Die angebliche Verschwörung des L. Aelius Seianus und sein Sturz im Jahr 31 n. Chr.


Seminararbeit, 2002

18 Seiten, Note: sehr gut


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Gliederung

Einleitung

1. Die Problematik der Seianusdarstellung in den Annalen des Tacitus

2. Der Tod des Drusus im Jahr 23 n. Chr
2.1 Der Tod des Drusus bei Tacitus (Tac. ann. 4,8) und Cassius Dio (Cass. Dio 57,22,2)
2.2 Kritik an dieser Darstellung der Ereignisse

3. Die Ziele des Seianus und das Vorgehen gegen Agrippina und deren Anhänger
3.1 Die zunehmende Verschlechterung im Verhältnis zwischen Tiberius und Agrippina
3.2 Die Ziele des Seianus und erste Schritte zu deren Verwirklichung
a) Die Ziele des Seianus
b) Die ersten Schritte zur Verwirklichung dieser Ziele
3.3 Seianus, Tiberius und das Vorgehen gegen Agrippina und ihre Anhänger
a) Die Isolierung der Agrippina und ihres Anhangs
b) Die Verbannung

4. Die Institutionalisierung Seians, seine angebliche Verschwörung
und der überraschender Sturz 31 n. Chr.
4.1 Die Institutionalisierung von Seians Machtstellung
4.2 Die Verlobung mit Livilla
4.3 Der Sturz des Seianus in der Überlieferung des Flavius Josephus (Ios. ant. Iud. 18,181 ff.)
4.4 Kritik an der Überlieferung des Flavius Josephus
4.5 Das Ende des Seianus als Folge einer Veränderung in den Plänen des Tiberius

Schluss

Literatur

Einleitung

Die Meinungen über den römischen Ritter und Prätorianerpräfekten L. Aelius Seianus gehen auseinander. Antike Autoren, allen voran Tacitus, dessen Seianusdarstellung gewisse Parallelen zu Sallusts Catilina aufweist[1], betrachteten ihn als einen skrupellosen und machtgierigen Verbrecher, der, nachdem er sich das Vertrauen des Tiberius erschlichen hatte danach trachtete selbst Princeps zu werden.[2] Erst in der neueren Literatur wurde der Versuch unternommen, ein differenziertes und ausgewogeneres Seianusbild zu erstellen, ohne jedoch dass man auch nur in die Nähe eines Konsens gekommen wäre. Jedoch findet sich auch hier immer wieder die Tendenz, in Anlehnung an Tacitus, Seianus als kaltblütigen Verschwörer zu sehen der verantwortlich zu machen ist für die Ermordung des Tiberiussohnes Drusus, die Verfolgung der Agrippina und schließlich auch nicht davor zurückschreckte gegen das Leben des Princeps zu konspirieren.[3]

Im Folgenden soll gezeigt werden, dass dieses Bild des Gardepräfekten der Jahre 14 bis 31 n. Chr. nicht aufrechterhalten werden kann. Zwar hatte sich Seianus das Ziel gesetzt, die Nachfolge des Tiberius als Princeps anzutreten, jedoch entstand dieser Gedanke erst in der Zeit nach dem Tod des Drusus, der nicht, wie bei Tacitus berichtet, von Seianus ermordet wurde[4], sondern eines natürlichen Todes starb. Auch das Vorgehen des Seianus gegen Agrippina, der Witwe des Germanicus, und deren Söhne - welches bei Sueton sogar als Grund für seinen Sturz angeführt wurde[5] - fand im ausdrücklichen Einvernehmen mit Tiberius statt und kann somit Seianus nur bedingt zur Last gelegt werden. Schließlich ist auch der Vorwurf, Seianus habe sich gegen Tiberius verschworen, nicht haltbar. Das Gegenteil war der Fall: Tiberius war derjenige der gegen seinen Gardepräfekten konspirierte, da er von seinem ursprünglichen Gedanken abgekommen war, Seianus als Platzhalter für seinen minderjährigen Enkel Tiberius Gemellus einzusetzen. Somit verlor der zuvor mit enormen Machtmitteln ausgestattete und mit Ehrungen überhäufte Seianus, der sich wohl schon in der Rolle eines zweiten M. Agrippa gesehen hatte, seinen Verwendungszweck. Seine Aburteilung und Hinrichtung am 18. Oktober 31 n. Chr. war die Konsequenz.

1. Die Problematik der Seianusdarstellung in den Annalen des Tacitus

Der Aufstieg des Seianus begann nach dem Amtsantritt des Tiberius im Jahr 14 n. Chr., als er zum alleinigen Kommandeur der Prätorianergarde ernannt wurde.[6] In den darauffolgenden Jahren jedoch tauchte sein Name in den Quellen recht selten auf, mit Ausnahme einiger bezeichnender Stellen bei Tacitus.[7] So wurde bereits für das Jahr 15 n. Chr. angemerkt, dass Seianus offen gegen Agrippina Partei ergriff[8], obwohl er zu diesem Zeitpunkt sicherlich noch kein eigenes Interesse damit verbinden konnte. Als die Tochter Seians im Jahr 20 n. Chr. mit einem Sohn des späteren Princeps Claudius verheiratet wurde nutzte Tacitus die Gelegenheit um darauf hinzuweisen, dass der Gardepräfekt sich wohl schon zu diesem Zeitpunkt Hoffnungen gemacht habe, die Nachfolge des Tiberius anzutreten.[9] Durch solche wiederholt eingestreuten Hinweise auf das Machtstreben des Seianus bereitete Tacitus geschickt das vierte Buch seiner Annalen vor, wo er ihn als die „Inkarnation des Verbrechens, des Verrats und der Grausamkeit“[10] darstellte. Um der Wirkung seiner Darstellung zusätzlich Nachdruck zu verleihen war Tacitus auch bereit, die Realitäten etwas zu verzerren. So setzte er die Zusammenlegung der Prätorianerkohorten in Rom - die bisher ohne festes Quartier auf die Stadt und die umliegenden Gemeinden verteilt waren - für das Jahr 23 n. Chr. an.[11] Dieses Ereignis fand jedoch bereits im Jahr 20 n. Chr. statt, wie Cassius Dio glaubhaft versicherte.[12] Beide Autoren, sowohl Tacitus als auch Cassius Dio, verfassten ihre Berichte - in denen sich gelegentlich sogar wörtliche Anklänge finden - post eventum und stützten sich auf eine gemeinsame Vorlage. Das Motiv des Tacitus war offensichtlich: da er das vierte Buch seiner Annalen mit einer ausführlichen Charakterisierung des Seianus begann, worin er ihn als einen heuchlerischen und skrupellosen Menschen beschrieb, der sowohl um die Gunst des Heeres als auch der Senatoren buhlte[13], bot es sich an, die Zusammenlegung der Prätorianerkohorten an dieser Stelle einzufügen und somit nochmals sein Machtsreben zu betonen.[14] Der Tatsache, dass diese Verlegung sicherlich im Sinne des Tiberius stattfand, schenkte Tacitus dabei keine Aufmerksamkeit. Das Ziel dieser bewusst vorgenommenen Geschichtsverdrehung ist leicht zu durchschauen: der verderbliche Einfluss des Seianus auf die kommende Entwicklung sollte herausgestellt werden. Dennoch gibt es auch in der heutigen Literatur noch zahlreiche Meinungen, die dem Bericht des Tacitus Glauben schenken und somit ein Bild des Seianus entwerfen, welches diesem nicht gerecht wird.[15]

Da aber die Annalen des Tacitus die ausführlichste Quelle zur Seianusproblematik darstellen, kommt man nicht daran vorbei sie als Grundlage der Betrachtung heranzuziehen. Sie sind jedoch mit großen Vorbehalten zu betrachten, wie die oben angeführten Beispiele zeigen.

2. Der Tod des Drusus im Jahr 23 n. Chr.

2.1 Der Tod des Drusus bei Tacitus (Tac.ann. 4,8) und Cassius Dio (Cass. Dio 57,22,2)

In den ersten acht Jahren der Amtszeit des Tiberius war Seianus stets ein loyaler Mitarbeiter des Tiberius.[16] Sein Aufstieg war beachtlich und für einen römischen Ritter sicherlich außergewöhnlich. Auch Tacitus fand für diese Zeit keine praktische Kritik an der Tätigkeit des Seianus mit Ausnahme einiger bereits oben erwähnter Einstreuungen, welche aus stilistischen Gründen eingefügt wurden und dazu dienten, die weitere Darstellung des Seianus vorzubereiten. Den Wendepunkt stellte dann das Jahr 23 n. Chr. dar, mit welchem das vierte Buch der Annalen beginnt. In diesem Jahr starb Drusus, der Sohn des Tiberius, seit dem Jahr 22 n. Chr. Inhaber der tribunicia potestas [17] und somit designierter Nachfolger im Prinzipat.

Die Mehrzahl der Quellen machen Seianus für den Tod des Drusus verantwortlich.[18] Er habe zunächst Livilla, die Frau des Drusus, verführt und ihn anschließend von deren Arzt Eudemus vergiften lassen.[19] Als Motiv für diese Tat wurde von Tacitus das Machtstreben des Seianus angeführt, Livilla habe sich an der Tat beteiligt um an dieser Macht teilzuhaben (consortium regni).[20]

2.2 Kritik an dieser Darstellung der Ereignisse

Diese Vorwürfe sind jedoch bei einer genaueren Betrachtung nicht haltbar.[21] Als Drusus im Jahr 23 n. Chr. starb, war niemand in Rom der Meinung, dass er auf unnatürliche Weise aus dem Leben geschieden sei, geschweige denn dass Seianus ihn vergiften hatte lassen.[22] Wie Sueton berichtete ging man wohl eher davon aus, Drusus sei ein Opfer seines ausschweifenden Lebenswandels geworden und den Folgen des Alkoholismus erlegen.[23] Auch bei Tacitus finden sich Hinweise auf eine ernsthafte Erkrankung des Drusus, welcher er beinahe erlegen wäre.[24] Der Tod des Drusus schien somit wohl niemanden in Rom wirklich zu überraschen. Die Gerüchte von der Ermordung tauchten erst acht Jahre später auf, wurden von Apicata, der ehemaligen Frau des Seianus ausgestreut und dürfen wohl als ein Racheakt aufgefasst werden, da dieser sie verlassen hatte.[25] Diese Gerüchte und die Tatsache dass Seianus im Jahr 25 bei Tiberius um die Hand der Livilla anhielt[26] sind die einzigen Anhaltspunkte, welche die Version der Ermordung stützen. Der Hinweis des Tacitus auf den Machtwillen der Livilla als Motiv für ihre Beteiligung an der Tat kann getrost als unsinnig betrachtet werden. Wer wäre für Livilla ein besserer Schlüssel zur Macht gewesen als Drusus, der Sohn des Tiberius und designierte Nachfolger im Prinzipat.[27]

Auch der im Jahr 25 n. Chr. von Seianus und Livilla vorgebrachte Heiratswunsch muss nicht automatisch bedeuten, dass die beiden den Drusus getötet haben.[28] Livilla hoffte durch diese Verbindung wohl eher die Stellung ihres Sohnes Tiberius Gemellus in der Auseinandersetzung mit Agrippina und deren Sohn Nero zu festigen.[29]

Ein Blick auf das Verhältnis zwischen Drusus und Seianus in der Vergangenheit gibt keine klaren Anhaltspunkte für die Ermordungstheorie. So war das Verhältnis der beiden am Anfang der Regierungszeit des Tiberius wohl recht gut. Dafür spricht die Tatsache, dass Seianus den Drusus im Jahr 14 n. Chr. auf einem Feldzug nach Pannonien begleitete.[30] Eine Auseinandersetzung setzte also erst im Laufe der weiteren Jahre ein. Grund dafür war wahrscheinlich der wachsende Einfluss des Seianus. Tacitus und Cassius Dio berichteten sogar von einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden.[31] Henning hält eine solche Auseinandersetzung durchaus für möglich, gibt aber dafür eher dem als jähzornig bekannten Drusus die Schuld und misst zudem diesem Vorfall keine allzu große Bedeutung bei.[32]

Ein weiteres wichtiges Indiz für die Unschuld des Seianus ist die Tatsache, dass im Jahr 31 n. Chr. der an der angeblichen Ermordung beteiligte Arzt Eudemus noch am Leben war. Würden die Quellen stimmen und Eudemus hätte tatsächlich im Auftrag von Livilla und Seianus den Drusus vergiftet, wäre es sicherlich für den Gardepräfekten ein Leichtes gewesen, sich diesen unangenehmen Mitwisser vom Hals zu schaffen.[33]

Livilla starb wahrscheinlich im Jahr 31 n. Chr.[34], jedoch wird nicht klar ersichtlich ob sie eines natürlichen Todes starb[35] oder hingerichtet wurde. Aber auch wenn sie nicht natürlich aus dem Leben schied ist dies kein Indiz für eine Ermordung des Drusus. Nach dem Sturz des Seianus wurden zahlreiche Personen aus seiner Umgebung hingerichtet.[36] Auch Livilla könnte ein Opfer dieser willkürlichen Verfolgungsmaßnahmen geworden sein.

Zudem gehen weder Seneca noch Flavius Josephus, die beide auf Grund ihrer Lebensdaten den Ereignissen näher standen als Tacitus, Cassius Dio oder Sueton, davon aus, dass Drusus eines unnatürlichen Todes gestorben sei.[37]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Hinweise die für eine Ermordung des Drusus sprechen sehr schwach sind und einzig und allein auf einem Gerücht der Apicata beruhen. Dieses Gerücht wurde durch den 25 n. Chr. geäußerten Heiratswunsch von Seianus und Livilla noch verstärkt. Der Tod des Drusus passte so perfekt in das von Tacitus entworfene Bild des Seianus, dass es fast natürlich erschien ihm die Schuld daran zuzusprechen. Dieser Vorwurf aber ist nach dem oben Ausgeführtem nicht mehr haltbar. Hinzu kommt, dass Seianus zu diesem Zeitpunkt noch nicht ernsthaft darauf spekuliert haben dürfte den Prinzipat zu erreichen.[38]

3. Die Ziele des Seianus und das Vorgehen gegen Agrippina und deren Anhänger

Die Annahme von Michael Friedenthal, wonach Seianus auf Grund seiner gesellschaftlichen Stellung als römischer Ritter niemals Aussicht darauf hatte den Prinzipat zu erreichen, ist falsch.[39] Bereits unter Augustus stand der Ritter Marcus Vipsanius Agrippa, nachdem er mit hohen Ehren versehen worden war und Julia, die Tochter des Augustus zur Frau erhalten hatte, kurz davor selbst Princeps zu werden. Augustus, der im Jahr 23 v. Chr. schwer erkrankt war, sah im Falle seines Todes in Agrippa den Platzhalter für seinen Neffen Marcellus.[40] Man sieht: die Einheiratung in die kaiserliche Familie und die Übernahme hoher Staatsämter konnten durchaus die fehlende Abstammung wettmachen.[41]

Nach dem Tod des Drusus wurde für Tiberius das Problem der Nachfolge nicht zuletzt deswegen aktuell, da er zu diesem Zeitpunkt bereits 65 Jahre alt war. Die Zwillingssöhne des Drusus, wovon einer noch im Jahr 23 n. Chr. starb[42], kamen für absehbare Zeit als Nachfolger nicht in Frage. Gegen die Söhne der Agrippina, Nero und Drusus, hatte Tiberius Vorbehalte. Zum einen weil es mit seinen Beziehungen zu Agrippina nicht zum Besten stand[43] und zum anderen hegte er wohl auch den Wunsch einem Mitglied aus seiner eigenen Familie die Nachfolge zu sichern.[44]

3.1 Die zunehmende Verschlechterung im Verhältnis zwischen Tiberius und Agrippina

In den Monaten nach dem Tod des Drusus nahmen die Spannungen zwischen Tiberius und Agrippina weiter zu . Als zu Begin des Jahres 24 n. Chr. die Söhne der Agrippina in die zum Jahresanfang üblichen Gelübde zum Wohle des Princeps miteinbezogen wurden, wandte Tiberius sich heftig gegen diese Praxis. Erbost befragte er die verantwortlichen Priester, ob die Einbeziehung der beiden auf die Forderungen der Agrippina hin erfolgt sei und warnte den Senat vor übertriebenen Ehrungen der beiden.[45] In diesem Zusammenhang dürfte sich auch Seianus gegen Agrippina geäußert haben.[46] Jedoch erscheint die bei Tacitus wiedergegebene Aussage überzogen, da kein Mensch in Rom zu diesem Zeitpunkt ernsthaft mit einem Bürgerkrieg, ausgehend von den Anhängern der Agrippina, gerechnet haben dürfte.[47] Zudem behauptet Tacitus, dass Seianus diese Aussage im Senat tätigte.[48] Dies erscheint recht unwahrscheinlich, da Seianus als Ritter gar nicht berechtigt war im Senat zu sprechen und auch zuvor offenbar noch nie dort gesprochen hatte.[49]

Man kann jedoch festhalten, dass sich nach dem Tod des Drusus relativ schnell die angespannte Stimmung zwischen Tiberius und Agrippina weiter verschärfte. Seianus dürfte sich aus dieser Auseinandersetzung zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend herausgehalten haben, auch wenn Tacitus das Gegenteil behauptete.

3.2 Die Ziele des Seianus und erste Schritte zu deren Verwirklichung

a) Die Ziele des Seianus

In dieser Zeit, eventuell im Verlauf des Jahres 24 n. Chr. könnten in Seianus die Pläne gereift sein, welche ihn in der Rolle des Platzhalters und Vormunds von Tiberius Gemellus und somit als Nachfolger des Tiberius im Amt des Princeps sahen. Ausschlaggebende Ereignisse für eine solche Überlegung waren zum einen der Tod des Drusus, der die Nachfolgefrage akut werden ließ, und zum anderen die steigende Rivalität zwischen Agrippina und Tiberius. Der einzig mögliche Nachfolger, so schien es[50], war Tiberius Gemellus.[51] Dieser jedoch war zu diesem Zeitpunkt erst vier Jahre alt, würde die direkte Nachfolge des Tiberius deswegen aus Altersgründen nicht antreten können[52] und somit einen Vormund benötigen.[53] So dürfte auch Seianus die Sache gesehen haben und dementsprechend richtete er seine Vorgehensweise in den folgenden Jahren aus.

b) Die ersten Schritte zur Verwirklichung dieser Ziele

Ein erster, wenn auch wenig erfolgreicher Schritt in diese Richtung war die Anfrage bei Tiberius bezüglich einer Hochzeit mit der Drususwitwe Livilla. Dies wurde jedoch von Tiberius höflich aber bestimmt abgewiesen.[54] Die Ablehnung der Hochzeit durch Tiberius zu diesem Zeitpunkt ist ein Zeichen seiner Unsicherheit bezüglich der Nachfolgefrage. Sowohl Livilla als auch Agrippina versuchten, jedoch ohne Erfolg, durch Eheschließungen ihre eigene Stellung und somit auch die ihrer Söhne zu festigen.[55] Tiberius wollte sich offensichtlich in der Nachfolgefrage noch nicht endgültig festlegen. Meissner vertritt die Meinung, dass die Ehe mit Livilla Seianus zum „Kronprinzen“ designiert hätte.[56] Dies geht etwas zu weit da Seianus zu diesem Zeitpunkt noch keine nennenswerten Staatsämter bekleidete. Es ist aber zweifellos richtig, dass es für Seianus eine enorme Aufwertung seiner Position bedeutet hätte und ein großer Schritt in Richtung seines erhofften Zieles gewesen wäre.

Die Ablehnung der Ehe mit Livilla war für Seianus eine Enttäuschung. Jedoch bedeutet die Tatsache, dass Tiberius diese Ehe im Jahr 25 n. Chr. unterband nicht automatisch, dass er sie auch im Jahr 30 n. Chr. noch ablehnte.[57]

Das Jahr 26 n. Chr. brachte Seianus dann seinem Ziel einen gewaltigen Schritt näher, da Tiberius sich endgültig entschloss Rom den Rücken zu kehren und auf Capri zu leben. Seianus förderte diesen Schritt des Princeps, jedoch war dies sicherlich nicht der ausschlaggebende Impuls für seinen Rückzug.[58]

Kurz vor der Überfahrt des Tiberius von Campanien nach Capri im Herbst 26 n. Chr. kam es zu einem folgenreichen Unfall.[59] Als die Reisegesellschaft in einer natürlichen Höhle in der Nähe von Sperlonga beim Essen saß lösten sich plötzlich Felsbrocken von der Decke und töteten mehrere Personen aus der Reisegruppe des Tiberius. Seianus jedoch reagierte schnell, warf sich unter Einsatz seines Lebens über Tiberius und schützte ihn mit seinem Körper.[60]

Dieses Ereignis steigerte das ohnehin schon vorhandene Vertrauen des Tiberius in Seianus um ein Vielfaches und vielleicht hat Bernecker in diesem Punkt gar nicht unrecht, wenn sie hier einen zentralen Ausgangspunkt für den weiteren Aufstieg des Seianus sieht.[61]

Seianus war nun der starke Mann in Rom. Er führte praktisch die Regierungsgeschäfte in der Hauptstadt und stand als einziger in direktem Kontakt zu Tiberius.[62] Nun hatte er die Ausgangsposition erreicht, die es ihm ermöglichte zum ersten Mal aktiv gegen die unliebsame Konkurrenz von Seiten der Agrippina und deren Söhne vorzugehen.

3.3 Seianus, Tiberius und das Vorgehen gegen Agrippina und ihre Anhänger

a) Die Isolierung der Agrippina und ihres Anhanges

Tiberius tendierte ab den Jahren 26/27 n. Chr. wohl endgültig dazu, seinen Enkel Tiberius Gemellus die Nachfolge im Prinzipat zu sichern[63] und wandte sich offen gegen Agrippina und den von ihr für die Thronfolge favorisierten Sohn Nero. Dies führte bis zur Anklage[64] und Verbannung[65] der beiden im Jahr 29 n. Chr. Man muss jedoch von Anfang an festhalten, dass Seianus hierbei nur eine sekundäre Rolle spielte. Natürlich lag ein möglichst wirksames Vorgehen gegen Agrippina ganz in seinem Interesse und mit Sicherheit begrüßte er auch ihre Verbannung. Er selbst verhielt sich aber eher zurückhaltend. Auch Sueton vertrat die Meinung, dass es in erster Linie Tiberius war, der das Vorgehen gegen die Partei der Agrippina zu verantworten hatte und Seianus nur die Person, die den Princeps mit geschickt dosierten und platzierten Informationen beeinflusste.[66]

Das Konzept des Seianus ging auf, wobei Agrippina und ihr Anhang alles unternahmen, um den eigenen Untergang zu beschleunigen.[67] Vor allem Nero ließ sich immer wieder zu unbedachten Äußerungen hinreißen.[68] Alle Äußerungen wurden direkt und des öfteren in verschärfter Form an Tiberius weitergegeben. Obwohl Nero großenteils wohl nur leere Worte von sich gegeben haben dürfte, verzerrte sich für den in der Abgeschiedenheit residierenden Princeps langsam aber sicher die Realität. Dies führte schließlich so weit, dass Nero und Agrippina, wahrscheinlich auf Anweisung des Tiberius hin, unter militärische Bewachung gestellt wurden.[69]

b) Die Verbannung

Nachdem Agrippina und Nero zu diesem Zeitpunkt bereits unter militärischer Überwachung standen, fehlte nur noch ein kleiner Schritt um die endgültige Verbannung durchzusetzen. Den letzten Beweis lieferte schließlich das Verfahren gegen den römischen Ritter Titius Sabinus, der ein bekennender Anhänger der Germanicusfamilie war. Titius Sabinus wurde von dem Vertrauen heuchelnden Senator L. Latiaris in eine Falle gelockt und ließ sich zu abfälligen Äußerungen über Seianus und Tiberius hinreißen. Diese Äußerungen jedoch wurden von mehreren seianustreuen Senatoren in einem Versteck mitangehört und anschließend gegen Sabinus wegen Hochverrats Anklage erhoben.[70] Zunächst zögerte der Senat offenbar gegen Sabinus ein Urteil zu fällen[71]. Als Tiberius sich hierüber beschwerte, wurde ein Urteil gar nicht mehr abgewartet und Sabinus ohne Prozess hingerichtet. Nach der Hinrichtung schickte Tiberius einen Brief an den Senat, in welchem er sich für das Urteil bedankte, gleichzeitig aber auch auf seine ihm eigene, zweideutige Art durchblicken ließ, dass er um sein Leben fürchten müsse. Ohne sie namentlich zu erwähnen zielten seine Beschuldigungen auf Agrippina und Nero.[72]

Der Vorgang, der zur Hinrichtung des Sabinus führte, ist ein klassisches Beispiel für die Vorgehensweise des Seianus.[73] Er selbst wurde nie, in welcher Form auch immer, gegen irgendjemand aus der Partei der Agrippina aktiv. Die Urteile die gefällt wurden gingen auf Tiberius zurück, er hatte sie zu verantworten. Seianus war derjenige der geschickt die Fäden spann und die Intrigen einleitete. Er blieb jedoch stets im Hintergrund und ließ Tiberius das Gefühl, er treffe die Entscheidungen. Tiberius aber traf keine Entscheidung, die Seianus ihm nicht vorher zurechtgelegt hätte. Er führte genau das aus, was Seianus wünschte. Der Princeps wurde so zu einer Art Marionette seines Gardepräfekten.

Im Jahr 29 n. Chr. wurden schließlich Agrippina und Nero verbannt. Leider brechen die Annalen des Tacitus mit dem Jahr 29 ab und setzen erst wieder im Herbst 31 n. Chr. ein. Somit fehlen sowohl wichtige Hinweise auf die Ereignisse, die zur Verbannung von Agrippina und Nero geführt haben, als auch solche, die Aufschluss über die Vorgänge geben könnten, welche zum Sturz des Seianus im Oktober 31 n. Chr. führten.

4. Die Institutionalisierung Seians, seine angebliche Verschwörung und der überraschender Sturz 31 n. Chr.

4.1 Die Institutionalisierung von Seians Machtstellung

Im Jahr 30 n. Chr. beschloss Tiberius dann endgültig die Position seines Gardepräfekten, dessen Machtstellung bisher ausschließlich auf dem Vertrauen des Princeps beruhte, zu institutionalisieren. Im Jahr 31 n. Chr. wurde Seianus als Amtskollege des Tiberius zum Konsul ernannt.[74] Die Bedeutung dieser Auszeichnung ist aus zwei Gründen enorm: zum einen erreichte der römische Ritter Seianus die höchste Stellung im Staate, welche im Normalfall nur den Senatoren vorbehalten war, zum anderen bedeutete die Tatsache, dass Tiberius mit ihm gemeinsam das Konsulat ausfüllte eine zusätzliche Ehre. Erst zweimal zuvor nämlich hatte Tiberius seit seinem Amtsantritt das Amt eines Konsuls ausgefüllt. Zum ersten Mal im Jahr 18 n. Chr. mit Germanicus und zum zweiten Mal gemeinsam mit seinem Sohn Drusus im Jahr 21 n. Chr. Tiberius hatte also beide Male das Konsulat mit den Personen geteilt, welche er als seine Nachfolger im Amt des Princeps angesehen hatte. Dass er nun im Jahr 31 n. Chr. gemeinsam mit Seianus das Konsulenamt übernahm ist ein wichtiges Indiz darauf, dass er zu diesem Zeitpunkt Seianus als seinen Nachfolger ansah.[75] Zudem erhielt Seianus in diesem Zeitraum das imperium proconsulare verliehen.[76] Ihm fehlte somit nur noch die tribunizische Gewalt, um offiziell als Mitregent und Nachfolger des Princeps zu gelten.[77]

4.2 Die Verlobung mit Livilla

Zusätzlich erfuhr Seianus eine weitere Aufwertung seiner Person, die gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann: im Jahr 30 n. Chr. kam es endlich zu dem von ihm bereits 25 n. Chr. angestrebten Eheversprechen mit Livilla, der Witwe des Drusus und Schwiegertochter des Tiberius. Durch diese Verlobung wurde Seianus nun offiziell ein Mitglied der kaiserlichen Familie. Es ist wichtig zu betonen, dass Seianus sich im Jahr 30 n. Chr. mit Livilla verlobte und nicht wie bei Cassius Dio berichtet mit deren Tochter Julia.[78] Die Verwechslung geht wohl darauf zurück, dass Cassius Dio in Erinnerung an das Jahr 25 n. Chr., als Tiberius diese Ehe noch unterband, automatisch davon ausging, dass dies 30 n. Chr. immer noch des Fall war.[79] Jedoch hatte sich die Situation im Vergleich zum Jahr 25 n. Chr. grundlegend geändert: Tiberius hatte sich, so schien es, endgültig für eine Nachfolgeregelung mit Seianus als Vormund für Tiberius Gemellus entschieden, Agrippina und ihre Söhne befanden sich in der Verbannung. Die These, dass Seianus sich nicht mit Julia sondern mit Livilla verlobt hatte, wird durch zahlreiche Indizien gestützt und in der modernen Literatur überwiegend akzeptiert.[80] Ein wichtiger Hinweis darauf, dass Julia nicht die Frau bzw. Verlobte des Seianus gewesen sein kann ist die Tatsache, dass sie noch bis in die Regierungszeit des Claudius hinein am Leben war.[81] Wäre sie tatsächlich so eng an Seianus gebunden gewesen, hätte man wohl auch sie nach dessen Sturz getötet.

Für die tatsächliche Stellung Seians im Staat macht es einen nicht zu unterschätzenden Unterschied, ob er mit Julia verlobt war oder aber ob eine Hochzeit mit deren Mutter Livilla geplant war. Hätte er Julia, die Schwester des Tiberius Gemellus heiraten sollen, wäre er nicht als Statthalter-Regent gedacht gewesen, sondern weiterhin nur als leitender Mitarbeiter des Princeps.[82] Seianus aber war im Jahr 30 n. Chr. von Tiberius als Vormund des Tiberius Gemellus und zukünftiger Princeps vorgesehen. Das Amt des Konsuls gemeinsam mit Tiberius, das imperium proconsulare und schließlich die Verlobung mit Livilla[83] sind eindeutige Belege dafür.

4.3 Der Sturz des Seianus in der Überlieferung des Flavius Josephus (Ios.ant.Iud. 18,181 ff.)

Wie oben bereits erwähnt fehlt der Teil der Annalen des Tacitus, welcher Aufschluss geben könnte über die Umstände, die zum Sturz des Seianus im Jahr 31 n. Chr. führten. Den am häufigsten erwähnten Bericht hierüber finden wir bei Flavius Josephus.[84] Demzufolge war es Antonia, die Schwägerin des Tiberius, die diesen vor einer Verschwörung des Seianus gegen ihn warnte.[85] Sie übergab ihrem treusten Sklaven Pallas einen Brief, welchen dieser nach Capri beförderte.[86] Als Reaktion auf diesen Bericht ging Tiberius entschieden gegen die – wie bei F. Josephus berichtet bereits fortgeschrittene – Verschwörung vor und ließ Seianus und seine Anhänger hinrichten.[87] An spätere Stelle erfährt man weiter, dass es der zum neuen Gardepräfekten ernannte Suforius Macro war, der das Vorgehen gegen die angeblichen Verschwörer leitete.[88]

Dieser Bericht des F. Josephus ist, obwohl sehr unpräzise, die ausführlichste Quelle zum Ende des Seianus. Folgt man ihm so kommt man zu dem Ergebnis, dass Seianus mit Hilfe einer großen Anhängerschaft und des Heeres einen Putsch gegen Tiberius plante um sich selbst in die Position des Princeps zu befördern.[89] Betrachtet man aber den Bericht des F. Josephus näher, stößt man rasch auf zahlreiche Ungereimtheiten und offene Fragen, welche berechtigten Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser Version aufkommen lassen.

4.4 Kritik an der Überlieferung des Flavius Josephus

Es ist bekannt, dass F. Josephus sein Werk im Sinne des jüdischen Königs Herodes Agrippa verfasste. Antonia aber, die Schwägerin des Tiberius und nach F. Josephus die Person, welche das Komplott des Seianus aufdeckte, stand in freundschaftlicher Verbindung zu Herodes Agrippa.[90] Der Verdacht liegt nahe, dass F. Josephus dazu neigte die Rolle der Antonia deswegen aufzuwerten bzw. überhaupt eine Beteiligung von ihr am Ende des Seianus zu konstruieren. Des weiteren erscheint das Vorgehen der Antonia umso überraschender, da sie sich bis dato immer aus der Politik herausgehalten hatte.[91] Und noch eine dritte Tatsache erscheint überraschend: Cassius Dio schloss das bei F. Josephus angeführte Komplott regelrecht aus.[92] Hätte Seianus aber tatsächlich eine Verschwörung angezettelt, die in ihrem Umfang auch nur annähernd dem Bericht des F. Josephus nahegekommen wäre, erscheint es völlig rätselhaft wie hierüber unterschiedliche Meinungen bestehen können.[93]

Des weiteren existieren einige Ungereimtheiten bezüglich der Art und Weise wie Antonia die Verschwörung aufgedeckt haben soll. Dem F. Josephus folgend informierte sie Tiberius in einem Brief, den einer ihrer Sklaven nach Capri beförderte. Hierbei stellen sich jedoch zwei Fragen: woher konnte Antonia, die sich wie oben erwähnt kaum um Politik kümmerte, von einer solchen Verschwörung erfahren haben und wie konnte es ihrem Sklaven überhaupt gelingen unentdeckt mit dem Brief zu Tiberius zu gelangen? Der gesamte Kontakt des Tiberius zur Außenwelt fand über Seianus statt. Die Soldaten der Garde kontrollierten die Post und die Umgebung des Princeps. Es erscheint relativ unwahrscheinlich, dass der Bote nicht von ihnen entdeckt worden wäre.[94]

Die Aburteilung des Seianus durch den Senat und seine anschließende Hinrichtung lief ohne Probleme oder Zwischenfälle ab. Wären aber tatsächlich so einflussreiche Kreise hinter Seianus gestanden und hätte er zudem das Heer auf seiner Seite gehabt, wie bei F. Josephus berichtet, hätte sein Ende wohl nicht so reibungslos ablaufen können. Generell ist wohl die Annahme, Seianus habe über eine große und geschlossene Anhängerschaft verfügt, nicht richtig. Es gab keine „Partei des Seianus“.[95] Der Aufstieg des Seianus fand einzig und allein über das Vertauen des Tiberius statt, sein Sturz erfolgte weil dieser ihm seine Unterstützung entzog.

4.5 Das Ende des Seianus als Folge einer Veränderung in den Plänen des Tiberius

Warum aber entzog Tiberius, sicherlich für alle überraschend, seinem bisherigen Günstling Seianus das Vertrauen? Eine endgültige Antwort hierauf gibt es sicherlich nicht, jedoch kann die Version einer Verschwörung des Seianus gegen den Princeps wohl ausgeschlossen werden. Als Seianus zu seiner Verurteilung am 18. Oktober 31 n. Chr. den Senat betrat, rechnete er damit, dass man ihm die tribunicia potestas verleihen und er somit endgültig zum Nachfolger des Tiberius designiert würde.[96] Es erscheint nicht nachvollziehbar, dass Seianus einerseits Kopf einer perfekt organisierte Verschwörung gewesen sein soll, andererseits jedoch völlig arglos und ohne Schutz zu seiner eigenen Hinrichtung spazierte.

Als einzig logische Erklärung erscheint mir, dass Tiberius seine Meinung bezüglich der Nachfolge im Prinzipat änderte. Seianus wurde somit überflüssig. Aufgrund seiner enormen Machtstellung aber, in welche Tiberius selbst ihn befördert hatte, sah der Princeps keine andere Möglichkeit als Seianus zu beseitigen.

Anzeichen für einen solchen Gesinnungswandel des Tiberius sind vorhanden. So legte er beispielsweise am 9. Mai 31 n. Chr. sein Konsulat nieder und zwang dadurch Seianus es ihm gleichzutun.[97] Zudem begann Tiberius zum selben Zeitpunkt vollkommen überraschend mit der Förderung des Caligula, welchen er bis dato eher mit Missachtung versehen hatte. So erhielt Caligula die Männertoga beispielsweise erst mit 18 Jahren, wohingegen sein Bruder Nero dieselbige bereits mit 14 anlegen durfte. Der Princeps berief Caligula zu sich nach Capri und ehrte ihn mit einem Priesteramt. Dieser Vorgang war ein eindeutiger Affront gegen Seianus.[98] Interessant in diesem Zusammenhang ist weiterhin, dass der spätere Prätorianerpräfekt Macro damit beauftragt wurde, die Verurteilung und Hinrichtung des Seianus herbeizuführen.[99] Nach dem Tod des Tiberius 37 n. Chr. war es ebenfalls der Gardepräfekt Macro, der Caligula unterstützte und ihm somit endgültig half sich als Princeps gegen Tiberius Gemellus durchzusetzen. Der Beginn dieser für Caligula sehr erfolgreichen Zusammenarbeit begann eventuell im Jahr 31 n. Chr. mit dem Sturz des Seianus.

Schluss

Die Quellenlage zum Aufstieg und Sturz des Seianus ist sehr tendenziös und unpräzise. Anstatt Klarheit zu schaffen, wo die Gründen für seinen plötzlichen und vollkommen überraschenden Sturz zu suchen sind, werden zahlreiche neue Fragen aufgeworfen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich hierbei um eine offizielle Geschichtsschreibung handelt.

Seianus war ein loyaler Mitarbeiter des Tiberius, der stets in dessen Sinne agierte. Er wurde über Jahre hinweg von Tiberius mit Ehrungen und Vertrauensbeweisen versehen und spätestens nach dem Vorfall in der Höhle bei Sperlonga im Herbst 26 n. Chr., als Seianus dem Tiberius das Leben retten konnte, betrachtete dieser ihn als Vormund für seinen Enkel Tiberius Gemellus und als Nachfolger im Principat. Die Verleihung des imperium proconsulare, das gemeinsame Konsulat mit Tiberius und die Verlobung mit Livilla sind eindeutige Indizien dafür. Im Jahr 31 n. Chr. kam es dann jedoch vollkommen überraschend zu einem Gesinnungswandel des Tiberius. Nicht mehr sein Enkel Tiberius Gemellus sonder Caligula wurde nun von ihm als Nachfolger favorisiert. Die Ursachen für diesen Gesinnungswandel des Princeps lassen sich jedoch auf Grund der tendenziösen Quellenlage nicht erschließen. Für Seianus bedeutete dieser Gesinnungswandel das Ende.

Die antike Geschichtsschreibung , allen voran Tacitus, lieferte uns ein Bild des Seianus welches geprägt ist durch seinen Sturz. Der Vorwurf, Seianus habe eine Verschwörung gegen Tiberius geplant ist nicht haltbar und diente einzig und allein dazu, die Verurteilung und Hinrichtung des Seianus in ein falsches Licht zu setzen . In Wahrheit aber war es Tiberius, der gegen seinen Gardepräfekten konspirierte, da er keine Verwendung mehr für ihn hatte und dieser zu mächtig geworden war, um am Leben zu bleiben. Ebenso war es in aller erster Linie Tiberius, der die Verantwortung für das Schicksal der Agrippina trug. Diese starb im Jahr 33 n. Chr., also zwei Jahre nach dem Tod des Seianus, in der Verbannung.[100]

Trotz allem fand und findet das in der Antike entworfene Seianusbild auch in der neueren Literatur immer wieder Unterstützter, die in Seianus das Paradebeispiel des Verbrechers sehen und ihn in eine Reihe stellen mit Tyrannen wie Caligula oder Nero.

Quellen:

- Cassius Dio, Römische Geschichte, dt. v. Otto Veh, Zürich 1986.
- C. Suetonius Tranquillius, De Vita Caesarum, rec. M. Ihm, Leibzig 19082, ND Stuttgart 1978.
- Josephus, Jewish Antiquities, engl. v. Louis H. Feldman, London 1965.
- P. Cornelii Taciti, Annalium Ab Excessu Divi Augusti Libri, ed. H. Furneaux, Oxford 1883, ND 1934.
- Sénéque, Consolatio ad Marciam, Dialogues, ed. R. Waltz, Paris 19503.
Sekundärliteratur:
- M. Baar, Das Bild des Kaisers Tiberius bei Tacitus, Sueton und Cassius Dio, Beiträge zur Altertumskunde 7, Stuttgart 1990.
- J. Bellemore, The wife of Sejanus, ZPE 109, 1995, 255-66.
- H. Bellen, Tiberius, in: M. Clauss (Hg.), Die Römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, München 1997, 50-63.
- A. Bernecker, Zur Tiberius-Überlieferung der Jahre 26-37 n. Chr., Bonn 1981.
- A. Boddington, Sejanus. Whose conspiracy, AJPh 84, 1963, 1-16.
- W. Eck, NEP I, 1996, s.v. Aelius Seianus, 173-74.
- M. Friedenthal, Sejan, Dissertation, Heidelberg 1957.
- D. Henning, L. Aelius Seianus. Untersuchungen zur Regierungszeit des Tiberius, Vestiga 21, München 1975.
- E. Kornemann, Tiberius, Frankfurt a. Main 1960, ND 1980.
- G. Maranon, Tiberius, dt. v. K.A. Horst, München 1952.
- F.B. Marsh, The Reign of Tiberius, Oxford 1931.
- E. Meissner, Sejan, Tiberius und die Nachfolge im Prinzipat, Erlangen 1968.
- R. Sealey, The Political Attachments of L. Aelius Seianus, Phoenix 15, 1961, 97-114.
- D. Shotter, Tiberius Caesar, London 1992.
- R. Syme, Seianus on the Aventine, in: ders., Roman Papers I., Oxford 1979, 305-15.
- R. Syme, Tacitus (2 Bd.), Oxford 1958.
- Z. Yavetz, Seianus and the Plebs. A Note, Chiron 28, 1998, 186-91.
- Z. Yavetz, Tiberius. Der traurige Kaiser, dt. v. D. Ajchenrand, München 1999, ND 2002.

[...]


[1] Vgl. M. Baar, Das Bild des Kaisers Tiberius bei Tacitus, Sueton und Cassius Dio, Stuttgart 1990, 140.

[2] Vgl. Tac. ann. 4,1: „palam compositus pudor, intus summa apiscendi libido, eiusque causa modo largitio et luxus, saepius industria ac vigilantia, haud minus noxiae, quotiens parando regno finguntur“.

[3] Vgl. F. B. Marsh, The Reign of Tiberius, Oxford 1931; D. Shotter, Tiberius Caesar, London 1992, 41-50 oder auch W. Eck, NEP I, 1996, s.v. Aelius Seianus, 173-74.

[4] Tac. ann. 4,3.

[5] Suet. Tib. 61.

[6] Tac. ann. 1,24: „magna apud Tiberium auctoritate“.

[7] Vgl. hierzu R. Syme, Tacitus I., Oxford 1958, 308.

[8] Vgl. Tac. ann. 1,69.

[9] Tac. ann. 3,29.

[10] Z. Yavetz, Tiberius. Der traurige Kaiser, München 1999, 124.

[11] Tac. ann. 4,2.

[12] Cass. Dio (Xiph.) 57,136,6.

[13] Vgl. Tac. ann. 4, 1-2.

[14] Vgl. D. Henning, L. Aelius Seianus. Untersuchungen zur Regierung des Tiberius, Vestiga 21, München 1975, 30-31.

[15] So z.B. Marsh, Tiberius; E. Kornemann, Tiberius, Frankfurt a. Main 1960, ND 1980. Kornemann zeichnet in seiner Biographie ein vollkommen idealisiertes und überhöhtes Bild von Tiberius. Er neigt wohl auch deswegen des öfteren dazu Tacitus unkritisch zu folgen, weil er auf diese Weise einige dunkle Stellen in der Vita des Tiberius auf Seianus abschieben kann.

[16] Vgl. Z. Yavetz, Seianus and the Plebs. A Note, Chiron 28, 1998, 190; Henning, L. Aelius Seianus, 26.

[17] Vgl. Tac. ann. 3,56:

[18] Vgl. Tac. ann. 4,8: „igitur Seianus maturandum ratus deligit venenum, quo paulatim inrepente fortuitus morbus adsimularetur“.

[19] Cass. Dio 57,22,2: „ließ er [Seianus] dem Sohne [Drusus] durch seine Dienerschaft und Gattin, deren Name einige mit Livilla überliefern, Gift reichen; war er doch ihr Liebhaber“.

[20] Tac. ann. 4,3: „hanc ut amore incensus adulterio pellexit, et potquam primi flagitii potitus est [...] ad coniugii spem, consortium regni et necem mariti impulit“.

[21] Vgl. Syme, Tacitus I, 402. Syme ging als Erster in der neueren Literatur davon aus, dass Drusus eines natürlichen Todes gestorben sei.

[22] Vgl. Tac. ann. 4, 12. Als Tiberius die Leichenrede auf seinen Sohn hält steht Seianus an seiner Seite.

[23] Vgl. Suet. Tib. 62 ; ebenso argumentiert Henning, L. Aelius Seianus, 35.

[24] Vgl. Tac. ann. 3,49. Von dem römischen Ritter Clutorius Priscus wird sogar berichtet er habe bereits ein Totengedicht auf Drusus verfasst.

[25] Vgl. J. Bellemore, The wife of Sejanus, ZPE 109, 1995, 261; ebenso Yavetz, Tiberius, 127.

[26] Tac. ann. 4,39.

[27] Vgl. E. Meissner, Sejan, Tiberius und die Nachfolge im Prinzipat, Erlangen 1968, 6.

[28] Vgl. A. Bernecker, Zur Tiberius-Überlieferung der Jahre 26-37 n. Chr., Bonn 1981, 23.

[29] Vgl. G. Maranon, Tiberius, München 1952, 155.

[30] Vgl. Tac. ann. 1,24.

[31] Tac. ann. 4,3; Cass. Dio (Xiph.) 57,22,1. Jedoch geht Marsh davon aus, dass diese Auseinandersetzung nicht stattfand und erst nachträglich den Ereignissen angedichtet wurde (Vgl. Marsh, Tiberius, 162).

[32] Vgl. Henning, L. Aelius Seianus, 34.

[33] Vgl. Meissner, Sejan, Tiberius und die Nachfolge, 31.

[34] Vgl. Tac. ann. 6,8.

[35] Vgl. Henning, L. Aelius Seianus, 37. Er verweist auf Cass. Dio 58,7,5. Hiernach soll Livilla im Jahr 31 n. Chr. ernsthaft krank gewesen sein.

[36] Vgl. Tac. ann. 6,4 oder auch Tac ann. 6,6.

[37] Vgl. Henning, L. Aelius Seianus, 34 (unter Verweis auf Sen. cons. ad Marc. 15,3; Ios. ant. Iud. 18,206).

[38] Vgl. A. Boddington, Sejanus. Whose Conspiracy, AJPh 84, 1963, 10.

[39] Vgl. M. Friedenthal, Sejan, Dissertation, Heidelberg 1957.

[40] Vgl. Henning, L. Aelius Seianus, 71; Meissner, Sejan, Tiberius und die Nachfolge, 18.

[41] Meissner, Seian, Tiberius und die Nachfolge, 21-2.

[42] Tac. ann. 4,15.

[43] Vgl. Tac. ann. 3,2: Auch sein Verhältnis zu Germanicus war eher schlecht und seinen Tod 19 n. Chr. nahm er sogar mit Erleichterung auf.

[44] Vgl. Suet. Tib. 55.

[45] Vgl. Henning, L. Aelius Seianus, 45-6 (unter Verweis auf Tac. ann. 4,17; Suet. Tib. 54).

[46] Tac. ann. 4,17: „instabat quippe Seianus incusabatque diductam civitatem ut civili bello“.

[47] Vgl. Marsh, Tiberius, 167. Er vertritt die Meinung, dass nach dem Tod des Drusus im Umkreis der Agrippina gegen Tiberius konspiriert wurde, was jedoch etwas übertrieben sein dürfte.

[48] Tac. ann. 4,17: „[...] in senatu oratione monuit [...]“.

[49] Vgl. Henning, L. Aelius Seianus, 46.

[50] Einen weiteren Sohn des Germanicus, den späteren Caligula, hatte man damals noch gar nicht auf der Rechnung. Tiberius strafte ihn lange Zeit mit Missachtung; Vgl. Henning, L. Aelius Seianus, 143.

[51] Vgl. Boddington, AJPh 84, 1963, 2.

[52] Man konnte ja nicht ahnen, dass Tiberius bis 37 n. Chr. leben würde.

[53] Vgl. Suet. Tib. 55 : „[...] Aelium Seianum; quem ad summam potentiam non tam beniuolentia prouexerat, quam ut esset cuius ministerio ac fraudibus liberos Germanici circumueniret, nepotemque suum ex Druso filio naturalem ad successionem imperii confirmaret“.

[54] Vgl. Tac. ann. 4,39-40.

[55] Vgl. Maranon, Tiberius, 155. Agrippina wollte sich im Gegenzug mit Asinius Gallus vermählen. Jedoch verhinderte Tiberius auch diese Eheschließung.

[56] Meissner, Sejan, Tiberius und die Nachfolge, 33.

[57] Vgl. Bellemore, ZPE 109, 1995, 257. Bellemore vermutet nämlich, dass Tacitus hiervon ausgegangen sein könnte.

[58] Vgl. Tac ann. 4,57: „Causam abscessus quamquam secutus plurimos auctorum ad Seiani artes rettuli, quia tamen caede eius patrata sex postea annos pari secreto coniunxit, plerumque permoveor [...]“. Es gab für diesen Schritt eine ganze Reihe von Ursachen die wohl vor allem in der Persönlichkeit des Tiberius zu suchen sind.

[59] Man kann die von Bernecker vertretene Attentatstheorie (Bernecker, Zur Tiberius-Überlieferung, 12 ff.) wohl getrost vergessen.

[60] Vgl. Tac. ann. 4,59.

[61] Bernecker, Zur Tiberius-Überlieferung, 37.

[62] Vgl. Meissner, Sejan, Tiberius und die Nachfolge, 87 (unter Verweis auf Cass. Dio 58,4,2).

[63] Vgl. Yavetz, Tiberius, 138.

[64] Tac. ann. 5, 3.

[65] Tac. ann. 5,5; Suet. Tib. 53,2.

[66] Vgl. Suet. Tib. : „quo maxime apparuit, non tam ipsum ab Seiano concitari solitum, quam Seianum quaerenti occasiones somministrasse”.

[67] Henning, L. Aelius Seianus, 45.

[68] Vgl. Tac. ann. 4,60: „[…] sed interdum voces procedebant contumacies et inconsultae, quas adpositi custodies exceptas auctasque cum deferent neque Neroni defendere daretur, diversae insuper sollicitudinum formae oriebantur.”

[69] Vgl. Henning, L. Aelius Seianus, 89 (unter Verweis auf Tac. ann. 4,67).

[70] Vgl. Tac. ann. 4,68: „compositum inter ipsos ut Latiaris, qui modico usu Sabinum contingebat, strueret dolum, ceteri testes adessent, deinde accusationem inciperent“.

[71] Vgl. Henning, L. Aelius Seianus, 91. Henning vermutet, dass der Senat deswegen zögerte, da der Verdacht nahelag, dass auch Agrippina und Nero in den Fall involviert sein könnten.

[72] Vgl. Tac. ann. 4,70: „[…] neque tamen dubitabatur in Neronem et Agrippinam intendi”.

[73] Man könnte noch zahlreiche weitere Beispiele anführen, welche die Rolle des Seianus in den sogenannten Majestätsprozessen verdeutlichen. Das Vorgehen findet jedoch meist in gewisser Analogie zum Sabinus - Prozess statt, weswegen ich mich aus Platzmangel auf dieses charakteristische Beispiel beschränke. Eine detailliertere Betrachtung über die Verwicklung von Seianus in die Majestätsprozesse findet man z.B. bei Henning, L. Aelius Seianus, 41-67.

[74] Suet. Tib. 65: „[...] collegam sibi assumpsit in quinto consulato […]”.

[75] Vgl. Henning, L. Aelius Seianus, 139-40.

[76] Vgl. Cassius Dio 58,7,4.

[77] Vgl. R. Syme, Seianus on the Aventine, Roman Papers I., Oxford 1979, 305: „Seianus was in possession of imperium proconsulare, and expected more”.

[78] Cass. Dio 58,3,9.

[79] Bellemore, The wife of Sejanus, 257. Jedoch geht Bellemore davon aus, dass Seianus sich hinter dem Rücken des Tiberius mit Livilla verheiratete, dieser aber durch seine Schwägerin Antonia davon erfuhr und daraufhin den Sturz des Seianus einleitete.

[80] Vgl. Bellemore, ZPE 109, 1995, 257; Henning, L. Aelius Seianus, 98.

[81] Bellemore, ZPE 109, 1995, 257-8.

[82] Vgl. Bernecker, Zur Tiberius-Überlieferung, 28.

[83] Ich gehe davon aus, dass Tiberius sehr wohl über Verlobung zwischen Seianus und Livilla informiert war und diese auch förderte. Die These von Bellemore (vgl. Anmerkung 79) ist nicht haltbar. Bellemore benutzt die ohnehin fragwürdige Überlieferung des Flavius Josephus (Ios. ant. Iud. 18,181 ff.) sehr selektiv und legt sie ausschließlich so aus, wie sie es gerade braucht. So folgt sie dem F. Josephus insoweit, als dass es Antonia war die dem Princeps die Information überbrachte, die dann zum Tod des Seianus führte. Anschließend jedoch weicht sie stark von F. Josephus ab und konstruiert eine völlig freie Version bezüglich dem Inhalt dieser besagten Information.

[84] Ios. ant. Iud. 18,181 ff.

[85] Ios. ant. Iud. 18,181 : „She on her own had done a very great service to Tiberius. For a great conspiracy had been formed against him by his friend Sejanus […] Most of the senators and freedmen joined him, the army was bribed, and so the conspiracy made great progress”.

[86] Ios. ant. Iud. 18,182: „[…] she wrote him a full and accurate account of it and, entrusting the letter to Pallas, the most trustworthy of her slaves, sent it to Tiberius at Capri”.

[87] Ios. ant. Iud. 18,182: „[…] put Seianus and his fellow-conspirators to death”.

[88] Ios. ant. Iud. 18,186 : „[…] Macro, who was the successor of Sejanus”.

[89] Dieser Version folgt beispielsweise Z. Yavetz, Tiberius, 144. Er sieht in dem Argument, dass Seianus kein Motiv für diese Tat hatte keinen ausreichenden Beweis für seine Unschuld.

[90] Vgl. Meissner, Sejan, Tiberius und die Nachfolge, 10.

[91] Marsh, Tiberius, 304.

[92] Vgl. Cass. Dio 58,5-13: er geht vielmehr davon aus, dass Tiberius die Hinrichtung befahl, da er fürchtete der Senat könne Seianus zum Princeps ausrufen.

[93] Zumal Cassius Dio nicht für eine seianusfreundliche Darstellung bekannt ist und er hätte somit sicherlich von einem solchen Komplott berichtet , wenn er tatsächlich stattgefunden hätte.

[94] Vgl. Henning, L. Aelius Seianus, 149.

[95] Vgl. R. Sealey, The Political Attachments of L. Aelius Seianus, Phoenix 15, 1961, 97-114: er sieht Seianus als Teil einer Gruppe republikanisch gesinnter Senatoren, deren Gründung bis in die Zeit des Augustus zurückgeht. Diese Gruppe soll nach dem Tod des Seianus bis in die Zeit des Claudius weiterbestanden haben. Diese Theorie von Sealey erscheint mir nicht glaubhaft. Sicherlich gab es Verbindungen zwischen republikanisch gesinnten Senatoren, jedoch kann ich nicht nachvollziehen, warum Sealey Seianus - der bei den Senatoren alles andere als beliebt war - als Teil einer solchen Gruppe ansieht.

[96] Vgl. Henning, L. Aelius Seianus, 151.

[97] Vgl. Henning, L. Aelius Seianus, 143.

[98] Vgl. Henning, L. Aelius Seianus, 143.

Auch Heinz Bellen, äußert sich in diesem Sinne wenn er schreibt, dass die Ehrungen des Caligula stark „durch den Gang der Ereignisse bedingt“ worden waren. Vgl. H. Bellen, Tiberius, in: M. Clauss (Hg.), Die Römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, München 1997, 64.

[99] Vgl. Ios. ant. Iud. 18,186 : „[…] Macro, who was the successor of Sejanus”.

[100] Dies widerlegt die Behauptung des Sueton, dass Seianus wegen seines Vorgehens gegen Agrippina gestürzt wurde (vgl. Anmerkung 5).

17 von 18 Seiten

Details

Titel
Die angebliche Verschwörung des L. Aelius Seianus und sein Sturz im Jahr 31 n. Chr.
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
PS: Die julisch-claudische Dynastie
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V108183
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verschwörung, Aelius, Seianus, Sturz, Jahr, Dynastie
Arbeit zitieren
Florian Keisinger (Autor), 2002, Die angebliche Verschwörung des L. Aelius Seianus und sein Sturz im Jahr 31 n. Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108183

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