Die Verb-Nomen-Komposita im Spanischen


Seminararbeit, 2003

13 Seiten, Note: 2,0


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Komposition

3. Das Verb-Nomen-Komposition
3.1 Die Natur der ersten Konsituente
3.2 Beschränkungen
3.3 Genus
3.4 Numerus
3.5 Nominaler und adjektivischer Gebrauch
3.6 Phonologische Eigenschaften
3.7 Bedeutung
3.8 Wortbildung oder Syntax?
3.9 Produktivität
3.10 Bildungstypen und Bedeutungsgruppen

4. Zusammenfassung

1. Einleitung

Die Komposittion ist Teil des Wortbildungsverfahren, das in jeder Sprache unterschiedlich häufig gebraucht wird. Jede Sprache bildet im Laufe des Sprachgebrauchs neue Worte. Die Wortbildungskapazität ist unbegrenzt. Doch dabei sollte man beachten, dass, wie Berschin bemerkt, “nur wenige individuelle Wortschöpfungen von der Sprachgemeinschaft übernommen werden, die meisten bleiben Gelegenheitsbildungen, deren kommunikative Reichweite über das Hier und Jetzt einer Sprechsituation nicht hinausreicht”[1]. Die Bedeutung einer Wortbildung läßt sich aus der Bedeutung ihrer Konstituenten ableiten – ansonsten wäre das Wort unverständlich. Die semantische Motivation in Wörtern wie ahistórico, veintitrés ist durchsichtig, in quitasol, altavoz nach Berschin teildurchsichtig (wobei ich persönlich diese Motivation noch immer sehr durchsichtig finde). Im Laufe der Sprachentwicklung geht die Motivation aber häufig zurück, und ursprünglich motivierte Bildungen werden für heutige Sprecher undurchsichtig. So z.B. porvenir < por venir oder gelehrete Bildungen wie psicología < psico + logía. Auf diese gelehreten Bildungen will ich in dieser Hausarbeit jedoch nicht eingehen. Sie sind zwar tatsächlich wie Thiele bemerkt Komposita[2], jedoch wie oben erwähnt nicht mehr für den heutigen Sprecher durchsichtig. In dieser Hausarbeit sollen nur solche Komposita Berücksichtigung finden, die heutzutage noch nachvollziehbar sind, oder sogar erst in neuerer Zeit gebildet wurden, also sogenannte Neologismen.

Die europäischen Sprachen kennen zwei Wortbildungsverfahren, Komposition und Derrivation. Bei der Komposition werden mehrere Wörter zu einer Einheit verbunden (saca+corchos), bei der Derivation wird ein Grundwort durch Wortbildungsmorpheme modifiziert (centenar-ista, retro-turismo). In dieser Arbeit werde ich mich mich ausschließlich mit der Verb-Nomen-Komposition beschäftigen, da sie im Spanischen unter den seltenen Komposita noch die häufigste bildet. Doch auf die Effektivität dieser Komposita werde ich später eingehen.

2. Die Komposition

Die Komposition wird im Spanischen im Vergleich zum Deutschen nur wenig zur Wortbildung genutzt[3]. Komensiert wird dieses Defizit durch lexikalisierte Konstruktionen, insbesondere des Typ Subst.+Präp.+Subst. (libro de bolsillo). Nach Berschin nehmen Lexikalisierte Konstruktionen eine Mittelstellung zwischen Komposition und freier Wortgruppe ein, mit folgender Abgrenzungstendenz:

Gegenüber der feien Wortgruppen bilden sie – wie die Komposition – eine nicht trennbare morphosemantische Einheit. (un libro de bolsillo extraordinario bedeutet “ein außergewöhnliches Taschenbuch” nicht *”ein Buch außergewöhnlicher Tasche”. In der lexikalisierten Konstruktion kann kein weiteres Wort eingeschoben werden: * un libro extraordinario de bolsillo. Hingegen sind in der freien Wortgruppe, z.B. Libro de Pablo, die Konstituenten trennbar und getrennt modifizierbar: el libro de mi amigo Pablo, el libro extraordinario de mi amigo Pablo)

Die lexikalisierte Konstruktion besteht – wie die freie Wortgruppe – aus phonetisch selbständigen Hauptkonstituenten in syntaktisch wohlgeformter Anordnung. Komposita hingegen bilden eine asyntaktische Wortkombination und/ oder eine phonetische Einheit.

Formal kann man nach der Art der Wortklassenkombination rund 20 Kompositions- typen im spanischen Wortschatz unterscheiden (siehe Tabelle[4]). Die Mehrzahl der Kompositionstypen ist jedoch unproduktiv und umfasst nur wenige, häufig undurchsichtige Wörter. Die produktivsten unter ihnen sind die Substantivkomposita, unter ihnen speziell die Verb-Nomen-Komposita.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Das Verb-Nomen-Kompositum

In der Forschungsgeschichte der Verb-Nomen-Komposita lassen sich nach Rainer drei Höhepunkte ausmachen[5]: Der erste ensteht im ausgehenden 19. Jhdt.

Hauptstreitpunkt war die Natur des Erstglieds. Bereits damals wurden alle Möglichkeiten erwogen, die noch heute im Gespräch sind: Imperativ, dritte Person Singular des Indikativ Präsens, Verbalthema und Nomen agentis. Zu dieser Zeit einigte man sich schließlich auf die Imperativhypothese. Die zweite Phase der Forschungsgeschichte ortet Rainer nach dem 2. Weltkrieg. In dieser Diskussion siegte wieder die Imperativhypothese, die Indikativhypothese blieb jedoch weiterhin durchaus populär. Der dritte Höhepunkt fällt in die letzten dreieinhalb Jahrzehnte und ist durch das synchrone Herangehen an das Problem gekennzeichnet. Doch nun sollen zuerst einmal die einzelnen Thesen der Erstkonstituente vorgestellt werden um sich anschließend ein Bild darüber machen zu können.

3.1 Die Natur der ersten Konstituente

Aus dem Streit um die Natur des Erstkonstituenten ging also die Imperativhypothese hervor. Doch auch die anderen Thesen sollte man nicht vernachlässigen, zumal nicht nur Rainer stark daran zweifelt, dass die erste Konstituente synchron gesehen ein Imperativ ist.

Was die Bestimmung der Erstkonstituente erschwert, ist dass formal gesehen der Imperativ und der Indikativ der dritten Person singular identisch sind. Im Spanischen gibt es nur eine kleine Anzahl von Fällen, bei denen beiden Verbformen formunterschiedlich sind: di/ dice, haz/ hace, pon/ pone, sal/ sale, ten/ tiene, ven/ viene. Diese Schlüsselformen kommen jedoch nicht bzw. kaum in Komposita vor.

Das einzige Beispiel das Rainer nennt, ist der Pflanzenname detienebuey, der für die Indikativhypothese spricht.

Das Hauptargument gegen die Imperativhypothese ist semantischer Natur: die Bedeutung der Komposita enthält normalerweise kein imperativisches Element. So wäre es z.B.schwer nachzuvollziehen, wem man bei quitasol den Befehl geben soll, die Sonne abzuschirmen. Hier zeigt sich auch ein weiteres Argument für die dritte Person Singular des Indikativ Präsens: Die habituelle Bedeutung des Kompositums kann als Folge des generischen Präsens gesehen werden. Ein friegaplatos ist jemand, der berufsmäßig Teller wäscht und nicht jemand, der zu einem bestimmten Zeitpunkt ein paar Teller wäscht und schon gar nicht, weil ein Imperativ dahintersteht.

[...]


[1] Berschin, H./ Fernández-Seville, J./ Felixberger, J., Die Spanische Sprache. Verbreitung, Gerschichte, Struktur, Ismaning, 1995, S.296

[2] Thiele, J., Wortbildung der spanischen Gegenwartssprache, Leipzig, Berlin, München, 1992

[3] Berschin, H., Die Spanische Sprache, S. 297

[4] ebenda

[5] Rainer, F., Spanische Wortbildungslehre, Tübingen, 1993, S.265

13 von 13 Seiten

Details

Titel
Die Verb-Nomen-Komposita im Spanischen
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
Proseminar Morphologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V108294
Dateigröße
355 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Leider viele Tippfehler.
Schlagworte
Verb-Nomen-Komposita, Spanischen, Proseminar, Morphologie
Arbeit zitieren
Susana Catalina Prat (Autor), 2003, Die Verb-Nomen-Komposita im Spanischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108294

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