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Eschatologie, Chiliasmus und Reformbewegung bei Jan Hus und der Hussitenbewegung

Title: Eschatologie, Chiliasmus und Reformbewegung bei Jan Hus und der  Hussitenbewegung

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 31 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Tilo Maier (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Die Auseinandersetzungen der Geschichtsschreibung mit dem Thema Jan Hus und mit der so genannten „Hussitenbewegung“ sind vielfältig. Geändert hat sich in der neusten Forschung der Blickwinkel auf Jan Hus und die Bewertung seiner Zeit. Die vorliegende Arbeit lehnt sich dabei sehr stark an die Fragestellung der neusten Forschung zum Thema „Hussiten“ an und untersucht, welchen Einfluss Reformbewegung, Eschatologie und Chiliasmus auf die wichtigsten Personen und Bewegungen der „Hussitischen Revolution“ ausübten. Im weiteren Verlauf wird zusätzlich der Versuch unternommen, die Breitenwirkung des Reformwerks zu untersuchen. Die Beschäftigung mit Jan Hus kann sehr grob in drei Grundkategorien eingeordnet werden. Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Jan Hus von der tschechischen Geschichtsschreibung wieder entdeckt. Auf der Suche nach einer nationalen Identität dienten Hus und die „Hussiten“ als Beispiele für eine ursprüngliche tschechische Geschichte. Darin begründet sich die erste Forschungstendenz, nämlich die der nationalen Konkurrenz zwischen Deutschen und Tschechen auf der Suche nach unterschiedlichen Traditionen.1 In der Gegenbewegung versuchten deutsche Historiker die Person und das Werk des Jan Hus zu zerreden und seinen Status als „historische Persönlichkeit“ anzuzweifeln.2 Erst Ferdinand Seibt, dem kenntnisreichsten Hussitenforscher (West-)Deutschlands, gelang es ab den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, diese Nationalismen zu entkräften.3 In der zweiten großen Forschungsdebatte ging es um die marxistische oder nichtmarxistische Auslegung der „Hussitischen Revolution“. Zentral hierbei sind die unterschiedliche Gewichtung der Träger der Revolution, der Revolutionsbegriff an sich und die Einordnung in eine europäische Komponente einer frühen Reformation oder einer früh-marxistischen Revolution. Auf Seiten der tschechisch-marxistischen Historiker sei hier das Werk Robert Kalivodas erwähnt.4 Er beschreibt die „Hussitische Revolution“ aus einem soziologisch-philosophischen Blickwinkel. Nach Kalivoda ist der „Hussitismus“ das Konzept einer antifeudalen Revolution, die allerdings in einer bürgerlichen Revolution endet und daher nicht als Revolution im marxistischen Sinn zu bewerten ist.5 Ernst Werner, der führende Historiker der Hussitenforschung in der DDR, bewertet die „hussitische Ideologie“ - anders als Kalivoda - als frühes Modell einer kommunistischen Bewegung [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Schisma, Kirchenkritik und die Krise des Hochadels in Europa zur Zeit des Jan Hus

3 Reformbewegungen am Ende des 14. Jahrhunderts In England und Böhmen

3.1 Grundsätzliche Überlegungen zum Begriff der Eschatologie

3.2 John Wyclif und der Wyclifismus

3.3 Johann Milic und Matthias von Janov

3.4 Die Kirchenreform bei Jan Hus

4 Eschatologie und Chiliasmus. Eine kritische Untersuchung der „Hussitenbewegung“ bis ins Jahr 1434

4.1 Prag und der „Utraquismus“ die Nachfolger des Jan Hus

4.2 Tabor und die Radikalisierung der Hussiten

4.3 Die Zersplitterung der Taboriten und ihr Ende

5 Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Reformbewegungen, Eschatologie und Chiliasmus auf die zentralen Akteure und Strömungen der sogenannten „Hussitischen Revolution“. Dabei wird analysiert, wie religiöse Weltanschauungen und Reformgedanken die Zeitgenossen beeinflussten und inwieweit diese in den verschiedenen Gruppierungen der Hussitenbewegung zum Ausdruck kamen.

  • Analyse des Einflusses von Wyclif und böhmischen Reformern auf Jan Hus
  • Untersuchung der Bedeutung eschatologischer Motive und des Chiliasmus in der Hussitenbewegung
  • Gegenüberstellung der Strömungen „Utraquismus“ und „Tabor“
  • Kritische Bewertung der Wirkmacht religiöser Ideologien während der Hussitenkriege

Auszug aus dem Buch

3.1 Grundsätzliche Überlegungen zum Begriff der Eschatologie

Der Begriff Eschatologie wird von den Dogmatikern des 17. Jahrhunderts definiert als „die Lehre von den letzten Dingen“. Gemeint ist damit die Vollendung des Heilswerkes Christi und des Heiligen Geistes in der Verherrlichung Gottes. Somit versucht die Eschatologie Antworten zu geben, wie die Errettung zum „ewigen Leben“ sich religionsphilosophisch vollzieht. Problematisch ist die Weiterführung des Begriffes Eschatologie, wie der Theologe Gerhard Sautner sie fortführt. Nach seiner Ansicht liegt dieser Form der Eschatologie ein teleologisches Geschichtsverständnis zu Grunde. Dieses, so räumt Sautner ein, liefert allerhand Spielraum für Spekulationen jenseits der Bibel, die sich mit dem „Jenseits“ befassen.

Für die Beschäftigung mit der Eschatologie ist dabei das wichtigste Motiv die Herbeiführung einer Welt unter Gottes Herrschaft. Entscheidend ist dabei, dass die Eschatologie im Neuen Testament sowohl gegenwärtig als auch zukünftig anzusiedeln ist. Einen Bereich der Eschatologie bildet die Apokalyptik. Die Bilder der Apokalypse, nämlich die des „Antichrists“ auf Erden, des Jüngsten Gerichts sowie der Errettung der Rechtgläubigen, finden sich in den im weiteren Kapitel beschriebenen Reformschriften. Ein Teil der Apokalyptik ist der Chiliasmus. Hierbei wird unterschieden zwischen der Ankunft Christi in der jetzigen Welt (Adventismus) und der Überwindung des Bösen zu einem „1000-jährigen Reich Gottes“ (Milleniarismus). Zentral ist hierbei der Kampf der Rechtgläubigen gegen das Übel in der Welt. Kalivoda findet im Chiliasmus Parallelen zum Marxismus. Für ihn historisiert der Chiliasmus die Eschatologie. „Die Vorstellung, dass die Überwindung der alten Ordnung und die Entstehung einer neuen Ordnung, gesellschaftlich gerecht und neutral ist, führt zur altchristlichen Vorstellung der Urkirche.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Darstellung des Forschungsstandes zur Hussitenbewegung und Definition der methodischen Herangehensweise der Arbeit.

2 Schisma, Kirchenkritik und die Krise des Hochadels in Europa zur Zeit des Jan Hus: Analyse der politischen Instabilität, des päpstlichen Schismas und deren Wahrnehmung durch die Zeitgenossen.

3 Reformbewegungen am Ende des 14. Jahrhunderts In England und Böhmen: Untersuchung der eschatologischen Grundlagen sowie der Reformansätze von John Wyclif, Johann Milic, Matthias von Janov und Jan Hus.

4 Eschatologie und Chiliasmus. Eine kritische Untersuchung der „Hussitenbewegung“ bis ins Jahr 1434: Kritische Analyse der religiösen und sozialen Radikalisierung in Prag und Tabor sowie der internen Zersplitterung der Bewegung.

5 Schluss: Zusammenfassende Bewertung der religiösen Motivation der Hussitenbewegung und ihrer tatsächlichen Wirkmacht jenseits eschatologischer Erwartungen.

Schlüsselwörter

Jan Hus, Hussitenbewegung, Eschatologie, Chiliasmus, Reformation, Wyclifismus, Utraquisten, Taboriten, Kirchenkritik, Schisma, Religiöse Weltanschauung, Konstanzer Konzil, Mittelalter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Hussitenbewegung im späten Mittelalter und untersucht, welchen Einfluss religiöse Reformideen sowie eschatologische und chiliastische Vorstellungen auf die beteiligten Akteure hatten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die Kirchenkritik, die Auswirkungen des päpstlichen Schismas, das Streben nach einer Rückbesinnung auf die Urkirche sowie die verschiedenen ideologischen Ausprägungen innerhalb der Hussitenbewegung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den tatsächlichen Einfluss religiöser Weltanschauungen auf den Verlauf der Hussitenrevolution zu bestimmen und zu klären, ob eschatologische Motive tatsächlich die treibende Kraft waren oder lediglich rhetorische Mittel.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung der zeitgenössischen Forschungsliteratur sowie der kritischen Analyse relevanter Quellen zur Geschichte der Hussiten und der Reformer des 14. Jahrhunderts.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Rahmenbedingungen (Krise des Adels und Schisma), die ideologischen Vorläufer (Wyclif, Milic, Janov), die Reformen des Jan Hus sowie die Radikalisierung der Bewegung in Tabor.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Jan Hus, Hussiten, Eschatologie, Chiliasmus, Reformation, Utraquismus und Tabor.

Welche Rolle spielten die sogenannten „Vier Prager Artikel“?

Die Artikel dienten als religiöser Minimalkonsens zwischen den verschiedenen hussitischen Fraktionen, um bei äußerer Bedrohung durch die katholische Seite ein gemeinsames Vorgehen zu ermöglichen.

Warum war das Martyrium des Jan Hus für die Bewegung so entscheidend?

Sein Tod auf dem Scheiterhaufen festigte seinen Status als Märtyrer und trug entscheidend zur Popularisierung seiner Gedanken bei, wodurch seine Lehren über seinen Tod hinaus lebendig blieben.

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Details

Title
Eschatologie, Chiliasmus und Reformbewegung bei Jan Hus und der Hussitenbewegung
College
Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg  (Institut für mittelalterliche Geschichte)
Course
Der schwarze Tod und die Krise im späten Mittelalter
Grade
1,0
Author
Tilo Maier (Author)
Publication Year
2003
Pages
31
Catalog Number
V10826
ISBN (eBook)
9783638171496
Language
German
Tags
Eschatologie Chiliasmus Reformbewegung Hussitenbewegung Krise Mittelalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tilo Maier (Author), 2003, Eschatologie, Chiliasmus und Reformbewegung bei Jan Hus und der Hussitenbewegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10826
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