Märtyrer Stephanus - eine künstlerische Reflexion - Installationszyklus mit acht Steinen und acht Übergriffen


Seminararbeit, 2003

25 Seiten, Note: 1


Gratis online lesen

Inhaltsverzeichnis

1 Zyklus und Konzeption
1.1 Die Steine - Anstoß
1.1.1 Die Funddaten der Steine
1.1.2 Zum Finden der Steine
1.1.3 Zur Ambivalenz der Steine
1.2 Die Bohrung – Angriff
1.3 Die Stäbe – Dynamik
1.4 Die Reagenzgläser – Aufbewahrung
1.5 Der Dokumentarfilm – Schuldfrage
1.6 Der Raum – Organismus
1.7 Die Dokumentation – Denkmal
1.8 Die Komposition – Materialästhetik
1.8.1 Kompositorische Aspekte
1.8.2 Benötigte Materialien und Handwerkszeug

2 Stephanus
2.1 Historisches Ereignis
2.1.1 Der Bibeltext
2.1.2 Der Kontext
2.2 Geistige Dimension
2.3 Geistliche Dimension
2.4 Steinigung – der Vorgang
2.5 Martyrium – das Prinzip
2.5.1 Einige Begebenheiten der Verfolgung über die Jahrhunderte
2.5.2 Aktuelle Länder, in denen Christen verfolgt werden
2.5.3 Einige Organisationen, die verfolgten Christen helfen

Literatur

Anhang

1 Zyklus und Konzeption

Das Thema des Martyriums in der Kunstgeschichte hat eine lange Tradition. Oft war es in der mittelalterlichen Kunst Anlass für größere ehrvolle und würdigende Bildzyklen oder Gemälde. Sie wurden verehrten Heiligen geweiht.

In unserer Zeit gibt es mehr denn je Christen, die für ihren Glauben unterdrückt, gefoltert und getötet werden[1]. Aber nicht nur das und nicht nur eigene Erfahrungen mit diesem Thema sind der Grund, sich diesem Thema wieder neu und mit einer neuen Materialästhetik zu stellen, sondern die Tragik und der Zeugnischarakter solcher Begebenheiten müssen wieder neu gehört und gesehen werden!

1.1 Die Steine - Anstoß

Acht Stück, alle subjektiv spontan gesammelt, alle individuell, behauen oder unbehauen, einzeln, kalt, fest und hart, massiv oder porös, ... Steine eben.

1.1.1 Die Funddaten der Steine

Ort – Situation – Zeit – Datum – Gewicht – Format – Gesteinsorte – Steinform (chronologische Fundordnung):

0. Öhringen – Baustoffhandel Ziegler; Stein geschenkt bekommen, im Dunkeln auf dem Haufen gesucht und Licht von einem freundlichen Staplerfahrer bekommen – 17.40 Uhr – 17.01.2003 – 3220g – 21,5x11x11,25 – heller-beiger Gneis – rundgeschliffen

1. Gemarkung Öhringen – Ohrntal, an der ersten Brücke von Unterohrn her auf der rechten Seite, unter der Brücke aus dem Steinkomplex entnommen, der Abhang zum Ufer war gut zugänglich, unter einem Nadelbaum durch – 13.21 Uhr – 18.01.2003 – 8800g – 24,5x22x11,75 – grauer Kalk-Schiefer - quaderförmig
2. Unterohrn – Uferbefestigung an der Ohrn neben der Ohrnbrücke Richtung Möhrig – Steiler, teils gefrorener und mit Gestrüpp bewachsener Hang, ca. 5m hoch, bin zweimal ausgerutscht – 13.28 Uhr – 18.01.2003 – keine Gewichts-und Maßangabe– grauer Kalk-Schiefer – dreieckig – dieser Stein wurde nachher gegen Nr. 8 dieser Aufzählung ausgetauscht.
3. Gemarkung Öhringen – Ortsverbindungsstraße Unterohrn, Möhrig, Straßenrand, möglicherweise Steinhaufen auf Privatgrundstück, schon überwachsen mit Gras und Moos – 13.32 Uhr – 18.01.2003 –5800g – 43,5x14,75x9,5 – brauner Sandstein – rechteckig langgezogen und flach
4. Möhrig – Ortsdurchfahrt Richtung Öhringen rechter Hand auf einer Stellfläche, abgeladenen Sandsteine, sicher privat, losgeeist vom Boden ein Bruchstück – 13.35 Uhr – 18.01.2003 – 4550g – 16,5x21,25x – oliv-grüner feiner Sandstein – quaderförmig mit Einkerbung
5. Gemarkung Öhringen – Ortsverbindungsstraße Stadtteil Zwetschgenwäldle, Öhringen; rechts neben der Ohrbrücke im eiskalten Wasser – 13.39 Uhr – 18.01.2003 – 1950g – 20,5x12x10,5 – roter Buntsandstein – unförmig
6. Öhringen – Baustoffhandel Zentler, unterschiedlichste Steinsorten und Formen bieten genügend Auswahl, ein festgefrorener Pflasterstein hat schöne Maserungen, Preis 1 € – 13.48 – 18.01.2003 – 7625g – 17,75x13,5x17,5 – beige-roter grober Sandstein – würfelförmig
7. Öhringen – Baustoffhandel Zentler, unterschiedlichste Steinsorten und Formen bieten genügend Auswahl, ein kleinerer gelber fürs Sortiment, Preis 0,50 € – 13.51 Uhr – 18.01.2003 – 2650g – 19,5x12,5x10,75 – gelber Kalkstein (Jura) – unförmig rundlich
8. Windischenbach – Vorgarten von Löwenzahnweg 3, entpuppt sich als Jungschneckenversteck, Schnecken und Dreck entfernen, Privatbesitz – 14.35 Uhr – 20.01.2003 – 6410g – 21,75x16,5x13,5 – gelb-brauner Merkel/Ton/Kalk – fünfeckig

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die gesammelten Steine kurz nach dem Anbohren

1.1.2 Zum Finden der Steine

Steine zu finden ist gar nicht leicht hier im westlichen Hohenlohe. Das vorkommende Gestein im Untergrund ist hauptsächlich grau-blauer Kalk-Schiefer, der u.a. kommerziell abgebaut wird. Oft findet man darin Versteinerungen – aber das tut eigentlich nichts zur Sache.

Sucht man hier Steine in gewissem Format, muss man feststellen, dass Steine hier nicht einfach herumliegen. Sie sind mit Wert behaftet, sie sind Besitz, sie werden besessen. In Vorgärten als Zierde und Befestigung, als Baumaterial in Baumärkten und im Baustoffhandel, auf Privatgrundstücken hinter Zäunen, in verriegelten Steinbrüchen allenfalls an/in Bächen oder am Straßenrand. Diese aber gehören oft abschnittweise zu den jeweiligen Anliegern. Braucht man also Steine, so muss man sie kaufen oder ausborgen. Letzteres bedeutet, dass sie wieder zurück gebracht werden müssen. Dies wird die letzte Handlung meines Installationszyklus darstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fundort Garten – Ansicht senkrecht von oben

1.1.3 Zur Ambivalenz der Steine

Erst von außen zugefügte Dynamik – Bewegungsenergie – macht aus einem Stein eine mögliche Gefährdung für Leib und Leben. Ein Stein für sich verkörpert den Inbegriff von Statik und Festigkeit, von stabilem Fundament und Sicherheit.

Im Installationskontext steht der Stein in Bezug auf Steinigung und Martyrerhaltung zum einen für massive, zerstörende Gewalt und somit für eine unsensible Überschreitung der Gerechtigkeits- und Menschenrechtsgrenze zu Gunsten von fanatischer Selbstjustiz und Schafrichterei. Es ist Gewalt, die gegen generelles Heil und gegen das Leben gerichtet ist. Es ist physische Gewalt, die sich gegen die richtet, die ein klares Zeugnis für die Liebe, Existenz und Gottessohnschaft Jesus Christi darstellen.

Zum anderen steht der Stein aber auch für jeden einzelnen Märtyrer selbst. Ein Stein durchbohrt, noch mit den Tatspuren bedeckt; so zeugt ein Indizienfoto von je einem Stein für einen Märtyrer aus der Kette der Märtyrer über die Jahrhunderte. Märtyrer ziehen es eher vor zu sterben, als von ihrem Fundament zu rücken. Sie stehen felsenfest darauf und sind somit gleichzeitig Halt für ihre Gefolgsgenossen. Das Fundament der Märtyrer birgt einen unermesslichen Schatz – Jesus Christus. Wer ihn preisgeben oder eintauschen würde, wäre mehr als töricht[2].

„Zu ihm [Jesus] kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar. Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Haus und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.“ aus 1. Petrus 2,4-5[3].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jeder einzelne Stein angebohrt und die frischen Tatspuren dokumentiert; Indizien sozusagen

1.2 Die Bohrung – Angriff

Steine anzubohren muss bei bestimmten Lochgrößen in mehreren Etappen geschehen, will man nicht Gefahr laufen, dass die Steine zerbrechen. Der Bohrvorgang ist gleichzeitig ein Mahlvorgang, denn es entsteht feiner Steinstaub, dessen Körnung sogar eine beachtliche Qualität erreicht: Es ist Stein in einer ganz anderen haptischen Qualität. Wir blicken ins Innere eines Steins: Seine mineralische Zusammensetzung und seine Innenbeschaffenheit wird durch das Öffnen und Zermahlen freigelegt.

Ich erinnere mich an eine Begebenheit aus meiner Kindheit. Es hat etwas mit meiner Vorliebe für pseudonaturwissenschaftliche Experimente in Bezug auf naturbezogene Elemente zu tun. Das Geheimnisvolle an der Natur wollte ich damals auf besondere Art in wie folgt erkunden. Ich hatte mir eine Steinsammlung mit mir relevant erscheinenden Steinen zusammengetragen, die ich dann in stundenlanger Kleinarbeit zerlegte und nach und nach zu feinem Staub zerrieb. Dieses Steinmehl war sehr kostbar für mich. Vorsichtig mischte ich verschiedene Gesteinsmehle und verband sie mit Wasser zu Brei, testete dann Konsistenz und Farbigkeit der entstandenen und für mich geheimnisvollen Verbindung und erhoffte mir hier und da einen chemischen Effekt Auch wenn ich mir sicher war, auf diese Weise keine neuen Stoffe zu erhalten, war es doch spannend diesen Prozess des Mischens auf immer wieder neue und andere Art durch zu führen und dessen Ergebnis im farblichen Unterschied beim Auftrag auf unterschiedliche Materialien festzustellen. Mit dem Zermahlen der Steine wird die Mikroebene der Elemente freigelegt und das Material wird durchschaubar bis auf die kleinsten chemischen Strukturen. Das Arbeiten mit zerriebenem Staub hat deswegen auch diesen Reiz, da es sich mit dem Material Stein um sehr ursprüngliches, archaisches Material handelt. Die Suche nach dem Eigentlichen, dem Ursprünglichem, dem Leben oder dem Sinn des Lebens wird damit assoziiert.

Wo steht unsere Wissenschaft heute? Hat sie „zu tief gegraben“, zu fein „geschürft“?[4]Steht sie vor dem Leben oder vor dem Tod; was wird heraustreten, wenn sie die verbotenen Schranken durchbricht?[5]Was ist die Grundintention des menschlichen Forschens?

Es mag „verstaubt“[6]klingen, aber sind wir uns noch unsere Endlichkeit bewusst und erkennen an, dass der Mensch mit seinem begrenzten Verstand nicht das Maß aller Dinge ist?[7]Wo ist die Demut gegenüber dem Schöpfer?

Endemisch scheint die menschliche Arroganz auch über dem Sachverhalt des Martyriums zu stehen: Hier werden Menschen gerichtet und gefoltert, weil andere sich als Gott ernannt haben. Hier steht das Zeugnis von Gott und der damit verbundenen Aufforderung zur Unterstellung des eigenen Lebens unter Gottes Herrschaft einem aggressiven Selbstbehauptungswillen des autonomen Menschen entgegen.

Mit dem Zeugnis der Märtyrer wird die Basis der Autonomie des gottfernen Menschen oder die Fundamente anderer Ideologien „angebohrt“. Die Notwendigkeit zur Gegenwehr entsteht. Der Weg zur Attacke ist frei. Das Opfer wird physisch und psychisch „durchbohrt“.

1.3 Die Stäbe – Dynamik

Stäbe stehen in der Rauminstallation wie Vektoren im dreidimensionalen Raum. Dynamik entsteht hier nicht weil sich die Stäbe etwa bewegen, sondern erstens weil sie diagonal und sich überschneiden im Raum stehen, zweitens weil sie Beziehungen herstellen – also Energie transferieren und Zusammenhänge schaffen – mit je einem Stein in der Mitte und mit der einsäumenden, hermetisierenden Hülle der Installation, der Wand, an der sich weitere wichtige Aspekte zu jedem Stein finden (Steinmehl und Funddaten).

Die Stäbe lassen hier aber auch – so wie sie im Raum und den Steinen „stecken“ – an Lanzen oder Speere denken. Es verstärkt sich hier durch der Eindruck der Gewalttat der Steinigung: spitz, zerstörerisch, grausam, stachlig... beinahe kommt die Assoziation von der Dornenkrone Christi in den Sinn. Die Farbe der Stangen ist beliebig – Rost wäre am besten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Steinhaufen mit eingesetzten Stangen in der Bohrung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Installationsraum: Steine mit Stangen, Reagenzgläser mit dem Bohrstaub der jeweilig zugeordneten Bohrung und Steinkennzeichnungsplaketten

1.4 Die Reagenzgläser – Aufbewahrung

Gläsernen Urnen gleich, hängt neben jedem Fußpunkt eines Stabes an der Raumwand ein mit Steinmehl gefülltes Reagenzglas. Das Steinmehl stammt von dem mit dem Stab verbundenen Stein. Reagenzien – in vitro – in der Klon-Praxis sind dies heute Orte, wo neues Leben generiert wird. Steinmehl als Mineralstaub, als Nährboden für neues Leben. Jemand hat sich geopfert, dass neues (geistliches) Leben entstehen kann.

Aber die Reagenzgläser in ihrer Art der Aufbewahrung und der gläsernen Präsentation des Aufbewahrten stellen auch eine Art Memorium für die geschehenen Opferungen, das Leiden, die Ungerechtigkeit und für das ausgelöschte Leben dar. Es sind Gedenken an Menschen, die ihr Leben für Jesus ließen und von denen heute nicht mehr als Staub hier auf der Erde übrig ist. Aber leben tun sie gewiss – in einer anderen Dimension. Es sind Reliquien von Heiligen, so wie Petrus in seinem ersten Brief an eine christliche Gemeinschaft in Kapitel 2,9 feststellt: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Tugenden des, der euch berufen hat von der Finsternis

zu seinem wunderbaren Licht;“[8]. Das Zeugnis und das Leiden der Märtyrer ist eine der mächtigsten Verkündigungen der Liebe Jesus Christi.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Stab – Reagenzglas – Steinkennzeichnungsplakette: Die Verortung der Tat und deren stetige Erinnerung. Nur wenn der zerriebene Stein die Mineralien – sein Lebensgehalt – freigibt, dient er dazu neues Leben entstehen zu lassen.

1.5 Der Dokumentarfilm – Schuldfrage

Der Dokumentarfilm „Frauen in Gotteszell“ wird über dem Raum der Installation an die Decke gestrahlt. Er handelt von Frauen im Gefängnis. Sie erzählen ihre Geschichte, Herkunft und Situation, sie erzählen von Reue und Neubeginn, sie erzählen von Depression und Hoffnung. Menschen mit Schuld in der Isolation, die oft selbst schon Opfer von Gewalt anderer sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bilder aus dem Films:Frauen in Gotteszell

Oben an der Decke wird also die Schuldfrage erörtert – sozusagen an höchster Instanz. Gott selbst behält sich das Recht vor über Schuld zu richten. War das Opfer selbst schuld? Sind die Peiniger schuldig? Wer hat das Recht andere zu verurteilen und zu bestrafen?

„Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein...“[9], hatte Jesus gesagt.

1.6 Der Raum – Organismus

Eine Installation trägt ihren (inter)disziplinären Namen, dadurch dass in einem Raum/begrenztem Ort etwas hinein- oder angebaut wird. Auch wenn (oder gerade deshalb, weil) der Raum nur an der Peripherie – sozusagen den Rahmen – der Installation darstellt, ist er das maßgeblich charakteristische an einer Installation.

Im Raum laufen Verbindungen zu verschiedenen Instanzen, die somit einen Zusammenhangerfahren. Der Zwischenraum und die Wände bilden den größten Teil der Installation. Die Installation als Einheit erinnert an den Komplex einer Zelle: in der Mitte der Zellkern – das Maßgebliche, das Lebenszentrum für die Zelle. Dort wird alles Weitere entschieden. Befehle gehen von dort aus und gestalten die Prozesse und die Struktur...

Die Steine als Mittelpunkt bieten ein fassettenreiches Gedankenfeld.

Geheimzellen sind Keimzellen für Gemeinschaften von Menschen mit verfemten Ansichten und verfolgtem Glaube. Hier erwächst geschützt durch die Zellwand das geistliche Leben von morgen – über die Zeit der Verfolgung hinweg die teilweise genau so heimlich stattfindet. In hermetisch abgeriegelten Räumen werden Märtyrer gefoltert und in Gefängniszellen weggesperrt.

Die Gemeinschaft der Märtyrer als verbundenes Geflecht und Organ des Zeugnisses von Jesus Christus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Installationsskizze hinter Glas mit Spiegelungen von Person und Raumsituation

1.7 Die Dokumentation – Denkmal

Um dieses Zeugnis nicht zu verlieren oder gar nicht mehr wert zu schätzen, steht dieses Denkmal an geopfertes Leben. Es steht für übergroßen Glauben, der bis an die Grenzen des Lebens geht und oft auch darüber hinaus. Es ist beinahe Fanatismus aber anderes als wir ihn kennen – nicht aggressiv und brutal um sich schlagend, sondern aus Liebe demütig sich selbst hingebend. Denkmal der Liebe zu Gott, der sich in Jesus selber aus Liebe hingab und ein Denkmal der Liebe der Märtyrer zu ihren Peinigern und Mördern, denen sie vergaben und denen sie mit der Liebe Jesu begegneten.

Nie mehr – eigentlich – sollte solche Tat und solches Zeugnis verschwiegen werden und unbekannt bleiben. Die Kette der Märtyrer wird durch acht Begebenheiten, die über alle Jahrhunderte hinweg verteilt liegen, präsentiert. Jedem Märtyrerleben ist ein gemarkter – ein gemarterter, durchbohrter – Gedenkstein zugewiesen. Aufgereiht stehen sie neben einander, die Indizien, und zeigen einfache nur. Die Anklage ist verhallt. Die Würde und Gewissheit der Märtyrer hält keine Anklage – aber sie wünscht das Gedenken und die Wertschätzung. So wächst die Saat der frohen Botschaft des Friedens mit Gott.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dokumentationswand: Indizien und Tatortbereicht – symbolisches Foto für einen Märtyrer und seine Leidens- geschichte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausschnitt der Dokumentationswand

1.8 Die Komposition – Materialästhetik

1.8.1 Kompositorische Aspekte

Das Märtyrerdenkmal besteht grob aus zwei Elementen: Aus der Dokumentations-wand und aus der Steinigungsinstallation. Beiden wohnt eine erhabene Ruhe und klare Einfachheit inne, obwohl sie Grausamkeit und Tod beinhaltet. Das Material ist karg und arm[10]und der Aufbau schlicht und klar. Die Text- und Bildstücke an der Wand sind einfach aufgereiht. Bild und Text wechseln sich in festgelegter Zuordnung ab.

Die Strahlenstruktur der Stäbe läuft ohne große Verzweigung radiär nach außen zu den Wänden. Die Ballung der Steine in der Mitte des Raumes ist gleichzeitig der Schnittpunkt der Stäbe. Dort findet in Gedanken durchlebt das Hauptgeschehen – die Tat – statt. Alles bündelt sich dort zusammen. Somit ist hier die Essenz der Installation zu verorten.

Die Spannung, die trotz aller Ruhe dort zu finden ist, entsteht durch die fragile Lage mancher Steine, die nur auf einer schmalen Kante balancieren und sich gegenseitig stützen: würde sich ein Stein bewegen, würde ein Kettenreaktion den ganzen Steinhaufen erschüttern. Jeder Stein ist für den anderen relevant in Lage und Ort. Gemeinsam mit den Stäben ergeben sie ein liegendes, statisch festgezimmertes Mobile. Ein weiterer Aspekt der Spannung liegt im Charakter der Steine: ruhige, andächtig, leblos und harmlos liegen diese Steine da und verkörpern doch impulsive Gewalt, nackte Wut, vollzogener Mord und ausgelöschtes Leben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

InstallationsraumSTEPHANUS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ready-Made:MEMENTE MORI

Durch die Verknüpfung einzelner Teile miteinander entsteht eine assoziationsreiche Komplexität und eine Art System mit Links und Pfaden, mit denen die beiden Teile des Denkmals verbunden und verwoben sind. Auch hin zur benachbarten Installation demMENTE MORIziehen sich assoziative Verknüpfungen: „Prüfe, auf was es im Leben wirklich ankommt!“

1.8.2 Benötigte Materialien und Handwerkszeug

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Blick von oben auf den Steinhaufen der Steinigungsdarstellung im Installationsraum

2 Stephanus

2.1 Historisches Ereignis

Märtyrertum ist in der hier beschriebenen Ausprägung ein typisch christliches Phänomen und tritt das erste Mal nach Jesu Tod und Auferstehung im Zusammenhang mit Stephanus auf. Er ist somit der erste Märtyrer.

2.1.1 Der Bibeltext

Der historische Textabschnitt der Steinigung des Stephanus aus der Apostelgeschichte des Lukas 6,1 – 8,2[11]:

„[Kap.6]1 In den Tagen aber, da der Jünger viele wurden, erhob sich ein Murmeln unter den Griechen wider die Hebräer, darum daß ihre Witwen übersehen wurden in der täglichen Handreichung.

2 Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es taugt nicht, daß wir das Wort Gottes unterlassen und zu Tische dienen.
3 Darum, ihr lieben Brüder, sehet unter euch nach sieben Männern, die ein gut Gerücht haben und voll heiligen Geistes und Weisheit sind, welche wir bestellen mögen zu dieser Notdurft.
4 Wir aber wollen anhalten am Gebet und am Amt des Wortes.
5 Und die Rede gefiel der ganzen Menge wohl; und sie erwählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Judengenossen von Antiochien.
6 Diese stellten sie vor die Apostel und beteten und legten die Hände auf sie.
7 Und das Wort Gottes nahm zu, und die Zahl der Jünger ward sehr groß zu Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.
8 Stephanus aber, voll Glaubens und Kräfte, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk.
9 Da standen etliche auf von der Schule, die da heißt der Libertiner und der Kyrener und der Alexanderer, und derer, die aus Zilizien und Asien waren, und befragten sich mit Stephanus.
10 Und sie vermochten nicht, zu widerstehen der Weisheit und dem Geiste, aus welchem er redete.
11 Da richteten sie zu etliche Männer, die sprachen: Wir haben ihn gehört Lästerworte reden wider Mose und wider Gott.
12 Und sie bewegten das Volk und die Ältesten und die Schriftgelehrten und traten herzu und rissen ihn hin und führten ihn vor den Rat
13 und stellten falsche Zeugen dar, die sprachen: Dieser Mensch hört nicht auf, zu reden Lästerworte wider diese heilige Stätte und das Gesetz.
14 Denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören und ändern die Sitten, die uns Mose gegeben hat.
15 Und sie sahen auf ihn alle, die im Rat saßen, und sahen sein Angesicht wie eines Engels Angesicht.

[Kap.7] 1 Da sprach der Hohepriester: Ist dem also?

2 Er aber sprach: Liebe Brüder und Väter, höret zu. Der Gott der Herrlichkeit erschien unserm Vater Abraham, da er noch in Mesopotamien war, ehe er wohnte in Haran,
3 und sprach zu ihm: Gehe aus deinem Lande und von deiner Freundschaft und zieh in ein Land, das ich dir zeigen will.
4 Da ging er aus der Chaldäer Lande und wohnte in Haran. Und von dort, da sein Vater gestorben war, brachte er ihn herüber in dies Land, darin ihr nun wohnet,
5 und gab ihm kein Erbteil darin, auch nicht einen Fuß breit, und verhieß ihm, er wollte es geben ihm zu besitzen und seinem Samen nach ihm, da er noch kein Kind hatte.
6 Aber Gott sprach also: Dein Same wird ein Fremdling sein in einem fremden Lande, und sie werden ihn dienstbar machen und übel behandeln vierhundert Jahre;
7 und das Volk, dem sie dienen werden, will ich richten, sprach Gott; und darnach werden sie ausziehen und mir dienen an dieser Stätte.
8 Und gab ihm den Bund der Beschneidung. Und er zeugte Isaak und beschnitt ihn am achten Tage, und Isaak den Jakob, und Jakob die zwölf Erzväter.
9 Und die Erzväter neideten Joseph und verkauften ihn nach Ägypten; aber Gott war mit ihm
10 und errettete ihn aus aller seiner Trübsal und gab ihm Gnade und Weisheit vor Pharao, dem König in Ägypten; der setzte ihn zum Fürsten über Ägypten über sein ganzes Haus.
11 Es kam aber eine teure Zeit über das ganze Land Ägypten und Kanaan und große Trübsal, und unsere Väter fanden nicht Nahrung.
12 Jakob aber hörte, daß in Ägypten Getreide wäre, und sandte unsere Väter aus aufs erstemal.
13 Und zum andernmal ward Joseph erkannt von seinen Brüdern, und ward dem Pharao Josephs Geschlecht offenbar.
14 Joseph aber sandte aus und ließ holen seinen Vater Jakob und seine ganze Freundschaft, fünfundsiebzig Seelen.
15 Und Jakob zog hinab nach Ägypten und starb, er und unsere Väter.
16 Und sie sind herübergebracht nach Sichem und gelegt in das Grab, das Abraham gekauft hatte ums Geld von den Kindern Hemor zu Sichem.
17 Da nun die Zeit der Verheißung nahte, die Gott Abraham geschworen hatte, wuchs das Volk und mehrte sich in Ägypten,
18 bis daß ein anderer König aufkam, der nichts wußte von Joseph.
19 Dieser trieb Hinterlist mit unserm Geschlecht und behandelte unsre Väter übel und schaffte, daß man die jungen Kindlein aussetzen mußte, daß sie nicht lebendig blieben.
20 Zu der Zeit war Moses geboren, und war ein feines Kind vor Gott und ward drei Monate ernährt in seines Vaters Hause.
21 Als er aber ausgesetzt ward, nahm ihn die Tochter Pharaos auf und zog ihn auf, ihr selbst zu einem Sohn.
22 Und Moses ward gelehrt in aller Weisheit der Ägypter und war mächtig in Werken und Worten.
23 Da er aber vierzig Jahre alt ward, gedachte er zu sehen nach seinen Brüdern, den Kindern von Israel.
24 Und sah einen Unrecht leiden; da stand er bei und rächte den, dem Leid geschah, und erschlug den Ägypter.
25 Er meinte aber, seine Brüder sollten's verstehen, daß Gott durch seine Hand ihnen Heil gäbe; aber sie verstanden's nicht.
26 Und am andern Tage kam er zu ihnen, da sie miteinander haderten, und handelte mit ihnen, daß sie Frieden hätten, und sprach: Liebe Männer, ihr seid Brüder, warum tut einer dem andern Unrecht?
27 Der aber seinem Nächsten Unrecht tat, stieß in von sich und sprach: Wer hat dich über uns gesetzt zum Obersten und Richter?
28 Willst du mich auch töten, wie du gestern den Ägypter getötet hast?
29 Mose aber floh wegen dieser Rede und ward ein Fremdling im Lande Midian; daselbst zeugte er zwei Söhne.
30 Und über vierzig Jahre erschien ihm in der Wüste an dem Berge Sinai der Engel des HERRN in einer Feuerflamme im Busch.
31 Da es aber Mose sah, wunderte er sich des Gesichtes. Als er aber hinzuging zu schauen, geschah die Stimme des HERRN zu ihm:
32 Ich bin der Gott deiner Väter, der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Mose aber ward zitternd und wagte nicht anzuschauen.
33 Aber der HERR sprach zu ihm: Zieh die Schuhe aus von deinen Füßen; denn die Stätte, da du stehest, ist heilig Land!
34 Ich habe wohl gesehen das Leiden meines Volkes, das in Ägypten ist, und habe ihr Seufzen gehört und bin herabgekommen, sie zu erretten. Und nun komm her, ich will dich nach Ägypten senden.
35 Diesen Mose, welchen sie verleugneten, da sie sprachen: Wer hat dich zum Obersten und Richter gesetzt? den sandte Gott zu einem Obersten und Erlöser durch die Hand des Engels, der ihm erschien im Busch.
36 Dieser führte sie aus und tat Wunder und Zeichen in Ägypten, im Roten Meer und in der Wüste vierzig Jahre.
37 Dies ist der Mose, der zu den Kindern Israel gesagt hat: "Einen Propheten wird euch der HERR, euer Gott, erwecken aus euren Brüdern gleichwie mich; den sollt ihr hören."
38 Dieser ist's, der in der Gemeinde in der Wüste mit dem Engel war, der ihm redete auf dem Berge Sinai und mit unsern Vätern; dieser empfing lebendige Worte, uns zu geben;
39 welchem nicht wollten gehorsam werden eure Väter, sondern stießen ihn von sich und wandten sich um mit ihren Herzen nach Ägypten
40 und sprachen zu Aaron: Mache uns Götter, die vor uns hin gehen; denn wir wissen nicht, was diesem Mose, der uns aus dem Lande Ägypten geführt hat, widerfahren ist.
41 Und sie machten ein Kalb zu der Zeit und brachten dem Götzen Opfer und freuten sich der Werke ihrer Hände.
42 Aber Gott wandte sich und gab sie dahin, das sie dienten des Himmels Heer; wie denn geschrieben steht in dem Buch der Propheten: "Habt ihr vom Hause Israel die vierzig Jahre in der Wüste mir auch je Opfer und Vieh geopfert?
43 Und ihr nahmet die Hütte Molochs an und das Gestirn eures Gottes Remphan, die Bilder, die ihr gemacht hattet, sie anzubeten. Und ich will euch wegwerfen jenseits Babylon."
44 Es hatten unsre Väter die Hütte des Zeugnisses in der Wüste, wie ihnen das verordnet hatte, der zu Mose redete, daß er sie machen sollte nach dem Vorbilde, das er gesehen hatte;
45 welche unsre Väter auch annahmen und mit Josua in das Land brachten, das die Heiden innehatten, welche Gott ausstieß vor dem Angesicht unsrer Väter bis zur Zeit Davids.
46 Der fand Gnade bei Gott und bat, daß er eine Wohnung finden möchte für den Gott Jakobs.
47 Salomo aber baute ihm ein Haus.
48 Aber der Allerhöchste wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht:
49 Der Himmel ist mein Stuhl und die Erde meiner Füße Schemel; was wollt ihr mir denn für ein Haus bauen? spricht der HERR, oder welches ist die Stätte meiner Ruhe?
50 Hat nicht meine Hand das alles gemacht?"
51 Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herzen und Ohren, ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist, wie eure Väter also auch ihr.
52 Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben getötet, die da zuvor verkündigten die Zukunft dieses Gerechten, dessen Verräter und Mörder ihr nun geworden seid.
53 Ihr habt das Gesetz empfangen durch der Engel Geschäfte, und habt's nicht gehalten.
54 Da sie solches hörten, ging's ihnen durchs Herz, und sie bissen die Zähne zusammen über ihn.
55 Wie er aber voll heiligen Geistes war, sah er auf gen Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesum stehen zur Rechten Gottes
56 und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen.
57 Sie schrieen aber laut und hielten ihre Ohren zu und stürmten einmütig auf ihn ein, stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn.
58 Und die Zeugen legten ihre Kleider ab zu den Füßen eines Jünglings, der hieß Saulus,
59 und steinigten Stephanus, der anrief und sprach: HERR Jesu, nimm meinen Geist auf!
60 Er kniete aber nieder und schrie laut: HERR, behalte ihnen diese Sünde nicht! Und als er das gesagt, entschlief er.

[Kap.8] 1 Saulus aber hatte Wohlgefallen an seinem Tode. Es erhob sich aber zu der Zeit eine große Verfolgung über die Gemeinde zu Jerusalem; und sie zerstreuten sich alle in die Länder Judäa und Samarien, außer den Aposteln.

2 Es bestatteten aber Stephanus gottesfürchtige Männer und hielten eine große Klage über ihn.“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild von Max Reichlich[12]

2.1.2 Der Kontext

Wie schon gesagt Stephanus ist des Phänomens erster. Er ist der erste Märtyrer, und doch ist es nicht unbedingt etwas Ungewöhnliches. Die Praxis des Steinigens ist durchaus bekannt. Es beinhaltet sogar eine vorgeschriebene Liturgie, um die Handlung korrekt zu vollziehen. Gottes Lästerer, Verbrecher ... und Ehebrecherinnen wurden in der jüdischen Kultur durch die Justiz – dem Ältestenrat (Sanhedrin) und dem ausführenden Volk – gesteinigt. Stephanus wurde als Christ zu Tode gebracht wegen scheinbarer Lästerung der gottesfürchtigen Männer und von Gott selbst. Er war der erste, der den religiösen Zorn der Juden mit seiner Bekehrung zu Jesus und seinem Leben mit Jesus so herausforderte, dass er umkam. Er hatte an die geistlichen Führer appelliert sich ihrer Schuld bewusst zu sein, die sie durch die Kreuzigung Jesu auf sich geladen haben. Der Volksaufruhr war so groß, dass die Gerichtsverhandlung nicht rechtmäßig zu Ende geführt wurde.

Aber auch schon vor Jesu Zeiten gab es den Sachverhalt, dass das Volk und die obersten Leute die folterten und verfolgten, die Gottes ermahnende Worte offen für das Volk verkündeten. Stephanus Vorgänger waren somit viele jüdische Propheten.

Das Leben und Sterben Christi gilt als Fortsetzung und Erfüllung des abrahamitischen Bundes und des jüdischen Gesetzes und deshalb als neue Mahnung zur Erneuerung der religiösen Haltung. Bis heute steht dieser Aufruf zur Umkehr unter die Herrschaft Gottes, weg von einer religiösen Selbsterrettung hin in eine Abhängigkeit zu Gott.

2.2 Geistige Dimension

Verurteilung und Steinigung war ein gängiges Mittel der scheinbaren Häresie zu wehren und den eigenen religiösen Fortbestand und Glaube zu sichern. Auch spielte die eigene Verdammungsangst ein Rolle, die die Frage nach der Empathie zur anderen Religionsauffassung möglich oder unmöglich macht: Jesus stellte für sich einen Absolutheitsanspruch auf[13], der für den jüdischen Klerus untragbar gotteslästerlich und für sie selbst heilsgefährdent war. Ist Jesus das Heil, sind sie verdammt. Es gab keinen Kompromiss und der eigene religiöse Stolz erschwert ein Abweichen von der eigenen Position. Solange einem der Mopp aufgewiegelt zur Seite steht, braucht man keine Empathie für die andere Position. Aus Angst wird Empathielosigkeit, aus Empathielosigkeit folgt Unehrlichkeit, weil nur noch der Blick für die eigene Sicht gilt. Daraus entsteht Lieblosigkeit und gebündelter, gerechtfertigter Hass. Und dies führt zu Argumenten des gegenseitigen Auslöschens.

Eine andere Dimension ist der eigene Neid im Angesicht des göttlichen Frieden, den der andere – der Märtyrer – zu haben scheint und der einem selbst verwehrt bleibt, da man diese Position weder teilen noch erreichen kann. Es steht zu viel dazwischen. Dieser Neid über den fehlenden Frieden mit Gott zeigt sich bildlich schon in der Urgeschichte bei Kain und Abel[14]. Die Beständigkeit und Beharrlichkeit der Märtyrer in ihrer gläubigen Haltung und die damit verbundene Bestätigung des absoluten inneren Friedens ist Öl in die Flammen des Neides, der dann oft in Wut umschlägt.

Stephanus musste Sterben, war er schuldig oder nicht. Er wurde aber verurteilt und scheinbar zu recht gerichtet. Ging das wirklich mit rechten Dingen zu? Wer sind die eigentlichen Schuldigen?

Assoziationen an heutige Opfer unserer Justiz, an Opfer unsere gesellschaftlichen Doppelmoral lassen die Schuldfrage neu aufkommen. Eine eindrückliche Beschäftigung mit dem Thema bietet ein Ausschnitt von Interviews mit Insassen des Frauengefängnisses in Gotteszell. Wer ist heute überhaupt unschuldig? Wer ist überhaupt unschuldig? „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein...“ hatte Jesus gesagt zu denen, die die Ehebrecherin steinigen wollten. Sind wir uns unserer eigenen Schuld bewusst? Wie gehen wir damit um?

Die Märtyrer und Propheten haben ihr Verantwortung für die Gesellschaft wahrgenommen und dem Umfeld seine in Schuld verstrickte Situation aufgezeigt – explizit, oft aber nur indirekt. Aber sind wir uns dessen bewusst, dass wir wenn wir das anerkennen, eigene Bankrotterklärungen ausstellen. Wer hilft uns dann? Können wir einem Gott trauen, der uns verspricht, uns darin zu rechtfertigen, dass er selbst für unsere Schuld aufkommt?

Wenn der häufige Dank die Verfolgung, die Denunziation und die Ermordung sind für die lebenswichtige Ermahnung, dann weil – wie schon festgestellt – sich daran die Geister scheiden: ist man bereit Einsicht walten zu lassen, die Ermahnung ernst zu nehmen und eine innere, wie äußere Kehrtwende zu voll ziehen, oder ist man zu stolz und zu gehemmt...

„Der Weisheit Anfang ist die Furcht des Herrn, und den Heiligen erkennen, das ist Verstand.“ Sprüche 9,10

2.3 Geistliche Dimension

Warum wird Stephanus gesteinigt? Ist es eine extrem fanatische Ideologie? Und was für eine Ideologie, deren Macht Stephanus ausgeliefert ist?

Was in dem Ausspruch Stephanus´ „Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen.“ (Apg. 7,56) steht, ist der Blick auf eine andere, verborgene Dimension: die geistliche Dimension. Diese Dimension und das Erkennen dieser macht es mögliche, eine oft verneinte Sachlage als existent zu revidieren.

Die Sachlage möge sich wie folgt beschreiben: Neben der sichtbaren, materiellen Welt gibt es neben der Person Gottes die „Mächtigen und Gewaltigen“ (in Eph. 6,12), die nach Paulus weder Fleisch noch Blut haben, also geistliche Wesen sind, und als Gegenspieler Gottes rangieren. Daraus lässt sich – geistlich gesehen – Konfliktsituationen ableiten, die sich um geistliche Inhalte drehen. So auch im Märtyrerkontext. Nicht kämpfen in dieser Sicht Menschen gegen Menschen, sondern vielmehr geistliche Mächte gegen einander. Satan gebraucht Menschen, dass Unheil in die Welt kommt und Heil nicht zugelassen wird.

Gottes Stärke, Macht und Liebe macht aber noch aus diesem scheinbaren Abbruch wieder Ausgangssituationen für neues Heil, auch wenn in all dem Menschen immer wieder umkommen und gefoltert werden. Oft ist deren Einstellung aber klar ausgerichtet, das Heil Gottes absolut zur Wirkung kommen zu lassen, auch wenn es ihr irdisches Leben kostet. Dagegen ist der Satan machtlos – der Märtyrertod wird als weiterer Sieg Gottes verbucht und wird Heil und gute Auswirkungen folgen lassen können.

Jeder Märtyrer ist somit ein geistlicher Stein – ein Fundament und Basis für weiteren Glauben (vgl. Gleichnis vom Bauen auf Stein). Sie wurden „durchbohrt“ um Fußpunkte und Fundamente für neuwachsenden Glauben zu bieten – Brücken von Vertrauen und Glauben dort, wo sie niemand vermutet hatte. Dort wo schon alles zu Staub zerfallen und tot schien, dort wo aber lockerer Boden für den Samen des Glaubens entstanden ist.

Christus wird der Stein des Anstoßes (vgl. Ps 118, 22) bleiben. Er wird immer unbequem und unpassend sein, für den der nicht Frieden mit ihm schließt und seinen absoluten Herrschaftsanspruch als Herr der Welt und des eigenen Lebens anerkennt. Solange werde ich ihn verfolgen, ihn für nichtig und unrelevant erklären, ihn für naiv und unzeitgemäß, für arrogant und untolerant und für nicht existent abtun.

2.4 Steinigung – der Vorgang

Wenn jemand durch die Sanhedrin wegen eines betreffenden Deliktes verurteilt ist, wird er durch Steinigung hin gerichtet. Zu Tode zu kommen durch Steinigung kann dabei bedeuten, dass ein Ausgleich stattzufinden hat – das eigene Leben für ein bereits genommenes – oder es kann so etwas wie Reinigung bedeuten. Durch die Schandtat des Täters kommt Schuld auf das ganze Volk. Dabei ist es wichtig, dass vor der Hinrichtung die entsprechenden Personen dem Angeklagten über Handauflegen die gesamte Schuld an der Tat übertragen, so dass die Schuld vom Volk genommen wird. Dann wird der Angeklagte gesteinigt. Als Ausdruck des wahrhaftigen Zeuge seins, legen die Anwesenden und Ausführenden der Steinigung ihre Kleider ab. Wird jemand öffentlich und rechtmäßig gesteinigt, so ist er eine verdammte Seele.

Konsequent weitergedacht ist Steinigung eine Handlung der Selbstreinigung einer kollektiven Gruppe.

2.5 Martyrium – das Prinzip

In der christlichen Kunst hat die Beschäftigung mit dem Thema „Märtyrer“ eine lange ikonografische Geschichte. Diese wird aber hier nicht genauer ausgelegt werden, da sie den Rahmen sprengen würde. Vielmehr soll es um das Prinzip und das Geschehen selbst gehen.

Das WortMärtyrerist vom griechischen Wort „Zeuge“ abgeleitet. Ein Märtyrer ist jemand, der wahrhaftig bezeugt – wie vor Gericht unter Schwur – was er gesehen, gehört und erlebt hat. Er wird eher leiden oder sterben, als die Wahrheit in Jesus Christus und sein Werk zu verleugnen. Dass es zu einem Martyrium kommt spielen komplexe geistig-psychische und geistliche Abläufe eine Rolle. Diese wurden weiter oben erörtert.

Nach Angaben derworld christian encyclopediakamen im Jahr 1999 über 160.000 Christen auf der ganzen Welt durch Martyrien zu Tode; 2000 waren es um die 165.000 Christen.[15]Dies sind mehr als in irgendwelchen Jahrhunderten vorher.

Jesus sagt: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“ Matthäus 5,44[16]. Wer beginnt zu hassen hat wirklich verloren.

Märtyrern geht es mehr darum das Leben ihrer Peiniger zu retten als ihr eigenes. Viele hätten ihr Leben erhalten können, hätten sie nicht begonnen ihr geistliche Verantwor-tung für ihre Mitmenschen wahrzunehmen und von ihrem Glauben weiter zu erzählen.

Es ist eine geistliche Sicht der Welt – nicht das Leben hier zählt und ist das eigent-liche Leben, sondern das Leben in der Gegenwart Gottes – das Ewige Leben.

Die Gemeinschaft der Gläubigen ruft zur Solidarität und zum Gedenken an die Taten der Märtyrer: „Gedenket der Gebundenen als die Mitgebundenen derer, die in Trübsal leiden, als die ihr auch noch im Leibe lebet.“ Hebräer 13,3[17]. So werden sie die mutmachende Kraft für die christliche Gemeinde von morgen sein – je mehr Verfolgung, desto mehr Hoffnung und Festigung im Glauben wird es geben.

2.5.1 Einige Begebenheiten der Verfolgung über die Jahrhunderte

- Außer Johannes kommen alle der zwölf Jünger Jesu gewaltsam um, weil sie ihren Glauben bezeugen und verbreiten.
- Christenverfolgung im Römischen Reich unter Nero und Duokletian
- Wer im Mittelalter selbständig die Bibel las, lief Gefahr sein Leben zu verlieren.
- Machtkämpfe und Verweigerung von geistlichen Reformen in der Kirche der beginnenden Neuzeit
- Hugenottenverfolgung in Spanien und Frankreich
- In den Ländern, in denen die islamische Rechtsauffassung der Sharia gilt steht die Bekehrung und das Zeugnis zu Jesus Christus unter Todesstrafe. In anderen islamischen Staaten werden Christen in ihren Rechten eingeschränkt oder ganz beschnitten. Sie müssen Abgaben bezahlen oder konvertieren.
- Der Kommunismus verbietet jegliche Ausübung von Religion. Wer sich offen zu Jesus bekennt muss mit Gefängnis, Zwangsarbeit oder Tod rechnen.
- Der Nationalsozialismus beschneidet Stück für Stück die Rechte der Christen. Die Machenschaften der „Nazies“ können in christlicher Verantwortung nicht mehr geduldet werden. Wer offen protestiert wird beseitigt.
- Der Atheismus und die naturwissenschaftliche Doktrin des Empirischen und des menschlichen Verstandes bewirkt in der westlichen Welt eine gegen die geistliche Weltsicht gerichtete Ideologie. Jeder Gläubige ist weder voll ernst zu nehmen in seiner Haltung noch habe er einen Beitrag zur Wirklichkeit zu leisten.

2.5.2 Aktuelle Länder, in denen Christen verfolgt werden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Afghanistan
- Ägypten
- Algerien
- Äquatorialguinea
- Aserbaidschan
- Bangladesch
- Bhutan
- Brunei
- China
- Indonesien
- Irak
- Iran
- Jemen
- Katar
- Komoren
- Kuba
- Kuwait
- Laos
- Libyen
- Malaysia
- Malediven
- Marokko
- Mauretanien
- Myanmar (Burma)
- Nigeria
- Nordkorea
- Oman
- Pakistan
- Saudi-Arabien
- Somalia
- Sri Lanka
- Sudan
- Syrien
- Tadschikistan
- Tibet (China)
- Tunesien
- Türkei
- Turkmenistan
- Usbekistan
- Vereinigte Arabische Emirate
- Vietnam
- Zypern[18]

2.5.3 Einige Organisationen, die verfolgten Christen helfen

Voice of the Martyrs

P.O. Box 443

Bartlesville, OK 74005

thevoice@vom-usa.org

www.persecution.com

Hilfsaktion Märtyrerkirche e.V. (HMK)

Tüfinger Straße 3

D-88690 Uhldingen-Mühlhofen

07556 9211-0/(Fax)-40

h-m-k@h-m-k.org

www.h-m-k.org

Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)

Deutsche Sektion e.V.

Arbeitsausschuss „Religionsfreiheit/Verfolgte Christen“

Borsigallee 16

D-60388 Frankfurt/Main

069 420108-0/(Fax)-33

igfm@ishr.org

www.igfm.de

Offene Grenzen / Open Doors with Brother Andrew

Schwalenstert 1

D-38723 Seesen

05384 90-7003/(Fax)-978

113536.1501@compuserve.com

www.offenegrenzen.de

www.od.org[19]

Literatur

BURKHARDT, Helmut u.a. (Hrsg.): Das große Bibellexikon. Band 5. Wuppertal 1996

DC Talk/ The Voice of the Martyrs: Jesus Freaks. Berichte von Menschen, die bereit waren, für ihren Glauben bis zum Äußerten zu gehen. Asslar 2001

HUGHES, Gerald/ TRAVIS, Stephen: Die Bibelentdecken. Illustrierter Führer durch die biblische Geschichte. Wuppertal, Zürich ²1990

KÄMPF-JANSEN, Helga: Ästhetische Forschung. Wege durch Alltag, Kunst und Wissenschaft - zu einem innovativen Konzept ästhetischer Bildung. Köln 2000

LUTHER Bibel in unterschiedlichen Ausgaben

SELLE, Gert: Das Ästhetische Projekt. Plädoyer für eine kunstnahe Praxis in Weiterbildung und Schule. Unna 21992

Anhang

Die an der Dokumentationswand der Installation ausgehängten Berichte aus dem Buch: DC Talk/ The Voice of the Martyrs: Jesus Freaks. Berichte von Menschen, die bereit waren, für ihren Glauben bis zum Äußerten zu gehen. Asslar 2001.

Video-Band mit dem Film:Frauen von Gotteszell. Dokumentationsfilm ausgestrahlt aufBayern 3im Januar 2003.

[...]


[1] Vgl. dazu Seite 21, Kap. 2.5 Absatz 3

[2] Jesaja 28,16: „Siehe ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.“ (LUTHER 1984) und „Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; für die Ungläubigen aber ist >der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist, ein Stein des Anst0ßes und ein Fels des Ärgernisses< [ >< u.a. Psalm 118,22]“ 1.Petrus 2,7+8a.

[3] Luther 1984

[4] Diese Wortwahl stammt aus dem RomanHerr der Ringevon TOLKIN, und beschreibt die Gefahr des Verderbens durch Unersättlichkeit.

[5] Es handelt sich mit dieser Aussage um eine Anspielung auf die fehlende Auseinandersetzung mit der bioethischen Klon-Frage in einigen maßgeblichen Ländern.

[6] Beim Bohren entsteht Bohrstaub.

[7] Vgl. hierzu Psalm 90,10:Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre, und wenn's köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.

[8] Übersetzung LUTHER 1912

[9] Johannes 8, 7; Übersetzung LUTHER 1912

[10] ...ganz nach dem Stil der arte povera, die übrigens im Ansatz Fabrizio Plessis auch zu ruhigen und pathetisch wirkenden Monumenten gerät: Platonische Ruhe der Gewissheit über letzte Dinge?

[11] Übersetzung LUTHER 1912

[12] gefunden auf der Internetseite: http://www.uni-leipzig.de/ru/bilder/umwelt.jes/

[13] „Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch mich!“ Johannes 14,6; revidierte Elberfelder Bibel 1992

[14] vgl. dazu Genesis 4

[15] Diese Informationen sind entnommen aus dem Buch: DC Talk/ The Voice of the Martyrs: Jesus Freaks. Berichte von Menschen, die bereit waren, für ihren Glauben bis zum Äußerten zu gehen. Asslar 2001. Seite 18

[16] Übersetzung der Guten nachricht Bibel. Durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung. Stuttgart 2000

[17] Übersetzung LUTHER 1912

[18] Liste der Länder und die beiden Schaubilder sind aus: DC Talk/ The Voice of the Martyrs: Jesus Freaks. Berichte von Menschen, die bereit waren, für ihren Glauben bis zum Äußerten zu gehen. Asslar 2001. Seiten 271 – 297.

[19] Die Adressen sind entnommen aus dem Buch: DC Talk/ The Voice of the Martyrs: Jesus Freaks. Berichte von Menschen, die bereit waren, für ihren Glauben bis zum Äußerten zu gehen. Asslar 2001. Seiten 317 – 319.

25 von 25 Seiten

Details

Titel
Märtyrer Stephanus - eine künstlerische Reflexion - Installationszyklus mit acht Steinen und acht Übergriffen
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Veranstaltung
Seminar Kunst und Religion
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V108257
Dateigröße
1745 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ein aktuelles religiöses Thema. Eine Künsterische Installation und eine phänomenologische Auseinandersetzung mit dem Thema. Herausfordernd!
Schlagworte
Märtyrer, Stephanus, Reflexion, Installationszyklus, Steinen, Seminar, Kunst, Religion
Arbeit zitieren
Aljoscha Kuch (Autor), 2003, Märtyrer Stephanus - eine künstlerische Reflexion - Installationszyklus mit acht Steinen und acht Übergriffen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108257

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Märtyrer Stephanus - eine künstlerische Reflexion - Installationszyklus mit acht Steinen und acht Übergriffen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden