Ich habe die Arbeit "Vergleich über die Aufgeschlossenheit von Einzelkindern und Kindern mit (mind.) einem Geschwisterteil anderen Menschen gegenüber"
geschrieben, weil ich in meinem Bekanntenkreis schon häufiger die Beobachtung gemacht habe, daß Einzelkinder einen eher distanzierteren Eindruck auf mich machten als Kinder mit Geschwistern. Mich interessiert(e) die Frage, welchen Einfluß Geschwister aufeinander haben und welche Bedeutung dieser hat. Desweiteren war und ist es für mich interessant zu erfahren, welche
Möglichkeiten es gibt, diese äußerst tiefen geschwisterlichen Erfahrungen - die Einzelkinder ja entbehren - letzteren in einer kompensierenden Weise zu vermitteln. Ich finde es wichtig, daß Einzelkindern mit Defiziten im Bereich des sozialen Erlebens und Verhaltens - im Sinne einer Entwicklungsförderung - die Gelegenheit gegeben wird, diese sozialen Erfahrungen nachträglich zu er-lernen bzw. zu trainieren.
Im ersten Teil der Arbeit fasse ich wissenschaftliche Befunde aus dem Artikel "Eltern-Kind- und Geschwister-Beziehungen" (Schmidt-Denter, 1993) zusammen, wobei ich mich auf die Beschreibung vom sozialen Erleben und Verhalten von Kindern mit mindestens einem Geschwisterteil und von Einzelkindern konzentrieren werde.
Im zweiten Teil stelle ich eine selbst durchgeführte Befragung "Zur Aufgeschlossenheit von Einzelkindern und Kindern mit (mind.) einem Geschwisterteil anderen Menschen gegenüber" vor, an der ein Kind mit zwei Geschwistern und ein Einzelkind teilgenommen haben. Weiterhin vergleiche die Ergebnisse sowohl untereinander als auch mit den wissenschaftlichen Befunden des Literaturteiles. Abschließend diskutiere ich die Ergebnisse und werde so auf die Fragestellung eingehen.
Im dritten Teil gebe ich Vorschläge, wie pädagogische Konsequenzen aus meinen und den wissenschaftlichen literarischen Ergebnissen aussehen könnten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Soziales Erleben und Verhalten von Kindern in Geschwisterbeziehungen und von Einzelkindern
1. 1. Befunde bei Kindern in Geschwisterbeziehungen
1. 1. 1. Konsequenzen aus der Geburt eines weiteren Kindes für das ältere Geschwisterkind
1. 1. 2. Emotionale Qualitäten geschwisterlicher Beziehungen
1. 1. 3. Entwicklungspsychologische Bedeutung der Geschwisterbeziehung
1. 2. Befunde bei Einzelkindern
1. 2. 1. Stellung des Kindes in der Familie
1. 2. 2. Merkmale sozialen Verhaltens und Erlebens
1. 2. 3. Bewertung der Befunde
2. Befragung
2. 1. Fragestellung
2. 2. Personen
2. 3. Methode
2. 4. Durchführung
2. 5. Ergebnisse
2. 6. Diskussion
3. Sozialpädagogische Konsequenzen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der familiären Struktur – konkret der Unterschied zwischen Einzelkindern und Kindern mit Geschwistern – auf die soziale Aufgeschlossenheit und das zwischenmenschliche Verhalten. Ziel ist es, durch die Verknüpfung wissenschaftlicher Befunde mit einer explorativen Befragung Unterschiede in der sozialen Kompetenz aufzuzeigen und pädagogische Förderansätze zu erarbeiten.
- Entwicklungspsychologische Bedeutung von Geschwisterbeziehungen
- Soziale Verhaltensmuster bei Einzelkindern
- Vergleich der Identifikation und Differenzierung im sozialen Kontext
- Selbstbild und soziale Interaktion in Stresssituationen
- Ansätze zur Förderung sozialer Kompetenzen und Selbstbehauptung
Auszug aus dem Buch
1. 1. 2. Emotionale Qualitäten geschwisterlicher Beziehungen
Die Beziehungen zu den Geschwistern ermöglichen sehr dauerhafte und intensive soziale Erfahrungen. Es kann zwar allgemein beobachtet werden, daß das ältere Kind Haß- oder Eifersuchtsgefühle gegenüber dem jüngeren aufbaut. Eine mögliche Ursache für Rivalität und Streit unter Geschwistern ist sicherlich der Wettbewerb um die elterliche Zuwendung und die Erfüllung ihrer durchaus unterschiedlichen – vor allem emotionalen – Bedürfnisse durch die Eltern, insbesondere der Mutter. Bryant (1982) beobachtete, daß sich auch in der Schule oder anderen sozialen Situationen ein Geschwisterkind im sozialen Vergleich schnell benachteiligt gegenüber dem anderen fühlen kann, wodurch die Rivalität verschärft wird.
Doch dies ist nur eine Seite sozialer Erfahrungen unter Geschwistern – und wie sich später noch zeigen wird, nicht nur eine unangenehme, sondern sozial durchaus wertvolle.
Bank und Kahn (1982) beobachteten in ihrer Arbeit auch eine ausgeprägte Loyalität und Opferbereitschaft unter Geschwistern. Der soziale Austausch solcher Geschwisterbeziehungen zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
(1) aktives Suchen nach Zusammensein,
(2) Kooperation, Sympathie und Hilfsbereitschaft,
(3) eine spezielle Sprache, zu der andere nicht sofort Zugang finden,
(4) gegenseitige Verteidigung gegen Außenstehende,
(5) häufige niederlagenlose Konfliktlösung und Rituale des Verzeihens.
Solch gestaltete Beziehungen unter Geschwistern konnten unter bestimmten Bedingungen fehlende elterliche Zuwendung und wichtige von den Eltern unausreichend vermittelte Sozialisationserfahrungen ausgleichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Soziales Erleben und Verhalten von Kindern in Geschwisterbeziehungen und von Einzelkindern: Dieses Kapitel fasst wissenschaftliche Theorien zu den Auswirkungen der Geschwisterkonstellation sowie der Einzelkindposition auf die soziale Entwicklung zusammen.
2. Befragung: Hier werden Methodik und Ergebnisse einer selbst durchgeführten explorativen Befragung von zwei Kommilitoninnen vorgestellt, um die theoretischen Annahmen in der Praxis zu prüfen.
3. Sozialpädagogische Konsequenzen: Das Abschlusskapitel leitet aus den gewonnenen Erkenntnissen gezielte Empfehlungen für pädagogische Interventionen zur Stärkung sozialer Fähigkeiten ab.
Schlüsselwörter
Einzelkind, Geschwisterbeziehung, Sozialverhalten, Entwicklungspsychologie, Sozialisation, Empathie, Rivalität, Loyalität, soziale Kompetenz, Selbstbehauptung, Bindungstheorie, Persönlichkeitsentwicklung, Gruppenarbeit, zwischenmenschliche Beziehungen, psychologische Förderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die soziale Aufgeschlossenheit von Einzelkindern mit der von Kindern, die mit Geschwistern aufgewachsen sind, basierend auf entwicklungspsychologischen Theorien und eigenen Befragungsergebnissen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Bedeutung geschwisterlicher Bindungen, der Analyse der Einzelkind-Stellung in der Familie sowie dem Vergleich sozialer Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit und Konfliktverhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, zu prüfen, ob Einzelkinder im Vergleich zu Geschwisterkindern tatsächlich soziale Defizite aufweisen, und wie diese durch gezielte Förderung ausgeglichen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine Kombination aus Literaturanalyse aktueller entwicklungspsychologischer Forschung und einer explorativen, schriftlichen Befragung zweier Probandinnen angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung von Geschwister- und Einzelkind-Eigenschaften sowie die Durchführung und Auswertung einer Befragung zur persönlichen Aufgeschlossenheit und zum sozialen Verhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialisation, Geschwisterrivalität, Empathievermögen, Identifikation vs. Differenzierung sowie Konzepte der pädagogischen Förderung wie Selbstbehauptungstraining.
Wie unterscheidet sich die Probandin N. (Einzelkind) von D. (Geschwisterkind) in der Befragung?
Während beide Probandinnen pro-soziales Verhalten zeigen, benötigt N. in ungewohnten Situationen mehr Eingewöhnungszeit und zeigt Unsicherheiten beim Bitten um Hilfe, was der Autor auf eine geringere soziale Übung zurückführt.
Welche pädagogischen Schlussfolgerungen zieht der Autor für Einzelkinder?
Der Autor empfiehlt spezifische Trainingsmaßnahmen, wie Selbstbehauptungstraining in Kleingruppen und Rollenspiele, um soziale Sicherheit, Vertrauen in den Austausch mit anderen und das Akzeptieren von Unterstützung zu stärken.
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- Michael Felbert (Author), 2001, Vergleich über die Aufgeschlossenheit von Einzelkindern und Kindern mit (mind.) einem Geschwisterteil anderen Menschen gegenüber, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10792