Der Phraseologismus als sprachliche Erscheinung


Seminararbeit, 2003

28 Seiten, Note: 1


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Kriterien der Phraseologie
1.1 Idiomatizität
1.1.1 Idiomatizitätsgrad
1.1.2 Arten der Idiomatizität
1.1.3 Idiomatizität und Konnotation
1.1.4 Zentrale Idiomatisierungsstrukturen des Deutschen
1.1.5 Historische und kulturelle Dimension
1.2 Stabilität
1.2.1 Unikale Komponente
1.2.2 Territoriale Dubletten
1.2.3 Syntaktische Anomalien
1.2.4 Nichtidiomatische Konstruktionen
1.3 Lexikalisierung/ Reproduzierbarkeit

2. Klassifikation der Phraseologismen
2.1 Klassifikationen nach semantischen Aspekt
2.1.1 Synonymie
2.1.2 Antonymie
2.1.3 Ambiquität
2.1.4 Phraseologische Reihe
2.2 Klassifikationen nach der inneren Struktur
2.2.1 Phraseologismen mit besonderen Gruppen von Komponenten
2.2.2 Phraseologismen mit besonderen syntaktischen Strukturen
2.3 Klassifikationen nach der morphologisch – syntaktischen Strukturen
2.3.1 Substantivische Phraseologismen
2.3.2 Adjektivische Phraseologismen
2.3.3 Adverbiale Phraseologismen
2.3.4 Verbale Phraseologismen

3. Interlingualer Vergleich und Textorten
3.1 Interlingualer Vergleich von Phraseologismen
3.1.1 Kontrastive phraseologische Betrachtung zwischen Deutsch und Griechisch
3.2 Vorkommen der Phraseologismen in bestimmten Textorten

4. Auswa hl und Klassifikation einiger Phraseologismen von einer bestimmten Textorte
4.1 Idiomatizitätsgrad der ausgewählten Phraseologismen
4.2 Bedeutung der Praseologismen
4.3 Klassifikation der ausgewählten Phraseologismen nach ihrer morphosyntaktischen Struktur

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

Anhang.

Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Phraseologie des Deutschen“, das im Sommersemester 2004 stattgefunden hat, werde ich mich in dieser Seminararbeit mit dem Thema „ der Phraseologismus als sprachliche Erscheinung “ beschäftigen.

Unter Phraseologie versteht man die Lehre und Wissenschaft von eigentümlichen Redewendungen einer Sprache.[1]Sprachliche Phänomene wie ‚ins Gras beißen’, ‚einen Bock schießen’, ‚jemanden auf die Palme bringen’, ‚den Löffel abgeben’, ‚jemandem einen Bären aufbinden’ oder „jemanden ein Schnippchen schlagen“ werden im Volksmund Redewendungen genannt - im Bereich der Linguistik werden sie auch als Phraseologismen bzw. Idiome bezeichnet “.[2]

Phraseologismen sind sprachliche verschiedene kombinatorische Beschränkungen aufweisende Ausdrü>Sie erlauben häufig nicht, dass man mit ihnen bestimmte syntaktische Operationen ( Umstellung, Einfügung usw.) durchführt und sie setzen oft semantische Prinzipien außer Kraft. Die Bedeutung eines Phraseologismus lässt sich nicht immer aus der Bedeutung der Wörter, die er enthält, ableiten. Sie stehen also in gewisser Weise außerhalb des geregelten Teils der Grammatik.[3] Aufgrund dieser Kategorisierung haben Phraseologismen die Möglichkeit zur Entwicklung und zur Verbreitung des Wortschatzes, wie auch die Möglichkeit zur Benennung und zur Verarbeitung der Welt.[4] Damit werfen sie auch für eine grammatische Fundierung der Orthographie einige schwierige Probleme auf.[5]

Sie unterscheiden sich von einfachen Wörtern dadurch, daß sie aus mehreren Elementen bestehen, weisen aber - einfachen Wörtern ähnlich - als Komplex eine Gesamtbedeutung auf, die sich von der Bedeutung der einzelnen Wörter, aus denen die Redewendung zusammengesetzt ist, unterscheidet. So ist die Bedeutung ‚ins Gras beißen’, die mit ‚sterben’ umschrieben werden kann, unabhängig von der Bedeutung der Wörter ‚ins’, ‚Gras’ und

‚beißen’. Solche phraseologischen Mehrworteinheiten zeichnen sich durch eine Reihe weiterer spezifischer Eigenschaften aus, die bei nicht-phraseologischen Wortverbindungen nicht vorkommen. So treten beispielsweise in Phraseologismen oft Wörter auf, die außerhalb von Redewendungen nicht verwendet werden wie ‚Laufpaß’, ‚Schnippchen’, ‚Kerbholz’,

‚Mißkredit’ usw. Darüber hinaus unterliegen einzelne Redewendungen verschiedenen Modifikations- und Umformungsbeschränkungen, die nicht-phraseologische sprachliche Mehrworteinheiten ohne Probleme zulassen “.[6]

Als Gegenstand der Phraseologie werden Phraseolexeme, Wortgruppenlexeme, Idiome und feste Wendungen bestimmt, die einigen Kriterien, wie Idiomatizität, Stabilität und Reproduzierbarkeit übereinstimmen sollen. [7] Dazu gehören auch:

Sprichwörter[8] und Antisprichwörter

Ein Unglück kommt selten allein. (Sprichwort)[9]

Ein Zwilling kommt selten allein. (Antisprichwort)[10] Sagwörter oder Wellerismen

Viele Kinder, viele Segen, sagte derKüster, als er den Taufschilling in die Tasche steckte.[11]

Lehnsprichwörter

Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper (Deutsch)[12]

??? ? ????? e? s?µat? ???? (Griechisch)[13]

Geflügelte Worte

Carpe diem!

Nutze den Tag! (Horaz, Oden)[14]

1. Kriterien der Phraseologie

1.1 Idiomatizität

Unter dem Begriff Idiomatizität kann die Gesamtheit der Spracheigentümlichkeiten eines Landes und der Eigentümlichkeiten einer Mundart und eines Standes bestimmt werden. Es handelt sich hier um ein wic htiges Kriterium der Phraseologie, das die Komponenten im Phrasem umdeutet und dadurch bedeutet das Phrasem etwas anderes als seine Komponenten. [15]

Die idiomatische Bedeutung wird durch ein Bild vermittelt, das allerdings keine zwingende Motivation herstellt.”[16]

Da kein eindeutiger Zusammenhang zwischen wörtlicher und phraseologischer Lesart existiert, sollen und können die Phraseologismen interpretiert werden. [17]

Gustav hat bei seinem Vater ein Auto in der Garage. Gustav hat bei seinem Vater einen Stein im Brett.

Mit Hilfe dieses Beispieles ist das Kriterium der Idiomatizität besser zu verstehen. Während im ersten Satz ein reguläres Verhältnis zwischen den Komponenten besteht, entsteht zwischen den Komponenten des zweiten Satzes ein irreguläres Verhältnis.

Wenn der Satz bei jmdm. einen Stein im Brett haben, bei jmdm sehr beliebt sein, bedeutet, dann lässt sich in diesem Fall hoher Idiomatizitätsgrad erscheinen und dieser Satz kann als feste Wendung bzw Phraseologismus charakterisiert werden.

1.1.1 Idiomatizitätsgrad

Obwohl das Kriterium der Idiomatizität eines der wichtigsten Kriterien der Phraseologie ist, betrifft es nicht immer alle Komponente eines Phrasems. Aufgrund dieser Differenzierung wird es von drei Idiomatizitätrgraden gesprochen:

I. Vollidiomatische Phraseme

In diesem Fall sind alle Lexeme idiomatisch betroffen.

Nahe am Wasser gebaut haben “ (leicht in Tränen ausbrechen) [18]

II. Teilidiomatische Phraseme

Bei teilidiomatischen Phrasemen behalten einige Lexeme eines Phrasems ihre freie Bedeutung.

fein heraussein “ (nach Überwindung einer Schwierigkeit in einer glücklichen Lage sein) [19]

III. Nichtidiomatische Phraseme

Als nichtidiomatisch werden die Phraseme bezeichnet, deren Lexeme nicht semantisch transformiert sind.

sich auf etwas gefasst machen können “ (von jmdm auf etwas Unangenehmes vorbereitet werden, sich darauf seelisch einstellen) [20]

1.1.2 Arten der Idiomatizität

I. Durchsichtige Metaphorisierung

Wenn die Idiomatizität eines Phrasems durch Metaphorisierung erkennbar ist, dann spricht man von durchsichtiger Metaphorisierung.

„auf dem Teppich bleiben“[21]

II. Undurchsichtige Metaphorisierung

In diesem Fall ist die Bedeutung eines Phrasems undurchsichtig und deshalb sollte ein Lexikon nachgeschlagt werden.

„auf den Holzweg sein”[22]

III. Spezialisierungen

Zu den Spezialisierungen werden Phraseme untergeordnet, die nur oder vorzugsweise aus Funktionswörtern bestehen.

etwas an sich haben[23]

1.1.3 Idiomatizität und Konnotation

“Das Resultat der semantischen Analyse eines Phrasems bleibt immer etwas offen, vage und enthält ein stark konnotatives Element, das in seiner allgemeinsten Fassung als Nachdruck/Wertung bezeichnet werden könnte“[24]

a) Die emotionalen Bedingungen des Phrasemgebrauchs scherzhaft - Du kommst noch früh genug zu spät! ironisch - Danke der gütigen Nachfrage. verhüllend - ums Leben kommen abwertend, negativ - sich gewaschen haben wohlwollend, anerkennend - stark sein wie ein Baum

b) Die kommunikative Ebene des Phrasemgebrauchs umgangssprachlich - über alle Berge sein salopp - jn. in die Pfanne hauen derb, vulgär - die Hosen gestrichen voll haben feierlich, gehoben - herrlich und in Freuden leben

c) Die Funktionsbereiche des Phrasemgebrauchs administrativ - nach Massgabe juristisch – etw unter Beweis stellen

Medizin, Pflege – maschinelle Beatmung

Militär – Gewehr bei Fuss

Sport – ein totes Rennen

d) Die soziale Geltung des Phrasemgebrauchs Jugendsprache – hops sein

Familie – Pipi machen

Bildungssprache – a priori

e) Die Regionalität des Phrasemgebrauchs

berlinisch – Nachtigall, ick hör dir trapsen

norddeutsch – alles in Klump schlagen

niederdeutsch – was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall. ostmitteldeutsch – auf der Plauze liegen

schweizerhochdeutsch – das Kalb machen

österreichisch – sich ziehen wie ein Strudelteig

f) Die Zeitgebundenheit des Phrasemgebrauchs

Es handelt sich hier um Archaismen, die verschiedene Funktionen haben stilistische Funktionen – willens sein

Indizfunktionen – jm den Text lesen

kontinuitätsschaffende Funktion – Viel Lärm um nichts, der Zahn der Zeit (Shakespear)

1.1.4 Zentrale Idiomatisierungsstrukturen des Deutschen Partizip + sein – zart beseitet sein

Partizip + haben – etw aufgefressen haben

….werden – anders werden

Infinitiv + lassen – alles stehen und liegen lassen Infinitiv + zu + sein – nicht zu geniessen sein Infinitiv + zu + haben – nichts zu sagen haben Zum + substantivierter Infinitiv – zum Heulen

Infinitiv + Modalverb – das kannst du dir an den Hut stecken

[...]


[1] Vgl: dazu Palm, 1997, S. 1

[2] Weingarten, Rüdiger (2001): Beschreibung des Seminars “Phraseologie des Deutschen”. In: Url: (http://www.cl-ki.uni-osnabrueck.de/cl-ki/seminare/som97/phraslex/phraseologie/) [Stand 25. März 2003 ] 3 Vgl: dazu Palm, 1997, S. 1f.

[4] Ebd.,

[5] Ebd.,

[6] Weingarten, Rüdiger (2001): Beschreibung des Seminars “Phraseologie des Deutschen”. In: Url: (http://www.cl-ki.uni-osnabrueck.de/cl-ki/seminare/som97/phraslex/phraseologie/) [Stand 25. März 2003 ] 7 Vgl: dazu Palm, 1997, S. 2f.

[8] Die Wissenschaft, die sich mit Sprichwörtern beschäftigt, heißt Parömiologie. Siehe auch Palm, 1997, S. 3f.

[9] Vgl: dazu Palm, 1997, S. 4f.

[10] Ebd., S. 4

[11] Ebd., S. 4

[12] Ebd., S. 4

[13] Ebd., S. 4f.

[14] Vgl: dazu Palm, 1997, S. 5f. Auch in Köster, Rudolf: DUDEN – Redensarten Herkunft und Bedeutung

[15] Vgl: dazu Palm, 1997, S. 9.

[16] Fleischer, 1997, S. 36.

[17] Vgl: dazu Palm, 1997, S. 10.

[18] Duden – Redewendungen und sprichwörtlichen Redensarten, 2000, S. 783 (Duden Band 11), Auch in: Köster, Rudolf: DUDEN – Redensarten Herkunft und Bedeutung

[19] Ebd., S. 197

[20] Ebd., S. 239

[21] Ebd., S. 717

[22] Duden – Redewendungen und sprichwörtlichen Redensarten, 2000, S. 348 (Duden Band 11)

[23] Ebd., S. 36

[24] Palm, 1997, S. 16

28 von 28 Seiten

Details

Titel
Der Phraseologismus als sprachliche Erscheinung
Hochschule
National & Kapodistrian University of Athens
Veranstaltung
Phraseologie des Deutschen
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
28
Katalognummer
V108153
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Phraseologismus, Erscheinung, Phraseologie, Deutschen
Arbeit zitieren
Ioannis Argyros (Autor), 2003, Der Phraseologismus als sprachliche Erscheinung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108153

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