50 Jahre saudiarabische Geschichte - Die Entwicklung des Königreichs Saudi-Arabien von der Gründung 1932 bis zum Tod König Khaleds 1982


Seminararbeit, 2003
26 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Saudi-Arabien unter König Ibn Saud (1932-1953)
1.1 Von der Gründung des Königreichs Saudi-Arabien bis zum Zweiten Weltkrieg
1.2 Saudi-Arabien zur Zeit des Zweiten Weltkriegs
1.3 Die Verwaltung des jungen Königreichs
1.4. Die Nachkriegszeit bis zum Tod Ibn Sauds

2 Saudi-Arabien unter König Saud (1953-1964)

3 Saudi-Arabien unter König Faisal (1964-1975)

4 Saudi-Arabien unter König Khaled (1975-1982)
4.1 Der Aufstand von Mekka

5 Die Ölpolitik Saudi-Arabiens seit

6 Das Problem der Arbeitskräfte in Saudi-Arabien

7 Der Aufbau der saudiarabischen Streitkräfte

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Nach dem Terroranschlag der El-Kaida auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 wurde das Königreich Saudi-Arabien von der Weltöffentlichkeit mit anklagenden Blicken betrachtet. Ein Großteil der Attentäter war saudiarabischer Abstammung und Osama Bin Laden, der Führer der El-Kaida, wurde nachweislich finanziell von Mitgliedern des Königshauses unterstützt. Aus den Medien wusste man bis dahin kaum mehr, als dass dort noch ein Monarch regiert, Saudi-Arabien "etwas mit den Ölpreisen zu tun hat" und dass die Prinzen des Reiches sprichwörtlich im Geld schwimmen. Doch wie kam das Königreich überhaupt zu seinem Reichtum? Und wie konnte dort die Monarchie überleben, während aus anderen arabischen Königreichen Republiken wurden?

Im Rahmen dieser Hausarbeit soll ein Überblick gegeben werden über Saudi-Arabien von der Staatsgründung 1932 durch den legendären König Ibn Saud bis zum Tod König Khaleds im Jahr 1982. In den ersten Kapiteln werden nacheinander die Epochen der einzelnen Könige näher beleuchtet. Anschließend gehe ich auf die Bereiche saudiarabischer Politik ein, die sich im Laufe der Jahrzehnte kontinuierlich weiterentwickelt haben. Diese Themen werden separat behandelt, da eine gesplittete Zuordnung zu den Regierungszeiten der einzelnen Könige nur der Übersichtlichkeit geschadet hätte.

Bei meinen Recherchen musste ich überwiegend auf englischsprachige Bücher zurückgreifen, die den Mittleren Osten unter verschiedenen Gesichtspunkten näher beleuchten. Die wichtigsten darunter sind "The Modern Middle East" von Albert Hourani, Philips S. Khoury & Mary C. Wilson und "A History of the Modern Middle East" von William L. Cleveland. Doch auch ein deutschsprachiges Buch war mir sehr hilfreich: "Der Golf" von Gerhard Konzelmann. Letzteres kann als Hauptlektüre angesehen werden, da es mir sehr beim Verstehen der "jüngsten" Entwicklungen im Mittleren Osten, und besonders in Saudi-Arabien, geholfen hat.

Rostock, März 2003

1. Saudi Arabien unter König Ibn Saud (1932-1953)

1.1 Von der Gründung des Königreichs Saudi-Arabien bis zum Zweiten Weltkrieg

Als der König der Hedschas, Abdul Aziz bin Abdul Rahman Al Saud (kurz: Ibn Saud), am 18. September 1932 seinem Königreich den Namen Saudi-Arabien gab, war eben dieses Königreich noch weit entfernt vom immensen Reichtum, für den es in den späteren Jahren bekannt wurde. Im Gegenteil: Der König war arm. Bevor sich die ersten Ölfirmen beim König vorstellten, machten die Einnahmen aus den Pilgerfahrten der Moslems zu den heiligen Stätten in Mekka und Medina anlässlich des alljährlichen Hadsch den Großteil der Staatsfinanzen aus. Die Masse der Pilger kam aus den ostasiatischen Agrarländern, vor allem Pakistan und Bangladesch. Durch die Weltwirtschaftskrise setzte ein enormer Verfall der Weltmarktpreise für Getreide und auch Reis ein, was dazu führte, dass sie nicht das nötige Kapital aufbringen konnten, um die weite Reise nach Saudi-Arabien auf sich nehmen zu können. Infolge dessen sank die Zahl der Pilger von 116000 (1930) bis zum Jahr 1933 um mehr als 80 Prozent. Dieser Rückgang der Pilgerzahlen bedrohte nahezu die Existenz des Königreichs. Der König war dadurch gezwungen, Schulden zu machen.

Geldgeber erhoffte er sich in Europa zu finden. Dazu schickte er seinen Sohn Prinz Faisal auf eine Rundreise durch die dortigen Hauptstädte, um Kontakte zu den jeweiligen Regierungen aufzunehmen. Schließlich wurde ein Staatschef gefunden, der bereit war, der königlichen Familie finanziell unter die Arme zu greifen: Stalin. Der Außenminister der Sowjetunion, Molotow, schlug schließlich sogar vor, einen Freundschaftsvertrag zwischen dem kommunistischen Staat und Saudi-Arabien abzuschließen. Molotow versprach dem jungen Prinzen, dass ein ewiges Bündnis zwischen Riad und Moskau dem Nahen Osten die nötige Stabilität bringe und Arabien aufblühen lassen werde. Auch mit Berlin besprach Faisal den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen. Seit 1937 wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten noch intensiviert, was Verhandlungen über Waffenkäufe und die Akkreditierung eines deutschen Botschafters in Jeddah zum Ziel hatte. Von einem guten Verhältnis zum Deutschen Reich erhoffte sich der König, dass dieses diplomatisch die Rolle einer "Dritten Macht" einnehmen und entsprechenden Einfluss auf Italien und Großbritannien ausüben würde. Diese Länder sorgten zur damaligen Zeit in der arabischen Welt durch ihre expansionistische Politik für große Unruhe.

Auf seiner Reise durch Europa wurde Prinz Faisal bewusst, wie bedeutend das Öl für die westliche Welt ist. Doch in Großbritannien ließ sich keine Ölgesellschaft finden, die bereit war, Bohrungen in der saudiarabischen Wüste zu finanzieren. Die wenigen britischen Geologen, die die saudischen Wüstengebiete durchritten hatten, waren der Meinung, dass im Königreich kein Öl zu finden sei. Ein Vertreter von Shell ließ sich sogar zu der Aussage hinreißen, er wäre bereit, jeden Tropfen Öl, der je in saudiarabischem Boden gefunden werde, persönlich trinken zu wollen.[1] Der amerikanische Ingenieur Karl S. Twitchell kam nach ersten geologischen Untersuchen allerdings zu der Annahme, dass in der Bohrungen in der Küstenregion der Provinz Hasa Erfolg haben könnten. Da jedoch weder er noch König Ibn Saud über das notwendige Kapital verfügten, musste eine Ölgesellschaft gefunden werden, die bereit war, die hohen Kosten zu tragen. Schließlich gelang es, die amerikanische Gesellschaft Standard Oil of California (SOCAL) für das Projekt zu begeistern. Für den Verkauf der Bohrrechte erhielt der König 35000 Pfund und konnte dadurch erstmals über einen handfesten Betrag verfügen.

Doch die Bohrungen blieben während des gesamten Jahres 1935 erfolglos. Als sich abzeichnete, dass auf im folgenden Jahr keine Erfolge erzielt werden könnten, wurden die Verwaltungschefs von SOCAL bereits unruhig. Als schließlich auch die Finanzreserven versiegten, musste man mit Texaco kooperieren, um die Bohrungen weiterführen zu können. Nach 3 erfolglosen Jahren war es am 4. März 1938 endlich soweit: Auf der Bohrstelle Damman Nr. 7 kam es zu einem Ölausbruch, der ein riesiges Ölvorkommen vermuten ließ. Von diesem Tag an gehörte Saudi-Arabien zu den ölproduzierenden Ländern.

1.2 Saudi-Arabien zur Zeit des Zweiten Weltkriegs

König Ibn Saud hatte gehofft, dass durch die erfolgreiche Ölbohrung seine finanziellen Schwierigkeiten endlich ein Ende finden. Doch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges machte diesen Wunsch zunichte, da die Ölförderung auf amerikanischen Feldern für die Ölgesellschaft Vorrang hatte. Infolge dessen blieben die Einnahmen des Königreichs aus dem Ölgeschäft gleichbleibend gering. Um die amerikanische Kriegsmaschinerie gegen Japan voranzutreiben, wurde 1943 die Ölförderung kurzzeitig gesteigert. In dieser Zeit lernten Amerikaner und Briten das saudiarabische Öl zu schätzen, da es verlässlich und leistungsstark gefördert werden konnte. Allerdings wurde 1944 die Förderleistung wieder auf 30000 Barrel pro Tag reduziert. In der heutigen Zeit entspricht diese Menge nicht einmal der saudiarabischen Ölförderung von 5 Minuten. Der König warf den Amerikanern daraufhin vor, sie würden seine Einnahmen absichtlich gering halten, um ihn und sein Königreich auf einem niedrigen Lebensstandard zu belassen. Außerdem sahen durch den Weltkrieg viele Moslems in aller Welt davon ab, nach Mekka zu pilgern. Ein Umstand, der die königlichen Einnahmen zusätzlich schmälerte.

Während des Weltkriegs wuchs in der königlichen Familie die Hoffnung, ein Sieg Nazi-Deutschlands über England würde die britische Oberherrschaft über Arabien beenden und den Weg frei machen zur Vereinigung Arabiens. Ibn Saud sah sich bereits als der kommende starke Mann Arabiens. Die Hoffnung musste allerdings aufgegeben werden, als abzusehen war, dass ein deutscher Sieg unmöglich ist.

1.3 Die Verwaltung des jungen Königreichs

Die Administration des gesamten Königreichs stellte Ibn Saud vor neue Probleme, da dies mit einigen syrischen Schriftgelehrten und Stammesvertretungen kaum möglich war.

Die erste Herausforderung stellte sich dem König bereits 1926 mit der Einverleibung der Provinz Hijaz. Die Bewohner waren sich ihrem im Vergleich zum restlichen Reich hohen Zivilisationsstandard durchaus bewusst. Als Ibn Saud 1926 Hijaz in sein Königreich aufnahm, fand er dort bereits eine Verfassung, kommunale Räte und eine reguläre Armee vor. Alles Dinge, von denen das Haus Saud fast nichts wusste. Große Veränderungen der administrativen Strukturen in Hijaz hätten womöglich zu einer Rebellion geführt, so dass er sich für einen Kompromiss entschied. Während den Bewohnern einige ihrer Gesetze und Institutionen erhalten blieben, ernannte der König seinen Sohn Prinz Faisal zum Gouverneur dieser Provinz.

1932 teilte der König sein Reich in verschiedene Provinzen auf. Nach dem Vorbild von Hijaz wurde jede von einem durch ihn eingesetzen Gouverneur verwaltet, wobei diese beachtliche Freiheiten behielten. Dies folgt nicht zuletzt aus dem Umstand, das der Informationsfluss im Land nur sehr schleppend war.

Bei der Größe des Reiches wurde dem König bald klar, dass er auch die zentrale Administration nur schwerlich alleine bewältigen könnte. Schließlich konnte er sich nicht um jede kleine Angelegenheit kümmern, obwohl er dies noch lange Zeit versucht hat. Infolgedessen wurde 1932 das Außenministerium gegründet. Neuer Außenminister wurde Prinz Faisal. Besonders schwerfällig tat sich das Königreich in der Folgezeit mit der Zulassung von Botschaften, da dies dem König weitgehend fremd war.

Ebenfalls im Jahr 1932, angetrieben durch die Ölgesellschaften, wurde das Finanzministerium gegründet. Hier stellten sich die Probleme, dass die Ausgaben des königlichen Hauses nicht von den Staatsausgaben getrennt wurden. Zu den Aufgaben des Finanzministers Abdallah al-Suleiman gehörte die Aufrechterhaltung der Währung, Buchhaltung und die Verteilung von Reis, Mehl, und später auch Dollars an die Verbündeten und Untergebenen des Hauses Saud.

Als die USA 1944 zur Sicherung der Ölfelder einen Stützpunkt in Dahran errichteten, entschloss sich der König, das Verteidigungsministerium zu gründen. Dieses besaß aber anfangs kaum Bedeutung, da es vom König weitgehend ignoriert wurde.

1.4 Die Nachkriegszeit bis zum Tod Ibn Sauds

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wuchs unter den arabischen Monarchen die Angst vor einer wachsenden sowjetischen Macht und die mit ihr größer werdende Gefahr einer kommunistischen Revolution. Darum versuchte man Anschluss zu finden an eine starke westliche Nation. Für König Ibn Saud kam in dieser Hinsicht nur Amerika in Frage, da Großbritannien auf Dauer nicht mehr in Lage schien, eine Schutzfunktion auszuüben. Ein gutes Verhältnis zur USA war für den König eine Selbstverständlichkeit, da ihn das Ölgeschäft ohnehin mit den amerikanischen Ölgesellschaften verband. Erschwert wurde das gute Verhältnis durch die Unterstützung eines jüdischen Staates durch die USA. Auch die Ölgesellschaften, die um ihre Konzessionen fürchteten, konnten den amerikanischen Präsidenten nicht zu einem Kurswechsel bewegen. Doch Präsident Truman konnte sich darauf verlassen, dass der Groll der Königsfamilie mehr als besänftigt wird durch die steigenden Staatseinnahmen durch das Ölgeschäft. Bereits im Jahr 1946 zahlte die amerikanische Ölgesellschaft Arab-American Oil Company (ARAMCO) zehn Millionen Dollar an das Haus Saud. Begeistert von dem Wohlstand, der sich in der Königsfamilie wie ein Lauffeuer ausbreitete, wurde die Kritik an der pro-israealischen Politik der USA immer leiser. 1950 stiegen die Einnahmen aus dem Ölgeschäft sogar auf 50 Millionen Dollar an. Als ein Jahr später die Einnahmesteigerung hinter den königlichen Erwartungen zurückblieb, begann das Königshaus Forderungen zu stellen und erhob erstmals Steuern auf die Gewinne der ARAMCO. Dadurch erhielt Saudi-Arabien 50 Prozent der Gewinne der Ölgesellschaften, sodass die Staatseinnahmen 1951 auf über 100 Millionen Dollar antiegen.

Unter der Kurzformel "Saudi Arabia's Vital Link to the West" sollten einerseits das Öl der Arabischen Halbinsel beschleunigt gefördert werden und andererseits eine strategische Vorratshaltung für militärische Zwecke in einem möglichen nächsten Krieg gesichert werden. Um das wichtige saudi-arabische Öl militärisch zu schützen, fehlte dem König eine schlagkräfitige Armee. Darum boten die USA, besorgt um die Sicherheit ihrer Ölquellen, an, eine Militärbasis zu errichten. Obwohl König Ibn Saud der Umstand nicht gefiel, dass sich ausländische Ungläubige in der Nähe der heiligen Stätten Mekka und Medina längerfristig niederlassen wollen, willigte er schließlich ein. Das Versprechen der USA, Waffen zu liefern und den Aufbau einer saudi-arabischen Luftwaffe zu ermöglichen, wirkte sicherlich positiv auf die Entscheidung des Monarchen.

Wenige Wochen vor seinem Tod stimmte der König der Bildung weiterer Ministerien zu. Der Hauptgrund dürfte darin liegen, dass Ibn Saud nicht wollte, dass einer seiner Söhne über so viel Macht verfügt, wie er es tat. So wurde das Innenministerium gegründet, dem der Sohn seines Bruders Faisal, Abdallah al-Faisal, vorstand. Der stärker werdende Verkehr im Land sowie der sich entwickelnde Luftverkehr machte die Schaffung eines Verkehrsministeriums notwendig. Leiter dieses Ministeriums war der dreiundzwanzigste Sohn des Königs, Talal. In der nächsten Zeit entstanden noch Ministerien für Bildung, Landwirtschaft, Gesundheit, Industrie, Kommerz, Öl und Informationen. Das neugegründete Wirtschaftsministerium wurde allerdings bereits ein Jahr später wieder geschlossen.

[...]


[1] Konzelmann, Gerhard: "Der Golf", S. 207

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
50 Jahre saudiarabische Geschichte - Die Entwicklung des Königreichs Saudi-Arabien von der Gründung 1932 bis zum Tod König Khaleds 1982
Hochschule
Universität Rostock
Veranstaltung
PS "Die Entwicklung des modernen mittleren Orients"
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
26
Katalognummer
V107904
ISBN (eBook)
9783640061174
ISBN (Buch)
9783640876099
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Seminararbeit befasst sich mit der Entwicklung Saudi Arabiens von 1932-1982 und geht auch näher auf die Ölpolitik, das Arbeitskräfte-Problem und den Aufbau der Streitkräfte im Königreich ein.
Schlagworte
Geschichte, Entwicklung, Saudi-Arabien, Gründung, König, Khaleds, Ibn Saud, Königreich, Orient
Arbeit zitieren
Stefan Erl (Autor), 2003, 50 Jahre saudiarabische Geschichte - Die Entwicklung des Königreichs Saudi-Arabien von der Gründung 1932 bis zum Tod König Khaleds 1982, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107904

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