Schlink, Bernhard - Der Vorleser - Leben mit der Vergangenheit- Die Entwicklung der Protagonisten und ihre Beziehung nach dem Prozess in Schlinks Roman "Der Vorleser"


Facharbeit (Schule), 2003
19 Seiten, Note: 1,6

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Hintergrund

3. Inhaltsangabe

4. Charakteristik der beiden Hauptfiguren

5. Aufarbeitung der Vergangenheit
„Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit“
Was bedeutet „Aufarbeitung der Vergangenheit“ heute?

6. Fazit

7. Anlage I zu Punkt 5.1

8. Anlage II zu Punkt 5.2

9. Literaturverzeichnis

10. Eidesstattliche Versicherung

1. Einleitung

Bernhard Schlink, Rechtsprofessor an verschiedenen Universitäten und Richter am Verfassungsgerichtshof in Nordrhein - Westfahlen, ist zudem als Schriftsteller tätig. Mit seinem 1995 erschienenem Roman „Der Vorleser“ wurde er weltweit bekannt. In diesem Werk wird über die Beziehung zwischen dem 15 - jährigen Schüler Michael Berg und der um viele Jahre älteren Hanna Schmitz berichtet. Die gesamte Handlung des Romans wir konsequent aus der Perspektive Michaels erzählt. Wie sich später herausstellt, war Hanna in einem KZ als Aufseherin tätig. Schlink lässt die Frau zudem als Analphabetin im Roman erscheinen. Als es nun zum Prozess wegen ihrer früheren Tätigkeit kommt, kann sie sich aufgrund dieser Schwäche und aus Scham, die sich daraus entwickelt, nicht selbst verteidigen. Michael, inzwischen erwachsen und Jura - Student, ist im Rahmen eines Seminars bei den Verhandlungen anwesend und entdeckt dort seine frühere Geliebte auf der Anklagebank wieder. Die Liebesgeschichte der beiden Protagonisten und Hannas Hilflosigkeit während des Prozesses lassen das Interesse des Lesers sich mehr und mehr darauf konzentrieren, sodass das heikle Thema der Judenvernichtung nach und nach an Gewicht verliert. Der Autor stellt sich der Frage: „Was sollte und soll meine Generation der Nachlebenden mit den Informationen über die Furchtbarkeiten der Vernichtung der Juden anfangen? [...] Sollen wir nur in Entsetzen, Schuld und Scham verstummen?“

( Schlink: Der Vorleser. Seite 116 )

Die Antwort darauf zu finden, soll ein Teil meiner Arbeit sein:

Leben mit der Vergangenheit – Die Entwicklung der Protagonisten und ihrer Beziehung nach dem Prozess in Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“

Um den Weg dorthin so lückenlos wie möglich zu gestalten, werde ich den historischen Hintergrund besonders aufmerksam beleuchten. Diese geschichtstheoretischen Grundlagen sollen einen leichten Einstieg in das Thema, aber auch ein fundamentales „Bühnenbild“ schaffen, vor dem sich die Geschehnisse des Romans öffnen. Eine kurze Inhaltsangabe informiert den Leser dieser Arbeit über den Verlauf dieser Geschichte. Auch die Beziehung der Protagonisten, welche von verschiedensten Einflüssen, seien sie gesellschaftlicher, psychischer und/oder ethnischer Art, geprägt ist, soll im Rahmen meiner Facharbeit einer Wertung unterzogen werden. In Bezug auf die Aufarbeitung und Bewältigung von Vergangenheit möchte ich auf folgende Werke näher eingehen:

Theodor Adorno: „Was bedeutet: Aufarbeitung von Vergangenheit“

Jürgen Habermas: Was bedeutet „Aufarbeitung der Vergangenheit“ heute?

Die Beantwortung der o.g. Frage Schlinks und die Erkenntnisse der eben genannten Autoren sind sollen das Ziel dieser Arbeit sein.

2.Historischer Hintergrund

Kein Name ist mit der Erscheinung des Nationalsozialismus so eng verbunden wie derjenige Adolf Hitlers. Er ist die überragende, zentrale Figur in jener Epoche deutscher Geschichte, der er die Züge seiner verhängnisvollen Persönlichkeit aufs tiefste eingeprägt hat. Er hat den Nationalsozialismus als politische Idee wie als politische Bewegung in so hohem Maße selbst geschaffen, dass man auch schon von „Hitlerismus“ sprechen kann. Die Laufbahn Adolf Hitlers ist eine der erstaunlichsten, unheimlichsten und unverständlichsten Karrieren der Weltgeschichte.

Hitlerdeutschland und Konzentrationslager – ein Begriffspaar, das zu traurigem Weltrum gekommen ist. Die imperialistischen Raubzüge des Hitlerregimes hatten zwar der Welt bereits genügend vor Augen geführt, zu welcher Barbarei der deutsche Faschismus fähig war. Das ungeheuerliche Ausmaß des Naziterrors mit all seinen sadistischen Details aber wurde erst endgültig bekannt, als die wenig übrig gebliebenen Häftlinge der Konzentrationslager befreit wurden.

Die nationalsozialistischen Konzentrationslager gelten als Symbol der Unmenschlichkeit des NS- Regimes. Sie symbolisieren die enge Verbindung zwischen der terroristischen Unterdrückung innenpolitischer Gegner des Dritten Reiches und der Vernichtungspolitik gegenüber den europäischen Juden und anderen ethnischen sowie sozialen Gruppen.

Hitlers gegründetes SS- Gefolge war der Handlanger dieses Prozesses des systematischen Vernichtungsapparates, dem auch ein Teil der Frauen, als Aufseherinnen, diente.

Über KZ- Aufseherinnen wurde in der Forschung oft diskutiert. Dabei stellte sich die Frage nach der Verantwortung von Frauen in der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. In den Anfängen dieser Forschungsrichtung wurden eher Diskriminierung, Verfolgung und Widerstand von Frauen im Nationalsozialismus angesprochen und deutsche nicht- verfolgte Frauen einseitig als Opfer des Patriarchats dargestellt. Aufseherinnen wurde Beteiligung, Verantwortung und freie Verfügung über ihr Handeln abgesprochen. Kann man dies so verallgemeinern?

Ich denke, dass sollte man nicht. Zu fragen ist, welche Motive Frauen hatten, um sich freiwillig zu diese Arbeit zu melden oder sich bereit zu erklären, als Aufseher in einem KZ zu bewerben und/oder zu arbeiten. Bekannt sind zwei Rekrutierungsformen. Zum einen wurden Aufseherinnen im Rahmen einer Dienstverpflichtung in der Rüstungsindustrie für die Tätigkeit in Konzentrationslagern geworben, zum anderen gab es eine Reihe von Frauen, die sich aus eigenem Antrieb meldeten.

Aufseherinnen bewachten weibliche Gefangene in verschiedenen Frauenlagern. Obwohl nichts genaueres über die Zahl der Frauen als Aufseher bekannt ist, lässt sich schätzen, dass ungefähr zehn Prozent des Personals Frauen waren. Geworben wurde für diese Tätigkeit in Zeitungsannoncen, und Arbeitsvermittler im Arbeitsamt machten auf freie Stellen im Konzentrationslager aufmerksam. Bevorzugt wurden Frauen im Alter von 21 bis 45 Jahren eingestellt.

Alle hinreichenden Motive für Bewerbungen sind noch nicht geklärt. Der Grund hierfür ist, dass Aussagen von Aufseherinnen fast nur in Prozessakten zu finden sind. Vernehmungen und Prozessverfahren beinhalten jedoch die Schwierigkeit, dass die Fragestellung naturgemäß nicht auf sozialen oder psychologischen Interessen basiert, sondern juristische Aspekte im Vordergrund stehen und eine nachweisbare Tatbeteiligung recherchiert werden soll. Demzufolge sind auch die Aussagen von Zeugen oder Angeklagten oft eher zurückhaltend oder setzen sich aus Schutzbehauptungen zusammen.

3. Inhaltsangabe

Nur durch Zufall kreuzen sich die Wege der beiden Protagonisten des Romans „Der Vorleser“. Der 15- jährige Schüler Michael Berg fühlt sich schon seit langem nicht gut, da er an Gelbsucht erkrankt ist. Auf dem Schulweg bricht Michael zusammen und übergibt sich. In dieser misslichen Situation eilt ihm eine Frau zu Hilfe und begleitet ihn nach Hause. Ein Arzt verordnet dem Jungen eine mehrmonatige Bettruhe, nach welcher er sich wieder erholt. Michaels Mutter schickt ihn daraufhin mit einem Blumenstrauß zu der 36- jährigen Hanna Schmitz, da er sich bei ihr bedanken soll. Was niemand ahnt ist, dass die Mutter jene schicksalhafte Begegnung herbei führt, welche Michaels Leben grundlegend prägen und verändern wird.

Bei seinem ersten Besuch kann er Hanna beim Umziehen beobachten und rennt, als er merkt, dass sie dies mitbekommt, fluchtartig aus der Wohnung. Eine Woche später folgt der zweite Besuch bei Frau Schmitz. Bei diesem Treffen kommt es zur ersten leidenschaftlichen Begegnung zwischen den beiden. Dem Bann, welcher von Hanna Schmitz ausgeht kann sich Michael nicht entziehen, und er pocht nun darauf, baldigst die Schule wieder besuchen zu können, da er so die Möglichkeit hat, jeden Tag Hanna zu sehen. Dafür schwänzt Michael fast täglich die letzte Stunde und als davon erfährt, verärgert es sie so sehr, dass sie von ihm verlangt, so hart für die Schule zu arbeiten, um das von der langen Krankheit drohende Sitzenbleiben zu verhindern. Sie macht die Treffen zwischen den beiden von Michaels schulischem Erfolg abhängig, sodass er dem Wunsch nachkommt und schließlich das Schuljahr erfolgreich beendet.

Nach gleichbleibenden Muster laufen die Treffen des ungleichen Liebespaares ab. Auf Wunsch Hannas liest Michael ihr regelmäßig die im Unterricht behandelte Literatur vor, dann duschen sie und lieben sich anschließend. „Vorlesen, duschen, lieben und noch ein bisschen aneinander liegen.“ ( Schlink: Der Vorleser. Seite 43 )

Dem Vorlesen ist bei diesem Ritual besondere Bedeutung beizumessen. Allmählich entwickelt sich bei Michael eine Art Hörigkeit gegenüber seiner Geliebten, welche seine Einwände in bezug auf das Vorlesen schulischer Texte nicht gelten lässt und weiterhin darauf besteht. Dabei kommt es zu ersten Konflikten, aus denen der Junge meist unterlegen und nachgiebig heraustritt. Auch ahnt er nicht von Hannas mangelnden Lesekenntnissen. Beim Leser aber kommt nach und nach der Verdacht auf, dass Hanna an Analphabetismus leidet, dies aber zu verheimlichen versucht. Die Konflikte, auf Grund ihres Nichtlesenkönnens, erreichen auf einer gemeinsamen Fahrradtour ihren Höhepunkt. Als Michael seiner noch schlafenden Hanna morgens Frühstück holen will, teilt er ihr dieses Vorhaben auf einen Zettel mit. Zurückgekommen erwartet ihn eine sehr „vor Wut zitternde“ ( Ebenda. Seite 54 ) Hanna, die ihm daraufhin mit einem Gürtel ins Gesicht schlägt. Ohne entschuldigende Worte, und der Ansicht Hannas, den vermeintlichen Zettel nie entdeckt zu haben, wird Michael die Verantwortung für diesen Vorfall zugeschoben.

Aufgrund der Tatsache, dass die Gesellschaft der 50er Jahre diese Beziehung niemals toleriert hätte, wird das Verhältnis nach außen hin verschwiegen. Doch Michael findet diese Geheimhaltung als Verrat an seiner Geliebten. „Ich habe mich nicht zu ihr bekannt. Ich weiß, das Verleugnen ist eine unscheinbare Variante des Verrats.“ ( Ebenda. Seite 72 )

Eines Tages ist Hanna spurlos verschwunden und für Michael scheint nun dieser Verrat die einzige Begründung ihres Verschwindens zu sein. Er fühlt sich schuldig und empfindet es als Strafe dafür, nicht öffentlich zu dieser Beziehung gestanden zu haben.

Michaels Nachforschungen über den Verbleib seiner Hanna blieben erfolglos. Er erfuhr lediglich, dass sie ihre Anstellung als Schaffnerin aufgab und auch beim Einwohnermeldeamt keine neue Adresse hinterlies.

Michael empfindet diese Trennung als sehr schmerzvoll und kapselt sich von seiner Unwelt ab. Denn er merkt, wie sich sein Wesen verändert und begibt sich in Arroganz und Überlegenheit gegenüber anderen. Trotz dessen schafft er mühelos das Abitur und auch das anschließende Jurastudium bereitet ihm keine Probleme. Als er im Jahr 1965 im Rahmen eines Seminars einem Naziprozess beiwohnt, sieht er Hanna auf der Anklagebank wieder. Anhand der verlesenen Anklageschrift erfährt der Student, was ihr zur Last gelegt wird. Mit weiteren Angeklagten soll sie, als KZ - Aufseherin tätig, Gefangene wissentlich in den Tod getrieben haben. Obwohl Michael gegenüber seiner früheren Geliebten keinerlei Empfindungen mehr hat, besucht er täglich die Verhandlung. Ihm wird deutlich, dass Hanna die Anklageschrift nicht kennt. Das nutzen die vier anderen Mitangeklagten, um Hanna schwer zu belasten und eine Verbesserung ihrer Situation zu erreichen. Angeblich soll Hanna ein Schriftstück verfasst haben, welches die Anweisungen beinhaltete, die Gefangenen in eine Kirche zu sperren, worauf hin diese später einem Bombenangriff zum Opfer fielen. Weiter kam heraus, dass sich Hanna allabendlich die schwächsten KZ - Insassen in ihr Zimmer rief, um ihrer Vorliebe für das „Sich – vorlesen - lassen“ nachzukommen. Dieses, also Hannas Verhalten, lässt Michael zu dem Entschluss kommen, dass Hanna Schmitz nicht lesen und schreiben kann. Auch wird ihm klar, dass sie vor lauter Scham wegen ihres Analphabetismus, alle Schuld auf sich nimmt und ihr somit die Höchststrafe – lebenslänglich - droht. Michael überlegt, was er tun soll. Er fragt seinen Vater, einem Philosophieprofessor, um Rat, doch das Gespräch führt zu keinem klärenden Abschluss. Es folgt ein Gewissenskonflikt, ob er den Richter über Hannas Geheimnis informieren soll oder nicht. Da er Hanna nicht gegenüber treten kann, entschließt sich Michael, mit dem Vorsitzenden zu sprechen, behält aber ihre Lebenslüge für sich. Während alle anderen Mitangeklagten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt werden, erhält Hanna als einzige lebenslänglich.

Michael folgt nach der Verurteilung Hannas zielstrebig und eifrig seinem Studium. 1968 macht er sein Examen, geht mit seiner Studienfreundin Gertrud eine Ehe ein und wird Vater einer Tochter namens Julia. Schon nach etwas fünf Jahren geht die Ehe in die Brüche. Er bekommt eine Anstellung als Rechtshistoriker und befasst sich intensiv mit dem Holocaust.

Eines Tages entschließt er sich, Bücher laut zu lesen und es gleichzeitig auf Tonband aufzunehmen. Zusammen mit einem Abspielgerät schickt er es zu Hanna ins Gefängnis. Vier Jahre lang wählt Michael diesen Weg der Kommunikation, ohne ein einziges Mal etwas persönlich hinzugefügt zu haben. Daraufhin erhält Michael Post aus dem Gefängnis. Es ist ein selbstgeschriebener Dankesbrief von Hanna, die in dieser Zeit Lesen und Schreiben lernte. Sie schrieb noch weitere Briefe, worauf aber Michael nie antwortete. Nach siebzehn Jahren Haft wurde Hannas Gnadengesuch stattgegeben und die Gefängnisleitung bittet Michael, Hanna bei dem neuen Einstieg ins Leben behilflich zu sein. Dieser Bitte kommt er nach und kümmert sich um Wohnung und Arbeit für Hanna. Kurz vor ihrer Entlassung entschließt sich Michael zu einem Besuch im Gefängnis. Seine Absicht, ein klärendes Gespräch zu führen, scheitert kläglich und umso empörter ist er über Hannas Umgang mit ihrer Schuld. Am Tag ihrer Entlassung erhängt sich Hanna. Die Ersparnisse Hannas soll Michael an eine ehemalige KZ – Insassin übergeben. Diese sucht er auf und so entschließt man sich, das Geld einer Stiftung zu spenden, welche sich zur Bekämpfung des Analphabetismus einsetzt.

Nur einmal besuchte Michael Hannas Grab.

4. Charakteristik der beiden Hauptfiguren

Ein wesentlicher Bestandteil dieser Arbeit soll eine Kurzcharakteristik über die Beziehung der Protagonisten sein.

Denn Zufälligkeit und Heimlichkeit, Altersunterschied und sexuelle Abhängigkeit, Lust und Unterdrückung sowie ihr Gegenstück und die Unterwerfung sind die wichtigsten Merkmale dieser Liebesbeziehung.

Dass es dazu kommt, dass sich zwischen dem aus bildungsbürgerlicher Familie stammenden Michael Berg und der um zwei Jahrzehnte älteren Straßenbahnschaffnerin Hanna Schmitz eine leidenschaftliche Beziehung entwickelt, hängt zunächst mit einer Kette von Zufällen zusammen. Denn zufällig bricht Michael vor Hannas Haus zusammen und auch zufällig ist sie zur Stelle, um ihm zu helfen. Der Auftrag seiner Mutter, sich bei Hanna für die Hilfe zu bedanken, kann als Grundstein der Liebesbeziehung angesehen werden. Es gibt keine Phasen des Kennenlernens, der längeren Gespräche und dem langsamen Näherkommen. Für Michael ist diese Beziehung von den ersten Begegnungen an eine rein elementar körperliche.

Welche Dinge verbinden Hanna und Michael zu Beginn ihrer Beziehung und welche trennen sie?

Wie eben gesagt sind es Anfangs vorrangig dingliche ( sexuelle ) Aspekte, die diese Beziehung ausmachen und gleichzeitig als Verbindungselemente zwischen den beiden zu verstehen sind. Zu erwähnen ist hier die besondere Ausstrahlung Hannas, welche bei dem 15 Jährigen sexuelle Phantasien auslöst. Dadurch, dass Hanna und Michael später regelmäßig miteinander schlafen, entwickelt sich daraus eines dieser Verbindungselemente zwischen dem Paar. Mit derselben Regelmäßigkeit vollzieht sich auch das gemeinsame Duschen, was nach dem Vorlesen abgehalten wird. Als zentrales Bindungsglied in der Beziehung ist das Vorlesen festzuhalten. Zwar schreibt Hanna Michael diese Tätigkeit, wie das Duschen auch, vor und zunächst findet er es auch als störend, aber mit der Zeit jedoch wird sie zur alltäglichen Routinehandlung. Weiter sollen noch die Dominanz Hannas und die Abhängig- und Unterwürfigkeit Michaels als wichtige Elemente mit hervorgehoben werden. Wenngleich man diese Charaktereigenschaften nicht als wirkliche harmonische Verbindungselemente bezeichnen kann, so tragen sie doch wesentlich dazu bei, dass die Beziehung zwischen dem ungleichen Paar „funktioniert“. Dieses Funktionieren bedeutet jedoch nicht, dass Michael Hannas dominierende, herrschende Art als bedingungslos richtig empfindet. Zwar bewundert er teilweise ihr herrisches Verhalten, letztendlich treibt es ihn ja in eine Abhängigkeit zu Hanna. Allerdings erschreckt es ihn auch und kommt ihm befremdlich vor, beispielsweise im Hotel während des gemeinsamen Urlaubs. ( Ebenda. Seite 54 )

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Liebesbeziehung die typischen Probleme einer Partnerschaft mit großem Altersunterschied darstellt. Auf sexueller Basis gibt keine Probleme in solchen Beziehungen, es wirkt sich sogar verjüngend auf den älteren Partner aus. Besonders auffällig ist, dass solche Paare oft in verschiedene Rollen schlüpfen. In Schlinks Roman nimmt Hanna eine Art Mutterrolle an und sieht so Michael gewissermaßen als ihren Sohn. In dieser Rollenverteilung sind die beiden auch meist in der Öffentlichkeit aufgetreten. In diesen Partnerschaften sind die Lasten oft nicht gerecht verteilt. Belegt wird die These allein durch das Verhalten Hannas, die offensichtlich die Beziehung dominiert und Michael somit unterdrückt. Ein weiterer Punkt, der in Hannas und Michaels Beziehung eine Rolle spielt, ist, dass die Interessen des Paares völlig unterschiedlich sind. Michael entfernt sich immer mehr von Hanna und trifft sich wieder mit seinen gleichaltrigen Freunden, um seinen Interessen nachzugehen. Wie schon oft gesagt und auch beobachtet wurde, leben solche Paare meistens die Kultur des jüngeren Partners. Hanna macht das ebenfalls, indem sie sich aktuelle Romane und andere Bücher vorlesen lässt, die sie vor der Beziehung nicht kannte, und sie gibt keinerlei Information über ihr Leben an Michael preis und schließt sich somit seiner Kultur an. Warum? Von Hannas Vergangenheit und ihrer Lebenslüge erfährt man im Roman. Was verbirgt sich wirklich hinter ihrem Dasein und der Art, wie sie ihr Leben gestaltet? Diese frage ist der Schlüssel zum Roman. Das Thema Vergangenheit und die Bewältigung sowie das Leben mit dieser, spielt eine zentrale Rolle, über die im folgenden Kapitel ausführlich berichtet wird.

5. Aufarbeitung der Vergangenheit

5.1 „Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit“

Hanna und Michael sind nicht als Personen zu verstehen, sondern als Metaphern für die Vergangenheitsbewältigung. Die Person der Hanna steht für die Vergangenheit selbst. Die Vergangenheit wird immer gedeutet, doch kann sie selbst nicht sprechen, deshalb lernt der Leser Hanna auch nur aus der Erzählung Michaels kennen. Wie Michael kann man die Vergangenheit lieben und sich mit ihr auseinandersetzen, sie versuchen aufzuarbeiten. Auch der Freitod Hannas wäre hier zu sehen als ein Zeichen für die Vergänglichkeit, die Zeit verrinnt und sich nicht festhalten lässt. Wo man sie fassen will, entzieht sie sich wieder. Da die Vergangenheit nicht domestizierbar ist, unveränderbar und immer wieder neu zu interpretieren, muss sie sich entziehen.

Mit anderen Worten: Niemand kann sich der Vergangenheit entziehen. Vertuscht oder leugnet man sie, so wie Hanna, zieht sie sich zurück, schlägt aber irgendwann gnadenlos zu. Letzteres geschah in Form einer Verurteilung zu lebenslanger Haft für Hanna Schmitz.

Um katastrophale Folgen zu vermeiden, ist Wissen nötig. Wissen muss man erwerben, Geschichte hat man. Beides – Wissen und Geschichte, Erwerb und Besitz – bedingen sich. Wissen wir doch, dass Besitz verwaltet und genutzt werden muss.

Wie gehen wir nun mit unserer Vergangenheit um? Oder anders gefragt: Wie arbeiten wir die Vergangenheit auf?

Theodor W. Adorno ( 1903 – 1969 ), Prof. für Philosophie und Soziologie, hielt 1995 im Hessischen Rundfunk einen Vortrag zum Thema:

„Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit“

( In: Theodor W. Adorno: Erziehung zur Mündigkeit; Vorträge und Gespräche mit Helmut Becker, herausgegeben von Gerd Kadelbach, Suhrkamp Taschenbuch 11, 1. Auflage, 1971 )

Adorno beginnt seinen Vortrag mit einer Forderung: „Die Frage: was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit, muss erläutert werden“. ( Ebenda )

Das heißt doch für die „Zuhörer“ einerseits, dass die zwingende Notwendigkeit besteht, das Thema zu bearbeiten, dass es eine politische Forderung ist und andererseits ist es das Ziel des formulierten Vortrages.

Nach dieser Forderung stellt er die Frage: „Warum ist die Aufarbeitung der Vergangenheit so wichtig“? ( 1959 war der Weltkrieg seit 14 Jahren zu Ende ) Und er stellt fest:

Das Thema „Vergangenheitsbewältigung“ wird misstrauisch betrachtet ( „...hat sich höchst verdächtig gemacht...“ ): ( Ebenda )

Es soll zum Einen zum Anlass genommen werden, die Aufarbeitung der Vergangenheit endgültig zu beenden, die „schlimme“ Vergangenheit aus der Erinnerung zu löschen ( Vergessen = Vergeben ). Zum Anderen will jeder von der Vergangenheit loskommen.

( So auch Hanna, die bestrebt ist, über eine positive Identität zu verfügen, indem sie ihre Vergangenheit verdrängt und auch vergessen will. )

Adorno meint dazu, dass das einerseits richtig ist, den der Blick muss nach vorn gerichtet sein, ein Leben mit ständigem Schuld – und – Sühne – Gefühl ist nicht durchzustehen, andererseits ist das falsch, denn die Ereignisse der Vergangenheit stecken noch immer im Gedächtnis der Menschen, die Folgen sind noch zu spüren.

Adorno ist zuzustimmen, wenn er der Meinung ist, dass die Existenz faschistischer Erscheinungsformen in der Demokratie gefährlicher ist als der Kampf dieser gegen die Demokratie. Zeigt dies doch die Verwundbarkeit der Demokratie.

Mehr noch: das Vorhandensein faschistischer Elemente kann durch die Verhältnisse begünstigt werden.

Hierzu führt Adorno mehrere Beispiele auf. ( siehe dazu Anlage 1 )

Adorno sagt: „Dass der Faschismus nachlebt, dass die vielzitierte Aufarbeitung der Vergangenheit bis heute nicht gelang und zu ihrem Zerrbild, dem leeren und kalten Vergessen, ausartete, rührt daher, dass die objektiven gesellschaftlichen Voraussetzungen fortbestehen, die den Faschismus zeitigten“.

Für ihn ist wichtig, den Faschismus nicht lediglich zu kritisieren, sondern ihn zu verurteilen.

Also kann man Hannas Vergangenheit auch verurteilen? Immerhin war sie ja durch ihre Tätigkeit im KZ ein Teil der faschistischen Struktur. Oder soll man Hanna lediglich kritisieren, und zwar insofern, dass sie ihre Schwäche nicht selbst verurteilt hat und somit dieser auch nicht selbstkritisch gegenüberstand? Hannas Vergangenheit ist die zugleich ihre Gegenwart. Denn in der Vergangenheit lernte sie nie Lesen und Schreiben, und gegenwärtig bestimmt es ihr Leben bzw. wird durch den Analphabetismus geprägt.

Ardonos Vortrag endet mit: „Aufgearbeitet wäre die Vergangenheit erst dann, wenn die Ursachen des Vergangenen beseitigt wären. Nur weil die Ursachen fortbestehen, ward sein Bann bis heute nicht gebrochen“.

Das ist die Antwort auf die Titel – Frage.

Da der erste Teil des Satzes im Konjunktiv steht, kann man schlussfolgern, dass die Vergangenheit noch nicht schlüssig aufgearbeitet wurde. Es ist an der Zeit.

Bei Hanna und Michael kam diese Zeit. Sie setzte sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinander, indem sie im Gefängnis Lesen und Schreiben lernt, ebenso viele Bücher über den Holocaust las. Hanna blieb es durch die Haft verwehrt, weiterhin vor ihrer Vergangenheit und den daraus entstandenen gegenwärtigen Problemen zu flüchten. Ihr blieb quasi nichts anderes übrig, als sich damit auseinanderzusetzen. Eine ständige Wiederkehr von Vergangenem erfährt der fiktive Erzähler Michael Berg, denn Hanna bestimmt auch noch nach ihrem Verschwinden Michaels Gedanken.

„Ich habe verschwiegen, was ich hätte offenbaren müssen. Ich habe mich nicht zu ihr bekannt. Ich weiß, das Verleugnen ist eine unscheinbare Variante des Verrats“.

( B. Schlink: Der Vorleser, S. 72 )

„Warum war ich, als da stand, nicht sofort aufgesprungen und zu ihr gelaufen! In der einen kleinen Situation bündelte sich für mich die Halbherzigkeit der letzten Monate, aus der heraus ich sie verleugnet, verraten hatte. Zur Strafe dafür war sie gegangen“.

( B. Schlink: Der Vorleser, S. 80 )

An Michael ist zu erkennen, das er sich aufgrund gegenwärtiger Probleme sofort mit der Vergangenheit auseinandersetzt. Auch ist er am alltäglichen Geschehen emotional beteiligter als Hanna, die sich eher kaltherzig und distanziert verhält. Michael schließt für einige Zeit mit der Vergangenheit ab, nimmt sich dieser aber wenig später wieder an, indem er Hanna auf Tonband aufgenommene Bücher, die er laut vorliest und ihr zuschickt. Was er nicht zulässt, sowie in der damaligen Beziehung, ist, Hanna einen Platz in seinem Leben zu geben. Mit dieser Vergangenheit, also der emotionalen Bindung zu Hanna, hat er endgültig abgeschlossen. Hannas Freitod kann als ein Abschluss „aufgearbeiteter“ Vergangenheit angesehen werden. Oder einfach aus Feigheit, oder Angst vor neuen bzw. wiederkehrenden Situationen, die ein erneutes Durchleben der Vergangenheit fordert. Nur darüber kann keine klare Aussage getroffen werden.

Bevor ich zu einem Fazit komme, möchte ich folgendes hinzufügen.

5.2 Was bedeutet „Aufarbeitung der Vergangenheit“ heute?

1995 schrieb Prof. Jürgen Habermas einen Artikel mit der Überschrift:

Was bedeutet „Aufarbeitung der Vergangenheit“ heute?

Wie der Titel schon sagt, nimmt er Bezug auf Adorno´s Vortrag von 1995 – genauso engagiert und kritisch.

Doch die Situation – wie es in der Geschichte so ist – ist 1995 anders als 1959: Er stellt die Beantwortung der Titelfrage in den Zusammenhang zur deutschen Einigung.

( Die wesentlichen Gedanken des Artikels sind in Anlage 2 widergegeben. )

Seine Schlussfolgerung zur Vergangenheitsbewältigung ist 1995:

„Wir müssen uns eingestehen: Die verfassungsrechtlich hergestellte Einheit bedeutet für beide Seiten den Entschluss zu einer gemeinsamen Zukunft und zur wechselseitigen Verständigung über zwei verschiedene Nachkriegsgeschichten – vor dem Hintergrund der gemeinsamen, alles überschatteten Naziepoche.“

„Die durch das stalinistische Erbe der DDR notwendig gewordene Aufarbeitung einer doppelten Vergangenheit ist vorerst nur aus einer doppelten Perspektive möglich.“

Der Artikel überzeugt und ist es wert, gesondert analysiert zu werden. Denn Habermas schreibt ehrlich und aufrichtig, trägt Hoffnungen und Wünsche vor, hegt Zweifel und macht Vorschläge. Falsch wäre es,

1. die Forderung von Habermas aus 1995 als „in der Gegenwart erfüllt“ anzusehen,
2. das Gegenwärtige als die Erfüllung des Traumes vergangener Zeiten zu betrachten, denn das hieße für unsere Zeit: Endzeit,
3. das Gegenwärtige total abzulehnen, alles zu negieren, ohne Vorschläge zur Verbesserung zu machen.

Für Michael und Hanna treffen diese drei Punkte zu.

6.Fazit

Die Frage, ob eine Vergangenheit überhaupt bewältigt werden kann, setzt voraus, dass man sich dafür zunächst erst einmal entscheidet, dass man sich an das Vergangene überhaupt erinnern will. Denn wer die Vergangenheit verdrängt, verfälscht die Zukunft. Ohne eine grundsätzliche Änderung der Verhältnisse, ist auch keine Bewältigung der Vergangenheit denkbar.

Ein schuldhaftes Verhalten der Hauptfiguren ist nicht eindeutig nachweisbar, denn subjektiv wird das Verhalten Hannas als Schuld empfunden. Die Klärung von Schuld bezüglich ihrer Vergangenheit ist meines Erachtens schwierig bis unmöglich, da eine Diskrepanz zwischen juristischer und moralischer Schuld besteht.

NS – Verbrechen erfordern eine reflektierte Auseinandersetzung und entziehen sich einer Be- und Verurteilung durch uns, also der Nachkriegsgeneration.

Sensibilisiert wird das Thema aufgrund der Problematik Hannas Analphabetismus.

Abschließend noch einmal das Zitat aus Adorno´s Vortrag Ende der 50er Jahre:

„Aufgearbeitet wäre die Vergangenheit erst dann, wenn die Ursachen des Vergangenen beseitigt wären.“

7. Anlage I

Beispiele Adornos für die Bewältigung der Existenz faschistischer Elemente durch die gesellschaftlichen Verhältnisse.

- Mildernde Ausdrücke für faschistische Begriffe, Umschreibungen, gutmütige Wendungen ( „Kristallnacht“ )

- Man habe vieles gar nicht gewusst – ängstliche Gleichgültigkeit es besteht ein Verhältnis

- Bereitschaft, Ereignisse zu leugnen, zu verkleinern

- Aufrechnen der Schuld

- Bestreiten, dass Ereignisse überhaupt stattgefunden haben

- Opfer hätten eigentlich zu den Ereignissen Veranlassung gegeben

- Adorno meint, dass das oft verwendete Thema: „Schuldkomplex“ unwahr und demagogisch sei

- Er verzeichnet einen Verlust des Geschichtsbewusstseins, vor allem bei jungen Leuten

- Für Adorno ist es ein Schreckbild, eine Menschheit ohne Erinnerung heranwachsen zu sehen. Er bezeichnet dies als „Geschichtsfremdheit“, die nicht das Ergebnis einer mit Reizen und Information überhäuften Gesellschaft sei, sondern das sei das Produkt des Bürgerlichen Systems. Er sagt: „Wenn die Menschheit der Erinnerung sich entäußert und sich kurzatmig erschöpft in der Anpassung ans je Gegenwärtige, so spiegelt sich darin ein objektives Entwicklungsgesetz“.

- „Abwehr peinlicher Erscheinungen“

Solche Leute behaupten, die hartnäckige Erinnerung an die Vergangenheit schade dem deutschen Ansehen im Ausland.

- Adorno sagt: „Wer sich keine unnützen Gedanken macht, streut keinen Sand ins Getriebe“. Dieser Mensch will seine Ruhe haben. Die Gesellschaft auch.

8. Anlage II

Kerngedanken aus dem Artikel von Prof. Jürgen Habermas von 1995

Habermas stellt wie Adorno an den Anfang eine gewichtige Forderung: Wir dürfen nicht bei einem bloßen Vorwurf ( = Kritik ) stehen bleiben, sondern dem Entsetzen ( = Reaktion auf Verbrechen ) standhalten. Das erfordert Kraft. Diese Forderung gilt für den Einzelnen jederzeit, denn offizielles Gedenken und Gedenktage sind widersprüchliche Aktivitäten. Adorno sagt dazu: „Was immer propagandistisch geschieht, bleibt zweideutig“.

Abgeleitet daraus ergibt sich die nächste Aufgabe, sich die eigene, Lebensgeschichte kritisch anzueignen und verantwortlich zu übernehmen. Das ergibt sich einerseits aus persönlichen Gründen und andererseits aus ethisch – politischer Verantwortung als Staatsbürger. Nach Habermas ist es dazu die historische Erforschung der Tatsachen und eine kritische Aufarbeitung in den Medien, Schulen, wissenschaftlichen Einrichtungen sowie eine Aufarbeitung persönlicher Schuld und eine juristische Verfolgung strafbarer Handlungen notwendig.

Nachdem Habermas dargestellt hat, dass sich die ehemalige DDR – Bevölkerung in einer anderen Situation befindet als die anderer ehemaliger Ostblock – Länder ( so wurde die Eigenstaatlichkeit der DDR aufgehoben ), stellt er fest, dass die staatliche Einigung auch das politische Klima in Westdeutschland verändert hat.

Er kommt zum Schluss, dass es falsch ist, die „Entstasifizierung“ genauso zu betreiben wie nach Kriegsende die „Entnazifizierung“ , denn die Ausgangssituationen sind nicht vergleichbar. Die politische Kriminalität des NS und der DDR sind nicht vergleichbar.

Deshalb besteht heute eine günstige Ausgangssituation zur Erreichung folgender Ziele:

1. Auswechslung der politisch belasteten „Eliten“
2. Herstellung der politischen Gerechtigkeit
3. Demokratischer Bewusstseinswandel der Bevölkerung

Diese Ziele müssen vor allem mit Mitteln des Strafrechts erreicht werden und nicht mit einem willkürlichen „Rache – Üben“.

Dabei besteht die Gefahr, dass durch Massenmedien – Rummel Einblicke in Biographien öffentlich gemacht werden.

Und zum Schluss äußert Habermas einige Zweifel:

Er befürchtet, dass die Massenmedien Aggressionen in bestimmten Personengruppen entfesseln könnten, dass die Vergangenheitsbewältigung durch Geschwätz in Show – Veranstaltungen ins Stocken geraten könnte, dass inszenierte Schauprozesse Befriedigung verschaffen, dass das erstarkende nationale Selbstbewusstsein eine großmäulige Politik nach sich ziehen könnte, dass „Abwiegler“ einen Schlussstrich ziehen wollen und dass „Aufwiegler“ sich als Scharfmacher bestätigen.

10. Literaturverzeichnis

Schlink, Bernhard: Der Vorleser. Zürich 1995

Schlink, Bernhard: Die Bewältigung von Vergangenheit durch Recht. 1998

Habermas, Jürgen: Was bedeutet „Aufarbeitung der Vergangenheit“ heute?.

Frankfurt/M. 1995

Höfer, Adolf: Die endgültige Entsorgung deutscher Vergangenheit in der jüngsten Gegenwartsliteratur. Hohengehren 1998

Adorno, Theodor W.: Erziehung zur Mündigkeit. Frankfurt/M. 1970

9. Eidesstattliche Versicherung

Ich, Alexander Stelzer, versichere als Verfasser dieser Arbeit, dass der Inhalt von mir selbst verfasst und geschrieben worden ist.

18 von 19 Seiten

Details

Titel
Schlink, Bernhard - Der Vorleser - Leben mit der Vergangenheit- Die Entwicklung der Protagonisten und ihre Beziehung nach dem Prozess in Schlinks Roman "Der Vorleser"
Note
1,6
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V107923
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schlink, Bernhard, Vorleser, Leben, Vergangenheit-, Entwicklung, Protagonisten, Beziehung, Prozess, Schlinks, Roman
Arbeit zitieren
Alexander Stelzer (Autor), 2003, Schlink, Bernhard - Der Vorleser - Leben mit der Vergangenheit- Die Entwicklung der Protagonisten und ihre Beziehung nach dem Prozess in Schlinks Roman "Der Vorleser", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107923

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