Arten von Querverbindungen bzw. Beziehungen in Netzwerktheorien und die durch die unterschiedlichen Verbindungen auftretenden Phänomene


Hausarbeit, 2002

10 Seiten, Note: 1,7


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Inhalt

Zusammenfassung

1 Einleitung

2 Einführung in die Netzwerktheorie

3 Die unterschiedlichen Verbindungen bzw. Beziehungen in Netzwerken
3.1 Art der Beziehung
3.2 Stärke der Beziehung
3.3 Grad der Reziprozität
3.4 Redundante Beziehungen
3.5 Symmetrie der Verbindungen

4 Durch unterschiedliche Verbindungen auftretende Phänomene
4.1 Das Verhalten im Konfliktfall
4.2 Das Phänomen des lachenden Dritten

5 Kritik an den Netzwerktheorien

6 Schluss

Zusammenfassung

In den soziologischen Netzwerktheorien wird behauptet, dass das Eingebettetsein der Akteure in Netzwerkstrukturen Auswirkungen auf deren Handlungen habe. Die Netzwerktheorien gehören aber trotz dieser Strukturperspektive nicht zur Makro-, sondern zur Mesoebene der Sozialtheorien. Den Relationen zwischen den Akteuren fällt hierbei eine wichtige Rolle zu, welche in diesem Essay herauszuarbeiten versucht wird. Zwei Beispiele für die durch die unterschiedlichen Beziehungen vorkommenden Phänomene werden dabei aufgezeigt.

1 Einleitung

Der Netzwerkbegriff hat in den letzten 20 Jahren in der Diagnose von Gesellschaften immer mehr an Bedeutung gewonnen. Einer der Vorreiter des netzwerkanalytischen Denkens war Georg Simmel (1858 – 1918), der in den sogenannten Wechselwirkungen den eigentlichen Gegenstand der Soziologie sah und der damit „die Analyse rationaler Merkmale, von Beziehungen zwischen Individuen, ins Zentrum der Soziologie“ (Jansen: 1999, S. 31) setzte. Später prägten den Netzwerkbegriff bzw. dessen Theorien unter anderem Kurt Lewin, Theodor Newcomb, Harrison C. White, John Scott und Mark S. Granovetter, um nur einige der bekannten Wissenschaftler (darunter auch Ethnologen und Sozialpsychologen) zu nennen.

Der Begriff der Netzwerkanalyse ist in den Sozialwissenschaften ein statistisches Instrument und gleichzeitig eine Theorieperspektive, die behauptet, dass das Eingebettetsein der individuellen oder korporativen Akteure in Netzwerkstrukturen Auswirkungen auf deren Handlungsmöglichkeiten hat. „Netzwerkanalyse kann so auch ein Instrument sein zur Verbindung von Akteur- und Handlungstheorien mit Theorien über Institutionen, Strukturen und Systeme. Sie dient der Integration von Mikro- und Makroansätzen in den Sozialwissenschaften“ (Jansen: 1999, S. 11).

In der vorliegenden Arbeit werde ich mich auf die Theorieperspektive beschränken und dabei die für die Netzwerkanalyse wichtigen Verbindungen in und zwischen Netzwerken genauer betrachten und die durch die Verschiedenheit der Verbindungen auftretenden Phänomene herausarbeiten.

2 Einführung in die Netzwerktheorie

Bevor man über Netzwerke und die damit verbundenen Theorien sprechen kann, sollte man sich zuerst über die zwei Hauptunterscheidungen beim Gebrauch des Netzwerkbegriffes klar werden. Zum Einem wird der Netzwerkbegriff in der Ökonomie zur Unterscheidung des Begriffes Hierarchie verwendet, da in der westlichen Wirtschaftswelt die Veränderung von starren, hierarchischen Führungsstrukturen hin zu flexiblen, flachen und verknüpften Führungsstrukturen mit Netzwerkcharakter beobachtet wird. Diese Unterscheidung kommt in dieser Arbeit nicht zum Tragen.

Zum Anderen wird der Netzwerkbegriff in den Sozialwissenschaften in Opposition gesehen zu Autonomie und spiegelt so die bereits oben angedeutete Diskussion Handlungs- versus Strukturperspektive wieder.

Die netzwerkanalytische Forschungstradition setzt sich von anderen soziologischen Traditionen ab, da sie bei einer der zentralen Aufgaben der Soziologie - der Beschreibung von Sozialstrukturen – auf unterschiedliche Weise herangeht. „Strukturen werden als wesentliche soziale Eigenschaften begriffen und formal beschrieben. Ziel ist es, sie für die Erklärung von Strukturen über individuelles Handeln zu erklären“ (Jansen: 1999, S. 12). Hierbei kommt die Überzeugung der Strukturperspektive zum Ausdruck bzw. Durkheims Grundidee, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile sei. Das heißt, dass die Aggregation von individuellen Handlungsmustern kann nicht die Eigenschaften von Sozialstrukturen umfassend beschreiben kann. Netzwerktheorien versuchen die Verflechtungen von Akteuren in einem sozialen System herauszufinden, Muster der Verflechtungen zu extrahieren, um damit Auskunft über Handlungen der in dem sozialen System verknüpften Akteure und über das soziale Kapital eines Akteurs machen zu können. Dabei versteht man unter sozialem Kapital „einen Aspekt der Sozialstruktur, der individuellen oder korporativen Akteuren breitere Handlungsmöglichkeiten eröffnet und z.B. die Koordination ihrer Handlungsmöglichkeiten zu kollektiver Aktion erleichtert“ (Jansen: 1999, S. 22).

Ein Augenmerk der Analyse von Netzwerken fällt auf die Art der Verbindung der Akteure untereinander in einem speziellen Netzwerk und die Art der Verflechtung von kleineren Netzwerken zu größeren. Die hierbei unterschiedenen Verbindungstypen sollen in den nachfolgenden Kapiteln aufgezeigt werden.

3 Die unterschiedlichen Verbindungen bzw. Beziehungen in Netzwerken

Beziehung ist die „Bezeichnung für die aktuellen wie potentiellen Vorgänge (Erwartungen, Wahrnehmungen, Kommunikation, soziales Handeln) zwischen zwei oder mehreren Individuen und zwar unabhängig von der zeitlichen Dauer dieser Wechselbeziehung“ (Fuchs-Heinritz, Lautmann, Rammstedt, Wienold: 1994, S. 100). Die Beziehungen sind somit Interaktionsmuster und relationale Merkmale zwischen zwei oder mehreren Individuen von denen die meisten Menschen eine Vielzahl davon besitzen.

3.1 Art der Beziehung

Bei der Vielzahl von Beziehungen, die eine Person zu anderen Menschen besitzt, existieren Unterschiede in der Art der Verbindung. Damit ist zu verstehen, dass eine Zufallsbekanntschaft oder eine Arbeitsbeziehung eine andere Verbindungslinie aufweist als eine enge Freundschaft oder Verwandtschaftsbeziehung. Der Ethnologe Barnes kontrastiert in seinem Werk im Jahr 1969 so zum Beispiel die Arten von Verbindungen zwischen Stammesgesellschaften auf der einen und Industriegesellschaften auf der anderen Seite. Die Stammesgesellschaften zeichnen sich nach ihm durch ein dichtes, multiplexes Netzwerk aus, in dem jeder jeden kennt und durch eine Vielzahl von Beziehungen verbunden ist. Für Industriegesellschaften sei es andererseits charakteristisch, dass sie lose geknüpfte, uniplexe Beziehungsnetze besitzen in denen sich nicht alle Beteiligten kennen bzw. zwischen Paaren von Beziehungen nur eine Art von Beziehung existiert. „Gemeinsame Arbeit, Freizeit, Verwandschaft, religiöse Verbundenheit usw. fallen hier auseinander, während sie im Fall eines dichten, multiplexen Netzes verwoben sind. In einem multiplexen, dichten Netz können sich Akteure leichter erreichen, sie interagieren intensiver miteinander und als Konsequenz entsteht ein höherer Grad an sozialer Kontrolle und daraus folgender Konformität des Verhaltens. Im Gegensatz dazu bieten die schwach verknüpften und uniplexen Netzwerke in städtischen oder komplexen Gesellschaften den Akteuren Fluchtmöglichkeiten, weil diese sozialen Gebilde weniger transparent sind und die Kontrolle nur einige Akteure und bestimmte Beziehungen erfaßt (etwa im Arbeitsbereich), während andere Lebensbereiche (z.B. der Freizeitbereich) davon unberührt bleiben“ (Schweizer: 1996; S. 115).

3.2 Stärke der Beziehung

Aus der Art der Beziehung resultiert meist auch die Stärke der Beziehung. Granovetter prägte den Begriff der „strong ties“ und „weak ties“ (starken und schwachen Beziehungen). Starke Beziehungen sind nach ihm Beziehungen „in die die Akteure viel Zeit investieren, die emotional intensiv und vertraut sowie mit reziproken Erwartungen versehen sind“ (Schweizer: 1996; S. 115). Diese Beziehungen stellen aber auch durch die reziproken Erwartungen an die Beteiligten höhere Anforderungen als die schwachen Beziehungen, welche durch das Fehlen der oben genannten Kriterien charakterisiert sind. Die meisten persönlichen Netzwerke bestehen aber aus beiden Arten von Beziehungen. So ist ein Individuum z.B. Teil eines Verwandtschafts – und Freundschaftsnetzwerkes mit starken Beziehungen, unterhält aber auch schwache Verbindungen zu Arbeitskollegen oder Bekannten. „Je mehr starke Beziehungen ein Akteur aufweist, desto schwächer ist er in das Gesamtnetzwerk eingebunden, weil die kohäsive Subgruppe viel Zeit und Energie verbraucht. Je mehr schwache Beziehungen hingegen ein Akteur unterhält, desto besser kann er die Beschränktheit kohäsiver Kreise überwinden, desto mehr unterschiedliche Informationen erhält er und desto besser ist seine Einbindung in das gesamte Netzwerk“ (Schweizer: 1996; S. 118 f). Schwache Beziehungen führen auch oft zu einer Person, die Zugang zu statushöheren Netzwerken besitzt und somit z.B. bei der Suche nach einem Arbeitsplatz sehr hilfreich sein kann. Wie oben bereits erwähnt sind schwache Verbindungen in der Lage, die Beschränktheit des eigenen Netzwerkes zu überwinden und so über große Distanzen Brücken zu anderen Netzwerken herzustellen. „Sie sind für alle Mobilitäts-, Modernisierungs-, Innovations- und Diffusionsprozesse von Bedeutung, denn sie vermitteln verschiedenartige und oft auch neue Informationen und Normen. Sie sind es auch, die verhindern können, daß Ausschließungsprozesse absolut werden und die verschiedenen stark integrierten Gruppen einer Gesellschaft (Clans, ethnische Gruppen, Klassen, religiöse oder regionale Gruppen, usw.) sich gegenseitig die Lebensberechtigung absprechen und bekriegen“ (Jansen: 1999, S. 101).

3.3 Grad der Reziprozität und das damit verbundene Prestige

„Reziprozität oder Nichtreziprozität ist für das Verständnis von Netzwerken unter Freunden wichtig. Generell kann man sagen, dass jemand um so populärer und öffentlich wahrnehmbarer ist, je mehr er oder sie in den Netzwerken anderer Personen auftaucht. Häufen sich hingegen bei einer Person die nichtreziproken Beziehungen, so ist die Rolle dieser Person peripher oder marginal“ (Joas: 2001, S. 107). Eine Beziehung ist reziprok, wenn die beteiligten Individuen die Beziehung wahrnehmen und die Beziehung auf Wechselseitigkeit definiert als „aufeinander bezogene Handlungspartner mit gegenseitigen Einschätzungen und Erwartungen“ (Hillmann: 1994, S. 738) beruht. Nichtreziprozität ist durch das Fehlen der oben genannten Kriterien charakterisiert.

Eng verbunden mit der Reziprozität bzw. unter anderem daraus entstehend ist das individuelle Merkmal Prestige. „Prestige hat – einen positiven Relationsinhalt vorrausgesetzt – ein Akteur, der von vielen anderen Akteuren direkt oder indirekt `gewählt´ “ (Jansen: 1999, S. 121) wird. Die Frage, ob aus einer Beziehung Prestige entsteht oder nicht, setzt voraus, dass es sich um eine asymetrisch-gerichtete Beziehung handelt. Bei asymetrisch-gerichteten Beziehungen ist es wichtig, ob der Akteur die Quelle oder das Objekt einer Beziehung ist, d.h. ob die Beziehung von ihm ausgehend zu einer anderen Person oder von einer Person zu ihm gerichtet ist. „Akteure, die überwiegend Objekt positiver gerichteter Beziehungen sind, haben ein hohes Prestige“ (Jansen: 1999, S. 136). Als Beispiel kann man sich einen Wissenschaftler vorstellen, dessen Arbeiten in anderen wissenschaftlichen Texten zitiert werden. Dieser Wissenschaftler weist somit ein hohes Prestige auf.

3.4 Redundante Beziehungen

Wenn man bei einem Akteur darauf schaut wie sich durch seine Verbindungen unter anderem sein soziales Kapital erhöht, ist nicht nur die Menge, sondern auch die Unterschiedlichkeit seiner Beziehungen dabei von Relevanz. Die für das soziale Kapital wichtigen Beziehungen sollten daher nicht-redundant sein. „Redundant sind Beziehungen, die auf indirektem Wege zu demselben Dritten führen und dadurch keinen Informationsgewinn erzielen. Wenn ein Akteur zu einer kohäsiven Teilgruppe im Netz mehrere Kontakte unterhält, sind diese redundant und unter dem Aspekt der effizienten Informationsgewinnung überflüssig, denn eine einzige primäre Verbindung erschließt bereits die in der Clique enthaltenen Informationen“ (Schweizer: 1996; S. 122). Die Existenz einer starken Beziehung zu einem Netzwerk ist ein Indiz für das Fehlen von Redundanz, da der Akteur dieselbe Information erhält, wenn er lediglich die durch die starken Beziehung verbundene Person kontaktiert. Ob eine Beziehung aber als nicht redundant gilt, ist nicht abhängig von der Stärke der Beziehung.

3.5 Symmetrie der Beziehungen

„In symmetrischen Beziehungen besteht Ähnlichkeit in bezug auf Alter, Bildung, Geschlecht, Einkommen“ (Joas: 2001, S. 108). Es handelt sich hierbei um Beziehungen, die auf Grund der Ähnlichkeit bzw. der Zugehörigkeit zu dem selben Netzwerk entstehen und durch die Symmetrie eine Beständigkeit aufweisen.

Ich werde auf die Symmetrie der Beziehungen nicht genauer eingehen, da ihre genaue Betrachtung mit der Analyse von Netzwerken und Netzwerkmustern verbunden ist und somit die in dieser Arbeit gewählte Konzentration auf Verbindungstypen sprengen würde.

4 Durch unterschiedliche Verbindungen auftretende Phänomene

Auf grund der Fülle der durch die Unterschiedlichkeit der Verbindungen auftretenden Phänomene werde ich mich auf zwei anschauliche Phänomene beschränken, die die Relevanz der Untersuchung von Beziehungen in Netzwerken veranschaulichen sollen.

4.1 Das Verhalten im Konfliktfall

Untersuchungen zeigten, dass die unterschiedlichen Arten und Stärken von Beziehungen auch Auswirkungen auf das Verhalten in Konflikten und damit auf den Verlauf und schließlich das Ergebnis haben. „Wenn die Konfliktparteien in ein multiplexes Netz eingebunden sind, haben sie und die ihnen gleichermaßen verbundenen Dritten ein größeres Interesse an der Aufrechterhaltung der sozialen Beziehung. Verhandlungen und Vermittlung prägen den Konfliktverlauf, mit dem Ziel der Streitschlichtung und Kompromißlösungen als Ergebnis. Im uniplexen Netz prallen die Interessen der Streitenden hingegen unmittelbar aufeinander, und sie sind weniger gehalten, Kompromisse einzugehen. Schiedssprüche und Verurteilungen prägen den Konfliktverlauf und die Beteiligten streben Alles-oder-Nichts-Entscheidungen an und erzielen auch dieses Ergebnis, weil sie das Eigeninteresse und das Streitziel höher einschätzen als die Aufrechterhaltung der sozialen Beziehung zu ihrem Gegner“ (Schweizer: 1996; S. 116). Damit verbunden ist das Fehlen von vermittelnden und streitschlichtenden Dritten in uniplexen Netzwerkbeziehungen.

4.2 Das Phänomen des lachenden Dritten

Wie oben bereits erwähnt entdeckte Granovetter, dass schwache Verbindungen in der Lage sind die Beschränktheit des eigenen Netzwerkes zu überwinden und so große Distanzen zu anderen Netzwerken - sogenannte Brücken - herzustellen „und dadurch die Erfolgschancen des Handelns der Akteure zu erhöhen“ (Schweizer: 1996; S. 120). Diese Brücken überwinden auch strukturelle Löcher, die als Lücke im Gesamtnetzwerk, die durch nicht-redundante Beziehungen geschlossen werden, definiert sind (Schweizer: 1996; S. 122). „Akteure, die strukturelle Löcher überbrücken, bringen unterschiedliche soziale Welten in Zusammenhang und können oft die Rolle des `lachenden Dritten´ (tertius gaudens) einnehmen, weil ihre Position am Schnittpunkt ansonsten unverbundener sozialer Kreise reiche unternehmerische Gelegenheiten erkennen läßt, die sie in Geschäftserfolge ummünzen können“ (Schweizer: 1996; S. 126). Der `lachenden Dritte´ hat somit Kontrollvorteile, weil er zwischen unterschiedlichen Interessen vermitteln kann und folglich Gelegenheiten hat Informationsvorteile zu nutzen. Die Beziehungen bzw. Verbindungen zu den jeweiligen Personen der interessierenden Netzwerke, die dem Akteur die Rolle des `lachenden Dritten´ ermöglichen, sollten somit in strukturelle Löcher eingebettet und folglich austauschbar sein, während er nur von starken Beziehungen umgeben sein sollte, um sich damit unersetzbar zu machen (Schweizer: 1996; S. 127).

5 Kritik an den Theorien des Netzwerkes

Eine oft geäußerte Kritik an Netzwerktheorien ist „die Vernachlässigung kognitiv-emotiver Bedingungen und die Beschränkung auf die strukturellen Rahmenbedingungen“ (Schweizer: 1996; S. 126). Somit werden die „`objektiven´ strukturellen Rahmenbedingungen gegenüber den `subjektiven´ Motivationen der Akteure überbewertet und die Netzwerkstruktur verdinglicht, während diese in Wirklichkeit sowohl aus sozialen als auch kognitiven Momenten besteht und es darauf ankommt, die Wechselwirkungen dieser Momente zu verstehen“ (Schweizer: 1996; S. 138). „Einstellungen werden als Schall und Rauch angesehen und das Handeln als einzig oder zumindest letztlich von der Position der Akteure in sozialen Netzwerken abhängig“ (Schweizer: 1996; S. 126) gemacht.

Des weiteren wird kritisiert, dass Netzwerktheorien den Wandel der Strukturen bzw. deren Beziehungen nicht abbilden und erklären können. „Die historischen Abläufe [werden] lediglich in eine Folge statischer Strukturanalysen, nämlich unverbundener struktureller Schnappschüsse, zerlegt“ (Schweizer: 1996; S. 137.)

6 Schluss

Wie oben schon angedeutet wurde, sind Theorien über Netzwerke nicht nur ein soziologisches Gebiet, sondern Forschungsbereich von Ethnologie, Soziologie, Sozialpsychologie und den Wirtschaftswissenschaften. Dieser Sachverhalt zeigt einen Vorteil von Netzwerktheorien. Sie zeichnen sich durch ihre hohe Anwendbarkeit bei der Untersuchung der Wirklichkeit aus, lassen dabei aber sinnstiftende Elemente wie Einstellungen und Emotionen zumeist außer Acht, was als Folge eine Verzerrung hin zu rationalen Akteuren nach sich zieht. Auch die statistisch-quantitativen Methoden, die als Werkzeug der Netzwerkanalyse verwendet werden, zeigen diese Polarisierung und den darin enthaltenen Methodenstreit auf.

Die Ursprünge der Netzwerktheorien stammen zum größten Teil aus Nordamerika, wo auch heute noch sehr stark geforscht wird. Im europäischen Raum hat sich aber auch seit einigen Jahren auf dem Gebiet der Netzwerkanalyse eine eigener Kreis von Netzwerkwissenschaftlern etabliert und es ist zu erwarten, dass sich diese Entwicklung in nächster Zeit noch verstärken wird.

Literaturangabe:

- Dorothea Jansen; Einführung in die Netzwerkanalyse; Opladen: Westdt. Verlag; 1999
- Thomas Schweizer; Muster sozialer Ordnung; Berlin: Dietrich Reimer Verlag; 1996
- Robert D. Putnam; Gesellschaft und Gemeinsinn; Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung; 2001
- Hans Joas; Lehrbuch der Soziologie; Frankfurt/New York: Campus Verlag; 2001
- Werner Fuchs-Heinritz, Rüdiger Lautmann, Ottheim Rammstedt, Hans Wienold; Lexikon der Soziologie; Opladen: Westdt. Verlag; 1994
- Karl-Heinz Hillmann; Wörterbuch der Soziologie; Stuttgart: Alfred Kröner Verlag; 1994

10 von 10 Seiten

Details

Titel
Arten von Querverbindungen bzw. Beziehungen in Netzwerktheorien und die durch die unterschiedlichen Verbindungen auftretenden Phänomene
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
10
Katalognummer
V107998
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arten, Querverbindungen, Beziehungen, Netzwerktheorien, Verbindungen, Phänomene
Arbeit zitieren
Markus Mayer (Autor), 2002, Arten von Querverbindungen bzw. Beziehungen in Netzwerktheorien und die durch die unterschiedlichen Verbindungen auftretenden Phänomene, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107998

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