Kirche und konfessioneller Wandel in Galizien bis zum Ersten Weltkrieg


Seminararbeit, 2002
11 Seiten, Note: 1,8

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Galizien in der Zeit der Kiewer Rus

3. Galizien unter polnischer Herrschaft

4. Galizien als Kronland der habsburgischen Monarchie

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Galizien war ein ehemaliges Kronland der österreichischen Monarchie. Man nahm es unter der Bezeichnung „Galizien und Lodomerien“ 1772 in das Königreich auf und bezog sich bei der Namensgebung auf die lateinische Entsprechung bei der mittelalterlichen Titulatur ungarischer Könige „Galiciae Lodomeriaeque Rex“. Galizien setzte sich aus dem Südosten des heutigen Polens und dem Westzipfel der Ukraine zusammen. Aufgrund der geografischen Lage, in der es sich befand, war es einer einzigartigen gesellschaftlichen und politischen Entwicklung erlegen.

Seit dem Mittelalter war Galizien ein Durchzugsgebiet für den Handel. Nicht nur griechische und italienische, sondern vor allem jüdische und armenische Kaufleute bereicherten die Region mit ihrer Kultur. Hier wurde das Abendland, das westliche Europa, mit der Schwarzmeergegend verbunden, Okzident traf auf Orient. Nicht nur, dass das Gebiet Galiziens einen kleineren Teil eines großen Raumes im Schnittpunkt der Kulturen[1] bildete, hier befand sich außerdem das Grenzgebiet der beiden bedeutendsten Religionen Europas, hier sollten der römische Katholizismus und die griechische Orthodoxie, die sich beide seit dem entgültigen Schisma (der Spaltung der christlichen Kirche im Jahre 1054) immer weiter voneinander weg entwickelten und unvereinbare Gegensätze hervorbrachten, miteinander verschmelzen. Offiziell entstand hier eine griechisch-katholische Mischehe, die unierte Kirche.[2]

Am Anfang des 19. Jahrhunderts kam es in Europa zum Erwachen der Nationen. Die Menschen begannen ein eigenes Nationalbewusstsein zu entwickeln und sich einer Nation zugehörig zu fühlen. Während in Westeuropa die Nationalbewegung durch eine gebildete Bürgerschicht in den Städten entstand und gefördert wurde, übernahm diese Rolle in Galizien die unierte Kirche. Wie es zu der Entstehung dieser Kirche kam, welche Konflikte damit parallel liefen und vor allem den wichtigen Stellenwert der unierten Geistlichkeit bei der Herausbildung des ukrainischen (ruthenischen) Nationalbewusstseins soll diese Arbeit versuchen zu verdeutlichen. Dabei wurde die Gliederung in drei Abschnitte vorgenommen. Jeder Abschnitt behandelt das Gebiet Galiziens unter der jeweiligen Herrschermacht, der Kiewer Rus, dem Königreich Polen (-Litauen) und der Habsburger Monarchie, wobei letzterer den Schwerpunkt bilden soll.

2. Galizien in der Zeit der Kiewer Rus

Der Name Galizien leitet sich von Halicz ab, einer Stadt im gleichnamigen Fürstentum. Im 11. Jahrhundert wurden Halicz und andere Städte der Region (z.B. Przemysl) vom Kiewer Fürsten Vladimir „dem Großen“ unter seine Herrschaft gebracht und in das Gebiet der Kiewer Rus eingegliedert. Die Rus war kein fester Staatsapparat sondern ein eher lockeres politisches Gebilde. Die kulturellen Bande, allen voran die Religion, spielten eine weitaus wichtigere Rolle als der politische Zusammenhang.

Die Religion in Galizien war das orthodoxe Christentum, das im 10. Jahrhundert über Kiew empfangen wurde. Als Sprache übernahm man das Altkirchenslawische. Zur selben Zeit nahmen die Gebiete westlich Galiziens das römische Christentum an. Diese Konfessionsgrenze setzte sich Richtung Süden fort, wo das römisch-katholische Ungarn, Slowenien und Kroatien direkt mit den griechisch-orthodoxen Regionen der Moldau, der Walachei, Serbiens, Bosniens, Montenegros, Mazedoniens und Bulgariens benachbart waren. Man betete zwar zu dem selben Gott in ähnlichen Sprachen, doch unterschieden sich die beiden Riten, der westliche und der östliche, voneinander. Der Ablauf der gottesdienstlichen Handlungen war unterschiedlich. Diese konfessionelle Grenze wurde bald auch eine Grenze zweier verschiedener Kulturräume.

Viel ist heutzutage über das Fürstentum Halicz nicht mehr bekannt, regiert wurde es zunächst von einem Zweig der Rurikiden-Dynastie, den Rostislaviden, benannt nach Fürst Rostislav. Ansprüche auf den galizischen Thron hegten auch die beiden Nachbarn Wolhynien und Kiew und beide führten des öfteren kriegerische Auseinandersetzungen miteinander. Als im Jahre 1199 die Rostislaviden ausstarben, holte sich der landsässige Adel einen Fürsten aus Wolhynien als Regenten ins Land. Das Fürstentum Galizien-Wolhynien war fortan unter der Herrschaft der Romanovici vereint. Nach dem Untergang des Kiewer Reiches als Folge der Mongoleneinfälle erwarb Galizien-Wolhynien eine gewisse Vormachtstellung in der Region. Unter Fürst Danilo[3] und seinem Sohn Lev sollte es seine Blütezeit erleben. Es kam zur Ansiedlung von Bevölkerung aus dem Osten und dem Westen, das Städtenetz wurde ausgebaut und die Landesentwicklung gefördert. Im Jahre 1253 wurde Fürst Danilo sogar vom römischen Papst die Königskrone verliehen, was Symbolcharakter für die westliche Orientierung eines orthodoxen Staatswesens hatte. Lemberg wurde die Hauptstadt des Fürstentums und in der Stadt Halicz wurde 1303 ein eigener Metropolitansitz errichtet. Diese Errungenschaften waren wichtige Konstanten für eine eigene politische Herrschaft, hätten die Basis für die Bildung eines eigenständigen Fürstentums bilden können, aber dazu sollte es nicht kommen. Im 14. Jahrhundert starb auch die Herrscherfamilie der Romanovici aus und eine Autonomie Galizien-Wolhyniens wurde durch Herrschaftsansprüche der Nachbarreiche unmöglich gemacht. Aus den Auseinandersetzungen um Galizien zwischen Polen, Litauern und Ungarn gingen die Polen als Sieger hervor. 1434 wurde Galizien-Wolhynien annektiert, Halicz ging an das polnische Königreich, der Rest der heutigen Ukraine und Weißrusslands an Litauen. Diese Aufteilung des Gebietes, dessen Herauslösung aus dem orthodoxen Kulturraum der Kiewer Rus, schuf (rückblickend betrachtet) die Grundlagen für die Herausbildung eigener ukrainischer und weißrussischer Nationen.

3. Galizien unter polnischer Herrschaft

Das Fürstentum Halicz hörte namentlich auf zu existieren. Es wurde unter der Bezeichnung Rotreußen in das polnische Reich integriert. Ein Gebiet mit orthodoxer Bevölkerung, den Ukrainern (bis 1918 offiziell Ruthenen genannt)[4], kam unter eine katholische Herrschaft. Diese Situation sollte ein erhebliches Konfliktpotential in sich bergen.

Galizien war nun vom orthodoxen russischen Nordosten getrennt, Rotreußen polnisches Ostgebiet geworden. Die polnischen Könige betrieben eine aktive Siedlungspolitik, was zur Bevölkerungszuwanderung aus Kleinpolen und Schlesien in dieses sehr dünn besiedelte Gebiet führte. Außerdem kamen viele armenische, seit dem späten Mittelalter vor allem jüdische Kaufleute ins Land. Mit Privilegien durch den Adel ausgestattet, ließen sie sich in Städten nieder und fungierten als Katalysatoren für den Handel, vor allem aber bereicherten sie den Kulturraum Galiziens enorm.

Auch der polnische Adel siedelte sich mehr und mehr in Galizien an und diese zunehmende Ausbreitung hatte bald die Benachteiligung des ruthenischen Adels zur Folge. Zunächst gewährte man den Ruthenen den Status quo in Recht, Sprache, Besitz und Religion, doch um Rotreußen besser im Königreich zu integrieren, kam es zur Ausdehnung katholischer Bistumsstrukturen. Zwar tolerierte die polnische Herrschaft den griechisch-orthodoxen Glauben, doch die orthodoxe Kirchenhierarchie wurde von katholischer Seite aus weniger tolerant behandelt. Orthodoxe Eparchien wurden durch katholische Bischofssitze ersetzt und orthodoxe Kirchen and die Katholiken abgetreten. Privilegierung wurde an die katholische Religion gebunden und dies verstärkte den Druck auf den ruthenischen Adel. Diese zunehmende Benachteiligung führte dazu, dass viele ruthenische Adlige zum Katholizismus konvertierten. Wer dies tat, musste sich erneut taufen lassen. Die katholische Kirche erkannte die orthodoxe Taufe nicht an und die katholische Lehrmeinung zählte die orthodoxen Einwohner des Landes zu den ungetauften Heiden.

Die sich von Deutschland her ausbreitende Reformation im 16. Jahrhundert hatte kaum Auswirkungen in Galizien, erst die Gegenreformation brachte die Idee einer Kirchenunion, einer Vereinigung der römisch-katholischen mit der griechisch-katholischen Kirche. Die Union von Brest 1596 verwirklichte diese Idee. Mit Unterstützung vieler weißrussischer und ukrainischer Magnaten entstand die griechisch-katholische Kirche, allgemein als unierte Kirche bezeichnet. Diese Kirche behielt ihren byzantinischen Ritus bei sowie die Liturgie in ihrer Sprache, den Julianischen Kalender und das Recht der Geistlichen, die Ehe einzugehen, jedoch unterstand sie formell nun direkt dem römischen Papst. Da dies aber auf den Ablauf der gottesdienstlichen Handlungen keine Auswirkungen hatte, änderte sich auch für den ruthenischen Bauern nichts am Kirchenleben. Die Union von Brest mochte für die Bischöfe und hohen Geistlichen von Bedeutung gewesen sein, den Bauern interessierte sie wenig. Solange sich an seinem sonn- und feiertäglichen Gottesdienst nichts änderte, war es ihm egal, was für einen Namen seine Kirche trug und wem sie unterstellt war. Zwar traten anfangs nur Minderheiten der unierten Kirche bei, doch waren um 1700 nahezu alle orthodoxen Diözesen in Galizien, fast jeder ruthenische Bauer uniert. Der Beitritt in die unierte Kirche war freiwillig. Für eine Annäherung der beiden Kirchen, der katholischen und der orthodoxen, konnte die Union von Brest nicht sorgen. Die Gräben zwischen beiden wurden nicht geschlossen, vielmehr vertieften sie sich. Die unierte Kirche wurde kaum anerkannt. Von katholischer Seite aus betrachtete man die Unierten als nicht vollwertige Katholiken, die Orthodoxen bezeichneten sie als Schismatiker und Abtrünnige. Orthodoxe und Unierte führten oft heftige Auseinandersetzungen miteinander, was weitere ruthenische Adlige dazu bewog, dem Katholizismus beizutreten, da man die Ostkirche als schwach empfand. Bis zum 17. Jahrhundert war nahezu der gesamte ruthenischen Adel zum katholischen Glauben konvertiert und hatte die polnische Kultur angenommen, bediente sich der polnischen Sprache und Sitten und übernahm polnische Familiennamen, während die Bauern Galiziens der unierten Kirche angehörten und ihre ruthenische Kultur beibehielten.

Aus diesen mittelalterlichen religiösen Bewegungen sollte bald ein enormes Konfliktpotential entstehen. Die Gegensätze der beiden Konfessionen und Kulturen entstanden erst durch die Trennung zwischen Adel und Bauerntum. Vorher gab es das nicht in der Bevölkerung, verschiedene religiöse Gruppen lebten doch vorwiegend friedlich miteinander zusammen. Noch im Jahre 1423 musste der polnische König den Katholiken verbieten, sich bei den Orthodoxen taufen zu lassen[5]. Jetzt aber waren die Gegensätze geschaffen. Die armen ausgebeuteten Bauern Galiziens waren Ruthenen und Mitglieder der unierten Kirche, der grundbesitzende Adel war polnisch und katholisch. Die Konfession wurde zum Aushängeschild der nationalen Abstammung und des Standes. In Galizien standen sich „Bauernglaube“ und „Adelsglaube“ gegenüber, „Ukrainer“ sollte bald synonym für „Bauer“ stehen. Diese religiöse und kulturelle Strukturierung der galizischen Bevölkerung war wichtig für die weitere Entwicklung. Sie bildete die Grundlage für eine nicht mehr zu verhindernde, tiefe, unüberwindbare Feindschaft zwischen Ukrainern und Polen bis in die Gegenwart.

Der Adel war die einzige nationsbildende Bevölkerungsschicht. Er bestimmte die Politik Galiziens und machte sich den Bauernstand in jeder Hinsicht untertan. Die Bauern hatten für den adligen Gutsherrn Fronarbeit zu leisten, in einem Umfang, den es ihnen kaum noch ermöglichte, den eigenen kleinen Hof zu bestellen. Der Gutsherr war ständig in irgendeiner Art und Weise präsent. Der kleinstädtische Markt, auf dem die Bauern kauften und verkauften, wurde von ihm kontrolliert. Selbst hinter der örtlichen Schenke oder der Kirche, in der sich der ukrainische Bauer von seinem harten Arbeitsalltag zurückzuziehen versuchte, stand der Einfluss des Gutsherrn. Der Bauer war also einer ständigen Beobachtung und Repression ausgesetzt, dessen sich der daraus resultierende Frust des öfteren an einer anderen Bevölkerungsschicht, den Juden, entlud. Die Juden standen mit den ausgebeuteten Bauern in direktem Kontakt. Sie waren auf den Märkten als Händler tätig, arbeiteten als Gutsverwalter, als Mühlen- und als Schankpächter. Sie bildeten das Bindeglied zwischen Adligen und Bauern, symbolisierten die Ausbeutung durch den Gutsherrn, der weitab auf seinem Hof sein luxuriöses Leben führte. Oft waren die Juden die Leidtragenden des Hasses, den die ruthenischen Bauern gegenüber ihren polnischen Lehnsherren hatten.

4. Galizien als Kronland der habsburgischen Monarchie

Die drei polnischen Teilungen in den 70er und 90er Jahren des 18. Jahrhunderts ließen das Königreich Polen von der Landkarte verschwinden. Es wurde unter den drei benachbarten Großmächten Österreich, Preußen und Russland aufgeteilt. Bereits 1772 kam Galizien als Folge der ersten polnischen Teilung unter die Herrschaft Österreichs, es wurde als das Kronland „Galizien und Lodomerien“ in die Habsburger Monarchie integriert. Die östlichen Gebiete der heutigen Ukraine gingen nach der zweiten Teilung Polens an das russische Reich. Dort setzte sich die griechisch-orthodoxe Kirche durch, während die unierte unterdrückt wurde.[6] Im habsburgischen Galizien übten weiterhin die beiden Nationalkirchen der Polen und der Ruthenen ihren Einfluss aus.

Am 28. Juli 1774 wurde per königlichem Dekret die Umbenennung der unierten Kirche beschlossen. Vorausgegangen war diesem Beschluss eine Beschwerde des Lemberger Bischofs Septyc`kij, der beklagte, dass die Lateiner die unierten Kirchen als Synagogen und die Geistlichkeit nicht als Pfarrer sondern als Popen bezeichneten, obwohl sie doch auch katholisch waren. Die offizielle Bezeichnung der ruthenischen Nationalkirche sollte fortan die griechisch-katholische Kirche sein.

Die habsburgische Regierung praktizierte eine äußerst tolerante Politik, sowohl gegenüber den Ruthenen, als auch gegenüber den Polen. (Der Anteil dieser beiden Bevölkerungsgruppen im österreichischen „Galizien und Lodomerien“ hielt sich die Waage, mit einer leichten polnischen Mehrheit.[7] ) Die Ruthenen erhielten einige Sonderrechte in Form von Ausbildungsstätten für ruthenische Kleriker, den Polen gewährte man die Vormachtstellung und die Ausübung der politischen Macht. Diese Toleranzpolitik war bezeichnend für das Vielvölkerreich der Habsburger. Von Wien aus regierte man nach dem Prinzip „divide et impera“ (teile und herrsche). Man versuchte in Galizien (und auch in Ungarn) die verschiedenen Nationalitäten im Gleichgewicht zu halten und gegeneinander auszuspielen. Mit der Zufriedenstellung sowohl der Polen als auch der Ruthenen, hoffte man auf deren Loyalität zur Monarchie. Konflikte sollten beide Bevölkerungsgruppen untereinander austragen und nur nicht auf die Idee kommen, Wien für unbefriedigende Zustände verantwortlich zu machen.

Dieses Prinzip schien sich zu bewähren, denn in Galizien stand man der habsburgischen Politik sehr wohlwollend gegenüber. Die griechisch-katholische Kirche blühte während der Machtausübung Maria Theresias und Joseph II. regelrecht auf. 1774 wurde in Wien das Barbareum gegründet. Diese Einrichtung diente zur Ausbildung griechisch-katholischer Kleriker und bot den ruthenischen Galiziern günstigere Entfaltungsmöglichkeiten als in Lemberg, wo man sich ständiger Polonisierungsbestrebungen ausgesetzt sah. Die meisten der am Barbareum ausgebildeten Theologiestudenten wurden später Theologieprofessoren oder Bischöfe. Es kam zu Gründungen von Seminaren, die ebenfalls zur Ausbildung des griechisch-katholischen Klerus dienten und im Jahre 1808 wurde in Lemberg, zur Festigung der unierten Kirche, ein Metropolitansitz errichtet. Aufgrund dieser Errungenschaften waren die Ruthenen der österreichischen Regierung gegenüber sehr ergeben, feindlich gesinnt blieben sie gegenüber den Polen. Man empfand sich von ihnen weiterhin unterdrückt und die polnische Politik als anti-ruthenisch. Bis in das 19. Jahrhundert hinein bildeten die Ruthenen weiterhin die abhängige Bauernschaft, die Polen den besitzenden Adel. Daran sollte auch die europäische Revolution von 1848/49 nicht viel ändern. Während sich in Westeuropa die Bauern von ihrer Leibeigenschaft größtenteils befreien konnten, erhielt der polnische Adel diesen Zustand in Galizien aufrecht. Um 1850 hatten hier 200 polnische Adelsfamilien 568.000 Leibeigene[8]. Der österreichisch-ungarische Ausgleich von 1867 brachte auch für den polnischen Adel Zugeständnisse einer Art Autonomie für Galizien. Da er die einzige nationsbildende Bevölkerungsschicht bildete, lag nun die Ausübung der lokalen Verwaltung und das Bildungssystem komplett in seiner Hand. Galizien war auch das einzige Gebiet, in dem die Polen eine Landesverwaltung ausübten, sie hatten ja keinen eigenen Staat. Das polnische Reich existierte seit seinen Teilungen nicht mehr, die unter preußischer und russischer Herrschaft lebenden Polen genossen nie so weitgehende Rechte wie hier. Umso mehr konnten sie sich über ihre führende Rolle in Galizien freuen. Hier durften sie Gesetze verabschieden und taten dies auch in einer sehr eigensinnigen Art und Weise, die nur dem polnischen Bevölkerungsanteil zugute kam. Das Schulwesen war bereits Mitte des 19. Jahrhunderts fast vollständig polonisiert. Nun führte man als Unterrichtssprache an den Universitäten auch das Polnische ein, in Lemberg 1870, in Krakau 1871[9]. Statthalter waren seit den 70er Jahren nur noch Polen. Eine kaiserliche Verordnung machte 1869 das Polnische zur Dienstsprache bei Gerichten und Behörden. Die Kenntnisse des Polnischen waren für alle Beamten und Staatsdiener vorgeschrieben. Lediglich geistliche Kultusbehörden und Gemeinden hatten die freie Sprachwahl. Im galizischen Landtag wurde seit 1907 nur noch polnisch gesprochen. Gesetze wurden zwar in polnischer und ruthenischer Sprache niedergeschrieben, doch war die polnische Fassung die einzig authentische. An der Universität Lemberg gab es nur zwischen 1784 und 1810 ruthenische Vorlesungen, dann wieder ab 1849. Die Amtssprache an den Universitäten war polnisch, Immatrikulationsanträge in ruthenischer Sprache waren ab 1901 verboten.

Das 19. Jahrhundert war die Zeit der Nationalbewegungen in Europa. In Westeuropa begann man sich der eigenen Abstammung, der Zugehörigkeit zu einer ethnisch und kulturellen Gemeinschaft, also der eigenen Nation bewusst zu werden, angeschürt durch ein gebildetes Bürgertum in den Städten. Während in Deutschland eine bürgerliche Intelligenzschicht für die Errichtung eines einheitlichen deutschen Reiches agitierte, regten sich auch anderswo ähnliche Bestrebungen. Im Vergleich zu Westeuropa war Galizien ein ökonomisch kulturell sehr rückständiges Gebiet. 90% der Bevölkerung lebten um 1900 noch auf dem Land. Eine breite Intelligenzschicht in den Städten, die Basis für eine Nationalbewegung, gab es nicht. Der Analphabetismus betrug 70%. Die einzigen schreibkundigen Ruthenen waren anfangs nur die Geistlichen der griechisch-katholischen Kirche, Priester und andere Würdenträger. Durch die Unterdrückung der eigenen Sprache in Galizien, boten die theologischen Ausbildungsstätten in Wien eine viel bessere Entfaltungsmöglichkeit für ruthenische Kleriker. Zudem waren sie dort sozial und konfessionell besser gestellt, was ein höheres Bildungsniveau zur Folge hatte. Diese ruthenische Geistlichkeit integrierte sich gut in die Habsburger Monarchie, aber formte mit der Zeit und mit besserem Bildungsstand ihre eigene nationale Kultur aus. Diese gebildeten Kleriker sollten eine wichtige Rolle für die Bewusstseinsbildung einer nationalen Identität spielen.

Ein Beispiel für einen solchen Kleriker war Ivan Snihurs`kyi[10]. Er studierte von 1804 bis 1808 in Wien am Barbareum, assistierte dann an der St. Barabaras-Kirche bis er 1813 Pastor wurde. 1818 eröffnete er eine Lehrerschule. Er gründete 1829 eine diozösische Druckerei, die wichtige Arbeiten veröffentlichte und unterstützte materiell und moralisch den „Ruthenischen Kreis“ („Rus`ka Trijcja“). Dieser Kreis war eine Vereinigung von drei ruthenischen Schriftstellern, die 1837 den Almanach „Rusalka Dnestrovaja“ veröffentlichten[11]. Zwei Jahre zuvor erschien der erste poetische Almanach „Zorja“ („Der Stern“) in ruthenischer Sprache, 1848 die erste ruthenische Zeitung „Zorja Halyc´ka“ („galizischer Stern“)[12]. Ende 1848 wurde an der Universität Lemberg sogar ein Lehrstuhl für ruthenische Sprache und Literatur errichtet. An all diesen Errungenschaften, die für das sprachliche und literarisch-kulturelle Erwachen der Ruthenen verantwortlich waren, hatte die griechisch-katholische Geistlichkeit erheblichen Anteil. Die Kleriker genossen als einzig gebildete Bevölkerungsschicht ein hohes Ansehen bei den Ruthenen. Sie waren die intellektuellen Vorbilder und fanden bald ihre Anhänger und Nachahmer. Die meisten ruthenischen Studenten studierten demzufolge Theologie. Zwischen 1861 und 1901 besuchten an den Universitäten in Krakow und Lemberg 9% der polnischen Studenten die theologische Universität, währenddessen das 55% der ruthenischen Studenten taten.

Allmählich entwickelte sich in den Städten eine eigene nichtkirchliche Intelligenzschicht. Auch daran hatten einige Kleriker ihren Anteil. Bischof Iakhymovych zum Beispiel versuchte 1845 einen ruthenischen Jurastudenten an der Wiener Universität von der Teilnahme an einem Seminarium abzuhalten, mit der Begründung, ein Anwalt könne mehr für die Ukrainer tun als jeder Priester. 1947 bat Bischof Snihurs`kyi darum, dass Ivan Holovats`kyi seine Publikation einem prominenten ukrainischen Politiker oder Juristen widmen solle, um der Welt zu zeigen „dass nicht nur Kleriker wahre Ruthenen sind, sondern auch weltliche Personen mit hoher Würde ihre ruthenische Abstammung nicht ablehnen“[13] Während der 48er Revolution waren zwei von fünf Plätzen im ruthenischen Landtag für nichtkirchliche Vertreter reserviert. Doch den größten Anteil an der Bildung des Nationalbewusstseins hatte immer noch die unierte Geistlichkeit. Die ukrainische Sprache wurde in Galizien von der polnischen Adelsschicht weitgehend unterdrückt, mit wenigen Ausnahmen waren die Geistlichen die einzigen, die die ukrainische Schriftsprache beherrschten. Zwischen 1837 und 1850 waren von 43 veröffentlichten Büchern in ukrainischer Sprache 40 von Klerikern geschrieben. Doch in den 60er und 70er Jahren entwickelte sich die Intelligenzschicht in den Städten mehr und mehr und gewann zunehmend an Einfluss. Von diesen bürgerlichen Intellektuellen kamen nun die nationalen Ideen. Doch um eine wirkliche Nationalbewegung in Gang zu setzen, brauchten sie die breite Masse der Bevölkerung. Diese breite Masse befand sich nun auf dem Land, es waren die Bauern. Die Ukrainer in Lemberg waren zu wenige, sie konnten die Bauern nicht alleine mobilisieren, hatten sie doch so gut wie kaum Kontakt zu der ländlichen Bevölkerung. Die einzigen Bindeglieder zwischen beiden Gruppen bildeten die Geistlichen. Sie hatten direkten Kontakt zu beiden und stellten sich für die Mobilisierung der Bauernschicht zur Verfügung, ja stellten sich durch ihre Arbeit sogar an die Spitze der Nationalbewegung. Der polnische Historiker Stefan Kieniewicz bezeichnete die ukrainische Nationalbewegung später als „die klerikalste Nationalbewegung in Europa“[14]. Von 1860 bis 1890 waren Priester in Städten und Dörfern aktiv. Sie schufen die Infrastruktur populärer Massenbewegungen. Sie gründeten Leseklubs, nahmen an der Politik teil als Agitatoren und Repräsentanten auf jeder Regierungsebene, vom Dorfausschuss bis zum Parlament. Ein Bischof leitete die oberste ruthenische Ratsversammlung. Die ersten Sitzungen dieser Versammlungen fanden in der St. Georgs Kathedrale statt, später in der Halle des theologischen Seminars. Ohne kirchliche Hilfe wäre die Entwicklung der ukrainischen Bewegung nicht möglich gewesen.

Um eine Massenbewegung aufzubauen, wurde 1868 in Lemberg eine Gesellschaft namens „Prosvita“ (Aufklärung) gegründet. Diese Gesellschaft veröffentlichte preiswerte Bücher für Bauern und half Leseklubs in Dörfern zu errichten. Intellektuelle schrieben in Lemberg und die Priester brachten die Literatur den Bauern.

Ab den 70ern schufen Pastoren Einrichtungen der Begegnung und zum Austauschen von Meinungen in Dörfern. Bischöfe und Priester förderten mit allen Mitteln die Volksbildung in ruthenischer Sprache. In den Lesehallen gaben sie Unterricht zur Agronomie (Landwirtschaftstechnik) und gründeten Druckereien.

Die national-politische Intelligenz intensivierte ihre Aktivität in den 70ern und 80ern. Sie gründeten eine populäre Zeitung „Bat`kivshchyna“ für Bauern, ein sehr politisches Blatt. 1890 waren drei Viertel der Bauern Analphabeten, deswegen waren die Leseklubs so populär und wichtig. Diese Leseklubs kamen regelmäßig an Sonn- und Feiertagen zusammen. Nach den Gottesdiensten versammelte man sich in dafür geschaffenen Lesehallen, in privaten Häusern, in Schulen oder sogar auf Friedhöfen. Die Teilnahme an den Leseveranstaltungen ließ die Bauern an der ukrainischen Politik teilhaben, machte sie sozusagen zu Mitgliedern einer Gesellschaft. Die Bauern traten der Nation bei und die ukrainische Nation wuchs durch die Ausdehnung dieser Klubs und Institutionen.

Was waren die Gründe warum die griechisch-katholische Geistlichkeit die Trägerrolle der ukrainischen Nationalbewegung übernahm? Zum einen war es die Ablehnung der Priesterschaft gegenüber der römisch-katholischen Kirche, die fortwährend versuchte, Einfluss auf die unierte Kirche auszuüben. Versuche einiger Gemeinden den Julianischen Kalender abzuschaffen, weil er viele Doppelfeiertage begründete, dafür den Gregorianischen einzuführen, und die Befürchtung, die Ruthenen latinisieren zu wollen, verhärtete die Fronten zwischen beiden Bevölkerungsgruppen. Schlägereien zwischen polnischen und ruthenischen Studenten an der Lemberger Universität waren keine Ausnahme[15]. Die Pfarrer sahen sozusagen in der Nationalbewegung auch eine Bewegung der gesamten ruthenischen Glaubensgemeinschaft, sich gegen die römisch-katholischen Einflüsse zu behaupten. Dabei machten sich die Geistlichen natürlich die Feindseligkeit der armen ruthenischen Bauern gegenüber den polnischen Gutsbesitzern (aber auch gegenüber den jüdischen Pächtern[16] ) zu Nutzen. Zum anderen festigte die Priesterschaft mit ihrer Aktivität ihre Monopolstellung bei der Ausbildung der dörflichen Gemeinschaft. Priester waren die Chefs der Leseklubs. Da sich die Intelligenz in den Städten zunehmend radikalisierte und auch immer mehr antiklerikale Ansichten vertrat, war es für die Geistlichen sehr wichtig, die Entscheidungsgewalt über die Auswahl der Lektüre zu haben. Die Bauern nahmen zwar durch die Leseveranstaltungen an der Politik teil, doch die Priester konnten sie bei der Meinungsbildung beeinflussen. Die Priester spielten also in der Anfangszeit der Nationalbewegung die entscheidende Rolle, hatten den größten Einfluss bei deren Erschaffung. Doch dauerte es nicht mehr lange bis sie diesen Einfluss wieder verloren und zum Opfer des ukrainischen Nationalismus wurden.

In den 50er und 60er Jahren spaltete sich die Bewegung in zwei Lager. Auf der einen Seite standen die sogenannten svjatojurci[17], die Altruthenen. Die Führer dieses Lagers waren meist konservative griechisch-katholische Geistliche, die die Ruthenen als einen Zweig des russischen Volkes sahen, sich somit zur russischen Nation zugehörig fühlten und für das Russische oder Altkirchenslawische als Literatursprache eintraten. Auf der anderen Seite standen ukrainisch gesinnte Jungruthenen, die sich als von Russen und Polen gleichermaßen verschiedenes Volk sahen. Die Altruthenen wurden von den polnischen Landesbehörden unterstützt, da sie als weniger gefährlich und als Verbündeter gegen den ukrainischen Nationalismus betrachtet wurden. Doch verloren sie in den 80er Jahren immer mehr an Einfluss. Diese polnische Unterstützung steigerte den Polenhass bei den ukrainophilen Jungruthenen umso mehr. 1890 gründete sich die Ukrainische Radikale Partei (Ukrains`ka Radykal`na Partija), die ein agrarsozialistisches antiklerikales Programm vertrat und 1899 die Nationaldemokratische Partei, aus einem gemäßigten Flügel der Jungruthenen bestehend. Beide Parteien hofften auf die Vereinigung aller Ukrainer in einem eigenen Nationalstaat. Ihre Hauptziele richteten sich auf die Entpolonisierung des Schul- und Universitätswesens und auf die Reform des Wahlrechts und der galizischen Landesverfassung.

Mit der fortschreitenden Entwicklung der ukrainischen Nationalbewegung nahm der Einfluss und die Radikalität populistischer Intellektueller immer mehr zu. Diese Radikalen waren keine Befürworter der Kirche, sondern viele von ihnen sogar Gegner des kirchlichen Einflusses auf die Nationalbewegung. In den dörflichen Leseklubs hingen bald radikale Aushänge mit antiklerikalem Inhalt, die von den Priestern entfernt werden mussten. Bald verloren viele Priester ihre Positionen, wurden von ihren Ämtern als Vorsitzende der Leseklubs enthoben und durch weltliche Ukrainer ersetzt. Bevor diese Leseklubs sich über die ruthenischen Dorfgemeinschaften verbreiteten, hatten die Priester das Monopol in der Ausbildung der ländlichen Bevölkerung. Sie predigten die einzige den Bauern bekannte Ideologie, den griechischen Katholizismus. Mit der Teilnahme an der Nationalbewegung erkannten die Bauern allmählich, dass es neben der Kirche auch weltliches Wissen und weltliche Ideologien gibt. Mit zunehmender Bildung und Emanzipation begannen die Bauern die Glaubwürdigkeit der Priester in Frage zu stellen, die Moral und die intellektuelle Autorität des Pastors zu hinterfragen: Welches Recht hat der Pastor, den Bauern den Genuss von Alkohol zu verbieten? Warum wird ihnen das Zusammenleben in einer Lebensgemeinschaft ohne Eheschließung untersagt? Und warum vor allem bekommen Priester so viel Geld? Sind sie mit ihrem Gehalt, mit der ihnen zugute kommenden Kirchensteuer und mit den ständig von den Bauern zu entrichteten Spenden nicht eher eine Last für die Gemeinde? Die Leseklubs verwandelten sich mit der Zeit in antiklerikale Institutionen für bäuerliche Interessen. Bald entsandte man Bauern statt Priester in den Reichstag. Diese führten dort Kampagnen gegen die Kirchensteuer.

Man kann den Zeitpunkt nicht genau festlegen, wann sich die Nationalbewegung gegen die Kirche wandte. Es war ein schleichender Übergang und die Priester realisierten erst viel zu spät die Gefahr, die von den Leseklubs ausging. Jedenfalls vollzog sich in den 90er Jahren ein radikaler Wandel. Während die Gebildeten früher fast ausschließlich der Kirche angehörten und versuchten, als Träger der Nationalbewegung, ihre eigenen Interessen durchzusetzen, konnte das städtische Bürgertum mit zunehmender Entwicklung der Bildung und Wissenschaft, diese Trägerrolle auf sich übertragen. Doch um die ukrainische Nationalbewegung von klerikalen Einflüssen zu befreien, mussten die Radikalen erst warten, bis der Klerus selbst die Möglichkeiten dazu geschaffen hatte. Die führende Rolle der griechisch-katholischen Geistlichkeit in der Ukrainischen Nationalbewegung war zu Ende und auch und gerade hier in Galizien bestätigte sich: Je mehr ein Volk zur Nation wird, desto kleiner wird der Einfluss der Kirche.

5. Literaturverzeichnis

Amman, Albert M.: Abriss der ostslawischen Kirchengeschichte: Wien 1990.

Himka, John Paul: Priests and Peasants: The Greek Catholic Pastor and the Ukrainien National Movement in Austria, 1867-1900, in: Canadian Slavonic Papers 21 (1979), S. 1-14.

Himka, John Paul: Religious Communities un Ukraine, in: Österreichische Osthefte 42 (2000), Heft 3/4, S. 241-258.

Himka, John Paul: The Greek Catholic Church and Nation-Building in Galicia, 1772-1918, in: Harvard Ukrainien Studies, Vol. VIII (1984), Nr. 3/4, S.426-452

Roth, Harald (Hrsg.): Studienhandbuch Östliches Europa, Bd. 1: Geschichte Ostmittel- und Südosteuropas. Köln 1999.

Timmermann, Heiner (Hrsg.): Dokumente und Schriften der Europäischen Akademie Olzenhausen, Bd. 71: Die Entstehung der Nationalbewegung in Europa 1750-1849. Berlin 1993.

Vulpius, Ricarda: Ukrainische Nation und zwei Konfessionen. Der Klerus und die ukrainische Frage 1861-1921, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 49 (2001), Heft 2. Stuttgart 2001. S. 240-256.

Wandruszka, Adam und Urbanitsch, Peter (Hrsg.): Die Habsburgermonarchien1848-1918, Bd.3: Die Völker des Reiches und Bd. 4: Die Konfessionen. Wien 1985.

Werdt, Christophe von: Halyc-Wolhynien _ Rotreußen – Galizien: Im Überlappungsgebiet der Kulturen und Völker, in: Geschichte Osteuropas, Bd. 46, Bern 1998. Heft 1, S. 69-98

Winter, Eduard: Byzanz und Rom im Kampf um die Ukraine 955-1939. Leipzig 1942.

[...]


[1] nach Werdt S. 75

[2] Diese Kontaktzone der beiden Kulturen spiegelt sich noch heute in der Kirchenarchitektur wieder. Vor allem im ehemaligen Fürstentum Halicz sind die Kirchen von romanischen und teilweise frühgotischen Stilelementen (Gestaltung von Flachreliefs, Kirchenportalen, Skulpturen) durchdrungen, die für diesen byzantinisch-altrussischen Kulturraum einzigartig sind. Siehe Werdt S.76

[3] bei Werdt Daniil genannt, bei Amman Daniel

[4] siehe Bihl, in Die Habsburger Monarchie 1848-1918, Bd. IV S. 555 ff. Die Ruthenen nannten sich selbst „rusyny“, erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebrauchten sie häufiger den Nationalnamen „Ukrainer“ (ukrainec), „ukrainisch“ (ukrains`kyj)

[5] bei Werdt S. 76

[6] Die russischen Zaren führten eine feindliche Politik gegenüber der unierten Kirche. Unierte Geistliche wurden verfolgt und es wurde versucht die Kirche gänzlich aufzulösen, um die Souveränität der griechischen Orthodoxie durchzusetzen. Die Abschaffung der Union wurde von Zar Alexander II. 1875 verkündet. Siehe Timmermann S.269

[7] zu den Bevölkerungsminderheiten Galiziens zählten die Juden (ca. 10% der Einwohner), dazu kamen einige wenige Deutsche und Armenier. Alle gehörten vorwiegend der sehr geringen Stadtbevölkerung an. Statistische Angaben bei Wandruszka S. 526 ff. und S. 560 ff.

[8] Siehe Studienhandbuch Östliches Europa, Bd. 1, S. 168

[9] Siehe Wandruszka S. 531 f.

[10] siehe dazu Himkas The Greek Catholsic Church and Nation-Building in Galicia S. 430 f.

[11] Der „ruthenische Kreis“ setzte sich zusammen aus dem ersten ukrainischen Dichter Galiziens, Markijan Saskevyc, dem Historiker Ivan Vahylevyc und dem ersten Professor für ukrainische Sprache und Literatur an der Lemberger Universität, Jakiv Holovac`kyj. Siehe Roth S. 168

[12] bei Wandruszka S. 577 ff.

[13] in Himkas Greek Catholic Church and Nation-Building, S. 446

[14] Aus Priests & Peasants von Himka, S. 2

[15] sowie 1918 als auch 1944/45 gab es sogar heftigste kriegerische Auseinandersetzungen zwischen polnischen und ruthenischen Dörfern. Auch heute noch besteht eine relative Feindschaft zwischen beiden Bevölkerungsgruppen. Diese spiegelt sich in Streitigkeiten der beiden Konfessionen in den Städten um Kirchen wieder oder in den Versuchen, polnischer Patrioten ukrainische Kulturfestivals zu verhindern. Siehe dazu Werdt S.75 und S. 85

[16] Priester bekämpften jüdische Sch[16] benannt nach „svatyj Jur“ (heiliger Georg), siehe Wandruszka S. 579 ankstuben und Geldleihe, die von Juden dominiert wurde. Außerdem riefen sie zum Boykott jüdischer Geschäfte auf. Mehr dazu in Himkas The Greek Catholic Church and Nation-Building S. 432

[17] benannt nach „svatyj Jur“ (heiliger Georg), siehe Wandruszka S. 579

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Details

Titel
Kirche und konfessioneller Wandel in Galizien bis zum Ersten Weltkrieg
Hochschule
Universität Rostock
Veranstaltung
Proseminar: Kirche, Konfession und gesellschaftlicher Wandel in Ost- und Ostmitteleuropa in neuerer und neuester Geschichte
Note
1,8
Autor
Jahr
2002
Seiten
11
Katalognummer
V107879
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit befasst sich mit der Herausbildung der römisch-orthodoxen Kirche in Galizien und deren Rolle bei der Herausbildung des ukrainischen Nationalbewusstseins im 19. Jahrhundert.
Schlagworte
Kirche, Wandel, Galizien, Ersten, Weltkrieg, Proseminar, Konfession, Ost-, Ostmitteleuropa, Geschichte
Arbeit zitieren
Christian Losch (Autor), 2002, Kirche und konfessioneller Wandel in Galizien bis zum Ersten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107879

Kommentare

  • Christian Losch am 29.11.2003

    Super.

    Sehr interessante Arbeit, die in dieser Form, im Internet schwer oder fast gar nicht zu finden ist. Außerdem überzeugte mich der Schreibstil, der mir Spaß am Lesen bereitete und sicherlich fast jeden, obwohl mit dem Thema der Arbeit nicht vertraut, in seinen Bann ziehen müsste. Diese Hausarbeit ist ein Beispiel dafür, dass ein noch so trocken klingendes Thema wie "Kirchengeschichte Galiziens" interessant und informativ wiedergegeben werden kann. Weiter so.
    Theosh

  • Gast am 17.7.2004

    Oberflächlich und einseitig.

    Die Arbeit ist auf gar keinen Fall weiter zu empfehlen, da sie - basierend auf nur sehr wenigen, als rechtsradikal und katholisch-konservativ bekannten, Quellen (etwa Ukraine-Institut der Harvard Univ.) - oberflächlich und einseitig ist.

    So wird etwa nicht auf die Veränderung der Einstellung der "uniierten" Geistlichkeit zw. 1848 und 1870 eingegangen und somit solche Personen wie Naumowitsch und Scheptizkij in einen Topf geworfen. Woher man die "Unterstützung" der Alt-Ruthenen durch die Österreicher und Polen her hat ist ein Rätsel. Komplett unerwähnt bleibt Drahomaniv und die von ihm begründete Bewegung (Iwan Franko, M. Pawlik & Co), die stillschweigend zu den "Ukrainern" dazugemischt wird. Man sollte vielleicht weniger John-Paul Himka lesen und mehr auf Ur-Quellen zurückgreifen.

    PS. Ad Fussnote 6) -- Der "Verfolgung der Unierten" machten sich nicht nur die "bösen Zaren" schuldig, sondern auch die Kozaken, etwa unter Bohdan Chmelnitzkij, als sie alle Polen, Juden und Unierte aus dem Land trieben und insb. Polen (meist Szliachta) und uniierte Geistliche auf Ort und Stelle töteten und viertelten. So sehr waren Ukrainer und Ruthenen vom Vatikan, den Katholiken und Polaken nicht begeistert.

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