Vergleich über die Aufgeschlossenheit von Einzelkindern und Kindern mit (mind.) einem Geschwisterteil anderen Menschen gegenüber


Seminararbeit, 2001

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Soziales Erleben und Verhalten von Kindern in Geschwisterbeziehungen und von Einzelkindern
1.1. Befunde bei Kindern in Geschwisterbeziehungen
1.1.1. Konsequenzen aus der Geburt eines weiteren Kindes für das ältere Geschwisterkind
1.1.2. Emotionale Qualitäten geschwisterlicher Beziehungen
1.1.3. Entwicklungspsychologische Bedeutung der Geschwister- beziehung
1.2. Befunde bei Einzelkindern
1.2.1. Stellung des Kindes in der Familie
1.2.2. Merkmale sozialen Verhaltens und Erlebens
1.2.3. Bewertung der Befunde

2. Befragung
2.1. Fragestellung
2.2. Personen
2.3. Methode
2.4. Durchführung
2.5. Ergebnisse
2.6. Diskussion

3. Sozialpädagogische Konsequenzen

Literatur

Einleitung

Ich habe die Arbeit "Vergleich über die Aufgeschlossenheit von Einzelkindern und Kindern mit (mind.) einem Geschwisterteil anderen Menschen gegenüber"

geschrieben, weil ich in meinem Bekanntenkreis schon häufiger die Beobachtung gemacht habe, daß Einzelkinder einen eher distanzierteren Eindruck auf mich machten als Kinder mit Geschwistern. Mich interessiert(e) die Frage, welchen Einfluß Geschwister aufeinander haben und welche Bedeutung dieser hat. Desweiteren war und ist es für mich interessant zu erfahren, welche

Möglichkeiten es gibt, diese äußerst tiefen geschwisterlichen Erfahrungen - die Einzelkinder ja entbehren - letzteren in einer kompensierenden Weise zu vermitteln. Ich finde es wichtig, daß Einzelkindern mit Defiziten im Bereich des sozialen Erlebens und Verhaltens - im Sinne einer Entwicklungsförderung - die Gelegenheit gegeben wird, diese sozialen Erfahrungen nachträglich zu er-lernen bzw. zu trainieren.

Im ersten Teil der Arbeit fasse ich wissenschaftliche Befunde aus dem Artikel "Eltern-Kind- und Geschwister-Beziehungen" (Schmidt-Denter, 1993) zusammen, wobei ich mich auf die Beschreibung vom sozialen Erleben und Verhalten von Kindern mit mindestens einem Geschwisterteil und von Einzelkindern konzentrieren werde.

Im zweiten Teil stelle ich eine selbst durchgeführte Befragung "Zur Aufgeschlossenheit von Einzelkindern und Kindern mit (mind.) einem Geschwisterteil anderen Menschen gegenüber" vor, an der ein Kind mit zwei Geschwistern und ein Einzelkind teilgenommen haben. Weiterhin vergleiche die Ergebnisse sowohl untereinander als auch mit den wissenschaftlichen Befunden des Literaturteiles. Abschließend diskutiere ich die Ergebnisse und werde so auf die Fragestellung eingehen.

Im dritten Teil gebe ich Vorschläge, wie pädagogische Konsequenzen aus meinen und den wissenschaftlichen literarischen Ergebnissen aussehen könnten.

1. Soziales Erleben und Verhalten von Kindern in Geschwisterbeziehungen und von Einzelkindern

1.1. Befunde bei Kindern in Geschwisterbeziehungen

1.1.1. Konsequenzen aus der Geburt eines weiteren Kindes für das ältere Geschwisterkind

Mit der Geburt eines weiteren Kindes entsteht ein ganz neues System sozialer Beziehungen in der Familie, das auf die vorhandenen Beziehungen enormen Einfluß haben kann. Besonders betroffen hierbei ist sicherlich das Verhältnis zwischen der Mutter und dem älteren Geschwisterkind. Hat dieses – im Normalfall – vor der Geburt des jüngeren die ungeteilte Aufmerksamkeit der Mutter erhalten, so ist es nun mit der Tatsache konfrontiert, daß sein jüngeres Geschwisterteil die meiste mütterliche Zuwendung erfährt. Auch wenn das ältere Kind in dieser Phase Aufmerksamkeit und Zuwendung von seinem Vater bekommt, versucht es jedoch, diese in gleicher Weise auch von der Mutter zu bekommen. Nach acht bis neun Monaten bevorzugt es dann aber den Vater, weil es die stärkere Beanspruchung der Mutter durch sein Geschwister akzeptiert hat. Im zweiten Jahr ist das Bedürfnis nach der Zuwendung der Mutter allerdings wieder größer (Schmidt-Denter, 1993).

Wie Meyer (1985) bei einem Vergleich der Beziehungsmuster zwischen Müttern und ihren erst- und zweitgeborenen Kindern herausgefunden hat, verhalten sich diese Mütter zu beiden Kindern ähnlich und schenken ihnen das gleiche Ausmaß an Zuwendung. Das bestätigt das Ergebnis, daß bei allen Erstgeborenen mit "sicherer Bindung" auch die jüngeren Geschwister bindungssicher waren.

Von den Erstgeborenen, die als unsicher-gebunden eingeschätzt wurden, hatte dagegen immerhin die Hälfte ein Geschwisterkind mit bindungsicherem Verhalten. Aus beiden Beobachtungen lässt sich also erschließen, daß tendenziell mehr Zweit- als Erstgeborene sicher an die Mutter gebunden sind. Auch den Müttern erschien die Beziehung zu dem jüngeren Kind eher "leichter" als zu dem älteren. Das jüngere Kind wird deshalb von der Mutter eher bevorzugt als das ältere.

1.1.2. Emotionale Qualitäten geschwisterlicher Beziehungen

Die Beziehungen zu den Geschwistern ermöglichen sehr dauerhafte und intensive soziale Erfahrungen. Es kann zwar allgemein beobachtet werden, daß das ältere Kind Haß- oder Eifersuchtsgefühle gegenüber dem jüngeren aufbaut. Eine mögliche Ursache für Rivalität und Streit unter Geschwistern ist sicherlich der Wettbewerb um die elterliche Zuwendung und die Erfüllung ihrer durchaus unterschiedlichen – vor allem emotionalen – Bedürfnisse durch die Eltern, insbesondere der Mutter. Bryant (1982) beobachtete, daß sich auch in der Schule oder anderen sozialen Situationen ein Geschwisterkind im sozialen Vergleich schnell benachteiligt gegenüber dem anderen fühlen kann, wodurch die Rivalität verschärft wird.

Doch dies ist nur eine Seite sozialer Erfahrungen unter Geschwistern – und wie sich später noch zeigen wird, nicht nur eine unangenehme, sondern sozial durchaus wertvolle.

Bank und Kahn (1982) beobachteten in ihrer Arbeit auch eine ausgeprägte Loyalität und Opferbereitschaft unter Geschwistern. Der soziale Austausch solcher Geschwisterbeziehungen zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

(1) aktives Suchen nach Zusammensein,
(2) Kooperation, Sympathie und Hilfsbereitschaft,
(3) eine spezielle Sprache, zu der andere nicht sofort Zugang finden,
(4) gegenseitige Verteidigung gegen Außenstehende,
(5) häufige niederlagenlose Konfliktlösung und Rituale des Verzeihens.

Solch gestaltete Beziehungen unter Geschwistern konnten unter bestimmten Bedingungen fehlende elterliche Zuwendung und wichtige von den Eltern unausreichend vermittelte Sozialisationserfahrungen ausgleichen.

Fragt man Kinder selbst zu den Gefühlen zu ihren Geschwistern, finden sich in ihren Antworten häufig ambivalente Begriffe wie "Macht" und "Unterstützung". So wird einerseits ein älteres Geschwisterteil, insbesondere ein älterer Bruder, vom jüngeren sowohl als dominant und kontrollierend (Bryant, 1982) empfunden, andererseits erwartet das jüngere Kind dann auch oft soziale Unterstützung von den älteren und stärkeren Geschwistern, was soweit gehen kann, daß die jüngeren Geschwister ein Abhängigkeitsverhältnis zu ihnen – vor allem zu einer älteren Schwester aufgrund deren stärkerer Ähnlichkeit zu Lehrpersonen ( Mutter, Lehrerin ) – aufbauen. Als Beispiel solch einer ambivalenten sozialen Beziehung berichten Bank und Kahn (1982) z.B. von einem 13-jährigen Jungen, der brutal von seinem delinquenten älteren Bruder geschlagen wurde, sich jedoch nicht bei seinen Eltern beklagte. Stattdessen sagte er aus, als er von einem Therapeuten gefragt wurde, warum er nicht zurückgeschlagen oder es den Eltern erzählt habe, daß sein älterer Bruder sein Idol, sein Held sei.

Der Altersabstand der Geschwister zueinander spielt hierbei eine bedeutende Rolle darüber, ob die Dominanz bzw. die unterstützende Funktion der älteren Geschwister von den jüngeren akzeptiert werden. So fand Cicirelli (1973) heraus, daß sich die jüngeren Geschwister lieber helfen ließen und so die Dominanz der älteren eher akzeptierten, wenn der Altersunterschied zwischen ihnen 3 Jahre oder mehr betrug. Ist der Abstand geringer als 3 Jahre, so ist der emotionale Streß des Erstgeborenen offensichtlich größer, da er häufiger und mühsamer um die mütterliche Zuwendung kämpfen muß.

In ihrem intensiven Miteinander und ihrer häufigen gegenseitigen Beeinflussung (Abramovitch/Pepler/Corter, 1982) sind jedoch neben den konflikthaften auch positive soziale Interaktionen häufiger. So entsteht durch den geringen Altersunterschied zwischen Geschwistern ein sicheres, "geeignetes Übungsfeld" für die Bewältigung von Konfliktsituationen und von Aggressionsregulation und -kontrolle (vgl. Oswald im zitierten Band), das als Ausgleich auch positive soziale Erlebnisse zulässt.

Aus diesen Zusammenfassungen lassen sich auch zwei gegensätzliche Funktionen von Geschwisterbeziehungen erkennen, nämlich die der Identifikation und die der Differenzierung. Bei der Identifikation wollen sich die Geschwister möglichst einheitlich verhalten und gemeinsame Erfahrungen machen, während sie sich bei der Differenzierung in ihrem eigenen persönlichen Erleben und Verhalten gegenüber dem Bruder bzw. der Schwester abgrenzen wollen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Vergleich über die Aufgeschlossenheit von Einzelkindern und Kindern mit (mind.) einem Geschwisterteil anderen Menschen gegenüber
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf  (FB Sozialpädagogik)
Veranstaltung
Ringseminar Einführung in die Psychologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V10792
ISBN (eBook)
9783638171281
ISBN (Buch)
9783656509660
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einzelkinder, Geschwister, Aufgeschlossenheit, sozial, Erleben, Verhalten
Arbeit zitieren
Michael Felbert (Autor:in), 2001, Vergleich über die Aufgeschlossenheit von Einzelkindern und Kindern mit (mind.) einem Geschwisterteil anderen Menschen gegenüber, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10792

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