Didaktisch begründete Präsentation von drei gezielten Anleitungen unter Berücksichtigung der Pflegetheorie nach Roper & Abderhalden


Unterrichtsentwurf, 2002
17 Seiten

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Vorwort

Spontan ? - Irgendwie ganz schön viel geworden.

Es war ein langwieriger Prozess. Ich wollte mich einfach nicht entscheiden können, welche Inhalte (1. Problem!) ich welchen Lernzielen (2. Problem!) zuordnen soll. Zugegeben, für ein Lernziel hatte ich mich schon entschieden. Es war die Morgenrunde. Klar! Denn die hatte ich ja schließlich als gezielte Anleitung im Rahmen der 1. Praxisaufgabe erstellt. Fehlte „nur“ noch ein bisschen Didaktik.

...dachte ich.

Schließlich zögerte gerade dieses „Bisschen“ meine zeitliche Planung um einiges hinaus.

Anfangs klammerte ich mich sehr an das Wort „stationsspezifisch“. Das ging ziemlich in die Hose! Ich musste mich dazu bringen, mehr über die Inhalte der einzelnen pflegerischen Angebote klar zu werden. Dies half mir nun endlich 2 weitere Lernziele zu finden. (Übergabe/Spaziergang)

Obwohl ich dennoch großes Bedenken bezüglich der schriftlichen Umsetzung hegte, gestaltete sich diese letztendlich einfacher als erwartet.

Ganz besonders hervorheben möchte ich das Lernziel „Spaziergang“.

Anfangs von mir selbst etwas argwöhnisch betrachtet, immer mit den Gedanken „hoffentlich geht das gut“, entwickelte sich dieses Thema zum umfassendsten von allen. Es zeigte sich, dass ein „Spaziergang“ eine überraschende Fülle an therapeutischen Inhalten bietet welche zur Gesundung und Verbesserung des Wohlbefindens eines Menschen hilfreich sein können.

In diesem Sinne kann ich nur hoffen, dass mit meinen Beitrag zur Verbesserung der Schüleranleitung genau dieses gefördert und erreicht werden kann!

Vorstellung der Lernziele

a) Der/Die SchülerIn hat theoretisches sowie praktisches Wissen über den Sinn und Zweck der Morgenrunde erlangen können und fühlt sich sicher eine solche selbständig zu leiten und auszuarbeiten.
b) Der/Die SchülerIn ist über die Notwendigkeit einer Patienten-Übergabe aus- reichend informiert und kann mind. 3 Patienten effizient und korrekt übergeben.
c) Der/Die SchülerIn kennt den therapeutischen Nutzen des Spaziergangs sowie die damit verbunden Vorkehrungen.

zu Lernziel a)

Die gezielte Anleitung zum selbständigen Führen einer Morgenrunde konnte leider nur auf theoretischer Basis erfolgen. Im erforderlichen Zeitraum war kein Schüler auf der Station eingesetzt bei dem ich diese Anleitung hätte durchführen können.

Der Entschluss mich für dieses Lernziel zu entscheiden beruht auf der Tatsache, dass die Morgenrunde eine wichtige und institutionell entscheidende therapeutische Maßnahme ist, die zwar auf jeder allgemeinpsychiatrischen und suchtmedizinischen Station zur morgendlichen „Routine“ gehört, jedoch speziell im Suchtbereich unterschiedlich, in Hinblick auf das Klientel, durchgeführt wird.

Sie bietet dem Schüler die Gelegenheit die einzelnen Patienten im Rahmen einer Gruppe zu erleben, mit ihnen in Kontakt zu treten und Sicherheit im Umgang mit schwierigen Situationen zu erlangen. Des weiteren fördert sie das emphatische Empfinden und erreicht somit mehr Verständnis für das Verhalten und Empfinden der Patienten.

Lernzielbegründung a)

Gerade bei Patienten (Klientel) im illegalen Suchtbereich besteht ein enormes Defizit in der Zielplanung , der Selbständigkeit und der Eigenwahrnehmung/Selbsteinschätzung, wobei hier besonderes Augenmerk in der Tagesstrukturierung und der Reflektion des eigenen Wohlbefindens liegt.

Die Morgenrunde ist daher ein Forum, in dem die Patienten die Gelegenheit haben über ihr Befinden zu berichten sowie den Tag „in den Blick zu nehmen“. Sie sollen Wünsche und eigene Vorhaben verbalisieren und lernen ihre Zeit zu planen und einzuteilen.

Dem Schüler bietet sich somit die Möglichkeit einen guten Einblick in das Verhalten und Empfinden der Patienten während einer Gruppensituation zu erhalten sowie gruppendynamische Prozesse wahrzunehmen und lernen professionell damit umzugehen. Die ATL sind dabei folgende:

- Kommunikation
- Sinn finden
- Beziehung aufnehmen, aufrechterhalten und beenden
- Mit Problemen und Realitäten umgehen
- Sich informieren und orientieren
- Seine Rechte und Pflichten wahrnehmen
- Für Sicherheit sorgen

Maßnahmen zur gezielten Anleitung zu a)

Maßnahme 1: SchülerIn erhält den Standard zur Morgenrunde ausgehändigt.

Begründung: Der Standard zur Morgenrunde soll als Diskussionsplattform dienen, in der über Sinn und Zweck der Morgenrunde gesprochen werden soll und der/die SchülerIn eigene Fragen und Unklarheiten einbringen kann.

Maßnahme 2: Genauer Informationsaustausch über die praktischen Vorkenntnisse des/der SchülersIn in Bezug auf das Leiten von Gruppen bzw. Morgenrunden, sowie Vereinbarung eines Zeitraumes an dem der/die SchülerIn bis zum selbständigen Leiten einer Morgenrunde „passiv“ bzw. im Beisein des examinierten Pflegepersonals daran teilnehmen wird. Begründung: Dies dient vor allem der „Standortbestimmung“ des Schülers. Der/Die SchülerIn soll die Möglichkeit erhalten sich selbst einbringen zu können und die Planung der gezielten Anleitung in Berücksichtigung seiner Erfahrung und seiner Selbstsicherheit mitgestalten zu können. Dieses Gespräch sollte in einem ruhigen und ungestörten Rahmen stattfinden.

Maßnahme 3: SchülerIn nimmt an mehreren Morgenrunden teil („vereinbarter Zeitraum“) im Beisein von mind. einer examinierten Pflegekraft, welche die Leitung der Morgenrunde übernimmt.

Begründung: Der/Die SchülerIn soll einen guten Einblick in den praktischen Verlauf einer Morgenrunde erhalten. Er/Sie soll das Verhalten der Patienten aber auch das der examinierten Pflegekraft als Leitung der Gruppe beobachten und Erfahrungen und Informationen sammeln, welche wenn möglich unmittelbar danach oder spätestens bei der geplanten mündlichen Reflektion mit dem Mentor ausgewertet werden .

Maßnahme 4: Gemeinsam mit dem/der SchülerIn findet eine mündliche Reflektion bzgl. bisher erworbener praktischer Kenntnisse statt. Es werden Unklarheiten und Fragen geklärt sowie Interventionszeichen vereinbart (z.B. Handzeichen, Kopfnicken, verbale Aufforderung) bei denen der Mentor klar aufgefordert ist, die Leitung der Morgenrunde zu übernehmen. Ein Termin für die geplante „selbständige Leitung einer Morgenrunde“ wird vereinbart. Begründung: Sinn und Zweck dieser gemeinsamen Reflektion ist es in erster Linie dem/der SchülerIn Sicherheit zu geben. Er/Sie soll das Gefühl haben, eine Morgenrunde selbständig leiten zu können. Er/Sie soll die Sicherheit haben, das er/sie nicht allein ist. Er/Sie soll die Gewissheit haben, das der Mentor bei unvorhersehbaren Situation eingreift oder auf Wunsch die Leitung übernimmt.

Maßnahme 5: SchülerIn leitet selbständig eine Morgenrunde. Der Mentor befindet sich dabei in einer Sitzposition in der er Blickkontakt zum/zur SchülerIn hat.

Begründung: SchülerIn setzt nun das erworbene Wissen in die Tat um!

Maßnahme 6: Gemeinsame Nachbesprechung

Begründung: Die Nachbesprechung soll dem/der SchülerIn die Möglichkeit geben sich selbst einzuschätzen, seine/ihre Gefühle zu verbalisieren sowie den gesamten Prozess der gezielten Anleitung zu rezessieren. Danach ist es Aufgabe des Mentors seine Beobachtung und Wahrnehmung dem/der SchülerIn zu spiegeln. Dabei sollte er konstruktiv vorgehen und dem/der SchülerIn mit Einfühlungsvermögen entgegen trete

Auswertung der gezielten Anleitung: zu a)

Allgemein:

Im Laufe der letzten Zeit haben sich bei mir 3 wichtige Regeln entwickelt, welche in einer Nachbesprechung eingehalten werden sollten. Zum einem wäre dies a) Selbsteinschätzung vor Fremdeinschätzung. Begründung: Das Selbstbild des/der SchülersIn soll nicht beeinflusst werden, er/sie soll echt in seinen Gefühlen und seinen Aussagen sein. Nur so kann ein Nach- gespräch konstruktiv und effektiv, d.h. für den/der SchülerIn bzgl. des Lernfaktors, erfolgreich gestaltet werden. b) Positives vor Negatives. Um es auf den Punkt zu bringen bedeutet dies dem/der SchülerIn auch bei einem weniger erfolgreichen Verlauf des Lernziels zum weitermachen zu motivieren. Ihm/Ihr soll das Gefühl vermittelt werden, Fehler korrigieren zu können und die Möglichkeit zu haben weiter daran zu arbeiten. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung dass der Mentor konstruktiv vorgeht. D.h. vor allem Positives zu erst benennt und „Negatives“ mit Verbesserungsvorschlägen verbindet. Nur so kann man dem/der SchülerIn Sicherheit und Motivation zur Verbesserung geben. c) nicht die Person wird bewertet sondern inwiefern das Lernziel erreicht wurde, sprich die Qualität (Verhalten, Vorgehen).

zu a )

Da es mir bisher nicht möglich war, eine gezielte Anleitung der „Morgenrunde“ mit einem Schüler gemeinsam durchführen zu können, beschränke ich mich rein auf die theoretischen Aspekte, meinen bisherigen Erfahrungen und auf meine Vorstellungskraft.

Als erstes möchte ich auf meine im Vorwort zur „Auswertung von gezielten Anleitungen“ erwähnten Grundregeln hinweisen. Ich erlaube mir diese als Voraussetzung für die Gestaltung einer Nachbesprechung festzusetzen und erwähne sie daher im folgenden nicht weiter.

Ablauf der Reflektion:

Ort: Ruhiger Raum mit entspannter Atmosphäre, kein Zeitdruck!

1. Der/Die SchülerIn hat das 1.Wort !

2. Der/Die SchülerIn erhält die Möglichkeit sein Befinden zu äußern.

z.B.: „Wie fühlst du dich jetzt ?“ „Wie fühltest du dich während der Morgenrunde ?“ ...

3. Der/Die SchülerIn soll nun die Möglichkeit haben sein/ihr persönliches Vorgehen in Er- innerung zu holen und einzuschätzen.

z.B.: „Wie empfandest du den Verlauf ?“ „Was hat dir gut gefallen ?“ „Hat dir etwas weniger gut gefallen ?“ „Ist es so wie du es erwartest hattest ?“ „Was war anders ?“ „Wie hast du reagiert ?“ ...

4. Nachdem man dem/der SchülerIn genügend Zeit zur Selbsteinschätzung gegeben hat ist es nun Aufgabe des Mentors seine Wahrnehmung und sein Empfinden bzgl. dem Verlauf der Morgenrunde und der Vorgehensweise des Schülers zu äußern. Siehe auch Fragen zu 3.

5. Als letzten Schritt in der Nachbesprechung soll nun ein Fazit des gesamten Anleitungs- prozesses gezogen werden. Hierbei soll wiederum der/der SchülerIn als erster seinen Eindruck äußern dürfen und im Anschluss der Mentor. Das Gesamtfazit ist ein entscheidender Punkt für die Gültigkeit der Anleitung. Sie dient der Qualitätsverbesserung sowie der individuellen fortlaufenden Anpassung an den einzelnen Schüler.

Lernzielvorstellung zu b)

Die Anwendung dieser gezielten Anleitung beruht bisher nur auf theoretischer Basis.

Der Entschluss für die Entwicklung eines Standards zur „Gezielten Anleitung einer Übergabe“ entstand, nachdem ich mich an eine Situation erinnerte, in welcher eine Schülerin eine

Übergabe selbständig durchführte. Sie zeigte sich dabei sichtlich nervös und aufgeregt, dadurch gingen wesentliche Inhalte verloren. Sie vergaß relevante Informationen zu übergeben. Ebenfalls waren keinerlei Konzept und Methodik erkennbar. Es ist mir leider nicht bekannt, ob ein Nachgespräch stattfand. Dadurch hätte man bestimmt einiges klären können ! Ich hatte das Gefühl, das sie keinerlei Informationen besaß, was sie letztendlich übergeben soll! Sie wirkte Orientierungslos und Unsicher.

Eine gezielte Anleitung schien mir daher eine bessere Lösung zu sein, um eine Übergabe für den/die SchülerIn sicherer und inhaltlich korrekt zu gestalten.

Lernzielbegründung zu b)

Die Patienten-Informationsübergabe zwischen den einzelnen Schichten ist ein elementarer Bestandteil in der Krankenpflege. Der jeweilige Dienst übergibt Informationen eines jeden einzelnen Patienten an die nächste Schicht. Dabei sollen ebenso Eindrücke und Beiträge von anderen Teammitgliedern eingebracht werden. Die Übergabe sollte wenn möglich im multiprofessionellen Rahmen stattfinden. Die Anwesenheit von weiteren Berufsgruppen (SozialarbeiterInnen/Ergo,-Sport,-Kunsttherapeuten/Ärzte) dient vor allem der „Blickwinkelerweiterung“ gegenüber dem Patienten und fördert die Objektivität. Man erhält so den Eindruck von mehreren Seiten und kann sich ein besseres Gesamt- bild verschaffen.

Der größte Anteil unserer Patienten hat traumatische Erlebnisse in der Kindheit und der frühen Jugend miterlebt. Als Folge entwickelten sich bestimmte Abwehrmechanismen um mit dem Leben - der „Realität“ - fertig zu werden. Dazu gehört auch die Spaltung. Eine entscheidende Maßnahme dieser entgegen zu treten ist eine detaillierte Übergabe ! Sofern dies der zeitliche Rahmen erlaubt, kann eine Übergabe auch zur Vertiefung bestimmter Problembereiche einzelner Patienten genutzt werden. An erster Stelle jedoch steht die Übergabe entscheidender Informationen welche für die Pflege und Behandlung des Patienten Voraussetzung sind.

Diese sollten sein :

- Behandlungsrelevante Äußerungen und Verhaltensweisen des Pat. (z.B. widersprüchliche Aussagen bzgl. eigenem Befinden und Körpersprache > wirkt verkrampft, schwitzt, zittert, ...)
- Kurze Schilderung der Wahrnehmung durch den Übergebenden (z.B. „ Herr P. wirkt auf mich sehr verängstigt“, od. auch „ich empfinde ihn durchaus echt in seiner Aussage und seinem Verhalten“)
- Informationen über die Stabilität der Behandlungsmotivation (Suchtdruck, Abbruchgedanken)
- Änderungen in der Behandlungsplanung (z.B. neue Zielstellung oder Medikamentenänderung)
- Verhalten in der Gruppe (Stellung, Position, Akzeptanz, Umgang)
- besondere Vorkommnisse (Untersuchungstermine, Besuche, Telefonate, durch den Patienten geplante und angemeldete Vorhaben)

Es ist daher für den Schüler eine gute Möglichkeit folgende ATL zu trainieren und zu verbessern, vor allem da sie besonders in der psychiatrischen Krankenpflege einen hohen Stellenwert einnehmen.

Die ATL dabei sind vor allem: - Kommunikation

- Beziehung aufn. (z.B. Kontakt zu anderen Berufsgruppen)

- Informieren/Orientieren

- Für Sicherheit sorgen

Maßnahmen zur gezielten Anleitung zu b)

Maßnahme 1: Gemeinsames Infogespräch mit Mentor und SchülerIn. Es soll geklärt werden in wieweit der/die SchülerIn bereits über Erfahrungen in der Patientenübergabe verfügt. Der/Die SchülerIn erhält die Gelegenheit über mögliche Inhalte und Methoden nachzudenken und diese

mit dem Mentor zu besprechen. Der/Die SchülerIn kann Fragen und Unklarheiten klären und erhält genaue Information zu den Inhalten und den jeweiligen Übergabezeiten auf der Station.

Begründung: Dieses Gespräch dient a) der Standortbestimmung und b) der Förderung zur Mitarbeit am gesamten Anleitungsprozess. Der/Die SchülerIn soll nicht nur mit Informationen überhäuft werden, sondern soll sich einbringen können. Er/Sie erfährt dadurch Sicherheit und Mitspracherecht.

Maßnahme 2: Es werden gemeinsam mit Mentor und SchülerIn 3 Patienten hervorgehoben, welche der/die SchülerIn in der Übergabe besprechen möchte.

Begründung: Das ich mich für speziell 3 Patienten entschieden habe hat keinen wirklichen

Grund. Ich hätte auch 2 oder 4 nehmen können. Jedoch bin ich der Meinung das es für den/die SchülerIn wesentlich einfacher und vor allem effizienter ist, wenn er/sie sich auf wenige Patienten konzentrieren kann. Weniger ist mehr! Zum eine will ich ihn/sie damit vor Überforderung schützen und zum anderen soll er/sie sich auf die Qualität und nicht die Quantität einer Übergabe beschränken. Schließlich lernt er/sie jetzt !

Maßnahme 3: Vereinbarung eines Zeitpunktes, an dem die selbständige Übergabe der 3 ausgewählten Patienten stattfinden soll. Dem/Der SchülerIn wird das Angebot gemacht, bei Bedarf (Fragen, Unsicherheiten etc.) ein weiteres Infogespräch stattfinden zu lassen. Begründung: Die regelmäßige Teilnahme an den Übergaben setzte ich als gegeben voraus. Der Termin sollte wenn möglich noch in den nächsten Tagen sein, auch abhängig von der Behandlungsdauer der jeweiligen Patienten. Ich denke dass die Anlaufzeit bis hin zur selb- ständigen Übergabe nicht zu lang gehalten werden sollte. Zwar ist es für einen Schüler vor allem beim ersten mal einer selbständigen Übergabe Zweifels ohne etwas schwieriger als für „Routinierte“, jedoch ist es mir ohne Probleme möglich jederzeit Unterstützung anzubieten und evtl. wichtige Informationen zu ergänzen. Ein weiterer Grund weshalb ich den Termin so früh wie möglich ansetzen würde ist der, dass ich der Meinung dass es wenig effizient ist, den/die SchülerIn an etlichen Übergaben teilnehmen zu lassen. Sicherheit bei der Übergabe erlangt man am besten in dem man sie macht !

Maßnahme 4: Gemeinsame Nachbesprechung

Begründung: Gemeinsam soll hierbei der Verlauf und die Qualität des erreichten Lernziels sowie des gesamten Anleitungsprozesses besprochen werden. Es gelten wiederum die Allgemeinen Regeln einer Nachbesprechung wie bereits erwähnt.

Auswertung der gezielten Anleitung zu b)

Da diese gezielte Anleitung zu einem Zeitpunkt entstand, zu welchem ich mich nicht auf Station befand, war es mir bisher leider nicht möglich diese in der Praxis anzuwenden.

Ich kann daher nur auf theoretische Aspekte einer Nachbesprechung eingehen und bisherige Erfahrungen berücksichtigen.

1) Der/Die SchülerIn hat das 1. Wort !

2) Der/Die SchülerIn erhält die Möglichkeit sein Befinden zu äußern.

z.B. „Wie geht es dir jetzt ?“ „Wie ist es dir während der Übergabe ergangen ?“

„An welchen Stellen hattest du Schwierigkeiten ?“ (z.B. > Schilderung der eigenen Wahrnehmung)

3) Der/Die SchülerIn soll nun versuchen nochmals den Verlauf aus seiner Sicht zu schildern. Konnte er/Sie die besprochenen Inhalte einer Patientenübergabe einbringen ? Kann er/sie bei sich Stärken erkennen? Wo sieht er/sie Schwächen ? ...

4) Nachdem man dem Schüler genügend Zeit zur Selbsteinschätzung zur Verfügung gestellt hat, ist es nun Aufgabe des Mentors seine Wahrnehmung und sein Empfinden bzgl. dem Verlauf der Übergabe zu schildern. Es ist seine Aufgabe Positives sowie auch „Negatives“ zu benennen. (dazu siehe auch Grundregeln einer Nachbesprechung).

5) Wie bei jeder Nachbesprechung soll als letzter Schritt ein Gesamtfazit des gesamten An- leitungsprozesses gezogen werden. Hierbei soll wiederum der/die SchülerIn als erster seinen Eindruck schildern dürfen und im Anschluss der Mentor. Das Gesamtfazit ist ein entschei- dender Punkt für die Gültigkeit. Beide Seiten können dadurch positiven Einfluss auf die Qualität ihrer jeweiligen Tätigkeit ausüben. Dem/Der SchülerIn gibt es Anregung und Motivation für seine/ihre weitere Ausbildung. Dem Mentor dient es vor allem der fort- laufenden, individuellen Anpassung und Berücksichtung seiner Arbeit an den einzelnen Schüler.

Lernzielvorstellung zu c)

Die praktische Durchführung konnte aufgrund zeitlicher Umstände bisher noch nicht erfolgen. Der „Spaziergang“ als gezielte Anleitung ist wahrscheinlich eher eine Seltenheit. Ich möchte auch gar nicht behaupten, dass er zu den „Grundsäulen“ in der psychiatrischen Krankenpflege gehört. Aber gerade dieses oftmalige verniedlichen und verharmlosen dessen und das Gefühl, dass sich dahinter eine Menge mehr verbirgt als nur „im Park herum laufen“ veranlasste mich, daraus eine gezielte Anleitung zu entwickeln um dem „Spaziergang“ mehr Ernsthaftigkeit zu verleihen und gegenüber Patienten und auch Personal (einschl. Schüler !) transparenter zu gestalten.

Lernzielbegründung zu c)

Zweifelsohne mag dem/der SchülerIn speziell aus nicht-psychiatrischen Krankenhäuser der Spaziergang als pflichttherapeutisches Rahmenangebot eine Menge Fragen aufwerfen. Dies gilt jedoch auch für SchülerInnen aus psychiatrischen Krankenhäuser. Zwar wird diese Art von Pflege auch auf anderen Stationen durchgeführt, hat jedoch im illegalen Suchtbereich eine ganz besonderen Wert.

Was steckt dahinter ?

Die Behandlung auf der Station 13/1 findet im „geschlossenen Rahmen“ statt.

D.h. die Patienten können während ihrer Behandlung (ca.3 Wo) die Station ohne Begleitung durch das Personal nicht verlassen.

Der größte Teil unserer Patienten begibt sich „freiwillig“ (hiermit ist der Rechtsstatus gemeint) zu uns in Behandlung.

Der andere Teil unterliegt der „Zwangseinweisung“ aufgrund akuter Eigen- oder

Fremdgefährdung (PsychKG/Betreuungsbeschluss/spezielle Paragraphen). Hierbei gibt es gesonderte Ausgangsregelungen, welche vom jeweils behandelnden Arzt getroffen werden.

Da es leider nicht möglich ist mit jedem Patienten nach Bedarf einen Spaziergang zu unternehmen, bietet der gemeinsame Spaziergang (d.h. alle Patienten nehmen daran teil, ausgenommen vom Arzt befreite) die Möglichkeit die Station für ca. ½ Stunde oder mehr zu verlassen.

Somit bietet der Spaziergang dem Patienten in erster Linie die Möglichkeit, für einen gewissen Zeitraum dem geschlossenen Rahmen zu entkommen.

Die Patienten haben hierbei die Möglichkeit

a) Zwanglose Gespräche außerhalb der Station zu führen (Kommunikation).

b) Die Umgebung und die Natur kennen zu lernen und wahrzunehmen.

D.h. Farben, Geräusche, Bäume, Blumen, Tiere. (Sinn finden/Informieren u. Orientieren)

c) In Kontakt mit anderen Patienten zu treten (Beziehung aufnehmen)

d) Rücksicht auf andere Patienten zu nehmen. z.B. Patienten im Rollstuhl oder gehein- geschränkte Patienten. (Mit Problemen und Realitäten umgehen/Seine Rechte und Pflichten wahrnehmen)

e) Psychische sowie physische Spannungen durch körperliche Bewegung abzubauen (Sich bewegen/Für Sicherheit sorgen/Ruhen und Schlafen)

Des weiteren wird die Absprachefähigkeit sowie die Akzeptanz durch das Regelwerk gefördert.

Andererseits kann der Spaziergang nicht ohne gewisse Regeln stattfinden.

Es ist daher unsere Aufgabe den Patienten vor möglichen Situationen zu schützen, welche die weitere Behandlung von sich und auch anderen Patienten gefährden könnte.(z.B. im Park deponierte Drogen, Kontakt zu Bekannten und Verwandten, zufälliges Finden von Medikamenten, spitzen Gegenständen usw.)

D.h. die Patienten sind aufgefordert in Sichtweite zu bleiben, keine anderweitigen Kontakte zu führen, nichts vom Boden aufzuheben, nicht ohne Absprache sich auf Bänke zu setzten, und keine Einkäufe, Briefeinwürfe etc. zu tätigen.

Es ist nun erkennbar, dass sich hinter dem Pflichttherapieangebot „Spaziergang“ wesentlich mehr verbirgt, als nur spazieren gehen. Durch eine gezielte Anleitung kann man dem/der SchülerIn die Möglichkeit geben den Hintergrund und somit Sinn und Zweck dieser Aktivität zu erfahren und zu verstehen. Er/Sie erlangt dadurch Sicherheit und Orientierung im Umgang mit Patienten.

Maßnahmen zur gezielten Anleitung zu c)

Maßnahme 1:

Der/Die SchülerIn erhält den Arbeitsauftrag, eigene Ideen über den möglichen Nutzen eines Spazierganges zu entwickeln. (Der zeitliche Rahmen hierfür könnte z.B. 1 Tag sein, d.h. Maßnahme 2 wäre am darauffolgenden Tage). Wenn nötig, soll/kann der/die SchülerIn diese schriftlich festhalten. Ein Termin zur Auswertung wird vereinbart. (siehe Maßnahme 2)

Begründung

Der/Die SchülerIn soll a) die Möglichkeit haben eigene Gedanken einbringen zu können

b) herauszufinden können, welche Einstellung er/sie zu diesem Thema hat c) sich über den eigenen Kenntnisstand bewusst werden und d) durch aktive Mitarbeit zur einer ehrlichen und interessierten Diskussion angeregt werden.

Maßnahme 2:

Im gemeinsam vereinbarten Gespräch soll der/die SchülerIn die Möglichkeit erhalten seine Ideen vortragen zu können und diese mit dem Mentor zu besprechen. Dabei werden diese ausführlich diskutiert und anhand des Stationsstandards um relevante Informationen ergänzt. Der/Die SchülerIn wird dazu angehalten bei gemeinsamem Spaziergängen auf Gefühle und Verhaltensweisen sowie evtl. Äußerungen der Patienten zu achten.

Begründung:

Durch das Einbringen eigener Gedanken gibt man dem/der SchülerIn die Chance und vor allem das Gefühl sich aktiv am Prozess beteiligen zu können. Dies steigert die Motivation und den Lernerfolg. Erfahrungsgemäß ist den wenigsten Schülern bewusst, welcher therapeutische Nutzen und welche Theorie hinter dem Angebot „Spaziergang“ steckt. Mit dem jetzigen Wissen darüber soll und kann er/sie bewusster und mit mehr Sicherheit an dieser Veranstaltung teilnehmen und das Verhalten und die Äußerungen von Patienten besser einordnen, verstehen und wahrnehmen.

Maßnahme 3:

Gemeinsames Feedbackgespräch über die bisher erworbenen Eindrücke. (Beiderseits)

Begründung:

Gemeinsam soll hierbei der Verlauf und die Qualität des erreichten Lernziels sowie des gesamten Anleitungsprozesses besprochen werden. Es gelten wiederum die allgemeinen Regeln einer Nachbesprechung wie bereits erwähnt.

Auswertung der gezielten Anleitung zu c)

Leider bin ich wiederum gezwungen mich auf mögliche theoretische Aspekt einer Aus- wertung zu beschränken. Die praktische Durchführung konnte aufgrund zeitlicher Umstände bisher noch nicht erfolgen.

Wie in jeder Nachbesprechung hat der/die SchülerIn die Möglichkeit als erster seine bisher gesammelten Eindrücke zu schildern. Dem/Der SchülerIn soll das Gefühl vermittelt werden ungezwungen, frei und in entspannter Atomsphäre reden zu können.

Man könnte solch ein Diskussion z.B. mit folgender Frage einleiten: „ Hast du eine bestimmte Frage, welche du beantwortet haben möchtest ?“, oder auch einfach: „ Na, wie is´ es ?“

Eine weitere Alternative wäre z.B. zu Beginn des Gespräch einen kurzen Rückblick über das bisher Geschehene zu geben. Dabei ist es wichtig ohne Wertung vorzugehen um den/die SchülerIn in der noch folgenden Selbsteinschätzung nicht zu beeinflussen. Bei der Selbsteinschätzung geht es mir hierbei besonders darum, bisher erworbene Eindrücke, evtl. neu entstandene Einstellungen/Meinungen und Beobachtungen in Kontext zu Kenntnissen und Einstellungen vor dieser Anleitung zu stellen.

Nachdem der/die SchülerIn Zeit und Gelegenheit hatte eigene Erfahrungen und Eindrücke zu schildern ist es nun Aufgabe des Mentors seine Wahrnehmungen und Beobachtungen etc. dem/der SchülerIn zu schildern.

Zum Abschluß findet ein Gesamtfazit über die Qualität der Anleitung statt. Dabei soll der/die SchülerIn möglichst offen und ehrlich seine/ihre Meinung darüber äußern können. (Struktur, Ablauf, Vorgehen, Methoden, Mentor).

Danach hat der Mentor Gelegenheit sich diesbezüglich zu äußern und seine Meinung und sein Fazit zu benennen. Natürlich soll dies nicht nur ein gegenseitiger Schlagabtausch werden, bei welchem jeder seine Meinung äußert und dann „den Raum verlässt“. Nein, solch ein Gesamtrückblick soll zu einer konstruktiven Diskussion anregen, in der Verbesserungs- möglichkeiten zur Schüleranleitung entstehen können aber auch dem Schüler gegenüber neue Sichtweisen und Lernmöglichkeiten vermittelt werden.

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Didaktisch begründete Präsentation von drei gezielten Anleitungen unter Berücksichtigung der Pflegetheorie nach Roper & Abderhalden
Veranstaltung
Mentorenkurs 2002
Autor
Jahr
2002
Seiten
17
Katalognummer
V108214
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Abschlußarbeit im Rahmen des Mentorenkurses 2002.
Schlagworte
Didaktisch, Präsentation, Anleitungen, Berücksichtigung, Pflegetheorie, Roper, Abderhalden, Mentorenkurs
Arbeit zitieren
Marco Schober (Autor), 2002, Didaktisch begründete Präsentation von drei gezielten Anleitungen unter Berücksichtigung der Pflegetheorie nach Roper & Abderhalden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108214

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