Mann, Thomas - Vergleichende Untersuchungen zum Künstlermotiv in Thomas Manns Novellen "Tristan" und "Mario und der Zauberer"


Facharbeit (Schule), 2003
18 Seiten

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie von Thomas Mann

3. Inhaltsangaben
3.1 Tristan
3.2 Mario und der Zauberer

4. Begriffserläuterung Künstler

5. Künstlermotiv in Tristan
5.1 Charakterisierungen der Hauptpersonen
5.1.1 Detlev Spinell
5.1.2 Gabriele Klöterjahn
5.1.3 Anton Klöterjahn
5.2 Gegenüberstellung der Personen:
Detlev Spinell – Gabriele Klöterjahn – Anton Klöterjahn
5.3 Detlev Spinell als Künstler

6. Künstlermotiv in Mario und der Zauberer
5.1 Charakterisierung der Hauptpersonen
5.1.1 Cavaliere Cipolla
5.1.2 Familie
5.1.3 Mario
5.2 Gegenüberstellung der Personen:
Zuschauer (Familie, Mario) – Cipolla
6.3 Cavaliere Cipolla als Künstler

7. Vergleich der Künstler Spinell und Cipolla

8. Fazit

Literaturverzeichnis

Erklärung

1. Einleitung

Thema vieler Novellen Thomas Manns ist der Künstler und sein teilweise problematisches Verhältnis zur Gesellschaft. In dieser Arbeit soll dies am Beispiel von „Tristan“ und „Mario und der Zauberer“ vergleichend untersucht werden.

Um diese Untersuchung durchführen zu können, ist natürlich erst einmal eine Festlegung notwendig, was genau ein Künstler ist. Deshalb werden, nachdem der Autor und seine Werke kurz vorgestellt worden sind, zuerst einmal die Begriffe Künstler und Kunst definiert.

Anhand dieser Erläuterung werden dann die Novellen vorerst einzeln auf Künstlermerkmale und -motive untersucht. Um eventuell auftauchende Probleme des Künstlers mit der Gesellschaft ausmachen zu können, werden die Künstler mit anderen Personen bzw. Personengruppen aus dem Text verglichen. Eine Charakterisierung nicht nur der Künstlerpersonen sondern auch wichtiger Nebenfiguren hilft, diese Gegenüberstellung besser durchzuführen.

Daraufhin wird der Künstler auf Künstlermerkmale untersucht, um festzustellen, was ihn als einen solchen auszeichnet.

Nach diesen Vorarbeiten folgt der eigentliche Vergleich. Die Ergebnisse aus den vorangegangenen Untersuchungen werden mit einander verglichen, um so herausfinden zu können, ob beide Künstler die gleichen Probleme haben und wenn, wie sie damit umgehen und sie möglicherweise versuchen zu lösen.

Im Fazit werden dann die Ergebnisse ausgewertet und gedeutet.

2. Biographie Thomas Mann

Thomas Mann wird am 6. Juni 1875 in Lübeck als zweiter Sohn, nach seinem Bruder Heinrich, von Johann Heinrich und Julia Mann, einer Kaufmannsfamilie, geboren. Es folgen drei weitere Geschwister. Bereits als Schüler veröffentlicht er in der von ihm mitherausgegebenen Zeitschrift „Der Frühlingssturm - Monatszeitschrift für Kunst, Literatur und Philosophie“ eigene Aufsätze und Prosaskizzen. Nach dem Tod des Vaters zieht die Familie 1891 nach München. Dort nimmt Thomas Mann eine Stelle als Volontär bei einer Versicherungsgesellschaft an. Auf Grund des Erfolges seiner ersten Novelle „Die Gefallenen“ gibt er diese Stelle auf und arbeitet als freier Schriftsteller. Er schreibt sich als Gasthörer in der Technischen Hochschule in München ein und strebt eine Journalistenlaufbahn an. Es folgt ein zweijähriger (1896-1898) Italienaufenthalt mit seinem älteren Bruder Heinrich. Nach der Rückkehr nach München wird er Lektor und Korrektor der Satirezeitschrift „Simplicissimus“, es entstehen Verbindungen zu den Münchner Künstlerkreisen. Den Durchbruch schafft Thomas Mann 1900 mit dem 1929 durch den Nobelpreis ausgezeichnetem Prosaroman „Buddenbrooks. Verfall einer Familie“. 1903 erscheint die Novellensammlung „Tristan“ (darin enthalten „Tonio Kröger“). In ihr thematisiert er den Gegensatz Leben und Kunst. 1905 heiratet er Katia Pringsheim. Sie entstammt einer angesehenen jüdischen Familie und ermöglicht ihm, in den gehobenen Münchner Kreisen zu verkehren und durch die finanzielle Absicherung kann er sich nun ganz dem Schreiben zuwenden. In der Ehe werden sechs Kinder geboren, von denen drei selbst zu Schriftstellern werden: Golo, Erika und Klaus Mann. 1907 verfasst er „Betrachtungen eines Unpolitischen“, worin er seine Kriegsbefürwortung zum Ausdruck bringt, dies führt zum Bruch mit seinem Bruder. Der Streit wird vier Jahre später beigelegt: Thomas Mann bekennt sich als Befürworter der Republik. 1933 begibt er sich auf eine Europareise, kehrt jedoch auf Grund der Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht nach Deutschland zurück. Drei Jahre später wird ihm die deutsche Staatsbürgerschaft sowie sein Bonner Ehrendoktorat entzogen, er wird tschechoslowakischer Staatsbürger. 1936 wandert er in die USA aus und übernimmt auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Er bleibt dort, bis er 1952, als Kommunist angeklagt wird, woraufhin er nach Europa zurückkehrt. Am 12 August 1955 stirbt Thomas Mann in Zürich.

3. Inhaltsangaben

3.1 Tristan

Die Novelle „Tristan“, aus dem Jahr 1903, spielt in dem Sanatorium Einfried, wohin der Großkaufmann Klöterjahn seine Frau zur Genesung der Luftröhre, an der sie seit der Geburt ihres Sohnes Antons leidet, bringt. Dort befindet sich auch der Schriftsteller Detlev Spinell. Dieser freundet sich mit Frau Klöterjahn an und verbringt viel Zeit mit ihr. Sie berichtet ihm unter anderem wie sie ihren Ehemann kennen gelernt hat. Spinell kann sie zum Klavier spielen überreden, was ihr der Sanatoriumsarzt Doktor Leander ausdrücklich untersagt hat, da es sie überanstrengen und ihre Gesundheit schädigen würde. Sie spielt Richard Wagners „Tristan und Isolde“. Am Tag darauf verschlechtert sich ihr Zustand rapide und ihr Mann wird gebeten, nach Einfried zu reisen. Er tut dies nur widerwillig, da er ihm seine Geschäfte eigentlich wichtiger sind. Herr Spinell richtet einen äußerst provokanten Brief an ihn, worin er seinen Hass gegenüber Herrn Klöterjahn und seinem Sohn zum Ausdruck bringt. Herr Klöterjahn ist darüber empört und sucht Spinell auf. Er bezeichnet das Schriftstück als blödsinnig und Spinell als Idioten. Während dieser Auseinandersetzung klopft es an der Tür: Es ist Frau Klöterjahns Freundin und sie berichtet, dass diese soeben verstorben sei.

3.2 Mario und der Zauberer

Ein Vater einer vierköpfigen Familie berichtet in der Novelle „Mario und der Zauberer (ein tragisches Reiseerlebnis)“, erschienen 1930, von einem Sommerurlaub in dem kleinen italienischen Badeort Torre. Von Anfang an verläuft der Urlaub nicht so gut wie geplant. Es kommt zu einigen unangenehmen Zwischenfällen am Strand und im Hotel. Die Familie wechselt daraufhin in eine Pension, kann den Urlaub aber trotzdem noch nicht richtig genießen. Im ganzen Ort kündigen Plakate den Zauberkünstler Cavaliere Cipolla an und die beiden Kinder der Familie wollen diesen unbedingt sehen. Nach einigen Zweifeln geben die Eltern dem Drängen der Kinder nach und kaufen Karten für den Abend. Die Veranstaltung beginnt unpünktlich und die Sorgen der Eltern um die späte Uhrzeit verstärken sich. Sie beschließen aber trotzdem, zu bleiben. Endlich betritt der Zauberkünstler die Bühne und beginnt die Show damit, dass er einen vorlauten Zuschauer dazu bringt, dem übrigen Publikum seine Zunge herauszustrecken. Dann lässt Cipolla einen Mann eine Kolik bekommen und die Wirtin der Familie schlafwandeln. Das tragische Ende kommt als der Zauberer Mario, einen der Familie gut bekannten Kellner, so hypnotisiert, dass dieser Cipolla küsst. Nachdem Mario aus dem Trancezustand erwacht, ist er so erbost, dass er Cipolla erschießt.

4. Begriffserläuterung Künstler

Der Begriff Kunst stammt aus dem Althochdeutschen und seine ursprüngliche Bedeutung ist: Wissen, Weisheit, Kenntnis, Fertigkeit. Als Künstler wird demnach eine Persönlichkeit bezeichnet, die mit Fertigkeit und/oder Wissen kreative Dinge schafft. Die Definition von Kunst ist sehr weitgreifend und hat sich erst spät (18. Jh./ 19. Jh.) zu ihrer heutigen Bedeutung, dem Gegensatz zum Handwerk und der Wissenschaft, entwickelt. Im engeren Sinn ist Kunst das vom Menschen Hervorgebrachte (Ggs. Natur) und durch keine Funktion Festgelegte oder erschöpft Werdende (Ggs. Technik). Kunst kann weder richtig noch falsch sein, noch wird alte Kunst durch neue ersetzt.

Ursprünglich gab es zwei große Gruppen von Künstlern: Den bildenden Künstler (Bildhauer, Maler, etc.) und den darstellenden Künstler (Schauspieler, Regisseur, Artist, etc.). Später kamen noch die Bereiche Literatur und Musik hinzu. So ist Kunst in der heutigen Zeit zu einem offenen Begriff geworden („Jeder Mensch ein Künstler“[1]).

Man misst einen Künstler an dem von ihm Geschaffenen, wobei Kunst nur sehr subjektiv eingeschätzt und beurteilt werden kann. So wird auch ihre Funktion sehr unterschiedlich, teils auch gegensätzlich, bewertet: Während Aristoteles sie als „ eine der die Wahrheit erlangenden Eigenschaften des Intellekts“ [2] bezeichnet, ist sie für den Schriftsteller Maurois[3] „das Bemühen, neben der wirklichen Welt eine menschlichere Welt zu schaffen“. Letztere Aussage spiegelt das seit der Frz. Revolution neue Selbstverständnis der Künstler wieder: Sie fühlen sich von Gesetzen, Vorschriften, Pflichten und Zwängen frei. Originalität und das Streben zum Genie stehen im Mittelpunkt. Führten sie damals meist Aufträge von Adel und Kirche aus, die sie finanziell absicherten, mussten sich die Künstler nun auf dem freien Markt behaupten und standen somit zunehmend unter Erfolgsdruck.

Das Elitedenken führte auch zur Isolation des Künstlers. Diese verstärkte sich im 19. Jh. während der Restauration, die sich auch gegen fortschrittliche Künstler mit sozialem und demokratischem Gedankengut, welches sie propagierten, richtete und zu einer Kontroverse zwischen Künstler und Gesellschaft/Staat führte.

5. Künstlermotiv in Tristan

5.1 Charakterisierungen der Hauptpersonen

5.1.1 Detlev Spinell

Detlev Spinell ist ein Schriftsteller, dessen Werk aus einem einzigen Roman besteht, den Fräulein von Osterloh als „unmenschlich langweilig“ beschreibt (S.24/Z.7). Er ist Anfang dreißig und wird in vielerlei Hinsicht als seltsam und sonderbar dargestellt. So verbringt er seine Zeit im Sanatorium nicht zur Auskurierung einer Krankheit, sondern weil ihm der Stil des Gebäudes gefällt und dieser ihm Würde verleiht (vgl. S.30/Z.12). Er macht einen sehr ruhigen Eindruck: Seine weiche Stimme klingt „mild und angenehm“ (S.25/ Z.21). Er spricht meist sehr leise (vgl. S.28/Z.19; S.46/Z.3; S.51/Z.24), wodurch dieser Eindruck bestärkt wird. Auch seine Gangart ist entsprechend, insbesondere wenn er auf Frau Klöterjahn zugeht (vgl. S.28/Z.17; S.34/Z.5; S.45/Z.26; S.51/Z.26). Diese ist auch die einzige Person, zu welcher der als Einzelgänger geltende (vgl. S.23/Z.7f.) Detlev Spinell eine näheren Bezug hat. Trotz seiner modischen Kleidung (vgl. S.23/Z.5f.) und seines bemüht anmutigen Auftretens (vgl. S.25/Z.13; S.30/Z.11; S.34/Z.6; S.92/Z.9) ist sein äußeres Erscheinungsbild nicht sonderlich ansprechend. Er hat ein dickliches, blasses Gesicht ohne Bartansatz (vgl. S.22/Z.17ff.), eine fleischige Nase (vgl. S.22/Z.19) sowie eine „poröse Oberlippe“ (S.22/Z.21). Des Öfteren wird auf seine „ kariösen Zähne“ (S.22/Z.21f.; S.35/Z.19; S.52/Z.9) hingewiesen, seine Füße haben eine ungewöhnliche Größe (vgl. S.22/Z.22) und er hat eine „etwas behinderte und schlürfende Art zu sprechen“ (S.25/Z.22f. S.29/Z.2f.).

5.1.2 Gabriele Klöterjahn

Frau Klöterjahn stammt gebürtig aus Bremen, wohnt jedoch seit der Heirat mit Anton Klöterjahn an der Ostsee. Seit der schweren Geburt des Sohnes leidet sie an der Luftröhre und kommt zur Kur in das Sanatorium. Frau Klöterjahn wird als eine schöne, aber schwache, junge Frau (vgl. S.14/Z.26f.) beschrieben. Man sieht ihr die Krankheit an (vgl. S.15/Z.9). Trotz alledem ist überaus freundlich (S.15/Z19ff.). Sie liebt ihren Mann und folgt gerne seinen besorgten Worten (S.21/Z.11ff.). Im Sanatorium steht ihr die Magistratsrätin Spatz als ältere Freundin beiseite, aber auch zu den anderen Gästen hat sie ein gutes Verhältnis (S.28/Z.6ff).

5.1.3 Anton Klöterjahn

Herr Klöterjahn ist ein Großkaufmann und in Besitz einer eigenen Firma. Er ist ein Mann von mittelgroßer, breitgebauter Statur (Vgl. S.20/Z.6) mit einem vollen roten Gesicht (vgl. S.20/Z.7). Er ist immer gutgelaunt, redet laut und salopp „wie ein Mann, dessen Verdauung sich in so guter Ordnung befindet wie seine Börse“ (S.19/Z.24f.). Er liebt gutes Essen (S.20/17ff.) und weiß die Gesellschaft zu unterhalten, so spaßt er zum Beispiel mit einer Krankenschwester (S.21/7f.). In seine Sprache mischen sich häufig englische Vokabeln: „take care“ (S.13/Z.15), „darling“ (S.16/Z.7). Er ist es gewohnt, dass seine Person Aufmerksamkeit erregt und hat Gefallen daran (vgl. S.17/Z.5ff.). Sein Auftreten ist sehr selbstbewusst. Herr Klöterjahn sorgt sich sehr um seine kranke Frau und achtet penibel darauf, dass diese die vom Arzt gegeben Vorschriften einhält (vgl. S.16/Z5ff.). Aber auch seine Geschäfte sind ihm äußerst wichtig (vgl. S.22/Z.1ff.; S68/Z8ff.).

5.2 Gegenüberstellung der Personen:

Detlev Spinell – Gabriele Klöterjahn – Anton Klöterjahn

Die beiden Personen Spinell und Klöterjahn stellen einen totalen Gegensatz dar. Zum einen der stille sich unnütz vorkommende Spinell und zum anderen der lebensfreudige Geschäftsmann Klöterjahn. Dieser Unterschied wird auch in der Bedeutung ihrer Namen deutlich. Zum einen „Spinell“ der Edelstein[1], das schön anzusehende Kunstwerk, und zum anderen „Klöterjahn“ eine niederdeutsche Dialektbezeichnung für Hoden[2].

Während Spinell am Anfang nur nebenbei als derjenige, „ der den Namen irgendeines Minerals oder Edelsteines führt und hier dem Herrgott die Tage stiehlt“ (S.12/Z.9ff.) erwähnt wird, wird die Anreise von Herrn Klöterjahn mit seiner Familie als großes Ereignis geschildert und er wird auch sogleich vom Personal des Sanatoriums empfangen. Das erste direkte Zusammentreffen der beiden Personen verläuft mit einer höflichen Distanz. Spinell sitzt beim Essen dem Ehepaar Klöterjahn gegenüber. Anfangs wirkt er ihnen gegenüber zurückhaltend und unsicher (S.8/Z.8ff.). Nach einiger Zeit löst sich jedoch seine Angespanntheit und er betrachtet sein Gegenüber mit Interesse (S.5/13ff.).

Erste Differenzen werden erkennbar, als sich Spinell bei Herrn Klöterjahns Frau über den Namen Klöterjahn auslässt, er findet ihn „komisch und zum Verzweifeln unschön“ (S.38/Z.22). Die Lage spitzt sich zu und entwickelt sich zu einer Art Machtkampf zwischen den beiden verschiedenen Lebensweisen, in deren Mitte Frau Klöterjahn steht. Ihre Person vereinigt die verschiedenen Lebenssauffassungen. Bevor sie Herrn Klöterjahn kennen lernte und heiratete und sich somit seiner Lebensart anpasste, ist sie der Innbegriff für Spinells Lebensverständnis. Spinell ist vollkommen begeistert, als ihm Frau Klöterjahn erzählt, dass ihr Vater ein Künstler war, der Geige und Klavier spielte (vgl. S.40/Z.18ff.). Nur einige Kleinigkeiten passen nicht, aber Spinell macht sie sich passend. So schreibt er in dem Brief an Herrn Klöterjahn, dass Frau Klöterjahn im Garten saß und mit Freundinnen sang (vgl. S.73/Z.13), als Herr Klöterjahn sie das erste Mal sah und nicht, wie es der Wahrheit entspricht, häkelte (vgl. S.42/Z.3). Spinell überwertet Frau Klöterjahns Erzählungen und stellt sie sich mit einer Krone vor (vgl. S.42/Z.12). Er wirft Herrn Klöterjahn vor, seine Frau besitzen zu wollen (vgl. S.76/Z.12) und sie zu erniedrigen, indem er sie aus einer alten Künstlerfamilie herausreißt und sie zum „Eheweib, zur Hausfrau“ (S.76/Z.18) macht. Sie musste seinen „ordinären“ (S.76/Z.17) Namen annehmen und Herr Klöterjahn zerstörte das Idyll, in dem sie sich zuvor befunden hatte (S.74/Z.5ff.). In dem Brief lässt Spinell alle seine angestaute Wut gegenüber Herrn Klöterjahn heraus. Er bezeichnet ihn als einen plebejischen Gourmand (vgl. S.75/Z.1) und macht ihm deutlich, dass er ihn und seinen Sohn genauso hasst wie ihren Lebensstil, der ein Todfeind seiner Lebenseinstellung, der Schönheit, sei (Z.77/Z.23ff.). Er muss jedoch einsehen, dass er Herrn Klöterjahn unterlegen ist(S.78/Z.3). Die Unterlegenheit wird deutlich, als Spinell Herrn Klöterjahn direkt gegenübersteht. Er wirkt „hilflos“ und „kläglich“ (S.83/Z.1f.) und kann Herrn Klöterjahn nichts entgegensetzten. Nach dem Tod Frau Klöterjahns, muss er sogar vor dem kleinen Sohn der Familie Klöterjahn, dem Ebenbild seines Vaters, flüchten.

5.3 Untersuchung von Detlev Spinell auf Künstlermerkmale

Spinell hat als Künstler nicht viel geleistet und ist sich dessen auch bewusst. Er verallgemeinert diese Erfahrung auf alle Künstler, die er „seinesgleichen“ (S. 31/Z.24) nennt. Künstler kämen sich lebenslang unnütz vor und diese eigene Überflüssigkeit mache sie krank, obwohl sie das Nützliche hassten (vgl. S.32/Z.6ff.). Spinell gestaltet sein Leben auf verschiedene Art und Weise unbehaglich. Er steht morgens früh auf, obwohl es ihm gar nicht liegt (vgl. S.32/Z.21) und quält sich zum kalten Duschen (vgl. S.5/22). Für Frau Klöterjahn und Rätin Spätz ist dies Selbstüberwindung (vgl. S.33/Z.4ff.), Spinell tut es jedoch nur um sein Unbehagen zu verdrängen, welches er durch seine Unproduktivität bekommt. Er schafft sich dadurch eine Aufgabe und wenn er diese gemeistert hat, fühlt er sich besser. Diese sich selbst geschaffenen Unbequemlichkeiten entsprechen Spinells Auffassung nach seinem Dasein als Künstler (vgl. S.32/Z.12). Er zwängt sich in die Künstlerrolle, welche sein ganzes Leben bestimmt. Durch sie hat er ein ausgeprägtes Schönheitsideal entwickelt. Er wohnt im Sanatorium, da dies ein Ort ist, der mit seinen Vorstellungen von Ästhetik übereinstimmt. Einfried als ehemaliges Schloss mit entsprechender Einrichtung entspricht seinem Stil, auch wenn die alten Möbel alles andere als behaglich sind. Spinell schreibt einen Roman, da es sich für einen Künstler gehört zu schreiben. So beschreibt der Inhalt seines Buches, welches nur „von mäßigem Umfang“ (S.23/Z.25) ist, Spinells ideale Künstlerwelt. Die darin beschriebenen Gegenstände spiegeln teilweise das von Spinell mit „Gott, wie schön“ (S.23/Z.18) bewunderte Mobiliar des Sanatoriums wider.

Spinell wünscht sich, als ein vollwertiger Künstler zu gelten, was ihm jedoch nicht gelingt. Das Schreiben fällt ihm unglaublich schwer:

„für einen, dessen bürgerlicher Beruf das Schreiben ist, kam er jämmerlich langsam von der Stelle, und wer ihn sah, mußte zu der Anschauung gelangen, daß ein Schriftsteller ein Mann ist, dem das Schreiben schwerer fällt als allen anderen Leuten“ (S.71/Z.8ff.)

Spinell versucht dies durch eine „gemalte“ (S.70/Z.20) Schrift auszugleichen. Er würde nie zugeben, dass ihm das Schreiben solch große Schwierigkeiten bereitet. In seinem Brief behauptet er sogar, dass ihm die Worte mit Heftigkeit zuströmten (vgl. S.7/Z.1). Diese Überspielung seiner eigentlichen Unfähigkeit ist des Öfteren vorzufinden. Sein Roman ist mit „vollkommen verwirrenden Umschlagszeichnungen versehen“ (S.23/Z.26) und jeder einzelne Buchstabe sieht aus wie eine „gotische Kathedrale“ (S.24/Z.3). Es ist Spinell als vermeintlich gutem Musiker peinlich, als Frau Klöterjahn herausfindet, dass er kein Klavier spielen kann (vgl. S.62/Z.12ff.).

6. Künstlermotiv Mario und der Zauberer

6.1 Charakterisierungen der Hauptpersonen

6.1.1 Cavaliere Cipolla

Der Zauberkünstler Cipolla ist im mittleren Alter. Sein Äußeres wirkt nicht sonderlich attraktiv. Er hat ein „zerrüttetes Gesicht“, „stechende Augen“ und einen „faltig verschlossenen Mund“ (S.91/Z.5f.). Sein Rücken ist krumm (vgl. S.126/Z.21) und seine Zähne sind auch nicht mehr die besten (vgl. S.120/Z.4). Obwohl er einen Beruf hat, der die Menschen unterhalten soll, lehnt er jeden Humor ab und sein Auftreten ist durch Ernsthaftigkeit geprägt (vgl. S.91/Z.29). Cipolla ist äußerst selbstsicher und sagt auch über sich aus, dass er „ein Mann mit einiger Eigenliebe sei“ (S.95/Z.7). Er ist so sehr von sich und seinen Künsten überzeugt, dass er es nicht nötig hat, einen guten Abend zu wünschen, da dieser, dank ihm, nur gut werden kann. Einen an ihn gerichteten Wunsch des Publikums fasst er sogar als Beleidigung auf (vgl. S.95/Z.8ff.). Der Erzähler beschreibt Cipollas Verhalten als „arrogant“ (S.92/Z.16).

6.1.2 Die Familie

Die Familie ist deutschsprachig und möchte in Italien, in Torre, einfach nur eine schöne Urlaubszeit verbringen. Sie haben eine achtjährige Tochter (vgl. S.84/Z.6) und einen etwas jüngeren Sohn. „Ärger, Gereiztheit, Überspannung lagen von Anfang an in der Luft“ (S.75/Z.2), was man der Erzählweise des Vaters anmerkt. Sogar über das gute Wetter beschwert er sich (vgl. S.81/Z.11f.).

6.1.3 Mario

Mario stammt aus einfachen Verhältnissen, der Vater ist Schreiber, die Mutter Wäscherin. Er selbst arbeitet als Kellner im „Esquisito“, einem Gartencafé, welches die Erzähler-Familie des Öfteren besucht. Er ist zwanzig Jahre alt und hat eine untersetzte Statur (vgl. S.121/Z.14). Mario wird als „träumerisch“ und manchmal „leicht geistesabwesend“ (S.121/Z.33) beschrieben. Er bemüht sich nicht, als liebenswürdig zu erscheinen (vgl. S.122/Z.1f.) und sein Lächeln ist schwermütig (S.112/Z.34). Aber er wirkt freundlich und in seinem Ausdruck liegt keine Brutalität (vgl. S.121/Z.26). Die Kinder können ihn gut leiden. Sie scherzen sogar ein wenig mit ihm während der Vorstellung.

6.2 Gegenüberstellung der Personen:

Zuschauer (Familie, Mario) - Cipolla

Das Publikum wird in zwei verschiedene Klassen aufgeteilt. Es gibt Parterresitzplätze, wo sich die Familie befindet, und an den Seiten und hinten Stehplätze, wo sich das normale Volk einfindet („halbnackte Arme, […] Fischervolk, unternehmend blickende junge Burschen“ (S.89/Z.2ff.)), darunter auch Mario. Cipolla macht sich diese Aufteilung zunutze. Er sucht sich für seine Vorführung immer Personen aus der stehenden Gruppe und hütet sich, „den vornehmen Teil des Publikums zu belästigen“ (S.98/Z.26f.). Er behandelt die herausgesuchten Personen von oben herab und zeigt „vollkommene Überlegenheit“ (S.101/Z.7). Seine Autorität nimmt im Laufe des Abends immer mehr zu, da er sich durch den Applaus des Publikums gestärkt fühlt (vgl. S.117/Z.4ff.). Der Erzähler steht dem Zauberer von Anfang an skeptisch gegenüber und betrachtet alles an ihm kritisch, so auch sein Abzeichen für den Adelstitel, das er für reinen „Humbug“ (S.92/Z.36) hält. Jedoch auch er ist teilweise von den Künsten des Cipolla fasziniert(vgl. S.97/Z.35; S.104/Z.31). Ihm geht es wie dem Rest der Zuschauer, deren Gefühle für den Zauberer von „höchst gemischter Natur“ (S.111/Z.32) sind. Obwohl der Zauberer es schafft, sein Publikum zu beeindrucken, ist er bei diesem keineswegs beliebt: „eine gewisse Abneigung und Aufsässigkeit war durchzufühlen“ (S.105/Z.22). Die Ablehnung verstärkt sich sogar soweit, dass das Publikum Cipolla seinen Erfolg nicht gönnt und wünscht, ihn verlieren zu sehen (vgl. S.109/Z.2). Cipolla wiederum kommt diese Antipathie ihm gegenüber nicht ungelegen, er fordert sie sogar durch sein arrogantes Verhalten heraus. Er selbst behandelt seine Zuschauer, zumindest den stehenden Teil, mit Verachtung (vgl. S.99/Z.19; S.103/Z.31ff.) und spricht zu ihm mit „echter Gehässigkeit“ (S.96/Z.11).

6.3 Cavaliere Cipolla als Künstler

Cipolla kündigt sich auf den aushängenden Plakaten als „fahrender Virtuose[1], „Unterhaltungskünstler“, „Forzatore“, „Illusionista[2] und „Prestidigitatore[3] an (S.87/Z.21). Von diesen angekündigten Kunststücken bekommt der Zuschauer so gut wie nichts zu sehen. Zu Anfang macht er ein Zahlenspiel, was auf den ersten Blick wie ein Zauberkunststück wirkt und von den Kindern auch als ein solches aufgefasst wird. Die Erwachsenen durchschauen jedoch, dass das Kunststück weniger mit Zauberkraft als mit der Kunst des Hypnotisierens zu tun hat (vgl. S.104/Z.22ff.). Auch hinter der darauf folgenden Vorführung - aus einem Kartenspiel müssen die gleichen Karten gezogen werden wie sie zuvor der Zauberer gezogen hat (vgl. S.105/Z28ff.) - steckt nicht nur irgendein Trick. Cipolla beeinflusst die Zuschauer so, dass sie die Karte ziehen, die er vorgesehen hat (vgl. S.106/Z.5; S.106/Z.28). Cipolla täuscht mit den Plakaten das Publikum. Es wird erwartet, dass er ein ganz normaler Zauberer ist, dessen Künste eher bescheiden sind (vgl. S.87/Z.35). Stattdessen tritt er als Hypnotiseur auf und zwingt einzelne Personen aus seinem Publikum dazu, entwürdigende Dinge zu tun (vgl. S.114/Z.28). Der Erzähler vermutet, dass Cipolla diesen Plakatschwindel nur begeht, um polizeiliche Bestimmungen zu umgehen, die einen Hypnotiseur als Schausteller sicherlich verbieten würden (vg. S.113/Z.8ff.).

Cipolla ist nicht zu unrecht von seinen Künsten überzeugt. So schafft er es ohne weiteres seinem Publikum zu „imponieren“ (S.96/Z.21) und „bewunderungsvollen Beifall“ (S.109/Z.22) hervorzurufen. Auch die Kinder sind von seinem Auftritt begeistert, obwohl sie kaum etwas verstehen. Cipolla schafft es, sein Publikum so zu fesseln, dass die Familie die Vorstellung in der Pause nicht verlässt, wie sie es eigentlich vorgehabt hatte.

Cipollas Erfolg geht meist auf Kosten derer, die er unwillig macht, die er hypnotisiert (vgl. S.97/Z.34; S.98/Z.8). Er spielt das Publikum gegeneinander aus ohne Rücksicht auf irgendwelche Gefühle oder Privatsphären. Cipolla fungiert als Regisseur, er lässt andere Leute Dinge tun, über die sich das Publikum belustigt. Dies ist ein großer Unterschied zu einem normalen Zauberkünstler, von dem erwartet wird, dass über ihn selbst gelacht wird.

7. Vergleich der Künstler Spinell und Cipolla

Beide Künstler wirken auf den Leser unangenehm und werden als unsympathisch dargestellt. Nicht nur durch ihr Verhalten, sondern auch durch ihr Äußeres wird dieser Eindruck bestärkt. So ist in beiden Novellen des Öfteren ein Hinweis auf ihren schlechten Zahnzustand vorzufinden. Sowohl Spinell als auch Cipolla versuchen dies durch eine auffällige und elegante Garderobe auszugleichen – Spinell trägt einen langen schwarzen Rock und eine farbig punktierte Weste (vgl. S.23/Z.5f.), Cipolla einen weiten schwarzen und ärmellosen Radmantel mit Samtkragen und atlasgefütterter Pelerine, weiße Handschuhe und einen weißen Schal, auf dem Kopf hat er einen geschweiften Zylinderhut (vgl. S.91/Z.8ff.). Keiner von beiden ist bei anderen Personen beliebt. Im Gegensatz zu Spinell bemüht sich Cipolla aber auch nicht darum. Spinell hingegen schreibt „zahlreiche Briefe“ (S.70/Z.13) worauf er aber „belustigenderweise“ (S.70/Z.15) keine Antwort bekommt. Auch hat er zumindest zu einer Person, Frau Klöterjahn, ein freundschaftliches Verhältnis, und diese empfindet ihm gegenüber keine Abneigung, wenn sie ihn aber auch als „wunderlichen Kauz“ bezeichnet (S.36/Z.10). Ansonsten ergeht es Spinell ähnlich wie Cipolla. Von den anderen Patienten wird er als „verwester Säugling“ bezeichnet, und auch Doktor Leander hält „keine großen Stücke“ (S.27/Z.19) auf ihn. Bei beiden ist die Isolation, ein Problem vieler Künstler, deutlich erkennbar. Spinell versucht sie ein wenig zu verbergen, während Cipolla sie sogar noch provoziert. Daran wird ihre grundverschiedene Einstellung zum Künstlerdasein deutlich.

Der stille, zurückhaltende Spinell hat eine genaue Vorstellung von seinem Leben als Künstler und versucht, es auch dementsprechend zu gestalten. Er verhält sich so, wie man sich einen typischen Künstler und Schriftsteller vorstellt und vereint sämtliche Merkmale eines Künstlers auf sich. Spinell schreibt Briefe, da dies zu einem Schriftsteller passt. Er zieht sich lieber in sein Zimmer zum Arbeiten zurück, als mit den anderen Patienten einen Ausflug mit dem Schlitten zu unternehmen (vgl. S.48/Z.26f.). So muss er auch mit den Konsequenzen leben und die weniger guten Seiten des Künstlerlebens kennen lernen: Beispielsweise die fehlende Achtung und Beachtung der Gesellschaft - der Erzähler bezeichnet seine Arbeit skeptisch als „zweifelhafte Tätigkeit“ (S.49/Z.3) – und die Abgegrenztheit, die das Künstlerleben mit sich bringt. Spinell ist es äußerst wichtig auch von Außenstehenden als Künstler angesehen zu werden.

Cipolla hingegen ist kein Künstler des Künstlerseins wegen. Er bezeichnet sich nur als solcher um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Er ist ein Hypnotiseur und liebt es, Macht ausüben zu können. Er hypnotisiert seine Opfer, sodass sie ihm blindlings folgen und all seinen Befehlen gehorchen. Ihn stört es offensichtlich nicht, dass er bei seinem Publikum unbeliebt ist, im Gegenteil, er behandelt es sogar mit echter Gehässigkeit (vgl. S.96/Z.11). Umso deutlicher wird, dass das Publikum ihn ablehnt, umso deutlicher wird auch, dass er seine Zuschauer in der Hand hat. Der Erzähler nennt seine Hypnotisierung zuerst „Mogelei“ (S.107/Z.25) steigert dies später jedoch, indem er sie als „pure Behexung“ (S.115/Z.23) bezeichnet.

Aber nicht nur Haltung der beiden Künstler zum Künstlerleben ist verschieden, auch ihr Charakter ist gegensätzlich. Spinell scheint schwach und nicht sehr durchsetzungsstark. Er schreibt Herrn Klöterjahn zwar einen Brief, in dem er ihm gegenüber auch deutlich seine Meinung vertritt (vgl. S.70/Z.23-S.78/Z.16), aber schon darauf hinweist, der Verlierer zu sein (vgl. S.78/Z.3f.). Bei der direkten Konfrontation mit ihm zieht er deutlich den Kürzeren und muss klein beigeben. Er schafft es nicht einmal mehr, sich gegen den kleinen Sohn durchzusetzen und muss vor ihm „ innerlich davonlaufen“ (S.92/Z.11). Spinell zwingt sich zu Unbequemlichkeiten, wodurch er sich gestärkt fühlt, nennt sie aber selbst „Heuchelei“ (S.33/Z.2), da er sich seiner Schwächen bewusst ist.

Cipolla indessen ist durchsetzungsstark, von sich selbst und seinem Können überzeugt und würde nie irgendwelche Schwächen zugeben (vgl. S.95/Z.17). Er steht sich selbst nicht wie Spinell kritisch gegenüber und glaubt in seinem Leben viel zu leisten (vgl. S.95/Z.19ff.), während Spinell seine „Unnützlichkeit“ (S.32/Z.6) quält. Cipolla ähnelt in seinem selbstbewussten Auftreten Herrn Klöterjahn und dies lässt vermuten, dass Spinell ein leichtes Opfer für seine Show wäre.

8. Fazit

Thomas Mann bringt in seinen Novellen deutlich das ambivalente Verhältnis von Künstler und Gesellschaft zum Ausdruck.

Die Künstler werden häufig unterschätzt und ihre Arbeit findet keine Anerkennung. Es gibt Vorurteile gegen sie und der Zuschauer ist überrascht, wenn dem Künstler dann doch etwas gelingt, da er es nicht von ihm erwartet. Thomas Mann beschreibt seine Künstler vom Aussehen her alles andere als ansprechend, einen Hinweis darauf, dass sich die Gesellschaft nur zu oft von Äußerlichkeiten beeinflussen lässt.

Es bildet sich eine Art Teufelskreis. Um mehr Annerkennung zu erfahren greift der Künstler auf Dinge zurück, die die Gesellschaft demütigen, entwürdigen, teilweise sogar menschenverachtend sind. Dadurch fühlt sich die Gesellschaft wiederum provoziert, den Künstler durch noch weniger Beachtung und sogar Verachtung, zu strafen.

Aber die Schuld liegt nicht nur auf Seiten der Gesellschaft, sondern ist auch bei den Künstlern selbst zu suchen. Ihr Verhalten stößt die Gesellschaft vor den Kopf und provoziert diese somit, in einer ebenfalls ablehnenden Art und Weise darauf zu reagieren.

Das ganze Problem ist nur zu lösen, indem beide Seiten ihre Fehler erkennen, einsehen und sich unvoreingenommen mit der Problematik auseinandersetzten. Sicherlich werden diese Schwierigkeiten in der breiten Öffentlichkeit auch gar nicht erst vollständig wahrgenommen. Mit seinen Novellen erreicht Thomas Mann weite Personenkreise und kann somit auf das Problem, von dem vielleicht sogar er selbst sich betroffen fühlt, aufmerksam machen.

Durch seine oft ironischen Texte macht er deutlich, dass der Künstler nicht ernst genug genommen wird und auch unbekannte Künstler, die nicht so begabt sind wie andere, Achtung verdienen. Denn ein Künstler bemüht sich – an dieser Stelle noch einmal das Zitat von Maurois - „neben der wirklichen Welt eine menschlichere zu schaffen“[1]; er versucht somit, durch sein Schaffen der Allgemeinheit einen Dienst zu erweisen. Dieser Versuch sollte die Unterstützung der Gesellschaft haben.

Anhang

Literaturverzeichnis

Brockhaus – Die Enzyklopädie in 24 Bänden

Band 12

Wiesbaden, 1996

Microsoft Encarta Professional 2002

Thomas Mann – Tristan

Fischer Taschenbuch Verlag

Frankfurt am Main, 1991

ISBN 3-596-10572-2

Thomas Mann – Tonio Kröger; Mario und der Zauberer

Fischer Taschenbuch Verlag

Frankfurt am Main, 1995

ISBN 3-596-21381-9

http://ehs.schulen.bonn.de/kunst.htm

Erklärung

Ich versichere, dass ich diese Facharbeit selbstständig angefertigt und alle von mir verwendeten Hilfsmittel, insbesondere benutzte Literatur und Internetseiten, angegeben habe.

[...]


[1] Joseph Beuys, dt. Künstler (1921-1986), Quelle: Microsoft Encarta Professional 2002.

[2] Aristoteles, Philosoph (384-322 v. Chr.), Quelle: Brockhaus in fünfzehn Bänden 2000.

[3] André Maurois, eigtl. Émile Salomon Wilhelm Herzog, frz. Schriftsteller (1885-1667), Quelle: http://ehs.schulen.bonn.de/kunst.htm.

[1] Spinell: Magnesiumaluminat; Quelle: Microsoft Encarta Professional 2002.

[2] Klot, Pl.: Klöte(n) niederdeutsch für Hoden Quelle: Duden.

[1] ausübender Künstler, meisterhafter Könner seines Fachs. Quelle: Microsoft Encarta Professional 2002.

[2] Zauberkünstler. Quelle: Microsoft Encarta Professional 2002.

[3] Taschenspieler. Quelle: Microsoft Encarta Professional 2002.

[1] André Maurois, eigtl. Émile Salomon Wilhelm Herzog, frz. Schriftsteller (1885-1667), Quelle: http://ehs.schulen.bonn.de/kunst.htm

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Details

Titel
Mann, Thomas - Vergleichende Untersuchungen zum Künstlermotiv in Thomas Manns Novellen "Tristan" und "Mario und der Zauberer"
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V107872
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mann, Thomas, Vergleichende, Untersuchungen, Künstlermotiv, Manns, Novellen, Tristan, Mario, Zauberer
Arbeit zitieren
Luisa Stürmer (Autor), 2003, Mann, Thomas - Vergleichende Untersuchungen zum Künstlermotiv in Thomas Manns Novellen "Tristan" und "Mario und der Zauberer", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107872

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