Jünglingsvereins, der aus Gesellen bestand, die sich zum gemeinsamen Tun im geselligen Bereich wie auch zu gemeinsamer Bildungsarbeit zusammen getan hatten. Kolping war begeistert: „Da haben Sie ein Ding gemacht, daran habe ich all mein Lebtag gefreit.“[5] Nachdem Kolping lange Zeit mit dem Gedanken gespielt hatte, im wissenschaftlichen Bereich tätig zu werden, beschloss er im Arbeiten mit den Gesellen, dass dieser Bereich der Richtige für ihn sei. So wurde Kolping im Juni 1847 Präses des „Katholischen Gesellenvereines“. Kolping widmete sich mit ganzer Kraft dem Verein. „Ich brenne vor Verlangen, diesen Verein noch im ganzen katholische Deutschland eingeführt zu sehen. Allerdings, die dazu nötigen Geistlichen müssen wir uns erst noch erziehen, doch die Umstände sind günstig.“[6] 1848 veröffentlichte Kolping eine Schrift mit dem Titel: „Der Gesellenverein. Zur Beherzigung für alle, die es mit dem wahren Volkswohl gut meinen.“.

Den Charakter der Gesellenvereine formuliert Kolping wie folgt: „ Wenn es sich darum handelt, ob der Gesellenverein geistlich oder weltlich sei, dann sage: nein, der Gesellenverein ist weder das eine noch das andere, es ist und kann nur sein beides, so wie er ist.“[7]

Um den Gesellenverein verbreiten zu können, bat Kolping den Erzbischof um eine Stelle in Köln, wo er am 15.03.1894 seine Stelle als Domvikar an der Hohen Domkirche antrat. So blieb ihm Zeit, sich durch beispielhaftes Tun, durch Reisen und durch das geschriebene Wort für die Ausbreitung des Gesellenvereins einzusetzen. Obwohl bei der Gründungsveranstaltung in Köln am 06.05.1849 nur sieben Gesellen anwesend waren, zählte der Kölner Gesellenverein am 01.01.1850 bereits 550 Mitglieder.

Kolping gründete mit Hilfe der wandernden Gesellen und den Geistlichen vor Ort weitere Gesellenvereine, z.B. in Aachen, Bonn und Essen. Elberfeld, Köln und Düsseldorf schlossen sich zum „Rheinischen Gesellenbund“, 1851 umbenannt zu „Katholischer Gesellenverein“ zusammen. Im Herbst hielt Kolping die sogenannte „Mainzer Rede“ auf dem Katholikentag in Mainz, was sehr förderlich für die Ausbreitung war. Weitere Neugründungen des Gesellenvereines waren z.B. in Wien, wo Dr. A. Gruscha die Leitung übernahm, welcher ein Vertrauter Kolpings wurde, in Berlin, Prag und Dresden. Durch Kolpings unermüdlichen Einsatz und seine Missionsreisen durch Europa nahm die Zahl der Gesellenvereine stetig zu.

1851 plante Kolping, ein eigenes Haus für den Kölner Gesellenverein zu kaufen, was er 1852 auch umsetzte. Dies war mit erheblichem Aufwand verbunden, da er kein Kapital besass und dieses durch betteln erlangen musste. „Also wird geplant, gerannt, gebettelt, Himmel und Erde in Bewegung gesetzt, um Geld aufzutreiben.“[8] Am 08.05.1853 wurde das Haus eröffnet und das sogenannte Wanderbuch eingeführt, welches jeder Geselle auf seinen Reisen mitnehmen sollte, um an anderen Orten seine Mitgliedschaft belegen zu können.

Kolping schaffte es trotz seines zeitintensiven Engagements für die Verbreitung des Vereins seiner publizistischen Tätigkeit nachzugehen. So betreute er als Herausgeber und Redakteur die „Rheinischen Volksblätter“ (1854) mit speziellen Beilagen für den Gesellenverein, den „Volkskalender“ etc.. Auch als Redner war Kolping gerne gesehen.

Am 01.01.1962 wird Adolph Kolping zum Rektor der Minoritenkirche in Köln ernannt, welche bereits seit 1849 als Vereinskirche genutzt wurde. Kolping nahm sich zum Ziel, die Restaurierung der Kirche voranzutreiben, was zusätzlich an seinen Kräften zehrte.

Er kümmerte sich nun nicht nur um seinen Gesellenverein, sondern erteilte Ratschläge an andere Geistliche, die die Führung der Vereine übernahmen, war als Schriftsteller tätig und musste zusätzlich die Finanzierung der Restaurierung der Minoritenkirche und des neuen Gesellenhospitiums in Köln sichern. Am 22.04.1862 ernannte Papst Pius der Vierte Kolping zu seinem Geheimkämmerer.

Es ist nicht verwunderlich, dass ihm seine diese Aufgaben die Kraft raubten. 1863 schreibt er an Dr. Gruscha : „Mit meiner Gesundheit geht es so. Viel prahlen kann ich nicht; froh bin ich, wenn ich meinen Arbeiten nachkommen kann, obschon sie mir zeitweilig überm Kopf zusammenschlagen.“[9]

Im selben Jahr unternimmt Kolping seine letzte Missionsreise vor seinem Tod in die Schweiz. Körperlich sehr angeschlagen fehlt Kolping die Kraft. Er sorgt für die Restaurierung der Minoritenkirche und kann auch das Geld für den Bau des Gesellenhospitiums aufbringen. Bei der Eröffnung hält Kolping seine letzte Rede. Zu seinem eigens zur Eröffnung angereisten Freund Dr. Gruscha sagte Kolping am Abend vor der Eröffnung, seinen Tod vorausahnend: „Bruder, lehre sie [die Gesellen] dankbar zu sein"[10]

Adolph Kolping starb am 04.12.1865 und wurde am 07.12.1865 in der Minoritenkirche zu Köln unter grosser Beteiligung der Gesellen und Kölner Bürger beigesetzt. Seine Grabschrift lautet: „Er bittet um das Almosen des Gebetes.“

Kolping versuchte Gläubigkeit und Selbstvertrauen, Lebensernst und Freude, Selbstverantwortung und Solidarität, Geschichtsbewusstsein und Fortschrittswillen zu integrieren und lebendig werden zu lassen.

Seine Gesellenvereine behandelte er wie eine Familie, denn er war davon überzeugt, dass die Gesellen- also die späteren Väter und Ehemänner, die im Gesellenverein kennengelernten und gefestigten Werte in die eigene Familie integrieren werden. Er schrieb: „Eine gute Familie ist in der Regel der Boden, in dem die edelsten Charaktere aufwachsen und erstarken.“[11]

2. Darstellung des Themas der Solidarität im Leben Adolph Kolping

2. 1 Anmerkung

Es fällt bei einem Menschen wie Adolph Kolping schwer, lediglich eines der zentralen, theologisch relevanten Themen anzusprechen, da sie sich teilweise vermischen. Im folgenden werde ich auf den Begriff der Solidarität im Leben und Handeln Kolpings eingehen.

2.2 Solidarität im Leben Adolph Kolpings

Solidarität ist ein wichtiger Begriff im Leben und Handeln des Adolph Kolpings. Um die Motivation Kolpings, diese Solidarität zu fördern und zu unterstützen, verstehen zu können, ist es wichtig, einen kurzen Einblick in die Veränderungen der Zeit Kolpings zu erlangen.

Adolph Kolping wuchs in einer Zeit auf, die durch den Umbruch der Industrialisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts geprägt war. Dies bedeutete den Zerfall von festen Strukturen wie z.B. der Grossfamilie.

Auch das Handwerk- in welchem Kolping zehn Jahre selber tätig war- verlor zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch die Einführung der Gewerbefreiheit seine traditionelle Struktur.

Dies führte unter anderem dazu, dass die Gesellen nunmehr nicht mehr wie ein Familienmitglied bei den Meistern angenommen wurden, sondern immer mehr als einfache Arbeitskraft gesehen wurde.

Der Zerfall der bis dahin fast selbstverständlichen Gemeinschaft, geprägt durch gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis, hat Kolping während seiner Gesellenzeit am eigenen Leibe spüren müssen: „Kölns erste Werkstatt hatte ich erreicht, saß in einem Kreise, nach dem sich viele vergeblich bewarben, aber noch erbebt mein Inneres, wenn ich an die schrecklichen Tage gedenke, die ich dort mitten unter der Liederlichkeit und Versunkenheit von Deutschlands Handwerksgesellen zugebracht habe.“[12]

Bereits während seiner Studienzeit nahm Kolping sich den in Not geratenen und kranken Mitgesellen an. Für ihn war es ein persönliches Anliegen und eine Selbstverständlichkeit, für die Schwächen und Bedürftigen einzustehen. „Tätige Liebe heilet alle Wunden, blosse Worte mehren nur den Schmerz.“[13]

Als Adolph Kolping als Kaplan in Elberfeld 1846 auf den Freundschaftsbund junger Leute stösst, sieht er die Möglichkeit, die –seiner Anschauung nach- unbefriedigende und dem Menschen und seiner Bestimmung nicht angemessene Wirklichkeit mit Hilfe des Gesellenbundes ändern zu können. „Besser klein anfangen und stark und mutig mit Gott weiterführen und siegreich zu Ende- zur Vollendung bringen, als im Anfang viel Spektakel machen und hintennach über aller Arbeit den Mut verlieren“[14]

Kolping kennt die Probleme der Gesellen aus eigener Erfahrung und will nun einen Verein schaffen, in dem sich die jungen Menschen entwickeln können.

Kolping wählte hier die Gesellen, obwohl es z.B. der grossen Gruppe der Fabrikarbeiter wesentlich schlechter ging. Doch gerade weil er die Notlage der Gesellen selber erlebt hat, nimmt er sich ihnen an. Er möchte diese Gruppe in sich festigen, um so die im Konkurrenzkampf verlorengegangene Solidarität untereinander wiederaufzubauen.

Die Solidarität untereinander und als Ziel jedes einzelnen Mitgliedes konnte aber nur dann entstehen, wenn gewisse Grundlagen vorhanden waren: „Es liegt auf der Hand, dass die ersten Mitglieder wahrhaftig Religion haben müssen, und das nur solche den Grund und das Fundament des Vereins bilden können.“[15] Zusätzlich legte Kolping Wert darauf, dass der Verein aus Gesellen und nicht etwa aus einer Mischung mit Lehrlingen besteht: „Wir haben seit jeher, und zwar ziemlich streng, alle Lehrlinge vom Gesellenvereine ferngehalten als kein Lehrling Mitglied werden kann...Dazu kann man und soll man im Gesellenvereine Dinge zur Sprache bringen können, welche den Lehrling noch nichts angehen.“[16]

So schaffte er eine homogene Gruppe, in der ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen „religiösen Elementen“ und „Geselligkeit“ entstand.[17]

Sein Ziel war es, Freude am „Beten, Lernen und Arbeiten“[18] zu vermitteln. In den Gesellen sah er auch zukünftige Arbeiter, Väter und Ehemänner, die die im Gesellenbund erfahrenen und gefestigten Werte in ihre Zukunft integrieren sollten. Kolping war um „das Weitertragens des Samenkorns“[19] bemüht.

Der in Elberfeld gegründete Gesellenbund wurde immer mehr zum Lebensinhalt Adolph Kolpings. Doch trotz seines Engagements um die Verbreitung des Gesellenbundes mit all seinen Aufgaben und Verpflichtungen war Kolping immer noch Ansprechpartner für Bedürftige. So stellte er sich – nun als Domvikar in Köln – freiwillig als Seelsorger für die Cholerakranken zur Verfügung. Damit riskierte Kolping für grösstenteils fremde Menschen sein Leben und damit auch die Verbreitung des noch jungen Gesellenbundes. Die Selbstverständlichkeit seines uneigennützigen Handelns brachte Kolping in seiner typischen Bescheidenheit folgendermassen zum Ausdruck: „So einen wie mich kann unser Herrgott alle Tage haben.“[20]

Für den von Kolping gegründeten Gesellenbund – der sich durch seine Missionsreisen und seinen unermüdlichen Einsatz immer mehr in ganz Europa und auch in den vereinigten Staaten verbreitete – opferte er sich immer mehr auf.

Gestützt von seinem Glauben und motiviert durch seine erzielten Resultate gab er nicht auf, auch wenn es ihm gesundheitlich in den letzten Jahren seines Lebens immer schlechter ging. An den Maler v. Steinle schrieb er 1865: „Natürlich, wenn man mit all seinen Sinnen gleichsam in Himmel wohnt, ist´s etwas anderes, als wenn man, wie unsereins, sich meist nur mit der Miserabilität dieser irdischen Welt herumschlagen muss...Jetzt habe ich mich über einer Kalenderarbeit ganz auf den Hund gearbeitet, sonst schrieb ich Ihnen einen längeren Brief; aber ich bin zu müd dazu“[21]

3. Darstellung des Themas Solidarität in der Theologie

3.1 Anmerkung

Die Themen „Solidarität“ und „Nächstenliebe“ sind zentrale Themen in der Theologie.

Im Folgenden werde ich Solidarität und Nächstenliebe in Hinblick auf die Denkweise und das Handeln Adolph Kolpings darstellen.

3.2 Darstellung des Themas

„Darum sollst Du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“[22]

Diese Verse aus der Bibel könnte man als Grundsatz Kolpings verstehen, dessen Leben und Handeln von unerschütterlichem Gottvertrauen und von Nächstenliebe geprägt war: „Haben wir nur Mut und Gottvertrauen, dann werden wir sicher nicht zuschanden.“[23] Weiterhin ist er von Gottes Solidarität zu den Menschen tief überzeugt: „ Gott macht nichts Schlechtes.“[24]

Die folgenden Verse zeigen exemplarisch die Solidarität Gottes im Alten Testament:

Mose hütet Schafe, als ihm Gott in Form eines brennenden Dornbusches erscheint.[25] Gott teilt Mose mit, dass er sein Volk aus Ägypten befreien will.[26]

Durch das Gespräch mit Mose, einem einfachen Hirten, zeigt Gott seine Solidarität zu den Menschen. Eine solche Solidarität durchzieht die komplette heilige Schrift, denn immer wieder beweist Gott, dass er sich zu seiner Schöpfung, dem Menschen, bekennt und jedem einzelnen Menschen helfen möchte, seinen Weg mit Hilfe des Glaubens zu gehen. Kolping sagte dazu: „Gott ist unter die Menschen getreten, wie ein Vater unter seine Kinder, damit die Kinder in den Vater schauen, sich in ihm spiegeln und sich nach ihm bilden.“[27]

So gibt Gott Mose grosse Aufgaben, die er ohne sein im Glauben verwurzeltes Gottvertrauen nicht hätte bewältigen können. „Wem unser Herrgott wirklich begegnet, dem dreht er´s Herz im Leib um, dass fast ein anderer Mensch zum Vorschein kommt.“[28] Auch Kolping bewältigte die zahlreichen Aufgaben im Vertrauen auf Gott.

„Das Ideal und Beispiel des Menschen, sein einzig vollberechtigtes Muster ist der Welterlöser selber, Jesus Christus, der Mensch gewordene Sohn Gottes“[29]

Gott sendet seinen Sohn, Jesus Christus, als Mensch auf die Welt. Er wird geboren von der Jungfrau Maria: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.[30] Gottes Sohn zeigt vielen Menschen den Weg in den Glauben an Gott und vermittelte dabei unter anderem Werte wie Gottesfurcht und Nächstenliebe.

Im Handeln Adolph Kolpings lassen sich Parallelen mit dem Handeln des Jesu erkennen. So hat auch Kolping in seinen Gesellenvereinen versucht, den jungen Gesellen die Religion wieder näher zu bringen und in ihrem Leben zu festigen: „Dazu muss das lebendige Wort treten. Da wäre die Gelegenheit günstig, die Religion, als die Grundlage des Volks- und Menschenglückes, wieder anzubauen und den Herzen nahezubringen . . .“ [31]

Weiterhin war es für Kolping Grundvoraussetzung, dass ein Geistlicher Präses des Vereins ist: „Der Präses muss ein katholischer Geistlicher sein, der mit väterlicher Gewalt den Verein regiert.“[32] Denn nur dann war „das Weitertragen des Samenkorns“[33] in seinem Sinne möglich.

„Tätige Liebe heilet alle Wunden, blosse Worte mehren nur den Schmerz“[34]

Diese oft zitierte Kernaussage Kolpings spiegelt sein Handeln im Gesellenverein und in der Unterstützung von Schwachen und Bedürftigen wieder.

Betrachtet man hierzu das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk, 10, 25 –37), erkennt man auch hier wieder Parallelen zu Adolph Kolping. So nahm er sich- wie bereits erwähnt- den Cholerakranken an und riskierte damit sein Leben für diese Menschen.

Der Samariter half dem Mann, der von Räubern überfallen wurde, nicht nur, indem er ihn in die Herberge brachte, sondern unterstützte den Mann durch die Bezahlung der zwei Denare auch auf längere Zeit hinaus.

Es war Kolpings Ziel, den Gesellen zu helfen, ein im Glauben verwurzeltes, tüchtiges Leben zu führen. Er half ihnen also nicht nur, indem er ihnen eine Möglichkeit des Austausches und der Geselligkeit gab, sondern zeigte den Gesellen ein Leben im Glauben, basierend auf Gottesfurcht und Gottvertrauen, welches über die Zeit der Mitgliedschaft im Gesellenverein hinaus ging.

Adolph Kolping war ein gläubiger Christ, der es verstand, seine Mitmenschen vom Glauben an Gott zu begeistern. Er wusste, dass er sich nicht einfach vor die Gesellen stellen und predigen konnte, ohne sie zuerst von ihrer wirtschaftlichen Not zu befreien. In einer Zeit geprägt durch permanente Veränderungen schaffte er durch die Gründung und Verbreitung der Gesellenvereine den Halt, der notwendig war, um einen Nährboden für christliche Nächstenliebe, die mit Solidarität untereinander eng verbunden ist, zu schaffen.

Kolping warnte davor, das tätige Christentum „zwischen Kirchenmauern und Krankenstuben“ oder „im nächsten häuslichen Kreis“[35] einzuschliessen. Durch die Verbreitung der Gesellenvereine verbreitete Kolping ebenfalls erfolgreich einen lebendigen Katholizismus, der auch heute noch vom Kolpingwerk und seinen Mitgliedern weitergetragen wird.

4. Entwicklung von Perspektiven und Konsequenzen für ein Handlungsfeld von SA/SP

4.1 Aktualität der Grundsätze Kolpings im heutigen Kolpingwerk

„Wer den Menschen wirksam helfen will, muss die Ursachen ihrer Not beheben und die Lebensumstände verbessern.“[36]

Dieses Leitbild beschreibt treffend die Arbeit, die Adolph Kolping in dem von ihm gegründeten Gesellenverein leistete. Aber Kolping gründete nicht „nur“ einen Gesellenverein: das Wollen und Handeln Kolpings bildet in den Strukturen des heutigen Kolpingwerkes die Basis : „ Unsere Zeit braucht tüchtige Christen, die sich in Familie und Arbeitswelt, Kirche und Gesellschaft bewähren und verantwortlich an einer besseren Zukunft mitarbeiten.“[37]

Auf der Grundlage von „Gesinnungsreform, Eigenverantwortung und Gemeinschaftshilfe“[38] hat sich das Kolpingwerk in über 50 Nationen auf alle Kontinente ausgebreitet. Das heutige Kolpingwerk hat es sich zur Aufgabe gemacht, als katholischer Sozialverband „verantwortlich“ zu leben und „solidarisch“[39] zu handeln. Selbstverständlich lässt sich die heutige Zeit nicht mit der Zeit vergleichen, in der Adolph Kolping lebte und agierte und es stellt sich die Frage, welche Ansätze der Ideen und Vorstellungen Kolpings heute in der Arbeit des Kolpingwerkes zu finden sind.

Es lässt sich als erstes das christliche Menschenbild als Leitbild des Kolpingwerkes nennen: „Christ sein mit Kopf, Herz und Hand- Verwurzelt in Gott und mitten im Leben“[40], so das Motto des Kolpingwerkes heute.

In einer Zeit, in der zunehmend auf die christliche Weltanschauung verzichtet wird, versucht das Kolpingwerk christliche Werte in das Leben der Mitglieder zu integrieren.

Dies ist in Kolpings Sinne, denn er wollte aus den Gesellen mündige Christen formen, die diese Werte später in ihre Familien integrieren.

„Wir begleiten Menschen in ihrer persönlichen und beruflichen Bildung.“[41]

Das Kolpingwerk begleitet seine Mitglieder in ihrem Leben und steht ihnen unterstützend zur Seite. Beispielsweise wird innerhalb der verschiedenen Gruppen sowohl auf geistige als auch auf soziale Not der Mitglieder eingegangen und individuelle Hilfestellung geboten.

Weiterhin bietet das Kolpingwerk berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten aus verschiedenen Bereichen an, wie Rhetorik/ Kommunikation/ Politik, EDV – und Bürokommunikation oder Sprachen. Diese Kurse sind für alle Interessierten frei zugänglich.[42]

Auch Kolping war jederzeit Ansprechpartner für bedürftige und schwache Menschen und es war ihm wichtig, den Ratsuchenden durch aktives Handeln Perspektiven zu eröffnen.

„Weltweite Gemeinschaft sein- wir bauen an einer Welt“[43]

Das Kolpingwerk setzt sich aktiv für die Integration ausländischer Mitmenschen ein. Zusätzlich kämpft es um die Bewahrung der Menschenrechte weltweit. Dies ist möglich, da sich die Kolpingzentralverbände überall auf der Welt befinden und sich gegenseitig unterstützen.

Kolping war es ein Anliegen, dass sich die Gesellen in Deutschland solidarisieren und gegenseitig unterstützend zur Seite stehen. Das Kolpingwerk hat dieses Ziel aufgegriffen und fortgesetzt.

4.2 Kolpings Grundsätze in der SA/ SP heute

Es wird also deutlich, dass die Grundsätze Kolpings die Basis für das heutige Kolpingwerk darstellen. Dabei sind die Ideen Kolpings an das aktuelle Geschehen angepasst.

Das heutige Kolpingwerk erstreckt sich auf viele Gebiete der sozialen Arbeit. So ist das Kolpingwerk unterteilt in die Kolpingfamilie/ Kolpingjugend (Familien- und Jugendarbeit), den jeweiligen Bezirksverband und Diözesanverband. Dem folgt der Bundesverband und schliesslich das Internationale Kolpingwerk.

Die Arbeit des Kolpingwerkes erfolgt in Kooperation der folgenden Institutionen des Kolpingwerkes:

- Familienwerk der Deutschen Kolpingfamile e.V. / Kolping- Familienferienwerk e.V.. Dort werden Familienferien zu niedrigen, familienfreundlichen Preisen angeboten. Es gibt Zuschüsse von Kolpingwerk, die pro Kind berechnet werden.
- Kolping-Bildungswerk Deutscher Zentralverband e.V./ Verband der Kolpinghäuser e.V.. Diese Häuser stehen einerseits für Fortbildungsmaßnahmen zur Verfügung und können andererseits für z.B. Kinder-/Jugendfreizeiten oder Aktionen mit Senioren etc. genutzt werden.
- Jugendgemeinschaftsdienste des Kolpingwerkes, Kolping- Jugendberufshilfe. Diese Einrichtungen koordinieren die Kinder/ Jugendarbeit bzw. sorgen für die Vergabe von Ausbildungsplätzen für Jugendliche.
- Kolping- Verlag, GmbH. Er bringt die Publikationen des Kolpingwerkes heraus, wie das Kolpingblatt, Idee und Tat etc.

Das Kolpingwerk ist so strukturiert, dass für Mitglieder in jedem Lebensalter und jeder Lebenssituation die Möglichkeit der aktiven Beteiligung und Unterstützung besteht. So sind die Felder Kinder/Jugendarbeit, Arbeit mit jungen Erwachsenen, Familienarbeit, Erwachsenenarbeit und die Arbeit mit älteren Mitmenschen abgedeckt.[44]

Kolpings Prinzip der Verbandspädagogik ist aber nicht nur für das heutige Kolpingwerk relevant, sondern unter anderem massgeblich für die heutige Arbeit der Pfadfinder. Auch diese Gruppierung ist europaweit verbreitet und vermittelt die Werte der Solidarität und Gemeinschaftssinn. Die Pfadfinder sind teilweise theologisch ausgelegt, die christliche Nächstenliebe steht hierbei im Vordergrund.

Literaturverzeichnis

Bibel Die Bibel, Altes und Neues Testament, Einheitsübersetzung, Verlag Herder, Freiburg bei Breisgau, 1980

Brauer, Prof. Dr. Aus Kolpings Briefen, Eine Auslese, Kolping- Verlag GmbH, Köln

Festing, Heinrich Adolph Kolping und sein Werk, Verlag Herder, Freiburg bei Breisgau, 1981

Kolping, Adolph Der Gesellenverein, L. Schwann, Köln/Neuss 1849

Kolping, Adolph Weisheit des Herzens- Kernsprüche Adolph Kolpings, Kolping- Verlag GmbH, Köln, 1962

Kolping, Adolph Ausgewählte pädagogische Schriften, Westfalen- Druckerei, Paderborn, 1964

Kolping, Adolph Kolpingschriften, Bd. 3, Soziale Frage und Gesellenverein, Hrsg.: R. Copelovici,

M. Handke, J.A. Stüttler, Kolping- Verlag GmbH, 1985

Kolping, Adolph Kolpingschriften, Bd. 2, Kölner Ausgabe, Kolping- Verlag GmbH, Köln, 2. Auflage, 1991

Kolping- Bildungswerk Aachen Angebote zur beruflichen Weiterbildung, Programm 2001

Kolpingblatt Das neue Leitbild, Juni 2000

Kolpingwerk Lehrstellenbörse des Kolpingwerkes Deutschland Von 1997 – 2000, DCM, Meckenheim, 2000

Schäffer, S.G. Adolph Kolping, der Gesellenvater, Verlag Nasse, Münster, 1980

[...]


[1] Curriculum vitae, in : Rheinische Volksblätter 1879, S. 117

[2] vgl.: Heinrich Festing: Adolph Kolping und sein Werk, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, 1981, S.18

[3] Heinrich Festing: Adolph Kolping und sein Werk, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, 1981, S. 19

[4] Heinrich Festing: Adolph Kolping und sein Werk, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, 1981, S. 22

[5] vgl.: S.G. Schäffer: Adolph Kolping, der Gesellenvater, Nasse, Münster, 1880, S. 9 f

[6] Kolping Schriften, Bd. 2, Kölner Ausgabe, Kolping- Verlag GmbH, Köln, 2. Auflage-1991, S. 131

[7] Prof. Dr. Brauer, Aus Kolpings Briefen, Eine Auslese, Kolpingverlag GmbH, Köln, S. 13

[8] Prof. Dr. Brauer, Aus Kolpings Briefen, Eine Auslese, Kolpingverlag GmbH, Köln, S. 56

[9] Prof. Dr. Brauer, Aus Kolpings Briefen, Eine Auslese, Kolpingverlag GmbH, Köln, S. 39

[10] vgl.: S.G. Schäffer: Adolph Kolping, der Gesellenvater, Nasse, Münster, 1880, S. 321 f

[11] Adolph Kolping: Weisheit des Herzens- Kernsprüche Adolph Kolpings, Kolping- Verlag, Köln, 1962, S. 43

[12] Curriculum vitae, in: Rheinische Volksblätter, 1879, S. 120

[13] Adolph Kolping: Weisheit des Herzens- Kernsprüche Adolph Kolpings, Kolping- Verlag, Köln, 1962, S. 35

[14] Prof. Dr. Brauer, Aus Kolpings Briefen, Eine Auslese, Kolpingverlag GmbH, Köln, S. 64

[15] Adolph Kolping: Der Gesellenverein, L. Schwann, Köln/ Neuss, 1849, S. 24

[16] Prof. Dr. Brauer, Aus Kolpings Briefen, Eine Auslese, Kolpingverlag GmbH, Köln, S. 12

[17] Prof. Dr. Brauer, Aus Kolpings Briefen, Eine Auslese, Kolpingverlag GmbH, Köln, S. 13

[18] siehe Kolpingblatt, Das neue Leitbild, Juni 2000, S. 4

[19] Prof. Dr. Brauer, Aus Kolpings Briefen, Eine Auslese, Kolpingverlag GmbH, Köln, S. 62

[20] Heinrich Festing: Adolph Kolping und sein Werk, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, 1981, S. 50

[21] Prof. Dr. Brauer, Aus Kolpings Briefen, Eine Auslese, Kolpingverlag GmbH, Köln, S. 40

[22] Die Bibel, Altes und Neues Testament, Einheitsübersetzung, Verlag Herder, Freiburg bei Breisgau, 1980, Mk 12, 30- 31

[23] Adolph Kolping, Aus Kolpings Briefen, Eine Auslese von Prof. Dr. TH. Brauer, Kolpingverlag, Köln, S. 98

[24] Adolph Kolping, Weisheit des Herzens, Kernsprüche Adolph Kolpings, Kolping- Verlag, Köln, 1962, S. 16

[25] a. a. O., Ex, 3,1 - 2

[26] a. a. O., Ex, 3,8

[27] Adolph Kolping, Weisheit des Herzens, Kernsprüche Adolph Kolpings, Kolping- Verlag, Köln, 1962, S. 16

[28] Adolph Kolping, Weisheit des Herzens, Kernsprüche Adolph Kolpings, Kolping- Verlag, Köln, 1962, S. 16

[29] Adolph Kolping, Weisheit des Herzens, Kernsprüche Adolph Kolpings, Kolping- Verlag, Köln, 1962, S. 20

[30] Die Bibel, Altes und Neues Testament, Einheitsübersetzung, Verlag Herder, Freiburg bei Breisgau, 1980, Mt, 1,20 - 21

[31] Adolph Kolping, Ausgewählte pädagogische Schriften, Westfalen- Druckerei, Paderborn, 1964, S.6

[32] Adolph Kolping, Aus Kolpings Briefen, Eine Auslese von Prof. Dr. TH. Brauer, Kolpingverlag, Köln, S. 24

[33] a. a. O., S. 62

[34] a. a. O., S. 35

[35] Adolph Kolping, Ausgewählte pädagogische Schriften, Westfalen- Druckerei, Paderborn, 1964, S.64

[36] Aus dem Wort der deutschen Bischöfe zu „100 Jahre Sozialenzyklika Rerum novarum“, 28.04.1991

[37] Kolpingblatt, Das neue Leitbild, Juni 2000, S.6

[38] Kolpingblatt, Das neue Leitbild, Juni 2000, S.6

[39] vgl. Kolping in 12 Sätzen, in Lehrstellenbörse des Kolpingwerkes Deutschland von 1997- 2000, DCM, Meckenheim, 2000, S.108

[40] Kolpingblatt, Das neue Leitbild, Juni 2000, S.4

[41] Kolpingblatt, Das neue Leitbild, Juni 2000, S.5

[42] siehe Kolping- Bildungswerk Aachen, Angebote zur beruflichen Weiterbildung, Programm 2001

[43] Kolpingblatt, Das neue Leitbild, Juni 2000, S.5

[44] vgl: Heinrich Festing: Adolph Kolping und sein Werk, Verlag Herder, Freiburg bei Breisgau, 1981, S.165 f.

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Details

Titel
Bearbeitung theologisch relevanter Biographien im Blick auf ein Feld der Sozialen Arbeit- Adolf Kolping
Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
Veranstaltung
Theologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
18
Katalognummer
V107829
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Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Biographie ist recht umfangreich - und garantiert ohne den theologischen Kontext zu nutzen !!!
Schlagworte
Bearbeitung, Biographien, Blick, Feld, Sozialen, Arbeit-, Adolf, Kolping, Theologie
Arbeit zitieren
Stefanie Schaaf (Autor), 2001, Bearbeitung theologisch relevanter Biographien im Blick auf ein Feld der Sozialen Arbeit- Adolf Kolping, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107829

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