Die Geschichte der deutschen Sprache


Referat / Aufsatz (Schule), 2003
14 Seiten, Note: 1

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Inhaltsverzeichnis

1. Das Althochdeutsche (etwa 750 bis 1050)

2. Das Mittelhochdeutsche (etwa 1050 bis 1350)

3. Das Frühneuhochdeutsche (etwa 1350 bis 1650)

4. Das Neuhochdeutsche (etwa seit 1650)

In ihren Grundzügen geht diese Einteilung auf Jacob Grimm (1785-1863) zurück, den älteren der beiden Brüder, denen wir die Sammlung der Kinder- und Hausmärchen verdanken. Er war ein bedeutender Gelehrter und der Begründer der deutschen Sprachwissenschaft. Allerdings hielt er Martin Luther (1483-1546) für den eigentlichen Schöpfer des Neuhochdeutschen. Darum setzte er die Grenze zwischen Mittel- und Neuhochdeutsch um das Jahr 1500 an. Viel später erst wurde erkannt, daß Luther eine Entwicklung auf die Höhe führte, die schon viel früher begonnen hatte. Deshalb wird heute die Periode 3 "Frühneuhochdeutsch" als eine eigene, selbständige Sprachperiode in das anfangs nur dreiteilige Schema eingeschoben.

Die deutsche Sprache gehört zur germanischen Gruppe, der indogermanischen Sprachen, die außer in Deutschland, Österreich, der deutschsprachigen Schweiz und Liechtenstein auch in Südtirol, im Elsaß, in Luxemburg und kleineren Gebieten Belgiens gesprochen wird. Zudem gibt es in Ost- und Südosteuropa noch Gebiete mit deutschsprachiger Bevölkerung. Auch bei Auswanderergruppen hat sich die deutsche Sprache zum Teil erhalten, z.B. in Nordamerika (Pennsylvaniadeutsch), Südamerika und Afrika (eine der Amtssprachen in Namibia). Heute gibt es 100 Millionen Sprecher der deutschen Sprache.

Bis zum 8 Jh. erstreckte sich die deutsche Sprache im Osten nur bis etwa an die Elbe und die Saale. Im Süden gehörten die langobardischen Teile Oberitaliens zum deutschen Sprachgebiet, große Teile des westlichen Frankreichs waren deutsch oder gemischt romanisch-deutsch.

In althochdeutscher Zeit breitete sich die deutsche Sprache nach Süden und Westen, mit Beginn der deutschen Ostsiedlung weit nach Osten, aus. Seit dem 12. Jahrhundert wurde in Schleswig und in den Gebieten östlich der Elbe deutsch gesprochen. Seit dem 13. Jahrhundert kamen Deutsche nach Ostpreußen und ins Baltikum. Auch nach Böhmen drang das Deutsche vor, besonders im Sudetenland. Das Niederländische bildete bis zum 16. Jahrhundert eine eigene Hochsprache aus und spaltete sich vom Deutschen ab. An der Westgrenze (z.B. in Metz), sowie zum Teil in der Schweiz wird heutzutage französisch gesprochen. Die größten Einbußen erlitt das deutsche Sprachgebiet durch die Folgen des 2. Weltkrieges.

1. Das Althochdeutsche (etwa 750 - 1050)

Die Voraussetzungen für die Entstehung der deutschen Sprache aus mehreren germanischen Dialekten wurde durch das Frankenreich, welches unter Karl dem Großen entstand, erschaffen. Den Rahmen bildete der Ostteil des Reiches, der die germanisch sprechenden Stämme umfaßte. Die Bildungsreform Karl des Großen schloß auch eine Reform des Kirchen- und Schulwesens ein. Um ein christliches Durchdringen des ganzen Volkes zu erreichen, mußte die Kluft zwischen lateinischer Bildungs- und fränkischer Volkssprache überwunden werden; es entstanden viele althochdeutsche Übersetzungen kirchlicher Texte, wie z.B. von einen Mönch im Kloster Fulda (um 825 ) heißt es :

si giheilagot thin namo, queme thin rihhi, si

thin willo, so her in himile ist, so si her in erdu.

Die Übersetzung in die Volkssprache lautet :

Gewihid si thin namo. Cuma thin craftag riki. Werda thin willeo

so sama an erdo, so thar uppe ist an them hohon himilrikea.

Die Christianisierung des deutschen Wortschatzes ist die große Leistung der Mönche, die in althochdeutschen Zeiten die sprachlichen Mittel für den lateinischen Wortschatz erarbeiten mußten. Den neuen Wortschatz erhielt man durch Wortentlehnungen aus dem lateinischen oder griechischen, häufiger durch Lehnbildungen (Neuprägungen mit Hilfe von Bestandteilen deutscher Wörter nach dem Vorbild lateinischer Kirchensprache).

In der sprachlichen Form des Althochdeutschen ist die Klangfülle der Wörter auffallend, die durch die volltönenden Vokale der Nebensilben bedingt ist und eine Vielfalt im Formen-system ermöglicht. Das wichtigste Ereignis in der althoch-deutschen Lautentwicklung war die 2. oder hoch-deutsche Lautverschiebung, die das Deutsche, besonders das Hoch-deutsche, von den anderen germanischen Sprachen abhebt.

2.Das Mittelhochdeutsche (etwa 1050 - 1350)

Es erfolgte die Festigung der in den vorausgehenden Jahrhunderten entstandenen Sprache und ihre Ausgestaltung zu einer Kultursprache, die bereits den Anforderungen der verschiedenen Literaturgattungen und Sozialschichten angepaßt werden konnte. Hauptträger dieser Sprache waren der Geistliche in der Gemeinde und der Volksprediger, vor allem aber der weltliche Dichter und Ritter.

Der gleiche Text wie im Althochdeutschen heißt im Kloster Milstatt in Kämten (um 1200), wie folgt:

geheiliget werde din name. zuchom uns din rich.

din wille werde hie uf der erde als da ze himele.

Voraussetzung war das neue Selbstbewußtsein des Deutschsprechenden, das den politischen Verhältnissen des Hochmittelalters entsprach. In dem die erfolgreiche Politik der Kaiser, besonders der Sachsen- und Staufenkaiser, zur nationalen Hochstimmung führte. Diese Blüte aber dauerte nur kurze Zeit, denn der Zerfall des Reiches im Interregnum und im Spätmittelalter zog auch den Zerfall der mittelhochdeutschen schriftsprachlichen Einheit nach sich. Die Idee einer gemeinsamen deutschen Sprache blieb bei aller politischer Zersplitterung erhalten.

Für die Sprachentwicklung waren in dieser Zeit das höfische Rittertum und die Mystik von besonderer Bedeutung. Die engen Beziehungen zum französisch-provinzialen Rittertum und die Kreuzzüge förderten die Übernahme einer großen Zahl von Lehnwörtern (z.B. Lanze, Tanz, Flöte, Turnier) und französichen Wortbildungselementen. Die Mystiker mußten erst für das „Unsagbare“, das Verhältnis des Menschen zu Gott, sprachliche Mittel finden, um ihre Gedanken und Erlebnisse verständlich machen zu können, z.B. Einkehr, Einfluß, einförmig, gelassen.

Besonders die Abstraktbildung mit -heit, -keit, -ung und -lich haben die deutsche Sprache sehr beeinflußt.

Die sprachliche Struktur des Mittelhochdeutschen unterscheidet sich in deutlichen Punkten vom Althochdeutschen. Die Vokale der Nebensilben wurden zu -e- abgeschwächt (geban; geben); die Vokale der Tonsilben wurden umgelautet , wenn i oder j folgt (mahtig; mähtec >mächtig<). Im Konsotantismus trat die Auslautverhärtung der weichen Verschlußlaute ein

(Genitiv: leides = Nominativ: leit). Durch die Abschwächung der Nebensilbenvokale konnten viele Flexionsformen nicht mehr unterschieden werden. Die Funktion der Endungen ging nun auf den Artikel und das Pronomen über.

Kurzbiographie von Walther von der Vogelweide

Geboren wurde er um 1170 in Niederösterreich.

Er lebte eine Zeitlang am Hofe der österreichischen Herzöge in Wien. Nach dem Tode Friedrichs I. (1198) war er fahrender Sänger. Schon zu Lebzeiten war er ein anerkannter Liedermacher. Es sind über 100 Texte von ihm überliefert. Er starb um 1230 in Würzburg und wurde dort im Kreuzgang des Neumünster begraben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Walther von der Vogelweide

Auszug aus dem Gedicht

„Ich saz ûf eime steine“

von

Walther von der Vogelweide

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Das Frühneuhochdeutsche(etwa 1350 - 1650)

Neu erbaute, fürstliche Kanzleien gaben der Kanzleisprache eine größere Bedeutung. Von ihr gingen Impulse zur schrifsprachlichen Einheit aus. Schreibsprachen entstanden, die in ihrem eigenen Bereich überregionale Bedeutung hatten. Der städtische Bürger war Hauptträger der Frühneuhoch-deutschen Sprache, die vom nüchternen Stil der gesell-schaftlichen Welt geprägt war und keine ritterlichen Ideale mehr beinhaltete.

Für die Verbreitung dieser Sprache war der neu erfundene Buchdruck von großer Bedeutung. Durch Luthers Bibel-übersetzung übernahm das „Meißner Deutsch“ die Führung.

Nach der Übersetzung Luthers heißt der Text wie im Mittelhochdeutschen, wie folgt:

Dein Name werde geheiliget. Dein Reich kome.

Dein Wille geschehe auff Erden wie im Himel.

Die mittelhochdeutsche Literatursprache beruhte auf dem Oberdeutschen, die Grundlage für das Frühneuhochdeutsche, und das Neuhochdeutsche bildete dagegen das Ostmittel-deutsche.

Frühneuhochdeutsch unterschied sich vom Mittelhochdeutsch durch einige Lautveränderungen. Die neuhochdeutsche Diphthongierung (Zwielaute) (z.B. mîn nüwes hûs = mein neues Haus; lieben guoten brüede = liebe gute Brüder ); die Monophthongierung der alten Diphthonge (guot = gut; güetec = gütig); die Vokale der kurzen offenen Stammsilben wurden gedehnt (lêben = leben). Durch die Abschwächung der Endsilbenvokale wurden die Deklinationsklassen immer mehr verwischt, was zu einer Vernachlässigung des Kasus, besonders des Genitivs, zugunsten präpositionaler Fügungen führte.

4. Das Neuhochdeutsche (seit 1650)

Pädagogen versuchten die sprachliche Struktur neu zu erforschen. Grammatiker wagten Regeln für die deutsche Gemeinsprache aufzustellen und sie durch die Schule weiterzuverbreiten. Die Lexikographen trugen zur Vereinheitlichung der Wortformen und der Rechtschreibung bei.

Als Schriftsteller (Goethe, Lessing etc.) nach der Aufklärung eine allgemeine Literatur schufen, setzte sich die neue Sprachform durch.

Die geänderte Rechtschreibung der Bibelübersetzung von Luther lautet:

Dein Name werde geheiliget. Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.

Regelung der deutschen Rechtschreibung hatten erst 1901 Erfolg, nachdem Konrad Duden mit seinem Wörterbuch bahnbrechend gewirkt hatte. Durch Theodor Siebs erfolgte die Regelung der Aussprache.

Strukturveränderung zum Frühneuhochdeutschen betrafen vor allem die Flexionsformen, während die Laute nahezu unverändert blieben bzw. nur orthographisch anders wiedergegeben wurden. Beim Substantiv stand die Unterscheidung Singular - Plural weiter im Vordergrund, ebenso der Ersatz des Genitivs und Dativs durch die Akkusativ- oder Präpositionalgefüge. Beim Verb schwanden die Konjunktivformen immer mehr; wo der Konjunktiv nötig war, z.B. bei unsicherer Aussage, wurde er durch Modalverben ausgedrückt. Die schwache Konjunktion trat in den Vordergrund.

Die deutschen Mundarten (Dialekte), aus denen die Hochsprache hervorgegangen ist, liefern der Standardsprache immer neues Wortgut und tragen so zur Erweiterung des Wortschatzes und der Ausdrucksmittel bei, andererseits übernehmen sie von der Hochsprache vor allem moderneres Wortgut.

Aus Fachbereichen gelangen oft Wörter in die Allgemeinsprache.

Generell ist das Deutsche durch eine große Neigung gekennzeichnet, fremdes Wortgut aufzunehmen; früher wurde deshalb oft die Forderung nach der „Reinheit der Sprache“ erhoben. Die Diskussion um die Fremdwörter ist bis heute ein Hauptproblem der deutschen Sprache.

ubersetzer als mittler von sprache und literatur

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellenverzeichnis

- www.deutsche-staedte.de/sprache/sprache.html

Inhalt der gesamten Hausarbeit

- www.fruehneuhochdeutsch.de/

Deckblattbild

- www.gutenberg.spiegel.de/autoren/waltherv.htm

Bild Seite 7, Biographie von W. von der Vogelweide

Literaturverzeichnis

- www.didaktik.physik.uni-wuerzburg.de/ ~pkrahmer/home/ich_saz.html

Gedicht Seite 8 und Übersetzung

- www.deutsche-staedte.de/sprache/sprache.html

blaue Texte in der Hausarbeit

Seite 1: Deckblatt

Seite 3: Zeitstrahl

Seite 4 + 5: Allgemein

Seite 6: Althochdeutsch

Seite 7: Mittelhochdeutsch

Seite 8: Biographie von Walther von der Vogelweide

Seite 9: Gedicht „Ich saz ûf eime steine“ von Walther von der Vogelweide

Seite 10: Frühneuhochdeutsch

Seite 11: Neuhochdeutsch

Seite 12: Übersetzer als Mittler von

Sprache und Literatur

Seite 13: Quellen- und Literaturverzeichnis

Zeitstrahl

Althochdeutsch Mittelhochdeutsch Frühneuhochdeutsch Neuhochdeutsch Karl der Große führte Walter von der Martin Luther übersetzte Seit 1901 gibt es eine eine einheitliche Vogelweide schreibt die Bibel in die Volks- einheitliche Recht- Sprache („Lingua Minnelieder und sprache. schreibung.

theudisca“ = „Sprache Gedichte. Zum Beispiel:

des eigenen Volkes“) „Under der linden“ und und Schrift ein. „Ich saz ûf eime steine“.

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Wortbeispiele

adra ader Ader Ader

weg wege Weg Weg

zinamin zinemin Zimmet Zimt

14 von 14 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte der deutschen Sprache
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V108018
Dateigröße
665 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Geschichte, Sprache
Arbeit zitieren
Martin Steinhilber (Autor), 2003, Die Geschichte der deutschen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108018

Kommentare

  • Gast am 19.2.2015

    Ich möchte Etwas über die Indogermanischen Sprachen ? Quellen .. Bücher

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Titel: Die Geschichte der deutschen Sprache


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