Schnitzler, Arthur - Anatol - Rezension des Theaterstücks


Referat / Aufsatz (Schule), 2003

7 Seiten, Note: 1


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Arthur Schnitzler „ANATOL“

Gesehen am 22. September 2002 im Akademietheater.

Spieldauer: ca. 3 Stunden; Premiere: 5. Juni 2002

Eine Aufführung eingerichtet von Luc Bondy und Klaus Pohl. Eine Koproduktion mit den Wiener Festwochen.

Die Regieführung – Luc Bondy

Luc Bondy wurde 1948 als Sohn des Publizisten François Bondy in Zürich geboren, wo er auch aufwuchs. In Paris bei dem Pantomimen Jacques Lecoq ausgebildet, erhielt er 1969 eine Anstellung als Regieassistent am Hamburger Thalia Theater. Bis Mitte der 70er Jahre brachte er an verschiedenen deutschen Bühnen vielbeachtete Inszenierungen heraus, darunter 1974 Horváths "Glaube, Liebe, Hoffnung" am Hamburger Schauspielhaus.

1985 übernahm er die Leitung der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz. Er trat in dann an verschiedenen Bühnen mit Inszenierungen der neuen Stücke von Botho Strauß hervor: 1989 "Die Zeit und das Zimmer", 1992 "Schlußchor" ("Inszenierung des Jahres"), 1993 "Das Gleichgewicht".

Inzwischen ist Bondy auch ein vielumworbener Opernregisseur. 1998 wurde er Direktor der Wiener Festwochen. Sein Credo: "Theater ist kein Spiegel der Realität, es ist verwandelte Realität. Ich will im Theater etwas sehen, was ich noch nie gesehen habe."

Bondy gilt als begnadeter Schauspieler-Regisseur, die "die Elite der deutschen Schauspieler" zu "atemberaubenden" Leistungen zu steigern in der Lage ist. Sein besonderes Anliegen ist es, deutschsprachiges Repertoire in den französischen Raum zu bringen und umgekehrt.

Der Autor – Arthur Schnitzler

Arthur Schnitzler wurde am 15. Mai 1862 als Sohn eines jüdischen Arztes in Wien geboren. Noch bevor er auf das Akademische Gymnasium kam, als Neunjähriger, versuchte er seine ersten Dramen zu schreiben. Nach dem Abitur studierte er Medizin und wurde 1885 Aspirant und Sekundararzt. Von 1888 bis 1893 war er Assistent seines Vaters an der Allgemeinen Poliklinik in Wien und begann in diesen Jahren seine Arbeit am „Anatol-Zyklus“. Nach dem Tod seines Vaters eröffnete er eine Privatpraxis.

Ab 1890 war er Mitglied der Gruppe „Jung Wien“ (Gegenströmung zum Naturalismus). Weitere Mitglieder waren u.a. Paul Goldmann, Felix Salten oder Hugo von Hofmannsthal, mit welchen ihn auch eine lebenslange Freundschaft verband.

Die Uraufführung seines Schauspiels „Liebelei“ im Jahre 1895 wurde zu Schnitzlers endgültigem Durchbruch. Im Jahre 1901 wird ihm wegen der Veröffentlichung des „Leutnant Gustl“ der Offiziersrang aberkannt. Ihm wurde vorgeworfen, dass er mit diesem Stück die österreichisch-ungarische Armee beleidige.

1908 wird ihm der Grillparzer-Preis für die Komödie ,,Zwischenspiel" verliehen. Weitere Auszeichnungen ließen nicht lange auf sich warten. Es folgten 1914 der Raimund-Preis für die Erzählung „Der Junge Medardus“ sowie 1920 der Volkstheater-Preises für „Professor Bernhardi“ und 1926 die Verleihung des Burgtheaterringes.

Besonderes Aufsehen erregte Schnitzler mit seinem Werk „Reigen“. Nach zwei skandalbegleiteten Aufführungen in Berlin (1920) und in Wien (1921) hatte Schnitzler selbst jede weitere Aufführung des „Reigens“ verboten.

Arthur Schnitzler hat, von Reisen abgesehen, seine Geburtsstadt nie verlassen. Schnitzler stirbt am 21. Oktober 1931 in Wien.

In seinen Werken behandelte Schnitzler oft Themenbereiche der Psychologie. Ihn faszinierten psychische Erkrankungen, das Un- und Unterbewusste sowie psychotherapeutische Methoden, wie Hypnose und Suggestion. · In „Die Frage an das Schicksal" aus dem „Anatol- Zyklus" beschäftigte er sich mit der Hypnose.

Hauptsächlich wurde er von Freud beeinflusst, dessen Traumdeutung Schnitzler in sein Werk „Traumnovelle" und auch in „Leutnant Gustl" einbezog.

Schnitzler schuf in einigen seiner Werke, wie „Der Reigen" oder „Liebelei", die Frauenfigur des „süßen Wiener Mädels".

Nach seinem Tod geriet er immer mehr in Vergessenheit (was mit dem Verbot seiner Werke durch die Nationalsozialisten, die seine Werke sogar verbrannten, noch beschleunigt wurde). Nach dem 2. Weltkrieg wurde er neu entdeckt. Vor allem in den 60er Jahren wuchs die Wertschätzung für seine Werke.

Die Besetzung

Anatol Michael Maertens

Max Klaus Pohl

Annie Birgit Minichmayr

Bianca Dorothee Hartinger

Else Petra Morzé

Berta Angela Winkler

Der Hauptdarsteller – Michael Maertens

Michael Maertens, am 30. Oktober 1963 in München geboren, ist auf der Bühne wie im Fernsehen und im Kino gleichermaßen vertreten. Er besuchte die Otto Falckenberg-Schule, bevor er nach eigenen Angaben "an den Theatern in München, Hamburg, Berlin und Wien unzählige Hauptrollen" spielte und zwar bei Regisseuren wie Dieter Dorn, Peter Stein, Luc Bondy oder Claus Peymann.

Für seine erste Rolle erhält er 1989 den begehrten Boy-Gobert-Preis; 1989/90 wird er zum Nachwuchsschauspieler des Jahres gewählt.

Krimifans kennen sein Gesicht außerdem aus vielen Gastauftritten in den Reihen "Der-rick", "Der Alte", "Siska", "Wolfs Revier", „Liebling Kreuzberg" und "Großstadtrevier".

Außerdem wirkte er in mehreren Kinoproduktionen, wie beispielsweise in „Das serbische Mädchen“ mit.

Textgattung, Ort und Zeit der Handlung

- Theaterstück
- Wien gegen Ende des 19. Jahrhunderts

Der Inhalt

Der Einakter-Zyklus „Anatol“ (1888-1891) ist das frühreife Werk eines noch nicht einmal dreißig Jahre alten Autors, der schon alles weiß über die Frauen, die Liebe und den Sex - und es dennoch nicht fassen kann.

Anatol ist ein Frauenheld, der nicht treu sein kann. So gerät er von einer Beziehung in die andere. Dass er die Frauen ausnutzt und sie des Öfteren enttäuscht scheint ihn kaum zu kümmern. Aber Annie, Bianca und Else lassen sich von ihm nicht ausnutzen, sondern spielen selbst mit ihm. Da er es nicht ertragen kann, ausgenutzt worden zu sein, dreht er am Schluss immer wieder alles um, sodass es aussieht, als hätte er die Frau verlassen. Was Anatol bleibt, sind Erinnerungen an leidenschaftliche „Episoden“ und die Souvenirs der Geliebten, die er fein säuberlich archiviert hat: Briefe, Locken, zu Staub zerfallene Blumen.

Im Schlussteil des Theaterstückes, als „Anatols Größenwahn“ bezeichnet, bemerkt Anatol, wie alt er doch eigentlich geworden ist. Er beginnt mit seinem besten Freund Max über das Leben zu philosophieren und lässt es noch einmal Revue passieren. Anatol meint, keine Frau je wirklich geliebt zu haben, jedoch bleibt Bertas Position in Anatols Leben offen. Vielleicht war sie seine einzige wahre Liebe.

„Anatols Größenwahn“ war der ursprüngliche Schluss des „Anatol Zyklus“, wurde dann jedoch von „Anatols Hochzeitsmorgen“ ersetzt. Luc Bondy griff bei seiner Inszenierung allerdings wieder auf das ursprüngliche Ende des Werkes zurück.

Die Thematik

In Schnitzlers „Anatol" geht es vornehmlich um die Beziehung zwischen Mann und Frau sowie Sexualität. Schnitzler beschreibt mit Anatol eine Figur, die völlig beziehungslos zu seiner Umwelt lebt. Frauen dienen ihm nur zur schnellen Befriedigung vor allem sexueller Triebe. Doch die Gesellschaft verlangt von ihm eine feste Partnerschaft - eine Familie. Deshalb versucht Anatol immer die Illusion einer Bindung aufzubauen, muss sich dann aber selbst eingestehen, dass er eine feste Beziehung ohnehin nicht eingehen will und schon gar nicht kann. Max tritt - vor allem in der letzten Szene - als moralische Instanz, als sein bürgerliches Gewissen, das noch an „Werte" glaubt, auf.

Aufbau & Sprache

- Zyklus bestehend aus 5 Einaktern
- Prosasprache, leicht verständlich, wenige umgangssprachliche Ausdrücke

Charakterisierung des Anatol

Anatol handelt aus seinen Stimmungsmomenten heraus und lebt von Tag zu Tag. Er plant nicht voraus und denkt nicht an die Vergangenheit. Für ihn zählt nur das Jetzt und seine Lust am Leben. Hauptsache ist, er ist zufrieden und glücklich. Anatol wirkt nach Außen oftmals egoistisch und arrogant, obwohl er nur sein Leben zu genießen versucht.

Bühnenbild, Musik, Kommentare & Reaktionen

Das Bühnenbild wechselte insgesamt 7 Mal und war von Beginn an eher schlicht. Es wurde bewusst auf viele Requisiten verzichtet um die Schauspieler bzw. das Stück selbst in den Vordergrund zu stellen. Die zahlreichen Umbauphasen wurden mit Hilfe musikalischer Untermalung überbrückt.

In der Stückfassung, die Luc Bondy gemeinsam mit dem Dramatiker und - Schauspieler Klaus Pohl (der den Max spielt) erstellt hat, sind zwei Episoden gestrichen und dafür zwei in der Endfassung nicht enthaltene Szenen hinzugefügt. Auch die Reihenfolge wurde geändert: Die melancholischen „Weihnachtseinkäufe“ sind vom Anfang ans Ende gerutscht, die bittere „Agonie“ wurde umgekehrt vom Ende in Richtung Anfang verschoben.

Persönlich war ich einerseits positiv überrascht von Luc Bondys Inszenierung, andererseits gab es für mich auch einige Punkte zu bemängeln. Hierzu zählen vor allem die etwas merkwürdige Darstellung der letzten Szene (Anatols Größenwahn) sowie die unglückliche Wahl des Hauptdarstellers. Michael Maertens ist erstens kein Wiener und zweitens kein Gefühlsschauspieler. Den angeblich legendären „Schnitzlerton“ bekommt man von Maertens nicht zu hören; stattdessen stellt er mit großer Präzision eine eiskalte Kunstfigur auf die Bühne.

Kritik zur Inszenierung des „Anatol“

im Kulturteil des Standards vom 7. Juni 2002

In seinem dritten diesjährigen Festwochen-Auftritt als Regisseur zeigt Luc Bondy Schnitzlers Einakter-Zyklus "Anatol": eine seltsam unausgewogene Arbeit, in deren oft ins Boulevardeske kippendem Lärm der Anatol des Michael Maertens fremd bleibt.

Vorfreudig beschwingt durfte man sich zur dritten Bondy-Premiere dieser Festwochen in die roten Samtsessel des Wiener Akademietheaters gleiten lassen. Neugierig zumal aufgrund der Besetzungsliste, die mit dem in Hamburg und Berlin beheimateten Michael Maertens einen Anatol erwarten ließ, dessen Interpretation frei war von jenem Vornehmheit näselnden Wiener Schnitzler-Stil, den Franz Schuh wenig gnädig den "Schnitzlerismus" getauft hat.

Der Rest des Abends war dann tatsächlich Anatol: Der träumerischen Illusion folgten ein Erwachen mit Schrecken und schließlich (drei) lange Stunden Agonie. Dabei begann alles einige Momente lang sehr schön und schlicht: große, verschlissene Stellwände in den melancholischen Rot-, Rosé- und Violett-Tönungen vom Fleisch der Rosen und der Menschen, rauchig-lasziver Jazz, Halbdunkel. Darin wortlos Anatol - ein Mann in zu Erstarrung verlangsamter Nervosität, dessen irrender Blick kein Gegenüber wahrnimmt, keine Frau, nicht sich selbst.

Michael Maertens wird dieses irritierend bezuglose Spiel den ganzen Abend durchhalten und setzt damit seine Präsenz wie einen erratisch verschlossenen Hohlkörper auf die Bühne, an dessen Unnahbarkeit das Spiel seiner Partnerinnen ebenso wenig Halt findet, wie die Regie Bondys, der keine Fäden spinnen kann, wo er keinen Ort findet, sie anzubinden...“

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Schnitzler, Arthur - Anatol - Rezension des Theaterstücks
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
7
Katalognummer
V107957
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schnitzler, Arthur, Anatol, Rezension, Theaterstücks
Arbeit zitieren
Carina Bradl (Autor), 2003, Schnitzler, Arthur - Anatol - Rezension des Theaterstücks, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107957

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