In Stahlgewittern - Westfront 1914-1918


Facharbeit (Schule), 2003
35 Seiten, Note: 1

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1 Inhaltsverzeichnis

1 Inhaltsverzeichnis

2 Vorwort

3 Der Stellungskrieg und das Sinken der Kampfmoral

4 Der Krieg an der Westfront und die neue Art der Schlacht
4.1 Die Schlacht von Verdun - 22.Februar bis Juli
4.1.1 Verdun – Die Bilanz
4.1.2 Nebenbei bemerkt
4.1.3 Der deutsche Soldat in der Hölle von Verdun
4.2 Schlacht an der Somme - 24. Juni bis 26. November
4.2.1 Nebenbei bemerkt
4.3 Die erste Tank-Schlacht bei Cambrai – ab 20.November bis 23.November

5 Die neuen Technologien des Krieges
5.1 Das Maschinengewehr
5.2 Die U-Bootwaffe
5.3 Die Panzerwaffe
5.4 Die Luftwaffe
5.5 Der Gaskrieg

6 Industrie und Wirtschaft – Auch das Hinterland ist wichtig

7 Die Bilanz des 1. Weltkrieges

8 „Im Westen nichts Neues“ und „In Stahlgewittern“
8.1 Erich Maria Remarque’s „Im Westen nichts Neues“
8.1.1 Der Autor
8.1.2 Der Roman – Im Westen nichts Neues
8.2 Ernst Jünger’s „In Stahlgewittern“
8.2.1 Der Autor
8.2.2 Das Kriegstagebuch
8.3 Vergleich – Jünger und Remarque

9 Die Kriegsführung des 20. Jahrhunderts

10 Schlusswort

11 Literaturverzeichnis

12 Bildnachweis

2 Vorwort

Kriege haben mich immer schon interessiert, fasziniert und geängstigt. Aus diesem Grunde habe ich mich entschlossen, Licht in die Geschehnisse des 1. Weltkrieges zu bringen und Ursachen, Verlauf und Auswirkungen der Ereignisse auf Soldaten und Hinterland darzustellen.

Kriegsbeginn und das Scheitern des Schlieffenplans

Als der erste Weltkrieg begann, war Deutschland eine Großmacht. Es war militärisch hochgerüstet und Wilhelm II. dachte, dass es absolut auf einen Krieg vorbereitet wäre. Man machte sich schon Jahre vorher darüber Gedanken, wie man Frankreich in einem Zweifrontenkrieg mit Russland und Frankreich in die Knie zwingen sollte. Dies alles wurde im sogenannten Schlieffenplan festgehalten, den der General Schlieffen als Denkschrift 1905 niederlegte.

Der Schlieffenplan war darauf aufgebaut, dass die Tatsache, dass an der französisch-deutschen Grenze eine dichte Festungslinie mit Toul, Verdun, Belford, Epinal errichtet war, ein frontales Angreifen Frankreichs unmöglich war. Daher versuchte der Schlieffenplan diese Festungslinie zu umgehen und stattdessen die neutralen Länder Luxemburg und Belgien zu überrumpeln und in einer Scherenbewegung von oben, Frankreich einzunehmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1.1: Der Schlieffenplan

„Wir hatten Hörsäle, Schulbänke und Werktische verlassen und waren in den kurzen Ausbildungswochen zu einem großen, begeisterten Körper zusammengeschmolzen. Aufgewachsen in einem Zeitalter der Sicherheit, fühlten wir alle die Sehnsucht nach dem Ungewöhnlichen, nach der großen Gefahr. Da hatte uns der Krieg gepackt wie ein Rausch. In einem Regen von Blumen waren wir hinausgezogen, in einer trunkenen Stimmung von Rosen und Blut. Der Krieg musste es uns ja bringen, das Große, Starke, Feierliche. Er schien uns männliche Tat, ein fröhliches Schützengefecht auf blumigen, blutbetauten Wiesen. "Kein schönrer Tod ist auf der Welt..." Ach, nur nicht zu Haus bleiben, nur mitmachen dürfen!“[1]

Die Moral der Soldaten, die in Frankreich kämpfen sollten, war zu Kriegsbeginn wahrscheinlich höher, als je in einem Krieg davor oder danach. Ernst Jünger selbst, Kriegsfreiwilliger von der Schulbank, sang das extrem nationale Volkslied „Die Wacht am Rhein“ lautstark mit seinen Kameraden, als er die deutsch-französische Grenze überschritt.

Man rechnete damit, dass Frankreich in wenigen Wochen einzunehmen sei. Dass sich die allgemeine Euphorie aber sehr bald legen sollte, wusste September 1914 aber noch niemand. Spätestens nach Verdun war jedoch jedem klar, wie sich die Dinge im allgemeinen entwickelten.

Dass der Schlieffenplan versagte, dürfte mehrere Gründe haben. Einerseits spielte den deutschen kaiserlichen Truppen das Wetter im Herbst 1914 übelst mit, andererseits aber war auch der Oberbefehlshaber der Armee, Generaloberst Moltke, eine sehr schwache Persönlichkeit. Obwohl als Taktiker exzellent, hatte er jedoch nicht die Schneid eines Ludendorffs.

So kam es noch im selben Jahr zum Wunder an der Marne. Im September 1914 standen schon fünf deutsche Armeen zwischen Paris und der Marne. Den Franzosen war eines klar geworden: Irgendwie musste der drohende Feind zurückgeschlagen oder zumindest aufgehalten werden. Also stellte die französische Heeresleitung eiligst mit den Briten eine Armee zusammen, die die rasch vorrückenden Deutschen aufhalten sollte. Und das gelang auch. Sie konnten eine etwa 40 Kilometer breite Lücke zwischen die I. und die II. deutsche Armee schlagen. Frankreich feierte diesen Erfolg als „Wunder an der Marne“, und damit war auch der Erfolg des Schlieffenplans gescheitert. Der sehr schwache und zögernde Generaloberst Moltke wurde durch Erich von Falkenhayn ersetzt, und der Krieg ging in eine neue Phase. Weg vom Bewegungskrieg, hin zum Stellungskrieg.

3 Der Stellungskrieg und das Sinken der Kampfmoral

Als die Oberste Heeresleitung der Deutschen sich allmählich bewusst wurde, dass der Schlieffen-Plan kein schnelles Kriegsende bringen würde, und auch das Wetter nur zu Ungunsten der deutschen Armeen wirkte, begannen sich die Soldaten einzugraben. Zuerst wurden einfach nur Gräben ausgehoben, die vorerst nur als ein- oder zweiwöchige Stellungen wirke, und auch nur als provisorischer Schutz vor dem Feind dienen sollten. Mit der Zeit aber wurden die Gräben tiefer, Wände durch Schalungen verstärkt und gefestigt, manchmal sogar ausbetoniert, es wurden taktische Grabensysteme angelegt, Stollensysteme konstruiert, teils metertief, in denen Behausungen eingebettet waren. Es wurden granaten- und bombensichere Unterstände entworfen, die sogar schwerem Beschuss stand hielten, kurz gesagt, es stellte sich Monat für Monat jeder auf einen sehr langen Krieg ein, und um 1915 war auch jedem Soldat, der nicht durch deutsche Propaganda geblendet war, bewusst, dass sich der Krieg noch Jahre hinziehen würde.

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Abb. 2.1.: Feldpostkarte „Schützengräben in Westflandern“

Aber nicht nur an der Westfront kam der schnelle Fortschritt ins Stocken, auch an fast allen Fronten des 1. Weltkrieges machte sich Stagnation bemerkbar. An der Ostfront mussten auch die Österreicher schwere Niederlagen einstecken. Die Deutsche Armee musste zusätzlich zu ihrem Kräfteaufgebot an der Westfront auch Hilfstruppen an die Ostfront schicken, sonst hätte Österreich-Ungarn den Russen wohl nicht lange stand gehalten. Österreich-Ungarn hatte Deutschland gegenüber einen entscheidenden Nachteil. Der österreichische Kaiser führte schon von Beginn an einen Krieg an zwei Fronten, nämlich am Balkan und in Russland. Später kam dann sogar noch die Italienfront hinzu, als die Italiener aus dem Dreibund ausstiegen und auf Seiten der Alliierten kämpften.

4 Der Krieg an der Westfront und die neue Art der Schlacht

Wenn man Leute über den 1. Weltkrieg diskutieren hört, dann wird ein Wort mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit fallen: „Verdun“. Verdun wird unverkennbar mit dem „großen vaterländischen“ Krieg in Verbindung gebracht, denn nirgendwo starben so viele Soldaten auf so einen kleinen Raum konzentriert. An Massenaufgebot hat wohl noch die Schlacht an der Somme, diesem idyllischen süd-französischen Fluss in der Champagne, alles bisher dagewesene in den Schatten gestellt. Als Abschluss habe ich mir noch die erste Panzerschlacht bei Cambria ausgesucht, da auch diese Schlacht ein Meilenstein in diesem Kriege war.

4.1 Die Schlacht von Verdun - 22.Februar bis Juli 1916

Eine Möglichkeit dieses epochale Ereignis aufzuarbeiten ist, trockene Fakten von diesen und jenen Truppenbewegungen zu schildern, sprich, wann und wo welches Regiment oder Bataillon vorrückte. Diese Art der Schilderung ist sehr fraglich, denn man muss sich dabei immer fragen, was davon beim Leser hängen bleibt?

Ich werde es auf eine andere Weise machen. Für mich stehen die eigentlichen Truppenbewegungen nicht im Vordergrund, sondern ich versuche darauf einzugehen, wie der deutsche oder französische Soldat dieses geschichtlich einmalige Ereignis miterlebte.

Wie kam man zu Verdun?

Einerseits versuchte der Schlieffen-Plan die Festungslinie an der deutsch-französischen Grenze mit den Festungen Toul, Verdun, Belford, Epinal zu umgehen. Später wollte man aber mit heftigen Angriffen eine Kriegsentscheidung erzwingen und wählte nun die großen Festungen als Ziel. Die allgemeine Annahme über Verdun ist, dass Verdun einfach eine Festung war, und dass diese die Deutschen angegriffen haben. In Wirklichkeit aber war Verdun ein kleines Dörfchen um das ein gewaltiger Festungsring errichtet war. Dieser Festungsring bestand aus zahlreichen Forts, deren Namen leider teils unaussprechlich sind. So z.B.: das Fort Douaumont, das Fort Vaux, das Fort Belleville oder das Fort Moulainville. Dies sind aber nur ein paar Festungen, in Wirklichkeit gab es dort noch viel mehr.

Diese Forts waren buchstäbliche Burgen, mit meterdicken Stahlbetonwänden, Panzergräben, Wassergräben, Panzertürmen und noch vielem mehr. Kurzgesagt waren diese Forts uneinnehmbar, vor allem Forts wie Vaux oder Douaumont.

Schon im Januar 1916 wollte man mit dem Angriff der Forts beginnen, was aber durch schlechte Wetterbedingungen mehrmals verschoben wurde. Es wurden 1200 Geschütze und 6 Armeekorps in den Raum Verduns verlagert.

Am 21.6. wurde die Schlacht durch neunstündiges Trommelfeuer eingeleitet, und am 22.6. ging die 5. Armee in den Angriff über. Das Fort Douaumont kann von den Deutschen überraschend schnell eingenommen werden. Es beginnen mit dieser Einnahme auch die endlosen Zermürbungskämpfe um das Dörfchen Verdun. Im Soldatenjargon wurde von der „Hölle von Verdun“ gesprochen. Am 8.5.1916 kommt es zu einem tragischen Unglück: Nachdem die Deutschen das Fort Douaumont genommen hatten, kam es im Fort zu einer Explosion. Dabei explodierten Munitionsvorräte und es starben 679 Soldaten.

Die Kämpfe dauern bis in den Juli desselben Jahres an und die Forts Douaumont und Vaux werden beinahe dem Erdboden gleich gemacht.

So sah das Fort Douaumont vor dem 21.2. 1916 aus. Schon nach der neunstündigen Beschießung der Deutschen vom 21.2. auf den 22.2. waren die Gräben vor der eigentlichen Festung fast dem Erdboden gleichgemacht. Das Fort selbst, durch bis zu 10 m dicke Stahlbetonwände geschützt, hielt dem Beschuss größtenteils stand.

Für die deutschen Soldaten hieß es zu Beginn der Schlacht unter anderem diese Festung einzunehmen. Wie unmöglich dies am Anfang geschienen haben muss, kann man an diesem Foto erkennen.

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Abb. 3.1.: Fort Douaumont davor

Abb. 3.2.: Fort Douaumont danach

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Dieses Foto zeigt das Fort nach der Schlacht. Fast eingeebnet, kann man nur mehr die Konturen der ehemals so mächtigen Festung erkennen.

Man muss sich vor Augen halten, dass die Festungsanlagen rund um Verdun sogar von Schiffsgeschützen beschossen worden waren, die man zuvor von Panzerkreuzern und großen Schlachtschiffen abmontiert hatte. Manche der „dicken Bertas“, wie sie die deutschen Soldaten liebevoll nannten, hatten ein Kaliber von 60 cm, und waren höher als 1.80 m.

Würde diese Luftaufnahme schärfer sein, könnte man auch die mondähnliche Landschaft sehen, die nach der Schlacht um Verdun entstanden war.

4.1.1 Verdun – Die Bilanz

Die Verluste beider Seiten betrugen ungefähr 260.000 Mann. Es wurden noch dazu ca. 600.000 verwundet. Die Gesamtfläche des Kampfgebietes betrug ca. 115 Quadratkilometer, wobei umgerechnet auf einen Quadratkilometer ca. 7000 Tote kamen.

Bis zum 1. März, also in knapp 8-9 Tagen fielen alleine auf deutscher Seite 25.000 Mann. Die deutsche Artillerie verschoss in den ersten zwei Monaten 8,2 Millionen Granaten und bis zum Schlachtende steigerte es sich auf 20 Millionen Granaten auf beiden Seiten.

Ein trauriges Detail am Rande: Den höchsten Verlust an Menschenmaterial musste eine französische Division hinnehmen. Von 1600 Mann kehrten am Abend nur mehr 62 in die eigenen Gräben zurück!

4.1.2 Nebenbei bemerkt

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Abb. 3.3.: Pickelhaube

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Abb. 3.4.: Stahlhelm

Kurz vor der Schlacht um Verdun wurde jeder deutsche Soldat mit dem „Deutschen Stahlhelm“, den auch die Wehrmacht und Waffen SS im 2. Weltkrieg benutzte, ausgestattet. Er bot dem Soldaten, mit 1 mm Stahlstärke, einen besseren Schutz der Schläfe, der Ohren und des Nackens, im Gegensatz zur „Pickelhaube“, die seit 1871 getragen wurde. Das war der typische Helm der preußischen Armee, mit der sehr markanten Spitze.

Auch das Österreichische Bundesheer nach 1945 verwendete noch lang den typischen „deutschen“ Stahlhelm.

4.1.3 Der deutsche Soldat in der Hölle von Verdun

Zur physischen Belastung des Soldaten durch Schlamm, Kälte und Nässe, schlechte Behausung und unregelmäßige Verpflegung kam auch die gewaltige physische Belastung durch permanente Einschläge, das eintönige Leben im Graben oder durch die weite Ferne zur Heimat. Ein Soldat in der Schlacht um Verdun musste aufgerechnet 24 Granateinschläge pro Minute ertragen.

Der einfache Soldat zählte in dieser „Schlacht der Menschheit“, bei der die Welt aus den Fugen geriet, nicht viel. Er war nur ein kleines „entbehrliches“ Rädchen in dieser gewaltigen Kriegsmaschinerie. Es wurden schier unglaublich große Menschenmassen „verheizt“. Rücksicht auf Verluste gab es nicht. Allein die Tatsache, dass 25.000 Mann in der ersten Phase der Schlacht ihr Schicksal mit dem Tod besiegeln mussten, kann man sich einfach so nicht vorstellen. Es wurden Reihen um Reihen und Regimenter um Regimenter gegen den Feind geschickt, auch wenn es noch so aussichtslos schien.

Verdun war überdies hinaus auch die erste wirkliche „Materialschlacht“, bei der neben der Infanterie auch ein gewaltiges Aufgebot der Artillerie stattfand. Man montierte Schiffsgeschütze ab und montierte sie auf Eisenbahnwagen und man wurde in der Wahl der Größe der Kaliber immer wahnwitziger.

4.2 Schlacht an der Somme - 24. Juni bis 26. November 1916

Dort wo sich heute ein beliebtes Reiseziel befindet, nämlich an dem kleinen Fluss Somme im Süden Frankreichs, wo sich auch die berühmten Kreidefelder der Champagne befinden, tobte die wohl gewaltigste Schlacht des 1. Weltkrieges.

Im Juli 1916 war Verdun bereits für beide Seiten ein Fiasko, also plante die Entente ein Vorhaben, dass das Kampfgebiet um Verdun entlasten sollte. Es trafen sich 16 deutsche, 20 britische und 11 französische Divisionen an einem kleinen Fluss, genannt „Somme“. Am 24. Juni setzte ein fünftägiges Trommelfeuer auf die deutschen Linien ein, das danach am 1.Juli in den Angriff der Engländer und Franzosen überging. Die französischen und englischen Soldaten waren schwerst beladen, da sie, nachdem sie die deutschen Linien überrannt hatten, die selben auch befestigen und für einen Gegenangriff bereit machen sollten. Auch wenn die deutschen Soldaten nach dem fünftägigen Trommelfeuer stark dezimiert waren, konnte jedoch ihr Kampfgeist nicht vernichtet werden. Und so kam es, dass die kaiserlichen Truppen den Engländern am ersten Tag die höchsten Verluste des Krieges zufügten. Die englischen Truppen hatten schon nach dem ersten Angriff 20.000 Tote und 37.400 Verwundete zu beklagen.

Ernst Jünger, der die Schlacht an der Somme miterlebte, schrieb am 23. August, als er in das Hauptgefechtsgebiet verlagert wird:

„Vor uns rollte und donnerte ein Artilleriefeuer von nie geahnter Stärke; tausend zuckende Blitze hüllten den westlichen Horizont in ein Flammenmeer. Fortwährend schleppten sich Verwundete mit bleichen, eingefallenen Gesichtern zurück, oft jäh von vorüberrasselnden Geschützen oder Munitionskolonnen in den Straßengraben gedrückt. Ein Gefechtsläufer aus einem württembergischen Regiment meldete sich bei mir, um meinen Zug in das berühmte Städtchen Combles zu führen, wo wir vorläufig in Reserve bleiben sollten. Er war der erste deutsche Soldat, den ich im Stahlhelm sah, und er erschien mir sogleich als der Bewohner einer fremden und härteren Welt. Neben ihm im Straßengraben sitzend, fragte ich ihn begierig nach den Verhältnissen in Stellung aus und vernahm eine eintönige Erzählung von tagelangem Hocken in Granattrichtern ohne Verbindung und Annäherungswege, von unaufhörlichen Angriffen, von Leichenfeldern und wahnsinnigem Durst, vom Verschmachten Verwundeter und anderem mehr. Das vom stählernen Helmrand umrahmte unbewegliche Gesicht und die eintönige, vom Lärm der Front begleitete Stimme machten einen gespenstischen Eindruck auf uns. Wenige Tage hatten diesem Boten, der uns in das Reich der Flammen geleiten sollte, einen Stempel aufgeprägt, der ihn auf eine unaussprechliche Weise von uns zu unterscheiden schien.

‚Wer fällt, bleibt liegen. Da kann keiner helfen. Niemand weiß, ob er lebend zurückkommt. Jeden Tag wird angegriffen, doch durch kommen sie nicht. Jeder weiß, daß es auf Tod und Leben geht.’

Nichts war in dieser Stimme zurückgeblieben als ein großer Gleichmut; sie war vom Feuer ausgeglüht. Mit solchen Männern kann man kämpfen.“[2]

Die vormals sehr stark befestigten Linien der deutschen waren gegen Ende der Schlacht zu einer einzigen Masse aus Kreide zusammengeschmolzen. Ernst Jünger selbst berichtet, dass sich die deutschen Soldaten nur mehr in Fuchslöchern vergraben konnten, um wenigstens ein bisschen gegen den Beschuss der Engländer und Franzosen zu schützen. Unzählige wurden verschüttet, vielmehr starben durch Granaten und Wurfminen.

Die ständigen Durchbruchsversuche beider Seiten haben die Soldaten ans Ende der psychischen Kräfte gebracht. Selbstmorde der Offiziere waren keine Seltenheit. Viel schlimmer als das, war wohl die Gleichgültigkeit der Mannschaften. Sie akzeptierten ihr Schicksal und hatten ab einem gewissen Zeitpunkt mehr Angst vor dem Leben als vor dem Tod.

Die Schlacht an der Somme kostete rund 1,2 Millionen Menschen das Leben. Am Ende der Schlacht, war die Ausgangssituation, bis auf kleine Geländegewinne der Engländer und Franzosen, die selben wie vor der Schlacht. Die Schlacht an der Somme zeigte aller Welt wie sinnlos dieser Krieg geworden war und dass sich die Mächte in einer Patt-Situation gegenüberstanden. Doch auch nach diesem abschreckenden Beispiel zog sich der Krieg noch zwei lange Jahre hin.

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Abb. 3.5.: Somme-Schlachtfeld

4.2.1 Nebenbei bemerkt

Nach der Schlacht an der Somme waren einige französische Dörfer nicht mehr auffindbar, weil ausgelöscht und eingeebnet. Das mag absurd klingen, aber es ist Faktum. Manche Dörfer hielten den massiven Beschuss einfach nicht Stand. Nach der Schlacht waren einige Siedlungen, Dörfer, etc. nur mehr Staubflecken. Mehrere davon wurden nicht mehr aufgebaut und sind auch heute nicht mehr in der Landkarte eingetragen.

Jahrzehnte später haben sich der deutsche Bundeskanzler Kohl und der französische Präsident Mitterant an den Schlachtfelder der Somme getroffenen, um den gefallenen Soldaten zu Gedenken. Das galt als Zeichen der Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich.

4.3 Die erste Tank-Schlacht bei Cambrai – ab 20.November bis 23.November 1917

Im Jahre 1917 brachte die Entente eine neue Komponente mitein. Es waren die Panzer und um Cambrai tobte die erste Panzerschlacht des Krieges. Diese „Tanks“, wie sie die Alliierten nannten waren tonnenschwere Ungetüme. Cambrai ist aufgrund seines mechanischen Aufwands ein Meilenstein gewesen. Man spricht hier nun vom zweiten Abschnitt des Krieges, dem „Mechanischen Krieg“.

Der wohl bekannteste Tank hieß „Mark I“ und verfügte über einen 105 PS Motor und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h. Seine Panzerung war maximal 12 mm stark und er war mit zwei 5.7 mm Kanonen bewaffnet.

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Abb. 3.6.: Mark I

Mit 381 Tanks konnten die Alliierten einen Geländegewinn von 5 km erzielen, wobei jedoch 114 im Schlamm stecken blieben, Motorschaden davontrugen oder andere Defekte zum Opfer fielen. 65 Tanks konnten von den Deutschen zerstört werden. Am 23. November konnte die deutsche Armee das verlorene Gelände zwar wieder zurückerobern, doch zeigte sich sehr bald, dass sie den schweren Gefährten nichts wirksames entgegenzubieten hatten.

Beachtlich ist die hohe Zahl der Gefangen, die von den Engländern gemacht wurden, nämlich rund 10.000. Es konnte auch eine hohe Anzahl an Geschützen erbeutet werden.

Seit dieser ersten Panzerschlacht ist der Panzer eine der wichtigsten Komponenten der Kriegsführung. Vorallem Rommel stützte sich massiv auf Panzerkräfte und wurde auch der erfolgreichste Panzerkommandeur des 2. Weltkrieges.

Die Panzerwaffe war mitunter entscheidend für den Ausgang des 2. Weltkrieges. Mit dem russischen T-34 konnten die Russen viele Panzer schnell und billig erzeugen. Hingegen der deutsche „Königstiger“, der als der beste Panzer des 2. Weltkrieges galt, wurde nur in geringen Stückzahlen produziert, weil er sehr viel kostete. So konnte sich Russland gegen Deutschland unter anderem durch ihren T-34-Panzer an der Ostfront behaupten.

5 Die neuen Technologien des Krieges

5.1 Das Maschinengewehr

Das erste Maschinengewehr wurde im Amerikanischen Bürgerkrieg eingesetzt. Man nannte sie „Gatlings“. Vorallem im Japanisch-Russischen Krieg 1904/05 fand man vermehrt Maschinengewehre auf dem Schlachtfeld. Sie fügten den feindlichen Angreifen immense Verluste zu und waren sozusagen das „Schutzschild“ eines Grabens.

Das wohl bekannteste Maschinengewehr ist das „MG 08“. Es war schon ab 1914 vermehrt in den deutschen Einheiten zu finden, galt aber vorerst nur als Hilfswaffe der Infanterie. Schon bald aber wusste man von der Wichtigkeit dieser Waffe und es gab die ersten „MG-Einheiten“.

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Abb. 4.1.: MG 08 Maxim

5.2

Abb. 4.2.: U-Boot

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Die U-Bootwaffe

Im 1. Weltkrieg spielte auch das U-Boot eine entscheidend wichtige Rolle in der Kriegsführung. Die ersten Angriffe mit U-Booten gingen von Deutschland aus. Hauptgegner dabei war die See-Großmacht England, das sich vor dem Krieg einen erbitterten Rüstungswettlauf mit Deutschland lieferte.

Als 2.11.1914 Großbritannien in den Krieg auf Seiten der Entente in den Krieg eintritt, die Nordsee zum Kriegsgebiet erklärt und durch eine Blockade des Ärmelkanals versucht, Deutschland von der Versorgung abzuschneiden, greift die Deutsche Marine zu einer neuen Waffe: Das U-Boot. Vorerst torpedierten sie zwar nur militärische Schiffe, da diese Taktik aber nicht zum gewünschten Erfolg führte, wurden ab Februar 1915 auch Passierdampfer und unter fälschlich neutraler Flagge fahrende Handelsschiffe angegriffen, jedoch wurden sie davor gewarnt. Als jedoch bei einem Angriff zwei Amerikaner ums Leben kamen, befahl Wilhelm II., zu Beginn des 3. Kriegsjahres, aus Furcht vor einem Kriegseintritt der USA Handelsschiffe nur noch anzugreifen, wenn sie sich innerhalb des Kriegsgebiet befinden oder bewaffnet sind.

Da sich aber zu Lande das Blatt nur zu ungunsten des Kaiserreiches wendete, verkündete Wilhelm II. im Dezember des selben Jahres den „uneingeschränkten U-Bootkrieg“. Deutschland sah dies als den letzten Weg England zu bezwingen. Mit 105 U-Booten torpedierten die Deutschen alles was ihnen über den Weg fuhr. Mit anfänglich sehr hohen Abschussraten, konnten aber die Engländer mit ihrem Konvoi-System und der Verminung der Seewege das Blatt wieder wenden. Als auch noch im Sommer 1917 die USA in den Krieg eintrat, war die Entscheidung praktisch schon gefallen.

Auch wenn Deutschland nicht den Erfolg mit U-Booten erzielen, den es zu Beginn erwartete, war es doch wegweisend für die weitere Kriegsführung. Man bedenke den Seekrieg des 2. Weltkrieges, der gewaltige Ausmaße annahm. Auch heute kreuzen unzählige Aufklärungs- und Atom-U-Boote durch die sieben Weltmeere. Es ist, wie der Panzer ein fixer Bestandteil einer jeden Armee geworden.

5.3 Die Panzerwaffe

Zwar im 1. Weltkrieg noch nicht ganz so wichtig wie die U-Bootwaffe, aber durch die ersten Einsätze bahnbrechend für die weitere militärische Geschichte, war die Panzerwaffe. Den ersten „Tank“, so war der Name des Geheimprojekts, entwickelten die Engländer. Der erste Tank hieß „Little Willie“ und wurde bereits 1915 entwickelt, war aber noch unbewaffnet.

Sein Erfinder hieß General Ernest Swinton.

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Abb. 4.3.: „Little Willie“

In der Schlacht an der Somme wurde das erste Mal der Einsatz von Tanks erprobt. Das Ergebnis für die Engländer war allerdings ernüchternd. Doch die Alliierten gaben buchstäblich nicht auf. Schon 1917 griffen die Engländer mit 381 Tanks die deutschen Linien an. Immer mehr kristallisierte sich heraus, dass die Panzerwaffe einen entscheidenden Vorteil bringen konnte.

Aller Anfang ist natürlich schwer und so dauerte es seine Zeit, bis sich die englischen Truppen an diese „Riesendinger“ gewöhnten und auch akzeptierten. Das Konzept war einfach aber genial: Der Tank sollte den Weg zu den deutschen Stellungen buchstäblich ebnen, damit danach die Infanterie ihrer eigentlichen Aufgabe nachgehen konnte. Es gab zu Beginn erhebliche Koordinationsschwierigkeiten zwischen den Panzerfahrern und der Infanterie.

„Little Willie“ war nur der Startschuss. Sehr bald konnten durchaus gute Modelle gebaut werden, wie den Mark I. (Siehe Abb.)

Dieser Mark I hat noch das sogenannte „Spornrad“, mit dem man dieses Ungetüm eigentlich lenken konnte. Es befindet sich hinten am Heck und sieht eigentlich einem Spinnrad gleich. Später spendierte man dem Mark I ein Differentialgetriebe.

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Abb. 4.4.: Mark I mit Spornrad

In der Schlacht von Amiens im August 1918 stellte sich heraus, welch haushohen Vorteil die Alliierten durch ihre Tanks gegenüber den Deutschen hatten. Rund 600 Tanks machten die deutschen Linien bei Amiens dem Erdboden gleich.

Deutschland konnte dieser Entwicklung anfangs nicht ganz folgen. Von den hohen Militärs zuerst abgelehnt und verschmäht. Mit der Zeit aber musste Deutschland dann doch einsehen, dass es ohne Panzer nicht mehr geht. Ab 1917 wurde der „A7V“ produziert (Siehe Abb.).

Der A7V war der behäbigste, wenngleich mit der stärksten Panzerung, brachte über 30 Tonnen auf die Wage und benötigte 18 Mann Besatzung. Deutschland wollte bis Kriegsende zwar 35 Stück produzieren, tatsächlich aber konnten nur rund 20 produziert werden.

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Abb. 4.5.: Deutscher A7V

5.4 Die Luftwaffe

Tatsächlich hatte vor dem 1. Weltkrieg England, Frankreich, Österreich und auch Deutschland weder eine lange Luftfahrtgeschichte, noch Tradition oder militärische Erfahrungen. Die ersten Erfahrungen überhaupt machten die Amerikaner mit militärischen Luftaufklärung. In den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts wurden Aufklärungsballons zur Beobachtung gegnerischer Stellungen verwendet. Damals wütete in der USA der amerikanische Bürgerkrieg.

Aufklärungsballons waren aber sehr verwundbar und daher über beschossenem Gebiet unmöglich einzusetzen. Schnell dachte man daran Flugzeuge dazu zu verwenden die gegnerischen Stellungen auszumachen und Truppenbewegungen zu registrieren.

Im Laufe des Krieges mausern sich die Piloten der Luftwaffen aller Länder zu richtigen Volkshelden, zu Bildern auf Titelseiten von Illustrierten und zum allgemeinen Gesprächsthema der Bevölkerung. Doch ein Mann stellte damals alles in den Schatten und war das gefürchtetste Fliegeraß aller Zeiten: Manfred Freiherr von Richthofen, besserbekannt als der „Rote Baron“. Mit seiner „Fokker Dr.1 Triplane“, dem typischen Dreidecker, erzielt er bis zu seinem Tod 80 Abschüsse. Am 21. April 1918 wird er in einem Feuergefecht mit einer kanadischen Jagdstaffel über dem Dörfchen Vaux-sur-Somme durch einen Brustschuss tödlich verwundet. Er wird von den Alliierten mit den höchsten militärischen Ehren bestattet und sein Leichnam wird 1925 nach Deutschland überführt.

Die Flugzeugentwicklung steckte 1914 noch in den Kinderschuhen. Die meisten Kampfflugzeuge erreichten nur Höchstgeschwindigkeiten bis zu 80 Meilen pro Stunde. Sie waren schwer zu manövrieren, außerdem sehr „filigran“ und viel zu anfällig. Aber mit der Zeit dann wurden die Modelle immer stabiler, schneller und wendiger. Schon sehr bald tobten über den Schlachtfelder Westeuropas heftige Luftkämpfe. Es wurde sogar versucht über taktisch wichtigen Zielen Bomben abzuwerfen. Natürlich hatten die Kampfflugzeuge von damals noch keine Bombenschächte, sonder die Co-Piloten mussten per Hand die Bomben abwerfen. Ab diesem Zeitpunkt waren die Weichen für einen Luftkrieg gestellt, der auch das Hinterland miteinbeziehen sollte. Es wirkte sich zwar im 1. Weltkrieg noch nicht sehr drastisch für das Hinterland, doch man begann Bahnhöfe, Stellungen, Konvois, etc. zu bombardieren.

5.5 Der Gaskrieg

Die wohl schlimmste und heimtückischste neue Methode des Krieges war entweder das Abblasen oder verschießen von Gas. Damit hatte der Tod ein neues Gesicht. Man gönnte dem Soldaten keine Ruhe. Selbst wenn für ein paar Stunden der Beschuss oder die Angriffe aussetzten und sich der Soldat ausruhen konnte, konnte er nicht sicher sein ob nicht von einem Augenblick zum nächsten der Posten „Gasangriff!“ schrie.

Den deutschen, wie auch englischen und französischen Soldaten wurden Gasmasken ausgeteilt, jedoch half diese Maske oft nur gegen ein bestimmtes Gas und nicht universell gegen viele.

Am 22. April 1915 wurde zum ersten Mal, bei günstigen Wetterverhältnissen, Giftgas in der Schlacht um Ypern abgeblasen. Deutschland verstieß dabei gegen die Haager Landkriegsordnung, und natürlich hatte dies den Einsatz von Gas aller Kriegsteilnehmer zur Folge. Man schätzt, dass bei etwa 5730 Stahlflaschen 180 Tonnen Gas ausströmten und auf alliierter Seite ca. 3000 Leben kostete und 7000 weitere waren Gasgeschädigt. Bald ging man vom sehr riskanten Gasblasen, was natürlich sehr wetterabhängig ist und sich auch rasch ändern kann, über zum Gasschießen. Das erste Mal wurde Gas von den Franzosen verschossen, in Form von Granaten, gefüllt mit Phosgengas. Man könnte dies unter dem Punkt „experimentelle“ Kriegsführung anführen, da ab 1915 jeder Kriegsteilnehmer die aberwitzigsten Gemische verschoss, zum Leidwesen der Soldaten.

Deutschland trieb es im Gaskrieg wohl auf die Spitze: Ab 1914 gab die OHL (Oberste Heeresleitung) die Erforschung immer neuerer Kampfstoffe in Auftrag. Man entwickelte nun ein gewisses Grünkreuz, das an sich „nur“ lungenschädigend wirkte. Weiters wurde das ätzende, und Leder und Textilien durchdringende Kampfgas Gelbkreuz entwickelt. Dazu noch das Blaukreuz, dass nahezu jeden Luftfilter durchdrang und zum Abnehmen der Gasmaske zwang. Alle drei zusammen verschossen ergaben das „Buntschießen“, wie es im Soldatenjargon hieß. Folgen des brechreizend wirkenden Gasgemisches war der Tod bei nahezu vollem Bewusstsein.

Leider hielt sich auch in den nächsten Kriegen niemand an das verbotene Einsetzen von Kampfgasen, bis heute nicht.

6 Industrie und Wirtschaft – Auch das Hinterland ist wichtig

Deutschland war wirtschaftlich nicht auf einen Krieg vorbereitet. Der Kriegsschatz reichte lediglich für einen Krieg der maximal zwei Tage dauern durfte. Das war auch der Grund dafür, warum die damalige Kriegsregierung es nicht für nötig sah Steuern zu erhöhen. Deutschland finanzierte den Krieg vorerst nur mit Kriegskrediten.

Hinzu kam, dass der Wirtschaft von einem Moment auf den anderen rund 5 Millionen Mann fehlten. Auch wenn man natürlich versuchte diese Lücken durch Frauen und Jugendliche zu schließen, konnte das nur zum Teil erreicht werden. Die Reichsregierung hob unter anderem auch die Begrenzungen für Überstunden und Nachtarbeit auf, mit dem Ziel die Produktion zu erhöhen.

Trotz vieler Maßnahmen kam es in Deutschland schon gegen Ende 1914 zu erheblichen Engpässen in der Munitionsproduktion. Auch unterlag Deutschland einer immer steigenden Inflation. Die Deutsche Mark war 1918 nur mehr halb so viel Wert wie zu Kriegsbeginn 1914.

Bald wirkte sich das Fehlen von rund 11 Millionen Mann, die zum Kriegsdienst eingezogen wurden, drastisch auf die Wirtschaft und Produktion aus. Frauen, Kinder, eigentlich die ganze Bevölkerung musste in den Fabriken schuften. Der Kreis drehte sich in Deutschland sehr schnell. Durch die Seeblockade Englands war Deutschland wirtschaftlich so abgeschnitten, auch auf die Kolonien konnte man nicht mehr zählen, dass bald Verfahren entwickelt werden mussten um kriegswichtige Dinge künstlich herzustellen. So wurde zum Beispiel aus Luft Stickstoff gewonnen, das man einerseits für die Munitionsproduktion dringend brauchte, andererseits aber auch als Kunstdünger gereichte. Wichtig und knapp waren auch Gummi und Leder. Beides beschlagnahmte man teilweise aus Privatbesitz. Gummi zum Beispiel erhielt man durch Beschlagnahmungen von Fahrrädern, Leder wiederum von Riemen. Auch wurden kriegsunwichtige Betriebe ihrer Antriebsriemen (Keilriemen) der Maschinen beraubt. Diese wurden einfach durch Papier-Stoff-Gemische ersetzt, die erheblich minderer Qualität waren. Selbst die deutschen Bauern mussten ihre Viehbestände, eigentlich hätte das die Lebensbasis hunderttausender Menschen gesichert, drastisch reduzieren, weil einfach Futtermittelknappheit herrschte. Fleisch wurde sehr rasch zur Mangelware und erzielte auf dem Schwarzmarkt Höchstpreise.

Im Winter 1916/17 war die wirtschaftliche Lage Deutschlands so schlecht, dass man von einem „Kohlrübenwinter“ sprach. Die Kohlrübe war ein sehr unbeliebtes aber weit verbreitetes und billiges Grundnahrungsmittel. Da die Ernten des Jahres 1916 so dürftig ausgefallen waren, musste man im Winter unweigerlich auf die „eiserne“ Reserve zurückgreifen, den Kohlrüben. Die Bevölkerung in Deutschland musste unglaublich Hungern. Der tägliche Nährungswert eines Deutschen zwischen 1916 und 1917 lag bei 1.000 Kalorien. Vom Reichsgesundheitsamt war aber eine Richtlinie von 2.280 Kalorien festgelegt worden. Die schon dürftige Versorgung war beinahe völlig zusammengebrochen.

Zwischen 1914 und 1918 mussten in Deutschland rund 750.000 Menschen an Hunger sterben. Diese Lage wurde allerdings auch nach dem Krieg nicht besser.

In keinem Krieg zuvor hatte die Bevölkerung so wesentlichen Anteil an den Schrecken des Krieges. Auch wenn dieses im 2. Weltkrieg noch intensiviert wurde, zeigte schon „Der Große Vaterländische Krieg“ an welche physischen und psychischen Grenzen ein Mensch gebracht werden konnte.

In dieser Zeit verstärkte sich auch zunehmend das Wirken der Sozialdemokraten in Deutschland. Sie waren es, denen Hitler Jahrzehnte später noch die Schuld am unglücklichen Kriegsausgang für Deutschland gab. Die „Dolchstoßlegende“ wurde durch Hitler ins Leben gerufen. Er war der Überzeugung, dass Deutschland den Krieg durchaus hätte gewinnen können, wenn 1917/18 zum Beispiel die Munitionswerke oder die Hafenarbeiter gestreikt hätten. Schuld daran, in Hitlers Augen, hatten die Sozialdemokraten, die vor allem nach der russischen Revolution im Oktober 1917 sich sehr bestärkt sahen und ihr Engagement in den Fabriken Deutschlands erheblich verstärkten. Das war natürlich auch Wichtig für die Moral der Arbeiter, schlecht aber für die Moral der Soldaten an der Front. Sicher war das unter anderem ein Grund, warum der Krieg im November 1918 beendigt werden konnte.

7 Die Bilanz des 1. Weltkrieges

Als am 9.11.1918 der deutsche Kaiser Wilhelm II. abdankte, war allen klar: Der Krieg ist bald zu Ende. Am 11.11.1918 wurde dann der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland aufgesetzt. Die kaiserlichen Truppen hatten innerhalb von 15 Tagen alle „nicht deutschen“ Gebiete, wie Frankreich, Belgien und Elsaß-Lothringen zu räumen.

Zwei Monate später, am 18.1.1919 wurden die Verhandlungen über einen Friedensvertrag mit Deutschland in Versailles aufgenommen. Anwesend dabei, waren die „großen Vier“. Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson, der Premierminister Frankreichs, Georges Clemenceau, der britische Premier David Lloyd George und „last but not least“ Vittorio Emanuele Orlando, der italienische Ministerpräsident. Die Rachelust Frankreichs, Englands und Italiens war so groß, dass sich Wilson kurzerhand entschied abzureisen, weil für ihn ein solch diktierter Friede nicht tragbar war. Der deutsche Reichstag hatte wohl keine andere Wahl, als die Verträge einfach anzunehmen, obwohl Deutschland als Vertreter bei den „Verhandlungen“ gar nicht anwesend sein durfte. Obwohl der Auslöser für den Krieg eigentlich Österreich-Ungarn gewesen war, wurde Deutschland in Versailles am meisten genommen. Deutschland erlitt unglaubliche Gebietsverluste: Eupen-Malmédy und Moresnet gehen Belgien, Elsaß-Lothringen fällt zurück an Frankreich, das Hultschiner Ländchen geht an die Tschechoslowakei, Memelland kommt unter alliierte Verwaltung, Oberschlesien, das südliche Ostpreußen und das restliche Westpreußen inklusive Schleswig kommen 15 Jahre unter die Verwaltung des Völkerbunds und Danzig wird als Freie Stadt unter der Hoheit des Völkerbundes erklärt. Noch dazu fallen alle deutschen Kolonialgebiete unter Aufsicht des Völkerbundes. Auch der Anschluss Österreichs an Deutschland und somit der Name Deutsch-Österreich wird untersagt. Deutschland wird außerdem verboten, eine Landstreitmacht zu besitzen, die größer ist als 100.000 Mann. Die Marinestreitmacht wurde auf 15.000 Mann reduziert, wobei ihnen verboten war U-Boote zu besitzen. Auch Panzer, Flugzeuge und schwere Artillerie waren ihnen untersagt. Dazu werden die Kriegsakademie, der allgemeine Wehrdienst und der Generalstab abgeschafft.

Die ganze Sache wurde noch verschlimmert, durch die unmöglichen Reparationsforderungen und Beschlagnahmungen von Grund, Boden und Gut. Dem ehemaligen Kaiserreich wurde nahezu jede Grundlage genommen, sich in den Nachkriegsjahren wirtschaftlich zu entfalten um wenigstens die Reparationszahlungen leisten zu können. Als dann noch die Besetzung des wirtschaftlich so wichtigen Saarlandes auf 15 Jahre folgte, wurde damit noch mehr der Hass gegen die Besatzungsmacht Frankreich gesteigert. Hitler aber hat es aber später nicht dabei belassen. Am 18.1.1935 ließ er das Saarland wieder ins neue Reich eingliedern.

Hitler zeigte bei den Friedensverhandlungen 1940 ebenfalls keine Gnade mit Frankreich. Er ließ den Friedensvertrag in dem ein und dem selben Eisenbahnwagon unterzeichnen, wie damals Frankreich Deutschland am 28.6.1919.

Die damaligen Friedensverträge 1919 waren ausschlaggebend für den 2. Weltkrieg. Hätten die damaligen Konditionen Frankreichs humaner ausgesehen, hätte wohl auch Hitler nie Anlass gefunden vom Versailler „Schandfrieden“ zu sprechen. Hitler war maßgeblich vom 1. Weltkrieg geprägt worden. Er hatte gesehen welches Leid es an der Westfront gab und wie schlecht es Deutschland nach 1918 ging. Depression, Inflation, Hunger, Kälte. All das hatte er miterleben müssen. Er war nur einer von vielen, den dieser Krieg kaputt gemacht hat, körperlich wie auch geistig.

Dieser Krieg hatte alles davor dagewesene gesprengt. Er kostete ungefähr 8.5 Millionen Soldaten das Leben, wobei ca. 20 Millionen verwundet wurden und 7.2 Millionen in Gefangenschaft gerieten. Was mit Blumenregen und Hurra-Rufen begann endete in einer Katastrophe und eigentlich hätte man daraus lernen könne oder sogar müssen.

8 „Im Westen nichts Neues“ und „In Stahlgewittern“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7.1.: Im Westen nichts Neues

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.7.2.: In Stahlgewittern

Ein Kriegsroman und ein Kriegstagebuch als einflussreichste Werke des 20. Jahrhunderts

8.1 Erich Maria Remarque’s „Im Westen nichts Neues“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.7.3.: Erich Maria Remarque

8.1.1 Der Autor

1898

Erich Maria Remarque wird am 22. Juni in Osnabrück geboren

1904

Bis 1912 Volksschule in Osnabrück

1915

Katholisches Lehrerseminar in Osnabrück

1916

Am 26. November Einberufung zum Militär

1917

Am 12. Juni Abstellung an die Front in Frankreich. Am 31. Juli Verwundung. Lazarettaufenthalt in Duisburg. Tod der Mutter.

1919

Ab Januar wieder katholisches Seminar in Osnabrück. Am 25. Juni 1.Lehramtsprüfung in Lohne, Kreis Lingen.

1920

Ab 4. Mai Lehrer in Klei-Berssen im Hümmling. Ab 20. August Lehrer in Nahne bei Osnabrück. Veröffentlichung des Jugendromans “Die Traumbude”. Veröffentlichungen von Skizzen und Gedichten in Zeitungen und Zeitschriften. Arbeit an einem (verschollenem) Drama “Saul”.

1922

Buchhalter, Kaufmann, Grabstein- und Denkmalverkäufer bei dem Steinmetz der Brüder Vogt in Osnabrück

Ab Oktober Werbeleiter und Redakteur bei der Continental Co., Hannover.

1924

Sportredakteur bei Sport im Bild im August-Scherl-Verlag, Berlin. Die Bücher “Über das Mixen kostbarer Schnäpse” und “Segel am Horizont” er scheinen.

1925

Erste Ehe mit der Tänzerin und Schauspielerin Jutta Ilse Zambona.

1927

Remarque schreibt in Berlin in sechs Wochen den Roman “Im Westen nichts Neues”, der 1929 erscheint.

1929

Der Antikriegsroman wird zum Weltbestseller. Im November/Dezember Arbeit in Osnabrück am Roman “Der Weg Zurück”, der im Sommer 1930 fertiggestellt wird und 1931 erscheint.

1930

Universal in Hollywood verfilmt “Im Westen nichts Neues” (All Quiet On The Western Front), Regie: Lewis Milestone. Störaktionen der NSDAP bei der deutschen Uraufführung in Berlin und Aufführungsverbot durch die deutsche Filmprüfstelle für ganz Deutschland am 11.12.1930.

1933

Remarque verlässt im Januar Berlin, wenige Tage vor der Machtübernahme Hitlers, und geht in die Schweiz. Am 12. Mai werden seine Bücher in Berlin öffentlich verbrannt. Zwischen 1933 und 1939 wiederholt längere Aufenthalte in Paris.

1938

Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft durch die NS-Machthaber.

1939

März und September Reisen in die USA. Offizielle Einreise 1941. Bis 1942 vorwiegender Aufenthalt in Hollywood/Los Angeles, dann in New York.

1943

Remarques Schwester Elfriede, verheiratete Scholz, wird am 29. Oktober, 40jährig, wegen “defätistischer” Reden vom 1. Senat des Volksgerichtshofes unter Vorsitz von Roland Freisler zum Tode verurteilt und mit dem Beil hingerichtet.

1947

Remarque wird amerikanischer Staatsbürger

1958

Am 25. Februar heiratet Remarque in zweiter Ehe die amerikanische Filmschauspielerin Paulette Goddard.

1970

Am 25. September stirbt Remarque an einem Herzleiden im Krankenhaus von Locarno im Tessin.

8.1.2 Der Roman – Im Westen nichts Neues

„Im Westen nichts Neues“ ist die Geschichte des ersten Weltkrieges, erzählt aus der Sicht eines einfachen Soldaten: Der neunzehnjährige Paul Bäumer kommt als Freiwilliger von der Schulbank an die Front – und erlebt statt der erwarteten Kriegsbegeisterung und Abenteuer die ganze Brutalität und das sinnlose Sterben seiner Kameraden.

Mit ihm meldet sich fast die ganze Klasse freiwillig, um für Gott, Kaiser und Vaterland zu kämpfen. Doch die Anfangseuphorie ist bald vorbei, als Paul die Strapazen der Korporalschaft (Bundesheerausbildung) kennenlernt. Mit seinen Schulkameraden Behm, Müller, Leer und Kemmerich kommt er dann an die Westfront.

An der Westfront tobt der Stellungskrieg und Paul macht mit seinen Freunden schon am Anfang sehr schlechte Erfahrungen. Obwohl Kat, Tjaden und Detering Paul unter die Arme greifen, erkennt er schon bald die Schrecken des Krieges. Zuerst Behm, Kemmerich, dann Tjaden, Müller und Leer. Nach der Reihe verliert Paul seine besten Freunde und Kameraden.

Im Kriegsjahr 1918 hat Paul wieder Hoffnung geschöpft, doch dann wird auch noch sein bester Freund Kat getötet. Kat wird am Fuß verwundet und als Paul ihn ins Lazarett schaffen will, erwischt es Kat durch einen Granatsplitter. Paul hat jeden Mut verloren und steht dem Leben gleichgültig gegenüber. Seine Gleichgültigkeit ist größer als sein Überlebenswille. Heimat hat er keine mehr, alle, die ihm nur ein wenig näher gestanden sind, sind gefallen.

Er fällt schließlich im Oktober 1918, an einem Tage, der so ruhig und still war an der ganzen Front, dass der Heeresbericht sich nur auf einen Satz beschränkte: „Im Westen nichts Neues“

8.2 Ernst Jünger’s „In Stahlgewittern“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.7.4.: Ernst Jünger

8.2.1 Der Autor

1895

29. März: Ernst Jünger wird in Heidelberg als ältestes von sieben Kindern geboren.

1911

Gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich Georg Jünger (1898-1977) wird er Mitglied der Wandervogelbewegung

1913

Als Gymnasiast geht er zur französischen Fremdenlegion, wird aber auf Intervention seines Vaters nach sechs Wochen entlassen. Seine Erlebnisse schreibt er später in "Afrikanische Spiele" nieder.

1914

Notabitur aufgrund des Beginns des 1. Weltkrieges

1914-1918

Während des Kriegs dient Jünger als Kriegsfreiwilliger und wird mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse, sowie mit dem Orden Pour le Mérite rausgezeichnet.

1918

Nach der Niederlage Deutschlands bleibt Jünger in der Armee.

1920

Die Tagebuchskizze "In Stahlgewittern", in der er seine Kriegserlebnisse ästhetisiert, erscheint mit großem Erfolg im Selbstverlag.

ab 1923

Nach seinem Ausscheiden aus der Reichswehr studiert Jünger Zoologie und Philosophie in Leipzig und Neapel, schließt das Studium aber nicht ab.

1923

Sein Artikel "Revolution und Idee" erscheint im " Völkischen Beobachter".

1925

Heirat mit Gretha von Jeinsen. Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor.

ab 1926

Tätigkeit als freier Schriftsteller in Berlin.

1927

Als konservativer Revolutionärer beteiligt er sich an verschiedenen national-revolutionären Zirkeln. Obwohl Jünger mit der Weimarer Politik zunehmend unzufrieden ist und sich in Richtung eines nationalen Sozialismus orientiert, lehnt er ein zukünftiges Reichstagsmandat der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) ab.

Kontakte zu Otto Strasser, Joseph Goebbels und Carl Schmitt.

1929

Die Essay-Sammlung "Das abenteuerliche Herz" erscheint.

1931

Goebbels versucht vergeblich, Jünger für die nationalsozialistische Politik einzuspannen.

1932

Die Abhandlung "Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt" erscheint.

1933

Ablehnung eines Reichstagsmandats der NSDAP.

Ausschluss aus der "Dichterakademie".

Hausdurchsuchung durch die GeStaPo, woraufhin Jünger sich nach Goslar zurückzieht.

1936

Übersiedlung nach Überlingen (Bodensee).

1939

Übersiedlung nach Kirchhorst bei Hannover.

Der symbolisch verschlüsselte Roman "Auf den Marmorklippen" wird als literarischer Angriff auf das nationalsozialistische Regime gedeutet.

1940

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs ist Jünger als Offizier in Paris, ab 1941 im Stab des deutschen Militärbefehlshabers in Frankreich.

1942/43

Der Militärbefehlshaber in Frankreich Carl-Heinrich von Stülpnagel schickt Jünger in den Kaukasus, um die Truppenmoral vor einem eventuellen Attentat auf Adolf Hitler zu untersuchen.

1944

Februar: Jünger fühlt sich für die Verhaftung seines Sohns Ernstel, dem Verbreitung von antinationalsozialistischer Propaganda vorgeworfen wird, verantwortlich. Er erreicht die Entsendung seines Sohns an die italienische Front.

Nach dem Attentat vom 20. Juli wird er als "wehrunwürdig" aus der Wehrmacht entlassen.

1945

Jünger weigert sich, den "Fragebogen" der Alliierten auszufüllen.

1945-1949

Publikationsverbot.

1949

Der Roman "Heliopolis" erscheint.

1950

Übersiedlung nach Wilfingen (Oberschwaben).

Die Schrift "Über die Linie" wird veröffentlicht.

1955

Literaturpreis der Stadt Bremen.

1957

Die Erzählung "Gläserne Bienen" wird publiziert.

1959

Jünger erhält das Große Bundesverdienstkreuz.

1959-1971

Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift "Antaios".

1960

Tod seiner Ehefrau.

1962

Heirat mit Liselotte Lohrer.

1970

Die Schrift "Annäherungen. Drogen und Rausch" erscheint.

1977

Der Roman "Eumeswil" wird veröffentlicht.

Auszeichnung mit dem Goldadler bei dem "Festival du Livre" in Nizza.

1978

Friedensmedaille der Stadt Verdun.

1979

Die Tagebuchaufzeichnungen "Strahlungen I/II" werden herausgegeben.

1982

20. Mai: Nach Kontroversen um seine Person Verleihung des Goethe-Preises der Stadt Frankfurt/Main.

1984

An der Seite von Helmut Kohl und François Mitterand (1916-1996) nimmt Jünger in Verdun an der Ehrung der Opfer des Ersten Weltkriegs teil.

1987

Die Tagebücher einer Forschungsreise nach Südostasien "Zwei Mal Halley" erscheinen.

1988

Zur 25-Jahr-Feier des deutsch-französischen (Freundschafts-)Vertrages reist Jünger mit Kohl nach Paris.

1993

Jünger erhält den Großen Preis der Jury der Kunstbiennale in Venedig.

1998

17. Februar: Ernst Jünger stirbt in Wilflingen.

8.2.2 Das Kriegstagebuch

1920 erscheint „In Stahlgewittern“, die heroisierende Darstellung des 1. Weltkrieges Ernst Jüngers. Es beschreibt Jüngers Erlebnisse in den großen Schlachten von 1914 bis 1918.

Er meldet sich als Kriegsfreiwilliger zur Armee und wird zuerst in der Champagne in Frankreich eingesetzt. Jünger sieht den Krieg zuerst als „lustiges Schützenfest auf blumigen, blutbetauten Wiesen“. Sehr bald aber ändert sich sein Bild vom Kriege. Mit den Jahren fallen fast alle seiner Kameraden. Doch auch wenn er manchmal sehr abgeschreckt wirkt, ist er doch der Ansicht, als wären all die schrecklichen Sachen, die um ihn herum geschehen, mehr ein sportliches Ereignis bei dem Ritterlichkeit zählt, als, so wie es Remarque beschreibt, etwas Grausames, etwas unbeschreiblich Schlimmes. Jünger wird unzählige Male verwundet, aber nie so schlimm, als dass er den Krieg nicht mehr mitmachen könnte. Und das ist auch gar nicht sein Wunsch. Er sieht seine Kompanie, sein Regiment, seine Division als seine Familie, die er unter keinen Umständen verlassen müssen möchte. Jünger ist das, was so mancher als „wahnsinnig“ bezeichnen würde. Zu den täglichen Stellungskämpfen, Angriffen und Gegenangriffen, macht Jünger oft mit seinen ebenso „wahnsinnigen“ Kameraden nächtliche Patrouillen, nur mit dem Sinn Gefangene zu machen. Er fürchtet den Tod nicht und so kommt es auch, dass er wie durch ein Wunder den Krieg überlebt und er sogar vom Kaiser mit dem höchsten militärischen Orden, dem „Pour le Mérite“ ausgezeichnet wird. Nach dem Krieg schreibt er seine Erlebnisse nieder und landet damit einen Welterfolg.

8.3 Vergleich – Jünger und Remarque

Ich schätze, hätten sich Jünger und Remarque irgendwann einmal getroffen, sie hätten eine unvorstellbare Unsympathie gegeneinander gehegt. Es kann gar nicht anders sein, denn vergleicht man „In Stahlgewittern“ und „Im Westen nichts Neues“, dann findet man wohl keine anderen Werke in der Literatur, die kontroverser noch sein könnten.

Remarque wurde durch den Krieg sehr geprägt, was bei Jünger nicht zutrifft. Remarque erlebte den Krieg zwar nur kurz, doch was er dort erlebt haben muss schnitt sich sicher sehr tief in die Psyche des jungen Soldaten. Nach seinem Wehrdienst besorgte sich Remarque eine Offiziersuniform und stolzierte damit durch die Weimarer Regierung. Man sieht an diesem Beispiel sein verzerrte Realität kurz nach den schrecklichen Erlebnissen. Ernst Jünger aber war von einem ganz anderen Schlag. Für ihn zählten weder die politischen Ereignisse, noch die sozialen Missstände an der Front. Er beschreibt sehr oft auch die „Schönheit“ des Krieges. Zum Beispiel die weiten Felder Südfrankreichs an einem milden Frühlingstage. Er schildert lange Spaziergänge nach Schlachten, Düfte und Beobachtungen. Auch beschreibt er die Liebe zu seinen Kameraden, das Regiment als seine Familie. Umso erstaunlicher ist, dass er Todesfälle seiner besten Freunde mit einer unglaublichen Gelassenheit und Kühlheit beschreibt:

„9. November. Stand neben dem Landsturmmann Wiegmann vor der "Feste Altenburg", als ein weitherkommendes Geschoss sein Seitengewehr durchschlug, das er sich über die Schulter gehängt hatte, und ihn schwer am Becken verwundete. Die englischen Geschosse mit ihrer leicht absplitternden Spitze sind die reinen Dumdum.“[3]

Nicht so Erich Maria Remarque:

„Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde – auch wenn sie seinen Granaten entkam“[4]

Hier sieht man wohl sehr deutlich, wie sich die beiden Autoren unterschieden. Auch wurde Remarques Werk von den Nazis verboten und sogar verbrannt. Es wurde ihm auch die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt und er musste ins Ausland emigrieren. Schon 1930 wurde „Im Westen nichts Neues“ in Hollywood verfilmt und ist auch noch heute ein sehr beeindruckendes Werk, wenn auch nur in schwarz-weiß.

Jünger hingegen kannte Goebbels persönlich und dieser versuchte ständig Jünger für den Nationalsozialismus zu begeistern. Jünger aber fühlte sich davon völlig beeindruckt. Er wirkte während des 2. Weltkrieges an der Westfront als Stabsverwaltungsoffizier und war maßgeblich am Bau des Atlantikwalls (Atlantikwall ist die Befestigung, die die Alliierten 1944 versuchten einzunehmen, besser aber bekannt als „Landung in der Normandie“). Hitler war zu tiefst Beeindruckt von Ernst Jünger. Auch wenn er nicht für die Nazis Partei ergriff, behandelte ihn Hitler immer mit Feingefühl. Hitler war ihm 1. Weltkrieg selbst Frontsoldat und er wusste nur zu gut wie es den Soldaten erging. Deshalb erschien ihm „In Stahlgewittern“ auch als perfektes Propagandawerkzeug. Kein Autor zuvor und danach hatte je so eine heroische Darstellung des Krieges geliefert, wie Jünger. Komischerweise war das aber gar nicht die Absicht Jüngers. Jünger war Soldat, nicht mehr und nicht weniger. Seine Einstellung war sicher rechts, doch hätte er nie wirklich mit der NSDAP sympathisiert. Aber wie gesagt, diente Jünger als Propagandawerkzeug und wurde auch im Laufe des Krieges von Hitler an die Ostfront nach Russland geschickt um dort die Moral der Soldaten zu heben.

Ernst Jünger wurde später, ganz im Gegensatz zu Erich Maria Remarque, auch immer als Faschist kritisiert. Remarque aber erhielt für sein Werk mehrere Friedensauszeichnungen.

9 Die Kriegsführung des 20. Jahrhunderts

Das Ende des 1. Weltkrieges ist nun ca. 85 Jahre her und lebende Zeitzeugen gibt es wahrscheinlich keine mehr. Die Kriegsführung hat sich um 180° gedreht. Vor allem die U.S.A. zeigen uns sehr oft inwiefern sich Kriege verändert haben. Artillerie wird per Computer gesteuert, fast punktgenau findet die Granate ihr Ziel. Kurz-, Mittel-, Langstreckenraketen werden durch einen Knopfdruck gestartet und fallen 2500 km weit weg wieder runter, mit nur 1 m Zielverfehlung. Es gibt auch keine Millionenheere mehr, die sich direkt im Gefecht gegenüberstehen. Damals waren oft Tausende Soldaten entbehrlich, die einfach nur für die Eroberung eines Hügels sterben mussten. Heutzutage gibt es das nicht mehr, denn ein amerikanischer Soldat ist ca. 100.000$ wert. Ausgestattet mit Laptop, Infrarotsystemen und direkt verbunden mit Satelliten kann sich der amerikanische Soldat problemlos über diese Geländepläne einspielen zu lassen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass selbst 1 Soldat taktisch wichtig ist. Kriege, wo sich Feuergefechte noch im „großen Stil“ abspielen, gibt es für die Armeen der westlichen Welt nicht mehr. Der Soldat ist teuer, daher wichtig und außerdem muss man seinen Tod vor den Medien und der Presse rechtfertigen können. Man hat Angst vor einem 2. Vietnam, wo sich halb Amerika, eigentlich die halbe Welt gegen das amerikanische Engagement in Asien auflehnte. Als zu Beginn der 70er-Jahre die amerikanischen Soldaten allmählich aus Vietnam zurückkehrten, wurden sie sogar von den sogenannten Hippies angespuckt und ausgelacht. Der Staat wollte alles vergessen, wollte allen weismachen, Vietnam hätte es nicht gegeben. Die Leidtragenden waren die Veteranen. Und darum gibt es heute so gut wie keine typischen Schlachten mehr. Die U.S.A. hat einfach zu viel Angst davor.

Vor allem durch die Atombombe kam es nach dem 2. Weltkrieg zu einer Entwicklung, die sich „Balance of Power“ nannte und nennt. Der einzige Grund, warum es keine „größeren“ Auseinandersetzungen zwischen den Großmächten nach dem 2. Weltkrieg gab, war die Atombombe. In nun 58 Jahren kam die Atombombe nur zwei mal über bewohntem Gebiet zum Einsatz: Hiroshima und Nagasaki. Diese zwei Beispiele schreckten die ganze Welt vor dem Gebrauchmachen der A-Bombe ab. Russland und Amerika besitzen schon lange das Overkill-Potential, das bedeutet, dass man mit dem gesamten Atomwaffenarsenal Russlands und Amerikas die Welt um ein vielfaches zerstören könnte. Aber nur könnte. Tatsächlich schrecken/schreckten beide Mächte davor zurück. Anstelle der großen Kriege traten nach 1945 die Stellvertreterkriege. Korea und Vietnam waren die besten Beispiele dafür. Und seit ungefähr 20 Jahren kämpft man auch um Öl. Die Operation „Desert Storm“ anfangs der 90er, an die sogar ich mich noch erinnern kann, zeigte uns, dass die U.S.A. eigentlich vor nichts zurückschreckt.

Es folgte der 11. September, der bewirkte, dass die U.S.A. ab diesem Zeitpunkt sowieso alles tun und lassen konnten. Das Ausräuchern von mutmaßlichen „Terroristenlagern“ durch Druckluftbomben, die die Lunge zerplatzen lassen und... Die U.S.A. spielt Weltpolizei. Die U.S.A. macht was sie will und keiner kann sie dran hindern, nicht einmal dagegensprechen. Und die U.S.A. versucht jede mögliche Auseinandersetzung auf der Welt, vor allem in den Gebieten, wo es für sie wichtig erscheint, schon im Keim zu ersticken.

Deshalb glaube ich, dass es auf lange Zeit auch keine globalen Auseinandersetzungen mehr geben wird. Es wird keine Kriege mehr á la Deutschland gegen Frankreich mehr geben. Der neue Feind ist der Terrorismus und Schluss und Endlich wird die Macht siegen mit der besseren Technologie. Dahin hat sich die Kriegsführung entwickelt und dorthin wird sie sich auch weiter entwickeln.

10 Schlusswort

Bei manchen Themen könnte man als Schlusswort einbringen, wie viel Freude man an den Recherchen gehabt hat, doch ich frage mich: Wie kann man Freude an Recherchen haben, wenn man weiß, dass mehr als 10 Millionen Menschen haben sterben müssen? Dass auf den Schlachtfeldern, nicht nur in Westeuropa, sondern überall auf der Welt, wo der 1. Weltkrieg tobte, unsägliches Leid herrschte? Leider wissen wir, dass es mit diesem Krieg noch nicht genug war. Es folgte ein Zweiter und auch dieser brachte den Menschen sehr viel Leid und forderte noch dazu mehr als 50 Menschenleben. Man kann mich als pessimistischen Menschen bezeichnen, doch ich bin der Meinung, dass auch heute die Menschheit noch nichts dazugelernt hatte. Es gibt noch immer Kriege rund um den Globus und Kriegen ist nie etwas Gutes abzugewinnen, denn es müssen dabei immer Menschen sterben.

Allerdings war für mich die Arbeit sehr interessant, ich habe dabei sehr viel gelernt und für mich war es eigentlich weniger eine „Anstrengung“, als etwas, was ich mir schon lange vorgenommen hatte, zu tun.

Aber trotzdem stellt sich für mich immer wieder die Frage: War und bleibt Krieg nicht „umsonst“?

11 Literaturverzeichnis

Jünger, Ernst: „In Stahlgewittern“. Berlin, Mittler, 1929

Remarque, Erich Maria: „Im Westen nichts Neues“. Köln, Kiepenheuer & Witsch, 2000 (=KiWi 470.)

Engelmann, Bernt: „Wir Untertanen“. „Teil I“. München, C. Bertelsmann, 1974 (= Steidl 24.)

http://www.dhm.de/lemo

http://www.stahlgewitter.com

http://www.fortunecity.com/uproar/picture/717/BUESSING/wk1c.htm

http://www.deutschland-bewegung.de/weiter/d_verluste1.htm

http://home.t-online.de/home/hinrich.dirksen/historiker/frame.htm

http://home.datacomm.ch/marsteam/gs/versailles.htm

12 Bildnachweis

Abbildung der Titelseite:

http://home.earthlink.net/~svernon/iron-cross-I-class-1914.jpg

Abb.1.1: Schlieffenplan:

http://www.hertz-gym-erfurt.de/projekte/schuelerprojekte/1weltkrieg/xplan.jpg

Abb.2.1.: Feldpostkarte:

http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/pk000421/index.jpg

Abb.3.1.: Fort Douaumont vorher:

http://www.fortunecity.de/lindenpark/beuys/249/verdun/douamt.jpg

Abb.3.2.: Fort Douaumont danach:

http://www.fortunecity.de/lindenpark/beuys/249/verdun/douamt1.jpg

Abb.3.3.: Pickelhaube

http://www.ipa-deutschland.de/akt/akt02_1/pickelhaube.jpg

Abb.3.4.: Stahlhelm

http://www.hermann-historica.com/auktion43/kat2/tn/15876.jpg

Abb.3.5.: Somme-Schlachtfeld

http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/ph003415/200.jpg

Abb.3.6.: Mark I

http://reformline.de/tank-5.gif

Abb.4.1. MG 08 Maxim

http://www.dhm.de/ausstellungen/bildzeug/qtvr/DHM/n/BuZKopie/raum2906b.JPG

Abb.4.3.: Little Willie

http://www.fortunecity.com/uproar/picture/717/BUESSING/lwillie1.jpg

Abb.4.4.: Mark I mit Spornrad

http://www.fortunecity.com/uproar/picture/717/BUESSING/mother.jpg

Abb.4.5.: A7V

http://www.fortunecity.com/uproar/picture/717/BUESSING/a7v1.jpg

Abb.7.1.: Im Westen nichts Neues

http://www.kino-passau.de/Archiv/Filme/Im%20Westen%20nichts%20neues.jpg

Abb.7.2.: In Stahlgewittern

http://www.mannheim.nationaltheater.de/media/upload/bilder/literatur/stahlgewitter.jpg

Abb.7.3.: Erich Maria Remarque

http://www.remarque.uos.de/Portr.jpg

Abb.7.4.: Ernst Jünger

http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/97005473/index.jpg

[...]


[1] Jünger, Ernst: „In Stahlgewittern“. Berlin, Mittler, 1929

[2] Jünger, Ernst: „In Stahlgewittern“. Berlin, Mittler, 1929

[3] Jünger, Ernst: „In Stahlgewittern“. Berlin, Mittler, 1929

[4] Remarque, Erich Maria: „Im Westen nichts Neues“. Köln, Kiepenheuer & Witsch, 2000, S. 9

35 von 35 Seiten

Details

Titel
In Stahlgewittern - Westfront 1914-1918
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
35
Katalognummer
V108034
Dateigröße
1260 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stahlgewittern, Westfront
Arbeit zitieren
Stephan Kumpitsch (Autor), 2003, In Stahlgewittern - Westfront 1914-1918, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108034

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