Die Aufklärung als Wegbereiter der französischen Revolution


Facharbeit (Schule), 2003
14 Seiten, Note: 1-

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Gliederung

1 Vorwort

2 Die Aufklärung
2.1 Wesensmerkmale und Definition der Aufklärung
2.2 Wie kam es zur Aufklärung?
2.3 Populäre Vertreter der Aufklärung und ihre unterschiedlichen Auslegungen derselben

3 Die französische Revolution
3.1 Probleme und Missstände des Ancièn Regime
3.2 Der Weg in die Revolution
3.3 Die Entwicklung der Revolution

4 Die Aufklärung als Wegbereiter der französischen Revolution?

1 Vorwort

Das Thema dieser Facharbeit ist der Einfluss der philosophischen Epoche der Aufklärung und ihrer Ideen auf die französische Revolution und deren Idealen.

Noch heute basieren die demokratischen Verfassungen Europas auf diesen Gedanken, was die damaligen Umstände so bedeutend und wichtig macht.

Die Aufklärung hatte ihren Höhepunkt Ende des 18. Jahrhunderts, der Zeit der französischen Revolution. Nicht nur aufgrund dieser Tatsache ist anzunehmen, dass ihre Ideologie eng mit der der Revolution verknüpft war.

2 Die Aufklärung

2.1 Wesensmerkmale und Definition der Aufklärung

Ende des 17. Jahrhunderts ging von England eine neue, vom Bürgertum getragene, revolutionäre Sichtweise des menschlichen Selbstverständnisses aus, die es in dieser Form noch nie gegeben hatte und wie sie vorher auch kaum denkbar gewesen wäre. Sie breitete sich schnell auf andere Länder wie Frankreich und Deutschland aus, wurde auch in Nordamerika heftig diskutiert und anerkannt und prägte als zu völlig neuen Ideen hinführende Philosophie ihre Zeit wie keine andere: Die Aufklärung.

Doch was war das Neue, für das Bürgertum Interessante und Reizvolle an ihr? Diese verschiedenen geistigen und kulturellen Ströme dieser Zeit, was heutzutage als „Die Aufklärung“ zusammengefasst wird, hatten es sich zur Aufgabe gemacht, politische und gesellschaftliche Zustände mithilfe der menschlichen Vernunft zu hinterfragen. Somit war es theoretisch jedermann möglich –vom Bauern bis zum Intellektuellen–, das System zu überprüfen, da jeder Mensch diese Vernunft im Sinne der Aufklärung besitzt. Der in Verbindung mit der Aufklärung wohl am häufigsten erwähnte Satz ist wohl folgender von Immanuel Kant: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.“[1] Diese Definition zeigt klar auf, dass es der Großteil der Menschen unter der damals üblichen Regierungsform der Alleinherrschaft versäumt hatte, seinen eigenen Verstand, seine „Vernunft“ zu gebrauchen und so zu einem für die Regierenden bequemen, weil unmündigen und passiven Bürger erzogen wurde. Nun aber wurden die Bürger motiviert, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, sich nicht mehr länger zurückzuziehen, sondern aktiv in der Gesellschaft mitzuwirken. Dies stieß zwar vereinzelt bei Einigen auf Kritik, da sie eine Vernach-lässigung der Gefühle empfanden, doch wurden die neuen Ideen größtenteils positiv aufgenommen.

Dieses Streben nach Freiheit und Selbstbestimmung musste aber trotzdem immer noch unter der Macht der Monarchen ausgeübt werden und wurde zu verhindern versucht, weil die Kritik natürlicherweise auch vor Dogmen wie des von Gott eingesetzten Herrschers und Aberglauben nicht halt machte. Ganz im Gegenteil: Darin wurde die Wurzel des Übels, der Unmündigkeit des Menschen, gesehen. Somit mussten Schriften mit aufklärerischem Inhalt größtenteils illegal erscheinen, doch konnten auch diese Maßnahmen nichts an der Popularität und Weiterverbreitung der Aufklärung ändern.

2.2 Wie kam es zur Aufklärung?

Im Europa des 17. Jahrhunderts waren absolutistische Herrschaftssysteme das Maß aller Dinge und von den meisten Intellektuellen akzeptiert, wenn nicht sogar gefordert. Thomas Hobbes zum Beispiel sah in seinem Werk „ Leviathan “ keine andere Möglichkeit dem, von ihm als grundsätzlich bösen und nach dem Besitz des anderen trachtenden Menschen einen allmächtigen Herrscher überzuordnen, damit dieser mit seiner Macht ein geordnetes Zusammenleben garantiere: „Wie das Leben ohne eine Furcht gebietende oberste Gewalt aussehen würde, kann man aus dem Zustand ersehen, in den Menschen, die vorher, unter einer friedlichen Regierung gelebt haben, im Bürgerkrieg verfallen.“[2] Diese drastische Ansicht wurde jedoch nicht von der Mehrzahl seiner Zeitgenossen aus dem Bürgertum geteilt, da sie unter der Macht eines Allein-herrschers dessen Willkür hilflos ausgesetzt waren.

Erst mit der übersteigerten Dekadenz und Überheblichkeit Ludwig des XIV. in Frankreich kamen langsam die Gedanken in das kollektive Bewusstsein, die die Aufklärung ausmachen. Zwar fühlten sich die Bürger unter seiner absolutistischen Herrschaft (L’État, c’est moi) vor einem drohenden Bürgerkrieg sicher, doch „hatten die Kriege und die aufwendige Hofhaltung die Staatsfinanzen zerrüttet“.[3] Dies ging hauptsächlich zu Lasten des Volkes, weil immer höhere Abgaben gefordert wurden und da Mangels Arbeit die Armut immer größer wurde. Sein Nachfolger, Ludwig XV., setzte diese Politik fort und regierte sein Land mit immer ausufernder Willkür und Verschwendung. Zu diesem Zeitpunkt, es war in der Mitte des 18. Jahrhunderts, wurde erstmals Kritik von bedeutenden Vertretern der Aufklärung laut. Auch das Bürgertum forderte nun Reformen, um nach englischem Vorbild an der Macht teilhaben zu können.

Denn dort wurde bereits 1689 infolge der „Glorious Revolution“ die sogenannte „ Bill of rights “ zum Gesetz erklärt, die unter anderem die freie Wahl des Parlaments, die freie Rede und das Verbot gegenüber dem König, keine Gesetze des Parlaments außer Kraft zu setzen, beinhaltete. Ein Hinweis darauf, dass diese Bestimmungen für damals äußerst fortschrittlich waren, zeigt, dass auf ihnen noch heute ein Großteil der britischen Verfassung basiert. Diese damals einmaligen Ideen wurden zur gleichen Zeit von einem der härtesten Kritiker Hobbes’ formuliert und man könnte ihn als den Initiator der Aufklärung bezeichnen, die sich dann rasant ausbreitete: Es war John Locke.

2.3 Populäre Vertreter der Aufklärung und ihre unterschiedlichen Auslegungen derselben

Wie bereits erwähnt war die Aufklärung eine Kombination verschiedener geistiger und kultureller Ströme, die sich mit den selben Grundzügen befasste. Zum einen gab es die „Aufklärungstheoretiker“, die sich in philosophischen Abhandlungen Gedanken über die Möglichkeiten des Menschen in der Gesellschaft machten. Einer von ihnen ist der bereits zitierte Immanuel Kant. Doch auch René Descartes legte die philosophischen Grundlagen für die Aufklärung. In seinen Meditationen beschreibt er die Selbst-ständigkeit des subjektiven menschlichen Denkens und legte damit den Grundstein für die individuelle Unabhängigkeit und Verantwortung des Bürgers für sich selbst: „Also was bin ich nun? Ein denkendes Ding. Was ist das? – Ein Ding das zweifelt, einsieht, bejaht, verneint, will, nicht will [...] und empfindet.“[4] Daraus wurde der berühmte Satz „Cogito, ergo sum“ und „Je pense, donc je suis“ (Ich denke, also bin ich) abgeleitet.

Jean-Jacques Rousseau hingegen kombinierte diese Gedanken mit der Realität und beschrieb in seiner berühmten politischen Abhandlung „ Du contrat social ou principes du droit politique “ (Der gesellschaftliche Vertrag oder die Grundregeln des allgemeinen Staatsrechts) seine Theorie, dass der Staat als politische Organisation auf dem Gesellschaftsvertrag (Contrat social) beruhe und sich der absolutistische Herrscher dem Gemeinwillen (Volonté générale) beugen müsse: „Der Souverän handelt, da er keine andere Macht hat als die Legislative, nur mittels Gesetzen und da Gesetze nichts anderes als die eigentliche Akte des Gemeinwillens sind, kann der Souverän nur dann handeln, wenn das Volk versammelt ist“.[5] Diese Grundlagen sollte sich die französische Revolution bald zu eigen machen.

Weitere Staatstheoretiker waren John Locke und Charles de Montesquieu, die das Recht des Einzelnen und die daraus resultierenden Beschränkungen für die Staatsgewalt betonten. Beide befassten sich infolgedessen mit der Gewaltenteilung, die zuerst von Locke aufgestellt und dann von Montesquieu um die Judikative erweitert wurde. Montesquieu schrieb hierzu in seinem Werk „ Vom Geist der Gesetze “: „Alles wäre verloren, wenn derselbe Mensch [...] diese drei Gewalten (Bemerk.: Legislative, Exekutive und Judikative) ausüben würde.“[6] Für unsere heutige Zeit selbstverständlich, da alle westlichen Demokratien auf diesem Grundsatz beruhen, waren diese Gedanken damals doch von größter Bedeutung, da sie völlig neue Dimensionen und Ansätze schufen.

Ein weiterer Zweig der Aufklärung befasste sich mit der Geschichtsphilosophie, was Konsequenz aus dem neuen Streben nach einem freiheitlichen, menschenwürdigen und glücklichen Dasein für alle war. Dieser Fortschrittsoptimismus wollte aus der Historie lernen und so wurden unter anderem von Voltaire, Hume und Gibbon umfassende Werke der Geschichtsschreibung verfasst.

Man sieht: Die Gebiete, mit denen sich die Aufklärung befasste, waren vielfältig und ihre Sicht der Dinge war revolutionär: Sie war die Initialzündung für eine neue Epoche.

3 Die französische Revolution

3.1 Probleme und Missstände des Ancièn Regime

Im Frankreich des 18. Jahrhunderts war der Unmut der Bürger mit der Zeit größer geworden und das absolutistische Regierungssystem wurde immer heftiger kritisiert. Dieser Prozess streckte sich über fast ein ganzes Jahrhundert hin und seine Gründe waren vielfältig.

Unter der Herrschaft Ludwig des XIV. lag es in Frankreichs Interesse, die Vormacht-stellung Frankreichs in Europa beizubehalten und auszubauen. Die Konsequenz dieses Vorhabens lag in einer enormen Verschuldungspolitik, in deren Höhepunkt die Hälfte der Ausgaben die Zinsen ausmachte und dies nicht mehr von den Einnahmen gedeckt werden konnte[7]. Die Situation verschlimmerte sich dann noch, als die französischen Truppen empfindliche Niederlagen gegen die Seemächte Englands und Hollands während der Erbfolgekriege verkraften mussten. An der aufwendigen Hofhaltung änderte dies aber nichts und der anfangs bewunderte „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. verlor sein Ansehen. Sein Nachfolger Ludwig XV. behielt diese Politik bei und konnte in der Außenpolitik auch nur Niederlagen verbuchen: Während des Siebenjährigen Krieges verlor Frankreich große Teile seiner Kolonien. Die Innenpolitik wurde zunehmend von Willkür und Verschwendungssucht geprägt und somit war es klar, dass Kritik am Herrschaftssystem des Absolutismus laut werden musste. Reformen an Adel und Klerus, die große Teile ihrer Privilegien wie zum Beispiel das der Steuerfreiheit (das in dieser politischen Lage immer mehr ad absurdum geführt worden war), abgeben sollten, mussten eingeleitet werden. Doch das Parlament, das selbst aus diesen beiden Schichten bestand, wusste dies immer wieder zu verhindern. In einem Widerspruch gegen diese Reformen begründeten sie die Existenz der Ständegesellschaft so:

In der Gesamtheit, die aus diesen verschiedenen Ständen gebildet wird, sind alle Menschen Ihres Königreiches Untertanen; alle sind verpflichtet, zu den Bedürfnissen des Staates beizutragen. [...] Der besondere Dienst der Geistlichkeit besteht darin, alle Aufgaben zu erfüllen, die sich auf den Unterricht und den religiösen Kultus beziehen [...]. Der Adelige weiht sein Blut der Verteidigung des Staates [...]. Die letzte Klasse des Volkes [...] leistet ihren Beitrag durch die Abgaben, durch Arbeitsamkeit und durch körperliche Dienste.[8]

Die obere Schicht beharrte auf ihrer Meinung gegenüber dem dritten Stand, der immer-hin 98% der Bevölkerung ausmachte, und so kam es zwangsläufig zu einer Ent-fremdung dieser beiden Klassen. Durch die hohe Verschuldung des Staates rollte eine Welle der Armut durch das Land, die sich sogar beim Landadel und dem niederen Klerus bemerkbar machte, wodurch die ersten beiden Stände auch Gegner in ihren eigenen Reihen bekamen. Und bald schon wurden Stimmen laut, die eine Umverteilung der Macht forderten und Antoine Barnave, Mitglied der Nationalversammlung sollte später einmal folgendes feststellen: „Eine Umverteilung des Reichtums führt zu einer Neuverteilung der Macht. Ebenso wie der Besitz an Grund und Boden den Adel emporgehoben hat, hebt das industrielle Eigentum die Macht des Volkes empor.“[9]

Und auch das Besitz- und Bildungsbürgertum strebte nach dem Beispiel der kurz zuvor vorangegangenen amerikanischen Revolution nach einer politischen Beteiligung. Denn diese wurde mit solch einer Begeisterung aufgenommen, dass die Obrigkeiten immer mehr mit einer Nachahmung rechnen mussten: „Der Aufstand der Amerikaner hatte in Marseille eine so lebhafte Erregung verursacht, dass ein Fest geschaffen wurde, um die Erinnerung daran für immer zu bewahren und zu feiern.“[10]

Und zu guter Letzt waren die Aufklärer die Agitatoren des sich langsam aufbauenden Widerstands: Sie verstanden es, die Kritik an dem herrschenden Gesellschaftssystem mit Hilfe ihrer Philosophien so treffend und überzeugend zu formulieren, dass sich die geknechteten Bürger nicht länger der längst fälligen Handlungen verwehren konnten. Es wurden Alternativen aufgezeigt und die herrschenden Klassen mussten sich bald im Klaren darüber sein, dass ihr System zum Scheitern verurteilt war.

3.2 Der Weg in die Revolution

Die Regierung konnte die verschiedenen subversiven Strömungen im Land nicht weiter ignorieren und so kam es, dass Ludwig XVI. seinen Finanzberater Turgot zu Reformen veranlasste und an die Regierungsspitze berief. Doch er scheiterte –wie seine Nachfolger Necker und Calonne- an Adel und Klerus, die ihre Privilegien nicht aufgeben wollten. Schließlich wurden dann doch gegen das Veto des Staatsrates und des Parlaments von Paris die Reformen durchgesetzt, um einen Staatsbankrott im letzten Augenblick noch zu verhindern. Der nun düpierte Adel antwortete mit einer Revolte und holte sich Unterstützung beim reformwilligen Bürgertum. Ludwig XVI. sah sich nun einem Chaos gegenüber und wusste sich nicht anders zu helfen, als die zuletzt 1614 zusammengekommenen Generalstände, die sich aus den Vertretern des Bürgertums, des Adels und des Klerus, zusammensetzten, am 1. Mai 1798, dem Jahr der Revolution, in Versailles einzuberufen. Adel und Klerus waren nun damit einverstanden, das Bürgertum bei Entscheidungsfragen einzubinden und zu beteiligen. Doch eine weitere Ungerechtigkeit wurde nun offensichtlich: Für jeden Stand waren 300 Sitze vorgesehen, obwohl der dritte Stand mit 98% die absolute Mehrheit der Bevölkerung ausmachte. Schließlich akzeptierte die Regierung unter dem Druck der Öffentlichkeit eine Anhebung der Sitze auf 600. Nun aber war der Abstimmungsmodus in der Kritik: Im Sinne Rousseaus sollte der „volonté générale“ über die Fragen entscheiden, was bedeutete, dass eine Abstimmung nach Köpfen und nicht nach Ständen stattgefunden und der dritte Stand dominiert hätte. Diese Forderung wurde in einer Flugschrift von Abbé Emmanuel-Joseph Sieyès ausgedrückt: „Der dritte Stand verlangt [...], dass nach Köpfen und nicht nach Ständen abgestimmt wird.“[11] Doch die Zahl der bisher erfolg-reich unterdrückten Ansprüche an den König nahm immer weiter zu: Das Bürgertum wünschte eine Verfassung und die Proklamation der Menschenrechte, die Bauern beschwerten sich über die Steuern, die Steuerprivilegien und die Feudallasten und Vorkämpferinnen der Frauen wie Olympe de Gourges setzten sich für die soziale Gleichstellung und politische Mitwirkung der Frauen ein.

Die nun entflammten Wünsche der Bürger an den König konnten unter nüchterner Betrachtung nicht ohne eine Absetzung desselben oder einer völligen Entrückung seines Machtbereichs im Sinne seines Amtes durchgeführt werden: Die Einberufung der Generalstände war der Anfang vom Ende des Ancièn Regime.

3.3 Die Entwicklung der Revolution

Nun gab es für das Volk kein Halten mehr: Am 17. Juni 1789 erklärten sich die Vertreter des dritten Standes zur Nationalversammlung:

Die Benennung Nationalversammlung ist die einzige, die bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge der Versammlung zukommt, sowohl weil die Mitglieder, aus denen sie sich zusammensetzt die einzigen Vertreter sind, die gesetzlich und öffentlich anerkannt und bestätigt sind, als auch weil sie direkt aus nahezu dem gesamten Volk entsandt worden sind [...][12]

Am 27. Juni schließlich erkannte der König sie unter dem Druck der Pariser an und immer mehr Adelige traten ihr über, wozu er dann letztendlich alle Abgeordneten aufforderte. Doch das Volk wurde unruhig, als sich das Gerücht verbreitete, der

König ließe Truppen mit ausländischen Söldnern um die Stadt aufmarschieren. Man befürchtete, dass er so mit Gewalt die Nationalversammlung auflösen wolle. Waffengeschäfte wurden geplündert und einzelne Truppen schlossen sich dem Mob an. Der König konnte sich nicht mehr auf seine Armee verlassen. Zur Beruhigung der Menge wurde die Nationalgarde als Miliz aus der Nationalversammlung gebildet. Doch das reichte nicht aus: Am 14. Juli 1789 holte sich eine vermischte Menge aus Garden, Bürgern und Arbeitern 32.000 Gewehre aus dem Dom der Invaliden. Damit zogen sie zur Bastille, dem Staatsgefängnis, das sie nach einer Schießerei mit zahlreichen Opfern auf beiden Seiten stürmten. Dieses Symbol der Unterdrückung im Absolutismus war gefallen und so ist der 14. Juli noch bis heute Nationalfeiertag der Franzosen.

Ludwig XVI. gab nach und alsbald wurden die „Menschenrechte“ verkündet, die wohl wichtigste Handlung, da beinahe alle Gedanken der Aufklärung in ihr verwirklicht wurden. Als der König –wohl aus Unzufriedenheit über seine Eingeschränktheit– schließlich am 21.6.1791 mit seiner Familie an die Grenze Österreichs flüchten wollte, kurz vorher aber noch entdeckt wurde, gründete die Nationalversammlung die konstitutionelle Monarchie, aber dennoch wurde eine Republik angestrebt. Um einer Intervention des Auslands zuvorzukommen wurde Österreich der Krieg erklärt und die Revolutionskriege begannen. Als am 10. August 1792 die Volksmassen das Tuilerienschloss stürmten, war der Sturz der Monarchie besiegelt, was der aus der Nationalversammlung hervorgegangene Nationalkonvent am 21. September förmlich beschloss. Als Folge daraus musste der nun überflüssig gewordene König sterben, was natürlich eine ungeheure Symbolwirkung auch für das Ausland hatte. Ludwig XVI. wurde am 21. Januar. 1793 hingerichtet. Nun geriet die Revolution völlig außer Kontrolle: Jeder verdächtigte jeden und eine Hinrichtung folgte der nächsten. Es war die Zeit der Schreckensherrschaft, in der sich niemand sicher fühlen konnte. Die Revolution hatte sich von ihren ursprünglichen Zielen entfremdet: Sie fraß ihre Kinder.

4 Die Aufklärung als Wegbereiter der französischen Revolution?

Niemand wird leugnen können, dass sich Ideen der Aufklärung in der Revolution wiederfinden lassen: Aufklärer wie auch Revolutionäre, Rousseau und Voltaire waren sogar beides, bemühten sich um die Verwirklichung ihrer Ideale wie Selbstbestimmung, Freiheit, Toleranz und Humanität, die alle in der „Menschenrechtserklärung“ vom 27. August 1789 manifestiert wurden.

Doch kann man die Aufklärung deshalb tatsächlich als Hauptursache für die Um-stürzungen um 1789 in Frankreich nennen? Es gab äußerst viele Faktoren, die für die Bürger von existenzieller Natur waren und somit auch den Wunsch nach Ver-änderungen aufkommen ließen. Doch dies betraf hauptsächlich nur den Teil des Volkes, der unter enormen Problemen leben musste. Der amerikanische Soziologe James C. Davies stellt dazu folgendes fest:

„Für die Revolution müssen sich ja Unzufriedene und Enttäuschte zusammenschließen, die sich nach dem Grad der objektiven materiellen Wohlfahrt und nach ihrer sozialen Stellung voneinander unterscheiden. [...] Wenn sich nur die tatsächlich Unterdrückten erheben und auf den geschlossenen Widerstand der Reichen, Hohen und Mächtigen stoßen, wird ihr Aufstand zerschlagen [...].“[13]

Wie aber konnten die Reichen, Hohen und Mächtigen zu einer Revolte überzeugt werden, denn ohne sie wäre diese nicht in dem Umfang realisierbar gewesen.

Es muss daran gelegen haben, dass die revolutionären Ideen der Aufklärung auf sie solch eine Affinität und Überzeugungskraft ausübten, dass auch sie bald für eine Veränderung der vorherrschenden Verhältnisse gewonnen werden konnten. Diese neue Philosophie, die bereits in England und Amerika das bisherige System gestürzt und ein Neues, nach eigenen Idealen und Werten aufgebaut hatte, lieferte den nach Veränderungen dürstenden Menschen Gedanken für eine Gesellschaft, in der sie ihre Ziele und Wünsche erfüllt sahen. Die Aufklärung kann man demnach als Wegbereiter auf geistiger Ebene ansehen, die eine weitere Zielgruppe ansprach, die nicht direkt unter dem Herrschaftssystem des Absolutismus zu leiden hatte. Und so waren es auch zunächst nur die Intellektuellen, die sich mit den neuen Theorien beschäftigten und an ihre spezielle Situation anpassten. Staatstheoretiker wie Montesquieu und Rousseau, die

beide aus wohlsituierten Kreisen kamen, wurden motiviert, Alternativen zu suchen und sie stießen dabei auf Ideen, die schon bald verwirklicht werden sollten.

In der Zeit der Revolution fühlte sich nun auch das einfache Bürgertum dazu veranlasst, an den Gedanken der Aufklärung teilzuhaben und sie zu beeinflussen. Im Sinne der Aufklärung schossen immer mehr Debatierclubs aus dem Boden, in denen sich die Mitglieder ihrer Vernunft bedienten und gemeinsam nach Verbesserungen suchten.

Man kann die Aufklärung demnach als das vorher fehlende Bindeglied zwischen zwei scheinbar unvereinbaren Parteien ansehen: Sie brachte auf geistiger Ebene den Stein ins Rollen, der vorher unbeweglich erschien.

Literaturverzeichnis

1) Immanuel Kant, Was ist Aufklärung?, http://www.gutenberg2000.de/kant/aufklae/aufkl001.htm

2) Thomas Hobbes, Leviathan oder Wesen, Form und Gewalt des kirchlichen und bürgerlichen Staates. I. Der Mensch. Hg.v. P. Mayer-Tasch in d. Übers. Von D. Tidow. Rowohlt, Reinbeck 1965, S.96-101

3) Brockhaus Band 4, 1997, S. 453

4) René Descartes, Meditationes de Prima Philosophia, Übers. u. hrsg. v. Gerhart Schmidt, Reclam Verlag, Stuttgart 1986, S. 77-87

5) Jean-Jacques Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag, Übers. u. hrsg. v. Hans Brockard, Reclam Verlag, Stuttgart 1977, S 98 f.

6) Charles de Montesquieu, Vom Geist der Gesetze. Bd.1. XI,6, Übers. u. hrsg. v. Ernst Forsthoff, Mohr Verlag, Tübingen 1992, S. 213 f.

7) Staatshaushaltsplan 1788

8) Irmgard und Paul Hartig: Quellen zur französischen Revolution, Stuttgart 1984, S. 24 f.

9) Antoine Barnave: Introduction à la Révolution française, Paris 1960, Übers. v. P. Hartig, S. 9 f.

10) I./P. Hartig: Französische Revolution, Bericht des Pidansat de Mairobert, S. 23

11) Die Französische Revolution. Eine Dokumentation, Walter Grab (Hrsg.), München 1973, S. 24

12) I./P. Hartig: Französische Revolution, S. 41

13) James C. Davies: Eine Theorie der Revolution, Hrsg. v. W. Zapf, Köln-Berlin 1970, S. 399 ff.

Ich bestätige hiermit, dass ich für diese Facharbeit keine fremde Hilfe in Anspruch genommen und nur die im Literaturverzeichnis aufgeführten Materialien als Quellen benutzt habe.

[...]


[1] Immanuel Kant, Was ist Aufklärung?, http://www.gutenberg2000.de/kant/aufklae/aufkl001.htm

[2] Thomas Hobbes, Leviathan oder Wesen, Form und Gewalt des kirchlichen und bürgerlichen Staates. I. Der Mensch. Hg.v. P. Mayer-Tasch in d. Übers. Von D. Tidow. Rowohlt, Reinbeck 1965, S.96-101

[3] Brockhaus Band 4, 1997, S. 453

[4] René Descartes, Meditationes de Prima Philosophia, Übers. u. hrsg. v. Gerhart Schmidt, Reclam Verlag, Stuttgart 1986, S. 77-87

[5] Jean-Jacques Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag, Übers. u. hrsg. v. Hans Brockard, Reclam Verlag, Stuttgart 1977, S 98 f.

[6] Charles de Montesquieu, Vom Geist der Gesetze. Bd.1. XI,6, Übers. u. hrsg. v. Ernst Forsthoff, Mohr Verlag, Tübingen 1992, S. 213 f.

[7] Staatshaushaltsplan 1788

[8] Irmgard und Paul Hartig: Quellen zur französischen Revolution, Stuttgart 1984, S. 24 f.

[9] Antoine Barnave: Introduction à la Révolution française, Paris 1960, Übers. v. P. Hartig, S. 9 f.

[10] I./P. Hartig: Französische Revolution, Bericht des Pidansat de Mairobert, S. 23

[11] Die Französische Revolution. Eine Dokumentation, Walter Grab (Hrsg.), München 1973, S. 24 ff.

[12] I./P. Hartig: Französische Revolution, S. 41

[13] James C. Davies: Eine Theorie der Revolution, Hrsg. v. W. Zapf, Köln-Berlin 1970, S. 399 ff.

14 von 14 Seiten

Details

Titel
Die Aufklärung als Wegbereiter der französischen Revolution
Note
1-
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V108366
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aufklärung, Wegbereiter, Revolution
Arbeit zitieren
Florian Scholz (Autor), 2003, Die Aufklärung als Wegbereiter der französischen Revolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108366

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